Geschrieben: 14.04.12 21:01 zuletzt geändert: 14.04.12 23:27 durch Mischgi (insgesamt 1 mal geändert)
Nachtrag zur Manie: um die Phase zu beenden oder einzudämmen auf natürlichem Wege: generell Reize reduzieren.
Von außen auf einen einwirkende Reize aus dem wahrnehmbaren Radius räumen, aber auch die innere Balance und gedankliche Fokussierung versuchen auf einen ruhigeren Pol zu lenken.
Komplette Ruhe, tief durchatmen, hinlegen, Augen schließen, kein Kontakt zu anderen Menschen... Sowas dürfte wohl generell etwas helfen...
Hab das aber selbst nie angewandt. Ist rein theoretisches Wissen noch aus meiner Therapie.
Manie kann sich auch subtil bemerkbar machen, wenn man sich extrem freut oder über etwas aufregt oder sich reinsteigert.
Ich hab zumindest bei mir erkannt, dass das Wesen schlummernd stets in mir lebt.
Mal kommts an die Oberfläche kurz, dann wars das aber auch wieder. Ich merk das einfach an gewissen Verhaltenszügen, die ich dann verstärkt wahrnehme (das meinte ich mit "Erkrankung in meine Persönlichkeit integriert").
Es ist bei mir jedenfalls charakterbedingt nun eher zur Manie gerückt, was mir sehr zu Gute kommt und gefällt natürlich...
Vor 2-4 Jahre das genaue Gegenteil... Depressiv 24/7, Derealisation, Depersonalisation, psychosomatische Beschwerden, Pessismist, Lethargisch, Leer, 0 Motivation oder gar Antrieb ... Hoffnungslos verloren.
Naja, es ist wohl möglich sich zu ändern, aber waren auch extrem drastische Umstände bei mir.
Selbstmord kam eig nie in Frage (ich wollte zwar nicht mehr leben, aber den Schritt hätte ich nie gewagt, aus drei Gründen: meine Mutter, Angst vor dem Nichts und das Nicht-akzeptieren wollen, dass ich kleinbei geben musste und scheitere, wo andere weitermachen... Mein Stolz hat mich nicht handeln lassen, da ich mich niemals gegenüber "denen" geschlagen gebe und das Handtuch werfe ... Ja von mir aus auch, weil ich den Großteil für Vollidioten halte und es nicht abhaben kann, dass diese mich überleben und triumphierend weiterbestehen ^^)
Hm, worauf wollte ich hinaus...
Achso ja, nach ca einem Jahr des komplett Abdichtens mit allerlei Zeug, ging das iwann einfach nicht mehr klar.
Die geschlossene Anstalt rückte näher, oder was auch immer...
Iwann beugte ich mich dem unausweichlichen Schicksal und nahm professionelle Hilfe in Anspruch, was blieb sonst auch groß übrig?!
Erst wenn man komplett am Boden liegt und nichts anderes mehr geht, nimmt man den anstrengendsten, ermühdensten aber einzig hilfreichen Schritt... Erstmal alles einfache natürlich, um dem Verhassten ja nicht gegenübertreten zu müssen. Schon bescheuert.
Das Bewusstsein und die Akzeptanz oder gar Bereitwilligkeit folgten erst viel später für diesen Weg.
Ich habs halt gemacht. Was extrem wichtig war. Auch ohne jede Lust und "was soll des bringen ey?"
Solange man durchält, offenbart sich iwann der Erfolg (bei mir erst 1/2 Jahr NACHDEM die Psychotherapie bereits vorbei war, lol)
Bei Drogenkonsum generell muss jeder selbst seine Erfahrungen machen mit den jeweiligen Substanzen und Stoffgruppen. Was klargeht, wie dann und dann damit umzugehen ist, usw.
Es gibt für alles eine individuelle Strategie, ne sogar mehrere... Man muss nur bisschen ausprobieren, die Situation einschätzen, sich selbst kennen und dann kann eig nicht viel schief gehen.
Achja, ein geregelter und gleichbleibender Tagesrhythmus sollten gewährleistet sein bei diesem Krankheitsbild... *hust
Da scheiter ich komplett. Meiner ist immer verschieden, spontan und je nach Situation.
Naja, vor allem in schlechten Phasen hilft es wohl, um etwas Halt zu haben in der Hoffnungslosigkeit und Desorientierung.
Glaub das wars erstmal an Nachträgen :)
Mischzustände depressiv/manisch kenn ich bspw. auch gar nicht... Kanns mir auch nur schwer vorstelln grad? Hm
Meine hypomanen Phasen gehen auch nie über Tage, eher Stunden.
