Edukt:
Ich hatte zuvor in kurzer Zeit viel Erfahrung mit diversen Drogen gesammelt. Anfangen bei Cannabis und später Stimulantien (Speed), die immer schöner wurden (MDMA), beendet von ersten, zwei vorausgegangenen LSD-Trips. Entweder kommt es mir rückblickend nur so vor oder es war schon immer so, dass ich es eigentlich auf die Substanzen abgesehen habe, die die Wahrnehmung fundamental beeinflussen und nicht bloß sorgenfrei, selbstbewusst, glücklich oder so machen, wie z. B. Heroin, Kokain und Konsorten. Ich war auf der Suche nach DER Erfahrung schlechthin und mir schien es so, dass am besten Psychedelika mich bescheren können. Vor meinem ganzen Konsum interessierte ich mich schon für philosophische Themen, Psychologie und vor allem - am passendsten - Klarträume, in denen ich völlige Phantasie, Freiheit und Kreativität erwartete. Kann auch sein, dass ich mir das alles etwas einbilde, aber das sehe ich als Motiv. Ich will aber keinesfalls als abgehoben spirituell, esoterisch oder so rüberkommen. Wie auch immer...
Prozess:
Das Erlebnis begann mit der Hinfahrt zur Indoor-Goa-Party im Februar 2012 ohne große Vorhaben: Klar war mir nur, dass ich gerne wieder MDMA nehmen würde, und dass auch ein Trip, etwas Psychedelisches, den Abend verschönern könnte. Ich las die Zeit zuvor davon, dass ein Candyflip, die Kombination von MDMA mit LSD, zu den intensivsten und angenehmsten Drogenerfahrungen zählen soll und interessierte mich dafür. Bei aller Offenheit der Gäste, was auch die Drogen betrifft, entschied ich mich kurzerhand dazu, das auszuprobieren. Wirklich mental darauf vorbereitet war ich nicht, der Trip sollte also ziemlich spontan auf mich zukommen. Ich kaufte mir etwa um Mitternacht vor Ort die "Zutaten", eine MDMA-Kapsel mit 120mg und eine Pappe, die 15€ kostete und deshalb auch wohl etwas stärker war, wie es sich nachher ja auch zeigte, und nahm sie gleichzeitig ein...
Ohne allzu große Euphorie bewegte ich mich durch die Location, sprach und saß mit Leuten, bis ich irgendwann, vielleicht nach etwa einer halben Stunde passend in einem recht lockeren Gespräch im Chillout das Anfluten der MDMA-Wirkung spürte. Wie mir damals durch wenige Male bekannt war, fing das mit dem üblichen "Flash" an: Mein Körpergefühl veränderte sich plötzlich stark, ich fühlte mich wohliger und leichter, während sich das Gespräch beschleunigte und an Sympathie gewann. Gefühle wurden überschwänglich intensiv, die Wahrnehmung allgemein stärker.
Als noch ein paar andere Leute vorbeikamen, beschloss die lose Gruppe tanzen zu gehen, auf den Main-Floor, wobei wir uns aber schon verlierten: Ich wurde durch die Wände im Gang dorthin abgelenkt und konnte nur einem, der noch mit mir ging, mitteilen, wie prächtig doch diese Wandschmierereien und Graffitis sind oder mir zumindest scheinen, und bemerkte damit selbst erst dann, dass auch die Wirkung des LSD einsetzte, eigentlich nach gefühlt ungewöhnlich kurzer Zeit. Die Farben schienen stärker, die Formen, Striche, Muster, Rillen und die Maserung des Holzes "zeichneten sich selbst nach und weiter" und Buchstaben "wucherten" über die Wand und verloren ihre feste Gestalt, so als wenn ich vor der Wand durch bewegtes Wasser schauen würde. Klare, strenge Arial-Schrift werläuft dadurch zu geschwungener arabischer Schrift. In der Reizüberflutung prasselten für ein Graffiti eigentlich viel zu viele Details auf mich ein: meine Sicht wurde irgendwie verschärft oder vielfältiger. Viele Stellen wurden markant und traten auffällig hervor. Kontraste verstärkten sich, die Wand selbst wölbte sich in dem Maße, wie sich das Gemalte verbog und "wuchs". Ich bekam einen Gesamteindruck und wurde vom Staunen und der Faszination aufgehalten, was der, der noch bei mir war, recht witzig fand, wohl auch weil ihn mein komisches Verhalten unterhielt.
