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LdT-Forum » Drogen & Gesellschaft » Der Weg (Selbstfindung & Glaube) » Das Bewusstsein im Käfig


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» Thread-Ersteller «
Abwesender Träumer



dabei seit 2009
46 Forenbeiträge
1 Tripberichte

  Geschrieben: 09.09.09 17:03
zuletzt geändert: 09.09.09 17:07 durch Ram Dass (insgesamt 1 mal geändert)
Es ist schon interessant WIE sehr einen doch die Psychedelische Erfahrung verändert. Sie ist kein "ekstatisches Fastfood" sondern ein "transformatives Festmahl".
Die psychedelische Erfahrung ist nicht einfach nur ein bunter Bilderregen. Sie ist kein "chemischer" Vergnügungsparkt, sondern eine ernste Auseinandersetzung mit dem eigenen Sein, bzw. eher Bewusstsein.

Eines meiner großen Vorbilder ist Timothy Learys Partner Richard Alpert (bekannt als Ram Dass) der einaml die auswirkungen der psychedelischen Erafhrungen die er gemacht hat sehr schön beschrieben hat, also dass die Dinge die Uns voneinander unterscheiden, nach denen wir gelernt Haben unsere mitmenschen zu definieren auf einmal verschwinden und die gemeinsamkeiten zutage treten. Zu ERKENNEN dass mein gegenüber nicht ein anderes Individuum sondern in der Tat ein "Bruder" und dass die Essenz seines Seins gleichzeitig die Essenz meines Seins ist erachte ich als eine der wichtigsten Erfahrungen oder besser "Qualitäten" der psychedelischen Erfahrung.

Eine psychedelische Erfahrung ist nicht einfach ein Rausch, sondern gerade die Auseinandersetzung mit dem Erlebten in den darauffolgenden Wochen und die Integration der zuvor unterdrückten psychischen Attribute.

Ich selbst habe vor einem halben Jahr (initiert durch eine intensive psychedelische Reise) mit Raya Yoga Meditation begonnen und einige sehr gute Durchbrüche erzielt. Allerdings hatte ich dann in den letzten Wochen dass Gefühl dass ich mich verrant habe, oder um es anders auszudrüchen, irgendwie ging es nicht mehr weiter... Als ich dann einen San Pedro Trip hatte nach 6 Monatiger Abstinenz von Halluzinogenen hatte waren jene Barrikaden auf einmal wieder weg und mir erschlossen sich wieder neue Wege die ich davor nicht wahrnahm.

Ich glaube dass das psycholgische Menschen Bild gerade in unserer materialistischen westlichen Gesellschaft eine starke Entartung erlebt. Die Psyche basiert nämlich auf einer Klassifizierung des Wahrgenommenen und daraus resultierend Aufbau von Barrieren. Oder kurz gesagt Schubladendenken auf emotionalem Niveau. Der Mensch baut zu allem Erfahrenen einen emotionale Bindung auf und hat daraufhin ein bestimmtes Bild davon in seiner Psyche verankert, welches nicht im rationalen Zentrum verarbeitet wird sondern eher im Unterbewusstsein. Als Reaktion darauf empfinden wir wenn wir etwas sehen was uns bekannt ist immer gleich. Man kann das auch wie Kleidungsstücke betrachten die man anlegt. Mit voranschreitendem Alter werden die Barrieren immer enger und letztenendes ist man in seinem psychologischen "Käfig" gefangen. Das hört sich schlimmer an als es ist, denn wenn man sich dessen bewusst ist hat man Kontrolle darüber. Doch in unserer westlichen Gesellschaft tendiert man jene "Kleidungsstücke" nicht als solche zu verstehen sondern identifiziert sich mit jenen. Eines der ersten psychologischen Kleidungsstücke die man alegt ist z.B. sein Name. Ich wurde z.B. nicht als Herr soundso geboren, sondern als menschliches Wesen. Im Laufe meines Lebens habe ich dann weitere Kleidungsstücke angelegt die ich als Identitäten akzeptierte, wie z.b. meine politische Gesinnung oder etwa meine Rolle bzw. Position in der Gesellschaft. All dies sind erworbene Attribute die nicht zwangsläufig unsere wahre Natur ausmachen. Wir identifizieren uns mit unserer psychologischen Kleidung oder unserem mentalen "Käfig" und sind uns über unsere wahre Natur deshalb nicht mehr im klaren.

