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Langzeit-Berichte lesen

Übersicht:

Titel:Das Leben ist keine Einbahnstrasse
Droge:Cannabis
Autor:anonym
Datum:18.04.2008 17:03
Nützlichkeit:8,36 von 10 möglichen   (55 Stimmen abgegeben)

Bericht::

Ich will mich heute auch mal an einem Langzeitbericht versuchen.

Ich konsumiere Drogen seit meinem 14. Lebensjahr, d.h. ich bin sehr früh angefangen und ich frag mich heute oft, warum ausgerechnet ich, soviel Glück hatte. Ich habe keine Langzeitschäden und auch keine psychischen Erkrankungen. Die meisten Menschen in meinem Umfeld kennen mich als eine aufgeschlossene, tolerante und engagierte Person - niemand, bis auf meinen Partner und zwei sehr enge Freunde wissen von meinem Drogenkonsum in Gegenwart und Vergangenheit (was daran liegt, das ich durch Ortswechsel und beruflichen Aufstieg ein ganz anderes Umfeld habe, mit Freunden der Vergangenheit will ich nicht unbedingt was zu tun haben)

Als ich mit 13 anfing, war es wie bei den meisten Kiddies, heimliches Alkohl trinken und Nikotingenuss auf Spielplätzen und in Parks, tja meine erste Droge war der Alkohol. Ich möchte das betäubende Gefühl in meinem Kopf, die Euphorie, die Gelassenheit – nur den Geschmack, den fand ich einfach widerlich. Irgendwann zu Beginn des 8. Schuljahres bot ein Klassenkamerad mit Gras an. Ich war unsicher, Marihuana, das war was anderes als Alkohol, gerade weil es ja verboten ist,wollte ich mich wirklich auf so etwas einlassen?

Doch andererseits, ich war cool, ich war jung und ich wollte nicht als Feigling da stehen, wo ich doch sonst auch so sehr damit beschäftigt war, allen zu zeigen was ich von ihrer beknackten, verlogenen Gesellschaft hielt. Ich rauchte mit…………….und merkte nichts. Alles was mir von meiner ersten Tüte blieb, war eine gewisse Anerkennung, ich gehörte nun dazu, ich war keines dieser braven Kinder mehr- die so Kontra allem sind und letztendlich feige sind. Wenn ich gewusst hätte, was sich daraus mal entwickelt.

Natürlich wurde ich jetzt öfter eingeladen, und beim dritten Mal fing das Weed auch an zu wirken. Der Rausch war für mich angenehmer als Alkohol, ich hatte das betäubende Gefühl im Kopf und ich konnte dies sogar noch steigern, weil die unangenehmen Nebenwirkungen, wie Übelkeit oder Erbrechen nicht auftraten. Ich trank keinen Alk mehr, ich kiffte, immer wenn sich die Gelegenheit bot, bald traten auch die ersten unangenehmen Folgen des Cannabiskonsums auf, ich war unmotiviert, hatte keine Lust zum Lernen, meine alten Freunde passten nicht mehr zu mir und meinem neuen Leben – ich wollte nur noch eins: kiffen- alles andere war mir egal. Mein erster Freund war natürlich ein Kiffer und er hatte einen Roller. Wir waren oft in Holland, zu oft (damals gab es noch keine Ausweiskontrollen in Coffeshops). Am Ende der 8. blieb ich sitzen. Doch ich sah das Problem nicht bei mir und meinem Verhalten, im Gegenteil, ich fand Cannabis bereicherte mein Leben. Wenn schon eine vergleichsweise harmlose Droge wie Cannabis, mir ein so wunderbares Gefühl bescheren konnte, was boten wohl erst andere, härtere Sachen. Ich fing an zu experimentieren, erst mit legalen Medikamenten. Dann XTC, verschiedene Medikamente, die Verschreibungspflichtig waren, danach LSD und Pilze, doch der bewusste Gebrauch, dieser Drogen war mir zu der Zeit fremd.

