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LdT-Forum » Konsum » Tripberichte » LZ: GBL - eine stündliche Reise auf unabsehbare Zeit


« Seite (Beiträge 31 bis 41 von 41)

AutorBeitrag
Ex-Träumer
  Geschrieben: 05.07.20 20:23
Dieser Tripbericht hat mich umgehauen. Vielen Dank dafür & ich hoffe sehr dass es dir gut geht. Du bist ein sehr starker Mensch. Du wirst es schaffen.

Dieser Tripbericht war auch ein echter Warnschuss für mich. Ich habe vor kurzem GBL bzw. BDO "für mich entdeckt" und muss höllisch aufpassen nicht nochmal in eine Sucht zu rutschen.

 
Dauer-Träumer

dabei seit 2019
34 Forenbeiträge

  Geschrieben: 06.07.20 00:21
Das war ein sehr schöner LZ Tripbericht, danke fürs Teilen. Wie geht es dir denn mittlerweile? Hat es geklappt langfristig vom Konsum wegzubleiben?
 
Anonym
» Thread-Ersteller «
  Geschrieben: 31.08.20 01:32
zuletzt geändert: 31.08.20 01:56 durch Anonym (insgesamt 3 mal geändert)
Die mittlerweile wieder alte Zeit - das Jahr 2018 reloaded


Nun, wo waren wir stehen geblieben? Es ist sehr viel passiert in den letzten 2 Jahren. Eigentlich viel zu viel, um es in Worte zu fassen. Es war verdammt heftig.

Wir waren zuletzt bei der Ärztin, die mir zu so manchem Medikament verholfen hatte, danach endete mein Bericht. Den Kern der ganzen Sache hatte ich vergessen zu schreiben, ich hatte mich ihr ja anvertraut und hatte gehofft, dass sie mir sagt, mein Konsum sei ja das normalste von der Welt und auch der Entzug wird Kindergeburtstag. Eine angenehme Konsumwoche wäre mir ja das liebste gewesen, aber das ließ sich denke ich nicht mehr umsetzen. Immerhin war ich nun über 5 Jahre auf GBL 24/7.
Auf jeden Fall hatte ich mich ihr anvertraut und die ganze Sache erklärt sowie das Informationsmaterial zur Verfügung gestellt. Ein paar Tage später dann meldete sie sich wieder bei mir, sie habe neueste Informationen für mich. Sie hatte mit dem Chefarzt der Klinik über meine Problematik gesprochen. Der sagte wohl, dass eine GBL bzw. GHB-Abhängigkeit in einem solchem Ausmaß nur mit der Durchführung eines künstlichen Komas mit Intubation sowie Beatmung möglich wäre. Die potenziellen Krampfanfälle müssten abgeschirmt werden.
Na super, dachte ich, da war es wohl nichts mit angenehmer Konsumwoche. Eigentlich hatte ich mir das ja auch gedacht, ich bin ja nicht blöd, aber man redet sich ja so vieles schön wenn man voll drauf ist. Ist ja alles nicht so schlimm. Aber ich machte erst einmal munter weiter.

Ich habe diese tolle Ärztin, die mit mir korrupterweise ja auch schon „Benzos shoppen“ war, dann auch noch dazu gebracht, einen Schritt weiterzugehen.
Ich hatte ihr erzählt, dass ich es gerne zu Hause versuchen würde, weil mir die ganze Problematik eben noch nicht so wirklich in den Kopf wollte. War ja nicht so schlimm, das kriegt man doch locker zu Hause hin, wenn man ein paar Medikamente zur Hand hat und auch noch Alkohol, Hauptsache ich musste in kein Krankenhaus. Krankenhäuser waren für mich bis dato ja immer ein rotes Tuch, das hat sich dann irgendwann auch zwangsläufig geändert bzw. Ändern müssen, aber dazu dann noch später mehr.
Da sie eben 100km von mir weg wohnte, war es dann ja nicht so einfach, da sie logischerweise auch viele Dienste hatte und so gut wie nie Zeit. Ich fragte sie, ob man da nicht irgendwie irgendwas über das Internet machen könnte. Sie empfahl mir Gabapentin und Doxepin, bei Baclofen hätte sie irgendwie „Schiss“, meinte sie. Warum genau, kann ich mir nicht erklären, aber sie ist ja die Ärztin. Wenn man sie so nennen kann, wenn man mit einem offensichtlich Suchtkranken so eine Nummer abzieht. Vom Prinzip gehört der die Approbation sowas von entzogen, aber das war mir nun erst einmal egal, ich konnte ja immerhin noch etwas abgreifen.

Auf jeden Fall habe ich ihr dann noch andauernd geschrieben und sie gebeten, mir etwas zu bestellen. Sie sagte dann, ich müsse mir das selbst bestellen, sie würde in der Apotheke anrufen und das klarmachen. Aber das war natürlich nicht so einfach.
Ich schrieb nun eine Mail an eine große Internet-Apotheke, wie man das machen könnte mit rezeptpflichtigen Medikamenten und der Bestellung. Es müsse dafür logischerweise ein Kassen- oder Privatrezept vorliegen, welches man dorthin schicken sollte. Ich fragte dann, wie das so als Arzt eigentlich ist. Die müssen ja logischerweise irgend eine Berechtigung haben, an Medikamente zu kommen.
Sie schrieben mir, dass es selbstverständlich kein Problem sei, als Arzt Medikamente zu bestellen, sie bräuchten lediglich eine Kopie des Arzt- sowie Personalausweises.

Die Ärztin war natürlich korrupt genug, um der Apotheke ihren Arztausweis zu schicken, mir lag der (leider) nicht vor. Den Personalausweis hatte sie vergessen, und auf meine Nachfrage bei der Apotheke hin fehlte eben dieser jene noch.
Ich schrieb ihr jeden Tag, dass sie mir doch bitte noch eine Kopie ihres Personalausweises schicken solle. Ein paar Tage musste ich zittern, doch dann kam endlich das Dokument per WhatsApp.
Ich schickte es an die Apotheke und nun konnte ich mein Gabapentin und Doxepin bestellen. Aber was wäre man denn für ein Junkie, wenn man nicht auf die Idee kommen würde, da noch etwas mehr abzugreifen, immerhin hatte ich nun den Freifahrschein und die tolle Ärztin aus Köln konnte es ja auch nicht wirklich nachverfolgen, was da laufen sollte. Ich mein - einem Suchtkranken solch eine hohe Verantwortung ans Bein zu binden ist, wie ich schätze, relativ leichtsinnig. Wer hätte das gedacht? Jemand, der Medizin studiert hat, anscheinend nicht. Echte Betäubungsmittel ließen sich auf diesem Wege im übrigen nicht bestellen.

Ich machte nun eine Liste per Texteditor in meinem PC. Bei der Gestaltung des Dokumentes gab ich mir richtig Mühe, alles war fein säuberlich aufgeschrieben - aber immerhin ging es ja auch hier um etwas ganz großes. Gabapentin, Doxepin. Hmm.... das war abgemacht. Diese Liste lässt sich aber doch bestimmt noch etwas „pimpen“, oder? Baclofen bestelle ich mir trotzdem, dachte ich. Das hatte sie mir zwar offiziell nicht erlaubt, aber was die Dame nicht weiß, macht sie nicht heiß. Komischerweise passierte es mir aber, dass die Liste dann noch etwas länger wurde. Auf einmal standen da noch so Sachen wie „Midazolam 15mg/3ml Ampullen“, „Alprazolam 1mg Tbl.“, „Oxazepam 50mg Tbl.“, „Brotizolam 0,25mg“, „Nitrazepam 5mg“, „Diazepam 10mg/2ml Injektionslösung“, „Tilidin 200/16mg Tbl.“ sowie „Ketamin Inresa 500mg/10ml Ampullen“.

Komisch, dachte ich, irgendwie standen auch immer die N3er auf der Liste, außer, es gab das Medikament nur in einer kleineren Packung. War irgendwie so gekommen, weiß auch nicht warum. Ich musste den ganzen Kram natürlich selbst bezahlen, aber das ist einem Junkie aus Leidenschaft ziemlich egal. Die erste Bestellung hatte ungefähr einen Gegenwert von 300 Euro.
Die Bestellung wurde in eine Mail verfasst und abgeschickt, nun kam das spannende Gefühl, ob die ganze Sache denn nun funktioniert.
Die Apotheke dort war dafür bekannt, ziemlich schluderig beim Versand zu sein, es tat sich ein paar Tage nichts, eine Sendungsverfolgung gab es auch nicht.
Doch eines Tages kam ich nach Hause zu meinen Eltern, und anscheinend war der Nikolaus da. Meine Mutter hatte ein Paket entgegengenommen und mir in mein Zimmer gestellt (nochmal als Hinweis: Ich wohnte mit 30 Jahren immer noch zu Hause bei Mama)
Und der Traum eines jeden gestandenen Mannes war dann wirklich wahr geworden, das Zeug ist wirklich komplett angekommen.
Tilidin hatte ich mir mittlerweile zeitweise auch immer mal wieder besorgt, jedoch kostete dort auf einer niederländischen Seite im Internet eine N2er Packung 200/16mg 149 Euro. Das war ja nun Vergangenheit, wusste ich. Aber auch diese Bestellungen schon hielten mich natürlich nicht davon ab, mittlerweile auch noch Tilidin-abhängig zu sein.

