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Titel:Wenn Dissoziation ein junges Leben verändert...
Droge:DXM
Autor:CzudemR
Datum:11.01.2011 22:08
Nützlichkeit:9,15 von 10 möglichen   (150 Stimmen abgegeben)

Bericht::

Hallo liebe LdT’ler,

In diesem Tripbericht versuche ich, meine Erfahrungen mit Dxm und die daraus resultierenden Erlebnisse zu erzählen. Ich habe mich bewusst auf Dxm beschränkt, andere Drogenerfahrungen habe ich auch gesammelt, halte sie aber für weniger wichtig. Ich möchte meine Individuelle Erfahrung schildern und möchte niemandem irgendwas ein - oder ausreden. Ich bin 18 Jahre alt und hoffe es ist nicht verboten dass ich von Erfahrungen die ich recht früh gemacht habe erzähle. Ich weiß dass DXM an sich oft in den Schmutz gezogen wird, von Jugendlichen die es leichtsinnig tun (so wie ich es einer war), und noch schlimmer von (teilweise?) älteren, die sich durch diese Leute einen Eindruck machen, dass in ein Massenphänomen des ’DXMer-Hassens’ ausartet. Jedenfalls möchte ich mich dem ganzen Onlinehype um DXM möglichst zu entziehen versuchen und euch bitten beim Lesen eure eventuellen Vorurteile gegenüber DXM abzuschalten. DXM ist ein heftiges Dissoziativum, versucht euch in die Situation eines jungen Menschen zu versetzen, der fast ’versehentlich’ darauf stößt. Das Ganze ist ziemlich lang geworden, ich freue mich wenn sich jemand dennoch die Mühe macht es zu lesen.

Viel Spaß





Willkommen in der Hölle



Mein erstes mal DXM fand im Mai 2008 statt. Damals war mir nicht klar dass die Gedankenwelt die ich kennenlernte mein Leben, meine Gedanken und mein Gefühle bis heute (und ziemlich sicher auch bis zu meinem Tod) prägen würde. Die Welt mit veränderten Bewusstseinsfiltern zu erleben lehrte mich auf der einen Seite so viel. Ich habe damals, auch gerade beim Verarbeiten der Trips gelernt in Bahnen zu denken die mir zuvor völlig verschlossen waren. Damals hab ich das Gehirn immer mit einem Haus verglichen, in dem man einen Raum findet, der unvorstellbar viel größer ist als das Haus selbst. Bevor die ganze Geschichte angefangen hat war ich wohl auf dem besten Weg einer wie all die anderen zu werden. Ich trank obwohl ich viel zu jung war wöchenendlich viel zu viel Alkohol, war bewusstseinsverengt, Medienmanipuliert wie die meisten und dachte diese Hustenstiller-Sache muss ich auch mal probieren. Ich wusste nicht wie groß die Sache vor der ich stand noch werden sollte...





Angefangen hat alles in einer magischen Mainacht in meinem alten Zimmer. Ich war damals 15 Jahre alt. Ich hab beim ersten mal 10 Hustenstiller genommen, als Tripsitter war mein Freund R. dabei. Ich empfand den ersten Trip fast schon wie Betrunkenheit. Aber ich fand das Dex-Körpergefühl und die ganzen Eindrücke die ich nicht zuordnen und verstehen konnte toll. Ich hatte auch erste Cev’s, aber alles in allem war der Trip irgendwie von anderer Sorte als es die darauffolgenden waren.

