Tripbericht lesen
Übersicht:
| Titel: | MDMA II - Die goldenen Schleier |
| Drogen: | Mischkonsum von MDMA, Cannabis und Kokain (Reihenfolge vom Autor festgelegt) |
| Autor: | iter animae |
| Datum: | 09.11.2012 13:11 |
| Set: | Vor Vorfreude fast platzend, eigentlich schon ohne MDMA wunschlos glücklich |
| Setting: | Bei einem Freund, im Auto, im Einkaufszentrum und am Ende auf einer Party |
| Nützlichkeit: | 8,47 von 10 möglichen (36 Stimmen abgegeben) |
Bericht:
"And the hell of it was simply this: he could not describe exactly what had happened,
and how the world had changed, to make it so wonderful. All at once this dingy little
stripmall on Witcham Street had become wonderland, and although Ralph was looking
right at it, he was not sure what he was looking at, only that it was rich and gorgeous
and fabulously strange..." — Stephen King (Insomnia)
Es war ein schöner Freitagmorgen: Die Schulferien hatten am Donnerstag endlich begonnen und die aufgehende Sonne beleuchtete einen wolkenlosen Himmel, der einen warmen Sommertag versprach. Um das Ganze noch perfekt zu machen würde einer meiner besten Freunde, Simon, heute Abend seinen Geburtstag mit einer großen Party unter freiem Himmel feiern und ich freute mich schon ungemein darauf.
Doch dieser Tripbericht wird da enden, wo diese Party begann – denn das wunderbare Erlebnis, von dem ich berichten möchte, ereignete sich nicht abends, sondern nachmittags, während der Einkäufe für die Feier.
Schon um elf Uhr morgens stand ich mit einem Freund vor Simons Haus. Wir hatten ein ganz besonderes, zweigeteiltes Geschenk für ihn: MDMA-Kristalle für den Tag und Kokain für den Abend. Unser Plan war es, einen tollen, euphorischen Tag im MDMA-Rausch zu verbringen und dann die Nacht auf Koks durchzufeiern.
Um Simon mit solchen Plänen nicht zu überrumpeln hatten wir ihm bereits im Voraus bescheid gesagt. So war die Überraschung seinerseits, als er uns die Tür öffnete, nicht allzu groß, die Vorfreude allerdings sichtlich umso größer.
Kaum hatten wir es uns in seinem Zimmer bequem gemacht ging es auch schon los: Wir teilten das MDMA auf und jeder schmiss sich eine großzügig dosierte Bombe und zog eine kleine Line. Anschließend legten wir eine CD ein, zündeten einen Dübel an und warteten auf die Wirkung.
Nach etwa zehn Minuten begann ich, die Line zu spüren – langsam kroch eine leichte Euphorie in mir hoch und ich begann, redseliger zu werden. Ein Kumpel rief Simon an um ihm mitzuteilen, dass er uns alle um 13 Uhr abholen und zur Metro fahren würde, wo wir für die Party einkaufen wollten.
Wir vertrieben uns die Zeit mit netten Gesprächen, die mit der bei uns allen langsam stärker werdenden Euphorie immer wortreicher und banaler wurden. Dazu rauchten wir noch mehrere Dübel. Da ich Gras grundsätzlich nicht so gut vertrage dominierte nach etwa einer Stunde die benebelnde Wirkung des THC und ich nahm die Euphorie nur noch unterschwellig wahr. Da ich das MDMA nicht geholt hatte, um am Ende doch wieder nur prall zu sein konnte ich das Anfluten der Bombe kaum erwarten.
Doch meine Magensäure ließ sich unerhört viel Zeit mit der Zerlegung des Longpapes: Als der Kumpel pünktlich um 13 Uhr klingelte, spürte ich die Line gar nicht mehr und die Bombe ließ immer noch auf sich warten. Erst im Auto, als ich schon Angst hatte, zu wenig genommen zu haben, schlug sie ein. Und wie sie einschlug.
Es war nicht wie sonst – wie ich bereits in einem früheren Tripbericht erläutert habe schlägt MDMA bei mir normalerweise immer ein wie ein mit Euphorie und Glückseligkeit angereicherter Sprengsatz. Doch heute war es anders.
Ich spürte, wie sich mein Körpergefühl sehr schnell veränderte – plötzlich, von einer Sekunde auf die andere verschwand jegliche cannabisinduzierte Schlappheit aus meinem Körper. Ich schloß sofort die Augen, um die Ausbreitung der Euphorie richtig spüren zu können – doch da kam keine Euphorie. Es kam gar nichts. Ich spürte meinen Körper kaum mehr, es war wie eine Art Schwindelgefühl. Verwirrt öffnete ich die Augen wieder – und konnte nur noch staunen.
Meine Optik war komplett in einen sepiafarbenen Nebel gehüllt, durch den meine Umgebung einen wunderschönen, intensiven Goldstich erhielt. Es schien, als hätte MDMA die Schleier der Vernebelung, die das Gras über meine Augen gelegt hatte, golden gefärbt.
Niemals, zu keiner Zeit in meinem Leben hatte die Welt wunderbarer ausgesehen. Alles erstrahlte in der schönsten weil wertvollsten Farbe, die man auf diesem Planeten finden kann. Und keine andere Farbe hatte die atemberaubende Landschaft, durch die wir fuhren, verdient: Plötzlich wurde mir bewusst, wie wertvoll und wunderbar doch alles ist.
