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Traumländer

dabei seit 2014
4 Forenbeiträge

  Geschrieben: 12.05.24 20:36
Zunächst einmal, eigentlich sollte das ein Tripbericht werden, aber dort erhalte ich immer eine Fehlermeldung... Vielleicht kann ein Mod dies für mich dahin verschieben oder für mich erstellen, gerne kann aber auch hier darüber diskutiert werden.

Ich möchte Euch gerne ein wenig aus meinem Leben erzählen, in der Hoffnung, dass andere sich angesprochen fühlen oder andere dadurch abgeschreckt.


Vorgeschichte:
Ich habe mit ca. 18 Jahren das erste Mal Cannabis konsumiert, mir hat die Wirkung eigentlich gleich gefallen und relativ schnell wurde aus einer einmaligen Sache eine regelmäßige Beschäftigung mit Freunden und auch alleine.
Zu dieser Zeit hat auch Alkohol eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Jedes Wochenende war mindestens ein Vollrausch vorprogrammiert, also mit kompletten Kontrollverlust, Kotzen, 2 Tage Kater, usw. Aber der Zustand des Rausches hat mir einfach gefallen, warum kann ich heute nur noch schwer nachvollziehen.


Der falsche Weg:
Doch meine eigentliche Geschichte beginnt erst 3 Jahre später, als ich durch neue Umstände (Freundin mit ähnlichen Ansichten) den täglichen Cannabis Konsum und den Konsum weiterer Drogen und Medikamente ermöglicht bekam, ohne mich anstrengen zu müssen, dass es z.b. die Familie nicht mitbekommt.
So habe ich in einer Zeit von ca. 3 Jahren einiges konsumiert - und zwar alles maximal ausgereizt. Ich habe stets vorsichtig angefangen zu dosieren, habe aber sehr schnell eine Toleranz gegenüber allem möglichen aufgebaut und dadurch irgendwann um schlafen zu können ca. 100mg Diazepam, einen Blister Emesan und noch weitere Substanzen benötigt.
DXM + DHM war seinerzeit die Möglichkeit, bequem in die Apotheke zu gehen und sich seinen Trip legal und relativ günstig zu kaufen. Dass ich aber auch hier übertrieben habe, ist glaube ich fast klar.
Dann kamen Pilze, bei welchen ich stetig nachgelegt habe, obwohl mir die Wirkung zu Beginn eigentlich gar nicht gefallen hatte.
So sind in dieser Zeit so einige Dinge ausprobiert worden, 2CB, Tavor, Tilidin, Tramadol, Pregabalin, uvm. Alles in Dosen jenseits von Gut und Böse (z.b. bis zu 2g Pregabalin pro Tag).

Irgendwann hatte ich bedingt durch einen Bandscheibenvorfall die Möglichkeit, starke Opiate zu konsumieren. So wurde ich schnell auf Hydromorphon eingestellt, zusammen mit weiteren Medikamenten wie z.b. Diazepam und Ortoton.
Das Hydromorphon habe ich irgendwann gegen DHC getauscht und bis '23 konsumiert. Allerdings in Dosen von 90mg Retard pro Tag und 2-3x 75mg Lyrica. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich von allen anderen Drogen bereits längere Zeit verabschiedet und war neben dem immer noch häufigen Cannabis Konsum relativ "clean". Ich habe nur noch die Medikamente eingenommen, die ich verordnet bekam und auch in dieser Dosierung und zusätzlich Cannabis fast täglich.


Es geht immer noch höher:

Doch dann hatte ich einen Autounfall, der mir fast das Leben kostete. Mit Schädel-Hirn-Trauma, zwei gebrochenen Lendenwirbeln, sowie gebrochenem Kreuz- und Steißbein, sowie innere Blutungen im Becken kam ich unverschuldet (mir wurde auf der Bundesstraße die Vorfahrt genommen) ins Krankenhaus. Dort habe ich 4x tgl. Piritramid 12mg iv., 4x tgl. Oxy Akut, sowie 2x tgl. Oxy Retard erhalten. DHC und Lyrica habe ich ebenso weiter genommen. Nach Entlassung wurde ich sehr schnell auf Oxycodon Retard und Akut eingestellt, was ich auch teilweise an manchen Tagen auf 200mg Oxycodon getrieben habe.
Doch eines Tages wurden die Schmerzen weniger und ich konnte wieder arbeiten gehen. Deshalb habe ich die Schmerzmittel fast auf 0 gefahren. Doch kaum zwei Wochen gearbeitet, haben sich die beiden Wirbel entschlossen einzubrechen und die zwischenliegende Bandscheibe ist auf den Nervenkanal gerutscht. Ich konnte kaum noch laufen, mein Po und das rechte Bein waren eigentlich komplett taub. Dann wurde ich in die BG Klinik gebracht und dort natürlich wieder mit Schmerzmittel versorgt. Ich habe 3x tgl. 40mg Oxy Retard und 4x tgl Oxy Akut, dazu 3x tgl Pregabalin erhalten und noch weitere Medikamente.
Nach der Entlassung dort wurde ich zuerst auf Hydromorphon 8mg eingestellt, was ich ebenfalls 3x tgl nehmen sollte. Hier habe ich morgens und mittags aber eher gespart und abends dann mehr genommen. Auch hier an einigen Tagen bis zu 70-80mg insgesamt.
Dann wurde ich auf Morphin eingestellt, 3x tgl 60mg und dazu 20er Akut bis zu 4x tgl. Durch eine Entzündung am Darm und einen damit verbundenen Darmverschluss habe ich dann von den Ärzten gesagt bekommen, ich solle mich auf Pflaster umstellen lassen, um den Darm nicht von innen weiter zu belasten. Als dies passierte, habe ich vom Notarzt mehr als 3mg Fentanyl iv erhalten, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen. Ich habe danach noch ganz normal atmen, reden und gestikulieren können. Jeder der anwesenden Ärzte und Rettungssanitäter hat gelacht und gewundert gleichzeitig. Die Ärztin meinte so viel hatte noch kein Patient vorher von ihr bekommen. Auf der Fahrt habe ich dann zusätzlich Ketamin bekommen, da die Schmerzen durch den Darmverschluss, die Darmlähmung und die beginnende Bauchfellentzündung (war 14 Tage nicht mehr aufm Klo zu dem Zeitpunkt gewesen) unerträglich waren.

Nun ja, ab dann habe ich 150er Fentanyl Pflaster verschrieben bekommen, dazu 400er Lutscher, Sublingualtabletten und Pecfent Nasenspray. Außerdem habe ich Sufentanil 30?g Sublingualtabletten erhalten.
An einem Tag hatte ich drei Pflaster kleben, ein großes Stück vom 4. Im Mund, bereits die zweite Flasche Pecfent angebrochen und noch 3 Sufentanil genommen. Ich glaube an diesem Abend wäre ich beinahe gestorben, da mein Puls bei ca. 45 war und meine Atmung mehrfach längere Zeit ausgesetzt hatte während des schlafens.

Ein Leben mit dieser Toleranz ist für mich zur Normalität geworden, ich gehe trotzdem jeden Tag arbeiten und bestreite meinen Alltag eigentlich ganz gut. Trotzdem warte ich teilweise darauf, dass irgend etwas passiert und ich nicht mehr aufwache.
Mit den Schmerzmitteln aufhören will ich und werde ich, sobald die Schmerzen nachlassen. Da dies laut Ärzte aber bis zu 3 Jahre gehen kann bis sich eine Besserung zeigt, ist ein Ende noch nicht in Sicht. Weiter steigern kann ich mich aber eigentlich nicht mehr, zumal ich alle meine Medikamente verschrieben bekomme und durch die BG nicht einen Cent dafür zahlen muss.

Trotzdem möchte ich hiermit ausdrücklich davor warnen, die Dosis immer weiter zu steigern, um zum Beispiel schlafen zu können. Es ist außerdem nicht jeder so kreislaufrobust wie ich und könnte bei diesen Dosierungen lange unter der Erde liegen, während ich noch ganz normal nach außen bin. Stolz bin ich nicht darauf, denn wenn ich mal einen Notfall habe, dann sind meine Schmerzen nahezu nicht zu handeln, ohne mich in Narkose zu legen. Ob ich von dieser wieder aufwache, ist dann auf einem anderen Blatt...