Noch überwog die Wirkung vom MDMA und die Optics des LSD waren verglichen dazu noch unterschwellig. Ich ließ mich noch nicht vollkommen in ihren Bann ziehen und war noch im Diesseits genug um meiner aufkommenden Kontaktfreudigkeit nachgehen zu können. So kam ich mehrere Male ins Gespräch, freundlich und auch mal tiefsinnig, wofür ich Goa-Parties liebe.
Am eigentlichen Ort des ganzen psychedelischen Treibens, mittig auf der Tanzfläche, angekommen, steigerte sich nochmals mein ganzes Empfinden: Ich war überglücklich und hatte das Gefühl, dass mich ein buntes, spirituelles Erleben voller Freude erwartet, dass es die Goa-Party meines Lebens, wenn auch erst die dritte, wird, als ich grinsend die benebelte Tanzfläche betrat. Da fing auch schon das Tanzen an, aus wahrem, purem Gefühl, sozusagen um meine Gefühle körperlich umzusetzen. Ich steigerte mich immer weiter in das Tanzen hinein, baute oft lächelnd Blickkontakt zu den anderen Tanzenden auf und trieb mich mit einem starken Grinsen tiefster Freude und geschlossenen Augen schwitzend-exzessiv in die Ekstase. Meine inneres Auge wurde dabei zum "Panoptikum" für alles visuell Erdenkliche, was mein Geist irgendwie produzieren konnte. Verschiedenste Vorstellungen blitzten durch meinen Kopf, ich fing an, immer mehr miteinander zu assoziieren.
Dabei überwog anfangs noch die Wirkung des MDMA. Es war also ziemlich stimuliertes Draufsein und ich tobte wild über den Floor. Insgesamt bestanden zwar immer beide Wirkungen, zwischenzeitlich setzte sich aber der LSD-Trip in großer Entfaltung durch: Das waren dann Momente, in denen ich auf einmal aufhörte zu tanzen und stand, weil das LSD mich für sich gewann und in seine Art der Ekstase zog: Ich hatte ein unglaubliches Bewusstsein für meinen Körper, starrte langsam schweifend durch den Raum in der tobenden, jubelnden Menge und fing völlig ungewöhnliche Körperhaltungen anzunehmen, was außenstehend betrachtet wohl tiefer Meditation ähneln müsste. Die Optics waren gar nicht allzu stark, ich konnte noch genau erkennen und wissen, was um mich war, aber diese Wahrnehmung wurde eben umfassend von Optics und anderen Empfindungen "überlagert", begleitet davon, dass ich in mich kehrte. Es kam mir so vor, als wäre das ein Zustand von riesigem Bewusststein für ALLES: Gesehenes, Gerochenes, Gehörtes, Gefühltes, Gedachtes.
Während ich da dann mehrere Male so stand, mit staunendem Blick, weit aufgerissenen Augen, wurde ich oft durch andere, die mich - auffällig wie ich da auf der Tanzfläche existierte - angesprochen und damit wieder abgelenkt und zurück in die "Realität" geholt haben. Ich konnte ihnen meistens gar nicht genau sagen, was überhaupt war, war ziemlich sprachlos, aber versuchte immer wieder zu erklären, dass das mein erster Candyflip war und das "gerade eben" so eine Art "akuter LSD-Anfall" war. Die meisten fanden Gefallen daran, sagten mir ich solle es genießen, vor allem vielleicht mal in Ruhe, um die Optics noch besser zu begutachten, aber erinnerten mich auch leider daran, dass der Zustand endet, womit mir bewusst wurde, dass MDMA ja nur 4 - 6 Stunden wirkt, im Vergleich zum LSD mit etwa 8 Stunden Wirkung.
Trotzdem war ich noch voll im Genuss und die Wirkung des LSD schien sich noch zu verstärken, sodass ich irgendwann den nahezu ulitmativen höchtsmöglich erfahrbaren Gipfel erreichte: Während sich mein Sichtfeld in mehrere Schemen zerlegte, so als würde man ohne 3D-Brille auf ein 3D-Bild schauen, und ich dadurch, dass das echte Gesehene von den Optics total überrumpelt wurde, doch schon viel weniger "Echtes" erkennen konnte, rasten durch meinen Kopf ziemlich wild, aber überhaupt nicht unangenehm, Gedanken und Gefühle, die irgendwie in mir steckten, aus Kindheit, von den letzten Tagen, aus dem Moment oder sonstwoher. Damit war das Ganze auch irgendwie eine Art der Selbstreflektion. Ich dachte tiefgehend, allerdings nicht immer gedanklich ausformuliert, gemischt durch Gedanken und Gefühle also über das Leben, über meine Person, meine Seele und Alles nach. Dabei raste ich durch alle möglichen Themen, teils auch philosophisch, sodass ich einfach über Gesellschaft, Umgang, Moral und Miteinander nachdachte, und kam irgendwie zu dem Schluss, dass die Liebe zum Leben, zu Anderen, zu sich selbst... zu ALLEM der Schlüssel zur Erfüllung des ganzen Seins sei.
