Tripbericht lesen
Übersicht:
| Titel: | Farborgasmen und Echsenmenschen – ein Abend auf 2C-E |
| Drogen: | 2C-B |
| Autor: | Tryptomane |
| Datum: | 19.02.2012 21:27 |
| Set: | Innerlich belastet aber relativ entspannt |
| Setting: | Meine 2 1/2-Raum-Wohnung, nachmittags bis nachts |
| Nützlichkeit: | 8,27 von 10 möglichen (30 Stimmen abgegeben) |
Bericht:
17.2.2012: Ein freies Wochenende stand mir bevor und mir war nach Monaten des geregelten Alltags mal wieder der Sinn nach einer gehörigen Veränderung des Bewusstseinszustandes. Da mein Set zurzeit nicht das beste ist aufgrund fortgeschrittener Krebserkrankung eines Familienmitglieds, hatte ich beschlossen, das Reich der Tryptamine zu verlassen und mich nach spirituell weniger »offenherzigen« Psychedelika umzusehen. Die Wahl war leicht und fiel auf 2C-E.
Aus dem 500 mg-Beutel hatte ich nach einem eigenen 1 mg-Allergietest 3 unterschiedliche Dosen zum Testen im einschlägigen Bekanntenkreis verteilt, und die Berichte bestätigten ausnahmslos das, was ich über 2C-E gelesen hatte. Somit beschloss ich, 10 mg zu dosieren. Da ich wusste, dass eine Upperkomponente hinzukommen würde, beschloss ich den Trip bereits nachmittags zu beginnen, um irgendwann in der Nacht Schlaf finden zu können.
Gegen 15:50 traf ich zuhause von der Arbeit ein und machte mir einen Damianatee (wegen der gefäßerweiternden Wirkung). Das Mittagessen lag etwa 4 Stunden zurück, so dass mein Magen wenig Probleme machen würde. Während der Tee zog, wog ich auf meiner Juwelierwaage 10 mg ab, überlegte und erhöhte dann auf 12 mg. In einem 20 ml-Apothekerfläschchen, das ich unterwegs gekauft hatte, stellte ich die Lösung her und kippte sie gegen 16:10 in das schon abgekühlte letzte Drittel Tee, welches ich umgehend in einem Zug austrank. Dann erledigte ich ein wenig unwichtigen Kram am Laptop und beschloss nach einiger Zeit, mich kurz hinzulegen. Was allerdings nicht lange währte, da meine Beine unruhig wurden. Ich setzte mich auf und bemerkte, dass meine Vulkanpalme am Fenster irgendwie schärfer und präsenter aussah. Eine gewisse Wirkung schien vorhanden zu sein, aber bisher nicht wirklich viel. Ich setzte mich an den Laptop, machte den Player auf und wählte etwas New Age-Musik aus. Dort saß ich wieder nicht lange, sondern stand schlussendlich mit zittrig angespannten Beinen dort in der Wohnküche herum, auf halbem Weg zwischen dem Tisch am Fenster mit dem Laptop sowie der Tür zum winzigen Eingangsflur. Ich würde viel Zeit an exakt jenem Fleck verbringen, und genau dort übermannte mich nun gegen 17:05 ohne jede Vorwarnung die volle Wirkung.
Wände und Fußboden wölbten sich mir entgegen, wie mit farbigen Reptilienmustern überzogen und mit sich schnell dahinwindenden Schlangen übersät. Nichts, was ich anblickte, stand still, sondern bewegte sich in verschiedene Richtungen und morphte in den wildesten Ausprägungen. Ich bewegte mich, augenblicklich relativ orientierungslos, Richtung Flur, aber dort war es auch nicht besser. Also stand ich gleich darauf wieder zwischen Tür und Laptop herum und analysierte die Situation. Ich schloss, dass ich die normale Wirkung der Droge erlebte und keine Fehldosierung zu mir genommen hatte. Es mag überraschen, aber ich fing daraufhin sofort an, mich zu langweilen, da sich nicht einmal ansatzweise ein Mindtrip aufbaute. Zwar war das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt, so dass ich ewig für Entscheidungen brauchte, die Gedanken und Gefühle an sich waren jedoch dieselben wie im nüchternen Zustand.
