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Nazis on Speed

Drogen im 3. Reich

Adolf Hitler war ein Speed-Junkie mit persönlichem Leibarzt. Reichsmarschall Hermann Göring ein Kokainfreund, der sich seine Morphinsucht erst nach Kriegsende in den Nürnberger Prozessen abgewöhnte. Die Wehrmacht marschierte mit chemischer Unterstützung im Gepäck in den Krieg und kämpfte gegen die ebenfalls gedopten Alliierten.


Herausgeber Werner Pieper beschreibt in seinem zweibändigen Werk die Geschichte der Genussmittel von Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 2. Weltkrieges in diesem unserem Lande. Es beinhaltet Tatsachen, die nicht auf den Lehrplan des Schulfachs Geschichte stehen. Anhand von Texten verschiedener Autoren sowie zahlreicher Quellenangaben kann sich der Leser sein eigenes Bild von der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung der Genussmittel hin zum Rauschgif machen. Insbesondere bei der Lektüre der menschenverachtenden Beiträge nationalsozialistischer Schreiberlinge wird deutlich, wie in dieser Zeit gedacht und infolge dessen Politik gemacht wurde. Die daraus entstandenen Gesetze haben weitgehend heute noch Gültigkeit. Wortschöpfungen der Nazis wie 'Rauschgift' oder die Polizei als 'Freund und Helfer' (Himmler) sind ebenfalls im alltäglichen Sprachgebrauch.


Werner Pieper legt mit diesem zweibändigen Werk eine mutige Dokumentation vor, zu der es im Buchhandel keine Alternative gibt. Er zeigt Aspekte der deutschen Geschichte aus einem Blickwinkel, der über Jahrzehnte nur in den verdrängten Erinnerungen unserer Großelterngeneration existierte. Selbst die perversen Menschenversuche mit unzähligen Substanzen in den deutschen Konzentrationslagern, die nach Kriegsende unter erzwungener Mithilfe deutscher Wissenschaftlicher von der CIA in den Vereinigten Staaten von Amerika weitergeführt wurden, werden nicht ausgespart.


Das Buch ist keine leicht verdauliche Lektüre, denn es fordert den Leser zur Auseinandersetzung mit der Drogenthematik im dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte heraus. Werner Pieper hat lange und intensiv recherchiert, um dieses Werk veröffentlichen zu können. Teilwase waren die betroffenen Unternehmen unserer Chemieindustrie von der eigenen Firmengeschichte überrascht. Das Ergebnis liegt nun vor und hat das Potential, das Verständnis unsere eigene Vergangenheit in ein anderes Licht zu rücken.


Eine sehr beindruckende Leistung. Was machen eigentlich die Geschichtsprofessoren an unseren Universitäten den ganzen Tag?


(Diese Buchbesprechung stammt aus dem 'mushroom magazine' #89, Oktober 2002 von lauscher@chaishop.com)




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