Depressive so lange bis man der Wurzel des Übels einhalt gebietet.
Die manischen Gedankenbahnen sind ferner schon verdammt faszinierend. So chaotisch zahlreich und doch so aussagekräftig und kreativ assoziativ. Gleichzeitig auf maximal 9 Bahnen fließen die Gedankenstränge bei mir (pro Sekunde?).
Naja, Upperüberstimulierung und Vervielfältigung der Gedanken können mich jedenfalls nicht mehr sonderlich beeindrucken wenn man das betrachtet. Es steigert sich ab nem gewissen Punkt nicht mehr, ist klar, sonst würde man ja komplett durchdrehen :)
Vor allem sind die Gedanken manisch gefärbt auch so schön belebend und verbreiten Aufbruchsstimmung.
Freut mich, wenn ich etwas Mut machen konnte...
Ich frag mich trotzdem immer noch wie ich die ganze Zeit unbeschadet überstehen konnte bei all dem, was ablief. Oh weia
Ich kann nur prophetisch deuten, dass meine Existenzberechtigung auf unbestimmte Zeit fortbesteht und meine Entscheidungen nicht verkehrt waren im Großen und Ganzen :)
Ich vermute schon seit längerem, bzw ist mir aufgefallen das ich wohl manische Phasen habe. Aber eher subtil. Kann es nicht quittieren, die Symptome zu erkennen wird durch meinen Konsum verschiedener Substanzen nicht einfacher. Aber es könnte sein. Oft dachte ich es wäre normal, da solche Phasen bei mir ausschließlich durch massive Änderungen meiner Lebensumstände ausgelöst wurden. Zb wenn ich mich mal aufraffe und einige Probleme des RLs angehe, dann steigere ich mich da rein und möchte dann alles auf einmal "abarbeiten". Daran scheiterts dann auch oft.
Dabei dachte ich oft das ich einfach "nur" die Depri unterdrückt habe oder durch die Umstände drauf schei* kann. Auch diese würde ich, auf der emotionalen Ebene als eher leicht beschreiben, es sind viel mehr reale Probleme die ich habe, wenn ihr wisst wie ich das mein. Antriebslosigkeit, Zukunftsängste etc usw ist zwar alles da war früher aber schlimmer, das hier bereits erwähnte beklemmende Brustgefühl, kenne ich von früher, das ist allerdings schon lange nicht mehr da, bzw wird nur durch Probs ausgelöst.
Wenn ich in eine solche Phase reinkomme dann dauert sie lange. Teilweise über Wochen. Sie kommt und geht schleichend. Und ist eher Subtil. Ich merk es eigtl. nur am gesteigerten Selbstbewusstsein und der "Aufbruchsstimmung". Ich möchte alles gleichzeitig angehen, Sachen die ich schon ewig vor mir her geschoben habe. Bekomme richtiges Fernweh usw.
Diese Phasen habe ich durchweg Positiv in der Erinnerung. Leider sind sie viel zu selten. Wenn ich die Wahl hätte würde ich für immer in so einer Phase bleiben.
- Nun wie kann man das Abgrenzen? Ab wann ist sowas nicht mehr normal?
- Wie kann ich eine solche Phase auslösen? Ohne Upper und ohne das ich mich Aufraffe und Lebensumstände massiv ändere, denn dazu möchte ich diese Phasen ja nutzen.
Ich weiß diese Fragen sind nicht besonders schlau aber hier sind ja einige die um einiges mehr darüber wissen.
Hm hab keine manische depression, aber leider unter Borderline und auf die depressiven Phasen folgt bei mir auch oft eine leichte Manie mit etwas Größenwahn.
Der kommt auch oft zeitlich unpassend, aber nach einer Depression gibt mir das Kraft.
Wobei ich froh sein kann das ich das nicht in einem Rahmen habe der mich gefährden würde.
Mit der Risikobereitschaft bei einer stark ausgeprägten Manie muss man schon aufpassen das ist oft kein Segen mehr.
Hast du es mal mit Stimmungsstabilisatoren versucht?
Lithium würde wohl bei beiden Polen helfen und wirkt sehr gut was das antidepressive angeht, aber ist natürlich nicht ohne das mit dem Arzt anzusetzen. Von den Nebenwirkungen her die auch tödlich enden können.
Ich hab früher Lamotrigin (Anti-Epileptikum) als Stimmungsstabilisator genommen.
Das hat mehr geholfen als Anti-Depressiva.
Leicht depressive Phasen gab es selbstverständlich immer noch, aber es hat meinen Antrieb gesteigert und mich abends ausreichend müde gemacht um ohne Medikamente zu schlafen.