Das ganze spielte sich beim hektischen, exzessiven, ekstatischen Tanzen ab... eine absolut surreale Erfahrung von Allem.
Die Erfahrung von Allem passte auch zur überwältigenden Synästhesie, die mir sogar beinahe Angst machte, weil es mir so vorkam, als würde ich nun völlig entgleisen: Ich spürte meine eigene Seele verteilt in meinem ganzen Körper. Unmöglich zu beschreiben. Ich kann mich zwar noch unscharf daran erinnern, aber weiß nicht ansatzweise, wie man so etwas anderen vermitteln kann. (Stichwort: Qualia )
Dieses Seele-Körperempfinden wurde sogar dann noch überstiegen. Irgendwie löste sich das "Körperzugehörigkeitsgefühl" auf, und ich fühlte mich als Teil des Ganzen oder mich selbst bzw. alles als das Ganze. Ich "war" sozusagen die ganze Goa-Party, alles was ich sehen konnte. Die Grenze zwischen Umwelt und Selbst hatte sich einfach aufgelöst. Ein komisches Gefühl, das Haus zu sein, in dem die Party stattfand.
Aus dieser psychedelischen Traumwelt wurde ich dann später leider recht plötzlich durch meinen Körper gerissen: Typisch für das Durchtanzen mit MDMA schmerzte meine Wirbelsäule und das Körpergefhl wurde träger. Zwischendurch konnte ich mich zwar wieder aktivieren, allerdings immer kurzzeitiger, sodass ich dann im Chill-Out den Hauptteil des Trips ausklingen ließ. Dort lag ich einfach nur auf dem Boden herum, aber verstörte keines Falls das Bild. (Jeder ist so willkommen, wie er es mag, wofür ich auch enfach Goa-Parties liebe.) Einige Stunden hing ich da rum und konnte mich nicht zum Aufraffen bringen und schon gar nicht irgendeinen Zeitpunkt zum Gehen ausmachen. Jeder schien gleich ungeeignet oder geeignet. Besser gesagt gab es für’s Gehen gar keine Eignung mehr und das einzige woran man etwas "fixieren" hätte können, war die Uhr im Raum, die ein Bisschen an die Realität, besonders an Zeit und das Gefühl von Bevorstehendem erinnert. Hier kam ich mit weniger Leuten ins Gespräch. Aus den meisten schien die Luft raus zu sein; die Tanzfläche wurde leerer und die Menschen verlagerten sich nun in den Chill-Out und dann wohl allmählich in die Realität um. Ich dachte noch darüber nach, eine Kapsel MDMA nachzulegen, war aber viel zu tot dafür und auch wenn ich mit anderen über die Idee sprach, wurde ich nicht überzeugt. Ich erzählte einem wirres Zeug davon, dass mein Erlebnis in der Nacht der Sage von Ikarus und Dädalus gleicht: "Je höher der Flug, desto tiefer der Fall." Er selbst war anscheinend noch gut auf LSD, verstand mich irgendwie nicht über die Sprache, aber fand mich noch irgendwie witzig und empfiehl mir, auf zwei recht gutaussehende Mädchen zeigend, sich doch einfach ’n Weib zu schnappen. Ich lehnte den Vorschlag ab mit der Erklärung, dass bei mir mit Denken und Sprache und Bewusstsein und so weiter gerade nicht mehr so viel lief.
Die Deco an der Decke des Chillouts war noch deutlich am morphen (sich verziehen und verzerren) aber ich konnte mich nicht mehr dafür begeistern. Ich dachte eher: "Aha, LSD-Halluzinationen, toll... ja und?" Ich war zu tot um noch so lebendig wie vorher Kontakt mit Leuten aufzunehmen.
