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LdT-Forum » Konsum » Drogen & Konsum » Goethe als Dichter


Seite 1 (Beiträge 1 bis 11 von 11)

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Ex-Träumer



dabei seit 2021

  Geschrieben: 19.10.21 18:40
zuletzt geändert: 19.10.21 19:04 durch MrBavaria (insgesamt 1 mal geändert)
Viele kennen Goethe (1749 - 1832) als großen Dichter, doch er war auch sehr abergläubisch
und hatte ein bemerkenswert unbefangenes Verhältnis zum Okkultismus und Phänomenen wie Telepathie, Hellsehen und Gespenstern.

Gelegentlich dacht ich an das Weitere;
allein durch einen auf Erfahrung gestützten Aberglauben,
dass ich ein Unternehmen nicht aussprechen dürfe,
wenn es gelingen solle.

(Tag- und Jahreshefte, 1801)

Verschwiegenheit war übrigens eine seiner Tugenden:

Zieret Stärke den Mann und freies, mutiges Wesen,
O! So ziemet ihm fast tiefes Geheimnis noch mehr.
Städtebezwingerin du, Verschwiegenheit! Fürstin der Völker!
Teure Göttin, die mich sicher durchs Leben geführt!

(Römische Elegien)

Er befasste sich auch mit den Geheimwissenschaften und der Durchführung alchemistischer Experimente.
Zudem war er Freimaurer und sicherlich mit den mystischen Grundlagen der Rosenkreuzer vertraut.
Als Universalgelehrter nannte er die Chemie seine heimliche Geliebte.

goethe.jpg
Egal wie dicht du bist, Goethe war Dichter.

Er war überdurchschnittlich feinfühlig, ein behandelnder Arzt erwähnte,
dass bei Medikamenten deutlich niedrigere Dosen als allgemein üblich verschrieben werden mussten.
Zudem wurde sein Befinden offenbar vom Luftdruck beeinflusst, anscheinend fühlte er sich bei niedrigen Luftdruck unwohler und war unproduktiver.

Er sammelte auch Erfahrungen mit besonderen seelischen Zuständen, wie z.B. der Gabe zur Vorsehung,
denn als er Friedrich Schiller ein Gratulationsschreiben zum Neujahrestages schreiben wollte,
schrieb er zunächst vom letzten Neujahrestag, anstatt Wörter wie erneut oder wiedergekehrt zu verwenden.
Nur mit Mühe konnte er sich davon abhalten. Doch seine Ahnung bestätigte sich, denn es wurde Schiller's letzter Neujahrestag.

Nach den Berichten eines Kammerdieners soll er in Weimar in einer Nacht das Erbeben von Messina (1787)
während einer sog. visionären Schau gesehen haben. Einige Wochen später bestätigte sich, dass in derselben Nacht das Erdbeben stattfand.

Er glaubte z.B. auch an ein vorheriges Eintreten kleiner Unglücksfälle vor einen größeren Unglück.
Als er mit einem Begleiter eine Sommerreise nach Baden-Baden antratt und ihr Wagen einen Unfall hatte,
kehrte er sofort um und verbrachte den Urlaub in Leustadt.

Sicher ist jedenfalls, dass er spukhafte Vorgänge erlebte:

Wie ich mir in meinem väterlichen Hause
nicht einfallen ließ, die Erscheinungen der Geister
und die juristische Praxis zu verbinden,
ebenso getrennt laß ich jetzt
den Geheimrat und mein anderes Selbst.

(Brief an Carl Ludwig von Knebel, 1782)

Was er wohl mit Erscheinungen der Geister meinte?

In seiner Selbstbiographie finden sich jedenfalls keine Anhaltspunkte zur Klärung dieser Frage.
Es muss sich wohl um besondere Erlebnisse gehandelt haben, die er der Öffentlichkeit bewusst verschiegen hat.

Die mit dem Dichter im hohen Alter befreundete Jenny von Pappenheim schrieb in ihrem Tagebuch, er hätte von einer unsichtbaren Bedienung gesprochen,
die den Vorplatz des Gartenhauses immer rein hielt. Goethe würde es für einen Traum halten, einen unheimlichen Mittagsspuk.
Demnach sah er im Sommer des Jahres 1824, als er aus seinem Gartenhaus heraustrat um in die Stadt zu gehen, eine Mädchengestalt die den Platz vor dem Haus kehrte.
Als er sie ansprach antwortete sie nicht. Schließlich löste sie sich in Luft auf.
(nach der Erzählung eines Dr. Schwabe in der ehmaligen Frankfurter Tageszeitung Didaskalia vom 18. Nov. 1816.)

