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Langzeit-Berichte lesen

Übersicht:

Titel:Vielleicht fühlst du dich ja genauso?
Droge:Cannabis
Autor:anonym
Datum:25.01.2017 23:46
Nützlichkeit:8,32 von 10 möglichen   (19 Stimmen abgegeben)

Bericht::

Hallo liebes LdT, hallo liebe/r Leser/in,



im Folgenden schildere ich einen Langzeitbericht meines Cannabiskonsums von über fünf Jahren. Ich habe mich entschlossen diesen zu schreiben, da es mir momentan psychisch überhaupt nicht gut geht und ich es auch wie eine Art Selbstreflexion und Selbsttherapie betrachte. Ich würde mich freuen, wenn du jetzt schon interessiert bist. Ich werde am Ende meinen momentanen psychischen Zustand erläutern und würde mich wirklich freuen, eure Meinung zu lesen, vielleicht kann mir der ein oder andere ja helfen…

Erst mal zu mir: Ich bin männlich, 25 und befinde mich am Ende meines Bachelorstudiums. Ich habe einen relativ durchschnittlichen Körperbau und betreibe (zurzeit leider nicht) Sport.



Prolog

Ich war seit ich denken kann eigentlich immer jemand der extrem extrovertiert war, einige meinten ich hätte ADHS. Ich hätte nie gedacht, dass sich das mal ändern wird. Mit Cannabis hatte ich im Alter zwischen 16-19 gelegentlich Erfahrung machen dürfen, kam damals aber auf die Wirkung nicht so klar und bevorzugte lieber Alkohol. Insgesamt war ich immer sehr nachdenklich und seit der Pubertät depressiv, ging im Alter von 18 Jahren ein Jahr in die Psychotherapie, die mir „gut getan hat“.



2012

Ich absolvierte mein Abitur und zog mit meiner damaligen Freundin in eine größere Stadt zum Studieren. In der Zeit beschränkte sich mein Konsum ausschließlich auf das Wochenende. Zu dem Zeitpunkt war die Wirkung von Cannabis auch noch so wie „sie sein sollte“. Lachkicks, Fressflashs, skurrile Ideen etc. . Meine damalige Freundin und ich kifften gerne, haben aber unser Studium sowie den Haushalt relativ gut unter Kontrolle gehabt. Ich habe gemerkt, dass das Studium was ich angefangen wirklich nichts für mich war und entschied mich das Semester zuhause zu verbringen und im nächsten Semester den Studiengang zu wechseln. Ab diesem Zeitpunkt fing mein Cannabiskonsum an routinierter zu werden, mehrmals die Woche. Ich kam zu diesem Zeitpunkt aber immer noch klar und merkte gar nichts von irgendwelchen negativen Nebenwirkungen.



2013

Ich fing im Sommersemester ein neues Studium an und fand schnell gute Freunde, mit denen ich die ganze Zeit auch rumgehangen habe. Typische Studentenparties. Es war cool, denn man konnte kiffen oder saufen und die Welt schien zu dem Zeitpunkt auch noch völlig in Ordnung zu sein. Jedoch fingen meine Probleme mit meiner damaligen Freundin an und wir haben uns immer weniger verstanden. Die Streits wurden immer heftiger, so stieg auch mein Konsum. Irgendwann kiffte ich jeden Abend alleine im Wohnzimmer (wo ich auch monatelang geschlafen habe), zockte was oder hing im Internet rum, während sie im Schlafzimmer war. Es war eine derart unangenehme Situation in der Wohnung und zwischen uns beiden. Es belastete mich immer mehr und wenn ich mich recht daran erinnere, dann war es Herbst 2013 als es mit dem Konsum so richtig losging. Wir warteten beide darauf bis unsere Kündigungsfrist abgelaufen ist und wir ausziehen konnten da es einfach nicht mehr funktioniert hat. Anfang 2014 zogen wir aus. Ich hatte meine erste eigene Wohnung für mich alleine.





