LdT-Forum

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AutorBeitrag
Ex-Träumer
  Geschrieben: 07.09.12 15:12
Ich glaube diese 3 Tage werden noch sehr lange auf mich wirken, ich bete dass sie sich nicht lebenslang auf mich auswirken.
Seit 2 Tagen habe ich seltsame Symptome, die ich auf den Pentedronkonsum zurückführe da es mir sonst unerklärlich ist wieso auf einmal diese Veränderungen auftreten.

Sobald es Dunkel ist nehme ich ein deutliches Flimmern in meinem Blickfeld wahr.
Es ist so als würde jemand ein Stroboskoplicht in mein Blickfeld halten. Es ist nicht direkt unangenehm, es beunruhigt mich nur, sobald ich bewusst Blinzle ist es für eine Weile verschwunden taucht aber wieder auf.
Zusätzlich erwische ich mich seit dem Konsum dabei wie ich häufig mit mir selbst spreche sobald ich allein bin. Meistens spreche ich nur das aus was ich gerade mache, bzw. machen möchte: "So, ich glaube ich mach mir mal etwas zu essen"
"Allein sein" fühlt sich falsch an, es ist bedrückend. Ich würde soweit gehen und sagen ich fühle mich, wenn ich allein bin, "bedroht". Es lößt aber keine Angst aus, eher so ein beklemmendes Gefühl.
Ich habe einem Freund der unter Platzangst leidet davon erzählt, und er fühlt sich genau so, sobald er sich in einem engen Raum oder unter vielen Menschen aufhält.
Verklemmt, verunsichert und introvertiert.

Was mir aber wirklich Angst macht, ist die Beeinträchtigung meines Kurzzeitgedächtnisses.
Es sind immer nur Kleinigkeiten, die ich einfach nur vergesse. Ich verspüre Harndrang und will auf das Klo gehen. Plötzlich sitze ich wieder vor dem Fernseher, erinnere mich daran dass ich auf das Klo wollte.
Allerdings ist der Harndrang komplett verschwunden. In diesem Moment bin ich sehr unruhig, ich kann mich nicht erinnern auf das Klo gegangen zu sein.
Es kommen Fragen auf ob der Harndrang einfach nur verschwunden ist, oder ob ich wirklich auf dem Klo war und diese Erinnerung einfach weg ist.
Die Unfähigkeit mir diese Frage nicht selbst beantworten zu können treibt mich fast in den Wahnsinn.

Aktuell hoffe ich noch dass es einfach nur temporäre Nachwirkungen des Schlafmangels sind und mein Körper dabei ist sich zu regenerieren.
Ich habe mich inzwischen 2 Freunden anvertraut, die mir so oft wie möglich Gesellschaft leisten da "alleine sein" auf Dauer sehr unangenehm wird und mich in starke Unruhe versetzt.
Als kleinen Versuch habe ich 2mg Lorazepam sublingual eingenommen, alle geschilderten Symptome verschwanden(mit Ausnahme des Kurzzeitgedächtnis)

Schlafprobleme habe ich keine. Sobald ich müde bin, tritt das beklemmende Gefühl der Einsamkeit deutlich in den Hintergrund.
Ich schlafe durch, fühle mich danach erholt und konnte auch keine ungewöhnlich starken Schweißausbrüche feststellen.

Ich warte nun noch das Wochenende ab, gönn mir viel Ruhe und Schlaf und hoffe inständig dass ich meinen Körper und Geist nicht dauerhaft "geschädigt" habe.

Hat jemand von euch soetwas schonmal erlebt? Kann es wirklich nur an den 76 Stunden "Rauschzustand" liegen denen ich meinen Körper ausgesetzt habe?

Sollte sich mein Zustand nicht bessern werde ich am Montag einen Arzt aufsuchen und ihm das ganze erklären.

Bis dahin bete ich zu einer höheren Macht dass ich durch diese absolut verantwortungslose dumme Leichtsinnstat nicht meinen Körper und Geist dauerhaft in Mitleidenschaft gezogen habe.