Nun kann ich ja endlich vom GBL loskommen, wenn man eine so große Menge an Medikamenten im Hause hat, die einem den Entzug erleichtern oder eigentlich schon fast komplett abnehmen.
Aber es endete natürlich, wie es enden musste: Der GBL-Konsum ist tatsächlich etwas weniger geworden, aber ich endete im Endeffekt in dem, was kommen musste, das ganze Zeug wurde vernascht und verfeuert, es war so viel, dass es eigentlich gar nicht weniger wurde, aber das GBL kam immer wieder zurück. Was für eine verdammte scheiße aber auch! Ich gewöhnte mich sehr schnell an die Wirkung der Benzos, mit dem Midazolam konnte man auch wunderbar schlafen, es war eine Wohltat, die Ampullen i.v. Konsumieren zu dürfen. Ich schlief damit auch wirklich stundenlang ohne GBL, aber am nächsten Tag war die ganze Sache ja wieder vergessen und da man ja wusste, dass man noch so viel Vorrat hatte, verschob man es immer wieder auf später.

Ich habe noch 2 weitere Bestellungen bei dieser Apotheke gemacht, bei der letzten Bestellung jedenfalls wurden sie irgendwie misstrauisch. Ich hatte die letzte Bestellung nämlich direkt ein paar Tage nach der vorherigen gemacht und in der Mail stand dann „Da Sie sehr oft bestellen, benötigen wir den Kontakt zur Frau Sp. (Der „Ärztin“), um zu überprüfen, ob diese Bestellungen auch mit rechten Dingen zugehen“
Verdammt, nun wusste ich, dass ich zu hoch gepokert hatte. Man bekommt aber auch nie genug von den Stoffen. Man wird immer und immer habgieriger, man kann nicht genug bekommen. Hatte ich meine Quelle nun versiegen lassen?
Vorsorglich schrieb ich ihr dann, dass die von der Apotheke sie anrufen wollen, weil es mit einer Bestellung wohl Probleme gegeben habe mit dem Versand oder so. Ich dachte ja immer noch, ich könne mich irgendwie aus der Angelegenheit rauswieseln, es wird schon keiner merken, dass irgendwas mit unrechten Dingen zugeht, alle anderen sind ja blöd, außer man selbst, man ist unfehlbar. Immerhin verleiht GBL ja auch Superkräfte.

Ich gab der Apotheke dann zwangsläufig die Nummer von ihr, immerhin dachte ich, dass da noch was zu retten sei und alles wieder gut wird und ich mein Junkie-Dasein noch lustig weiter fröhnen könne.
Ein paar Stunden später dann schrieb sie mir wieder. Die von der Apotheke haben angerufen, sagte sie. Ketamin, Tilidin, Midazolam - von all den Sachen war doch gar keine Rede, wie konntest du mich nur so betrügen. Ja, wie konnte ich nur? Ich hatte ja keine Suchterkrankung, ich war vollkommen kerngesund und das blühende Leben. Die von der Apotheke haben ihr gesagt, dass solche Bestellungen mit Konsequenzen zu ahnden sein können und sie vorsichtig sein solle, und warum sie die Bestellungen nicht selber aufgegeben hatte, sondern sie von mir in Auftrag gegeben wurden. Sie erfand dann noch eine Notlüge, dass wir uns vom Rettungsdienst kennen würden und sie Notärztin sei.
Der Käse war nun aber gegessen, der Arztausweis wurde aus dem System der Apotheke gelöscht und sie sagte mir noch, sie würde hoffen, ich würde nicht noch Schabernack mit ihrem Personalausweis treiben.
Verdammt, dachte ich, hätte ich sie mal dazu gebracht, mir auch noch den Arztausweis in Kopieform zuzusenden, dann hätte das ganze Spielchen munter weitergehen können. Einfach eine andere Apotheke suchen und einen „Neuanfang starten“.
Allerdings wäre ich damit aber auch in Teufelsküche gekommen, und ich hätte es getan, immerhin hatte ich ja an sich auch gar kein Problem mit Suchtmitteln.
Nun, komischerweise war ich dann von der Ärztin blockiert worden und der Kontakt war beendet.
Eigentlich hätte dieser ganze Fall an die Öffentlichkeit kommen müssen, denke ich heute, allerdings wäre ich ja eventuell dann auch noch reif gewesen, wegen dem Arzneimittelgesetz und ich war ja nicht berechtigt, diese zu besitzen und dieser ganze Spaß. Wie gewonnen, so zerronnen.

Was passierte nun? Eigentlich nicht viel, außer, dass ich nun auch noch richtig gefallen an Ketamin gefunden hatte. Mann, war das schön, Ketamin i.v. In medizinischer Qualität. Das waren dann auch ein paar wunderschöne Tage und Abende, die wie im Fluge vergingen. Das musst du wiederhaben, wusste ich. GBL war immer noch mein Weggefährte, die Treue Seele an meiner Hand, die niemals schlief. Jede Stunde einen Milliliter waren wieder Standard. Ich verwahrte aus gutem Grund auch noch einiges an Medikamenten, allerdings ist ja immer das Problem, dass wenn was im Haus ist, es eben auch verkonsumiert werden musste. Diazepam i.v. War auch sehr beruhigend. Ich hatte mir nun auch schon angefangen, intravenöse Injektionen zu geben. Diese Hemmschwelle war auch noch gefallen, die es aber eigentlich auch nie gab. Ich machte also mittlerweile so ziemlich alles und ich nahm auch noch alles, was der Medikamentenmarkt zu bieten hatte. Benzos, Tilidin, wovon ich mittlerweile auch schon ein paar Monate abhängig war, Ketamin, andere Downer bzw. Antidepressiva mit sedierender Wirkung wie Doxepin, Quetiapin. Meine offizielle Medikation - Metoprolol, Ramipril, Fluoxetin, Zopiclon und bei Bedarf Tavor 2,5mg hatte ich natürlich auch immer noch. Ein paar Monate ging das Ganze dann noch so weiter.


Die Sucht - das bekannte Wesen - Tilidin


Wie ich eben schon geschrieben hatte, war ich auch des Tilidins nicht abgeneigt, im Gegenteil. Im Jahre 2010 war ich das erste Mal auf diesen Stoff gestoßen, hatte mir das ab und an auch mal im Rettungsdienst irgendwo stibitzen können. Es blieb dann aber bei einem ziemlich unregelmäßigen Konsum. Im Jahre 2015, als ich mit einer meiner Freundinnen noch zusammen war (die aus der hiesigen Klinik, die mir zum Job dort verholfen hatte), kam ich erneut in den Kontakt mit dem Opioid. Sie hatte Kopfschmerzen und wollte etwas einnehmen. Sie ging an ihren Medikamentenschrank und zauberte Tilidin hervor. Gegen Kopfschmerzen direkt solche Hämmer zu nehmen, ist natürlich auch eine sehr gute Idee. Jedenfalls erinnerte ich mich an die sehr angenehme Wirkung und sagte, sie solle mir auch mal eine geben. Genommen. Nach ein paar Minuten dieses tolle, leichte, einfach glückliche Gefühl, ich hätte die ganze Welt umarmen können. Gegen Depressionen ein wirklich sehr gut geeigneter Wirkstoff und generell etwas für Leute, die unzufrieden mit ihrem Leben sind und keinen Sinn darin sehen. Da war ich dabei. Ich rauchte eine Zigarette nach der anderen, ich rauchte wie ein Schlot, auf Tilidin war das bei mir eine sehr häufige Nebenerscheinung.
Ich sagte ihr, dass sie mir doch für den Folgetag mal noch 2 Stück mitgeben sollte. Am nächsten Morgen dann saß ich vorm Computer und zockte GTA, ich warf mir wieder eine ein. Erneut dieses einfach glückliche, warme und zufriedenstellende Gefühl. Auf einmal liebte ich mein Leben für ein paar Stunden. Da fing es an, mir einfach zu gut zu gefallen, aber das kennt man ja bei so „schwachen“ und psychisch labilen Menschen wie mir. Ich brauchte den Stoff immer mehr. Selbst meiner Freundin war aufgefallen, dass ich immer wieder nach einer Tablette fragte, bis sie mir irgendwann versucht hat, den Hahn abzudrehen und mir keine mehr geben wollte. Was für eine schlechte Freundin sie doch war.

