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Titel:Tilidin ist auch keine Lösung
Droge:Tilidin
Autor:anonym
Datum:06.05.2021 21:54
Nützlichkeit:8,14 von 10 möglichen   (7 Stimmen abgegeben)

Bericht::

Seid gegrüßt!



In diesem Langzeitbericht geht es um meine Erfahrungen mit Tilidin. Erst einmal kurz zu mir,

Ich habe Erfahrungen mit vielen Substanzen gemacht, bis auf RCs, LSD, Pilze und Heroin hab ich glaub ich alles mal genommen..

Ab 16 war ich ca ein Jahr Kokain abhängig (hab so 1 gram minimum am Tag konsumiert). Ich bin dann von Südamerika nach Deutschland gezogen, der qualitative Unterschied des Kokains, war so gigantisch das ich damit aufgehört habe.

Ich glaube meine psychische Abhängigkeit bin ich niemals losgeworden.



Mit 18 hab ich dann, über meinen damaligen Freund, welcher substituiert wurde, Opiate kennen gelernt.

Ich hab 2 Jahre lang fast täglich Buprenorphin genommen. Ich hab es immer nasal konsumiert, eine (6mg?) Tablette hat für mich so drei Tage gereicht, eine bessere Mengenangabe kann ich leider nicht machen. Ich hab auch ab und zu andere Opiate/ Opioide konsumiert.

Nach zwei Jahren haben wir uns dann getrennt und ich hatte überhaupt keine Chance mehr an des Zeug ran zu kommen.



Ich war natürlich körperlich abhängig, allerdings war der physische Entzug vom Subutex (Buprenorphin) lange nicht so schlimm wie der niemals endende psychische Kokain Entzug. Ich bin damals für eine Woche mit meiner Mutter nach Griechenland geflogen und hab in der Woche quasi entzogen. Sie hat mir sogar geglaubt das es eine schwere Grippe war.



So viel zur Vorgeschichte.

7 Jahre später stand ich mit beiden Beinen im Leben, ich hatte eine neue Arbeitsstelle in meinem Traumberuf, einen langjährigen Partner usw. Nun leide ich seit meiner Pubertät unter Migräne, ich hatte bis zu dem Zeitpunkt ca einmal pro Monat eine Attacke. Leider erreichte meine Migräne in diesem Jahr (2018) ein völlig neues Level. Von 30 Tagen war ich nun etwa 10 völlig ausgenockt, ich hing nur noch kotzend über der Kloschüssel und dachte ich sterbe.

Jeder, der schonmal Migräne hatte, weiss dass, man das nicht mit Kopfschmerzen vergleichen kann. Ich hab kein Licht und keine Geräusche ertragen und dachte eine Seite meines Kopfes, würde in Flammen stehen.



Ich habe jedes nicht verschreibungspflichtiges Medikament ausprobiert. Keines hat auch nur ansatzweise geholfen. Dann kam es zu einem sehr unschöne Vorfall.

Eine Migräneattacke überraschte mich mitten auf der Arbeit. Ich brach vor allen Kollegen und Kunden zusammen, musste mich erbrechen und meine Arbeit abbrechen. Es war mir unglaublich unangenehm. Und mein Job war auch in Gefahr, dazu kamen auch immer mehr Krankheitstage. So ging es nicht weiter, also ging ich zum Hausarzt.



Der verschrieb mir Triptane, die haben leider auch überhaupt keine Wirkung gezeigt. Also eine Woche später wieder zum Arzt. Diesmal war ich richtig verzweifelt. Nach 5 Minuten verließ ich die Praxis mit einem Btmg Rezept für Valoron N 50ml.



Ich konnte es kaum glauben. Natürlich ich hätte ich dem Arzt vom Subutex erzählen sollen. Aber ich hatte Angst, dann für immer den Zugang zu wirksamen Medikamenten verwährt zu bekommen, also blieb ich still und spielte die Ahnungslose. Ich hätte auch niemals gedacht, dass man Opiate gegen Migräne nehmen kann, denn die Übelkeit ist ja ein Teil der Migräne und Opiate verschlimmern die ja eher noch...

Nun gut, trotzdem ich freute mich einfach diebisch. Ich glaube das war die erste Warnung.



Am liebsten hätte ich mir das Zeug direkt geknallt (ich konnte mich noch zu gut an das herrliche Gefühl vom Subutex erinnern) , aber ich sagte mir, dass ich es auf keinen Fall missbrauchen, sondern es nur nehmen würde, wenn ich eine wirklich schlimme Attacken hätte.

Diese ließ nicht lange auf sich warten.

