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Träumer



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  Geschrieben: 19.04.24 18:48
Ist es wirklich so, daß der stoiker sagt daß alles äußere determiniert ist und man nur die innere Haltung den äußeren Umständen anpassen sollte?
So wie ich es verstehe, geht es doch darum was man selbst kontrollieren kann und was nicht. Und auch darum, daß die innere Haltung aktiv verändert werden kann, somit innerhalb der eigenen Kontrolle steht, und man selbst sich durch reflektieren und hinterfragen ändern kann und die innere Haltung dementsprechend ändert, wenn nötig, so daß es einen hilft und weiter bringt.
Also, ich kann erstmal nur mich selbst verändern. Andere Menschen stehen außerhalb meiner Kontrolle.
Und das ist bereits unheimlich schwierig.
Was aber einen großen Unterschied ausmachen kann ist, ob ich das Verhalten der anderen Menschen mir gegenüber als Maßstab dafür nehme, ob ich mir einen eigenen Wert zuspreche, oder meinen Wert davon abhängig mache. Zum Beispiel Ablehnung.
Ich kann mit Ablehnung so reagieren, daß ich sage, daß ich scheiße bin und wertlos, oder aber ich sage, die andere person ist scheiße, oder ich sage, es gibt Gründe dafür, die außerhalb meiner selbst Liegen und meinen Wert als Mensch nicht betreffen.
Oder aber, die Gründe für die Ablehnung haben auch mit meinem Verhalten zu tun, dennoch bleibt mein Wert als Mensch davon unbeeinträchtigt. Ich kann daraus etwas für mich lernen und mein Verhalten zukünftig ändern, aber die Person, die mich ablehnt, werde ich dadurch nicht ändern und die Ablehnung bleibt trotzdem bestehen.

Worauf ich hinaus will ist, daß die innere Haltung den Unterschied macht, für mich persönlich dann. Wie und ob sich dadurch bei anderen etwas verändert, steht außerhalb meines wirkungs Bereichs.

Danke euch für die Anregung.
Habe große Schwierigkeiten zur Zeit mit Ablehnung bestimmter Personen umzugehen, ohne meinen eigenen Wert in Frage zu stellen.
Insofern hat mich das Thema gerade sehr zum Nachdenken gebracht. Auch meine Schwierigkeit damit Umzugehen.
Und zwar so mit Umzugehen, daß nicht noch mehr Schaden entsteht. Sowohl bei mir als auch bei anderen. Jedoch mehr noch bei mir, denn das ist das einzige Feld, wo ich überhaupt aktiv etwas verändern kann.
Euch allen ein schönes Wochenende.
 
Traumländer



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  Geschrieben: 19.04.24 19:41
Der Materialismus und Determinismus ist Grundlage von Stoizismus. Das hab nicht ich mir ausgedacht, sondern die ersten Stoiker. Gibt glaub ich 3 "Wellen" an Stoikern, aber soweit ich weiß nutzen die keine andere Grundlage.
Kenn aber auch nur grob Seneca und Marc Aurel. Hab für meine BA noch n paar andere durchgekaut, aber das ist bissle zu lange her. Aber der Gedanke: "Alles ist determiniert, also bringt es nix sich aufzuregen" liegt schon nahe.

Klar, kannst dir auch deine eigene Philosophie basteln, dann isses halt kein (klassischer) Stoizismus und Leute werden eventuell verwundert reagieren, wenn du den Begriff nutzt. Ich lass mich aber auch gerne belehren, wenn ich hier falsch liege, stecke da gerade nicht so tief drinnen. Wahrscheinlich endet der aktuelle Social-Media-Trend mit Stoa so, wie es für den Hedonismus ausgegangen ist und die Philosophie wird verzerrt bis ins Groteske (also das was wir heute unter dem Begriff im Alltag verstehen).