Als ich dann den Job in der Klinik hatte und mal wieder der Nachtdienst anstand, und ich nebenbei natürlich fleißig auch am GBL konsumieren war, was blieb mir auch anderes übrig, kamen meine Finger im Schwesternzimmer dann natürlich auch an den Medikamentenschrank. Da gab es einige leckere Sachen, so wie in der Weihnachtsbäckerei. Tilidin, Quetiapin, diverse Benzos, z.B. Midazolam-Saft, ein paar andere beliebte AD‘s und natürlich auch die allseits beliebten Doxepin, Baclofen für einen erneut vermeintlichen erfolgreichen Versuchs des GBL abdosierens, und so weiter. Krankenhaus eben, das gefundene Fressen für jeden, der etwas auf sich hält und deswegen drogenabhängig ist. Was für ein Leben ich doch hatte - unendlich Zugriff auf die Weihnachtsbäckerei, die Sorgen und Ängste, ohne irgendeinen Stoff dastehen zu müssen, gehörten vorerst noch einmal der Vergangenheit an. Die Polytoxikomanie war geboren. Gut, das war sie eigentlich schon sehr lange vorher, aber ich wollte es noch einmal verdeutlichen.
Nun konnte ich auch nachts konsumieren, was ich wollte, natürlich war ich immerhin schlau genug, keine Benzos zu futtern. Zumindest nicht bevor es nach Hause ging, dann wurde sich immer ein Midazolam-Saft einverleibt.
So ging das dann munter weiter, ich vergriff mich immer wieder am Medikamentenschrank. Ich war sehr geschickt, wusste, wann die Schwestern nicht da waren und konnte mich wie in einem Selbstbedienungsladen versorgen. Der schönste Selbstbedienungsladen der Welt.

Nur wie man das so kennt, wird man natürlich immer leichtsinniger. Irgendwann pokert man immer höher, man will immer mehr, es entwickelt sich fast schon eine Kleptomanie des Medikamentenmissbrauchs. Oft konnte ich gerade noch so entwischen, bevor die Schwester mich gesehen hätte. Mein Arbeitsplatz war auch noch direkt neben der Station, auf der meine Freundin arbeitete. Die sah ich dann immer kurz vor meinem Dienst, da sie immer nur Spätdienst machte. Wäre natürlich verdammt peinlich gewesen, sich dann erwischen zu lassen, zumal ihre beste Freundin auch noch dort arbeitete.
Das Verhältnis zu meiner Freundin wurde dann immer nerviger und ich war irgendwann auch müde, den Konsum zu verstecken immer und überall. Jedes Mal meine 0,5-Liter-Flaschen mit 3ml GBL dabeihaben, dann der fehlende Sex mit meiner Lebensabschnittsgefährtin, wobei es auch noch am meisten an mir lag, da ich ja keine Libido mehr hatte, trotz einschlägigem GBL-Konsums. Wie gesagt hat dieses bei mir nie zu einer gesteigerten Libido geführt, wie es allgemein bekannt ist. Jedoch ist es eben ja bekanntlich auch so, dass jeder Stoff bei verschiedenen Menschen anders wirkt. Jeder Jeck ist anders, oder wie würde der Kölner sagen?
Nun, die Beziehung war dann gegessen, ich hatte auch keine Lust mehr. Als sie mir sagte, dass es keinen Sinn mehr machen würde, sagte ich ihr nur, dass ich das ganz genau so sehe und mich das nun gar nicht groß interessiert. Sie war bestürzt von meiner Gleichgültigkeit - da bin ich eben der typische Borderliner.




Die mittlerweile schönste „Nebensucht der Welt“ - Ketamin - Mitte 2018


Von vorne herein möchte ich erst einmal sagen, dass das hier keine Anleitung oder Anstiftung dafür sein soll, Privatrezepte zu fälschen. Es handelt sich dabei um Urkundenfälschung, die mit bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe sanktioniert wird.


Ketamin. Das hatte es mir angetan, seit ich das von der Ärztin habe „verschrieben“ bekommen bzw. Es mir in betrügerischer Absicht selbst auf den Bestellzettel geschrieben hatte. Wo bekommt man das denn nun her? Ich war ja nie der Mensch, der in irgendeiner Hinsicht in der Szene unterwegs war, und ich hatte ja auch keine konsumierenden Freunde. Ich war schon immer der Mensch, der sich alleine im stillen Kämmerchen zugedröhnt hatte.
Meine Eltern wurden auch immer misstrauischer und merkten, dass irgendetwas nicht mit mir stimmte. Aber das sollte dann später in meiner Geschichte noch so ziemlich eskalieren. Mein bester Freund heißt Herbert, er liebte auch Ketamin und Medikamente. Wir nennen ihn im folgendem einfach nur „H.“.

H. fand ein Internetforum, auf dem viele schöne Sachen gehandelt wurden. Kokain, Cannabis, Heroin, eigentlich so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Aber sein Herz begehrte Ketamin. Das gab es natürlich nicht dort, jedenfalls nicht in der von ihm geforderten medizinischen Qualität. Das Forum ist dafür bekannt, ziemlich illegal zu sein, und wurde auch schon ein paar Mal gebusted über die Jahre. Man fand jedenfalls etliche Posts mit Warnungen, man solle die Wohnung aufräumen, falls man ohne VPN dort unterwegs gewesen sei oder das und das bei dem und dem bestellt hatte, da sich dieser als unseriös herausgestellt hatte. Die Bezahlung ging wie im Darknet mit Bitcoins von statten, aber den Zugang zum Darknet hatte H. zu dem Zeitpunkt auch noch nicht gefunden, das kommt später noch. H. stöberte also eines Tages wieder einmal in dem Forum, und entdeckte einen Artikel „Dr. Med’s Rezeptservice und Schulatteste“. Hmm, was ist das denn nun wieder? Jemand, der einem Rezepte ausstellt, ja gibt es so etwas denn auch? Da wurde er hellhörig. Dort stand, dass man einfach das Wunschmedikament per Mail mitteilen solle, einen Namen sowie einen Arzt konnte man sich auch aussuchen, ansonsten wurde der Arzt vom Betreiber des Artikels selbst ausgesucht.
H. wusste nicht so Recht, was er davon halten sollte. Ist das nicht Urkundenfälschung, fragte er den Mann am anderen Ende der Leitung. Er verneinte dies und meinte, dass Rezepte im Rechtsverkehr keine Urkunden darstellen. Diese Antwort beruhigte ihn natürlich, dann konnte ihm ja keiner was. Das dies natürlich nur aus reinen Marketingzwecken von dem Typen behauptet wurde, blendete er aus. Ihm reichte irgendwie diese Ansage. Hauptsache man hat sein eigenes Gewissen irgendwie beruhigt und man redete sich die ganze Sache einfach schön.

Er befasste sich nun mit der Beschaffung von Bitcoins. Man muss sich schon gut informieren, wenn man damit Handel treiben will. Also ganz so einfach war es jedenfalls nicht, aber wenn man es einmal raushatte, gar nicht schwer. Es gab auch einen sogenannten „Treuhand-Service“, der den Käufern und den Verkäufern Sicherheit versprach. Die Ware wurde erst vom System entgegengenommen, wenn der Verkäufer. [wird noch ergänzt!]

Nun, er nutzte diesen Treuhandservice natürlich gern, immerhin konnte dann so gut wie nichts passieren. Er zahlte die Bitcoins auf das „Konto“ des Verkäufers und die Ware wurde verschickt und kam dann eine Woche später bei ihm an. Es war ein unauffälliger Brief, den man eigentlich hätte an einen „Drop“ schicken lassen sollen, aber H. hat seine echte Adresse genommen sowie die Adresse von Kollegen und Freunden, damit es nicht immer ein und die selbe war.
Nun, es waren Privatrezepte, das heißt, die Kosten für das Medikament musste er selbst tragen, aber das kannte er ja schon durch die Sache mit der Apotheke vor ein paar Monaten.
H. hatte sich erst einmal Diazepam Ampullen und noch etwas anderes aufschreiben lassen, um das ganze mal auszuprobieren. Die Rezepte kamen ja ununterschrieben, aber ein Gekritzel eines Arztes gerade noch so darunter zu setzen war ja ein leichtes.
Er ging nicht in die Apotheke vor Ort, sondern fuhr immer etwas weiter weg, und - siehe da - es funktionierte! Das ist ja ein guter Service von dem Typen, dachte sich H., das es für ihn, Dr.Med, wundersame Geldvermehrung war, wusste H. zu dieser Zeit noch nicht. Es war ihm aber auch egal, das System funktionierte und nun ertappte er sich dabei, sich auch Ketamin aufschreiben zu lassen. Wunderbar, auch das funktionierte! Endlich wieder eine Möglichkeit gefunden, das tolle Anästhesiemedikament zu konsumieren.

