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AutorBeitrag
Abwesende Träumerin



dabei seit 2023
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  Geschrieben: 04.03.23 14:03
die farbe rot


als sie 32 war
hatte die farbe rot
endlich den reiz für sie verloren:

das rot durchdrang sie nicht mehr
es hatte aufgehört zu leuchten
stumpfte dahin
zwischen atemblau
und chlorophyll

schließlich fiel es ab von ihr
wie eine alte warze
und sie schien um eine farbe ärmer

doch spürte sie zugleich
wie ihr die dünne flügelhaut
am grat des linken schulterblattes wuchs

natürlich konnte sie nicht fliegen
auch wenn sie´s heimlich mal
am küchentisch probierte
und auf die schnauze fiel


allein es ging ihr alles
leichter von der hand
und jeder schritt den sie jetzt tat
jedes wort das sie jetzt
dachte oder sprach
alles fiel ihr leichter
es erschien ihr klarer
ja besonders das:
klarer!

der rote schleier war nicht mehr
keine zinnobergedanken
keine karmesinwünsche
auch kein rubinbeflecktes leintuch mehr

Der einzige Unterschied zwischen mir und einem Verrückten besteht darin, dass ich nicht verrückt bin. (Salvador Dalí)
Ex-Träumer
  Geschrieben: 07.03.23 10:08
die farbe rot...ist sehr schön und trifft mich tief,danke wink
 
Traumländer



dabei seit 2016
424 Forenbeiträge

  Geschrieben: 08.03.23 13:55
jap, sehr schönes gedicht und sehr relatable. hat es nen grund, dass du speziell rot gewählt hast, oder spielt es keine rolle? denn rot assoziier ich eher so mit liebe, wut oder leidenschaft (oder sozialismus^^)
https://www.peta.de/aktionsaufrufe
https://wirzahlennicht.info/
Ex-Träumer
  Geschrieben: 08.03.23 18:52
Rot assoziiere ich mit
Liebe, Blut, Wurzeln, Schrecken, Gewalt, Vergangenheit, aber besonders mit Blut, auch blutsbande und familiäre Indoktrinationen, Verwirrung, Täuschung, Tod, Vergangenes, Kindheit, verlieren der Unschuld, Befreiung, er-wachsen und Abnabelung.

So verschieden Menschen zu bestimmten Worten assoziieren, so unterschiedlich sind die Deutungsmöglichkeiten.
Vielleicht gibt es auch mehrere, auf die die Künstlerin nicht sofort gekommen ist. Oder es gibt Deutungen, die niemals enträtselt werden. Und von den Künstler *Innen auch garnicht enträtselt werden wollen.

Ob die Künstlerin sich erklärt, oder es offen stehen lässt, wird sich zeigen. :)

Ich persönlich finde es viel spannender was ein Kunstwerk mit einem Menschen macht, wie es in Beziehung geht und was jede und jeder darin sieht und interpretiert .

Die persönliche Beziehung, die ein Mensch mit einem Kunstwerk herstellen kann, ist das schönste Empfinden, was man mit einem Objekt oder geschriebenen Werk
haben kann, und auch sehr individuell und subjektiv. ;)

Ich bin neugierig, ob noch was kommt. love


 
Traumländerin



dabei seit 2013
176 Forenbeiträge

  Geschrieben: 08.03.23 22:46
zuletzt geändert: 04.05.23 16:37 durch Herzkasper (insgesamt 1 mal geändert)
Ich interpretiere das Gedicht als Abschied von SVV u.Ä.

edit: semantisch ähnliches Wort ersetzt
 
Abwesende Träumerin



dabei seit 2023
6 Forenbeiträge
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  Geschrieben: 09.03.23 14:10
zuletzt geändert: 09.03.23 14:26 durch Acidhexe (insgesamt 1 mal geändert)
Danke, dass ihr mein Gedicht gelesen habt, ihr Lieben!

@ Jodo: Es hat natürlich einen tieferen Grund, warum ich Rot gewählt habe. Doch assoziiert jeder Mensch ein bisschen etwas Anderes mit Rot (oder was auch immer). Und das ist auch gut so. Wir leben alle in unseren eigenen kleinen Universen bzw. tragen diese in unseren Köpfen mit uns herum. Manchmal treffen sich zwei oder mehr Menschen und es geschieht, dass sich diese Universen überschneiden. Vielleicht nur ein Stück weit oder für eine gewisse Zeit, vielleicht auch für länger. Doch jedes Mal, wenn das geschieht, sind wir ein kleines Stück reicher und unser kleines Universum ein Stück größer geworden. Mir geht es in meinen Gedichten und Bildern nicht um Übereinstimmung, sondern um eben diesen Prozess, der kein Wissen, sondern ein Fühlen ist. Ich danke dir auch sehr, dass du dich mit meinen Zeilen auseinandergesetzt hast. <3