Wenn man nun ein Halluzinogen (ich bevorzuge die Bezeichnung Entheogen) zu sich nimmt lösen sich all diese Attribute, diese Käfige auf und übrig bleibt ein konzentrierter Punkt welchen wir dann als das Bewusstsein bezeichnen oder das bewusste Sein. Dieser Prozess ist für viele westliche Menschen das angsteinflößendste überhaupt weil wir aufgrund der Tatsache dass wir gelernt haben uns mit diesem psychologischen Käfig zu identifizieren („Der Käfig wird nicht als Käfig wahrgenommen sondern wir SIND der Käfig“), die Auflösung jenes Käfigs mit dem psychologischen Tod gleichsetzen. In dieser Hinsicht ist die psychedelische Erfahrung ein Sterben und wieder geboren werden. Aus diesem Grund erscheint einem die Welt nach der psychedelischen Erfahrung auch komplett neu, man nimmt sie wieder wahr wie man sie wahrgenommen hat als Kind. Alles hat auf einmal ein anderes Gesicht, wirkt größer und geheimnissvoller. Düfte werden wieder intensiver wahrgenommen, Geräusche wirken imposanter. Die Natur die man davor gelernt hat zu ignorieren kommt wieder in den Mittelpunkt. Man fühlt sich wieder wie ein Kind welches sich dannach sehnt die Welt neu kennenzulernen.
Der Prozess des psychologischen Loslassens ist dabei der zentrale Gesichtspunkt und wenn man dies erkennt, also dass all jene Dinge die sich während der psychedelischen Erfahrung „in Luft auflösen“ nur psychologische Kleidungsstücke sind kann man die psychedelische Erfahrung in ihrer Ganzheit verstehen und erhält die universelle Erkenntniss des Seins.
Hier genau setzt der meditative Prozess ein, also den bestehenden Zustand nach einer psychedelischen Erfahrung festzuhalten Und ihn in sein leben zu integrieren. Richard Alpert fuhr nach Indien um seine psychedelischen Erfahrungen besser zu verstehen und lernte dort die meditativen Techniken kennen. Ich weiß nicht ob ich je in der Lage sein werde auch nur annähernd ohne Psychedelika zu dem fähig zu sein was er nach jahrelanger Übung mit seinem Guru erlernt hat, aber es ist ein sehr lohnenswerter Weg.
 
Abwesender Träumer

dabei seit 2009
66 Forenbeiträge

  Geschrieben: 09.09.09 17:42
Respekt an deinen Beitrag :) ! Mit deiner Ansicht, dass die Welt nach dem Konsum von Psychedelika anders ist und intensiver wahrgenommen wird, kann Ich dir nur Recht geben. Seit meiner ersten Erfahrung mit 'Entheogenen' ;) habe ich z.B. eine tiefe Zuneigung zur Natur entwickelt, etc. (hat ja jetzt wahrscheinlich jeder gelesen :P )
Deine Beschreibung von den inneren Barrieren find ich richtig gut. Hab auf jeden Fall was Neues gelernt :)
Kennst Du den Film 'Waking Life' ? Kann ich dir auf jeden Fall mal empfehlen!!!
Was mich noch interessiert ist, wie und wo Du die Meditation gelernt hast? Würd das auch mal gerne ausprobieren!
Greetz
 
Ex-Träumer
  Geschrieben: 09.09.09 18:42
Von mir auch Respekt! freut mich jedesmal, wenn sich Menschen so intensiv und auf diese Art Gedanken über sich und alles drumherum machen. Deine Ansichten decken sich zm grössten Teil mit den meinen. Weiter so;)

lg, Muetzi
 
Ex-Träumer
  Geschrieben: 09.09.09 22:12
Wow, schoen, du hast Dinge wundervoll und schoen artikuliert niedergeschrieben, fuer die ich zu faul bin (vll. fehlt mir mittlerweilev auch der gute schreibstil, denn ich ewinmal hatte...).

Also echt gut geschrieben, habe aber keine Zeit darauf einzu gehen, ich probiere jetzt das KEta was ich vor 10 Minuten im Park gekauft habe mrgreen
 
Traumländer



dabei seit 2008
2.362 Forenbeiträge

  Geschrieben: 24.11.21 23:31
Sehr interessanter Einstiegspost, der mich nachdenklich stimmt.
Liebe ist Leben.
Dauer-Träumer



dabei seit 2020
302 Forenbeiträge

  Geschrieben: 25.11.21 09:18
Diesen "psychologischen Käfig" zu "durchschauen"/erkennen, bedeutet sein Ego und dessen Konzepte zu schauen. Dies führt zum Erkennen des Seins und das nennt man dann Erwachen.
Space is only noise if you can see, my friend!
Dauer-Träumer

dabei seit 2019
632 Forenbeiträge

  Geschrieben: 25.11.21 09:31
Erwachen...( in den Zusammenhang) gefällt mir.

Wer öfter sein zweites ich kennen lernen durfte wird viel bescheidener
und sieht seine kleine Welt mit anderen Augen.
Ich bin froh um jede Erfahrung die ich sammeln durfte.
leben und leben lassen !

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