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AutorBeitrag
Traumland-Faktotum



dabei seit 2009
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  Geschrieben: 23.06.12 14:22

Miosis schrieb:

Jedoch muss man über mehrere Jahre (!) die Entwicklung in anderen liberalen Ländern beobachten. Anhand eines zu kurzen Zeitraumes kann man so etwas Vielschichtiges wie die Entwicklung der Drogenstatistik nämlich nicht sinnvoll beurteilen. Außerdem wird man so in seinen Beobachtungen weniger von landesspezifischen Bedingungen in die Irre geführt.


Mich wundert es, dass das Beispiel Portugal noch nicht angesprochen wurde:
Dort ist der Konsum aller Drogen seit 10 Jahren entkriminalisiert und nicht mehr dem Justizministerium, sondern dem Gesundheitsministerium unterstellt.

Das bedeutet in der Praxis:

heise.de schrieb:
Seit dem 1. Juli 2001 steht nun der Erwerb und Gebrauch jedweder Droge zum persönlichen Vergnügen oder der Ruinierung der Persönlichkeit nicht mehr unter Strafe. Sie landen als Vergehen gegen die öffentliche Ordnung vor einem regionalen Gremium der CDT (Comissões para a Dissuasão da Toxicodependência). Dieses Gremium besteht aus einem Rechtsexperten, einem Sozialarbeiter und einem Arzt. Es kann durchaus Bußgelder verhängen oder die Mitarbeit in einem sozialen Dienst verordnen, primäres Ziel aber ist es, den Delinquenten, falls nötig, in eine therapeutische Maßnahme zu überführen.

In der Praxis dürfen Konsumenten nicht mehr als 10 Tagesdosen mit sich führen, das sind 0,1g Heroin, 0,1g Ecstasy, 0,2g Kokain oder 2,5g Cannabis. Überschreiten sie diese Menge, werden sie der normalen Gerichtsbarkeit überführt.


Quelle: heise.de - Das normalisierte Drogenparadies am Ende Europas

Miosis schrieb:
Mich würde auch interessieren, ob nach der Entkriminalisierung die Konsumentenzahl erstmal angestiegen ist und nach einer Weile wieder gesunken, oder ob es "schon immer" so war und wenn ja, warum. Ersteres könnte ich mir - generell - schon vorstellen.


Damit hast du sogar Recht:

oben verlinkter Artikel schrieb:
Insgesamt stieg der Konsum von illegalen Drogen in Portugal bis 2003 leicht an, um danach wieder abzufallen.


Wer sich über den Heise-Artikel hinaus mit dem Thema befassen möchte, hier einige wissenschaftliche Artikel:

Hughes, Caitlin and Stevens, Alex (2007): The effects of the decriminalization of drug use in Portugal
Glenn Greenwald: Drug Decriminalization in Portugal: Lessons for Creating Fair and Successful Drug Policies

Ich finde, das ist der richtige Weg.

Davon abgesehen: Die von Thana verlinkten Artikel sprechen mir aus dem Herzen und sind beide lesenswert.
alles ne Sache der Wahrnehmung
Traumland-Faktotum



dabei seit 2009
926 Forenbeiträge
2 Langzeit-TB

  Geschrieben: 23.06.12 14:52
@terror

ich weiß, das sowas der fall ist, und ich kenn mindestens zwei leute die zu viel gekifft haben.
aber ich denke sowas ist unabhängig von einem verbot. es würde mit genauso wie ohne passieren, nur solange man die konsumenten in die kriminelle ecke schiebt und versucht sie mit haarsträubenden lügen vom konsum abzuhalten, wird sich kein bewußtsein für die gefahren entwickeln.
bei einigen entwickelt sich eine "jetzt erst recht"-mentalität (was ich durchaus bei mir beobachte, aber ich würde auch bei legalität nicht viel anders konsumieren), und solange jugendlichen erzählt wird "drogen sind böse" und "gras und hero sind mit arsen gestreckt" werden viele nicht mal zuhören, wenn man ihnen die wahrheit über die gefahren erzählt.

denn die "fakten" der erwachsenen waren ja von anfang an falsch, und drogen machen einen ja doch nicht so (schnell) kaputt wie alle behaupten.

ich verstehe das es durchaus kritische drogen gibt, aber ich will ja auch keine komplette legalisierung und verkauf in der apotheke für alles, der kleine schritt der entkriminalisierung wäre für den anfang schon ein recht großer. :)

an der stelle möchte ich kathas posting noch mal unterstreichen, portugal ist ein super beispiel dafür das es eben keinen drogen-supergau bei dekriminalisierung geben wird.
alleine die tatsache das die regelung der ganzen drogengeschichten nicht zu 100% den gesundheitsorganen unterstellt ist, ist ein skandal für sich.
aber gut, viele konservative würden es ja auch gut und richtig finden analsex unter strafe zu stellen, und dann evtl hiv-positive/schwule einzuknasten, denn das belastet unser gesundheitssystem ja auch durch erworbene krankheiten. :/ (ich will mit diesem vergleich auf keinen fall ausdrücken homosexuell zu sein wäre eine krankheit, wie es substanzabhängigkeit ist, BITTE nicht falsch verstehen!!!)
ODT-i.v.-Fan im Ruhestand :)

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