Überlegt es euch bitte zwei mal ob ihr zu Pentedron greift, ich glaube psych hat Recht. Es gibt Substanzen die weit weniger Psychosenpotential mitbringen und trotzdem eine potente angenehme Wirkung haben.
Pentedron war auf jeden Fall mein erster und warscheinlich letzter Ausflug in die Welt der Research Chemicals.



 
Ex-Träumer



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ICQ
  Geschrieben: 07.09.12 15:43
Collateral schrieb:
Ich glaube diese 3 Tage werden noch sehr lange auf mich wirken, ich bete dass sie sich nicht lebenslang auf mich auswirken.
Seit 2 Tagen habe ich seltsame Symptome, die ich auf den Pentedronkonsum zurückführe da es mir sonst unerklärlich ist wieso auf einmal diese Veränderungen auftreten.

Sobald es Dunkel ist nehme ich ein deutliches Flimmern in meinem Blickfeld wahr.
Es ist so als würde jemand ein Stroboskoplicht in mein Blickfeld halten. Es ist nicht direkt unangenehm, es beunruhigt mich nur, sobald ich bewusst Blinzle ist es für eine Weile verschwunden taucht aber wieder auf.
Zusätzlich erwische ich mich seit dem Konsum dabei wie ich häufig mit mir selbst spreche sobald ich allein bin. Meistens spreche ich nur das aus was ich gerade mache, bzw. machen möchte: "So, ich glaube ich mach mir mal etwas zu essen"


hey, die beiden oben genannte symptome kenn ich nur zu gut. aber ich rede recht häufig mit mir allein, zwar sag ich nicht "ich mach das und das" aber oftmals spreche ich meine gedanken laut aus wenn ich über eine sache nachgrüble. ich find daran nichts schlimm und hab das schon seit meiner kindheit.

das mit dem flimmern habe ich auch und zwar permanent oder fast immer. ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es nocht nicht so lange haben kann, aber ca. seit dem ich "harte" drogen konsumiere hab ich dieses flimmer. mal stärker mal weniger stark, aber es trifft meistens auf wenn ich drauf oder bekifft bin. ich hab mich mittlerweile dran gewöhnt und mich damit abgefunden. momentan bin ich erstmal abstinent (abgesehn von ein paar bier am wochenende, kein rausch) und villeicht wird sich etwas verändern, falls ja werde ich es gerne hier posten.

greetz
playin' russian roulette with a full clip
Ex-Träumer
  Geschrieben: 07.09.12 16:54
al0ne schrieb:

hey, die beiden oben genannte symptome kenn ich nur zu gut. aber ich rede recht häufig mit mir allein, zwar sag ich nicht "ich mach das und das" aber oftmals spreche ich meine gedanken laut aus wenn ich über eine sache nachgrüble. ich find daran nichts schlimm und hab das schon seit meiner kindheit.


Ich finde es auch nicht schlimm. Beeinträchtigt mich von den Veränderungen immerhin am geringsten und beruhigt mich wenn ich keine Menschen um mich habe.
Mir fiel es nur auf, da ich eben seit diesem Trip verstärkt darauf achte wie ich mich verhalte und ob ungewöhnliche Dinge auftreten.

Dabei kommt mir in den Sinn. Kann es sich um eine "Placebo"wirkung handeln?
Schließlich achte ich seit dem Trip verstärkt darauf wie mich verhalte und was mein Körper tut.
Vielleicht rechne ich so fest mit Veränderungen im Verhalten dass ich sie selbst "bewusst" erzwinge, es mir aber nicht bewusst ist?
Ich hoffe ich drücke mich gerade verständlich aus. Das ist auch etwas das ich festgestellt habe, Gedanken kommen über mich und mir fällt es schwer sie geordnet auszudrücken.

Dass es sich bei mir so verhält wie wenn man nun leicht bekleidet bei kaltem Wetter raus geht und so fest mit einer Erkältung/Grippe rechnet dass am nächsten Tag dementsprechend Symptome auftreten.

