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Langzeit-Berichte lesen

Übersicht:

Titel:Morphin Diary
Droge:Opium
Autor:schlafmohntee
Datum:14.09.2020 23:44
Nützlichkeit:8,67 von 10 möglichen   (6 Stimmen abgegeben)

Bericht::

Substitutionstagebuch



Eigentlich wollte ich diesen Langzeitbericht schon vor Wochen starten aber da ich jetzt erst die Motivation dafür gefunden habe und es heißt doch besser spät als nie werde ich ab heute damit beginnen mein Leben in der Substitution zu dokumentieren. Vor circa 4 Wochen habe ich meine erste Dosis Buprenorphin ganz legal vom Arzt bekommen was mich jedes mal aufs neue fasziniert das ich meine "Droge" jetzt auf Rezept bekomme. Das Wort Droge steht in Anführungszeichen da ich kein großer Fan dieses Wortes bin und psychoaktive Substanz bevorzuge. Da das jetzt allerdings schon etwas eher ist wird es dauern bis ihr aktuelle Berichte zu lesen bekommt da ich natürlich auch gerne erzählen möchte wie es mir ergangen ist bevor ich ins Programm gegangen bin und natürlich auch was in der Zeit passiert ist seit ich substituiert bin und wie es mir ergangen ist. Aber keine Sorge wenn es so läuft wie ich es mir vorstelle werdet ihr mehr als genug Lesestoff bekommen.



Der erste Schritt:



Mit dem Gedanken mich substituieren zulassen habe ich schon länger gespielt da meine Opioidabhängigkeit mir mittlerweile weitaus mehr Probleme bereitet hat als das sie mir geholfen hat. Wie die meisten hier wissen war mein Mittel der Wahl Schlafmohn, ich hab auch gerne O-DSMT konsumiert was aber auf Dauer alles andere als bezahlbar gewesen wäre und eben alle möglichen anderen Opioide die mir in die Finger gekommen sind. Da meine Toleranz allerdings immer weiter anstieg weil ich durch Dosiserhöhungen eine Wirkung gejagt habe die ich niemals hätte bekommen können, ich Unmengen an Geld für beispielsweise Oxycodon ausgab nur um dann feststellen zu müssen das ich damit gerade mal meinen Affen killen kann, meine Libido quasi nicht mehr vorhanden war, meine Frau am verzweifeln war, ich mich komplett Antriebs und emotionslos fühlte & alle 2-4 Wochen für ein paar Tage entzügig war weil es einen Engpass gab wusste ich es konnte so nicht mehr weitergehen und es muss eine Veränderung her.

Wie durch einen Zufall hatte ich dann ein Gespräch mit einem User aus einem anderen Forum, welchen ich über die Jahre wirklich sehr lieb gewonnen habe, als ich mal wieder entzügig war welcher mir dann den letzten Stupser gab der gefehlt hatte das ich mich darum kümmere einen Substitutionsplatz zubekommen.



Der Plan stand also und ich war was für mich doch eher ungewöhnlich ist sehr motiviert und wollte das durch zuziehe. Also habe ich mir die Nummern der Drogenhilfe meiner Stadt und der in der nächstliegenden Stadt besorgt und dort angerufen. Ich war erstaunt wie freundlich die erste Dame war die ich angerufen hatte und zwar war das die Drogenhilfe in der nächstliegenden Stadt und ebenfalls erstaunte es mich das es dort ganze 4 mögliche Stellen gab wo man sich substituieren lassen kann.

Die Person am Telefon meiner Stadt die ich als nächstes anrief war nicht ganz so freundlich und konnte mir auch nur einen Arzt nennen hier in meiner Stadt der Substitutionsbehandlung anbot.