Zu der Zeit war H. immer noch an der Uni, wenn man das so nennen kann. Er war eigentlich mittlerweile so gut wie gar nicht mehr da, er verließ nur das Haus, um seine Eltern zu beruhigen. Trieb sich irgendwo ein paar Stunden rum, um dann damit konfrontiert zu werden „bist du schon wieder zu Hause? Wie unregelmäßig hast du eigentlich Uni und zu was für Zeiten?“ H. fand aber immer irgendeine Begründung. Er trieb sich irgendwo herum, fuhr in einen Laden, ging etwas essen - und natürlich kam ihm auch in den Sinn, Ketamin zu konsumieren unterwegs. Wie würde man sich denn schöner die Zeit vertreiben können, als in einem wunderbaren Ketaminrausch an einem Donnerstagnachmittag in einem Wäldchen in der Nähe dahinzusiechen. H. fuhr also auch noch Auto, trotz der Gefahren. Er wusste ja, dass so ein Ketamin-Rausch nach einer Zeit wieder vorbei war und man direkt wieder normal wurde. Dachte er zumindest. Selbstüberschätzung nennt man das, glaube ich, der Klassiker im druffigen Hirn. So kam es immer öfter vor, dass er einfach nur noch in das Wäldchen gefahren ist, um Ketamin i.v. zu konsumieren.

Eines Tages war er mal wieder im Forum unterwegs und wollte wieder mal ein Rezept bestellen. Da hatte H. eine private Nachricht im Briefkasten, in der stand, dass der Dr.Med ein Halsabschneider sei, es wäre überhaupt kein Problem für ihn, diese Rezepte herzustellen. Es würde ihn lediglich ein paar Cent für die Tinte kosten, die Rezeptblöcke könne man auf der und der Seite auch bestellen, und wenn man sich mit Photoshop auskennen würde, wäre auch das Drucken kein Problem. Da fing er an, sich Gedanken zu machen.
Der betreffende User, der diese Nachricht verfasst hatte, wurde dann gesperrt, da Dr.Med ein Premium-Vendor war, er hatte das sogenannte Monopol. Da durfte nur er in dieser Forum diese Art von Produkten anbieten.
Nun, H. überlegte weiter. Er wusste, dass er von Photoshop absolut keine Ahnung hatte, aber bestellte erst einmal einen Rezeptblock. 500 Stück, eine kleinere Packung gab es nicht, nach oben allerdings offen. H. fragte in einem Photoshop-Forum nach, wie man denn eine „Postkarte“ mit Schrift bedrucken könne. Da war dann ein sehr netter Mensch, der ihm ein Video geschickt hatte, in dem alles genau beschrieben war. Danke an dich, du netter Mensch, auch wenn du das hier natürlich niemals lesen wirst.
Ein bisschen musste er noch ausprobieren und verstellen, es gab immer etwas zu verbessern, aber irgendwann war es dann da: Sein erstes eigenes ausgedrucktes Privatrezept! Und es sah verdammt echt aus. Unfassbar, H. hatte es hinbekommen, und war auf den Typen im Forum nicht mehr angewiesen. Dieser war im Übrigen dann nach ein paar Wochen auch in der Versenkung verschwunden, anscheinend war er erst nur im „Urlaub“, dann irgendwann war das Monopol weg und er war nur noch ein normaler User, der auch keine Fragen mehr beantwortete. H. machte sich Sorgen, ob da nun irgendetwas auf ihn zukommen würde, aber da passierte nichts. Glück gehabt.
Was für eine schöne Welt, in der wir leben, dachte sich H., nun hatte er wieder Zugang zu allen erdenklichen Arzneimitteln. Zu den Sachen mit den Rezepten dann später mehr.
Der Ketamin-Konsum geht dann natürlich auch nicht spurlos an einem vorbei, zumal ja ausschließlich intravenös konsumiert wurde. Die Venen wurden immer kaputter, man wusste gar nicht mehr, wie man das verstecken sollte. Vielleicht war H. auch einfach nicht allzu talentiert bei dieser Konsumform, aber er denke, dass es ziemlich normal ist, irgendwann kaputte Hände sowie Arme zu haben und man sich selbst sogar bei dem Versuch erwischt, sich die nächste Dosis in die Venen an den Füßen zu spritzen. Klappt öfters natürlich auch. Wieder zu mir.

Ich arbeitete zurzeit immer noch in dem kleinen Laden im Ort, wo ich auch wirklich gern arbeitete, ich musste Getränke einräumen, Kunden bedienen und mich mit dem Kassensystem auskennen.
Aber auch dort wurden die Verletzungen an den Händen immer sichtbarer, überall hatte ich Pflaster, Verbände. Das fiel natürlich auch den Kunden auf, die dann öfters auch mal fragten, was ich denn dort gemacht habe. Da ist man natürlich keiner Ausrede verlegen und erfindet Sachen wie Wespenstiche, Hautausschläge und sonstige merkwürdige Erkrankungen.
Der Konsum wurde immer heftiger, bis ich sogar in der Nachtschicht anfing, mir zwischenzeitlich im Hinterzimmer Ketamin (!) zu spritzen! Ich war irgendwann einfach nur noch komplett schmerzfrei, was Konsum anging, der Versuch Ketamin in den Alltag einzubinden war einfach nur ziemlich dämlich, denn wie sollte man das vom Prinzip machen. Es ist ein Medikament das in der Anästhesie eingesetzt wird vor Operationen, und ich komme auf die Idee, mir das im Alltag immer und überall zu spritzen. Es ist auch ein Pferde-Beruhigungsmittel, Mann Mann Mann! Man könnte fast meinen, ich habe ein Problem. Aber das war mir egal.
Und, was musste natürlich passieren, man stand hinter der Kasse und hatte Augen wie ein geficktes Eichhörnchen und manchmal drehte man richtig am Rad. Aber das fiel ja keinem auf, denn alle anderen sind ja blöd, nur man selbst ist der König, der unantastbar ist und dem niemals etwas Schlechtes passieren könnte.

Jedenfalls kam dann irgendwann der Tag, an dem ich mal wieder dort arbeitete und ich es natürlich übertreiben musste mit der Spritzerei. Ich stand hinter der Kasse und war wie ein Zombie, der zu blöd ist noch irgendetwas auf die Reihe zu kriegen. Und das mitten in der Nacht, der Laden brummte auch noch. Ich wusste natürlich überhaupt nicht mehr, wie die Kasse funktioniert, ich stand dort und tippte irgendetwas ein, zum Glück merkte kein Kunde, dass ich drauf war. Die waren ja sowieso die blödesten von allen. Irgendwann war der ganze Laden voll bis zur Eingangstüre, niemand konnte mehr adäquat bedient werden, die Leute waren zu Recht genervt und ich stand da natürlich wie Pik Sieben. Glücklicherweise kam dann eine Kollegin bzw. Eine Ex-Kollegin vorbei, die schon seit ein paar Wochen nicht mehr dort arbeitete. Eine sehr attraktive, junge Dame, mal nebenbei erwähnt. Die hat mich dann in meinem desolaten Zustand gesehen und hat mir geholfen, hat mir gesagt ich solle mich doch einmal hinsetzen, sie würde jetzt erst einmal für mich kassieren. Ich saß dort und wusste nicht mehr, wo oben und unten ist.
Aber zum Glück hatte ich es ja nur „mit dem Blutdruck“, wie ich allen immer erzählt hatte. Das schien auch die junge, hübsche Dame immer noch zu glauben und rufte natürlich die Rettungsdienste an. Ein paar Minuten später ein Großaufgebot vor der Türe, Rettungswagen, Notarzt und Polizei waren vor Ort. Mein Chef kam auch noch vorbei, der hatte auch Wind von der ganzen Sache bekommen. Was die Polizei dort wollte, wusste eigentlich niemand, ich kann nur froh sein, dass die Beamten einigermaßen cool zu sein schienen und auch blöd waren und somit nicht gemerkt hatten, was wirklich dort los war. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn dort meine Fahreignung in Frage gestellt worden wäre. Immerhin war ich der beste Autofahrer der Welt, König Konsum, dem niemand etwas anhaben konnte. Aber das kommt später noch einmal mit dem Fahren und dem Führerschein.