Im Buch Spuk von Nataly von Eschstruth wird ein weiteres mystisches Erlebnisse aus Goethes Leben geschildert.
Demnach soll er sich mit einem Zeitgenossen in der Nacht auf dem Schlachtfeld von Jena herumgetrieben haben.
Dort begegneten sie einem Soldaten der verschwand, als sie mit den Händen nach ihm griffen.

Ellen und Paul Mitzschke berichten in ihren Buch Sagenschatz der Stadt Weimar ebenfalls von dieser Spukgestalt.
Seine Enkelin Alma soll als kleines Mädchen jene ebenfalls gesehen haben, als sie im Sommer vor Goethes Tod mit einer Dienerin im Garten saß.
Als Goethe hinzukam sah das Kind die Gestalt eines wunderschönen Mädchens mit goldenem schleierartigem Haar und blauen Augen aus dem Schatten zum Großvater hinwehen.

Neben Geistern erwähnte er auch sog. höhere Wesen:

Gott allein kann wissen,
wie groß die Schritte sein müssen,
die hier die Seele tun muss, um dort seiner Gemeinschaft
und dem Wohnplatz der Vollkommenheit und dem Umgang
und der Freundschaft höherer Wesen näherzukommen.

(Rezension, Frankfurter gelehrte Anzeigen, 1772)

Was er wohl mit Freundschaft höhere Wesen meinte?

Zumindest behauptete er, unter der Gewalt eines dämonischen Geistes zu stehen:

Da ich von den Dämonen
öfters hin und wieder geführt werde ...

(Brief an Alexander von Humboldt, 1821)

Das der Mensch denkt
wird anders gelenkt,
es sei nun dass sich die oberen
oder unteren Dämonen darein mischen.

(Brief an Carl Friedrich Zelter, 1816)

In seinen späteren Jahren tauchen häufiger Dämonen auf, die sicherlich nicht symbolisch zu verstehen sind.
Goethe sah darin ein Urphänomen, etwas Unfassbares, dass sich nur an seiner Wirkung erkennen lässt:

Ich erkenne aber auch diese Gunst der Dämonen
und respektiere die Winke dieser unerklärlichen Wesen.

(Brief an Carl Friedrich Zelter, 1831)

Wegen eines Winks höherer Dämonen musste er übrigens auch Rom verlassen:

Und umgewandelt
Seh' ich die Holde;
Sie blickt und handelt
Gleichwie Dämonen,
Und kein Verschonen
Ist mehr zu hoffen.
Vom Blitz getroffen

(Rinaldo)

Sein Werk Die Geheimnisse zeigt seine mystische Seite. Hier gelangt der Pilger Markus nach langer Wanderung an ein klosterartiges Gebäude,
an dessen Tür ihm ein mit Rosen umwundenes Kreuz entgegen leuchtet. Innen findet er eine Versammlung von 12 Persönlichkeiten.
Er lernt das Wesen der 12 und eines 13-ten kennen, der sog. Humanus, der ihr Oberhaupt ist.
Dieser hat sich auf dem Weg zu seinem höheren Menschen schon durch Wirrnisse aller Art durchgearbeitet.
Doch der tiefere Sinn des des Rätsels bleibt verborgen:

Doch denke niemand, daß mit vielem Sinnen
Das ganze Lied er je enträtseln werde.
[...]
Er sagt woher er sei, von welcher Ferne
ihn die Befehle höherer Wesen senden.
[...]
Was hier verborgen, ist nicht zu erraten,
Man zeige denn es dir vertraulich an.

(Die Geheimnisse)

Hier will Goethe vielleicht andeuten, dass 12 Weltreligionen einen gemeinsamen Wahrheitskern besitzen, und der erwähnte 13-te der Repräsentant dieser Urwahrheit ist.
Doch wie der 13-te von den 12 Brüdern scheidet, bleibt verborgen. Immerhin gibt er einen Hinweis zum Rätsel des 13-ten:

So lässt sich leicht voraussehen,
dass die durch den Ostertag besiegelte
ewige Dauer erhöhter menschlicher Zustände
auch hier bei dem Scheiden des Humanus sich tröstlich
würde offenbart haben.

(Noten zu den Geheimnissen, 1816)

Was er wohl mit erhöhter menschlicher Zustände meinte?