Nach den beiden Telefonaten war ich ziemlich happy das ich jetzt eine Liste mit 5 möglichen Substiärzten habe und nur noch einen nach dem anderen anrufen musste was ich auch direkt tat. Ich kann mich erinnern das einige nicht erreichbar waren aber ich hatte dann doch Glück und konnte mit einer Arztpraxis aus der nächsten Stadt sprechen die mir auch direkt am nächsten Tag einen Termin gaben um mich vorzustellen und zwar um 10 Uhr Morgens. In meinem Eifer habe ich direkt zugesagt hatte allerdings nicht ganz bedacht das ich schon über einen Tag wach war, ziemlich unterwegs war auf 2-FMA und die nächsten Stunden an Schlaf nicht zudenken war. Und was ist passiert? Ich hab den ganzen restlichen Nachmittag und Abend munter weiter gezogen und mich Abends dann mit 5mg Clonazepam ausgeknockt der festen Überzeugung das ich Morgen gegen 8 Uhr aufstehe und mich auf den Weg zum Bahnhof mache. Natürlich hat das nicht geklappt und ich bin Mittags irgendwann aufgewacht natürlich noch ziemlich verklatscht und war verdammt enttäuscht das ich es nicht zu dem Termin geschafft habe.

Aber wie heißt es so schön? Aufstehen, Krone richten und weitermachen!

Also hab ich es einfach weiter probiert bei den anderen 4 Ärzten die noch übrig waren und siehe da ich hatte wieder Erfolg. Dieses mal habe ich einen Termin bei einem Arzt in meiner Stadt bekommen der wie sich später rausstellt sogar direkt bei mir um die Ecke ist. Diesen Termin hatte ich allerdings erst ein paar Tage später bekommen nämlich Donnerstags, angerufen hatte ich in der Woche davor am Freitag oder Samstag. Also hieß es durchmachen, Benzos wie Smarties fressen vermeiden und das Beste hoffen.



Hallo Dealer in weiß:



Noch zwei Tage bis zu meinem Termin und ich kann beim besten Willen nicht sagen wie ich mich fühle. Fühle ich überhaupt irgendwas?

Am Anfang fühlt man sich auf Schlafmohn als könnte man alles schaffen, alles macht Spaß, alles ist interessant, man liebt das Leben und möchte für immer unter dieser kuschligen Decke bleiben, die kuschligste Decke der Welt, die Opiumdecke.

Aber natürlich bleibt das nicht so, alles verändert sich, immer. Wenn man den Buddhisten glauben möchte ist Veränderung die einzige Beständigkeit und auch die Wirkung meines geliebten Mohns änderte sich..

Am Anfang schwebte ich noch von wenigen Kapseln auf Wolke 7 und am Ende nahm ich zwischen 20 und 30 Kapseln in der Hoffnung irgendeinen Turn zuhaben der aber natürlich ausblieb. Ich war ein wandelnder Zombie zu dieser Zeit, keine Libido, keine Emotionen, absolut kein Antrieb und eine völlige Leere in meiner Brust.

Jedenfalls hatte ich meinen Termin in 2 Tagen und musste feststellen das mein Mohnvorrat nur noch sehr begrenzt war länger als 3 Tage würde er nicht halten und ich hatte kein Geld für Nachschub was den Termin nochmal wichtiger erschienen lies.

Da ich sparsam sein musste war die Nacht vor dem Termin die Hölle.. Ich bin gefühlt jede Stunde aufgewacht, wurde von heftigen Albträumen geplagt und fühlte mich ziemlich depersonalisiert nachdem ich gegen 8 Uhr endgültig wach war. Egal wenigstens verschlafe ich nicht also ein paar der letzten Mohnkapseln konsumiert, eine oder zehn Zigaretten geraucht und mich auf den Weg zum Arzt gemacht.

Ich hatte zuerst ziemlich Angst das ich weit laufen muss und am Ende den Weg nicht finde aber die Praxis war zum Glück fast bei mir vor der Haustür. Es war eine kleine Praxis die einen positiven Eindruck bei mir macht und nach kurzem Warten kam es auch schon dazu das ich auf einem Stuhl vor einem etwas älteren Doktor gesessen habe und dieser jetzt zu entscheiden hat ob er mich aufnimmt ins Programm oder nicht.

Meine Gedanken rasen wie verrückt während ich auf dem Stuhl sitze und ich fühle mich sehr unwohl durch den Schlafmangel, durch die viel zu realistischen Albträume letzter Nacht die mich immer noch beschäftigen und wegen der bevorstehenden sozialen Interaktion. Das alles um mich herum unwirklich aussieht und ich das Gefühl habe ich bestehe nur aus meinen Augen macht das Ganze auch nicht besser. Woher diese seltsame Wahrnehmung kommt fragst du dich jetzt bestimmt? Alles zu erzählen würde den Rahmen sprengen aber kurz gesagt hatte ich 2018 viel zu viele Substanzen konsumiert was seine Spuren hinterlassen hat. Nämlich unter anderem das ich mich manchmal depersonalisiert oder derealisiert fühle mittlerweile zum Glück nicht mehr oft aber eine Zeit lang war das fast ein Dauerzustand.