Die Rettungskräfte nahmen mich mit in einen Hinterraum, ich bekam das 12-Kanal-EKG angeklebt und erklärte meine Blutdruckprobleme. Glücklicherweise war mein Blutdruck auch jenseits von gut und böse, er war bei ungefähr 200/100, damit war endlich noch einmal bewiesen, dass ich Recht hatte, mit dem, was ich allen erzählt hatte. Ich konnte es mir endlich noch einmal schönreden. Ketamin war natürlich der Auslöser dafür, dass mein Blutdruck dermaßen hoch war.
Nun, ab in den RTW, die typische Anamnese wurde gemacht und dann war ich im Krankenhaus, eins das für die Geschichten mit dem Herzen hier bekannt ist und darauf spezialisiert ist.
An sich hatte ich natürlich keine Lust ins Krankenhaus, wer hat da auch schon Lust drauf. In meinem Rucksack war ja auch noch Ketamin, welches verkonsumiert werden wollte. Den habe ich natürlich mitgenommen ins Krankenhaus, warum sollte man so etwas auch vergessen. Immerhin fühlt man sich zu den Stoffen, die einen betäuben und aus dem Leben klatschen, leicht hingezogen. Im Krankenhaus dann lag ich in einem Warte- oder Nebenraum und musste auf den behandelnden Arzt warten. Eine Venenverweilkanüle sowie eine Infusion hatte ich natürlich auch.

Ich wollte natürlich einfach nur noch nach Hause, mir hatte der Abend irgendwie gereicht, aber dass er mir zu denken gegeben hätte, kann man eigentlich nicht behaupten. Immerhin ist man immer noch der König der Welt.
Ich redete mit der Schwester und sagte ihr, dass ich nach Hause wolle, was laut ihr natürlich keine gute Idee sein sollte, aber ich wollte das so. Und des Menschen Wille ist bekanntlich sein Himmelsreich, deshalb sagte ich dem Arzt dann genau das, unterschrieb meinen Wisch dort und ich durfte dann nach Hause gehen. Eine Schwester hat mich dann vorher noch abgekabelt. „Die Venenverweilkanüle, die können Sie mir dranlassen“, sagte ich. Wenn man sowieso keine Venen mehr hat, in die man etwas reindrücken kann, kommt so eine Kanüle wirklich recht. Immerhin wusste ich ja auch schon, dass ich auf dem Weg nach Hause konsumieren wollte. Die Schwester allerdings fragte mich „Was wollen Sie denn damit? Natürlich werde ich Ihnen diese nun rausmachen, das kann ich nicht machen!“, davon ließ sie sich auch nicht abbringen. Verdammt, das wäre meine große Chance des einfachen Konsums für den Abend gewesen.

Auf dem nach Hause Weg dann gab es immer weiter fröhliches zuballern, bis ich zu Hause zur Abwechslung noch ein paar Bier trank und mich mit meiner GBL-KO-Dosis ins Bett lag. Ein sehr ereignisreicher Tag, aber kein denkreicher. Zumindest für mich nicht, ich schätze mal, dass jeder normal denkende Mensch die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hätte.
Am nächsten Tag dann stellte mein Chef mich zur Rede, was denn da gestern gewesen sei. Er zeigte mir die Videoaufnahmen, und ich muss sagen, mein Gott, was hätte da alles noch mehr passieren können. Die hätten mir den Laden ausräumen können oder man hätte mich in Fötus-Stellung am Klo in der Ecke gefunden, von irgendeinem „drecks Junkie“ vergewaltigt. Ich war ja zum Glück kein solcher. Man sah, wie ich in der Gegend rum wankte und als die Polizei kam, habe ich mit denen auch noch ein paar Worte gewechselt. Das wusste ich schon gar nicht mehr, ich hatte einen leichten grauen Schleier in der Rübe. Ich diskutierte mich mal wieder so ziemlich erfolgreich aus der ganzen Nummer raus, dafür hatte ich ein Talent. Allerdings stellte mein Chef natürlich meine Eignung für den Job so langsam in Frage. Er sei auch schon von Kunden angesprochen worden, warum ich denn immer „betrunken“ arbeiten würde, da erwiderte er nur, dass ich ja Blutdruckprobleme habe und deshalb nicht ganz so konzentriert wäre. Ich mein, was sollte er auch anderes sagen, er musste ja seinen Laden auch irgendwie verteidigen. Nach dem nächsten Absatz geht es dann noch weiter mit der Ketamin-Geschichte und den Rezepten.

Ein kurzer Abstecher - der Alkohol

Alkohol gehört für einen eingefleischten Junkie natürlich auch zum Tagesgeschäft. Ich trank immer gerne Bier, auch Schnaps, die ganzen Jahre schon. Damit habe ich 2005 angefangen und ich war ziemlich stolz darauf. Durch den GBL-Konsum war Alkohol bei mir zeitweise etwas weniger geworden, aber er war trotzdem aus einem vernünftigen Tagesablauf nicht wegzudenken.
Jedenfalls war ich ziemlich unzufrieden mit meinem Leben und fing an, auch auf der Arbeit zu trinken. Hier mal ein Bier, da mal einen Jack Daniel‘s, dort mal einen Bacardi. Es ist dazu zu sagen, dass ich von meinem Heimatort ganze 700 Meter entfernt wohnte.
Und man muss sagen, dass auch das sehr gut klappte mit dem Trinken auf der Arbeit. Man war ziemlich lustig drauf und die Arbeit machte dann gleich viel mehr Spaß. Wie gut, dass alle anderen immer noch blöd waren (die lernten es auch einfach nicht!) und das natürlich niemals jemandem aufgefallen wäre. Nun, eines Abends dann setzte ich mich mal wieder in mein Auto, immerhin waren es ja nur 700 Meter bis nach Hause. Ich weiß nicht, aber ich schätze mal, da muss irgendjemand ein ziemlich loses Mundwerk gehabt haben, jedenfalls war die Polizei natürlich auf einmal hinter mir. Verdammt, dachte ich, jetzt bist du dran. Aber vielleicht waren die ja auch wieder blöd und ich konnte mit einem blauen Auge davonkommen. Nunja, die Klassiker, Verbandskasten, Warndreieck zeigen, Führerschein und Fahrzeugschein und da mein Gang wohl angeblich schwankend war (was aber bei so einer moderaten Menge Alkohol natürlich gar nicht sein konnte), wurde mir ein freiwilliger Alkoholtest angeboten. Den verneinte ich zuerst, aber dann sagten die, dass sie mich dann sowieso mit zur Wache nehmen müssten zur Blutprobe. Dann sagte ich „Gut, dann machen Sie!“, immerhin wusste ich ja auch, dass solche Tests gerichtlich nicht verwertbar sind. Aber rausreden konnte ich mich natürlich trotzdem nicht mehr. Körperliche Untersuchung am Polizeiauto wie bei einem Schwerverbrecher, und das Ganze auch noch kurz vor meiner Wohnadresse. Gut, dass es schon dunkel draußen war. Endlich durfte ich dann auch mal mit dem Polizeiauto mitfahren, aber im Nachhinein kann man dann auch drauf verzichten. Auf der Wache, der Arzt kam, der Führerschein wurde sichergestellt und meine Autoschlüssel (damit ich nicht auf die Idee kam, mich nochmal ins Auto zu setzen, aber selbst die Polizisten wussten, dass es ja einen Zweitschlüssel gibt und ich besser nicht auf die Idee kommen sollte, diesen zu nutzen). 1,49 Promille hatte ich. Geht ja noch, denke ich. Ist zumindest kein Grund für eine MPU.

Nun, ein wieder einmal sehr erfolgreicher Tag neigte sich dem Ende zu. Ich fuhr mit dem Taxi nach Hause und trank erst einmal noch ein Bier auf den Schreck. Die Hiobsbotschaft musste ich natürlich auch meiner Mutter und zwangsläufig auch meinem Vater erzählen, was dort gelaufen ist. Angetan waren die von der ganzen Sache nicht unbedingt, was mich gewundert hat, immerhin war ich doch ein sehr zielstrebiger, lieber, junger Mann, der sich nie hat was zu Schulden kommen lassen und mit beiden Beinen im Leben stand. Das war dann die Geschichte mit meinem Führerscheinverlust. Am nächsten Tag stand ich wieder abends auf der Arbeit und trank mein Bier, ich konnte ja die paar Meter auch zu Fuß nach Hause gehen, wäre ja auch ziemlich dumm, sich noch ins Auto zu setzen und besoffen nach Hause zu fahren, da war ich schlau genug um zu Fuß zu gehen. Ach, Moment, mir blieb ja nichts anderes mehr übrig, außer ich wollte mich strafbar machen wegen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Meinem Chef wurde die ganze Sache dann auch immer merkwürdiger und irgendwann kam dann wieder eine Diskussion auf, dass ich in meiner gesundheitlichen Verfassung nicht an der Kasse stehen könne, und das ließ sich dann trotz meiner geschickten Wortwahl und meines Talents für das verarschen anderer Menschen nicht mehr wegdiskutieren. Somit war der Job dann ein paar Tage später auch an den Nagel gehängt. Er wollte mir dann noch anbieten, dass ich die Säulen draußen putzen kann, aber das war mir dann zu blöd, dort das Putzäffchen spielen zu sollen. Das musste nicht sein. Also ab in die komplette Arbeitslosigkeit. Und der Führerschein war natürlich erst einmal weg, aber was soll’s, so läuft das im Motorsport.
Irgendwann kam dann auch die Post vom Staatsanwalt, fahrlässige Trunkenheit im Verkehr, 30 Tagessätze zu 20 Euro Geldstrafe und eine Sperrfrist bis Ende des Jahres. Es war März, Mitte Dezember konnte ich meinen Führerschein dann wieder beantragen. Also alles halb so wild, sollte ich bis dato dann noch denken, aber es kam noch dicker. Es geht weiter.
So viel erst einmal zum Thema Alkohol.