Zum Rest: Ja klingt gut. Ich habs grad richtig hart bei jemandem verschissen, durch Fehlverhalten meinerseits. Hab das jetzt rauf und runter analysiert und ich hätte es besser wissen können. Vielleicht fehlte die Übung, vielleicht generelle Unsicherheit, wahrscheinlich ist mein Kopf zu sehr in meinem eigenen Arsch (aka. ich bin zu sehr in meinen Gedanken und zu wenig in meinen Taten/meiner Umwelt). Das geht leider genau in die Kerbe, vor der ich Angst hatte, entsprechend scheiße gehts mir damit. Irgendwie fühlt sich "Ich hab was gelernt und machs ab jetzt anders" und einfach weiterleben nicht richtig an. "The more you suffer, the more it shows you really care" - Offspring. Ist natürlich bullshit und wahrscheinlich geistiges Erbe der Gnostiker, die den Neuplatonismus abgefuckt haben und das Christentum damit "bereichert". Man möchte eine Reinwaschung von seinen Sünden, Wiedergutmachung, Strafe oder so. Also möchte ich nicht, aber irgendwas in mir schon (und das klingt nicht gesund).

Mein Wert als Mensch bleibt unabhängig meines Verhaltens bestehen?
Was ist der Wert eines Menschen? Ist Hitler genau so viel Wert wie Ghandi?
"Immer wieder, wenn ich aus dem Leib aufwache in mich selbst, lasse ich das andere hinter mir und trete ein in mein Selbst; ich sehe eine wunderbar gewaltige Schönheit und [...] bin in eins mit dem Göttlichen" (Plot. IV.8.6)
Träumer



dabei seit 2023
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  Geschrieben: 20.04.24 06:44
Mit dem Verhalten meinte ich jetzt nicht Verbrechen. Der Vergleich ist sehr extrem und passt
nicht wirklich. Sondern ich meinte zwischenmenschliche Konflikte oder fehlende Kommunikation, blinde Flecken, suchtverhalten, Enttäuschung.
Also sollte ich meinen Wert als Mensch in Frage stellen, wenn ich fehlbar und menschlich bin? Ich denke nicht. Bei anderen Menschen fällt es mir nicht schwer Ihnen Fehler zuzugestehen. Ich halte es für ungesund und selbstzerstörerisch meinen Wert als Mensch davon abhängig zu machen.

Und danke nochmal für die Erklärung der philosophischen Richtung. Würde mir auch nicht anmaßen
mich als stoisch zu bezeichnen, zumal ich keine Ahnung davon habe. :D Stimmt, darüber habe ich vorhin gelesen im Zusammenhang mit stoikern, von einer festgelegten göttlichen Ordnung oder so.
Doch habe ich es so verstanden, dass diese Philosophie schon eine Aufforderung enthält einem Leidensdruck entgegen zu wirken, indem man reflektiert und sich bewusst macht, was verändert werden kann und was nicht. Aber wahrscheinlich ist es nur meine Empfindung und Suggestion dazu gewesen, da ich diesen Gedanken aus einer anderen Ecke kenne, in der sucht selbsthilfe bin ich drüber gestolpert.

 
Traumländer



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  Geschrieben: 20.04.24 06:46
@ 20fox

Hab net viel Zeit, muss gleich in die Arbeit. Nur so viel .... Wenn du erkannt hast, wer du wirklich bist, dann widerspricht es sich nicht, alles in "Gottes Hand" zu legen. Auch nicht darin, dass man doch selbst entscheiden kann als Mensch - zumindest tut man so. ;) Geh einfach mal davon aus, dass es keine Trennung gibt. Der Verstand alleine schafft das zwar nicht, doch dieser Ansatz von keiner Trennung kann dir eine Ahnung davon geben, wovon ich hier spreche.

Freut mich übrigens sehr, dass manche hier was anfangen können damit. ;) Mehr schreib ich vielleicht später mal dazu, wenn ich mir in Ruhe alles durchgelesen habe.

Greetz
Space is only noise if you can see, my friend!
Traumländer



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  Geschrieben: 22.04.24 01:25
zuletzt geändert: 22.04.24 16:22 durch Selbstausdruck (insgesamt 4 mal geändert)
Noch ein kurzes Video über Stoizismus


Hey Leute!

Wollte jetzt was zu dem schreiben, was hier so über Stoizismus geschrieben wurde. Erstmal muss ich dazu sagen, dass ich so gar keine Ahnung habe von diesem "Konzept", aber mir ging es ähnlich wie Pharmer, als ich das kurze Video sah. Es spricht mich total an und im Endeffekt lebe ich es auch schon lange so oder ähnlich. Deshalb war halt da sofort Resonanz in mir, als ich das sah ....

