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Langzeit-Berichte lesen

Übersicht:

Titel:Und dann kam die bittere Erkenntnis
Droge:Kratom
Autor:anonym
Datum:21.01.2021 00:46
Nützlichkeit:8,10 von 10 möglichen   (10 Stimmen abgegeben)

Bericht::

Hallo liebe LdT’ler,



Teil 1:

vor ca. 10 Jahren war ich hier noch ein aktives Mitglied. In den letzten Jahren hab ich mich nur noch sehr selten hierher verirrt. Mittlerweile bin ich 30 und es ist viel Zeit vergangen und viel passiert. Wie bei jedem der älter wird. Manchmal allerdings hat mich dann doch die Lust gepackt und ich bin wie früher in den ein oder anderen (Langzeit-)Tripbericht versunken. Sei es nun ein durchweg positiver Bericht eines wunderbaren Erlebnisses von einer Person die Psychoaktive Substanzen mit Respekt und Verantwortung konsumiert oder die oft herzzerreisenden und tragischen Geschichten von Leuten die dem Hedonismus verfallen sind oder auch aufgrund von psychischen oder physischen Beschwerden in die Abhängigkeit geraten sind.



Nun.. ich zählte mich immer zu den ersteren. Ich war immer top vorbereitet und informiert. Und da ich auch noch experimentierfreudig bin hab ich natürlich auch das ein oder andere konsumiert. Angefangen mit Zigaretten, hin zum Alkohol und irgendwann mal Cannabis. Im Alter von etwa 20 Jahren eröffnete sich dann für mich die Welt der Psychedelica und es gab das ein oder andere Opioid oder einen Upper. Jeglicher Rausch war auf besondere Anlässe beschränkt und mit besonderen Personen verbunden und beschränkte sich auf ein paar mal pro Jahr.



Mal abgesehen von zwei Substanzen hat das ganze auch bis heute super funktioniert...

Mit ca. 22 hab ich angefangen mehr oder weniger täglich zu Kiffen. Doch das ist ein anderes Thema. Cannabis beeinflusst mein Handeln und Denken nicht auf eine negative Art und Weise. -Zumindest bis jetzt. Hab schon öfters von Freunden gehört, dass es sich bei ihnen schlagartig ins negative verändert hat.- Ich mag den Zustand. Ich kann mich auf Sachen konzentrieren, bin interessiert an vielen Dingen und es bringt mich und meine Gedanken zur Ruhe. Und das seit langer Zeit bei gleichbleibender Dosis. Und ist mal (länger) nichts da hab ich bis auf einen Abend Gereiztheit und Lustlosigkeit sowie leichte Einschlafschwierigkeiten nichts weiter zu befürchten. Für mich überwiegen definitiv die positiven Aspekte. Dies ist keine Verherrlichung sondern spiegelt nur meine persönliche Erfahrung wieder.



Eigentlich will ich aber eine andere Geschichte erzählen.

Es ist eine kühle, neblige Herbstnacht und ich liege nach einem langen Wandertag in meinem Bett. Schön eingelümmelt unter einer warmen Bettdecke. Doch die eigentliche Wärme durchströmt mich von Innen. Die mir all zugut bekannte Opioid Wärme. Doch diese Nacht ist anders. Schon länger quälte mich dieser Gedanke und eigentlich kannte ich die Antwort schon sehr lange. Doch bis zu dieser Nacht konnte ich ihn sehr gut verdrängen.

„Bin ich abhängig?“ raste immer wieder durch meine Gedanken. Immer und immer wieder schossen diese Gedanken auf mich ein. Mein Puls raste und mein Körper zitterte plötzlich. Denn meine Gedankenstimme hat das erste mal geantwortet. „Ja du bist abhängig“. Immer wieder versuchte ich mir irgendeine abstruse Story auszumalen um meinen Konsum zu rechtfertigen. Doch meine Gedankenstimme antwortete ununterbrochen mit „Du bist abhängig!“.

Nach einiger Zeit kam dann meine Resignation. Ich musste es mir eingestehen. Schön langsam konnte ich wieder einigermaßen klar denken und mein Puls beruhigte sich etwas.

Ich beschloss einen Schlussstrich zu ziehen. Ich will mein Leben zurück dachte ich mir. Keine Lust mehr schon nach 4-6 Stunden die ersten Entzugserscheinungen bemerken zu müssen. Nicht mehr bei jedem längeren Aufenthalt außerhalb meiner Wohnung Kratom dabei haben zu müssen. Und vor allem möchte ich mich nicht mehr wie ein Junkie fühlen. Dazu kommt nocht die finanzielle Belastung (Ich konsumierte zum Schluss ca. 50-60g Kratom/Tag). Es ist anstrengend den mehrmals täglichen Konsum zu verheimlichen. Ich vermute der eigentliche Grund für diese „Erkenntnis“ war -wie so oft im Leben der Männer- eine Frau. Ich wollte keine Beziehung auf Lügen beginnen. Früher oder später würde es sowieso rauskommen wenn ich so weiter mache. Deshalb musste ich damit aufhören bevor es zu einer eventuell ernsten Beziehung kommt. „Ja ich werde aufhören und gleich ab morgen damit beginnen. Ausschleichen!“ dachte ich mir. Doch ich hatte ziemliche Angst davor. Das ganze war vor etwa einem Monat. Bevor ich euch auf den aktuellen Stand bringe möchte ich noch kurz erzählen wie es dazu gekommen ist.