Als das Gespräch anfing wurde alles aber langsam besser was auch daran lag das der Arzt mir sympathisch war. Er fragte mich warum ich hier bin und was ich mir davon erhoffe substituiert zu werden. Also fing ich an ihm davon zu erzählen wie leer und antriebslos ich mich fühle, das ich langsam aber sicher keine Ahnung mehr habe wie ich meine Sucht finanzieren soll, das ich nicht mehr alle 2-4 Wochen entzügig sein möchte weil ich keine Opioide habe und deshalb alles andere konsumiere was ich in meiner Zauberkiste finde, das ich vor allem von den Benzos weg möchte welche ich im Entzug nehme da sie meiner Psyche überhaupt nicht gut tun da ich mal abhängig davon war und jedes mal einen Rebound bekomme auch wenn ich sie nur wenige Tage nehme, das ich gerne auf einer stabilen Dosis sein möchte und mich nicht immer weiter hoch dosieren will und das mein Zustand so wie er momentan ist nicht mehr ertragbar ist und deshalb eine Veränderung her muss. Als nächstes wollte er meine komplette Suchtlaufbahn hören die mit Anfang 14 begonnen hat und da ich zum extremen neige bis jetzt mit Mitte 20 mehrere körperlich Abhängigkeiten mit sich brachte und ich kann wohl von Glück reden das ich diesen Text hier überhaupt verfassen kann. Was alles in den ganzen Jahren passiert ist werde ich aber irgendwann in einem eigenen Kapitel erzählen.

Nachdem er sich alles angehört hatte fragt er mich womit ich den gerne behandelt werden möchte worauf ich antwortete das mir Substitol also Morphin am liebsten wäre ich aber auch Buprenorphin ausprobieren würde. Methadon kam und kommt für mich überhaupt nicht in Frage wegen des ewig langen Entzugs und da ich generell nur schlechtes gehört habe von Leuten die mit Metha substituiert sind. Zu meiner Enttäuschung war er leider überhaupt nicht begeistert von der Idee mit Substitol da er meinte keiner seiner Patienten würde das bekommen, die Dosen wären unnötig hoch, für die Apotheke würde das viel zu viele Umstände machen und das damals als das Mittel auf den Markt kam alle unbedingt wechseln wollten sich dann aber nach kurzer Zeit doch wieder umstellen lassen haben .Als nächstes sagte er dann das für ihn Buprenorphin das Mittel der Wahl wäre was bei ihm auch 60% aller Patienten bekommen würden und generell lobte er das Medikament in höchsten Tönen. Das positive war allerdings das er zwar nicht gut zu sprechen war auf Substitol er aber trotzdem den Eindruck machte als könnte man ihn mit den richtigen Argumenten davon überzeugen doch Morphin für mich zu wählen.

Da ich aber von Anfang an nicht abgeneigt war Buprenorphin zu nehmen lies ich mich auf seinen Vorschlag ein allerdings einigten wir uns darauf das es nur ein Versuch ist. Um fest zustellen welche Menge ich brauche fragte er mich als nächstes welche Mengen ich am Tag nehme und als er hörte das es teilweise bis zu 30 Kapseln Schlafmohn sind war er ziemlich erstaunt und sagt deshalb das wir direkt mit 8mg Subutex anfangen er sich aber nicht mal sicher ist ob das genug ist.



Ich hatte es also geschafft, ich wurde ins Programm aufgenommen aber natürlich erst nachdem ich noch einige Dokumente unterschrieben hatte, hoch lebe die Bürokratie.



Nun ging es nur noch darum wann ich meine erste Dosis bekommen sollte. Hätte ich an diesem Morgen nichts konsumiert hätte ich direkt am nächsten Tag meine Dosis bekommen aber so musste ich noch bis Montag warten und da ich nur noch wenige Kapseln Mohn für Freitag Morgen hatte stand mir ein mehr als ekelhaftes Wochenende bevor.



Ich bedankte mich und verabschiedete mich und hatte jetzt schon Angst vor dem Wochenende die auch mehr als berechtigt war wie ihr bald erfahren werdet...