Ich wollte nur eins, Frei sein durch Breit sein. Die Probleme die der Drogenkonsum mit sich brachte, Schule, Freunde, Familie alles egal, es gab ja Drogen und ich wollte davon mehr, wer braucht schon soziale Bindungen, wenn er sich selbst durch Drogen alles geben kann. Nachdem ich die 8 im zweiten Anlauf grade so geschafft hatte, bin ich nach der 9. ohne Abschluss vom Gymnasium gegangen, auf die Realschule wollte ich nicht, dann lieber arbeiten. Für mich selber hatte ich keine Ziele, nur eins: Ich wollte möglichst früh aus dieser Welt verschwinden, wenn ich heute Gedichte oder meine sehr seltenen Tagebucheinträge lese, merke ich selbst, was für ein krankes Weltbild ich hatte. Eine Gesellschaft so ich sie mir gewünscht hatte, ein friedliches, gleichwertiges Miteinander ohne Leistungsdruck, ein harmonischer Umgang mit der Umwelt – all das wird es in dieser Leistungsgesellschaft nicht geben. Dazu kam ein Ereignis, das ich durch meinen Drogenkonsum herausgefordert hatte: Ich war völlig dicht, kaum fähig meine eigenen Willen zu steuern mit einem mir Unbekannten mitgegangen. Ich mein, ich war fast 16, ich hatte bereits Erfahrungen mit Männern, aber das wollte ich nicht. Danach ging es mir mehr als Dreckig. Ich war unfähig meine Gefühle auszudrücken, niemandem dem ich etwas erzählen konnte: meinen Eltern nicht, wie oft hatten sie mich gewarnt, dass ließ mein Stolz nicht zu. Meinem Freund nicht- hatte ich ihn nicht auf eine gewisse Weise betrogen? Meiner besten Freundin nicht, ich schämte mich zu sehr. Den einzigen Ausweg den ich sah, waren mehr Drogen. Ich war kurz davor mein Leben den Drogen zu überlassen, ich empfand ja selbst nichts als Verachtung für mich.

Die Freundschaft zu meinem damaligem Freund zerbrach. Mit meinen Eltern war kein Zusammen leben mehr möglich, ich hatte die Mauern um mich herum, mit Stacheldraht bezogen, darum stellte mir das JA eine eigene Wohnung und einen Sozialarbeiter zur Seite. Meine beste Freundin tauschte ich gegen eine neue Clique. Ich fand das damals besser so, ich wollte niemanden der um mich trauert. Meine neue Clique bestand aus überwiegend Punks, viele davon drogen- oder alkoholabhängig, dazu eine sehr tolerante Einstellung zum Leben und ein gewaltiger Hass auf die Gesellschaft. Ich lebte also von nun an ein ganz anderes Leben, alleine mit 16 in meiner Wohnung, mit einer Clique die Häuser besetzte und ihren Freiheitswillen dadurch bezeugte, dass wenn keine Häuser zu besetzen waren man weit abseits in einer Wagenburg hauste und zu allen möglichen Demos fuhr. Männer wurden für mich zu einer art Gebrauchsgegenstand, ich schlief mir ihnen um die durch Drogen entstandene Geilheit zu befriedigen, aber Emotionen hatte ich keine, ja manchmal ist es sogar vorgekommen, das ich jemanden mitten während des Sexes hinaus warf, weil ich mit der Situation nicht klarkam. Ab und zu ließ ich mich in der Berufsschule blicken, aber das war eher selten, denn mit den Leuten da hatte ich nichts gemeinsames.

Ich hatte durch die Clique auch endlich die Möglichkeit an harte Drogen zu kommen. Erst hatten einige Skrupel, schließlich war ich noch sehr jung und die ersten Male wenn ich förmlich bettelte, auch mal ein Blech H mitrauchen zu dürfen, blitzte ich ab. Doch eines Tages, während der Sommerferien, als ein großer Teil der Clique auf einer Demo war, kam meine Zeit. Ich rauchte mein erstes Blech- das Gefühl war der Wahnsinn, in mir war eine Zufriedenheit die ich schon lange nicht mehr gespürt hatte- ja ich bildete mir ein ich spürte genau die Liebe, die ich so verzweifelt gesucht habe. Das einzige Problem war, dass es mir körperlich sehr schlecht ging. Ich musste kotzen und kotzen und kotzen. Ich kann das nicht wirklich beschreiben, einerseits die Zufriedenheit andererseits diese Übelkeit.