Mein zweiter Trip fand wieder mit R., diesmal aber in meinem jetzigen Zimmer statt. Ich erinnere mich gut. Es war 1 - 2 Monate nach dem ersten Trip, diesmal 12 Kapseln. Dies war mein erster "richtiger" Trip, ich bin das erste mal durch das tiefste meines Unterbewusstseins gereist und habe mich zum ersten mal von dissoziative Gefühlen verängstigen lassen. Ich lag auf meiner Couch und mich durchbohrten Bilder von Szenen aus meinem Leben, Bilder die fest in meiner tiefsten Erinnerung verankert waren, die ich auf einmal von einem Blickwinkel aus betrachten konnte den ich mir vorher nie hätte vorstellen können. Immer wieder öffnete ich die Augen, wurde von dem grellen Licht in meinem Kellerzimmer geblendet und war mir sicher dass ich nie mehr aus diesem Zustand erwachen würde. Wie denn auch? Es wäre völlig unlogisch gewesen. Das dachte ich auf Dxm, vor allem am Anfang, fast immer. Der ständige Gedanke diesen Zustand nie mehr los zu werden. Immer wenn ich an mein Leben und an verschiedenste, Zusammenhanglose Erinnerungsfetzen dachte, nannte ich die Zeit vor meinem Trip mein "altes Leben". So nannte ich es immer. Und an mein "altes Leben" zu denken in dissoziativer Betrachtungsweise ist ein Gefühl das unbeschreiblich viel in mir ausgelöst und auch dauerhaft verändert hat. Auf Dxm fühlte ich mich immer allwissend, als hätte ich die große, kosmische, in Worten unerklärbare Erkenntnis erlangt. Ich fühlte mich am Ziel, ich hatte endlich verstanden was all die anderen nie verstehen würden.

Natürlich kam immer nach 4 - 6 Stunden wieder der Boden unter den Füßen zurück und der Trip flaute angenehm ab. Auch wenn die Trips am Anfang immer überwiegend mit Angst und Panik verbunden waren und während dem eigentlichen Trip oft furchtbar schlimme Erlebnisse waren, hielt ich sie für sehr wertvoll und war von der Sache auf die ich gestoßen bin unfassbar begeistert. Ich hatte Trips in einigermaßen gesunden Abständen, ich glaub der kürzeste Abstand den ich mir zu der Zeit mal geleistet habe war 2 Wochen.





M. & der kalte Dexwinter



Ich kannte M. schon seit der 5. Klasse. In der 7. oder 8. Klasse ist er dann weggezogen und ich hatte ziemlich wenig Kontakt zu ihm, auch wenn er nicht all zu weit weg wohnte. Vorher war er immer ein guter Kumpel, nicht mehr und nicht weniger. Wir haben dann halt spontan mal wieder was unternommen. Als wir dann am Abend zu zweit Shisha geraucht und gelabert haben, ging es um ernste Themen und ich konnte es mir nicht verkneifen ihm von Dxm zu erzählen. Ich wollte diese Sache unbedingt jemandem nahe bringen. ich brauchte jemand der versteht was sich in meinem Kopf tut. M. war von der Sache angetan und es kam bald dazu dass M. bei mir übernachtete und wir jeder 12 Pillen nahmen. Anfangs war er ja noch skeptisch was diese Überdosis-Hustenstiller-Sache bewirken soll, aber wir erlebten einen krassen Trip zusammen.



Kurz danach war dann auch das erste mal dass M. mich fragte "Wollen wir nächstes Wochenende nochmal Dexen?". Nun waren alle Weichen für den großen "Dexwinter" gestellt. Es war gleich am Anfang so dass wir mehrere Wochenenden hintereinander trippten, auch wenn es jedes mal eine Grenzerfahrung war die Verarbeitungszeit gebraucht hätte. Am Anfang kümmerten wir uns noch etwas darum es nicht zu übertreiben, machten dann auch immer mal eine Woche, oder 2 Pause. Doch ich kann mich wie gestern dran erinnern dass ich immer sagte wir müssen bald Pause machen, aber nächstes Wochenende geht noch. Auf den Trips begannen wir irgendwann die scheinbar übermächtige Vollkommene Erkenntnis vom Anfang zu jagen. Ich war mir auf Trips immer Sicher irgendwo in dieser Welt liegt die Antwort auf alle existenziellen Fragen. M. meinte oft dass er ein Neonfarbenes Gitternetz an der Wand sieht und dass das die "verschlüsselten Antworten" seien. Wie oft haben wir gesagt heute Abend knacken wir die verschlüsselten Antworten...



Als die Sache dann vorangeschritten war und es (ich schätze) November 08 war, dexten wir mittlerweile jedes Wochenende 2 mal. Nachdem wir mit 10 angefangen hatten, steigerten wir pro Trip um 2 Kapseln, das ging Hoch bis 28 oder so. Aber nach einer Weile war dann die 20 Kapseln (600mg-)Dosis Standart. Das bedeutet wir mussten immer Freitagnachmittags für jeden 2 Päckchen Hustenstiller kaufen gehen. Da wir das 6-7 Monate durchzogen gingen wir Systematisch die uns bekannten Apotheken ab, sodass wir pro Apotheke so selten wie möglich auftauchen.