Vor allem deine Beiträge lassen mich irgendwie reagieren drauf, 20fox! Du scheinst da sehr viel theoretisches Wissen drüber zu haben, aber wie du schon selbst merkst, bringt dir das wohl nicht viel. Im Gegenteil vielleicht sogar, es scheint dich dran zu hindert, deinen Geist und dein Herz zu öffnen und offen zu halten.

Ich bin alles andere als ein Gelehrter/Gebildeter, aber das Leben liebe ich, denn es ist mir schon lange die beste Schule. Und je älter ich werde, umso weniger weiß ich. Das ist sehr befreiend ....

Wenn ich diese kurzen Videos über Stoizismus sehe, scheint es wohl eher darum zu gehen, was dadazero so schreibt. Der Mensch hört niemals auf zu wachsen, solange er eben Mensch ist. Was nicht beeinflusst werden kann, wird im besten Fall angenommen wie es ist. Was verändert werden kann (vor allem zu seinem eigenen Besten) wird dankbar empfangen und reflektiert und in Zukunft anders/besser gemacht. Für mich ist es so, dass das Leben mir sehr viele Möglichkeiten bietet, um zu wachsen als Mensch. Und irgendwie stellte sich mir nie die Frage, ob das nun hilfreich ist oder nicht und ich was tun soll oder nicht. Es passiert einfach - weil Wachstum etwas absolut Selbstverständliches ist!

Mein Freund hat mir schon vor vielen Jahren gesagt, dass wir uns von den Tieren einiges abschauen können. Denn sie nehmen stoisch an, was ist. Wenns z.B. dran ist zu sterben, verziehen sie sich in eine Ecke und lassen zu, was grad so passiert. Schaut euch im Vergleich dazu uns Menschen an .... Da ist der Kopf zu sehr im Arsch .... ;) Also die Gedanken kreisen um ein Thema, anstatt einfach wahrzunehmen was ist - was das Leben grad so durch einen lebt.

20fox schrieb:
Mein Wert als Mensch bleibt unabhängig meines Verhaltens bestehen?


Keine Ahnung, was diese Frage bedeuten soll? Deinen Wert als Mensch gibst du dir immer selbst. Wenn man seine Ansprüche an sich und das Leben runterschraubt, verkümmert man wohl immer mehr. Wenn man aber hohe Ansprüche an sich selbst und das Leben stellt, dann kann das Potential entstehen, um als Mensch zu wachsen.

Aus "absoluter" Sicht ist der Wert jedes Menschen, jedes Tiers, jeder Pflanze und allem was es sonst noch so gibt, genau derselbe. Es gibt keinen Unterschied/keine Trennung. Aus "relativer" Sicht kann man sich als Mensch alle möglichen Fragen stellen, sich selbst höher oder tiefer stellen, wissen was richtig oder falsch ist, gut oder schlecht sein soll. In diesem Fall ist der Wert des Menschen wohl doch abhängig von seinem Verhalten.

Und wenn es nun wirklich keine Trennung geben soll, dann sind beide Perspektiven (also die absolute und relative) gleich viel Wert - es ist dasselbe! Ausdruck des Lebens durch all diese Formen, die es so gibt. Wie oben schon erwähnt - das Absolute kann sich zwar erkennen, aber trotzdem nur durch dieses relative begrenzte Wesen, welches wir eben sind. Ist das nicht ein Wunder? Und ist es dann nicht das normalste der Welt, immer mehr und mehr zu wachsen als kleines Menschlein, solange dieser in mir vorhanden ist?

20fox schrieb:
Was ist der Wert eines Menschen? Ist Hitler genau so viel Wert wie Ghandi?


Diese Fragen beantworten sich von selbst aus der Antwort auf die erste Frage ....

Ich liebe es, immer stabiler und sicherer (und unzerstörbarer) durchs Leben zu laufen. Dies scheint wohl ein Prozess zu sein, den man durchlaufen darf als Mensch. Muss man nicht, kann man aber durchaus .... :) Statt mich klein zu machen, öffne ich mich dem Großen. Think big!

Greetz


Edit: Kurz mal Stoizismus gegoogelt und diesen wertvollen Text dazu gefunden. Es macht absolut Sinn, sich diesen bis zum Ende durchzulesen. Zumindest als Interessierter ....

Stoizismus, stoische Philosophie einfach erklärt


Edit2: Für diejenigen, die nicht so gerne lesen und sich lieber ein Video anschauen .... Das ist genau derselbe Inhalt, es sind dieselben Worte, wie in dem Text, den ich oben verlinkt habe.

