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LdT-Forum » Konsum » Sucht, Abhängigkeit & psychische Probleme » Skills - Hilfe bei Panikattacken und Dissoziationen


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AutorBeitrag
Traumländer



dabei seit 2008
2.154 Forenbeiträge

  Geschrieben: 18.06.20 04:25
jenjey schrieb:
Ist es normal, dass man z.B. in stressigen Situationen einfach mal dissoziiert?
Also ich mein damit, ohne das direkt ne ernstere Störung dahinter steckt?
Ja.

Ein Bekannter hat mal eine Woche am Stück bei nur 90 Nachtschlaf Tag- & Nacht-Schichten gleichzeitig gearbeitet: Tagsüber am Schreibtisch, nachts am Fließband. Er hatte auch kurze Wege zwischen Wohnraum, Lebensmittelladen und Arbeitsplätzen. Sein Tagesablauf bestand also eigentlich nur aus Arbeit, kurzen Zwischenmahlzeiten in den knappen Pausen, Einkaufen auf dem Weg zwischen den Arbeitsplätzen und extrem wenig powernapping. Am Ende der Woche war Dissoziation eher Normalzustand als Ausnahmesituation, hinzu kamen leichte Halluzinationen im Randbereich des Sichtfelds. Er dachte, er würde verrückt und suchte einen Neurologen auf. Der sah seine Augenringe, fragte nach kurzer körperlicher Untersuchung (Reflexe, Balance, Puls, Augenmotorik) nach den aktuellen Lebensumständen, und meinte dann zu ihm: "Das erklärt es. Sie sind gesund, ihr Lebensstil ist ungesund. Schlafen Sie sich mal richtig aus, dann geht das auch wieder weg." Und genau so kam es dann auch. Kurz nach Kündigung des Fließbandjobs war alles wieder im Lot.
Alles, was dem Zeitgeist der 1940er widerspricht, ist Disney-Propaganda queer-stalinistisch-zionistischer Feminazikomitees zum Genozid arisch-männlicher Leistungsträgerschaft durch Chemtrailverschwulung + Islamisierung.
Traumländer



dabei seit 2013
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Skype
  Geschrieben: 18.06.20 06:58
jenjey schrieb:
Ist es normal, dass man z.B. in stressigen Situationen einfach mal dissoziiert?
Also ich mein damit, ohne das direkt ne ernstere Störung dahinter steckt?


Ich denke das ist völlig normal gerade wenn man Psychedelikakonsum betreibt, aber nur bis zu einem gewissen Grad. De- / Realisationsmomente sind bei mir Standard. Problematisch wäre es nur, wenn man die Kontrolle darüber verliert. Der Wechsel zwischen den Realitäten ist die wahre Meisterschaft. Letztlich ist ohnehin alles nur ein Trip, der meistens nüchtern angegangen wird.

Hast du introspektive Phasen ohne den Konsum von Psychedelika? Für mich ist es normal, die meiste Zeit (wenn möglich) des Tages im "Traumzeitbewusstsein" zu existieren. Für mich ist das eine notwendige Regeneration, dabei bin ich mental abwesend und kann dennoch einfache Tätigkeiten erledigen. Das war vor den Drogen schon so und wird sich auch nicht mehr ändern. Aber nicht alles ist krankhaft. Dieser Zustand ist eine Art Meditation, er kann zur Planung, Ideenfindung oder nur des ausgiebigen Fantasierens (Träumens) genutzt werden.

Die Realität in Frage zu stellen ist gut und letztlich nur ein Zeichen davon dass du nicht völlig in der Matrix versunken bist. Beide Seiten können ihre Vorzüge haben.
 
Dauer-Träumerin



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  Geschrieben: 18.06.20 08:00
@Zitrone:

Schönes Beispiel mit deinem Kollegen! Vielleicht ist es wirklich einfach ein Warnsignal der Psyche das gerade alles zu viel ist. Das mit den Halluzinationen in den Augenwinkeln hab ich gerade auch.
Naja, man kann halt einen bestimmen Lebensstil eine ganze Weile führen, oder bestimmte Dinge verdrängen, aber irgendwann kommt dann der Punkt wo Körper u. Psyche streiken und dann kommt der Zusammenbruch ...