Ketamin und die lieben Privatrezepte – der nächste Schritt



Noch einmal zur Erinnerung: Das hier ist keine Anleitung oder Anstiftung dafür, Privatrezepte zu fälschen. Es handelt sich dabei um Urkundenfälschung, die mit bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe sanktioniert wird.


Unser lieber Herbert, der das Ketamin ja auch vergötterte. Kommen wir nochmal zu ihm. Er war ja nun wesentlich schlauer geworden und wusste genau, wie man Privatrezepte fälschte. Er suchte sich also einfach das Medikament seiner Wahl aus, auf das er Lust hatte, druckte es auf das im Internet bestellte Blanko-Rezept aus und löste es in irgendeiner Apotheke ein. Meistens fuhr H. aber etwas weiter weg vom Heimatort, damit es nicht so auffiel und er sowieso noch etwas rumkommen wollte. Das Vorgehen an sich war ganz einfach: Er rief mit unterdrückter Nummer bei der Apotheke an, war stets freundlich und zuvorkommend, sagte, dass er gerne ein Privatrezept bei Ihnen einlösen wolle, gab die PZN durch, glich das ganze nochmal mit dem Medikamentennamen ab und er bekam gesagt, wann er das Medikament dann abholen könne. Es ist kein Problem, all diese Informationen im Internet zu recherchieren. Die PZN findet man bei medizinfuchs, was auf das Rezept aufgedruckt wurde konnte man sich zusammenreimen, H. kannte das ganze ja schon von seinem Hausarzt und wusste, wie das ungefähr auszusehen hat.

Es war an sich ein schönes Leben für ihn, er kam rum, hatte unendliche Möglichkeiten der Medikamenteneinnahme und all seine Probleme schienen der Vergangenheit anzugehören, mal wieder. Benzos gingen immer, Tilidin sowieso, er konnte immer und überall hin und war quasi unfehlbar. Das Vorgehen an sich war aber ziemlich riskant. Jedoch fiel ihm auch auf, dass manche Apotheker oder PTA etwas komisch schauten, wenn man vor allem Ketamin-Rezepte einlöste, da das ja nicht unbedingt ein Medikament ist, das an Privatpersonen abgegeben wird. Er hatte sich aber schon informiert, immerhin war er ja nicht blöd, auf Nachfragen war das Medikament dann für den Status asthmaticus des Vaters. In einer Apotheke etwas weiter weg war eine Mitarbeiterin, die ihn ebenfalls darauf ansprach. „Wozu brauchen Sie denn dieses Medikament bzw. für wen ist das gedacht und weswegen?“ H. antwortete, dass es für den Vater sei, der eben Asthma hatte und das Medikament so dringend benötigt. Er sagte, dass er sich auch viele Gedanken um seinen Vater machen würde, vor allem da auch Krebserkrankungen in der Familie vorlagen. „Um was für einen Krebs handelt es sich denn?“ Da H. tatsächlich eine krebskranke Oma zu Hause hatte, wusste er auch auf diese Frage eine gute Antwort und erklärte, dass seine Oma Lymphdrysenkrebs und Darmkrebs habe. Generell war die ganze Sache schon ziemlich offensichtlich, auch die Apothekerin wusste genau, was Phase war und sagte nur, dass sich H. am besten durch Sport, viel Bewegung und eine gesunde Ernährung ablenken solle, damit er sich nicht so viele Gedanken machen musste, selbst bald an Krebs zu erkranken.

Die Sache fing ihm an, immer mulmiger zu werden, zumal er schon mindestens 15 falsche Rezepte eingelöst hatte. Er wurde aber auch immer dreister und bestellte oft hintereinander, sogar auch mitunter in der gleichen Apotheke. In einer Apotheke hatte er auch wieder eine N3er Ketamin bestellt und wollte es einen morgen abholen. Er lag noch mittags im Bett und hatte mal wieder Suchtdruck, er brauchte irgendetwas, um sich selbst auszuschalten. Er setzte sich also in sein Auto und fuhr 20 Minuten bis zur nächsten Apotheke. Die Apotheken waren generell so eigentlich das einzige Geschäft, in das er noch ging. Immerhin war H. ziemlich medikamentenabhängig geworden über die Jahre gesehen. Er parkte etwas abseits der Apotheke, das Auto konnte man nicht sehen von der Apotheke aus. In der Apotheke angekommen sagte er, dass er Ketamin vorbestellt hatte und es gerne abholen würde. Die Mitarbeiterinnen gingen mit dem Privatrezept nach hinten, das ist immer so der spannendste Moment bei der ganzen Sache. Kommen sie wieder mit dem Medikament in der Hand oder tuscheln sie irgendetwas und informieren sogar die Polizei? Eine der Mitarbeiterinnen kam zwar mit dem Medikament hervor und legte es auf den Tresen, allerdings bekam H. das Rezept nicht wieder. Ein Privatrezept wird nur abgestempelt und man erhält es zurück, das ist nicht so wie bei einem Kassenrezept, das einbehalten wird. Deshalb ist dies im rechtlichen Sinne ja auch ein Beweismittel und es ist sehr gut, wenn man das wieder zurückbekommt, da sonst ja die Beweise vorliegen würden und man eventuell Ärger bekommen könnte.

Man muss sehr gute Ohren haben, um zu hören, was im Hintergrund von den Mitarbeitern getuschelt wird. Auf jeden Fall hörte H., dass da irgendetwas im Argen war und eine zur anderen Kollegin sagte: „Soll ich rufen?“. Die Mitarbeiterin ging nach hinten an den Computer, wobei „rufen“ ja auch ein dehnbarer Begriff ist, jedoch denkt man bei solchen Sprüchen natürlich an die Polizei. Das Medikament lag zwar immer noch am Tresen, aber beide Mitarbeiterinnen waren hinten verschwunden, das Rezept hatte H. nicht wieder. Er bekam aber langsam Panik, bei solchen Sachen wird man logischerweise dann ziemlich unruhig. Er wartete noch 30 Sekunden und wusste sich dann nicht anders zu helfen, als die Flucht zu ergreifen. Das Beweismittel war nun zwar noch da, aber er hatte zu viel Angst bekommen. Es fiel ihm langsam auf, dass diese Geschichte eigentlich zeitig mal ein Ende haben müsste und er irgendwann mal an den falschen geraten könnte. Passiert ist jedenfalls diesmal nichts, aufatmen war angesagt. Allerdings ist das schlimme, dass man bei einer Suchtmittelabhängigkeit nicht wirklich ein Stück weiser wird. Einen Tag hat man sich dann noch schlecht gefühlt, aber am nächsten Tag ging der Spaß wieder in die nächste Runde.