Stoiszismus - einfach erklärt!

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Traumländer

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  Geschrieben: 23.04.24 09:06
....gestern erfahren, dass ich Opa werde... boa bin ich wirklich schon soo alt ?
 
Traumländer



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  Geschrieben: 23.04.24 16:58
Herzlichen Glückwunsch Andy

@Trin
Wie sollen wir uns laut der Stoa verhalten?
"According to your Soul" und "Tugendhaft", wobei das eine und das andere wahrscheinlich synonym gemeint sind.

Also hat Hitler seiner Seele entsprechend gehandelt?

Ein Zitat dass mir zu dem Thema noch aus einem tollen Hörbuch "Nordwasser" (Danke Bollo!!!!) einfällt:
"Erst passiert etwas...und dann passiert etwas anderes" (von einem Typen der wirklich grauenvolle taten vollzieht und sie stoisch erträgt)
"Immer wieder, wenn ich aus dem Leib aufwache in mich selbst, lasse ich das andere hinter mir und trete ein in mein Selbst; ich sehe eine wunderbar gewaltige Schönheit und [...] bin in eins mit dem Göttlichen" (Plot. IV.8.6)
Traumländer



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  Geschrieben: 24.04.24 13:01
Glückwunsch auch von mir, Andy I! Und ja, du bist wirklich schon so alt .... ;)

@ 20fox

Danke für die Literaturtipps im Stoizismus-Thread! Vielleicht werd ich mich mal etwas darin einlesen, aber weiß es jetzt selbst noch nicht, ob das jemals passieren wird ....

20fox schrieb:
Also hat Hitler seiner Seele entsprechend gehandelt?


Die Seele selbst ist schon ein Konzept. MMn ist das Leben einfach durch Hitler so passiert, wie es passiert ist. Und ja, da gibt es kein besser oder schlechter .... Das Leben spielt sich durch uns alle, genauso wie wir sind und wie wir konditioniert wurden im Leben.

20fox schrieb:
"Erst passiert etwas...und dann passiert etwas anderes"


Genau so! Wenn es keine Trennung gibt, gibt es auch keine Zeit. Es ist, was grad ist. Selbst durch einen Typen, der vermeintlich grausame Taten vollzogen hat. Die Bewertung kommt von uns selbst .... Wieso soll es nicht vermeintlich schöne und unschöne Dinge geben auf dieser Welt? Gesegnet sind die Menschen, die das erkannt haben und stoisch ertragen. Selbst, wenn sie vermeintlich unschöne Dinge getan haben ....

Das Schöne wird durch unsere Konditionierung und unseren Vorstellungen als schön "erkannt". Und umgekehrt auch das Unschöne. Wenn man diese Bewertungen seinerseits erkennt und einfach sein lässt wie sie sind, dann ist alles das was grad passiert Ausdruck des Lebens - genauso wie es grad passiert.

Mir ist klar, dass dies für den Verstand alleine nicht greifbar ist. Erst wenn Verstand und Herz im Einklang schwingen, wird alles einfach nur das, was grad ist. Das ist für den (trennenden) Verstand nicht nachvollziehbar. Denn dies ist einfach seine Natur .... Nämlich zu trennen und es versuchen irgendwie anders oder gar "besser" zu machen. Eben nicht zufrieden sein mit dem was ist und nicht im Einklang sein mit dem was grad ist. Doch fürs Herz gibt es kein besser oder schlechter und keine Trennung. Es ist das was ist .... Dafür ist ein gewisses Aufgeben (vom Verstand) notwendig ....

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Traumländer

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  Geschrieben: 25.04.24 07:37
Herzlichen Dank für die Glückwünsche ihr zwei !!!
 
Traumländer



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  Geschrieben: 25.04.24 09:19
Selbstausdruck schrieb:
Mir ist klar, dass dies für den Verstand alleine nicht greifbar ist. Erst wenn Verstand und Herz im Einklang schwingen, wird alles einfach nur das, was grad ist. Das ist für den (trennenden) Verstand nicht nachvollziehbar. Denn dies ist einfach seine Natur .... Nämlich zu trennen und es versuchen irgendwie anders oder gar "besser" zu machen. Eben nicht zufrieden sein mit dem was ist und nicht im Einklang sein mit dem was grad ist. Doch fürs Herz gibt es kein besser oder schlechter und keine Trennung. Es ist das was ist .... Dafür ist ein gewisses Aufgeben (vom Verstand) notwendig ....