Das erste mal habe ich Kratom mit etwa 20 Jahren probiert. Vielleicht 1-2x im Jahr 50g bestellt und das dann immer zügig innerhalb von ein Paar Tagen bis Wochen aufgebraucht. Bis Mitte 2019 steigerte es sich auf 3-4x im Jahr je 150g. Es waren also schon mal 2-3 Wochen Täglichen Konsums dabei (Ausschließlich Abends zu diesem Zeitpunkt). Es gab wirklich nie Probleme beim Absetzen. Keine physischen oder psychischen Entzugserscheinungen. Das ein oder andere Jahr wurde gar kein Kratom konsumiert.

Aufgrund eines Unfalls bekam ich vor einigen Jahren etwa 10 Monate Tilidin verschrieben. 100mg/8mg Naloxon. Je Morgens und Abends eine retard Tablette die ich meistens zermörsert hatte. Keinerlei Entzugserscheinungen nach dem Absetzen und seitdem auch nicht wieder konsumiert.

Letztes Jahr kam dann plötzlich ein Schicksalsschlag in der Familie, Probleme im Studium sowie aufgrund von einigen Monaten keinen Nebenjob auch noch etwas finanzielle Not hinzu. Ich war höchst deprimiert. Konnte schlecht schlafen, hatte Liebeskummer und war einfach scheiße drauf. Das kiffen konnte mich auch nicht aufmuntern also hab ich mir mal wieder Kratom bestellt. Hatte schon wieder ein paar Monate Pause hinter mir und freute mich übelst auf die Wärme und Geborgenheit die mir Kratom mittlerweile gab. Es waren Semesterferien und ich hatte gerade keinen Job. An dem Tag an dem es kommen sollte habe ich mich gleich morgens mit einem Kumpel für ein paar Tage dauerzocken verabredet. Der Postbote kam auch schon sehr früh am Vormittag und hatte mir den Umschlag gefüllt mit dem braunen, bitter schmeckendem Pulver in den Briefkasten geschmissen. Entgegen meinem normalen Verhalten hab ich mir direkt am Vormittag das erste Tässchen gegönnt. Ich hab den Tag genossen. Es war schön mal wieder Spaß zu haben und Freude zu empfinden. Am Abend wollte ich dann auch endlich mal wieder richtig pennen. Also gabs nochmal ein ordentliches Tässchen. Bis zu diesem Tag hatte ich auch meine einzelnen Konsumeinheiten immer mit der Waage abgewogen. An diesem Tag hab ichs gelassen. Und das blieb dann auch eine lange Zeit so.



Am nächsten Tag bin ich erholt aufgewacht. Aber die Gedanken schweiften schon wieder zu den Problemen ab die mich plagten. Ich wollte wieder Spaß haben. Also gabs wieder ein Tässchen. So gings dann dahin. Schleichend wurde die Dosis und die Konsumeinheiten immer mehr. Dazu kam dann ein neuer Job in dem ich schwer körperlich Arbeiten muss. Ich fühlte mich so stark, fit und motiviert bei der Arbeit. Und das körperliche Arbeiten machte Spaß. Ich konnts kaum glauben. Dazu wurde ich körperlich richtig fit und das fühlte sich auch gut an. Das Hungergefühl konnte ich beliebig unterdrücken. Auch auf Knopfdruck schlafen war jetzt möglich. 5g+ Kratom und ab gings ins Land der Träume wenn ich denn bock hatte zu schlafen. Musste ich arbeiten gabs Kratom und ich wurde fit. Es schien wie ein Wundermittel in allen Situationen. Die einzige Nebenwirkung zu diesem Zeitpunkt war harter Stuhl. Das ging auch ne ganze Zeit gut. Doch noch etwa einem dreiviertel Jahr als ich bei 50-60g Kratom pro Tag angelangt war um den für mich befriedigenden Effekt zu erreichen kamen schön langsam die negativen Aspekte immer mehr in den Vordergrund. Es schränkte mich ein. Viel mehr als es mir brachte. Mein ganzes Leben musste ich so planen, dass immer Kratom zur Verfügung steht. Nach etwa 4h Zeit nach dem letzten Konsum bekam ich immer schon das dringende Bedürfnis nachlegen zu müssen. Bei etwa 6h wurde es dann schon richtig unangenehm. Alle Muskeln begannen zu schmerzen. Grippe ähnliche Symptome traten auf. Ich war extrem Schwach und hatte absolut keine Energie. Nervosität und leichte Panik kam dann auch auf. Schlimm wurde es wenn der erwartetet Brief mal ein paar Tage länger gebraucht hat und der Plastikbeutel vorzeitig leer geworden ist.