Ich werde versuchen heute ohne die Gedanken an Veränderungen schlafen zu gehen und versuche meinem Körper zu signalisieren dass er nicht "anders" sein muss. Ich will das ja gar nicht.
Danke nochmal für all euer Feedback, ist auch jetzt noch ein kleiner Haken an den ich mich halte. Auch der Tripbericht erfüllt inzwischen eine abschreckende Wirkung, auch wenn ich mir oft denke dass Pentedron wahrscheinlich diesen ganzen Veränderungen ein Ende setzen würde. Ich weiß aber dass es nur eine kurzweilige Besserung wäre, und die Symptome danach stärker zurückkommen würden.

Ich bin froh nichts in meiner Wohnung zu haben was mich irgendwie berauschen könnte.

Aktuell würde ich wohl alles verschlingen dass irgendwie eine Bewusstseinsveränderung herbeiruft.

Collateral





 
Ex-Träumer
  Geschrieben: 07.09.12 18:44
Collateral schrieb:
Zitat:
Dabei kommt mir in den Sinn. Kann es sich um eine "Placebo"wirkung handeln?
Schließlich achte ich seit dem Trip verstärkt darauf wie mich verhalte und was mein Körper tut.
Vielleicht rechne ich so fest mit Veränderungen im Verhalten dass ich sie selbst "bewusst" erzwinge, es mir aber nicht bewusst ist?





sehr gut möglich das es sich bei den Symptomen (zumindest teilweise) um placebo handelt. Würde dir empfehlen nicht mehr so stark auf die symptome zu achten sondern dich eher irgendwie abzulenken. Zum Beispiel wie du sagtest mit freunden was machen oder wenn du alleine bist irgendwas tun was dich auf andre gedanken bringt bis es wieder besser wird. Nach 72 stunden Dauerrausch braucht der körper erst mal etwas zeit um sich zu erholen.

LG MD

 
Abwesende Träumerin



dabei seit 2012
505 Forenbeiträge

  Geschrieben: 07.09.12 21:02
Und wieder eine offenbar sehr suchterzeugende Droge mit dazu noch hohem Psychoserisiko, die ich jetzt probieren will^^ Mich schreckt irgendwie nix ab...

Ausgezeichneter TB 10/10 aber schieb mal nicht alles dem Pentedron in die Schuhe, dich gibts auch noch wink

Lg, Mio
Welche andere Wissenschaft darf sich solche Leichtfertigkeit erlauben? Wenn eine Brücke einstürzt, werden die Verantwortlichen haftbar gemacht. Die Psychiatrie aber durfte ungestraft an einem dogmatisierten Irrtum festhalten, der viele Leben zerstörte.
Ex-Träumer
  Geschrieben: 28.09.12 14:50
Ich möchte hier noch ein kleines Update über meine aktuelle Situation veröffentlichen.

Das ich mit Pentedron abgeschlossen habe war wohl nur ein Wunschgedanke. Zu Beginn waren es einfach nur Gedanken an das Kickgefühl und es viel mir nicht sonderlich schwer.
Durch Unachtsamkeit, Naivität und Leichtsinn hatte ich aber leider schon am Montag(10.09) Zugriff auf Speed.
Das verlangen war unglaublich stark(ich erhoffte mir einen ähnlichen Kick) doch ich konnte Nein sagen und verbrachte das Wochenende ohne Drogen jeglicher Art.
Aber bereits Samstag und Sonntag merkte ich eine unglaubliche Schlappheit, ich fühlte mich als hätte ich am Vortag sehr viel Alkohol getrunken.
Am Montag wurde "Leistung" von mir erwartet, allerdings war es mir fast unmöglich etwas zu tun. Auf der einen Seite war mein Körpergefühl einfach nur beschissen und auf der anderen Seite verhinderte das ständige Denken an Pentedron fast jegliche "geistige" Arbeit.
Es kam wie es kommen musste. Am Donnerstag fand ich mich zu Hause wieder...ein Tütchen Pentedron in der Hand.
Seit diesem Tag(13.09) malträtiere ich meinen Körper täglich mit einem Cocktail aus Pentedron und Downern(Alkohol, Gras, Benzos). Pentedron gibt mir nichts mehr. Kein Anfluten, kein Peak, kein Runterkommen.
Ich "brauche" es um über den Tag zu kommen. Versteht mich nicht falsch. Ich weiß dass ich es nicht "brauche", es ist eine Sucht. Es hilft mir, welch paradoxe Aussage, über den Tag zu kommen und wenigstens noch die nötigsten Dinge auf die Reihe zu bekommen. Es waren keine hohen Dosen, aber ohne 40-60 mg in Kapselform kam ich am Morgen einfach nicht in die Gänge.
Ich habe in den letzten 2 Wochen ca. 6 kg an Gewicht verloren da fast jede Mahlzeit durch Pentedron ersetzt wurde. Auch von Freunden und Bekannten bekomme ich zu hören dass ich in letzter Zeit nicht sehr gesund aussehe.