Ich gewöhnte mich bald mehr an den Zustand und wir erfreuten uns an diesem einzigartigen Gefühl der Geisteskrankheit. Wir lagen oft Stundenlang da zu Musik, jeder die Augen geschlossen und in seinen eigenen Cev-Film vertieft. Wir haben auch bleibend von den verschlüsselten Antworten geredet, außerdem gingen unsere Gespräche oft um sogenannte ’Masterpläne’ die das ’alte Leben’ betrafen. Wir dachte immer das Leben jenseits dieses endlos langen, furchtbar komplizierten Rausches ist so simpel, so einfach zu bewältigen.



Das wöchentliche Dexen war ein festes Ritual durch das wir uns sehr verbunden fühlten. M. lernte irgendwann ein Mädchen kennen, seine Trips drehten sich oft um sie und er redete oft davon dass er sie liebt. Irgendwann waren die beiden zusammen, M. hatte dann zwar nicht mehr immer Zeit, aber gedext wurde trotzdem noch jedes Wochenende meist 2 mal. Irgendwann teilte er mir über icq mit dass seine Freundin etwas dagegen hätte und er in Zukunft keine Drogen mehr nehmen wird. Ganz plötzlich von heute auf morgen, was sich für mich ziemlich hart anfühlte. Wir stritten uns dann leicht und redeten eine ewig lange Zeit garnicht mehr miteinander. Ich war einfach total enttäuscht. Heute labern wir wieder ab und zu miteinander, aber wirklich darüber geredet haben wir nie.



Wenn ich Mr. Duke zitieren darf: "Man kann einer Person den Rücken kehren, einer Droge aber nicht."



Nun war ich auf mich allein gestellt. Doch aufhören kam nicht in Frage. Ich suchte weiter nach der Antwort, auf die Frage die ich nicht kannte. Ich distanzierte mich von allem, alten Freunden und meinem sozialen Umfeld. Diese Menschen konnten mich nicht verstehen und waren oberflächliche Plastikfiguren (meine Meinung darüber hat sich bis heute auch nicht geändert). Ich fühlte mich in Alltagssituationen total abwesend, wie als wäre nur mein Körper da, umgeben von lauter falschen Gesichtern. Die dissoziative Sichtweise auf Dinge hielt auch im nüchternen Zustand an und am Wochenende brauchte ich meine 2 x 600mg Dxm unbedingt um ’klarzukommen’. Ich sah um mich herum eine kranke, kaputte Welt, voll seelenloser Menschen.





Die Geschichte mit J.



J. ist ein Mädchen dass ich ca. im Winter 2008, im Internet durch das Thema Dxm kennenlernte. Wir schrieben ab und zu miteinander. Ich schrieb sie nicht oft an weil ich mir immer einredete ich würde ja eh nur nerven, ein Charakterzug von mir der durch das ganze Dxm verstärkt worden war. Irgendwann, Winter bis Frühling 2009 unterhielten wir uns immer intensiver miteinander, denn ihr ging es exakt so wie mir. Wir kamen beide nicht klar auf die kaputte Welt um uns herum, waren psychisch süchtig nach der Dxm-Welt, hatten kaum noch den Boden unter den Füßen. Es war als würden wir uns schon lange kennen, wir verstanden den anderen so gut. Wir hatten verstanden dass Worte nicht viel bedeuten und das Gegenüber manche Dinge einfach verstehen können muss. Sie verstand mich wie niemand sonst. Wir waren Seelenverwand.



Öfters veranstalteten wir Dxm-Icq-Abende, wo wir sozusagen zusammen Dexten über icq (klar, schriftliche kommunikation auf Dxm ist währrend des Trips kaum noch möglich, aber wir haben es immer irgendwie hinbekommen). Mir war schon lange bewusst wie sehr ich sie liebte und obwohl das zwischen uns alles eigentlich offensichtlich war, traute ich mich nicht damit rauszurücken. Bis zu der Dxm-icq-Nacht am 04.04.2009. Sie reagierte mit emotionaler Reizüberflutung und am nächsten Tag waren wir also ab sofort ’zusammen’.