2014

Ich hatte meine erste eigene Wohnung und eine nie davor geahnte Freiheit. Eltern waren in einer anderen Stadt weit, weit weg. Sie musste ich auch nicht mehr sehen. Ich habe es geliebt, auch wenn ich zunehmend einsamer wurde. Ich kiffte die ersten Wochen jeden Tag, von früh bis abends. Ich habe gezockt, ich habe gechillt ich habe meine Wohnung nicht verlassen. In der Zeit hatte ich wieder Kontakt zu meinen früheren Schulkameraden gefunden und traf mich in meiner Heimatstadt an den Wochenenden mit ihnen. Dort wurde auch viel geraucht. So war ich in der Woche am Studieren und am Wochenende bei meinen Freunden. Finanziell hat mich mein Konsum in der Zeit nicht eingeschränkt. Nach einigen Monaten habe ich jedoch merken müssen, dass einiges nicht mehr so war wie vorher. Ich bin ängstlicher, einsamer, paranoider geworden und zunehmend nicht mehr so Selbstbewusst wie vor zwei Jahren. Ich hatte teilweise Probleme gehabt, vernünftig in der Öffentlichkeit zu sprechen. Ich habe gestammelt oder gestottert, weil mir einfach die Worte fehlten. Ich wollte nicht aus meiner Wohnung raus, da ich so viel Angst vor der „Welt da draussen“ bekommen habe. Ich habe teilweise für 3-4 Tage eingekauft und habe die Wohnung 3-4 Tage nicht verlassen, gekifft, gezockt oder bei 4chan meine Zeit verschwendet. Alles was ich brauchte hatte ich da. In der Zeit habe ich auch ein Mädchen kennengelernt die dann auch meine Freundin wurde. Ich war so heftig in dieses Mädchen verliebt. Als wir zusammen gekommen sind habe ich die ersten Wochen wenn wir Zeit verbracht haben auch nicht gekifft. Ich hatte einfach gar kein Verlangen danach. Wir haben uns gut verstanden und eine schöne Zeit verbracht – bis sie schließlich in die USA geflogen ist für ein Auslandssemester. Ich war am Boden zerstört, obwohl ich wusste worauf ich mich da eingelassen habe. Ich habe mich zunehmend wieder isoliert und gekifft. Da war es wieder, dieses Gefühl von Paranoia, Unsicherheit, Angst. Ich habe im selben Jahr einen Job in der Gastronomie gefunden, bei dem ich mich auch richtig kaputtgearbeitet habe. Teilweise bis spät in die Nacht. Meine Arbeitskollegen und ich haben nach den Schichten auch gerne gekifft, es war wie ein Ritual. Ich habe angefangen Geld zu sparen um sie in den USA besuchen zu können. Monatelange Arbeit, nebenher Studium, nachts Skypen (und streiten wegen Eifersucht), kiffen. Schien mir ein nicht-endender Teufelskreis zu sein. In dieser Zeit hatte ich bis auch meine Freunde in meiner Heimatstadt, mit niemanden was in meiner Studienstadt zu tun. Schließlich flog ich für 3 Wochen in die USA und besuchte meine Freundin. Sie kam gegen Ende des Jahres zurück.



2015

Der Teufelskreis schloss sich mit ihrer Rückkehr leider nicht. Ich kiffte weiter und mehr als sonst. Ich weiß nicht was für den ein oder anderen „viel kiffen“ bedeutet, aber bis zu 1g am ging schon drauf. Und ich rede nicht von Stanni-Zeug, sondern von qualitativ sehr hochwertigen und starken Cannabis. Ich habe angefangen mein Studium zu vernachlässigen, genauer gesagt habe ich es schon 2014 angefangen zu vernachlässigen, 2015 leider noch mehr. Mit meiner Freundin lief es ganz okay. Sie hat meinen Konsum nie gut gefunden, tolerierte ihn aber. Gelegentlich sprach sie mich auch darauf an ob ich nicht irgendwann aufhören möchte. Ich konnte und wollte nicht. So ging es das ganze Jahr über aus weiter. Halbherzig studiert, Nachtschichten gearbeitet, isoliert. Ich hatte in meiner Studienstadt eigentlich auch nur mit meiner Freundin viel Zeit verbracht. Ich ging fast nie auf irgendwelche Parties mit, obwohl sie es so gern wollte. Ich wollte zuhause sein und kiffen. Eines Tages musste ich in einem Seminar ein Referat halten, eigentlich nur einen Text auf Englisch vorlesen. Nach den ersten Sätzen wurde mir sehr schlecht. Ich habe einen trockenen Mund bekommen, am ganzen Körper gezittert und habe kein Wort rausbekommen. Ich lief blass an und musste mich setzen da ich nicht mal auf die Frage des Dozenten ob alles in Ordnung sei antworten konnte. Die nächsten 70min waren der blanke Horror für mich. Nicht nur, dass die ganze Aktion mega peinlich war, mir wurde nicht besser. Aufstehen und gehen konnte ich nicht, bzw. habe ich mich das nicht getraut. Ich weiß nicht ob das eine Panikattacke war aber ich glaube schon. Wahrscheinlich wegen dem Kiffen, aber aufgehalten hat mich das nicht. Ich kiffte jeden Abend weiter. Meine größte Angst vor dem Aufhören war, dass ich nicht einschlafen konnte. Geträumt habe ich auch schon lange nicht mehr und wenn, dann nur, wenn ich morgens nicht aus dem Bett kam und (ernüchtert) wieder eingeschlafen bin. Es ist wirklich sehr schwer, da ich mich so sehr an stoned-einschlafen gewöhnt habe. Das Jahr verlief weiter ganz normal, wie immer.