Je höher ein Mensch, desto mehr steht er unter dem Einfluss der Dämonen,
und er muss nun immer aufpassen, dass sein leitender Wille nicht auf Abwege gerate.
[...]
Ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, dass die Dämonen, um die Menschheit zu necken und zum besten zu haben,
mitunter einzelne Figuren hinstellen, die so anlockend sind, dass jeder nach ihnen strebt,
und so groß, dass niemand sie erreicht.

(Gespräch mit Johann Peter Eckermann, 1829)

Zudem sah er ein dämonisches Wesen in George Gordon Byron's Gedanken:

Auch in Byron mag das Dämonische in hohem Grade wirksam gewesen sein.
Gespräch mit Johann Peter Eckermann, 1831)

Goethe's Einstellung zur Magie spiegelt sich im Faust wieder:

Es möchte kein Hund so länger leben!
Drum hab' ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimnis würde kund;

(Faust, Monolog)

Sicher ist, dass er viele seiner Werke in einen inspirierten traumartigen Zustand schrieb:

Zwischen so einer Stunde,
wo die Dinge so lebendig in mir werden
und meinem Zustand in diesem Augenblick,
wo ich jetzt schreibe,
ist ein Unterschied wie Traum und Wachen.

(Brief an Charlotte v. Stein, 1781)

Da ich dieses Werklein,
so wie meine übrigen Sachen,
als Nachtwandler geschrieben ...

(Brief an Karl Ludwig von Knebel, 1814)

Zu seinen frühesten Erlebnissen gehörte die rasche Heilung von langer und schwerer Krankheit durch eine Geheimwaffe:

Der Arzt,
ein unerklärlicher,
schlau blickender,
freundlich sprechender,
übrigens abstruser Mann,
der sich in dem frommen Kreise
ein ganz besonderes Zutrauen erworben hatte
[...]
Mehr aber als durch alles erweiterte er seine Kundschaft
durch die Gabe,
einige geheimnisvolle selbstbereitete Arzneien
im Hintergrunde zu zeigen,
von denen niemand sprechen durfte,
weil bei uns den Ärzten die eigene Dispensation
(Erlaubnis zur Herstellung von Medikamenten)
streng verboten war.
[...]
Von jenem wichtigen Salze,
das nur in den größten Gefahren angewendet werden durfte,
war nur unter den Gläubigen die Rede,
ob es gleich noch niemand gesehen,
oder die Wirkung davon gespürt hatte.
Um den Glauben an die Möglichkeit
eines solchen Universalmittels zu erregen und zu stärken,
hatte der Arzt seinen Patienten,
wo er nur einige Empfänglichkeit fand,
gewisse mystische chemisch-alchemische Bücher empfohlen,
und zu verstehen gegeben,
daß man durch eigenes Studium derselben
gar wohl dahin gelangen könne,
jenes Kleinod sich selbst zu erwerben;

(Dichtung und Wahrheit, 8. Buch, 1808 - 1831)

Doch als Goethe fürchtete an seiner Krankheit zu sterben weil keine Medzin zu helfen schien, bedrängte seine Mutter den Arzt seine Universalmedizin herauszurücken:

Nach langem Widerstande eilte er tief in der Nacht
nach Hause und kam mit einem Gläschen
kristallisierten trockenen Salzes zurück,
welches in Wasser aufgelöst
von dem Patienten verschluckt wurde
und einen entschieden alkalischen Geschmack hatte.

(Dichtung und Wahrheit, 8. Buch, 1808 - 1831)

Die Einnahme des Salzes (mit alkalischen Geschmack) brachte eine umgehende Verbesserung seines Zustandes,
so dass er den Erhalt dieses Schatzes als Wendepunkt der Krankheit sah:

Siehst du denn auf uns herunter,
heilige Frau,
die du mir diesen Schatz aufzuheben gabst? - Ja,
sie wissen von uns droben! Sie wissen von uns!

(Die Geschwister, 1776)

Gebt ihr euch einmal für Poeten,
So kommandiert die Poesie;
und durch eine geheime psychologische Wendung,
welche vielleicht näher studiert zu werden verdiente,
glaube ich mich
zu einer Art von Produktion erhoben zu haben,
welche bei völligem Bewußtsein dasjenige hervorbrachte,
was ich jetzt noch selbst billige,
ohne vielleicht jemals
in diesem Flusse wieder schwimmen zu können,
ja was Aristoteles und andere Prosaisten
einer Art von Wahnsinn zuschreiben würden.