Weil mir die Musik immer wieder zu laut wurde, ging ich schließlich ins Arbeitszimmer hinüber und sah dort aus dem Fenster. Das Laub der Bäume im Garten wand sich chaotisch durcheinander, und alles, was ich ansah, schien mir riesengroß und extrem scharf entgegenzuzoomen.
Da mein diesseitiger Nachbar Besuch hatte und überaus lautstark am Computer spielte, verließ ich den Raum und zog die Tür hinter mir zu. Ich versuchte im Bad zu pinkeln, was nicht klappte. Allmählich wurde es dunkel, wodurch ich im sich wild verformenden fensterlosen Flur fast die Orientierung verlor, obwohl dieser vielleicht 1 x 2 Meter groß ist. Dabei langweilte ich mich immer noch halb zu Tode und fühlte mich eher genervt. Schließlich bewegte ich mich einfach in Richtung »hell« und erlebte in dem Moment, in dem ich in die Tür zur Wohnküche trat, eine Art Farbexplosion. Ich zuckte zusammen und schloss für einen Moment die Augen, um zu sehen, was dort vor sich ging. Unendlich grelle Laserstrahlen rotierten langsam um einen gemeinsamen Mittelpunkt, was nicht wirklich angenehm anzusehen war, so dass ich die Augen wieder öffnete. Trotz der Reizüberflutung stellte ich mich wieder mit steifen Beinen auf das Plätzchen in der Mitte und bemerkte, dass die OEVs wesentlich stärker wurden, je weiter ich mich in den Raum hinein bewegte. Also lief ich ein wenig hin und her und stellte fest, dass die Musik, die vom Laptop kam, die Effekte extrem potenzierte. Deshalb war es in den anderen Räumen der Wohnung auch erträglicher - sie war dort nur leise zu hören.
Kurz entschlossen setzte ich mich an den Laptop und drehte zunächst die Lautsprecher leiser. Nun war es möglich, den Bildschirm mit der Playlist länger als ein paar Sekunden zu fixieren, bevor mir aus seiner farbrotierenden Mitte unerträglich grelle Lichtblitze entgegenschossen. Zumindest war der Text noch gut lesbar, obwohl der pulsierende Auswahlbalken und alle Kanten ziemlich gewellt aussahen und von animierten violett-türkisfarben Linien umlaufen wurden. Es gelang mir, auf ein anderes, rhythmischeres Album zu wechseln und die Musik relativ laut zu drehen. Dies veränderte den Trip eindeutig auf eine Weise, die für mich ansatzmäßig in Richtung Spaß ging. Erstens war es eines meiner Lieblingsalben, zum anderen war die Optik nun etwas berechenbarer, abstrakter und farbiger. Ich bemerkte jetzt auch eine Art »Pulsieren« im Kopf, welches immerzu von links nach rechts und zurück wanderte. Das fand ich recht angenehm.