Ein paar Tage später dann hat er zum zweiten Mal bei einer „Franchise-Apothekenkette“ in der Nähe ein Rezept über Ketamin vorbestellt. Das erste wurde eingelöst, beim zweiten gab es Probleme. H. parkte ziemlich weit entfernt von der Apotheke. Er musste über eine Straße und dann über einen Parkplatz gehen, um zum Laden der Begierde zu kommen. Irgendwie lag aber etwas in der Luft, der Parkplatz war wie leergefegt und auch in der Apotheke war sonst kein Kunde. Es ist immer besser, wenn in den Apotheken etwas Betrieb ist, weil dann in der Hektik des Alltags eher mal solche Machenschaften untergehen. Jedenfalls ging H. nun rein, legte sein Rezept auf den Tisch und forderte sein Medikament ein. Allerdings war es wieder so ähnlich wie beim letzten Mal, die Mitarbeiter gingen nach hinten und verschwanden eine ganze Zeit lang mit dem Privatrezept. Herbert wurde unruhig und als er erneut eine Mitarbeiterin sah, fragte er „Entschuldigung, haben Sie noch mein Rezept?“, die Mitarbeiterin sagte: „Ja, das Problem ist, dass unser Lieferant im Stau steht, der ist in circa 15 Minuten da, warten Sie am besten so lange.“ Dabei hielt sie das Rezept ziemlich fest in der Hand. H. war natürlich wie immer sehr freundlich, griff ihr das Rezept schnell aus der Hand und sagte, dass er gerade rüber in die Bäckerei gehen würde, um sich etwas zu kaufen, und dann in 10 Minuten wieder reinschauen würde. Er bedankte sich und ging ziemlich zügig nach draußen. An sich war er sogar sehr zügig, aber auch nicht am rennen, denn man wollte ja nicht allzu negativ auffallen. Er wusste nämlich, was ihm in 15 Minuten geblüht hätte. Da wäre mit Sicherheit kein Lieferant gekommen, sondern jemand anders. Die mit dem blauen Bus und den Handschellen.

Er ging wieder über den Parkplatz und musste über die Straße. An dieser Straße fuhr zufälligerweise gerade der blaue Bus vorbei in Richtung der Apotheke, es ging hinten noch einmal um eine Kurve und dann wären sie schon da gewesen. Mein Gott, was hat er da wieder einmal ein Glück gehabt unser Herbert. Er setzte sich ins Auto und fuhr los, als er aus der Parklücke ausparken wollte, stellte sich direkt ein Auto quer hinter ihn. Scheiße, jetzt haben sie mich, dachte er. Allerdings fuhr dieses Auto dann auch direkt wieder weg, es war anscheinend nur ein dummer Zufall. Verdammt nochmal, da wurde es ihm wirklich anders. Er fuhr nach Hause und erholte sich bei einem Schuss Ketamin, was noch übrig war, von diesem Schock. Es konnte so einfach nicht weitergehen, irgendwann musste einmal Schluss sein mit dem ganzen Mist. Das denkt man ja dann so oft, aber die Abhängigkeit treibt einen doch immer wieder dazu, eine Straftat zu begehen. Das nennt man auch Suchtkriminalität.
Nun, H. konnte nichts an seiner Erkrankung tun. Er wollte trotzdem immer mehr, bis dann irgendwann der große Knall kam. Es war mal wieder einer der Tage, an denen er sich ein Ketamin-Rezept einlösen wollte. In dieser Apotheke war er vor 2 Wochen schon einmal gewesen, deshalb ist das ganze dann auch aufgeflogen. Es geht alles 50x gut, aber beim 51. Mal bekommt man eine Abreibung, und so sollte es an diesem Tag auch kommen.

Er setzte sich in sein Auto und fuhr zur besagten Apotheke. Er parkte circa 50 Meter entfernt, was schon der erste Fehler war. H. wurde eben immer leichtsinniger. Nun ging er in die Apotheke rein und sagte der Mitarbeiterin, dass er gerne sein Rezept einlösen wolle. Irgendetwas stimmte aber nicht, H. wurde misstrauisch. Die Mitarbeiterin sagte ihm, dass es noch einen Moment dauert und er das Medikament in einer halben Stunde abholen könne, allerdings solle er seinen Personalausweis dort lassen. Er sagte, dass er darin keinen Nährwert sieht, nun seinen Personalausweis dort zu lassen. Was sollte das denn auch? H. war ja nicht blöd, deshalb hat er sich direkt wieder verkrümelt. Das Rezept hatte er wieder in der Hand und warf es draußen in den Mülleimer, nachdem er es sorgfältig zerrissen hatte. Er ging gerade aus in ein kleines Wäldchen vor ein Krankenhaus und sah, wie ihm der Chef der Apotheke folgte bzw. auch aus dem Laden rausging. H. war total verunsichert und hatte Angst. Er sah auch, wie die rheinland-pfälzische Polizei auf einmal an der Apotheke vorbeifuhr und kurz mit dem Chef geredet hat, er dann aber in einen Laden neben der Apotheke reinging. H. wollte sich einfach nur noch verkrümeln und ging schnell aus dem Wäldchen an den Parkplatz und stieg in sein Auto. Allerdings kam dann der blöde Chef aus dem Laden raus und machte Fotos von seinem Auto. Er versteckte sich zwar noch hinter der Sonnenblende, aber das hat ihm auch nichts genützt, da sie nun sein Kennzeichen hatten. Nun war das Kind in den Brunnen gefallen, wusste er.
Was hätte H. also eigentlich tun müssen? Das einzige, was er hätte machen sollen, wäre in das Krankenhaus zu gehen und sich irgendwo zum Hinterausgang verpissen. Oder er hätte neben dem Krankenhaus, geschützt durch die Bäume des Wäldchens, über den Zaun klettern müssen und irgendwo hinten rum verschwinden sollen, die Hauptsache wäre gewesen, dass sein Auto nicht gesehen worden wäre. Es wäre eigentlich so einfach gewesen, aber von „hätte“ und „wäre“ konnte er sich nun auch nichts mehr kaufen, immerhin war er nun voll aufgeflogen, er hatte es eben mit der Angst zu tun bekommen, und das war sein Problem. Er hätte ruhig bleiben sollen und überlegt handeln müssen. Aber zu spät. Als er zu Hause ankam, gönnte sich H. erstmal noch einen Schuss aus den Resten der letzten Ketamin-Flasche, um den schlimmen Tag zu vergessen. So langsam hatte er absolut keine Lust mehr zu leben.

Es dauerte dann ein paar Wochen, bis Herbert Besuch bekommen hat von den netten Herren in grün bzw. blau. Natürlich hatte er seine Wohnung nicht so wirklich aufgeräumt, denn er war ja in einem üblen Tran und wusste nicht mehr wo oben und unten ist. Gefunden bzw. eingezogen wurden sein iPad, der schöne Computer, der Drucker und es wurden natürlich auch noch ein paar ausgedruckte Rezepte gefunden, die noch dort rumlagen. Das war natürlich der Tod für H. und der Anwalt konnte somit nicht mehr darauf plädieren, dass die Rezepte nur im Internet bestellt worden waren. Es kam also dazu, dass sein Anwalt einen milden Strafbefehl forderte, und dieser nicht ganz vom Gericht angenommen wurde, es waren dann im Endeffekt 80 Tagessätze zu je 20 Euro Geldstrafe. Viel Geld für jemanden, der nur nebenbei irgendwo etwas shoppt und keine Ambitionen im Leben hat. Somit gehörte die Rezeptfälschung für H. auch der Vergangenheit an, er war ein kleines Stück weiser geworden durch die Strafe, was ja auch der Sinn dahinter sein sollte. Mittlerweile schreiben wir den Oktober 2018, wieder zu mir.



Der erste Versuch der Entgiftung - die geschlossene Anstalt



Nun wurde mir immer bewusster, dass ich ein Problem hatte, was sollte auch noch mehr passieren? Immerhin war ich schon so ziemlich tief gesunken und der Druck von meinen Eltern, die logischerweise alles mitbekommen hatten, wurde immer größer. Ich sollte etwas an mir ändern, auch wenn ich das ja eigentlich nicht wollte. GBL war natürlich immer noch ein fester Bestandteil in meinem Leben und meinem Tagesablauf; ich hatte einfach nur Angst vor dem Entzug. Zu Recht, wie sich noch herausstellen sollte. Aber lest selbst, da geht noch was!
An sich wusste ich, dass so ein Leben als GBL-Abhängiger keine Lösung für immer darstellen würde. Wie sollte das denn weitergehen? Sollte ich im hohen Alter in meiner nicht vorhandenen Rente immer noch dort sitzen und GBL konsumieren müssen? Es war keine Lösung, entschied ich, und ich entschied mich somit doch für einen Entzug.
Ich ging zu meiner Hausärztin und schilderte die Problematik erneut, mir wurde eine Klinik empfohlen, die circa 40km von meinem Heimatort entfernt war. Es hieß, ich solle nicht direkt bei mir im Ort die Entgiftung machen, da mich ja hier auch noch so einige Leute kennen und es mir guttun würde, mal wo anders in Behandlung zu sein. Ich war damit einverstanden. […]

Die noch folgenden Artikel:

Die zweite Entgiftung
Endstation: Intensivstation
Die dritte Entgiftung
Die Rehabilitation – They tried to make me go to rehab - But I said, "No, no, no"
2020: Das Comeback des GBL-Abusus?