Rückwirkend kann ich die letzten 3 Jahre mit diesem Lied beschreiben: https://www.youtube.com/watch?v=_-GNLoTppTA



„mir ist bewusst, ich neige zur Sucht, aber muss ich alles kontrollieren, selbst Kontrollverlust?“



2016

Im Studium ging es halbherzig auch im neuen Jahr weiter, aber ich kam langsam voran. Mit meiner Freundin wurde es zunehmend komplizierter da wir uns irgendwie nicht mehr verstanden, geliebt haben wir uns trotzdem noch. Gekifft, habe ich weiterhin jeden Tag. Im Prinzip auch kein Unterschied zum letzten Jahr. Ich kam auch in diesem Jahr nicht aus meiner Isolation raus, ich ging immer noch auf keine Parties und saß entweder alleine zuhause und kiffte oder ich war bekifft bei meiner Freundin. Im Herbst flog ich mit meinen Eltern in meine alte Heimat, weit weg von Europa. Eine andere Welt, in der Kiffen ein absolutes Tabu ist. Ich war nach fast 20 Jahren das erste Mal wieder dort wo ich geboren wurde. Es war der Wahnsinn. Kiffen konnte und wollte ich dort nicht, erstens weil ich dort die ganze Zeit mit meiner Familie war und zweitens hätte ich es nicht riskieren können dort von den Bullen erwischt zu werden, zu dem es auch einfach gefährlich wäre was zu besorgen, da es entweder gestrecke Scheisse wäre oder man einfach brutal abgezogen werden würde. Ich war einen Monat dort, und habe einen Monat nicht gekifft. Die ersten 2-3 Tage waren abends beim Einschlafen kritisch aber machbar. Ich hatte auch kein heftiges Verlangen gehabt, denn das wollte ich mir nüchtern geben. Als ich wiederkam machte meine Freundin unerwartet mit mir Schluss, aber ich fing nicht deswegen mit dem Kiffen „wieder“ an. Ich glaube mittlerweile, dass es eine Art strukturelle Abhängigkeit ist, das trostlose Leben was ich in Deutschland führe, denn auch wenn ich auch mal eine Woche oder so im Urlaub war, wollte ich nicht Kiffen. Sobald ich wieder zuhause war ging es aber sofort wieder los. Ich konnte mich nicht in Griff kriegen. Mein psychischer Zustand verschlechterte sich nach meiner Rückkehr aus der alten Heimat jedoch drastisch. Dazu unten mehr.



Und 2017?

Sitze ich fast am Ende meines Bachelorstudiums. Ich kiffte auch weiterhin jeden Abend. Doch irgendwas ist seit 2-3 Monaten anders. Wenn ich nachts alleine stoned im Bett liege und einschlafen will, plagen mich so viele negative Gedanken. Paranoia die teilweise in leichten Schweissausbrüchen kommt. Ich denke über den gesamten Tag oder die letzte Zeit nach, was ich mit wem gesprochen habe, mich plagen Gedanken ob ich irgendwas zu irgendwem falsches gesagt habe und ob diese Menschen nun mich scheisse finden oder über mich lästern. Ich bin so paranoid, dass ich auch bei Facebook nichts mehr schreiben möchte (also Postings oder Kommentare), aus Angst bloßgestellt zu werden. Ich bin so dermaßen am Nachdenken was ich alles falsch gemacht habe/mache und male mir die schlimmsten Szenarien aus was passieren kann, die mich teilweise in Tränen versetzen. Ich bin auch extrem unsicher geworden was Frauen ansprechen bedeutet, ich habe einfach Angst mich zu blamieren, egal ob zwischenmenschlich oder im Bett oder sonst wie. Ich kann nicht mehr, ich bin psychisch am Ende (wenn ich gekifft habe). Meine Depressionen werden mit jedem Abend schlimmer. Ich esse auch sehr unregelmäßig und sehr wenig. Ich komme nicht mal annährend an die 2000kcal/Tag ran. Ich habe einfach keinen Appetit, wenn ich tagelang Abends jeweils gekifft habe, und wenn ich was esse, dann sehr ungesundes Essen, Süßigkeiten, Kaffee.



Epilog



Nun sind es schon 48 Stunden die ich nicht gekifft habe. Ich habe gestern Nacht erst sehr spät einschlafen können und habe den halben Tag verpennt. Heute ist die zweite Nacht in der ich nüchtern einschlafen werde.

Ich bin mir schon ziemlich sicher, dass es ich meinen jetzigen Zustand auf das Kiffen zurückführen kann. Ich wüsste nicht woran es sonst liegen sollte. Ich werde mich jetzt bemühen müssen, das Kiffen vorerst sein zu lassen und ein nüchternes Leben versuchen zu führen.

Wenn dir der Langzeitbericht gefallen hat, würde ich mich wirklich sehr freuen, wenn du mir deine Gedanken dazu schreiben oder einen Tipp/Rat geben könntest. Vielleicht fühlst du dich ja genauso?



Danke fürs Lesen!






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