Ich habe mich trotzdem nicht aufgeben, und "Gott" sei Dank wollen dass auch ein paar andere Menschen nicht.
Anfang dieser Woche habe ich erneut versucht einen Schlusstrich zu ziehen und habe das Pentedron weggeworfen. Allein finanziell hätte es mit Pentedron sowieso nicht weiter gehen können.
Allerdings musste ich sehr schnell feststellen dass ich es ohne Hilfe nicht schaffe. Die 2 Tage ohne Upper waren einfach nur grauenhaft.
Hitze, Kälte, Schweißausbrüche, Euphorie und Depressionen lieferten sich einen Blitkrieg-artigen Kampf in meinem Köper und ich wusste dass ich eher früher als später wieder rückfällig werde.

Was genau der Auslöser war kann ich nicht sagen, aber gestern habe ich mich nun an eine Drogenhilfe gewandt und hoffe dass dies der richtige Schritt war.
Ich weiß nicht ob diese 2 Tage einen Entzug darstellten, aber seit diesem Zeitpunkt hat jeder der erfolgreich von egal welcher Droge wegkommt meine Hochachtung und größten Respekt.

Später habe ich noch einen Arzttermin um meinen Körper durchchecken zu lassen. Ich habe große Angst vor dem Ergebnis.

Ich mache weder Pentedron für meine Situation verantwortlich noch möchte ich hier den Moralapostel spielen.
Nur eins will ich sagen, passt auf euch und eure Mitmenschen auf. Ich musste selbst erleben wie schnell man sich in einer Situation wiederfindet mit der man selbst nichtmehr fertig wird.

Collateral


 
Abwesender Träumer



dabei seit 2012
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  Geschrieben: 28.09.12 15:33
oh mann , alles gute von mir !
das packst du schon ;)
..Aaalter Ich hab Heute schon alle Aggregatszustände durch!

"..der Lebensstil ist Wahnsinn und die Augenringe bleiben.."
Abwesender Träumer

dabei seit 2010
48 Forenbeiträge

  Geschrieben: 28.09.12 16:07
Das erinnert mich wahnsinnig an meine Mephedron Zeit, aber ich bin da rausgekommen. Also wirst du es auch schaffen! Irgendwann wirst du das Gefühl, welches dir Pentedron gibt, vergessen, aber das dauert. Also halte durch und alles Gute!
 
Traumländer

dabei seit 2012
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1 Tripberichte

  Geschrieben: 23.10.12 06:49
ich persönlich bin zwar sehr neugierig was drogen angeht, aber da ich eh nicht die chance habe an alles ranzukommen und da ich von dem zeug vorher nie etwas gehört habe und auch denke nie etwas aus meinen bekannten kreis davon zuhören bezweifle ich das ich daran eh rankommen würde. dieser tripbericht ist aber trotzdem für mich der beste hier im ldt, sehr unterhaltsam, sehr informativ und (für mich) auch abschreckend und ich lasse mich eig verdammt selten von drogen abschrecken. ich hoffe du schaffst den entzug.