Außerdem schien der Trip nun dem absoluten Peak entgegenzustreben. Nach einiger Zeit war es nicht mehr möglich, den Laptopbildschirm anzusehen. Genau genommen war irgendwann gar nichts Beständiges mehr zu erkennen. Die Wohnung morphte als Ganzes, und dort, wo Boden und Wände gewesen waren, erschien im steten Wechsel alles Vorstellbare und Unvorstellbare, bis hin zu kompletten Landschaften. Es wurde mir für den Moment zuviel; ich bewegte mich grob in Richtung des dunkleren und leiseren Flurs, wobei ich mich rein nach Gehör orientierte, von der Musik weg. Im Flur nahm der Raum wieder Form an, dennoch klammerte ich mich mit der rechten Hand am plötzlich moosartigen Türrahmen der Wohnküche fest, wodurch die Hand sich in eine Reptilienklaue verwandelte; ich »hing« in den Flur hinein und versuchte mich mangels klarer Sicht irgendwo festzuhalten und erwischte mich selbst im Schritt; dann stieß ich kurz mit dem Kopf gegen die Wand, an der ein spiralförmiges Fraktal aus kleinen Muscheln sich entfaltete, sich schließlich schloss und dadurch eine Art »Orgasmus« in meinem Gehirn auslöste, was den dunklen Flur prompt in helles rotes Leuchten tauchte. Ich ächzte ein paar Mal und wusste nicht, ob vor Übelkeit, Schmerz oder Glück; sodann berappelte ich mich und beschloss, den Gang zurück in die Wohnküche zu wagen, obwohl dort die Wiese mit den Echsenmenschen war, welche meine Hand verwandelt hatten und deren Absichten ich nicht kannte.
In dem Moment, in dem ich in die Tür trat, wurde die Musik naturgemäß abrupt lauter, was zur Folge hatte, dass mir alle Farben des Regenbogens entgegen explodierten und ich einen weiteren »Orgasmus« erlebte. Ich verstand. Diese »Orgasmen« entstanden durch sensorischen Overload, maximale Sättigung eines Sinneskanals, und die gleichzeitigen Farbeffekte waren Synästhesien. Nun versuchte ich mich auf den Trip wirklich einzulassen und betrat die Wohnküche. Keine Echsenmenschen weit und breit. Jedoch war tatsächlich eine Wiese vorhanden und es fühlte sich an den Füßen auch so an. In begrenztem Maß konnte ich nunmehr eine Art Bühne erschaffen und gestalten; auf der Wiese erschienen Hügel, Schmetterlinge, Händchen haltende Kinder. Flower Power! Selbst meine Jeans war von einem regenbogenartigen Schimmer überzogen. Als ich mich wieder Richtung Laptop bewegte, kamen Kaleidoskopeffekte, auseinanderstrebende gewundene Linienzüge und brillante Glanzlichter hinzu. Das 2C-E zeigte mir in diesen Momenten sein wahres Wesen: Sinnlich und ästhetisch, verspielt, aber nicht von sich aus tiefgründig. Endlich eine Erkenntnis! Jetzt machte mir der Trip allmählich ein bisschen Spaß. Ich setzte mich und nahm den kürzlich erstandenen und in den Chaoszustand versetzten Rubik-Würfel zur Hand. In meinem Zustand war konzentrationsmäßig an das Lösen logischer Aufgaben nicht zu denken, vielmehr betrachtete ich den Würfel unter Gesichtspunkten seiner Komposition und Oberflächenbeschaffenheit. Ich verdrehte und betastete ihn, was recht lohnend war, da die verschiedenen Farben unterschiedliche Geschmacksempfindungen auslösten. Schließlich »zerfloss« der Würfel (schwer zu beschreiben) und ich legte ihn wieder zurück.
Die Synästhesien gefielen mir. Ich beschloss die Sache auszukosten, lud etwas Goa in die Playlist und drehte die Lautstärke höher. Nach ein paar Minuten war ich den so produzierten Musikorgasmus satt und ich tigerte wieder in der Wohnung herum, zumal das Körpergefühl, insbesondere in den Beinen, leicht unangenehm war. Es fühlte sich an, als bestünden meine äußeren Schichten aus weichem Gummi, wie auch das meiste, was ich berührte. Mittlerweile hatte ich eineinhalb Liter Mineralwasser getrunken, doch mit dem Urinieren klappte es immer noch nicht. Das lag vermutlich am ständigen leichten Schwitzen.