Ich werde hier nicht so nah wie ich es könnte auf unsere Beziehung eingehen, aber werde trotzdem einiges Berichten, da die Geschichte in direkter Weise mit Dxm zu tun hat.



J. wohnt ca 300km von mir entfernt. Von Anfang an planten wir dass sie in den Ferien zu mir kommt. Doch irgendwas war auch von Anfang an merkwürdig. Sie wollte nicht telefonieren und zeigte sich, obwohl an ihrem Aussehen nichts zu bemängeln wäre, ungern auf Bildern. Wir führten jede freie Sekunde Gespräche in Icq und verstanden uns einfach perfekt. Doch als die Ferien kamen, kam sie nicht. Sie sagte dass sie noch Zeit braucht und es die nächsten Ferien versprochen gehen wird. Doch es war immer das selbe. Trotz (und es war gerade WEGEN) unsere innigen Beziehung konnte sie es einfach nicht über sich bringen unser wunderschönes tiefgründiges, unoberflächliches Verhältnis durch ein wahres treffen zu riskieren. Natürlich Dexten wir die ganze Zeit weiter, ich empfand eine solche Sehnsucht, vorallem auch währrend den Trips und ihr ging es genauso. Sie war von der ganzes Dxm Geschichte noch mehr mitgenommen als ich und ihr ging es psychisch wirklich nicht gut. Bei mir war das auch der Fall. Es gab Probleme, ich fragte mich manchmal ob ich mir nur etwas vormache, ob es sie überhaupt wirklich gibt. Doch in meinen Trips fand ich Trost, Hoffnung und Kraft, nicht aufzugeben. Denn das wichtigste war das wir einander haben. Unsere Verbindung war tief genug, dass es reichte miteinander zu schreiben, auch wenn die körperliche Sehnsucht heftig war.

Meine Trips waren irgendwann schon lange nicht mehr das selbe was sie früher waren. Psychisch weniger heftig (aber trotzdem heftig) und körperlich einfach da. Es war einfach befriedigend zu trippen und ich konnte nichts gegen die Sucht nach dem Rausch tun. Ich brauchte es einfach. Jedoch machte ich mir große Sorgen um meinen Körper, da ich circa ein Jahr lang wöchentlich trippte.

J. setzte irgendwann, mir zuliebe, um mich endlich bald sehen zu können, einen Schlusstrich mit Dxm. Sie nahm ziemlich lange Zeit garnichts. Bei mir war es so dass es mir zu ermüdend wurde jedes Wochenende in die Stadt zu fahren, mir jedes mal Stress zu machen weil ich in jeder Apotheke bekannt war und so weiter. Irgendwie kam es einfach dazu dass es aufhörte. Seitdem trippe ich bis heute ab und zu, alle 1 - 2 Monate und mir geht es gut damit. Ich traf J. am 02.04.2010, fast genau ein Jahr nach dem 04.04.09. Wir haben jeden einzelnen Tag in diesem Jahr aneinander gedacht und uns gesagt dass wir uns lieben. Alles ist perfekt, damals wie heute, wir sehen uns jede Ferien und schreiben und telefonieren ansonsten jeden Tag miteinander. Die Dxm Trips die wir gelegentlich zusammen erleben sind etwas ganz besonderes. Wir interessieren uns auch für Psychedelika und andere Drogen, aber dieser tb ist voll und ganz dem Dxm gewidmet.





Und heute?



Im Endeffekt hat Dxm mir gezeigt, wie tief meine Seele ist, wie wertvoll bestimmte Dinge sind und wie krank bestimmte andere Dinge sind. Dxm hat mich geprägt, Dissoziation hat mein Leben in die Bahn gelenkt in der es verläuft. Ich mache meine Schule, versuche möglichst konsumfrei zu leben (in Bezug auf Dinge wie Fernsehen.....) und habe ein gesundes Verständnis für wahre Werte. Dafür komme ich mit den meisten Menschen absolut nicht klar und lebe absichtlich sehr zurückgezogen. Doch mir geht es gut (auch wenn ich nach der Dexzeit noch einige Depressive Phasen hatte und meine Psyche immernoch oft recht labil ist). Ich muss im Endeffekt sagen dass ich nichts bereue und froh bin die Hölle besucht zu haben.

Vielen Dank fürs lesen!










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