Der Arzt hatte mir mit keiner Silbe gesagt wie viele Tropfen ich denn nehmen sollte. Auf der Flasche stand, einen Dosis sind 20 Tropfen sprich 50mg.

Die Schmerzen waren schon sehr schlimm als ich die 20 Tropfen nahm. Es dauerte 20 min und sie wurden tatsächlich erträglicher. Das hatte noch kein anderes Medikament geschafft!

Die Übelkeit war jetzt nicht wirklich schlimmer als sonst, also legte ich nochmal nach (in der Hoffnung die Schmerzen würden ganz verschwinden.)

10 Tropfen und eine Stunde später, drehte die Wirkung dann.. Ich kotze mir 6 Stunden lang die Seele aus dem Leib mir ging es gar nicht gut, keine schöne Wärme, keine Euphorie ich war einfach nur völlig ausgenockt.



Ich war enttäuscht, so konnte ich ja auch nicht arbeiten. Also probierte ich ziemlich viel rum, aber ich bekam den Dreh nicht raus, entweder ich merkte fast nichts und die Schmerzen blieben oder ich kotzen mir die Seele aus dem Leib. Ich dachte damals es könnte am Naloxone liegen. (die Dosis war natürlich viel zu gering und meine Theorie völliger Schwachsinn.). Naja zumindest s dachte ich es besteht keine Gefahr es zu missbrauchen. (oh wie sehr ich mich täuschte).



Eines Tages hab ich dann 15 Tropfen genommen sobald ich eine Aura bekam (Migräne kündigte sich bei mir immer ca 30 min vor der Attacke, mit regenbogen farbenden Blitzen im linken Gesichtsfeld an = Aura).

Allerdings blieb es bei Aura und Schmerzen und Übelkeit blieben aus. Nanu? Lag das am Tilidin?

Nicht nur das, da war es, das Gefühl welches ich herbeigesehnt hatte!

Alles war schön, das Bett so weich, in mir Wärme und Zufriedenheit, kein Schmerz, keine Trauer, keine Sorgen nur Weichheit. Ich wollte die Welt umarmen und lag doch völlig entspannt und glücklich da. 6 stunden lang.



War das der Trick musste man es nehmen bevor die Migräne da war? Ich konnte die nächste Aura nicht erwarten und das hätte mir schwer zu denken geben sollen!

Nun geschah etwas, was ich mir bis zum heutigen Tag nicht erklären kann,meine Migräne verschwand einfach. Ich hatte noch ein paarmal Auren aber auch wenn ich kein Tilidin nahm folgten darauf keine Schmerzen. (ich glaube das nennt sich Augenmigräne)

Ich will hier nochmal ganz klar sagen, dass ich nicht glaube das Tilidin hätte meine Migräne geheilt! Ich hab meine Ernährung auf Vegan umgestellt und sehr viel Sport gemacht vielleicht hatte es damit was zu tun. Ich kann es leider nicht sagen.



So, nun sollte ich eigentlich überglücklich sein, war ich auch ein wenig. Aber ich war auch sehr traurig denn nun hatte ich keinen Grund mehr Tilidin zu nehmen. Es geisterte ständig in meinem Kopf herum. Noch einmal.

Noch einmal dieses geiler Gefühl erleben, dann ist Schluss. Naja Ich fasste einen Plan, einmal das absolute Maximum rausholen, 6 stunden einfach nodden, das war der Plan. Ich recherschierte ein wenig und las, dass man von 20 Tropfen keine gute Wirkung erzielen kann und mann mindestens 40 nehmen sollte, also 100mg.

Tja ich hätte bedenken sollen, dass ich sehr klein und leicht bin.



Also 45 Tropfen auf leeren Magen, Sonntag ich bin allein zuhause.

Oh Gott, ich dachte ich sterbe. Mir war so schlecht wie bei meinem aller ersten Mal Subutex, mein Magen hat sich umgedreht, ich war so dicht ich hab es leider nicht zur Toilette geschafft. Ich kotze das Bett voll, mich, pennte in meiner Kotze ein. Kam halb zu mir, kotze weiter, es kam nur noch Galle. Ich bekam die schlimmsten Magenkrämpfe aller Zeiten. Es war schrecklich! Der Zustand hielt auch echt lange an. Die Tage danach konnte ich gar nichts mehr machen, war völlig fertig und essen ging gar nicht mehr. Ich hab auch keiner Seele irgendwas vom Tilidin erzählt, alle dachten ich hätte eine Magen Darm Grippe.