Erstmal ein großes Danke für den massiven und richtig guten Input, den Du hier in letzter Zeit gibst (was nicht bedeuten sollst, dass er vorher nicht gut war ;)

Diese Hingabe an das was ist, ist meinem Verständnis nach, die Kern-Lehre vieler spiritueller Lehrer. Vom Verständnis her ist es für mich kurioserweise genau umgekehrt: Verstandesgemäß erscheint es mir komplett logisch - ich habe das Problem, dass mein Herz sich dagegen sträubt.

Der Verstand sagt:
Die Handlungen anderer Menschen kann ich nicht kontrollieren. Die äußeren Einflüsse kann ich nicht beeinflussen (von Regen/Sonne bis zu Katastrophen). Ich kann als einziges meinen inneren Zustand (liebevoll) kontrollieren (indem ich mich selbst annehme, so wie ich im Kern bin und lerne mich selbst zu lieben).

Sich innerlich gegen Gegebenheiten zu sträuben, die ich nicht ändern kann führt nur zu Negativität, die meinen inneren Raum vergiftet. ("Oh nein es regnet, obwohl ich lieber Sonnenschein hätte - jetzt geht's mir schlecht.") Das erscheint mir, als ob ich gegen eine Wand renne, dann sage: "Ich will aber nicht, dass mir da eine Wand im Weg steht." - und dann immer wieder gegen die selbe Wand renne. Dann liefert man sich seinem falschen Selbst(bild)/Ego hilflos aus und labt sich in der Opferrolle (diese Scheiss-Wand ist daran schuld, dass ich ne blutige Nase habe).

Mein Verstand begreift, dass ein Nicht-Annehmen der Gegebenheiten (die ich nicht ändern kann) im Prinzip bedeutet Wahnsinnig zu sein.

Dazu kommt noch, dass man ja gar nicht in der Lage ist, das "Schicksal/Leben/Chaos" sinnvoll in "gut" und "schlecht" zu klassifizieren. Z.B.: Ich hab mich letztens nachts kurz verfahren und war genervt, weil ich unbedingt nach Hause wollte. Dann komme ich noch in einen Stau auf der Autobahn. Aber letztlich sehe ich, dass sich kurz vor mir ein furchtbarer Unfall ereignet hat, vor dem ich vielleicht bewahrt wurde, weil ich mich kurz verfahren hatte. Da dreht sich die Gut/Sclecht-Münze mal ganz fix um 180 Grad.

Kommen wir zum Herzen:
Obwohl mir das alles klar ist, habe ich oft das Problem, vermeintlich "schlechte" Gegebenheiten schwer annehmen zu können, weil mein Herz dabei schmerzt (in erster Linie wenn andere Menschen sich für mein Empfinden "herzlos" verhalten). Ich habe über viele Jahre für mich durch äußeres Feedback herausgefunden, dass ich scheinbar besonders empathisch bin. Dadurch habe ich verstanden, warum mir manche Dinge scheinbar mehr "zu Herzen gehen" als anderen. Trotzdem spüre ich halt schnell den Schmerz, den andere sich gegenseitig zufügen, und will instinktiv intervenieren. Ich versuche auch hier zu akzeptieren, dass das außerhalb meines (sehr kleinen) inneren Kreises nicht in meiner Macht liegt. Es fällt mir manchmal noch schwer in diesem Bereich Hingabe zu üben - da hilft mir halt mein Verstand nur teilweise weiter.

Das mal so als subjektives Feedback zu dem Thema.

Magst Du nochmal beschreiben, wie Du mit dem Herzen Gegebenheiten annimmst, die sich instinktiv nicht gut anfühlen.


P.S.: Ebenfalls Glückwunsch, Andy. Bin auch schon dreifacher Großvater und fühle mich dadurch kein Stück älter. Der Geist altert halt nicht wie der Körper. Genieß den kleinen Scheisser, da kann man noch/wieder viel lernen!
 
Traumländer



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  Geschrieben: 27.04.24 06:41
Hey Astronautilus!

Ich werd gerne versuchen dir drauf zu antworten, hab aber in den nächsten Tagen keine Zeit dafür. Müsstest dich also etwas gedulden ....