Ich hab noch nie irgendwelche Psychedelika /Dissoziativa / Halluzigene genommen.
Das war mir bei meiner psychischen Verfassung immer etwas zu heikel.
Bin halt auch überhaupt kein Fan von solchen dissozoativen Erlebnissen, im Gegenteil.
Ich gerate halt sehr schnell in Panik und hasse Kontrollverlust.
Das einzige was bei mir eine Zeit lang Psychische "Folgeschäden" hinterlassen hat war mein Kokainkonsum. Mal war es Stimmen hören, mal dieses Krabbeltierchen sehen, ne Zeitlang der Zwang mir die Haare rauszureißen. Aber nachdem ich mit dem Konsum aufgehört hab ist es gleich besser geworden, und der letzte Konsum ist jetzt bald 2 Jahre her.

Also wird es wohl wirklich einfach an meiner Überforderung gerade liegen...
Ich danke euch, ihr konntet mich wirklich ein bisschen beruhigen !

"Oh how I wish to dream again..."
- Nightwish
Traumländer



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Skype
  Geschrieben: 18.06.20 08:30
Das ist seltsam, überhaupt keine? Drogen wie Kokain oder Crystal sind meiner Meinung nach wesentlich heftiger, gerade in Bezug auf das Auslösen von Psychosen. Stimmen zu hören ist definitiv ein Warnsignal, ebenso wie das Halluzinieren im nüchternen Zustand.
 
Traumländerin



dabei seit 2012
505 Forenbeiträge

  Geschrieben: 19.06.20 20:43
Hallo Leute!

Ich habe mir jetzt noch nicht alles durchgelesen, möchte aber ein paar Punkte aufgreifen.
Zunächst einmal einige Skills, die ich teils selbst entwickelt habe (obwohl wahrscheinlich schon andere vor mir drauf gekommen sind), teils z.B. von Susan Forward oder Vera Birkenbihl und noch einigen anderen habe, wobei ich nicht mehr so genau weiß, was jeweils von wem ist.

Von Vera Birkenbihl findet man viele Videos bei YouTube. Sie hat von Berufs wegen hauptsächlich Managmentseminare abgehalten, was natürlich auch den Themenkreis Stress/Überforderung/Umgang mit schwierigen Menschen berührt und somit auch im Kontext dieses Threads durchaus hilfreich ist, aber auch zu vielen anderen Themen, z.B. Umgang mit Mobbing, sehr interessante Vorträge gehalten. Von ihr ist etwa die „Wohlwollen“-Technik. Es gibt so einen Esoterik-Vortrag von ihr, der ohne abgehobenen Schwurbel viele nützliche allgemeine Ratschläge fürs Leben und zum Umgang mit alten Wunden enthält.

Susan Forward hingegen ist eine bekannte Psychotherapeutin, die eine Reihe von Büchern geschrieben hat, z.B. über emotionale Erpressung (aus dem praktischen Teil dieses Buchs zur Angstabwehr ist die Fahrstuhl-Technik entnommen). Dieses Buch kann ich euch nur sehr ans Herz legen, denn die Ängste sind häufig eine Folge toxischer und manipulativer Beziehungen in der Familie und später oft wiederholt in Partnerschaften.