(Brief an Wilhelm von Humboldt, 1831)

Was er wohl mit Wahnsinn gemeint haben könnte?

Eines Tages kam der Medizinstudent Friedlieb Ferdinand Runge mit einer Katze auf dem Arm zu Goethe.
Die Augen des Tieres waren unterschiedlich: Auf der einen Seite zeigte sich die Pupille als schmale Spalte,
auf der anderen als großes schwarzes Loch. Goethe fragte ihn, auf welche Weise dieser erstaunliche Effekt erzielt wurde.

Friedlieb hatte das Alkaloid Atropin aus dem Nachtschattengewächs Bilsenkraut isoliert.
Es wird vielseitig in der Medizin verwendet, unter anderem, um die Pupillen kurzzeitig zu weiten.
Goethe begriff die Tragweite des Gesehenen schnell. Er gab seinem Gast eine Schachtel Kaffeebohnen mit,
um sie auf enthaltene Wirkstoffe zu untersuchen, denn er vermutete darin ein Gegenmittel zu Atropin.
Wenig später entdeckte Friedlieb Ferdinand Runge dann das Koffein.

Alkaloide sind alkalisch (bitter) schmeckende Arzneistoffe die aus Pflanzen isoliert werden.
Zur Goethezeit war das noch revolutionär, eine der großen Errungenschaften dieser Epoche.
Bis heute nehmen Alkaloide in der Pharmazie eine Schlüsselstellung ein.

Dem ganzen setzt Goethe schließlich in Wilhelm Meisters Wanderjahren (1821) die Krone auf,
wo eine Frau namens Makarie erscheint. Sie wird als höheres Wesen beschrieben, als Sternenseele, welche das gesamte Universum überblickt.
Sie verkörpert sich im Menschen wie ein in menschlicher Hülle wohnendes Gestirn.

Wilhelm gelangt auf merkwürdige Art und Weise zu dieser göttlichen und schweigsamsten aller Frauen.
In einen edlen Saal begegnet er einem alten Mann, dem Hausfreund im schönsten und weitesten Sinne.
Ein Gesellschafter, Astronom und Arzt. Dann erscheint Makarie:

Ein grüner Vorhang zog sich auf,
und eine ältliche wunderwürdige Dame ward auf einem Lehnsessel von zwei jungen,
hübschen Mädchen hereingeschoben,
wie von zwei andern ein runder Tisch mit erwünschtem Frühstück.
In einem Winkel der ringsumher gehenden massiven eichenen Bänke waren Kissen gelegt,
darauf setzten sich die obigen dreie, Makarie in ihrem Sessel gegen ihnen über.
[...]
Makarie sprach zu Wilhelm als einem Vertrauten,
sie schien sich in geistreicher Schilderung ihrer Verwandten zu erfreuen;
es war, als wenn sie die innere Natur eines jeden durch die ihn umgebende individuelle Maske durchschaute.
Die Personen, welche Wilhelm kannte, standen wie verklärt vor seiner Seele,
das einsichtige Wohlwollen der unschätzbaren Frau hatte die Schale losgelöst und den gesunden Kern veredelt und belebt.
[...]
Wilhelm: Sie wissen, welche Schwierigkeit es ist, sich über diese Gegenstände zu erklären,
denn es ist von nichts wenigerem als von dem Missbrauch fürtrefflicher und weit auslangender Mittel die Rede.
Makarie: Ich geb' es zu, denn man kommt in doppelte Verlegenheit.
Spricht man von Missbrauch, so scheint man die Würde des Mittels selbst anzutasten,
denn es liegt ja immer noch in dem Mißbrauch verborgen;
Spricht man von Mittel, so kann man kaum zugeben, daß seine Gründlichkeit und Würde irgendeinen Mißbrauch zulasse.
Indessen, da wir unter uns sind, nichts festsetzen, nichts nach außen wirken, sondern nur uns aufklären wollen,
so kann das Gespräch immer vorwärtsgehen.
Wilhelm (bedächtig): Doch müssten wir vorher anfragen,
ob unser neuer Freund auch Lust habe,
an einer gewissermaßen abstrusen Materie teilzunehmen,
und ob er nicht vorzöge,
in seinem Zimmer einer nötigen Ruhe zu pflegen.

(Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1821, 10. Kap)

Etwas später folgt ein Hinweis zu Makarie:

Zu diesem Punkte aber gelangt, können wir der Versuchung nicht widerstehen,
ein Blatt aus unsern Archiven mitzuteilen, welches Makarien betrifft und die besondere Eigenschaft,
die ihrem Geiste erteilt ward.
Leider ist dieser Aufsatz erst lange Zeit, nachdem der Inhalt mitgeteilt worden,
aus dem Gedächtnis geschrieben und nicht, wie es in einem so merkwürdigen Fall wünschenswert wäre,
für ganz authentisch anzusehen.
Dem sei aber, wie ihm wolle, so wird hier schon so viel mitgeteilt,
um Nachdenken zu erregen und Aufmerksamkeit zu empfehlen,
ob nicht irgendwo schon etwas Ähnliches oder sich Annäherndes bemerkt und verzeichnet worden.

(Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1821, 14. Kap)

Und im Anschluss wird Makarie genauer beschrieben, sowie ihre Verbindung zum erwähnten Arzt:

Makarie befindet sich zu unserm Sonnensystem in einem Verhältnis,
welches man auszusprechen kaum wagen darf.
Im Geiste, der Seele, der Einbildungskraft hegt sie, schaut sie es nicht nur,
sondern sie macht gleichsam einen Teil desselben;
sie sieht sich in jenen himmlischen Kreisen mit fortgezogen, aber auf eine ganz eigene Art;
[...]
Solange sie die Anschauungen geheimhielt, gehörte viel dazu, sie zu ertragen;
was sie davon offenbarte, wurde nicht anerkannt oder mißdeutet,
sie ließ es daher in ihrem langen Leben nach außen als Krankheit gelten,
und so spricht man in der Familie noch immer davon;
zuletzt aber hat ihr das gute Glück den Mann zugeführt, den ihr bei uns seht,
als Arzt, Mathematiker und Astronom gleich schätzbar, durchaus ein edler Mensch,
der sich jedoch erst eigentlich aus Neugierde zu ihr heranfand.
Als sie aber Vertrauen gegen ihn gewann, ihm nach und nach ihre Zustände beschrieben,
das Gegenwärtige ans Vergangene angeschlossen und in die Ereignisse einen Zusammenhang gebracht hatte,
ward er so von der Erscheinung eingenommen, dass er sich nicht mehr von ihr trennen konnte,
sondern Tag für Tag stets tiefer in das Geheimnis einzudringen trachtete.
[...]
Die Wirkung einer in hohem Grad geregelten Einbildungskraft,
der Einfluß des Gedächtnisses sei zu vermuten,
eine Mitwirkung der Urteilskraft, besonders aber eines versteckten Kalküls.
[...]
Indem wir nun diese ätherische Dichtung, Verzeihung hoffend, hiemit beschließen,
wenden wir uns wieder zu jenem terrestrischen Märchen...

(Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1821, 15. Kap)

Doch Goethe schrieb diese Geschichte sicherlich nicht nur als ätherische Dichtung,
sondern viel mehr, wie anfangs erwähnt, um Nachdenken zu erregen und Aufmerksamkeit zu empfehlen,
was es mit dieser Makarie auf sich haben könnte, und ob nicht irgendwo schon etwas Ähnliches oder sich Annäherndes bemerkt und verzeichnet worden.
Der tiefere Sinn hiervon bleibt wohl verborgen und kann letztlich nur von Eingeweihten ganz erfasst werden.
Es bleibt ein Mysterium das seelisch erlebt werden muss, und nicht theoretisch erklärt werden kann.
Ob ein Zusammenhang mit dem alkalischen Geschmack des erwähnten Salzes besteht, bleibt ebenfalls unklar...

Alles Fleisch ist Gras und auf dem Felde ist alle Güte in der Blüte.
Und auch wenn die Blume abgefallen und das Gras getrocknet;
bleibt das Wort des HERRN in Ewigkeit. (Petrus 1,24)
Dauer-Träumer



dabei seit 2020
302 Forenbeiträge

  Geschrieben: 20.10.21 16:19
Hab von Goethe auch ein bissi was gelesen und für mich war Goethe ein erwachter/erleuchteter Mensch ....


Schöner Thread übrigens .... ;)
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Traumländer



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  Geschrieben: 23.10.21 05:33
Ich habe jetzt nicht den ganzen Post gelesen. Nur eine kleine Anmerkung möchte ich machen.