In diesem Sinne, fangt am besten gar nicht erst an und wenn doch - haltet es irgendwie in einem gut kontrollierbar Rahmen.


"Mein Name... Raoul Duke. Freies Mittagessen, finale Weisheit. Berichterstattung."
Neuer Träumer

dabei seit 2024
1 Forenbeiträge

  Geschrieben: 13.05.24 03:33
Hey Kanali,

danke fürs Teilen deiner Geschichte, das ist wirklich mutig von dir. Es klingt nach einem ziemlichen Ritt durch die Höhen und Tiefen des Lebens. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist, mit so vielen Herausforderungen umzugehen, besonders wenn es um Schmerzmittel und deren Toleranz geht.

Ich bin froh zu hören, dass du trotz allem deinen Alltag bestreitest und zur Arbeit gehst. Das zeigt wirklich Stärke. Aber ich kann auch verstehen, dass du darauf wartest, dass sich etwas ändert, damit du nicht mehr von den Schmerzmitteln abhängig bist.

Wenn ich dir einen Rat geben darf, dann wäre es dieser: Bleib stark und bleib dran. Es mag schwer sein, aber versuche, nach alternativen Methoden zur Schmerzlinderung zu suchen, sei es Physiotherapie, Meditation, oder andere Therapien. Es gibt oft mehr Möglichkeiten, als wir auf den ersten Blick sehen können.

Und wenn es um den Konsum von Cannabis geht, sei vorsichtig. Ich liebe Cannabis genauso wie du, aber es ist wichtig, es in einem verantwortungsvollen Rahmen zu halten. Übermäßiger Konsum kann zu Problemen führen, besonders wenn er mit anderen Substanzen kombiniert wird.

Wenn du jemals Unterstützung brauchst oder einfach nur jemanden zum Reden, bin ich hier. Wir können gemeinsam durch diese Herausforderungen gehen.

Bleib stark und pass auf dich auf!
hi
» Thread-Ersteller «
Traumländer

dabei seit 2014
4 Forenbeiträge

  Geschrieben: 13.05.24 08:28
Vielen Dank für dein Kommentar zu meinem Bericht.

Ich muss dazu sagen, dass ich seit dem Unfall nur wenig Camnabis konsumiert habe. In der BG Klinik durch die Umstände, dass viele dort gekifft haben, habe ich zwar mitgeraucht und mir ebenfalls 20g besorgt, aber danach war wieder Schluss für mehrere Monate. Nun rauche ich vllt 1 mal pro Monat wenn sich die Gelegenheit eben ergibt. Damit aufzuhören war für mich lange Zeit fast unvorstellbar, hat aber von Heute auf Morgen ganz gut funktioniert, ohne große Entzugserscheinungen.

Mein Psychologe hat mir sogar dazu geraten, dass ich Cannabis konsumieren soll, wenn ich die Schmerzmittel und/oder das Pregabalin absetze, um die Symptome aushalten zu können. Dazu sollte noch gesagt sein, dass ich Cannabis bereits bei meinem ersten Bandscheibenvorfall für längere Zeit ärztlich verschrieben bekommen habe. Dies hat aber gegen die Schmerzen nicht ausreichend geholfen und wirklich alltagstauglich war es ebenso nicht, da ich auf der Arbeit mit Maschinen und schwerem Gerät hantieren muss. Bei den Schmerzmitteln ist dies aber nie ein Problem gewesen, da ich so gut daran gewöhnt bin, dass ich keinerlei Beeinträchtigungen habe (ich nehme aber auf der Arbeit oder davor so gut wie nichts oder nur sehr wenig bzw. aktuell eben das Pflaster und kurz vor Feierabend nehme ich dann das Pecfent, um die Schmerzen unter Kontrolle zu halten).

Viele Grüße!
"Mein Name... Raoul Duke. Freies Mittagessen, finale Weisheit. Berichterstattung."

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