Wohlwollen
(Etwa, wenn man an belebten Orten unter Menschen Angst bekommt oder sich vor irgendwelchen zwischenmenschlichen Situationen fürchtet.)
Spoiler:
Spoiler:
Stell dir vor, all diese Leute um dich rum (bzw. spezifische Menschen: Chef, Eltern, Lehrer, Prüfungskommission, Exmann, Personaler beim Bewerbungsgespräch oder wer auch immer) meinen es gut mit dir. Sie haben dich gern und wünschen sich von Herzen, dass es dir gut geht. Es ist völlig egal, wie abwegig dir diese Idee in Bezug auf bestimmte Personen oder Menschen im allgemeinen vorkommt. Darum geht es nicht. Stell es dir einfach mal vor.
Stell dir vor, die sind alle unheimlich nett und warten nur darauf, dich freundlich zu begrüßen und dir eine Freude zu machen. Alle diese Menschen wollen dir nur Gutes tun. Stell dir vor, die lächeln dich jetzt herzlich und ermutigend an.
Wie würde die Welt dann aussehen? Wie würdest du dich fühlen, wenn du fest darauf vertrauen könntest, dass die es gut mit dir meinen? Was für einen Gesichtsausdruck hättest du dann an diesem Moment? Wie würde sich dein Körper anfühlen? Stell es dir detailliert vor und spüre den Unterschied genau, besonders in den Körperregionen, in denen du angespannt warst. Merkst du, wie sie sich entspannen? Siehst du, wie die Leute dich schon viel freundlicher ansehen?


Das Schöne an diesem Skill ist, die Menschen reagieren auf die Vibes, die wir rüberbringen. Wenn wir die Umwelt als feindselig erleben oder uns nur von saudummen Idioten umgeben glauben, laufen wir mit der entsprechenden Laune und mit so einer Fresse herum. Dementsprechend begegnen die Menschen uns dann auch. Kann man ihnen eigentlich nicht verübeln, denn sie kennen unsere Hintergründe nicht und es ist auch nicht ihre Aufgabe, sich mit unseren seelischen Verletzungen zu befassen. Aus ihrer Sicht kommt da einfach nur ein übellauniges, angespanntes, überempfindliches Persönchen daher, das nicht nachvollziehbar reagiert und ihnen die Stimmung verhagelt.
Wir sitzen alle auf unseren Inseln und die anderen sind eben keine NPCs (das nimmt man nur in der eigenen narzisstischen Blase so wahr) sondern da ist ein eigener Verstand, mit jeweils eigener Wahrnehmung, eigenen Hintergründen und eigenem Willen dahinter. Für die anderen sind wir die NPCs. Und im allgemeinen wollen die sich unseren Müll genauso wenig aufladen lassen wie wir uns ihren. Verständlich eigentlich, wenn man kurz drüber nachdenkt.

Jetzt kommt das Schöne: es funktioniert auch genau umgekehrt. Wenn wir denken, andere meinen es gut mit uns, kommen wir in eine entspannte, freundliche Grundhaltung. Und wie durch Zauberhand stecken wir damit auch die meisten Menschen um uns herum an. Genau so, wie Leute sich meistens gegenseitig mit ihrer Übellaunigkeit infizieren, nur mit gegenteiligen Vorzeichen.
Und weil das Leben auch so schon voll von Hässlichkeit, Problemen, schlechter Laune und nervigen Idioten ist, sind fröhliche, unkomplizierte Menschen, die positive Vibes verbreiten, wie Oasen in der Wüste. Alle Beteiligten fühlen sich sofort viel wohler damit und verhalten sich entsprechend.
Der Clou an der Sache ist, dass man nicht von Natur aus so ein Sonnenschein sein muss. Man kann es einüben. Jeder von uns hat solche Situationen schon erlebt und kennt den Unterschied. Das Großartige daran ist, je öfter man sie erlebt, desto einfacher und glaubhafter wird es, mit anderen Worten: Du erschaffst dir damit deine eigene, viel angenehmere und leichtere Wirklichkeit.



