| Tripbericht lesenÜbersicht: | Titel: | 4 Gramm Mexikaner - grenzwertig | | Drogen: | Mischkonsum von Cannabis und Psilocybinhaltige Pilze (Reihenfolge vom Autor festgelegt) | | Autor: | gruenerdelfin | | Datum: | 24.05.2012 18:28 | | Set: | gut gelaunt, aufgeregt wegen der großen Menge | | Setting: | Cousins Haus, draußen, zu Hause | | Nützlichkeit: | 8,37 von 10 möglichen (19 Stimmen abgegeben) |
Bericht: Vorwort:
Hallo liebe Träumer, im nun folgenden Bericht möchte ich über meine erste und bisher einzige höherdosierte Pilzerfahrung eingehen. Ich hatte zwar schon vorher einen Pilztrip, dieser war jedoch eher gedanklich und lowdose.
Pilze waren das erste Halluzinogen, welches ich konsumiert habe und nach Alkohol und Gras die 3. Droge überhaupt. Damit war klar, dass es ein einschneidendes Erlebnis werden würde und so kam es dann auch.
Dies bedurfte einer langen und gründlichen Planung im Vorraus. Wir mussten auf gute Vibrations achten. Das Wetter spielte mit, es war ein Freitag und wir suchten uns passende, gute Laune machende Musik. So wählten wir unter anderem Chillout Trance für unser Vorhaben aus, welcher uns stets in eine melancholische und doch auch euphorische Stimmung versetzt. Also perfekt, um alles unverkrampft auf sich zu kommen zu lassen und zu philosophieren.
http:// www.youtube.com/watch?v=FRyQAEXK1lY
Auch die Ambientsachen von Burzum (nein, ich stehe nicht hinter der Ideologie von dem Herrn Vikernes, aber er kann gottverdammt gute Musik machen) flossen in unsere Playlist ein. Der Trip fand an einem sonnigen, von der Temperatur her aber eher durchwachsenen Märztag statt. 2 Tage nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan.
Ich begab mich ein paar Stunden vorher in den Nachbarort, um die Mexikaner (4 Gramm für mich, 4 Gramm für meinen Cousin) abzuholen. Als ich sie in den Händen hielt, konnte ich mir weiß Gott nicht vorstellen, was sie ein paar Stunden später mit meinem Gehirn veranstalten würden: ziemlich trippige Scheiße, eine einzige Achterbahnfahrt der Verwirrung und des Erstaunens. Dazu aber später mehr.
Den Weg zu meinem Cousin über war ich sehr gut gelaunt und habe dem Trip freudig, wenn auch mit einem gewissen Maß an Aufregung entgegengeblickt.
Zeitsprung: Ich überquere eine Straße vor seinem Haus und gehe durch ein kleines Waldstück. Schon sehe ich ihn auf dem Balkon stehen, eine Kippe im Mundwinkel. Er begrüßte mich, kam raus und eigentlich wollten wir noch Proviant einkaufen, beschlossen dann aber doch direkt reinzugehen und loszulegen. Zu groß war die Aufregung, zu stark die Freude auf das kommende. Wir begaben uns in sein Zimmer, redeten ein paar Minuten miteinander als Vobereitung und machten uns dann daran, die Waldbewohner zu verputzen. Sie schmeckten leicht nussig, aber keineswegs schlecht oder übelkeiterregend wie so oft behauptet. Das sollte nicht verhindern, dass ich trotzdem nach einer Zeit ein Ziehen im Bauchraum wahrnahm, welches sich negativ auf den Anfang meines Trips auswirken sollte. Wir waren aber vorerst guter Dinge und rauchten zur Feier des Tages und der Sache wie so oft erstmal einen Kopf. Ein nettes High legte sich über meine Wahrnehmung. Noch hatten wir keine Musik an. Wir saßen lediglich da und warteten auf die Wirkung. Placebo hatte ich keinen.
Der Trip
In der Zwischenzeit hatte ich auf einem Sofa Platz genommen. Die erste Veränderung meiner Umgebung stellte sich in Form von Licht und Schatten dar. Mal war es heller im Raum, dann wurde das Licht wieder ein bisschen gedimmt.
Außerdem bewegten sich die Schatten in Bewegungen an der weißen Wand entlang, die man nur mit Wolken im Zeitraffer vergleichen kann. Ein paar Augenblicke später begann der hintere Teil des Raums sich ein bisschen nach unten zu neigen, wie als wenn man die Nase eines Schuhs runterdrückt. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich: der Pilz kommt langsam in Fahrt. Ich betrachte den hell erleuchteten Raum und mir viel auf, dass alles einen ziemlich magischen Schimmer hatte. Ich schloss die Augen und konnte erste Muster als CEVs wahrnehmen. Sie zogen sich durch mein gesamtes Blickfeld, meistens einzelne Linien, die verschwanden und sich wieder nur bildeten.