Es macht die depressiven Phasen halt viel weniger tief.
Im Gegensatz zu Anti-Depressiva hemmt es die Wiederaufnahme von Serotonin nicht was ganz praktisch ist wenn SSRI einen antriebslos und gleichgültig machen.
(Acaine hat dazu viel hilfreiches im Fluoxetin Thread geschrieben)
Soweit ich weiß können Stimmungsstabilisatoren in der Regel keine Manie steigern.
Entgegen wirken tun Sie je nach Präperat nicht unbedingt. Das Lamotrigin hat bei mir keine leicht manischen Zustände genommen es wirkte hauptsächlich auf dem depressiven Pol.
Aber ich hab auch keine ausgeprägte Manie geschweige denn die Diagnose also kann ich das nicht so genau beurteilen wie ein manisch-depressiver mit ausgeprägten Hochs.
Ich geh jetzt mal auf bubas Post ein, aber ich hab eh den Eindruck daran zeigt sich eine Tendenz, die hier recht viele Beiträge bezieht.
Du merkst doch selber, dass du gut drauf bist, wenn alles ganz gut läuft und schlechter wenn's nicht so ist? Also du sagst es sogar, jetzt erzähl mir mal was daran nicht normal sein soll, bitte. Natürlich geht's die besser (und du hast auch mehr Energie, Motivation usw.) wenn du Sachen machst, die dich weiterbringen, wenn du das Gefühl hast was sinnvolles zu tun usw. Das geht absolut jedem so, und krankhaft wird's höchstens wenn's umgekehrt ist. Auch mehr oder weniger depressive Phasen und Phasen, wo man ganz gut drauf ist, wird wohl absolut jeder haben (als Drogenkonsument schonmal erst recht, weiß jeder der mal auf MDMA gefeiert hat und danach scheiße drauf war ;))
Jedenfalls... ob's einem gut oder schlecht geht hat halt auch meistens Ursachen, seien die jetzt Upper-Abfuck, Stress, Zoff mit irgendwelchen Leuten oder schlechtes Wetter (oder umgekehrt halt was auch immer eure Stimmung positiv beeinflusst) - vielleicht sollten sich einige mal mit denen beschäftigen, anstatt ständig die eigene Stimmung zu pathologisieren. Damit ist vielleicht dem einkommen eurer Ärzte geholfen, aber euhc sicher nicht..
Fischaaa: ich wett wenn man thana ableckt...dann is das wie mit den kröten
Fischaaa: da wird wirkstoff abgesondert statt schweiß xD
Auch wenn einige hier vielleicht zu sehr pathalogisieren kann ich mir schon vorstellen das viele Menschen unter Ihren extremen hochs und tiefs leiden.
Klar kann man dann auch sagen die pathalogisieren, aber manchmal ist man im Kopf schon so durch das ne Therapie oder Änderung des Verhaltens Jahre anstrengender Umstrukturierung bedeutet.
Finds ok was dagegen einzunehmen.
Von 17 - 19 hab ich in einem Wohnheim für seelisch erkrankte Jugendliche gewohnt.
Eine meiner engsten Freundinnen von mir war schwer manisch-depressiv und das hat sich dann ganz anders als in leichten Hochs geäußert.
Wenn Sie manisch war hat Sie ohne Drogeneinfluss mal eben nur 3-4 Stunden geschlafen nachts, Sie hat ständig Gedichte geschrieben und konnte bei Ihrem Gedankenrasen und Ihrem Hoch kaum noch einen ordentlichen Gedanken zusammenfassen. Ich hätte Sie manchmal am liebsten zum Fenster rausgeworfen wenn Sie bei anstrengenden Diskussionen lächerliche Fakten mit totalem Größenwahn vertrat und ständig aggressiv wurde.
Sie ist NACHTS zum Spaß im Wald 5 Stunden lang Power-Joggen gegangen.. eigtl. kein Joggen sondern Rennen (bis die Beine nicht mehr spürbar waren). Alles ohne Drogeneinfluss.
In der depressiven Phase hat Sie kaum noch geredet. Beim Mittagessen hat Sie nur stumm auf Ihr essen gestarrt und war kaum noch ansprechbar.
Dahinter lagen natürlich auch seelische Gründe, aber ich denke viele manisch-depressive haben unterschiedliche Verhaltensmuster aufgenommen die sich mal in hochs und mal in tiefs äußern.
Eine neurobiologische Erklärung ist doch auch nicht völlig ausgeschlossen?