Erkenntnis: Strom ist soooo fucking teuer!
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Traumländer

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  Geschrieben: 28.04.24 11:13
..... in Frankfurt ist Cannabismesse und keiner geht hin !!
 
Traumländer



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  Geschrieben: 28.04.24 14:21
Ich schreib mein Anliegen mal hier rein, weil ich denke, die meisten Leute hier im LdT lesen diesen Thread auch ....

Hab vor einigen Tagen mal meinen Spam-Ordner gelöscht, eins nach dem anderen, und als ich das letzte Mail löschte, sah ich im Augenwinkel noch, dass der Betreff "trinity" war. Und da wars auch schon weg ....

Dachte mir danach, dass mir vielleicht jemand von hier ein Mail geschickt hat, denn es wär schon ein großer Zufall gewesen, wenn irgendein Spam-Mail diesen Betreff gehabt hätte. Und da ich nicht möchte, dass jemand denkt, ich "ghoste" ihn (und auch neugierig bin ^^), schreib ich das halt hier noch mal rein. Also, sollte sich jemand angesprochen fühlen, dann nix für ungut und bitte noch mal schreiben, wenn es demjenigen ein Anliegen war. Wenn nicht, dann auch gut ....

Hab in den nexten Tagen keine Zeit zu antworten, aber irgendwann Ende nächster Woche sollte es sich ausgehen, denk ich.

Ansonsten wünsch ich noch einen fröhlichen Tag an alle hier und haut rein! mrgreen

Greetz
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Traumländer



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  Geschrieben: 10.05.24 16:50
Astronautilus schrieb:
Magst Du nochmal beschreiben, wie Du mit dem Herzen Gegebenheiten annimmst, die sich instinktiv nicht gut anfühlen.


Servus Astronautilus!

Spät - aber doch - möchte ich versuchen dir zu beschreiben, wie ich es hier wahrnehme. Nichts anderes kann ich darüber schreiben. Und dazu kommt dooferweise auch noch, dass es kein Patentrezept dafür gibt sein Herz/sein System "zu öffnen" und im Einklang zu sein mit dem was ist.

Ich weiß irgendwie gar nicht, wie ich anfangen soll, obwohl ich mir schon Gedanken darüber gemacht habe. ^^ Du nimmst gerne das Wort Hingabe in den Mund und dieses Wort mag ich sehr gerne. Für mich bedeutet Hingabe Vertrauen und Selbstliebe - in das was ist ....

Der Verstand ist sehr geschickt und kann echt viel begreifen. Aber halt nicht alles .... Zu verstehen, dass einem dieses besser und jenes schlechter tut, ist nicht all zu schwer. Zu versuchen, sich das Leben so zu richten, dass vermehrt nur vermeintlich gute Sachen passieren im Leben, ist auch gut möglich. Doch was, wenn das Leben auf einmal doch ganz anders läuft als geplant und der Verstand keine Lösung mehr hat? Sich an nix mehr festhalten kann und nicht mehr weiß wohin? Tja, genau da wird es spannend .... Find ich zumindest .... ;)

Das Herz ist für mich da, wo es keine Ablehnung/keinen Widerstand mehr gibt. Ab da kann der Verstand eigentlich schon gar nicht mehr mit. ^^ Versuch einfach mal selbst nachzufühlen was passiert, wenn Widerstand da ist .... Bei mir ist es so, dass sich irgendwo was zusammen zieht, sich blockiert, irgendwie dagegen wehrt .... Dann kann es passieren, dass ich mich drauf konzentriere und Widerstand gegen den Widerstand habe. Das hilft aber auch nix .... ^^ Oder ich erinnere mich daran, wer oder was ich wirklich bin (oder eben nicht) und spüre diesen Widerstand einfach, der da grad auftaucht. Ganz ohne Widerstand gegen den Widerstand .... In dem Bewusstsein und Erleben, dass ich all das bin, was ist. So ganz ohne Trennung ....

Du schreibst ja auch, dass du sehr empathisch bist und dir manche Dinge zu Herzen gehen, die sich andere Menschen gegenseitig antun. Ich kenn das selber auch sehr gut und kann das gut nachvollziehen. Das gehört einfach dazu zu unserem "System" und ist weder gut noch schlecht. Ist halt ein Ausdruck des "Lebens" durch uns als Form, die sich ausdrückt, wie sie es tut.