Der Fahrstuhl
(Bei Stress, auch Panikattacken, mit etwas Übung)
Spoiler:
Stell dir vor, du betrittst so einen gläsernen Fahrstuhl in einem unheimlich hohen, ebenfalls gläsernen Hochhaus. Du fährst langsam ganz nach oben.
Unten ist es sehr neblig. Der Nebel ist deine Angst, du kannst nicht klar denken und nichts erkennen, der Nebel bedrückt dich und du siehst erstmal kein Ende.
Aber während der Aufzug allmählich in die Höhe gleitet, erkennst du, dass der Nebel nur einige Stockwerke weit hochreicht.
Jetzt lichtet er sich bereits.
Du kommst in die Etagen deiner Gefühle und betrachtest sie in aller Ruhe. Du merkst, dass da noch viele andere Emotionen außer der Angst sind und erinnerst dich langsam, dass auch Freude, Liebe und Zufriedenheit weiter oben in diesen Etagen wohnen.
Du bemerkst deutlich, dass die Angst, die dir unten noch allumfassend und erdrückend erschien, nur ein kleiner Teil des Ganzen ist. Je weiter du hochfährst, desto klarer wird dir, dass diese vermeintlich gigantische Nebelwand nur einen kleinen Bereich um das Gebäude herum bedeckt und dass der Nebel viel dünner ist, als er dir unten vorkam.
Beim Ausblick auf die Landschaft überkommt dich nach und nach eine heitere Gelassenheit. Hier oben fühlst du dich erhaben und glücklich.
Der strahlende blaue Himmel spiegelt in den obersten Etagen deine zunehmende geistige Klarheit wider.
Der Fahrstuhl erreicht die Stockwerke der Vernunft. Du schaust dir von weiten das Problem an und siehst, dass das Nebelfeld in Wahrheit winzig klein ist. Von hier oben kannst du es kaum noch ausmachen. Du wunderst dich leise, was daran dich derart in Aufregung versetzt hast und lächelst still in dich hinein. Du musst dich nicht schämen oder dir irgendwelche Vorwürfe machen, hier oben, weit weg von allem, betrachtest du deine Gefühle mit liebevollem Verständnis und Geduld. Du erkennst, dass sie manchmal ein Eigenleben führen und dir unten vielleicht auch mal kurzzeitig über den Kopf wachsen, aber dafür weißt du, dass du diesen Ort jederzeit wieder besuchen kannst, wenn es wieder einmal geschieht und er dir von überall her offensteht. Beruhigt und entspannt machst du dich langsam wieder auf den Weg nach unten und bist dir nun sicher, dass du das Problem gelassen bewältigen wirst.



Frag den Tod
(Wenn es mal wirklich ganz schlimm ist und du weder ein noch aus weißt.)
Spoiler:
Stell dir vor, nicht nur so als kurzen Gedanken, sondern ganz ernsthaft, in aller Konsequenz, du wüsstest, dass du nur noch ein paar Wochen oder Tage (oder, wenn es wirklich ganz schlimm ist, sogar nur noch bis morgen) zu leben hast.
Wäre die Sache dann immer noch so schlimm und wert, dich so darüber aufzuregen?
Falls es belanglos wäre, wenn du zeitnah sterben müsstest, dann ist es auch nicht wert, dass du jetzt deine Lebenszeit darauf vergeudest.
Und da du in der Tat nicht weißt, ob dich nicht womöglich morgen ein Bus umfährt, ist es grundsätzlich sinnvoll, das Leben zu genießen, solange du es kannst.
Du bist immerhin am Leben, musst vermutlich nächste Woche noch nicht sterben und es gibt immer irgendwas - und sei es auch noch so eine vermeintlich „belanglose“ Kleinigkeit - worüber du dich freuen kannst. Über gutes Wetter, schöne Blumen, die Art, wie Regentropfen an einem Zweig herablaufen, Schneefall, einen quirligen kleinen Wuschel von Hund, der dir auf der Straße schwanzwedelnd entgegenläuft, ein leckeres Essen, einen guten Kaffee... oder was immer dir Freude macht.


Womit wir bei einer anderen Übung wären, die nicht nur bei Stress die Wahrnehmung umlenkt, sondern ganz allgemein die Lebensfreude erhöht und Beziehungen zu anderen Mitmenschen verbessert:

Dankbarkeit
Ruf dir all die Menschen ins Gedächtnis, die dein Leben gegenwärtig bereichern und/oder früher bereichert haben und zähle im Geiste ihre positiven Eigenschaften auf. Denke darüber nach, was du an ihnen magst und warum du dankbar dafür bist, dass sie Teil deines Lebens sind.
Vergegenwärtige dir mindestens 10 Dinge, für die du derzeit dankbar bist, egal wie klein oder groß, wichtig oder „unbedeutend“.
Du kannst nicht erfreut und dankbar und gleichzeitig gestresst und ängstlich sein.