Die Aktion schreckte mich richtig ab, in der Flasche war eh nicht mehr viel drinnen, ich schwor dem Zeug erstmal ab.

Ein gutes halbes Jahr später. Die Migräne schien tatsächlich nicht wieder zu kommen. Der Rest Tilidin stand unberührt im Schrank. Und nun kommt mein ganz großer Fehler.



In meinem Leben lief so einiges schief, die Arbeit war purer Stress, ich hatte einen Todesfall in der Familie, einen Kokain Rückfall und mein Partner erkrankte. Alles auf einmal. Die Beziehung krieselte so richtig, zuhause herrschte nur noch Krieg, ich konnte nie abschalten, machte mir sehr viele Sorgen und war einfach komplett am Ende mit den Nerven. Nach einem heftigem Streit saß ich heulend im Bad und da fiel mein Blick auf ein Fläschchen.



... 15 Tropfen und der Streit scheint gar nicht mehr so schlimm, ich kann mich ins Bett legen und schlafen und morgen sieht die Welt wieder anders aus...



Ich hadert schon lange mit mir selbst, aber am Ende siegte das Verlangen den schlechten Gefühlen zu entgehen.

Oh, oh das Zeug wirkte noch viel schöner wenn es einem vorher scheisse geht. Es wirkte sich auch gut auf die Beziehung aus. Mich regte nichts mehr auf, ich war total cool und gelassen, wenn ich drauf war. Fast jeden Abend gab es einen Grund das Zeug zu nehmen,ich fand auch heraus das Kiffen die Wirkung nochmal verstärkt. Ich steigerte auch langsam die Dosis.



November und Dezember 2018 machte ich die Flasche leer. Dann kam Corona und ich hing im lockdown fest. Das tat mir leider gar nicht gut, mein Partner ging weiter arbeiten, in meinem Job war homeoffice nicht möglich und ich hing ohne Beschäftigung zuhause fest. Ich machte mir nur noch Sorgen. Vorher (seit etwa 5 Jahren) hab ich fast täglich gekifft, Nun kiffte ich immer täglich und zwar mindestens ein gramm oft wesentlich mehr. Ich dachte oft ans Tilidin und wie perfekt diese Zeit für ein paar Stunden weigdriften wäre.



Dann kam meine erste große Tilidin Selbstlüge zum Zuge.

....Durch Corona könnte es ja passieren, dass man keinen Zugang mehr zum Arzt/Medikamenten hat... Und meine Migräne könnte ja doch zurück kehren.... Es wäre doch gut ein Fläschchen zu haben, nur für den Notfall....



Ich hab einige Tage gezögert, aber ich hab mir eingeredet, so ein Lockdown ist eine Ausnahmesituation und das rechtfertigt das. Also ging ich nochmal zum Arzt, ich freagte nur am Tresen nach und schon hatte ich das Btmg Rezept in der Hand.

Ab jetzt geht's bergab, wie ihr euch schon denken könnt.

Ich Weiss nicht warum bei mir so geringe Dosen ausreichen, bereits bei 10 Tropfen spürte ich schon leichte Euphorie und Wärme, bei 15 fing ich an zu nodden und 20 Nocken mich schon ziemlich aus, ich wog nur so um die 45 Kilo, vielleicht liegt es daran. Ich kam mit den 50ml echt gut aus.



Also war ich zwei Monate eigentlich dauerdrauf. Ich hab die Wirkung aber auch immer extrem mit Kiffen und leider auch mit Alkohol verstärkt. Ich hab es tatsächlich manchmal in einem Vodka Shot runter gekippt, oder direkt auf die Zunge geträufelt, Ich hab den Geschmack irgendwann richtig geliebt und hab mir eingebildet, es macht ein leicht taubes Gefühl auf der Zunge. Ich weiss nicht, ob das wirklich so ist, oder ein komischer Suchtflashback meines Kokshirnes war.

Ich steigerte die Dosis von mal zu mal, immer mal ein Tropfen mehr. Das war schon ein sehr kleines Fläschchen und mit Furcht sah ich, daß es stark zur neige ging.



Ich hatte schon ein sehr schlechtes Gefühl, als ich wieder zum Arzt ging. Diesmal war es nicht so leicht, die Arzthelferin sah mich sehr komisch an. "Tilidin auf Btmg, gegen was kriegen sie das denn? Hmm wollen sie nicht eher ein Rezept für Triptane gegen Migräne? Opiate sind ganz schön hart. Das müssen wir dokumentieren. "

Sie hat es mir aber doch gegeben, aber ich hatte jetzt richtig Angst. Ich war sogar richtig paranoid ich würde gemeldet werden oder so etwas...