 
Abwesender Träumer

dabei seit 2012
20 Forenbeiträge

  Geschrieben: 03.09.20 21:00
Ist echt gut zu lesen, man merkt, dass du dir Mühe gegeben hast! Bin schon gespannt auf die nächsten Teile von deiner Geschichte :)
 
Ex-Träumer
  Geschrieben: 03.09.20 22:11
Krass Krass Krass

du hast es so geil spannend geschrieben, hab's an einem Stück gelesen. Musste auch mal schmunzeln, ich kenne die Supermarkt Situation, ich hatte das auch durch! Das Internet Forum mit den Rezepten kenne ich ebenso, ganz übel.

Dein Kumpel Herbert geht's hoffentlich wieder besser und ich gespannt auf den nächsten Teil.
Und zuletzt wünsche ich dir auch nur das Beste, das es bergauf geht. Du hast nämlich mega was erlebt. Wir sind uns irgendwie ähnlich finde ich, vom erlebten her :D

lg
 
Traumländer



dabei seit 2012
597 Forenbeiträge

  Geschrieben: 08.09.20 11:40
zuletzt geändert: 08.09.20 11:50 durch StaniSlave (insgesamt 1 mal geändert)
Es macht wirklich Spaß deine Texte zu lesen, am dreistesten sind aber die Privatrezept-Storys! Wie dreist ist das denn bitte! eine N3 Packung Keta auf einem Privatrezept? Mich wundert es, dass es überhaupt ein paar mal geklappt hat, hier sind die Apotheker sowas von übervorsichtig, ich bekomme nicht einmal mehr pharmeazeutisches Aceton ausgehändigt, als wäre es das Übel der Welt persönlich.


Übrigens, schau was ich hinter der Couch gefunden habe, ist das eine von deinen? Bzw das hast du dir auf Privat-Rezept geholt? Alteeeer Schwede

Kleinste Abgabemenge

Bin gespannt auf deine weiteren Storys!
"Wenn ein Pechvogel sich im Bett zu Tode vögelt, soll das heißen, dass alle anderen schuldbewußt das Pimpern einzustellen haben?"

Charles Bukowski
Anonym
» Thread-Ersteller «
  Geschrieben: 09.09.20 16:10
Ja, ich habe mir Mühe gegeben "...er war stets bemüht!" xD Mir fällt aber auch wirklich so viel ein, was man noch ergänzen kann, irgendwann habe ich da wirklich ein komplettes Buch drüber!

StaniSlave: Ja, ganz genau das ist das gute alte Keta, das habe ich mir immer geholt. Wenn das Kleingeld nicht ganz gereicht hat, dann war es dann "nur" die N2er xD
Wieso findet man denn so etwas hinter der Couch? Will das nicht schnellstmöglich verkonsumiert werden?

Es scheint Apotheken zu geben, denen das ganze einfach komplett egal ist. Wirkt schon fast so, als wollen die den Schwarzmarkt unterstützen, wenn man das dann da verkaufen würde. Manch andere wiederum machen den Spaß einmal mit, danach kommen die Bullen... und wieder andere... da geht es ihnen dann wie Herbert ;-)

Also mit Benzos, Tilidin und dem ganzen Kram hat das immer funktioniert. Da hatte man immer Erfolg, außer, man hätte sich komplett blöd angestellt und nicht gewusst, wofür der Kram ist, falls man gefragt worden wäre.
 
Abwesender Träumer

dabei seit 2020
3 Forenbeiträge

  Geschrieben: 31.12.20 22:48
Hallo,

ich habe mir Deine Geschichte jetzt schon mehrmals gegeben. Guter Mann, die ist , so schlimm der Hintergrund auch ist, das Beste was ich hier je gelesen haben!
Deine Selbstironie und die schiere unglaubliche Handlung ist fabelhaft. Verstehe mich nicht falsch, Suchtkrank ist eine schlimme Sache, aber in Deiner Schreibweise lässt Du das irgendwie nicht durch. Es liest sich wie ein geniales Buch, alleine die Krankenhaus Story oder mit der Ärztin!!! Ich könnte umlegen vor lachen! Das muss Doch verfilmt werden, was Du erlebt hast, Wahnsinn! Tut mir leid das ich so euphorisch bin, trotz Deinem Schmerzhaften damaligen Erlebens, Du hast es einfach gemeistert, wie kreativ ein Mensch werden kann wenn die Möglichkeit besteht an besten Stoff zu kommen.
Ich entschuldige mich nochmal, aber Deine Geschichte ist einfach der Kracher!!!
 
Traumländer



dabei seit 2010
73 Forenbeiträge

  Geschrieben: 04.01.21 15:59
Hey, ich kann bei GBL leider/zum Glück? nicht mitreden, ich habe es nie angepackt und zwar dank Leuten wie dir, die mir gezeigt haben, dass GBL wirklich so gut wie immer mit einer Katastrophe von apokalyptischem Ausmaß endet. Ich habe alles andere durch und zwar gewaltig, aber GBL bzw. GHB habe ich nur einmal genommen, war zu wenig und das war auch gut so.
Ich möchte dir an dieser Stelle danken, dass du mir und ich denke auch vielen anderen damit ordentlich in den Arsch getreten hast, dass man sich besser gegen GBL zu entscheiden!

Zu deiner aktuellen Situation kann ich nur sagen, halt die Ohren steif, du hast schon SO VIEL analysiert, erkannt, akzeptiert,...das ist mit das schwerste für die Psyche. Ich weiss genau in was für einer Situation du steckst, aber ich kann dir sagen, versuch dein Glück in einer guten Entgiftung, die wissen wirklich gut mit dem Scheiß umzugehen. Informier dich vorher sehr gut, ich kann dir auch eine Einrichtung empfehlen. Ich habe dort 3 Medikamente abgesetzt, unter anderem Methadon und Benzos (relativ hochdosiert) und habe quasi nichts vom Entzug gemerkt! Ich hatte nach 4-5 Tagen die Benzos auf Null, war auf ca. umgerechnet (will nicht genau die Benzos nennen, dadurch kann man erkannt werden...) 100-150mg Diazepam am Tag, ich bekam Clonazepam, dazu Krampfschutz und so weiter, aber verdeckt, das ist besser für die Psyche.
Schreib mir eine PN, wenn du wissen möchtest, welche Einrichtungen richtig gut sind in Deutschland. Ich habe bisher nur von zwei Stück gehört, in einer war ich selber.

Also von meinem Blickwinkel aus hast du schon verdammt viel geschafft, auch wenn es sich nicht so anfühlt (ich kenne das), aber allein schon wie du alles analysiert hast, was du hier aufgeschrieben hast und vor allem WIE du geschrieben hast zeigt, dass du dein Hirn noch nicht ganz zermatscht hast, du bist intelligent, weisst wo das Problem ist, also geh es an, du packst das. Warum? Weil du es willst, das merkt man. Warte auf den richtigen Zeitpunkt und dann...

Ich wünsch dir alles alles Gute, viel Glück und ich hoffe du meldest dich :o).

Viele Grüße
MD

(Falls es etwas verwirrend, wiederholend oder sonstwie unklar war, ich bin nicht nüchtern gewesen beim Verfassen, tja, ist halt so, schlimm? Nein, ist ok ;). Ich arbeite auch noch sehr hart dran!)
 
Anonym
» Thread-Ersteller «
  Geschrieben: 10.01.21 00:10
zuletzt geändert: 10.01.21 13:52 durch Anonym (insgesamt 1 mal geändert)
Hey MagicDreams,

hatte keinen Zugriff mehr auf meine alte E-Mail-Adresse, habe nun eine erneute Kontaktaufnahme erbeten. Musst dich also unter c****-******@g**.de melden, wenn du magst. Danke!


Edit:

Es freut mich im übrigen, dass der Beitrag so gut ankommt. Ich würde auch am liebsten ein Buch zu dem ganzen Thema schreiben, meint ihr, dass ich das hinbekommen könnte? Laut Psychotherapeut solle ich auch mal meine ganze Kindheit aufschreiben etc. um alles verarbeiten zu können.
 
Traumländer

dabei seit 2008
99 Forenbeiträge

  Geschrieben: 26.04.21 00:20
Hallo anonym und danke für deinen sehr ausführlichen Bericht.



Ich hoffe es geht dir inzwischen gut und du bist wohlauf.

Besonders interessiert mich, ob du noch Kontakt zu deinem Freund hast. Im Verlauf deiner Berichte ging es immer weniger um soetwas. Was nicht schlimm ist, es interessiert mich nur persönlich. Auch würde mich interessieren, ob sich die Beziehung zu deinen Eltern bis heute verändert hat.

Ich hoffe, noch mehr von dir zu lesen.

Natürlich kannst du ein Buch schreiben. Aber du schreibst dann eher für dich bzw. sprichst nur eine sehr kleine Leserschaft an. Aber um die Vergangenheit zu verarbeiten sicher kein dummer Gedanke.

M
 

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