Nun komme ich auf die Bauschmerzen vom Pilz verursacht zurück: Zu der Zeit war ich psychisch ziemlich am Ende, ich hatte dauernd Panikattacken und hatte große Angst vor dem Tod. Damit ist klar, dass die Bauchschmerzen mir in dem Zustand nicht gerade gutes brachten. Zu allem Überfluss ist bei der Musikauswahl auch ein bisschen Black Metal zwischengerutscht, was mich in dem Moment abfuckte. Ich kroch also zum Pc und machte den oben als Link eingebundenen Track an. Am Anfang ist ein Ausatmen zu hören. Mein Cousin, der während meines Paraschubs die CEVs genoss, atmete genau in dem gleichen Moment aus, was mich sehr verwirrte. Ich teilte ihm mit, dass es mir nicht gut ginge und ich für eine Weile rausgehen wolle, aber eine anhaltende Konversation führte zu keinem Ergebnis. Ich bildete mir ein, nur sehr schlecht Luft zu bekommen und fand dies beängstigend und kontraproduktiv, da ich mich so einfach nicht entspannen konnte. Deswegen beschloss ich alleine rauszugehen, da ich es drinne echt nicht mehr aushielt. Ich stolperte die Treppe runter und hörte aus dem Wohnzimmer das Lachen meiner kleinen Cousine, was sehr trippig klang und hallte. Ich zog meine Schuhe an, öffnete die Haustür und wurde schlagartig von der sich mir darbietenden Natur auf ein neues Triplevel gehoben. Ich war so sehr mit beobachten beschäftigt, dass ich (wie mir mein Cousin im nachhinein erzählte) vergaß, die Haustür hinter mir zu schließen. Draußen beschloss ich dann, zu mir nach hause zu gehen. Fragt mich nicht wieso, ich hielt es in dem Moment einfach für richtig. Achtung, jetzt spreche ich eine Warnung aus: wenn ihr auf Halluzinogenen trippt: macht dies in einer sicheren Umgebung. Ihr könnt Entfernungen und Gefahren nicht mehr richtig einschätzen und eure Wahrnehmung der Umgebung ist einfach stark verändert. Ich musste nämlich von dem Haus meines Cousins aus eine Straße überqueren und wurde dabei fast überfahren. Hab das Auto erst bemerkt, als es einen halben Meter entfernt hupend an mir vorbeigefahren ist. Das war mir aber in dem Moment egal. Zu sehr faszinierte mich ein weiterer kleiner Wald, der jetzt vor mir lag. Alles hatte einen magischen Schimmer, ich hörte erstaunliche Geräusche, sowas wie ein Tropfen und die Vögel sangen mir ein Sonett zum Mittag. Ich beschloss ein wenig Musik zu hören und kramte dazu mein Handy samt Kopfhörern aus meiner Hosentasche, was auf Pilzen garnicht so leicht ist. Außerdem viel mir auf, wie widerspenstig ein Kabel doch sein kann. Ich sah auf mein Display und zufällig war gerade Neuruppin von K.I.Z. im Player ausgewählt. Manch einer würde jetzt denken: "Wie kann der Typ sich das auf Pilzen anhören?", aber der Text ist halt witzig und passt zu dem Waldsetting. In dem Augenblick hab ichs auf jeden Fall sehr gefeiert und genoss es. Hier der Song: http:// www.youtube.com/watch?v=cXqd5ljrkus
Den Wald durchquert, stand ich auf dem Schützenplatz meiner Heimatstadt. Während dem Laufen schaute ich auf den gepflasterten Boden und war abermals erstaunt: er schien unter mir hinweg zu fließen, wie ein seicht strömender Fluss. Ich fühlte mich wie Jesus. Außerdem gingen die Rillen zwischen den Steinen ineinander über, ein leichtes Morphen also. Mein Weg führte mich durch eine Straße, an deren Seite sich links und rechts Haus an Haus reihte. Zu diesem Zeitpunkt nahm ich alles schon sehr plastisch war, weswegen mein Augenmerk auf die Geometrie der Häuser fiel und ich die Architektur bewunderte. An einem Haus stand ein kleiner, kahler Baum mit wild verzweigter Krone. Dennoch sah ich an ihm Früchte in den verschiedensten Farben hängen, während ich weiterhin auf dem Straßenfluss