Ein paar Gedanken, ein paar Dinge über mich & den Affen im Nacken:



Als ich die Praxies verlassen habe hatte ich gemischte Gefühle, auf der einen Seite war ich natürlich sehr glücklich darüber das ich es geschafft habe einen Platz zubekommen auf der anderen Seite wusste ich das mir ein extrem hartes Wochenende bevorsteht. Normalerweise heißt es wenn man auf Buprenorphin wechselt sollte man das 24 Stunden nach der letzten Opioideinnahme tun besser noch erst nach 36 Stunden. Mein Arzt erwartet aber von mir das ich Freitag Morgen meine letzte Dosis einnehme und dann bis Montag Morgen durchhalte wenn ich dann endlich wieder zu ihm in die Praxis kommen kann. Von mir wurde also erwartet das ich um die 70 Stunden durchhalte und jeder der schon mal einen Entzug von Opioiden durchmachen musste weiß das sich dann schon Sekunden wie eine Ewigkeit anfühlen können. Ein weiteres Problem war das meine Vorrat sich die letzten Tage schon dem Ende zu geneigt hatte und ich deshalb weit entfernt von meiner Wohlfühldosis dosieren musste schon seit paar Tagen aber auch nicht für Nachschub sorgen wollte jetzt wo ich ins Programm aufgenommen werde. Was Hilfsmittel betrifft sah es natürlich nicht besser aus abgesehen von allen Möglichen Benzos & CBD Gras hatte ich nicht viel da.. Mit 1 oder 2 Streifen Lyrica wäre das Wochenende relativ einfach zu schaffen gewesen aber es half alles nichts ich musste da jetzt durch!



Wie genau dieser Donnerstag abgelaufen ist weiß ich leider nicht mehr genau aber ich weiß das sich meine Frau sehr gefreut hat das ich aufgenommen wurde und das es ihr neue Hoffnung gegeben hat das jetzt alles wieder besser wird. Die letzten Wochen und Monate müssen wirklich sehr schlimm für sie gewesen sein, zu sehen wie ein Mensch den sie über alles liebt immer weiter zum Antriebs und Gefühlslosen Zombie mutiert muss schrecklich sein.. Ich habe selbst gemerkt wie der Mohn mich verändert aber wenn in dir absolut nichts mehr ist, nur noch Leere und dieses immer gleiche Gefühl das alles okay ist was das Opiat dir gibt, dann nimmst du das einfach hin. Selbst wenn du weißt das es so nicht laufen soll du nimmst es einfach hin. Tag für Tag aufs neue und die Zeit zieht einfach an dir vorbei ohne das wirklich etwas passiert zumindest etwas passiert was dir im Rückblick etwas gegeben oder bedeutet hat. Man merkt es einfach nicht wie schnell die Monate an einem vorbeiziehen und sagt man nicht das Leben ist verdammt kurz?



Ich hatte mir überlegt Freitags meine Eltern mal wieder besuchen zu fahren und eine Nacht bei ihnen zu verbringen. Um Kraft zu tanken, um nachdenken zu können und um mal wieder rauszukommen. Ich verbringe nämlich viel zu viel Zeit in meiner Wohnung seit ich nicht mehr arbeiten gehe und das kotzt mich ziemlich an. Vor allem wenn man dann das Problem mit der oben erwähnten Antriebslosigkeit hat und viel zu viele Tage einfach nur verschwendet.. Es gibt so viele Dinge die ich liebe und ich habe so viel zu geben, noch so viel vor aber oft bin ich wie gelähmt. Aber das wird nicht immer so sein ich glaube fest daran.



"Veränderung ist die einzige Beständigkeit die wir haben im Leben" Einer meiner Lieblingssätze aus dem Tibetischen Buch vom Leben und Sterben.



Jedenfalls endet der Donnerstag an dem das Arztgespräch war und Freitag beginnt.



Augen auf, Tabak, Blättchen und Filter suchen und erstmal eine Zigarette genießen. Nachdem ich dann aufgestanden bin muss ich feststellen das ich gerade noch 5 Mohnkapseln habe. Früher hätten diese 5 Kapseln gereicht um mich stundenlang in vollkommener Glückseligkeit in Morpheusreich verweilen zu lassen heute reichen sie nicht mal um nicht mehr entzügig zu sein. Fuck.






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