Hier ein weiteres Gedicht von mir:



einsame kinder


einsame kinder leuchten im dunkel
damit die engel sie finden
mit ihren mattblauen augen

artig senken sie die lider
und zähln die minuten
bis die nacht herunterschneit

abseits der mütter und väter
(die ihr haar nicht berührn
und bloß schnurgerade seelenscheitel ziehn)
sinken sie hinab
in den dunklen schoß des nicht-seins

einsame kinder leuchten im dunkel
und halbblinde engel decken sie zu


Der einzige Unterschied zwischen mir und einem Verrückten besteht darin, dass ich nicht verrückt bin. (Salvador Dalí)
Traumländerin



dabei seit 2013
176 Forenbeiträge

  Geschrieben: 08.04.23 16:17
zuletzt geändert: 09.04.23 11:05 durch Herzkasper (insgesamt 2 mal geändert)
Die Welt bereisen
Sonne, Segel, Wind

atmen

Geschwindigkeit, der Weg ist frei
wir sind frei
auch die, die ruhen
euch nehmen wir mit und besuchen die Welt
(das Wasser flüstert zu uns
und oben und unten werden eins)

Ewige Sonne zeigt uns den Weg
Wo Rauchwolken aufsteigen
sind wir zu finden


(2021)


edit: Acidhexe, wieder ein schönes Gedicht. Ich muss beim Lesen an eine Stelle aus Robert Gwisdeks Roman "Der unsichtbare Apfel" denken, in der Kinder in einem dunklen Raum voller (glaube) Doppelstockbetten schweben und leuchten. Dort empfand ich es als eher bedrohlich, hier wirkt es sanft, trotz der Einsamkeit.
 
Traumländer



dabei seit 2014
268 Forenbeiträge

  Geschrieben: 08.04.23 21:12
Herzkasper & Acidhexe, das sind Gedichte, die mir wirklich sehr gefallen.

Herzkasper, ich weiß nicht, ob minimalistisch das richtige Wort ist, doch Du hast das Feeling der Reise auf den Punkt gebracht, verdichtet, die Atmosphäre sowie die positive, optimistische Stimmung („wir sind frei“) eingefangen.

Acidhexe, bei Deinen Texten spricht mich vor allem die impressionistische Note an, die es mir so leicht macht, mir das, was Du beschreibst, bildlich vorzustellen.

Vor gut 13½ Jahren hab ich mich mal an einem Senryū versucht – nichts Besonderes, aber vielleicht kann jemand was damit anfangen:

ABSCHIED
Blut gerinnt zu Stein.
Rubine brechen das Herz
Der zwei Liebenden.

»Zu einer Erkenntnis […] muß man durch Not, Leiden an seiner Fülle gekommen sein, muß geglaubt haben, ›entwurzelt‹ zu sein […], muß am Intellekt gelitten und ihn durch den Geist überwunden – muß mit dem Menschen gerungen haben.«
— Ernst Toller
» Thread-Ersteller «
Abwesender Träumer



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  Geschrieben: 23.04.23 16:51
Seid Einst Zärtlich

Seid einst zärtlich,
wenn euer Spatel ihn rührt und aus der Tiefe hebt,
euer Eigentum dann,
ein Artefakt bereit für Regal und Vitrine.

Ahnt ihr das Licht, das in den Höhlungen schimmerte?

Nein, nicht geisterhaft euch zu schrecken,
sanfter, suchend: wozu, wohin.

Seid zärtlich!

Seht in ihm den, der er war.

Mein Schädel.

Psychonaut und Astronaut sind
die Kundschafter der Zukunft...
Traumländerin



dabei seit 2013
176 Forenbeiträge

  Geschrieben: 04.05.23 16:46
@Dao: Danke. Dein Senryū finde ich auch sehr gelungen (und ich habe wieder was dazu gelernt :))
@mandragora: Deins ist auch angenehm zu lesen. Interessante Mischung aus Gefühl und Wissenschaft.

Ich finde, beide Stücke geben auch Kontraste wieder, die Menschen in sich tragen.
 
Traumländer



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  Geschrieben: 25.11.23 21:38
Das Ding kam letztens aus mir rausgeflutscht... ist n Rap?Lied?Etwas.


Titel: Wer

So ich steig jetzt mal in mich rein

Bin auf der Suche nach mir selbst und will mich hiermit befreien

Von der GEZ, vom Internet, von äußeren Fallen,

Doch mein inneres Kind versucht sich festzukrallen

An Rändern die nicht sind und unsichtbaren Schnallen, mich ziehts tief hinein, in den Kern eines Kerns und sein Innerstes Sein.

Ich lande weich in meinem inneren/eigenen Garten.

Doch welche Pflanze bin ich, muss ich alles erraten.