Nach einiger Zeit, währenddessen ich mich einfach nur bewegte, stehend zur Musik schunkelte und ab und zu neugierig durch den Türspion guckte, weil beim Nachbarn wieder allerlei Volk ein- und ausging, desynchronisierte sich das bereits erwähnte Pulsieren im Kopf und machte schließlich schlagartig einer völligen Klarheit Platz. Mein Kopf fühlte sich an wie ein dreihundert Meter hohes Gewölbe, in dem jeder Gedanke gewaltig und überdeutlich erschien. Gleichzeitig nahmen die OEVs etwas ab. Dies musste die gedankliche Phase des Trips sein, von der mir erzählt worden war. Die extrem verstärkte Wahrnehmung richtete sich nun nach innen, und ich nutzte die Gelegenheit, um mich um meine Pflanzen zu kümmern und mein Gehirn dabei ein wenig meditieren zu lassen. Leider konnte ich keine spirituelle Seele in der Droge entdecken, keinen »Geist«, zu dem ich Kontakt aufnehmen konnte. Auch die Pflanzen blieben stumm; auf anderen Drogen scheinen sie mir immer etwas mitteilen zu wollen.
Bewusst zu denken fand ich nun noch schwieriger als zuvor. Jeder Gedanke erschien und erschlug mich augenblicklich in all seiner Riesenhaftigkeit und Schärfe. Wahrscheinlich ist ein Mindtrip auf 2C-E möglich. Aber sicher nicht auf diesem hohen Triplevel. Daher gab ich es auf und beschäftigte mich anderweitig, um die zweite Hälfte des Trips herumzubekommen. Ich trank noch mehr Mineralwasser und fotografierte im Bad mein morphendes Gesicht. Ich weiß noch, wie ich zu mir selbst sagte, dass man diese Visage nicht auf die Menschheit loslassen könne, und auch beim Betrachten auf der Digitalkamera befremdete mich mein Gesicht. Als ich mir das Foto später nüchtern ansah, wirkte ich darauf bis auf die riesigen Teller ganz normal, geradezu gelangweilt.
Viel nennenswertes oder unalltägliches passierte beim ewig langen Herunterkommen nicht mehr. Ich verbrachte einige Zeit damit, innerlich unberührt die morphende Spiegelung meines Gesichtes vor mir in der Fensterscheibe zu betrachten. Meine Konzentration war völlig im Eimer und auch der Bildschirminhalt morphte noch, so dass ich nicht am Laptop lesen oder Mangas gucken konnte. Gegen 21:30 kam ich relativ abrupt auf ein Level herunter, auf dem ich mich befähigt fühlte, einen Freund anzurufen und ein wenig zu plaudern. Pinkeln war jetzt auch endlich möglich. Ich hatte mir zudem einen kleinen Nachtspaziergang im Park vorgenommen, jedoch blieben die Pupillen bis ca. 2:30 maximal erweitert, so dass ich mir dies irgendwann aus dem Kopf schlug und schlussendlich nach 4:00 zwei Gläser Wein trank, um die Upperkomponente zu neutralisieren und endlich schlafen zu können.
Gegen 13:00 stand ich auf und verspürte keinerlei Nachwirkungen. Ich verbrachte einen völlig normalen Tag. Was mir auffiel, war, dass ich mich ausgeglichener und sanftmütiger als sonst fühlte.
Um das Erlebnis zusammenzufassen: Es war nicht unbedingt die Art Trip, die ich persönlich normalerweise suche; mir fehlte das Spirituelle mit Dimensionsreisen, Tierverwandlungen, Ich-Auflösung etc. Recht spaßig war aber die Synergie mit Musik und generell mit starken Sinnesreizen. 2C-E ist eine Droge, auf der man, niedrig dosiert, etwas Schönes und Außergewöhnliches unternehmen könnte, z.B. eine ausgedehnte Wanderung oder einen Museumsbesuch.
Eventuell werde ich an einem warmen Frühlingswochenende den Versuch mit 4-5 mg wiederholen. Das wäre dann auch eine gute Gelegenheit für einen Spaziergang mit Meditation im Park.
Auf denn, Euer Tryptomane 