Wenn du Angst hast zu versagen, etwa vor einer Prüfung, einem Bewerbungsgespräch etc.:
Spoiler:
Ruf dir mindestens drei Situationen ins Gedächtnis, die entgegen deiner Erwartung gut liefen. Ruf dir genau in Erinnerung, wie du dich wegen dieser angenehmen Überraschung gefühlt hast und vergegenwärtige dir das Empfinden, wie es sich anfühlt, wenn das Leben es gut mit dir meint.
Jetzt erinnere dich an mindestens fünf Gelegenheiten (in jedem Fall mehr als von der vorherigen Kategorie), wo du dich vorbereitet und etwas getan und dadurch bewusst einen erwarteten Erfolg erzielt hast. Idealerweise in Situationen, die deiner jetzigen Herausforderung vergleichbar sind, aber wenn nicht, ist es auch nicht schlimm.
Es spielt keine Rolle, wie andere Leute diese fünf oder mehr Erfolgsgeschichten bewertet haben, ob es „nur“ etwas Kleines war und worum es sich genau handelte. (Daher ist der Bezug zu deiner jetzigen Lage auch nicht allzu wichtig.) Wesentlich ist nur, dass es für dich persönlich jeweils ein Erfolg war, über den du dich gefreut hast und auf den du stolz warst.
Erinnere dich genau, wie du dich dabei gefühlt hast und wie und wo du, körperlich, die damit aufkommenden Gefühle wie Freude, Stolz, Zufriedenheit, Triumph, Genugtuung, wohlige Erschöpfung, Glück, Euphorie, Vergnügen o.ä. gefühlt hast. Versetze dich in die damalige Stimmung.
Vergegenwärtige dir damit, wie es nicht nur das Leben gut mit dir meint und dir Glück gewähren kann, sondern du selbst es dir, durch deine eigene Planung, Vorbereitung, Bemühung und Leistung gewähren kannst. Fühle dich wieder, wie in den früheren Situationen, stark, fähig, kompetent, stolz, konsequent, erfolgreich usw.
Spüre in dir die Kraft und die Fähigkeit etwas zu leisten und zu erreichen. Nicht für andere, nicht um etwas zu gelten oder irgendwem zu beweisen, sondern einfach nur für dich ganz alleine, um etwas zu erschaffen bzw. zu bewirken. Um dich zufrieden und glücklich zu fühlen, weil du das geschafft hast. Wisse, dass du dazu in der Lage bist. Nimm einige tiefe Atemzüge, dann bist du bereit, die Sache anzugehen.