Ich glaub einige hier wissen halt nicht wie sich eine starke Manie oder sehr starke Depression anfühlt deswegen werden Stimmungsschwankungen mit manisch-depressiven Episoden vertauscht?
Ist ja auch nicht schlimm das macht hier ja keiner um sich aufzuspielen oder ähnlich es ist halt einfach schwer zu sagen wo die Messlatte zwischen Manie und gesteigerter Stimmung besteht etc.
Und viele Menschen wissen nicht warum Sie gerade ein hoch oder tief haben da kommt man schon manchmal auf die Idee eine Störung zu haben denn dadurch hätte man zumindest ansatzweise eine logische Erklärung.
Danke für die Antworten, ich denke ich verwerfe meine Theorie mal.
Stimmungsstabilisatoren habe ich nie probiert, obwohl ich es sogar mal gezielt angesprochen habe, wurde aber nur mit SSRI, trizyklischen und Nls "vergiftet" - Waren alle samt wirkungslos bis auf Mirta. Mittlerweile bin ich schon lange nicht mehr in Behandlung, da mir das alles absolut nichts bringt.
Im Vergleich zu mitten in der Nacht joggen gehen ist meine Theorie wohl Schwachsinn.
@ Than ich pathologisiere eigtl. nicht sonderlich oft, hin und wieder mal, eher achte ich sogar darauf genau das nicht zu tun. Mir ist schon lange klar das es sich nur nachteilig auf die Psyche auswirkt.
Thana hat Recht. Viele Leute beschäftigen sich damit, ausgiebig die eigene Stimmung zu beobachten und wie es so schön heißt, wer [etwas Krankhaftes] suchet, der findet. Dann redet man sich leicht was ein.
Ich mag es nicht, wie leichtfertig viele Ärzte mit Diagnosen um sich werfen und noch weniger gut finde ich, wenn Leute das bei sich selbst tun. Damit macht man sich nur unnötig das Leben schwer und steigert sich in was rein.
Ich bekomme das auch oft gesagt, weil ich gut darin bin, meine Phasen, insbesondere Depressionen zu verbergen, aber bei wirklich schweren Phasen kann ich das auch nicht mehr. Gerade die Manien, da sehe ich auch keine Notwendigkeit dazu bzw. verliere oft die Krankheitseinsicht und benehme mich ausgesprochen unpassend (z.B. Distanzlosigkeit, sexuell aufreizendes Verhalten, euphorische Stimmung in einem Kontext wo das absolut nicht passt, wie etwa in Gegenwart einer trauernden Familie, die kürzlich einen Angehörigen verloren hat u.Ä.) und begreife in dem Zustand gar nicht, wie daneben das ist.
Jeder Mensch hat Stimmungsschwankungen. Das ist völlig normal und der Übergang zum Krankhaften ist fließend. Doch zwischen normalen Stimmungsänderungen, vor allem als Reaktion auf die Umwelt, Ereignisse etc. (es wäre eher seltsam, wenn man emotional und stimmungsmäßig nicht darauf reagieren würde) beim gesunden Menschen und den Auslenkungen des Affekts bei bipolaren Erkrankungen besteht ein beträchtlicher Unterschied. Das ist definitionsgemäß eben nicht normal.
Spoiler:
Die Stimmung ist extrem gehoben, geradezu euphorisch, oder halt auch gereizt, der Antrieb ist erhöht, Appetit und Schlafbedürfnis gehen oft zurück, der Sexualtrieb kann gesteigert sein, auch Größenwahn kann vorkommen, die Gedanken rasen und springen und man redet wie ein Wasserfall.
Es fällt einem viel riskanter bis ruinöser Unfug ein, den man auch sogleich voller Tatendrang umsetzt, z.B. gibt man weit über seine Verhältnisse Geld aus (kauft ein Haus, das man gar nicht bezahlen kann oder sowas), kündigt, weil man eine Firma gründen und irgendeiner verrückten Geschäftsidee seine ganze Energie und Zeit widmen will oder auch, so in meinem Fall: bricht die Schule ab, weil man überzeugt ist, bald eine berühmte Schriftstellerin zu werden und sich ganz dem Schreiben widmen will; man steigt mit wildfremden Leuten spontan ins Bett usw. usf. Im allgemeinen tut man Sachen, die man vielleicht sonst nie tun würde.... (Und ihr könnt euch vorstellen, wie sehr man sich für sein Verhalten schämt, wenn die Manie abgeklungen ist und einem klar wird, was man angerichtet hat. Und wie Leute, die nicht Bescheid wissen, einem hinterher gegenüberstehen.)