10/10 punkten von mir und schon 3 mal gelesen den TB^^
 
Ex-Träumerin



dabei seit 2008
2.208 Forenbeiträge

  Geschrieben: 23.10.12 07:42
10/10 auch von mir für deinen Bericht.
Und gedanklich, ein großes Kraftpaket an dich. Ich drücke dir ganz fest die Daumen und wünsche dir, dass es dir inzwischen besser geht.
Würde mich freuen, wenn du hier nochmal von dir hören lässt. Dein letztes Update war Ende September? Wie gehts dir zur Zeit?
___

"Es gibt Leiden, von denen man die Menschen nicht heilen sollte, weil sie der einzige Schutz gegen weit ernstere sind." (Marcel Proust)
Ex-Träumer
  Geschrieben: 25.10.12 20:18
Danke für eure Unterstützung und euer Mitgefühl.
Es tut gut diese Worte zu lesen, auch wenn es anonym über das Internet geschieht. Ich lese mich immer wieder durch diesen Thread.
Die Unterstützung von Betreuern, Freunden und Bekannten ist enorm wichtig, allerdings wissen dort viele nicht wie sich so eine Sucht anfühlt.
Hier weiß ich, dass ich (fast immer) mit Menschen zu tun habe die Drogen- und evtl. auch Sucht/Entzugserfahrung haben.


facettenreich schrieb:
Würde mich freuen, wenn du hier nochmal von dir hören lässt. Dein letztes Update war Ende September? Wie gehts dir zur Zeit?


Das Positive vorneweg:
Ich habe seit meinem letzten Beitrag am 28.09 keinerlei Drogen mehr angefasst.(Nikotin mal ausgenommen)
Die Drogenberatung in der Umgebung erwies sich als ziemlich inkompetent, zusätzlich hatte ich oftmals das Gefühl der Fokus lag darauf mich zum Glauben zu bekehren.
Die tatsächliche Suchtbekämpfung rückte zunehmend in den Hintergrund. Nach ein paar Sitzungen habe ich mich verabschiedet und habe mich einer Selbsthilfegruppe angeschlossen.
Der "Gruppenleiter" ist Psychologe(mit Drogenproblemen in der Vergangenheit), auch die restlichen Teilnehmer sind alle sehr nett. Man hat wirklich das Gefühl gemeinsam "an einem Strang zu ziehen".
Ich war erstaunt welche Leute ich dort antraf, von dem klischeebehaftetem "Straßenpenner" bis zum erfolgreichen Unternehmer ist alles vertreten. Ich bin der Jüngste in meiner Gruppe und habe den Eindruck ich profitiere enorm von der Lebenserfahrung der anderen.


So schön und einfach sich mein Abschied von Pentedron anhört, genau so einfach lassen sich die ersten Tage ohne Pentedron beschreiben: Sollte eine Hölle nach christlichem Vorbild existieren, ist sie wohl ein 5 Sterne Luxus-Resort verglichen mit einem Entzug und seinen Folgen.
Der Pentedronentzug ist mein Erster, und hoffentlich mein Letzter.

Durch den täglichen Konsum verspürte ich kaum Neben- und Nachwirkungen. Es kam selten zu spürbarem Herzrasen oder Nierenstechen nach dem Konsum.
Mit dem Konsumstop ging fast immer Schlaf einher. Ich bekam meist nie Nebenwirkungen zu spüren, verschiedene Benzos kümmerten sich darum.

Umso härter war die Ankunft in der Realität als ich wirklich aufhörte. Wie ich schonmal sagte, Menschen die erfolgreich einen Entzug hinter sich bringen(obwohl es fast eine Lebensaufgabe ist) verdienen größten Respekt.
In den ersten Tagen nach dem Konsumstop lässt sich mein Körpergefühl wohl mit einer Durchgangstür eines Zuges vergleichen. Der Konsum ist das Laufen durch den Zug, die ersten Entzugserscheinungen sind das das stolpern und der Aufschlag auf harten Untergrund. Wie ein Brett vor...Nein. Wie ein Schlag mit einem Brett IN den Kopf! Die Tage nach dem Sturz ist die Zeit die man zwischen der Tür verbringt.
Sie schließt sich, verpasst dir einen Stoß in die Rippen. Sie öffnet sich, es wird kurzfristig etwas besser, aber die Tür schließt sich immer wieder.
Versucht man aufzustehen kommen wie aus dem Nachts Fahrgäste die dich unbekümmert niedertrampeln. Unfähig aufzustehen bleibt einem nichts Anderes übrig als abzuwarten.
Was aber viel schlimmer für mich ist, ist die allgegenwärtige Präsenz dieser Schmerzen, dieser Gefühle.