Der ganze Wald ist in Wallung geraten,

denn ich bearbeite das Denken mit meinem Gedankenspaten

Überall sind leere Ecken, für Orte und Personen

In anderen Plätzen wird geschossen mit Kanonen

Die Stille täuscht, ich führ nen inneren Krieg

Eine Stimme schreit konstant:

"Gib Gib Gib

Ich will mehr, ich will Feuer, ich will Wasser, ich will schwer, ich will leicht, ich will krasser, ich will drüber, ich will drunter...

Ich will das alles hier noch viel viel bunter"

Und in diesem Orkan sitzt ein schreiendes Kind, das nicht weiß wohin, das nach Sicherheit sinnt und um liebe ringt, weil es keinen (guten, runden?) Ort für sich findet

Es lag in einem Käfig doch jetzt ist es frei,

Ich zerschlug Morpheus Gitterstäbe mit Karate zu Brei

Doch was soll ich nun mit diesem Kind anfangen, ich interessiere mich viel mehr für seine Gitterstangen.

Bin ich jetzt mein eigener Vater, was soll denn dieses dumme Gelaber, ach laber doch nicht so ein scheiß, du weißt nicht Mal was das heißt

Dein ich ist alles, du bist ein Kreis, dein eigenes Kind, ein alter Greis, dein Kindergärtner und eigener Wärter... Und warum kreuzen die alle dann die Schwerter?

Wer 100e Ich's in sich vereint,

Geht oft einer Illusion auf den Leim

Den er glaubt alle ich's sein alleine

Dabei gibt es keine ich's, es gibt nur das eine

Tröstest du das Kind, tröstest du dich selbst, zeigst du ihm dein Innerstes, zeigst du ihm die Welt

Bin ich eigentlich, all diese Personen

Bin ich auf der Erde um mich selbst zu belohnen?

Will ich Gandhi sein, oder lieber Dieter Bohlen

Bin ich etwa krank und sollte ich mich schonen?

Oder mir den Arsch mit meinem Hirn versohlen?

Oder Feuerbälle vom Himmel holen?

"Immer wieder, wenn ich aus dem Leib aufwache in mich selbst, lasse ich das andere hinter mir und trete ein in mein Selbst; ich sehe eine wunderbar gewaltige Schönheit und [...] bin in eins mit dem Göttlichen" (Plot. IV.8.6)
Traumländer



dabei seit 2008
3.204 Forenbeiträge

  Geschrieben: 25.11.23 23:52
Erinnern mit an Robert Gwisdek alias Käptn Peng.
Liebe ist Leben.
Neuer Träumer

dabei seit 2024
1 Forenbeiträge

  Geschrieben: 07.02.24 03:05
zuletzt geändert: 07.02.24 03:21 durch Moonboy90 (insgesamt 1 mal geändert)
Hi ich bin neu hier und hoffe das ich nicht ganz zerrissen werde ?


Alles gut?


Fühlte mich oft allein
Im dunklen und kaltem
Wollte mich festzuhalten
An falschem Lichtschein

Tat alles für andere
Hörte ihre Befehle
Beschmutzte meine Seele
Immer tiefer ich wandere

Verlor jeden Wert
Tötete mich eigenhändig
Trotzdem noch lebendig
Von Ärzten belehrt

Jetzt geht’s mir gut
Ich lache wieder
Höre schöne Lieder
Unterdrücke Trauer und Wut

Keine nächtlichen Schrecken
Ein bisschen Sicherheit
Von Doktoren prophezeit
Oder doch nur verstecken?






Da ist ein Loch in meiner Brust
Wuchs aus Angst und Frust
Genährt durch mein Versagen
An so vielen schlechten Tagen

Warum will ich immer kämpfen
Um diesen tiefen Schmerz zu dämpfen
Hatte die Hoffnung längst verloren
Dachte ich bin zum Leiden auserkoren

Wie es sich durchs Innerste friss
Und mich innerlich zerriss
Niemand sich darum schert
Existenz nicht lebenswert

Da ist ein Loch in meiner Brust
Verschlingt mich vollständig mit Lust
Breitet sich aus in meinem Kopf
Zieht mich hinab an meinem Schopf

Es verschlingt mich mit Haut und Haar
Von innen heraus ganz und gar
Ich sitze tief in der Dunkelheit
Keine Freuden außer ich bin breit

Herauszuklettern keine Chance
Bin regungslos wie in Trance
Das Ende flieht vor mir
Finde keine Ruhe hier

Da ist ein Loch um mich herum
Angstvoll und stumm
Ein dunkler Knast
Bin nur noch Last



 
Traumländer

dabei seit 2019
965 Forenbeiträge

  Geschrieben: 15.02.24 10:42
....warum zerreißen.... ich finde es schön geschrieben ...


Ist zwar nicht von mir aber bewahrheitet sich doch sehr oft ...

“Niemand kann in anderen etwas sehen und verstehen, was er selbst nicht erlebt hat.”

H.Hesse
 

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