Oder "umgekehrt" bei Depressionen, ist man sehr niedergeschlagen, traurig, fühlt sich wertlos, hat keine Hoffnung, vielleicht auch übersteigerte Schuldgefühle, weint auf einmal wegen Kleinigkeiten (obwohl man sonst eigentlich nie heult) und sieht die ganze Welt nur noch grau und keine Farben mehr. Alles ist ins Negative verzerrt und wird so aufgefasst, man bildet sich ein, es sei schon immer so gewesen und würde immer so bleiben.
Man fühlt sich gefangen, ausgeliefert, mitunter fühlt man überhaupt nichts mehr, dieses innere "eingefroren sein" ist das allerschlimmste: lebendig tot. Nicht das eine, nicht das andere, irgendwas dazwischen. Vielleicht kann man nur noch etwas fühlen, wenn man sich selbst verletzt. Man hat keine Kraft mehr, irgendwas zu tun, selbst die einfachsten Tätigkeiten erschöpfen einen, die Gedanken laufen gegen eine "Mauer im Kopf", keine Konzentration, keine Energie, im Extremfall liegt man nur noch den ganzen Tag im Bett und grübelt und vernachlässigt sämtliche Bereiche des Lebens bis hin zu so elementaren wie Körperhygiene und Sauberkeit der Wohnung oder selbst die eigenen Kinder... Und im schlimmsten Fall erscheint der Tod dann als der einzige Ausweg, viele bringen sich denn auch tatsächlich um (ich war mal kurz davor).
Es gibt auch "Mischphasen", die Elemente von beidem, Depressionen und Manien beinhalten. Das ist dann wirklich alles eher als beglückend: die Stimmung wechselt ständig ohne wirklichen Grund, von Euphorie über Gereiztheit, Traurigkeit, Unruhe, Albernheit, Angst, wieder Traurigkeit und schließlich wieder überdrehte Hochstimmung ist da alles dabei. Das ist grässlich und man wünscht sich nur noch, dass es endlich vorbei ist.
Schwere Depressionen etwa haben nichts mit "mal einen schlechten Tag haben" zu tun, man kann sich dann NICHT zusammenreißen und den Arsch hochkriegen und ebenso wenig ist man ein Sensibelchen, das sich alles zu Herzen nimmt oder was die Leute da sonst noch für einen Unsinn reden, wenn sie keine Ahnung haben.
Das ist eine Krankheit und sie ist nicht rational begründbar (s.o. das depressive Denken ist verzerrt) und es ist auch keiner Schuld (diese ständigen Vorwürfe - als würde man sich nicht schon selbst genug Vorwürfe machen, weil man nichts mehr auf die Kette kriegt!) Nein, man kommt da aus eigener Kraft oft auch nicht mehr heraus. Spätestens, wenn die Gedanken um den Tod als Ausweg zu kreisen beginnen, sollte man sich auf jeden Fall Hilfe suchen.
Auch die Euphorie bei einer Manie ist kein Muss. Man kann auch reizbar und unruhig sein, alles geht einem auf die Nerven, man führt sich aggressiv auf und wirkt auf andere arrogant und boshaft. Außerdem richtet eine Manie wegen der eingeschränkten (bis nicht vorhandenen) Urteilsfähigkeit, Enthemmung und Risikobereitschaft im Leben des Betroffenen nicht selten gewaltigen Schaden an. Beruflich, familiär und im Freundeskreis kann man sich hinterher vor einem Scherbenhaufen wiederfinden. Für Angehörige ist die Krankheit eine große Belastung.
Apropos Angehörige @Miauz wegen dem psychischen Faktor: na klar, der spielt natürlich eine Rolle, eine wichtige sogar, aber bipolare Erkrankungen treten oft familiär gehäuft auf bzw. gibt es andere affektive Erkrankungen in der Familie. Mein Vater und meine Schwester erzählten mir z.B., dass sie auch depressive Phasen haben.
Kennzeichnend für die krankhaften Stimmungsschwankungen ist, dass sie sehr weit von den normalen Auslenkungen der Stimmung abweichen und auch nicht der Situation angemessen sind. Also wenn das auf dich zutrifft Buba, dann wäre es empfehlenswert, sich an einen Psychiater zu wenden, doch du sagtest ja schon selbst, dass es wahrscheinlich nicht so ist. Ich denke von deiner Schilderung her auch nicht, dass es sich um eine Manie handelt, wenn üüüberhaupt, sind das höchstens hypomanische Phasen.