Früher hat das oft Wut und viel Unverständnis in mir hervorgerufen, besonders, wenn Tieren Leid zugefügt wurde. Aber natürlich auch bei meinen Mitmenschen .... Heutzutage ist es eher so, dass wahrgenommen wird was ist, ohne eine Trennung zu sehen, sondern alles als Ausdruck dessen was ist wahrzunehmen. Mit all den Gefühlen die dann auftauchen .... Sie nicht weg haben wollen (das könnte sich ausdrücken als einem "zu Herzen gehen"), sondern zu erkennen, dass jeder Widerstand der in einem auftaucht, eine Blockade ist, dies nicht so haben zu wollen, wie es gerade ist. Man könnte im Umkehrschluss sagen, dass da absolute Offenheit ist, was gleichzeitig bedeutet, sich absolut verletzlich zu machen. Und dies alles wahrzunehmen als das was ist ....

Hmmmm, dieses Thema ist so komplex, dass es einfach nicht wirklich verständlich beschrieben werden kann. Jede Benennung ist schon zu viel .... Und trotzdem auch schon das .... Der Verstand steigt da irgendwann aus .... Und irgendwas öffnet sich dabei immer mehr ....

Ich schau mir mittlerweile öfter so kurze Videos an über Tiere, die gerettet werden - aus den verschiedensten Gründen. Früher hätte ich mir das nicht anschauen können, ohne dass sich einiges in mir zusammen zog und ich übelst mitlitt mit diesen Wesen. Mittlerweile ist es meistens jedoch anders .... Ich nehme wahr, was so passiert in diesen Videos und bewerte dabei nichts mehr als gut oder schlecht, richtig oder falsch. Dadurch ist da eine Offenheit, die mich all das absolut unmittelbar wahrnehmen lässt (mit all den angenehmen oder unangenehmen Gefühlen) und mit dem nächsten Augenblick auch schon wieder vorbei sind. Dadurch wird es zwar extrem intensiv wahrgenommen, aber ist auch im nächsten Moment wieder verschwunden.

Man könnte das alles weiter aufdröseln und in Richtung Chakren/Energiezentren gehen oder vielleicht auch in Richtung Bewusstsein/Liebe oder was auch immer es sonst noch so für Konzepte gibt. Jeder Mensch/Verstand interpretiert Erlebtes anders und daraus entstehen dann diese verschiedenen Konzepte. Es hört wohl erst dann auf, wenn das was man ist, sich durch diese unsere vermeintlich getrennte Form selbst erkannt hat. Und dann erkannt wird, dass es immer schon so war .... Und immer so sein wird .... Und auch das ist schon zu viel, denn Zeit wird auch durchschaut und Raum ist auch nur eine Vorstellung. Und trotzdem geht alles weiter wie gewohnt .... Und es hört nicht auf sich täglich aufs Neue zu erleben .... Mit all dem, was das Leben so bietet .... Wie es grad ist ....

Weißt, Astronautilus, ich glaub fast, ich konnte dir auf deinen Beitrag nicht ganz so antworten, wie ich es wollte .... Aber macht nix, denn Selbstliebe bedeutet sich selbst zu vertrauen und im Einklang mit sich selbst (also mit dem was ist) zu sein. Egal wie es sich grad ausdrückt .... Und außerdem schreib ich das eh nur für mich (selbst) .... :)

Ich habs irgendwo in letzter Zeit mal geschrieben .... Bei mir gibts zwei Dinge zu realisieren und diese auch immer tiefer zu integrieren im Leben. Und das mit immer mehr Neugier und dabei zu schauen, wieviel Freude ich aushalten kann und wieviel Leid und andere Gefühle ich aushalten und durchleben kann.