Wie es mir geht?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ein sehr kranker Bekannter hat mal zu mir gesagt: "Ich habe gute Tage, da vergesse ich die Krankheit, dann habe ich schlechte Tage. Sie ist ständig in meinem Kopf, ich fühle mich miserabel".

So in etwa geht es mir zur Zeit auch. Ich könnte mir diese Zeit einfacher gestalten, allerdings verzichte ich auf Medikamente da ich mir sicher bin es kommt bei mir dann nur zu einer Verschiebung der Abhängigkeit.
Zu Beginn hatte ich schon Schwierigkeiten einzuschlafen, ich musste mich ständig dazu zwingen nicht zu Benzos zu greifen. Ich glaube auch dort hat sich eine leichte Abhängigkeit gebildet.

Es gibt Tage da stehe ich auf, stürze mich in den Alltag und Pentedron, bzw. Drogen generell, kommen mir nie in die Gedanken. Seit dem Entzug bin ich ein großer Fan strenger, eng gepackter Terminkalender.
Umso weniger Langeweile, umso weniger Zeit bleibt für abschweifende Gedanken. Ich merke schon bei dem schreiben dieses Beitrags dass ich gerade so "geil" auf Pentedron werde.
Leider sind diese Tage sehr selten, meist erinnert mich das starke Nierenstechen an das Vergangene. Der Arzt meinte ich hatte Glück, ich habe meine Nieren ordentlich maltretiert aber komme nochmal mit einem blauen Auge davon. In etwa 4 Wochen sollten die Schmerzen abklingen. Zu Beginn hatte ich fürchterliche Angst auf der Warteliste für Nieren zu landen.
Die "Erinnerung" ist auch der Grund wieso ich zur Zeit kaum im LdT unterwegs bin. Es erinnert mich einfach an Pentedron, an Drogen im Allgemeinen.
Ich versuche aktuell noch alles Vermeidbare auch wirklich zu vermeiden. Ich bin Dankbar für jeden Tag an dem Drogen keinen Weg in meine Gedanken finden.

Insgesamt hat sich mein Wohlbefinden aber stark verbessert. Ich kann den Alltag wieder genießen. Zu wissen dass es nur "Ich" bin der das empfindet ist unbeschreiblich.
Ich weiß nicht ob man versteht was ich meine und empfinde. Ich weiß einfach, dass mir(meine Persönlichkeit, mein Bewusstsein) dieser Augenblick gefällt, ohne Hilfe von Drogen.
Das Verlangen nach Pentedron ist deutlich zurückgegangen, es ist zwar noch da, aber sehr subtil. Ab und zu ist es stärker ausgeprägt. Oftmals wenn ich mich an diese Zeit erinnere, darüber rede, schreibe und nachdenke.
Aktuell habe ich noch gelegentlich mit Schlafproblemen zu kämpfen, und ich muss mich erst an das neue Erleben von Gesprächen gewöhnen. Ich denke mir oft, wenn ich mit jemanden über etwas wichtigeres spreche, dass dieses Gespräch nicht die nötige Tiefe und Intensität erreicht. Unter Pentedroneinfluss war das Einfühlvermögen einfach gigantisch groß. Es ist eine Umgewöhnung, aber kein wirklichen Problem.

Ich hatte das Glück, dass ich mir durch Pentedron nichts "verbaut" habe. Ich habe es geschafft meine sozialen/gesellschaftlichen Pflichten zu erfüllen. Zwar deutlich schlechter als üblich, aber ich glaube der zu zahlende Preis hätte noch weit höher ausfallen können.