Eine Hypomanie ist sozusagen eine Manie light. Die Stimmung ist über das "Normalmaß" hinaus gehoben, man hat mehr Energie und Antrieb, kann durchaus lange Liegengebliebenes auf einmal voller Elan anpacken, wird geselliger, offener und gesprächiger, oft wirkt man sogar besonders geistreich und charmant und steckt die Leute mit seiner guten Laune an. Dann kann man tatsächlich leicht Menschen kennenlernen (vielleicht besonders auffällig für sonst eher zurückhaltende, introvertierte, schüchternere Typen) und produktiv sein.
Allerdings sind isolierte Manien oder auch Hypomanien sehr selten, meistens haben die Betroffenen auch Depressionen. Die können schwer sein, aber auch weniger schwer, das was ich oben geschildert habe (s. Spoiler) ist so ziemlich das Extrem, was ich auch selber habe und so kenne, ich habe aber nicht nur ganz krasse Manien, sondern auch hypomanische Phasen.
Das ist bei jedem anders, es gibt verschiedene Typen von bipolaren Erkrankungen und die sind dann auch von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt und schwanken auch im Laufe des Lebens bzw. in Abhängigkeit von Lebensumständen, sonstiger Gesundheit, allgemeiner psychischer Verfassung, Medikamente etc.
Bei mir ist es ganz ähnlich wie bei der Freundin von Miauz.
Besonders das mit dem Schlaf, das halte ich zwar auch ohne Manie eine Weile durch, wenn es sein muss (da kommt das aber von einer schweren Schlafstörung und der Notwendigkeit, morgens früh aufzustehen), aber es ist quälend und ich fühle mich benommen und kaputt. Während einer Manie fühle ich mich bei so wenig Schlaf trotzdem topfit. Außerdem habe ich auch ohne (!) Drogeneinfluss paarmal bis zu 5 Tage am Stück gar nicht geschlafen.
Ja selbst nachts durch den Wald unterwegs war ich schon paarmal, zwar nicht zum Joggen und auch nicht jedesmal zum Spaß (bin mal aus einer Therapieeinrichtung abgehauen) aber schon seltsam, dass das ja so einige zu machen scheinen!
Jedenfalls, wie Miauz schon sagte, spielt der psychische Faktor eine große Rolle. Sogar eine Studie hat festgestellt, dass Manisch-Depressive, die glauben, dass sie einen Einfluss auf ihre Erkrankung haben und die Phasen steuern können, weniger schwere Phasen haben und damit besser zurecht kommen. Psychotherapie gilt grundsätzlich als empfehlenswert, nur lautet der Konsens heutzutage, nachzulesen von Patientenbroschüren bis hin zu Texten, die sich an Ärzte richten, dass es ohne Medikamente nicht geht.
Naja... ich nehme zur Zeit keine, aber ich kann nicht behaupten, dass das so besser wäre. ADs und Neuroleptika waren jedenfalls bestimmt keine Hilfe. Vor allem nicht NL, das ist das abartigste, grauenhafteste Zeug, das ich je nehmen musste, nie wieder! Scheußlich, eine chemische Lobotomie...
Lamotrigin macht mich zu benebelt.
Den Goldstandard der Behandlung manischer Depressionen, Lithium, habe ich noch nicht versucht, das ist aber auch keine Kleinigkeit. Immerhin sind da regelmäßige Kontrollen notwendig und erhebliche NW und viele Wechselwirkungen möglich, also eine ziemliche Einschränkung. Und zunehmen kann man davon auch noch, was ich sehr gern vermeiden würde. Außerdem lese ich immer mal wieder, dass es RLS verschlimmern kann.
Dabei ist eine andere Bedingung, die noch viel wichtiger als alles andere ist, quasi eine conditio sine qua non: das Medikament darf RLS auf keinen Fall verschlimmern! Das ist bei mir nämlich eh so ausgeprägt, dass eine Behandlung mit einem solchen Medikament absolut kontraproduktiv wäre und ich sie ausdrücklich ablehne.
Damit fallen im Prinzip die SSRI weg, denn die sind dafür bekannt. Aber ich hatte eh schon so viele ADs, zehn oder elf mittlerweile, wovon nur eines überhaupt richtig angeschlagen hat und zwar zu gut (Manie), das war Fluoxetin... ich habe einfach keinen Bock mehr.
Was ich festgestellt habe, Opioide geben echt gute Phasenprophylaktika ab. Früher hat man sie ja auch dafür verwendet, vermutlich schon seit der Antike das Opium, bis sie dann durch immer neue Psychopharmaka ersetzt wurden, bis hin zu den heutigen modernen. Mit Blick auf die chemische Lobotomie, die es damals zuerst noch gab, war das aber keineswegs ein Fortschritt... Vielleicht wären Opis noch heute Mittel der Wahl, gäbe es nicht Lithium, das soll ja unschlagbar sein und - wären sie nicht so hochgradig missbrauchbar und suchterzeugend. Damit hab ich ja nun auch ein Problem, aber muss ich halt mit klarkommen. Ich weiß auch noch nicht so recht, ob das funktionieren wird und wie, aber es irgendwie muss es.