Ein anderer bot mir einen Joint an, den ich nach geschätzten Stunden erst aufrauchte, weil mich in meiner Verplanung durch das noch wirkende LSD und durch die Verblödung durch das MDMA-Runterkommen von allem abgelenkt wurde. Trotzdem konnte ich noch ein ziemlich gutes tiefes Gespräch führen. Er war selber noch ziemlich vertrippt aber im Gegenteil zu mir noch wach. Wir redeten über Nahtoderfahrungen, Gedanken, Bewusstsein und über das was trippiges Nachdenken so zu bieten hat.
Irgendwann gegen 10 Uhr brachen wir auf, um noch bei gemeinsamen Teil des Weges noch bisschen zu reden. Die ganze Welt da draußen war immer noch viel zu surreal, um als real zu gelten, irgendwie fremd, bekannt, nah, fern, alt, neu... alles zugleich, wie ich es von LSD kenne. Die Eisschollen auf einem Fluss wucherten noch immer über sich selbst und schwungvoll zogen Schatten über die Straßen.
Am Bahnhof für die Rückfahrt angekommen, war ich immmer noch nicht ganz "realitätskompatibel". Von fast jedem vermutete ich, dass er irgendwie in Zusammenhang mit Trips und Goa-Parties steht, war quasi noch immer konditioniert. Mein Gedächtnis war durch das Runterkommen vom MDMA dermaßen zerstört, dass ich mich im Bahnhof gar nicht zurechtfand. "Bloß nicht auffallen und wie üblich bei einem Gang durch den Bahnhof alles abwickeln", dachte ich einfach, schaffte ich aber einfach nicht. Mit Zahlen auf Tafeln, Zeiten, Rechnungen und Uhren konnte ich nichts anfangen, geschweige denn irgendwas davon in Erinnerung behalten. Ich stand wohl ’ne Viertel-Stunde vor’m Fahrplan... völlig ohne Plan. Diese gelb beleuchtete Fläche war am "atmen", wölbte sich zu mir hin und von mir weg. Gerettet wurde ich zum Glück durch eine Mitfahrgelegenheit und kam ohne große Umstände noch gegen Mittag zuhause an. Dort trat ich sogar meinen Eltern gegenüber, denen aber wohl neben meinem völlig kaputtem Äußeren (durchgeschwitzt, Augenringe, tiefschwarze, große Pupillen, wunde Lippen) und meiner späten Ankunft nichts weiter auffiel. Ich selber dachte mir, dass das doch unmöglich sein muss... so ein großer Unterschied zwischen eigener Wahrnehmung und äußerer! Unser Haus kam mir völlig komisch, aber auch neu vor. Irgendwie schaffte ich es dann noch bis zur Erholung durch mehr oder weniger verstörten Schlaf...
Produkt:
Dem was ich im Internet so gelesen habe entgegen, verlief mein Trip weitgehend gut und ohne Probleme. Eigentlich sollte man MDMA und LSD zeitversetzt einnehmen und sollte auch nicht das Risiko, dass man durch die trübe-depressive Verstimmung bei und nach dem Runterkommen vom MDMA noch während des LSD-Trips in böse Bahnen gelenkt wird, missachten. Trotzdem ging es mir durchweg recht gut. Nur am zweiten Tage nach dem Trip war ich etwas depressiv, hatte Gewissensprobleme mit der gedächtnisschädigenden Wirkung von MDMA und fühlte mich so, als ob ich mich völlig ungesund und unvernünftig durch Drogen selbst verletzt habe. Das alles legte sich aber.
Seitdem ist mir der Trip in Verbindung mit einer außergewöhnlichen Erfahrung in Erinnerung geblieben. Die empathogene, stimulierende Wirkung von MDMA harmonierte mit der surrealen, psychedelischen, spirituellen Wirkung des LSD. Beide zusammen waren eine (spontane) Absolutheitserfahrung.
Ich erzählte völlig begeistert meinen Freunden davon, die es bis jetzt nicht auch versuchten. Sprache reicht für das Beschreiben der Erfahrung leider nicht aus, um es Leuten interessant zu reden. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass sie es nicht auch als "absolut" erleben würden und wollte es ihnen immer wieder empfehlen und schönreden. In den Augen meiner Freunde galt ich fortan eine Zeit lang, während ich beim Bekifftsein immer vom "CANDYFLIP!" schwärmte, als hängengeblieben, positiv traumatisiert sozusagen, dass man nur noch den Kopf darüber schütteln konnte.