Doch dann passierten fast zeitgleich zwei Dinge, die mein Leben und auch meine eigenen Ziele ziemlich verändern sollten. Es gab jemanden in dieser Clique, der in mich verknallt war, ich war mir darüber durchaus schon vorher bewusst – schließlich hatte ich öfters Stress mit seinem besten Freund, der mir erzählte was für ein mieses Etwas ich doch wäre, weil ich mit meinem Verhalten seine Gefühle verletzte. Und wir bekamen in der Wagenburg besuch von einem Pärchen mit seinem ca. einjährigem Sohn.

Zuerst die Pärchengeschichte: die beiden hatten ja ihren Sohn dabei, und dieses Kind tat mir auf einmal unendlich leid, ja richtig leid- ich war gewohnt, eigentlich alles zu haben was ich wollte, dies Kind hatte irgendwie nichts- außer seinen Eltern mit Wohnwagen, die es ja auch irgendwie zu lieben schienen. Die beiden konsumierten H, sie Blech, er in die Vene. Das schockte mich damals, ich mein die beiden hatten ein so niedliches Geschöpf geschaffen und konnten ihm aufgrund ihrer Sucht nichts bieten und waren ja noch nicht mal ganz und gar für es da. Das passte nicht in mein Weltbild. Die andere Sache war der Typ, ich glaub, wenn man das liest hört, es sich sehr kitschig an. Nachdem ich das 4 oder 5 mal Blech geraucht hatte, und wie üblich mit meinen körperlichen Beschwerden zu kämpfen hatte, hat er mir eine Geschossen. Ja, er hat mir eine geknallt und mir den Kopf gewaschen. Er sagte Dinge, wie ich sei ein verwöhntes Kind und ich wisse nichts über die Dinge im Leben, die wirklich wichtig sind…und noch einige sehr persönliche Dinge. Und er heulte, ich glaube in diesem Moment habe ich gemerkt, was es bedeutet einem anderen etwas zu bedeuten. Ich mochte dieses Gefühl. Ich beschloss ies mit ihm zu versuchen, es mal mit Ehrlichkeit zu versuchen. Ich begann eine Beziehung zu führen, na ja erst mal nur auf der Kopfebene, zu anderen Dingen war ich ohne Drogen nicht wirklich fähig, dass entwickelte sich erst langsam. Ich ging wieder zur Schule, holte zu erst meinen Realschulabschluss nach. Ich machte eine Ausbildung im pädagogischen Bereich. Ich fing an meine Ziele, meine Wünsche anzugehen, diesmal auf dem richtigen Weg. Ich bearbeitete meine Probleme nicht nur mit Drogen, obwohl mir, bis heute eine gewisse Tendenz geblieben ist, mich erst mal zu berauschen, bevor ich die Kraft habe, sie zu bearbeiten.

Ich habe mittlerweile mein Studium beendet, ich habe eine Tochter und einen Mann, von dem ich weiß, dass er mich ehrlich liebt. Ich habe eigentlich alles, was man sich für das Leben wünscht- aber ich habe auch immer noch ein Drogenproblem. Immer wenn es Situationen in meinem Leben gibt, vor denen ich erst zurückschrecke, fahr ich nach Holland und kauf mir was zu rauchen oder manchmal auch Pilze. Drogen helfen mir heute, Probleme aus verschiedenen Sichtweisen zu betrachten um sie letztendlich auch lösen zu können – aber Drogen sind nicht mehr die Lösung, das waren sie auch nie, denn das was sie mir wirklich gebracht haben, sind im Nachhinein nur Probleme, ich habe ja nicht alles aufgeschrieben, aber meine Tenniezeit habe ich im Rausch verbracht, was ich heute bereue. Vieles wäre anders gekommen hätte ich eine gewisse emotionale Reife gehabt, bevor ich überhaupt mit ihnen in Kontakt gekommen bin.






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