surfte. Während dies alles passierte, wurde ich mir der heftigen Wirkung der Pilze bewusst und mir was klar, dass sie sich noch steigern würde ich war jedoch noch recht optimistisch. Als ich einen Schotterweg überquerte und an einer Baumreihe anhielt, kam mir die Kotze hoch. Ein lautes Würgen, ein 2-sekündiger Strahl und die leckere Pilzsuppe war angerichtet. Neben mir lag ein Feld, an dessen anderen Ende gerade eine Frau mit ihrem Hund spazieren ging. Sie hatte mich scheinbar gehört, blieb stehen und schaute mich verdutzt und ungläubig an. Wer entledigt sich denn schon am hellichten Tag seinem Verdauten in aller Öffentlichkeit. Ich gab ihr mit unbeholfenen Handzeichen zu verstehen, dass alles gut sei. Nach dieser unfreiwilligen Entleerung meines Magens konnte ich mich wesentlich mehr entspannen. Danach versuchte ich mir meine Mütze aufzusetzen, aber als sie dann auf meinem Kopf saß, hatte ich das Gefühl einen störrischen Lappen auf meinem Kopf herumzutragen. Ich kam mir blöd vor, aber beließ es dabei. Ich kam zu meiner Straße und hoffte, meine Eltern nicht zu hause anzutreffen. Als ich um die Ecke kam, bog sich mein Sichtfeld nach rechts. Ihr müsst das so verstehen, dass ich in diesem Moment rechts um die Ecke schauen konnte, zumindest hatte ich den Eindruck. Ich weiß nicht, wie ich es ins Haus geschafft habe. Ich bin lediglich die Treppe hochgestolpert und wollte, in meinem Zimmer angekommen, einfach nur noch schlafen, da ich sehr verspult war. Mit Erleichterung stellte ich fest, dass meine Eltern so schnell nicht anzutreffen waren. Also das Rollo runtergemacht und ins Bett gelegt, aber an schlafen war natürlich nicht zu denken. Viel zu aktiv war mein Gehirn, viel zu krass die CEVs. Ich stand auf, stellte mich im dunklen Raum in der Mitte hin und sah allerlei Sachen im Dunkeln, deren Konturen ich nur erahnen konnte. Es waren "Wesen" so viel stand fest, aber genauer kann ich es nicht mehr beschreiben. Nun beschloss ich, mich abzulenken, also sorgte ich durch hochziehen der Rollläden wieder für Helligkeit im Raum. Jetzt kam das erste wirklich kopffickende vor: eine kommentierende Stimme. Ich habe viel über Psychosen und ähnliches gelesen und wusste, dass dies ein Symptom war. Man spricht, wenns um Draufsein auf Pilzen geht ja auch oft von einer Modellpsychose. Dies wurde mir in dem Moment klar, trotzdem ist es ziemlich strange, wenn dir eine Stimme aus dem Off erzählt, was du gerade machst ("Jetzt guckst du an die Wand...und jetzt wieder weg. Jetzt kommst du näher) Ich ignorierte es nach einer Weile und legte mich auf mein Sofa. Der Versuch mich zuzudecken scheiterte meiner Meinung nach erst ein mal. Ich nahm meine Decke als sehr störrisch wahr und betrachtete die Lage als aussichtslos. Das dem nicht so war, bemerkte ich erst, als ich bis zum Hals unter der Decke verschwunden war. Die erste Hürde zum chillen war geschafft. Jetzt kam mir in den Sinn: "Fernsehen wäre ne gute Sache!". Also angemacht und bei Pro Sieben hängengeblieben. Als sich eine Werbung 3-4 mal wiederholte, zweifelte ich an dem Unterfangen, war aber leider zu faul, die Kiste wieder auszumachen. Also blieb ich dabei. Die Simpsons begannen. Auf Pilzen merkte ich, wie sinnlos und gleichzeitig doch unglaublich witzig die Serie doch ist. Doch sie hatte bald nichts mehr mit dem eigentlichen Konzept zu tun. Es war ein paar Sekunden der normale Dialog zu hören, dann jedoch fingen die Figuren an, irgendeinen Kauderwelsch zu labern und schlussendlich mit mir bzw. über mich zu reden ("Guck dir den mal an, der sieht aber komisch aus" kam z.B. von Marge). Von mir kam nur ein leises "fick dich" zurück.