Kopfkino
(Generell für Stress und Angst)
Spoiler:
Spoiler:
- Schau dir spielende Otter an (oder stell dir welche vor). Awwwww! verliebt Otter sind bezaubernd!
- Stell dir ein paar Erdmännchen vor, die zu „We like to move it, move it“ abdancen.
- Stell dir eine lange Reihe von Erdweibchen mit Babysöckchen auf den Köpfen und in kleinen Tüllröckchen vor, die zusammen Can-Can tanzen.
- Oder Osama bin Laden im schweinchenrosa Tütü und mit haarigen Beinen, wie er nicht übermäßig grazil in Balettpirouetten umherwirbelt und dabei versucht, seinen Turban nicht zu verlieren.
- Wahlweise kannst du Sensenmänner in grünen, lila gepunkteten Kutten imaginieren, die auf rosa Wolken mit Sensen, um die sie Seidenschleifen gewickelt haben, Hockey mit einem Schädel zu spielen versuchen, der sich permanent in deftigem Bayrisch über „Schädlwäh“ beklagt und zetert: „des hält man ja im Kopf ned aus!“ und darüber schwadroniert, die Friedhofsleitung zu verklagen, weil sein Grabnachbar mehr Würmer hat.
(Falls sich jetzt jemand um meinen Geisteszustand sorgt: Darauf bin ich mal im Rahmen eines absurden Assoziationsspiels gekommen, womit wir uns in der letzten Stunde vor den Sommerzeugnissen statt Unterricht die Zeit vertreiben durften. Für den abwegigsten Blödsinn gab es damals eine Tüte Gummibärchen als Preis. Und ja, ich habe sie gewonnen. lol)
- Wenn es nicht ganz so schräg sein muss, denk dir doch so ein kleines, dickes, tollpatschiges Kerlchen, dem der Wind seinen Hut vom Kopf geweht hat und der jetzt, im Slalom zwischen Passanten, Fahrrädern, Mülleimern, parkenden Autos und anderen Hindernissen herumstolpert und versucht, seinen Hut einzufangen, als ihm plötzlich eine offene Zeitung ins Gesicht weht.
Daraufhin kreiselt er einmal kurz verwirrt um sich selbst und entfernt das Blatt gerade rechtzeitig, um Gesicht voran mit dem stattlichen Busen einer üppigen Mittfünfzigerin zu kollidieren, die empört aufkreischt und dies sofort bereut, weil er von ihrem exzessiv aufgetragenen Parfüm niesen muss - und ihr natürlich prompt geradewegs ins Gesicht niest. Haaaatschi!

Das sind natürlich nur ein paar Beispiele. Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Der Sinn der Übung ist es, sich irgendein möglichst abstruses, beklopptes, idealerweise lustiges Szenario auszudenken und unterwegs auszuspinnen. Das stellt man sich dann in allen Einzelheiten vor und spult es wie einen Film im Kopf ab.
Je bescheuerter, bunter und abwegiger, desto besser.
Sorgt euch nicht um einen „leeren Kopf“. Panik ist ein alles andere als angenehmer Zustand, daher wird euer Gehirn bereitwillig auf alles umschalten, was ihr ihm anbietet. In diesem überdrehten Zustand wird meist schon die bloße Absurdität zum Lachen reizen, selbst wenn „echter“ Humor darin fehlt. Und man kann nicht gleichzeitig amüsiert und panisch sein. Ebensowenig wie man sich gleichzeitig auf Ängste und Dissoziation und das Ausspinnen seltsamer Filme im Kopf konzentrieren kann.
Insofern funktioniert das ganz ähnlich wie Chili, Zitronen, Gummibänder und solches Zeug, nur eben im Kopf und ist somit immer und überall sofort verfügbar. Wie die obigen Beispiele zeigen, kann man es auch abstufen. Im Gegensatz zu Starkreizen wird die Wirkung aber niemals nachlassen, weil sie auf eurer ureigensten, kindlichen Kreativität und eurem Humor basiert, unerschöpflichen, vitalen Ressourcen also. Zudem kommt sie von innen statt von außen und befriedigt tiefverankerte Bedürfnisse wie Selbstwirksamkeit, Schaffensfreude und Spaß.
Ganz nebenher, auf mühelose, spielerische Art, vertieft dieser Skill zudem eure Kontrolle über eure psychischen Aktivitäten und leistet damit einen Beitrag, Panikattacken auf Dauer überhaupt vorzubeugen und euch seelisch zu stärken. Klingt im Zusammenhang mit bin Laden im Tütü vielleicht seltsam, ist aber wahr.
Weil es auf Inhalte überhaupt nicht ankommt (das Drehbuch muss keinen Oscar gewinnen, aber manchmal kommen dabei sogar noch gute Ideen raus) sondern nur auf die Durchführung an sich. Wie es so schön heißt; der Weg ist das Ziel.