Die Nächte ohne waren der Horror. Geplagt von körperlichem Unwohlsein und einem schwer zu beschreibenden psychischen Zustand (Verwirrtheit, unangenehme und lebehafte Träume und vorallem extremer Unruhe) wälzte ich mich nass geschwitzt von einer Seite auf die andere ohne auch nur die geringste Chance auf den erholsamen Schlaf. Es ist vielleicht für einen außenstehenden schwer nach zu vollziehen aber es fühlte sich an wie Folter. War die Nacht dann irgendwie überstanden ging wieder das warten auf den Postboten los. Was in meinem Fall bedeutete ab 10 Uhr morgens alle 15 Minuten zum Briefkasten zu laufen.. Das Interessante an diesen Momenten war immer, dass es in der Sekunde als das Kratom dann wieder in meinem Mage war, die Entzugssymptome schlagartig verschwanden.





Teil 2:



Seit dem Schreiben des ersten Teils sind nun einige Monate vergangen. Ich hatte von Anfang an geplant den ersten Teil nicht alleine zu veröffentlichen. Ich wollte mal abwarten wie sich das ganze weiterentwickelt und ich sehe den Bericht auch als Möglichkeit das ganze besser zu verarbeiten. Nun gut, der Entschluss aufzuhören wurde ja bereits in Teil 1 gefasst. Ich habe auch direkt damit angefangen das ganze umzusetzen was ich euch im folgenden noch genauer erzählen werde.

An Tag eins wurde meine Wohlfühldosis von ca. 50-60g/Tag auf 20Gramm reduziert. Je 5 Gramm verteilt auf morgens nach dem Aufstehen, Mittags, Abends und vor dem Schlafen gehen. Ich war den ganzen Tag über leicht Entzügig aber es war gerade so auszuhalten. Die mit Abstand wichtigste Dosis für mich war die vorm schlafen gehen. Während des Entzugs stellte ich dann fest, dass es für mich oberste Priorität hat die letzte Dosis so kurz wie möglich vorm Schlafen gehen zu nehmen. Dann war es möglich einigermaßen zur Ruhe zu kommen. Gabs die letzte Dosis zu früh hatte ich immer große Ein- und Durchschlafprobleme. An Tag Nummer 2 habe ich die 20Gramm beibehalten aber der Entzug wurde trotzdem unangenehmer als am ersten Tag. Nach einigen Recherchen kam ich dann zum Entschluss mir Schwarzkümmelöl zu besorgen da dies angeblich die negativen Symptome lindern sollte. Vor jeder Kratomdosis gabs dann noch einen großen Esslöffel Schwarzkümmelöl dazu und ich muss sagen, dass ich positiv überrascht war. Es schien so als würde es die Wirkung -der für mich ja recht kleinen Dosen- etwas verstärkt werden und auch länger anhalten. Keine Ahnung ob das ganze nun Placebo war oder nicht aber es hat mich definitiv während des Absetzens unterstützt. Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann die tägliche Dosis um 0,5-1g reduziert. Allerdings blieb meine Dosis vor dem Schlafen gehen bis zum Schluss unverändert bei 5 Gramm. Das ganze ausschleichen dauerte also ungefähr 3 Wochen. Während dieser Zeit gings mir nie wirklich schlecht aber auch nicht sonderlich gut. Schlapp und Lustlos war ich und Arbeiten machte in diesem Zustand auch absolut keinen Spaß und mein Magen-Darmtrakt musste auch erstmal wieder lernen ohne Kratom klar zu kommen. Als dann die Tagesdosen auf null reduziert waren musste ich mich wohl oder übel daran machen meine Schlafensdosis zu reduzieren. Von 5Gramm runter auf 0 in 0,5g Schritten. Bei etwa 3.5 Gramm gingen dann die Schlafschwierigkeiten los. Diese hielten dann auch noch einige Wochen an nachdem ich kein Kratom mehr konsumiert hatte.



Derzeit bin ich nach wie vor clean. An Silvester gabs eine geplante Dosis Kratom für mich. Ich fands komischerweise nicht einmal so toll. Bis jetzt ist es bei diesem einem mal geblieben und ich hoffe für meine Zukunft, dass ich nie wieder in die Kratomabhängigkeit zurückrutsche. Mein restliches Leben werde ich aber wohl nicht auf Kratom verzichten. Ich muss nur die nötige Disziplin besitzen und maximal 3-4x pro Jahr konsumieren.


























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