Ersteres ist zu erkennen, was man ist .... Ich nehms mal vorweg: Es bleibt nichts übrig, wenn ganz genau geschaut wird. ^^ Das ist einerseits total unspektakulär, weil ja niemand mehr übrig bleibt, der dies erkennt. Es erkennt sich ja genau das was man ist sich selbst, weil (fast) nichts mehr übrig blieb. Andererseits sieht man die ganze Welt mit anderen Augen. Es gibt keine Trennung mehr, man erkennt sich selbst in allem. Das alles passiert aber wohl nur selten auf einmal und alles ist mit einem Knall für immer durchschaut. Das passiert, wie es passiert und hört wohl nie auf, solange man auch als Mensch auf dieser Welt wandelt. Und das macht das alles so spannend und aufregend .... Hab mal gelesen, dass der Weg der Selbsterforschung "die letzte Heldenreise" sein soll. Klingt romantisch, aber spricht mich auch total an. Als Held hat man alles im Außen "erobert", danach alles im Inneren und trotzdem fühlt sich alles fahl und unerfüllt an. Und dann wird immer mehr erkannt, wo bei einem Selbst die ganzen Blockaden sind, die aufgelöst werden wollen. Meine Blockaden sind nicht deine Blockaden und mein Weg ist nicht dein Weg. Diese letzte Heldenreise ist deshalb soooo spannend, weil sie so individuell ist und man lernt sich selbst immer mehr zu vertrauen und sich selbst dabei so ungefiltert wie möglich zum Ausdruck bringen. Alle persönlichen Vorstellungen, Glaubenssätze, Konzepte, etc. werden immer mehr durchschaut und übrig bleibt nichts ....

Zweiteres ist, sich selbst zu lieben wie man ist .... Sich selbst zu vertrauen und zu respektieren wie man ist .... Egal ob man mal wütend oder liebevoll ist, traurig oder voller Freude. Keine Situation mehr zu bewerten .... Sondern das raus zu lassen, was grad so durch einem raus möchte - so authentisch und offen wie möglich. Je mehr man sich selbst liebt und vertraut, umso mehr steht man auch zu sich selbst. Sich selbst zu lieben bedeutet nicht, nur immer lieb und nett zu sein. Sondern auch mal wütend oder ungeduldig zu werden, wenn es angebracht ist und raus möchte. Im Einklang zu sein, mit dem was ist .... Ob im Innen oder Außen .... Dadurch hebt sich die Trennung auf und es gibt vielleicht mal gar kein Innen und Außen mehr. Sondern nur noch das was ist ....

Ersteres und Zweiteres ergänzen sich irgendwie und dieser Prozess ist bei jedem Individuum anders. Je mehr "Bewusstsein" und "Herz" sich annähern und verbinden, umso weniger bleibt übrig von der Person. Trotzdem ist dieses begrenzte Wesen "Selbstausdruck" immer noch da und es wird sich dadurch erfahren. Ist irgendwie schon komisch und irgendwie auch absolut crazy, dieser kosmische Joke. ;)

Was ich wohl damit sagen möchte, Astronautilus .... Vertrau einfach dir selbst .... Egal in welcher Hinsicht .... Hab Freude dran rauszufinden, wie du immer mehr und mehr diverse Gegebenheiten annehmen kannst, die sich für dich nicht gut anfühlen. Setz dich ihnen aus, wenns sein soll und schau was so passiert. Lass alles so sein wie es ist .... Und spiel einfach mit .... Das bedeutet es für mich, mir selbst und dem Leben zu vertrauen. Ich hab so viel Vertrauen in mich und das Leben, dass ich weiß und spüre, alles ist gut wie es ist. Auch wenn es sich grad nicht so anfühlt. Immer noch ging alles gut im Leben und immer noch lebe ich .... Und wachse ich .... Und dehne mich aus .... Und passiert das, was durch mich passiert .... Und durch alles andere ....

Sorry, hab heute keinen guten Tag und schaff es wohl nur schwerlich, es auf den Punkt zu bringen. ;) Aber es sei mir verziehen, denn ich hatte meine Freude dran, all das hier zu schreiben und raus zu lassen. Dem einen mag es auch etwas Freude bereiten, dem anderen eher weniger, aber sei es drum - thats life! mrgreen

Alles Liebe, Astronautilus, und an all die anderen: Haut rein, Leute! headbanging






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Traumländer



dabei seit 2017
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  Geschrieben: 11.05.24 12:09
Lieber Selbstausdruck,

vielen, vielen Dank für Deine ausführliche Antwort, mit der ich gerade seeeehr viel anfangen kann!

Mir geht dazu spontan ganz viel durch den Kopf, da es genau da andockt, wo sich gerade etwas in mir weiterentwickelt. Witzigerweise habe ich in den letzten Tagen praktische Erfahrungen machen dürfen, zu denen Dein Input passt wie die Faust aufs Auge :)

Ich lasse das alles mal ein wenig sacken und gebe Dir dann Feedback (habe die Tage gerade noch Besuch - daher nur eine schnelle Kurz-Antwort).

Ganz liebe Grüße,
A.
 

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