Zeitsprung, eine Weile später: Nun hörte ich Stimmen aus dem Nebenraum, in dem meine Schwester haust. Sie schien eine Freundin da zuhaben. Nach genauerem hinhören fiel mir auf: "Die reden über mich!" Also Ton leiser gestellt und zugehört. Das, was dann kam gab mir zu denken: "Ich mach mir echt Sorgen um ihn. In letzter Zeit ist er echt komisch geworden. Nur noch ein schlechtgelauntes egoistisches Arschloch. Und er kriegt ja auch nie eine ab." Ich denk so "wtf, danke schwesterlein". Dann der Abfuck: sie sprach mich direkt an!..."Mit dir stimmt doch was nicht. Das was du vorhin getan hat kann echt Folgen haben und ist sicherlich nicht gut für dich. Guck dich doch mal an". Ich bekam Selbstzweifel und brachte nur ein leises "tut mir ja leid" heraus. Sie lauf auf den Flur und rief ihrer Freundin sowas wie "ich will nicht, dass Mama und Papa ihn so in dem Zustand sehen!" Das Ding war: sie hatte mich, seit ich im Haus war nicht ein mal gesehen. Also wurde mir klar: Ich hab mir gerade den ganzen Scheiß eingebildet. Nun war ich echt fertig und dachte ernsthaft über meinen Geisteszustand nach. Nach ein paar Minuten fing ich mich aber wieder und widmete mich wieder dem Fernseher, der mich weiterhin mit allerlei Unsinn zukleisterte.
Ich beschreibe nun den wohl größten Schreckensmoment meines Lebens...Es lief mittlerweile Galileo, ein Bericht über Fukushima und das Atomkraftwerk. Der Sprecher schilderte zu den Aufnahmen eines Mannes inmitten eines Feldes umgeben von Bäumen, dass dies einer der Galileo-Reporter sei und er sich gerade in Japan in der Nähe des Atomkraftwerkes befinde und er sehr sehr hohe Strahlungswerte messe. Ein paar Augenblicke später kam ein anderer Bericht, dann jedoch eine Eilmeldung: "Atomkraftwerk in Fukushima explodiert! Die ganze Welt ist radioaktiv verstrahlt". Ich geriet in helle Aufregung und meine Emotionen kann man am besten mit einem panischen "dafuq?!" beschreiben. Eine Weile brauchte ich erstmal um zu realisieren, dass der Pilz mir einen weiteren Streich gespielt hat.
Aber das man sich mal vorstellen: Man ist druff wie Hölle und bekommt dann sowas vorgesetzt...harter Tobak.
An den Rest des Trips kann ich mich wenig erinnern. Ich muss entweder eingschlafen sein, hatte einen Blackout oder hab weiterhin fernsehen geguckt. Irgendwann wurde ich zum Abendessen runtergerufen, wo ich mir dann total verspult mein Brötchen mit viel zu viel Salat vollklatschte. Nachdem ich mit verwirrten Blicken bedacht wurde, bemerkte ich mein komisches Verhalten, schlang es aber einfach runter. Nach dem Abendessen schaute ich noch ein wenig mit meinem Vater fern und diskutierte mit ihm ein wenig über aktuelle Weltgeschehnisse, was einen guten Ausgleich zum fordernden Trip darstellte. Wenig später begab ich mich, immer noch mit riesigen Tellern, in mein Zimmer und dachte über das Erlebte nach.
Nachwort: Grandios. Wohl eins der einschneidensten Erlebnisse in meinem Leben bisher. 4 Gramm sind aber eine viel zu hohe Dosis für einen Unerfahrenen. Es war ein Spiel mit dem Feuer, welches ich sehr leicht hätte verlieren können. Zwischendurch dachte ich echt, ich wäre hängengeblieben, hab mich aber immer wieder gefangen.
Wie ich im nachhinein erfuhr, schob mein Cousin den totalen Horrortrip, nachdem ich sein Haus verließ. Seine Mutter fand ihn total dicht auf dem Boden in seinem Zimmer vor und hat seitdem eine ganz andere, nicht sehr positive Meinung von mir. Dennoch war das ganze die Erfahrung trotzdem wert. Mein Weltbild ist seitdem ein anderes und ich bin nach der Kritik von meiner "Schwester" wieder ein netterer Mitmensch, mitfühlender geworden.
Wenn ihr auf hochpotenten Halluzinogenen trippt, haltet folgendes ein:
- vetraute Umgebung
- vertraute Mittripper
- Tripsitter!
- Set und Setting sollten ohne Fehler sein
- Macht euch beim Reinkommen in den Trip bzw. kurz nach der Einnahme keine schlechten Gedanken. Dafür ist es zu dem Zeitpunkt bereits zu spät und es KANN euren Trip nur negativ beeinflussen.
- Guckt auf keinen Fall fernsehen.
In der Hoffnung, der Community was Sinnvolles hinterlassen zu haben
gruenerdelfin
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