Ich bin guter Dinge dass ich weiter durchhalte. Ich denke mir immer, sollte ich jetzt rückfällig werden waren die vergangenen Wochen vollkommen umsonst.
Dadurch wird es von Tag zu Tag "einfacher" Nein zu sagen, weil ich von Tag zu Tag mehr verlieren würde.


Das Schwierigste für mich ist es darüber mit Freunden und Familie zu sprechen. Es weiß fast niemand wie weit ich in diesem Sumpf drin hing.
Der Großteil weiß von meinem Drogenkonsum, allerdings weiß kaum einer von dem Entzug. Ich fühle eine Art "Scham" dieses Versagen meiner Willensstärke vor, mir nahen, Menschen zu zugeben.
Deshalb fehlen wir ein bisschen die Bezugspersonen mit denen ich darüber reden kann wenn es mir mal schlecht geht.
Die Selbsthilfegruppe ist wunderbar, aber die Menschen dort ersetzen einfach keine jahrelangen Freunde.








 
Abwesender Träumer

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  Geschrieben: 05.12.12 17:14
zum tb: hat mich gefreut sowas zu lesen, unterhaltung, bildung und mitgefühl waren vorhanden.
auch die diskusion hier hab ich verfolgt, von mir gibt es ebenfalls nur die besten wünsche für deine zukunft !!!

""Die Drogenberatung in der Umgebung erwies sich als ziemlich inkompetent, zusätzlich hatte ich oftmals das Gefühl der Fokus lag darauf mich zum Glauben zu bekehren.""

kann nur den kopf schütteln, andererseits wissen die leute, mit einer zu starken fixierung auf ihren selbst definierten Archetyp, garnicht so genau wie sehr sie selbst einem konstrukt verfallen sind.

das sollte man immer berücksichen.

bin auf den tb gestoßen weil meine neugirde geweckt wurde, ob sie nun größer oder kleiner ist kann ich nicht sagen.
jedoch bin ich dankbar für deinen bericht, wieder ein blickwinkel mehr. in diesem fall einer der eine große gewichtung erhält.

das goßprojekt schlafen fand ich sehr treffend ;)
Über Ich vs. Es
Abwesender Träumer

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  Geschrieben: 05.12.12 17:32
achja, dieses flimmern habe ich auch - auch freunde haben es beobachtet .. ich hab es als kaleidoskop beschrieben - bunte punkte halt ... kiffen intensiviert, phenys lassen sie tanzen ... meine theorie ist dass man sie schon immer wahrgenommen hat, aber erst durch drogen gesehen hat - sie sind also erst jetzt sichtbar ... jedoch sind sie bei mir wieder zurück gegangen, treten im dunkeln auf und wenn ich am pc was lese und dann schnell zur wand blicke sehe ich sie als nachbilder, auch bei langem tv kann es sein dass sie auftauchen.

ebenfalls habe ich beobachtet, dass ich zb bei komplexen mathematischen berechnungen ab und zu einen hellen punkt sehe, für millisekunden ... irgendjemand der das auch so erlebt ????

Über Ich vs. Es
Traumländer



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ICQ
  Geschrieben: 05.12.12 18:25
Sehr guter TB! 10/10

Ich hatte vor Pentedrone zu testen aber nur weil mein Vendor es gerade so billig anbietet.
Dank dir habe ich mich umentschieden, weil dieses Risiko möchte ich einfach nicht eingehen. Ich glaube ich würde vollständig daran kaputt gehen.
Ich persönlich bin eigentlich auch nicht anfällig für Süchte, aber Pente scheint ja wirklich der Satan der Upper sein.

Sex ist eine Schlacht, Liebe ist Krieg.
»Rammstein«
Ex-Träumer
  Geschrieben: 29.03.13 01:36
Inzwischen habe ich ein kleines Update verfasst.
Der Übersichtlichkeit wegen in einem neuen Tripbericht.


Pentedron: Es war nicht genug, die Affäre schlägt zurück!
 

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