Nach dem, was Du, MrBavaria, aus Die Geheimnisse zitiert hast, frage ich mich, wie man darauf kommt, dabei an zwölf Weltreligionen zu denken. Werden diese im Werk erwähnt? In meinen Augen spielt Goethe jedenfalls eindeutig auf die zwölf Apostel an. Humanus wäre demnach ein Messias, oder zumindest wird er mit Jesus Christus verglichen.

Da Du danach gefragt hast, was Goethe mit den „erhöhten menschlichen Zuständen“ meint: Ihre „ewige Dauer“ sei „durch den Ostertag“, also mit der Auferstehung Jesu Christi, besiegelt worden. So gesehen müsste das Ganze etwas mit dem ewigen Leben zu tun haben. Was Goethe damit genau aussagen möchte, ist mir gerade allerdings auch nicht klar.
»Zu einer Erkenntnis […] muß man durch Not, Leiden an seiner Fülle gekommen sein, muß geglaubt haben, ›entwurzelt‹ zu sein […], muß am Intellekt gelitten und ihn durch den Geist überwunden – muß mit dem Menschen gerungen haben.«
— Ernst Toller
» Thread-Ersteller «
Ex-Träumer



dabei seit 2021

  Geschrieben: 23.10.21 06:18
Das mit den 12 Aposteln dachte ich auch zuerst, aber dann haben mich die erhöhten menschlichen Zustände genauso verwirrt.
Aber ich denke deine Aposteltheorie passt gut, hätte ich wohl dazuschreiben sollen.

Übrigens - bei dem alkalischen Salz handelt es sich meiner Meinung nach vermutlich um Kokainsulfat oder Kokainhydrochlorid.
Coca-Sträuche kamen 1750 (ca. mit Goethes Geburt) zum ersten mal nach Europa...
Vielleicht war das die geheime psychologische Wendung die ihn zu einer Art von Produktion erhoben hat,
die Aristoteles und andere Prosaisten einer Art von Wahnsinn zuschreiben würden.
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Endlos-Träumer



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  Geschrieben: 23.10.21 08:12
MrBavaria schrieb:
Übrigens - bei dem alkalischen Salz handelt es sich meiner Meinung nach vermutlich um Kokainsulfat oder Kokainhydrochlorid.


Kaum denkbar, denn Kokain als Alkaloid wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts isoliert.
Grüsse

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Traumländer



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  Geschrieben: 23.10.21 09:14
du denkst du bist dicht doch goethe war dichter
verlern nicht zu träumen, kleiner schmetterling
Endlos-Träumer



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642 Forenbeiträge

  Geschrieben: 23.10.21 09:48
Duo schrieb:
du denkst du bist dicht doch goethe war dichter


Goethe soll ein Meister der deutschen Sprache gewesen sein.
Aber, seid mal ehrlich, Duo steht ihm nicht viel nach, das Beispiel oben ist doch wahrlich meisterlich.
Danke Duo für die aufheiternde Kostprobe, ich habe wirklich herzlich gelacht. Bis, bis, mehr, mehr davon bitte lol
Grüsse
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  Geschrieben: 23.10.21 19:09
Dass der Spruch aus Duos Feder stammt, glaube ich nicht. wink Ich kenne ihn eher in der Form von MrBavaria: „Egal wie dicht du bist, Goethe war Dichter.“
»Zu einer Erkenntnis […] muß man durch Not, Leiden an seiner Fülle gekommen sein, muß geglaubt haben, ›entwurzelt‹ zu sein […], muß am Intellekt gelitten und ihn durch den Geist überwunden – muß mit dem Menschen gerungen haben.«
— Ernst Toller
Endlos-Träumer



dabei seit 2019
642 Forenbeiträge

  Geschrieben: 24.10.21 09:48
Autsch ! Das ist meinem Radar entfleucht.
MrBavaria, Sprachgenie, ich bitte um Entschuldigung.
Duo wirds hoffentlich unbeschadet überleben lol
Grüsse
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  Geschrieben: 24.10.21 09:56
Den Spruch kenne ich schon sehr lange .... Er stammt also auch nicht von Mr. Bavaria. ;)
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» Thread-Ersteller «
Ex-Träumer



dabei seit 2021

  Geschrieben: 24.10.21 12:57
Ja, der Spruch ist nicht von mir.
Auf http://www.zeno.org kann man übrigens das Gesamtwerk (incl. Briefverkehr) nach Stichwörtern durchsuchen. wink

Alles Fleisch ist Gras und auf dem Felde ist alle Güte in der Blüte.
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