Mir fällt dabei noch eine andere Technik ein, die in gewisser Weise mit der Kopfkino-Technik verwandt ist. Die habe ich aus einem Trickfilm, der, soweit ich mich erinnere, eher zu unrecht, schon lange im der Versenkung verschwunden ist. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die „Wochenendkids“. Da gab es doch diesen neurotischen blonden Jungen, den Erzähler. Immer, wenn er sich in irgendwelche Ängste hereinsteigerte, machte seine Mutter diese Übung mit ihm:

„Das Schlimmste was passieren kann“ oder Ad absurdum führen
(Für notorische Pessimisten und Schwarzseher, die dazu neigen, sich immer mehr in Ängste reinzusteigern.)
Spoiler:
Im Unterschied zur obigen Technik lenkt ihr euch hierbei nicht durch irgendwas Lustiges, das ihr euch anseht oder ausdenkt, ab, sondern die Angstvorstellungen selbst werden als Basis aufgegriffen und es wird damit gearbeitet, indem sie komplett übersteigert werden.
Daher eignet sich diese Technik vielleicht nicht für jeden und setzt immerhin eine gewisse Kontrolle über die eigenen Gedanken voraus.
Aber auch dieser Skill basiert auf der kreativen Überwindung der Angstspirale durch möglichst kreative und absurde Imaginationen, daher die Verwandtschaft mit dem Kopfkino.
Im Gegensatz dazu malt man sich hier jedoch aus, was schlimmstenfalls passieren kann. Dabei bleibt ihr jedoch nicht bei mehr oder minder glaubhaften Angstgedanken, sondern denkt sich immer krassere und schließlich völlig absurde Weltuntergangs-Horrorszenarien aus. Das kann bis zum Asteroiden gehen, der auf die Erde fällt, dann kommt noch ein riesiger Fisch und frisst alles auf... Kompletten Stuss also, bis ihr das beim besten Willen nicht mehr ernst nehmen könnt.

(Das mit dem Asteroiden und dem Riesenfisch hatten Smore und ich mal auf einem der schrägsten Trips, die ich je erlebt habe, aus so einem saublöden Katastrophenporno aufgegriffen, über den wir uns die ganze Zeit lustig gemacht haben.
Wahrscheinlich waren es sogar mehrere und uns hat es zu sehr geschickt, um es zu raffen, irgendwie waren wir beide in einer Zeitschleife auf diesem Trip, aber statt uns deswegen zu beunruhigen, lachten wir uns über die Absurditäten der Sendung schlapp.
Katastrophenpornos, das sind diese „Dokus“, die vor allem nachts gerne mal auf Phoenix, N24 etc. laufen - falls ausnahmsweise mal kein Hitler-/Nazi-/2. WK-Allgemein-Porno läuft - jene Sendungen, wo ein Erzähler mit vor Aufregung bebender Stimme genüsslich mindestens ein Dutzend Arten vorstellt, wie die Erde, oder wenigstens ein paar Kontinente, in naher Zukunft zerstört werden könnten - daher Katastrophenporno. Solche Sendungen sind für diesen Skill eine großartige Inspirationsquelle!)

Genau wie beim Kopfkino-Skill wird a) die Aufmerksamkeit von der Angst weggelenkt, b) hat man Spaß daran, sich kreativ zu betätigen und sich das alles vorzustellen und c) kommt am Ende so ein gnadenlos übertriebener, haarsträubender Müll heraus, dass man darüber nur noch lachen kann. Und Lachen entspannt und schafft Distanz. Man kann nicht gleichzeitig zum Lachen aufgelegt und panisch sein.
Außerdem führt die ursprüngliche Angst, die einen vorher umtrieb, über eine direkte Kette von schlimmstmöglichen Wendungen und Folgen zu dem völlig irrwitzigen und unglaubhaften Szenario am Ende. Vorhin hab ich es mit dem Astrofisch nämlich „etwas“ überspitzt ausgedrückt, um das Prinzip zu verdeutlichen, aber das ist genau der springende Punkt: was passiert im schlimmsten Fall wenn A und wenn B, dann kommt im schlimmsten Fall C... und bei D oder E wird es langsam abwegiger... Aber solange ihr Angst habt, spinnt ihr die Kette weiter, bis die Unwahrscheinlichkeit und Abwegigkeit dieser Ereignisse immer deutlicher zutage tritt, wodurch sich die Angst verliert.
Dadurch merkt man auch als notorischer Schwarzmaler ganz bewusst, wie man sich Schritt für Schritt reinsteigert und immer mehr aufregt (Watzlawicks Hammer). Indem man es damit vollends auf die Spitze treibt, lernt man Distanz zu den Angstvorstellungen zu bilden und erwischt sich nach einiger Zeit in Zukunft frühzeitig in dieser Spirale, statt sich weiter hochzuschrauben und aufzuregen.