Ich würde zwar keinen Arzt ernsthaft bitten, mir dafür extra Opioide zu verschreiben, schon einfach weil ich weiß, dass es eh keiner machen würde. Da ich aber sowieso einen Bedarf für Opioide habe (chronische Schmerzen und RLS, das anders nicht behandelbar ist) und weil beides eben chronisch ist, dauerhaften Bedarf habe, könnten sie ja diesen tollen Nebeneffekt haben, sodass man sich weitere Medikamente vielleicht sparen kann. Mein Leben lang Psychopharmaka einzunehmen habe ich offen gestanden wenig Lust, notwendig oder nicht...
Ich denke auch nicht, dass ich AD brauche, wenn ich Opis nehme, bzw. überhaupt erst stärkere Depressionen wieder bekommen würde - meine Erfahrung zeigt, nein und falls doch, bietet es ausreichenden Ersatz für AD. Was wiederum darauf hindeutet, dass ein guter Teil der Depressionen auch den ständigen Schmerzen geschuldet ist, die ich seit Jahren mit wenig Erfolg zu ignorieren versuche... So ganz aus heiterem Himmel kommt das wohl auch nicht.
Miauz90 schrieb:
Soweit ich weiß können Stimmungsstabilisatoren in der Regel keine Manie steigern.
Entgegen wirken tun Sie je nach Präperat nicht unbedingt. Das Lamotrigin hat bei mir keine leicht manischen Zustände genommen es wirkte hauptsächlich auf dem depressiven Pol.
Aber ich hab auch keine ausgeprägte Manie geschweige denn die Diagnose also kann ich das nicht so genau beurteilen wie ein manisch-depressiver mit ausgeprägten Hochs.
Viele Stimmungsstabilisatoren wirken eher Manien als Depressionen entgegen und viele Patienten sind eben davon nicht so begeistert, denn Depressionen sind naturgemäß unschön, während Manien wegen der euphorischen Stimmung und Enthemmung immerhin durchaus als angenehm erlebt werden können.
Was ich noch anmerken möchte, Diagnosen sind keine Tatsachen oder Wahrheiten, sondern mehr oder weniger nützliche Zustandsbeschreibungen - und die sollen auch auf eine Therapie führen. Eine Diagnose um ihrer selbst willen hat keinen großen Wert und ist, gerade im psychiatrischen Bereich, schnell mal eher schädlich als nützlich.
Viel zu viele Leute identifizieren sich auch regelrecht mit ihren Diagnosen, besonders bei der Modediagnose Borderline ist das häufig zu beobachten, mit der Selbstbezeichnung als "Bordi" usw. (Du bist jetzt nicht gemeint, ich meine im allgemeinen.)
Bevor es Missverständnisse gibt, ich halte Borderline nicht für erfunden oder so, habe Beschreibungen von dem Zustandsbild in Biografien von Menschen und der Literatur von Zeiten gefunden, wo nicht nur kein Mensch je was von Borderline gehört hatte, sondern wo die Psychiatrie als solche, falls es sie als Fachrichtung überhaupt schon gab, noch in den Kinderschuhen steckte. Ein Literaturbeispiel wäre die Cathy aus "Sturmhöhe". Das ist also durchaus real.
Allerdings finde ich die Diagnosekriterien des ICD für Persönlichkeitsstörungen im allgemeinen ziemlich untauglich, weil sie zu trennen versuchen, was ein Kontinuum ist und viel mehr zusammengehört. Borderline sehe ich eher als instabilere Form des Narzissmus, denn als etwas "Eigenständiges" (und was bitteschön?), viele Borderline-Forscher sind dieser Ansicht und sehen auch die entsprechenden F-Diagnosen mit ihren Kriterien als Quark.
Ich selbst habe die Diagnose auch in der Vergangenheit bekommen, hauptsächlich weil ich mich damals geritzt habe, was von vielen Ärzten generell gleich mit Borderline etikettiert wird (was zeigt, dass sie weder SVV noch das Krankheitsbild Borderline wirklich verstehen).
Ich selbst halte das jetzt für unwahrscheinlich, obwohl es bekannt ist, dass einige Psychiater lieber bipolare Störungen als Borderline diagnostizieren, weil ersteres sich besser mit Medikamenten behandeln lässt (ist das nicht echt irre?)