Bäume strahlten eine von mir nie zuvor wahrgenommene Aura aus: Sie wirkten fast schon weise, so alt und riesig wie sie im Vergleich zu mir oder dem mickrigen, primitiven Auto in dem ich saß erschienen. Gleichzeitig erweckten auch menschgemachte Teile des ländlichen Ambientes meine Begeisterung: Was für unglaubliche Wesen hatten nur die gigantischen, bis ins letzte Detail ästhetischen und perfekten Strommasten errichtet, die die Felder säumten?
Als wir nach einer Fahrt, die für meinen Geschmack endlos hätte sein können, aus dem Auto ausstiegen, lief eine Frau mit ihrem Hund über den Parkplatz. Mit riesigen Augen schaute ich den beiden hinterher – die Anmut, mit der sich diese Lebewesen bewegten, die Tatsache, dass sie überhaupt in der Lage waren, sich zu bewegen – all das war unglaublich wunderbar.
Mein Körpergefühl war mittlerweile äußerst seltsam: Ich bestand ausschließlich aus Glück. Irgendetwas hatte sämliche Emotionen aus meinem Körper gesaugt und ihn bis zum Rand angefüllt mit sattgoldener Euphorie. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, während dieses Trips einen halbwegs brauchbaren Gedanken gefasst oder auch nur ein einziges Wort gesagt zu haben: Mein Gehirn schien ausschließlich damit beschäftigt, zu erleben und das Erlebte aufzuzeichnen.
Ich träumte einen wunderbaren Traum in die Welt hinein – selbst in der Metro fand ich an jeder Ecke etwas zum staunen: Whiskyflaschen, Bierkästen, Popcornsäcke – alles war in der Form, in der ich es wahrnahm wunderbar fremdartig und unendlich schön.
Und obwohl ich mir nicht vorstellen kann, auch nur annähernd nüchtern ausgesehen zu haben, wie ich da mit großen Augen hinter meinen Freunden herdackelte und versuchte, einfach alles anzuschauen und zu bewundern, wurde ich von niemandem komisch beäugt. Ich bekam das Gefühl, durch einen romantischen Stummfilm zu laufen, dessen zentrales Thema die Schönheit selbst der banalsten Dinge in dieser Welt war.
Meine Augen waren das einzige meiner Sinnesorgane, das dauernd arbeitete: Ich spürte meinen Körper zwar und hörte auch etwas, registrierte das aber nur, wenn ich mich bewusst darauf konzentrierte. Deshalb war ich temporär nicht mehr ansprechbar: Selbst wenn man meinen Namen direkt neben mir sagte bekam man keine Reaktion von mir, wenn ich nicht zufällig gerade auf meine Ohren achtete.
Erst als wir wieder im Auto saßen kam ich langsam in die Realität zurück. Das erste Lebenszeichen, das ich in Form von gesprochenen Worten nach etwa zwei Stunden des absoluten Schweigens von mir gab war ein heiseres "Aaaalter". Von den Anderen wurde es mit schallendem und ungläubigem Gelächter quittiert.
Als wir wieder bei Simon ankamen, war die Wirkung stark abgeflaut: Meine Optik war immer noch gold gefärbt, doch ich konnte mich, da nun alle meine Sinne wieder relativ normal arbeiteten, nicht mehr so gut darauf konzentrieren. Auch die Euphorie war verschwunden und einem nicht unangenehmen Zufriedenheitsgefühl gewichen.
Da die Location für Simons Party für Autos nicht erreichbar war, hatten wir nun noch einiges an Arbeit vor uns: Zwölf Kästen Bier und zwei Einkaufswagenladungen mit anderen Großmarktwaren wollten zu ihrem Bestimmungsort getragen werden. So beschlossen wir einvernehmlich, den MDMA-Trip jetzt mit je einer Line Koks zu beenden, um zur Bewältigung dieser Aufgabe körperlich und geistig in der Lage zu sein.
Kaum hatte ich den Kopf nach dem Ziehen der Line wieder gehoben, war die wunderbare Wirkung der Kristalle komplett verschwunden. Es war, als wäre mit dem Kokainpulver auch sämtliches Gold aus der Welt gezogen worden. Doch mich bedrückte das kein bisschen, ich hatte schließlich noch eine komplette Partynacht vor mir. Plötzlich war ich voller Tatendrang und Energie.
Wie bereits eingangs erwähnt möchte ich auf den Abend nicht weiter eingehen. Es war nichts besonderes, einfach nur eine durchfeierte Nacht.
Das MDMA-Erlebnis am Nachmittag hingegen war durchaus etwas sehr besonderes. Ich bin eigentlich ein Mensch, der zu Musik und zum Geschmack seines Lieblingsessens gerne die Augen schließt – aber an diesem Tag wurde mir bewusst, dass wir für keines unserer Sinnesorgane dankbarer sein können als für unsere Augen.
Sicher, es gibt viele gute Lieder und auch die Töne und Gerüche der Natur sind wundervoll – doch die wahre, unfassbare Schönheit des uns Umgebenden können wir am besten erblicken.
MDMA hat mir an diesem Tag eine ganz neue Seite von sich gezeigt: Die Droge, die auf Partys für das von ihr erzeugte Gemeinschaftsgefühl beliebt ist, hat dafür gesorgt, dass ich über zwei Stunden lang komplett in mich gekehrt und nicht mehr ansprechbar war. Doch manchmal ist es ganz schön, alleine in der Menschenmenge zu sein und einfach nur zu genießen.