Lg, Mio
Welche andere Wissenschaft darf sich solche Leichtfertigkeit erlauben? Wenn eine Brücke einstürzt, werden die Verantwortlichen haftbar gemacht. Die Psychiatrie aber durfte ungestraft an einem dogmatisierten Irrtum festhalten, der viele Leben zerstörte.
Traumländer



dabei seit 2010
335 Forenbeiträge

  Geschrieben: 14.01.21 20:59
zuletzt geändert: 22.01.21 01:58 durch Smore (insgesamt 1 mal geändert)
Miosis schrieb:
Hallo Leute!

Ich habe mir

Lg, Mio




Miosis schreib mir mal ne E-Mail bitte, hab's endlich hinter mir. Du kannst dir ja vorstellen was ich meine. Ich habe dir auch was geschrieben sind 20+ seiten. Das und mehr möchte ich dir geben, es ist echt sehr wichtig für mich.
Man wenn du das liest ich mach mir Sorgen um dich :(
Ich bete das die unbegründet sind..

smoresmor@gmail.com

Schöne Grüße

Bin Back als wäre ich Grad wiedergekommen, hat mich gefreut einige wieder zu treffen. Werd Mal öfters reinschauen auch wenn ich keine Drogen mehr nehme.
We all bleed the Same color PEACE
Traumland-Faktotum

dabei seit 2006
2.119 Forenbeiträge
3 Tripberichte

  Geschrieben: 15.01.21 19:30
Sehr guter Beitrag

Sind sogar skills die man so auf jeder Therapie lernt.


 
Neuer Träumer



dabei seit 2021
6 Forenbeiträge

  Geschrieben: 06.02.21 17:57
Vielen lieben Dank Zauberer Eins! Dein Post über Skills bei Panikattacken hat mir letztens enorm geholfen. Seit über 6 Jahren konsumiere ich nun Marihuana und habe inzwischen auch einmal Pilze und Ecstasy ausprobiert. Mir ist dabei immer aufgefallen, dass ich irgendwie nach dem Konsum aber auch öfter währenddessen sehr depressiv verstimmt war. Auch Müdigkeit und Antriebslosigkeit waren häufige Nebenwirkungen.
Ich war dann beim Arzt und habe mein Blutbild mal untersuchen lassen. Dieser hat dann festgestellt, dass ich anscheinend an Eisenmangel leide. Mir wurde dann von diversen Personen erzählt, dass Eisenmangel in Kombination mit den eingenommenen Drogen öfter zu diesen Nebenwirkungen führt. Wie sich der Eisenmangel allgemein äußert könnt ihr in diesem Artikel nachlesen: https://www.eisensupplements.de/eisenmangel-symptome/. Mega gut beschrieben, welche Symptome es bei Eisenmangel gibt. Falls jemand auch davon betroffen ist, schaut euch das mal an und lasst euer Blutbild nochmal untersuchen!

Beste Grüße!
 
Ex-Träumer
  Geschrieben: 07.02.21 15:24
Was ich für mich entdeckt habe, ist ein sog. Reflexball. Hatte ich mir ursprünglich bestellt, weil die Gyms zu haben. Habe aber gemerkt, dass er gut hilft, negatives Gedankenkreisen zu unterbrechen. Weil man am Ball bleiben muss, so zu sagen.

https://www.vergleich.org/reflexball-boxen/

Was auch gut kommt, ist Seilspringen. Da muss man sich auch konzentrieren und kommt gleichzeitig gut aus der Puste. Das baut Stresshormone ab. Am Anfang sollte man eher ein dickeres Seil nehmen.
 

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