Natürlich wirft es Fragen auf, warum soviele Medis nicht geholfen haben, aber damit allein kann man keine Diagnose begründen und manisch-depressiv ist einfach um Welten treffender als Beschreibung, womit wir wieder bei der rein zweckmäßigen Beschreibung wären, die eine Diagnose liefern soll.
Damals lagen die Ärzte mMn aber dennoch nicht ganz falsch - doch zu erklären, warum ich das denke, würde an dieser Stelle zu weit führen und ist auch nicht das Thema dieses Threads. Falls es dich interessieren sollte, gibt es vielleicht einen passenderen Platz dafür.
Lg, MioDer Gegensatz zu Spiel ist nicht Ernst, sondern Wirklichkeit.
(Siegmund Freud)
Sehr gehaltvoller Thread. Auch ich bekam die Diagnose "Bipolare Störung", nachdem ich mich in meiner ersten Manie vor 100 Leuten in einem null ausgearbeiteten doch hocharrogant gehaltenen Referat so richtig zum Klops machen durfte - ich habe mich 2 Jahre nicht an die betroffene Fakultät getraut; es war der pure Horror. Bekomme Lithium und springe darauf sehr gut an - wenig Stimmungsschwankung, viel weniger Streit mit der Umwelt -> man ist echt geerdeter. Grausig aber ist die Vorstellung, dass Bipolare ihr Leben lang Lithium zur Stabilisierung benötigen. Manien sind zwar für einen selbst "geil", aber man übertreibt es schnell, kauft dann bspw. viel unnützes Zeug und die Umgebung mag Dich selbstverliebten Dauerredner auch weniger. Gut jedoch ist die Produktivität, wenn man sie konstruktiv zu lenken weiß.
Hat jemand ähnliche sozial unerwünschte Erfahrungen in einer Manie gemacht? Welche Medikamente nehmt ihr?
Ich komme mit einer geringen Dosis Venlafaxin (morgens und abends jeweils eine 37,5 mg-Retardkapsel)
und Valproat dazu (morgens und abends jeweils 250 mg Retardtablette) gut klar.
In aufgewühlten Phasen schieße ich mich an einem Abend oder bei Bedarf auch schon am Nachmittag mit 100 mg Tetrazepam + 2 mg Tavor ab und gönne mir die nächsten 2 Tage Krankschreibung und RUHE. Das hilft.
Aber am wichtigsten ist Sport !! Da muss ich echt viel machen, um stabil zu bleiben. (und gegen das chronische Migräneproblem, was man als Depressions-Symptom sehen kann.)
Ich überlege mir, eine körperliche Arbeit anzunehmen, denn so komme ich mit meiner Zeit garnicht klar, 10 km die Woche schwimmen, Dehnübungen dazu, Radfahren, Wandern, Joggen....
Garten umgraben wirkt auch Wunder. Vielleicht bräuchte ich eine Arbeit beim Bauern.
Zur Zeit ist mein Job Studium der Physikalischen Chemie und Arbeit im Physikalischen Meßlabor, das ist leider nur ganz selten körperlich.
Aber am wichtigsten ist Sport !! Da muss ich echt viel machen, um stabil zu bleiben. (und gegen das chronische Migräneproblem, was man als Depressions-Symptom sehen kann.)
was für sport machst du da, weil ich hab seit jahren auch migräne aber sobald ich mich körperlich anstrenge bekomm ich sofort einen anfall. auch in der schule hatte ich ne vollbefreiung deswegen. die ärzte sagen zwar das mir sport gut tun würde aber gleichzeitig raten die davon ab da ich sonst anfälle kriegen würde “There he goes. One of God's own prototypes. Some kind of high powered mutant never even considered for mass production. Too weird to live, and too rare to die.”
ja, zweimal ist es mir auch passiert, dass ich vor dem Schwimmen schmerzfrei war und nachher hatte ich dann Schmerzen.
Lag vielleicht an der körperlichen Anstrengung, oder daran, dass so ein volles Schwimmbecken NERVT
Das ist natürlich unpraktisch, wenn Sport einen Anfall auslöst.
Vielleicht kannst Du alternativ am Wochenende wandern gehen oder Deine täglichen Strecken gemütlich mit dem Fahrrad machen ?
schwimmen kann ich lleider höchstens 10 dann bekomm ich einen anfall -.-
na ich geh viel mit meinem hund spazieren :)
“There he goes. One of God's own prototypes. Some kind of high powered mutant never even considered for mass production. Too weird to live, and too rare to die.”
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