Aber ich habe es natürlich Munter weiter genommen. Dann war der erste Lockdown zuende und ich konnte wieder arbeiten. Am Wochenende gönnte ich mir nochmal ein paar schöne Stunden und dann wollte ich bis zum nächsten Wochenende nichts mehr nehmen.



Montag ging es mir ganz gut. Dienstag sah es schon etwas anders aus. Warum muss ich eigentlich immer gähnen, hab ich Heuschnupfen, oder warum läuft meine Nase und die Augen tränen permanent? Was sind das für schreckliche Muskelschmerzen in den Beinen? Bin ich krank,oder warum tut mir alles weh und ich zittern immer wieder?

Hmm irgendwie kam mir das vor wie ein Dejavu, damals Subutex, Griechenland..

Da wurde mir klar, ich bin wieder opiatabhängig, zwar auf lächerlich kleine Dosen, über den "Entzug" werden auch einige lachen, aber sie war da. Die Sucht.



Ich hielt die Woche durch, bis Sonntag, dann "belohnte" ich mich wieder. Mein Gewissen wurde immer schlechter. Ich war inzwischen ein absoluter Meister der Heimlichtuerei. Jeden freien Tag alleine auf der Couch liegen und nodden das war mein Ding. Meinem Partner hab ich dann immer gesagt ich sei so stoned oder müde. Freunde und Familie hab ich kaum gesehen. Ich hab immer nur darauf gelauert allein zu Hause zu sein, um schön trippen zu können.



Die Flasche neigt sich dem Ende zu. Ich habe hart kalkuliert. Die ungestörtesten Tage genutzt.

Kann ich es wagen nochmal zum Arzt zu gehen?

Geld hab ich, Internet auch, Tilidin bestellt, oder warum nicht gleich auf etwas ergiebigeres umsteigen?Oxycodon? Morphium?mein alter Freund Subutex? Oder warum all die Umwege, warum nicht gleich Heroin?

Ich bin nur ein riesen Angsthase. Was soll ich denn meinem Partner sagen, wenn das Zeug ankommt?

Was wenn ich erwischt werde? Ein Face to Face treffen, sagen wir mal ich sehe klein und unschuldig aus, was wenn ich abgezogen werde? Kann man den Händlern überhaupt vertrauen, dass es nicht gepanscht ist?



Dachte ich grade wirklich drüber nach mir Heroin zu besorgen, weil ich zu feige bin zum Arzt zu gehen?!

Aus dem kleinem Fläschchen war ein ziemlich großes Problem geworden.



Ich kann nicht mehr entspannen. Abschalten ohne Tilidin geht einfach nicht mehr. Ich habe mich so lange selbst belogen. Wenn man ein Medikament missbraucht, welches man sogar verschrieben bekommt ist es glaube ich noch leichter das zu tun.

Ich hab mir wirklich eingeredet das es mir gut tut, das es ein Genussmittel, ein kleines Laster ist.

Ich habe gelernt, dass man Opiate nicht unterschätzen darf. Einmal ausprobiert und man weiss wie es ist. Und dann will man es UNBEDINKT wieder erleben, nur dieses eine Mal!



Ich glaube schon das ich ein Suchtmensch bin, aber in diese Sucht kann glaub ich jeder rein rutschen.

Es geht so leicht, weil man sich so lange sicher fühlt. Das Craving von Tilidin ist wirklich nur leicht (zumindest mit Kokain verglichen), es wirkt wirklich lange und es gibt auch kein schlimmes runter kommen und einen netten Afterglow. Der körperliche Entzug ist zwar unangenehm, aber auch nicht wirklich abschreckend (ich kann natürlich nur von mir und meinen Mini Dosen sprechen). Des wegen denkt man immer, man hätte es im Griff, bis man dann nicht mehr ran kommt. Dann merkt man erst wie sehr man es braucht.



Ich hab dem Zeug jetzt erstmal abgeschworen. Ich Weiss nicht was ich sagen soll, ich würde gerne jeden warnen der es missbrauchen will. Es fängt schleichend an und zack sitzt man ganz tief in der scheisse. Ich hab jetzt seit zwei Wochen nichts genommen und denke ständig daran und ganz ehrlich, wenn mir jemand irgendein Opiat o ähnliches anbieten würde, weiss ich nicht ob ich wieder stehen könnte. Zu meinem Glück bin ich ein Angsthase, ohne eigenen Briefkasten oder Kontakt zur Drogen Szene.



Alles in allem rate ich von Tilidin wirklich ab wenn man es missbrauchen will.



Danke fürs Lesen :)






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