Tripbericht lesen
Übersicht:
| Titel: | Unendlichkeit ist nur der Mangel an Grenzen |
| Drogen: | 2C-B |
| Autor: | SarahB |
| Datum: | 19.08.2013 21:38 |
| Set: | Neugiergde, bewusstes Entscheiden, verschiedene Substanzen im Selbstversuch zu testen, Vorfreude |
| Setting: | Zu Hause, auf der Terrasse, im Wohn- u. Schlafzimmer, am Schreibtisch, im Bett, am Telefon |
| Nützlichkeit: | 9,35 von 10 möglichen (110 Stimmen abgegeben) |
Bericht:
Zur Person:
Sarah, 57 Jahre, 160 cm, 46 kg
Vorwort:
Einen kleinen Augenblick lang hat Gott mich in sein Geheimnis blicken lassen
2C-B -"20 mg" (Hydrochlorid.) ich danke Alexander Shulgin für jeden Selbstversuch und diese wunderbare Substanz!
Eine noch durch meinen Vater geschenkte Flasche Weines kam zu diesem festlichen Anlass zum Einsatz, Barolo Jahrgang 1972 (er war nicht gekippt und schmeckte somit vorzüglich!)
Gemessen an dem Gut, trank ich dieses erlesene Tröpfchen auch mit Zeit und Genuss pur über 8 Stunden und jeder Schluck wurde in Gedenken an meinen wunderbaren Vater verköstigt.
Es war der richtige Augenblick, das wusste ich. Ansonsten habe ich sogar auf meine Tagesmedizin verzichtet, da ich auf keinen Fall einen Mischkonsum oder durch Mischkonsum das Erleben verändern oder gar negieren wollte.
Dies ist das zweite Mal, dass ich mich wage, eigene Erfahrungen mit Drogen aufzuschreiben. Es soll für die Menschen als Erfahrungswert dienen, dies zu hinterlassen, ich als meine Pflicht ansehe. Es soll für die Menschen sein, die wie ich, verantwortungsvoll und mit der nötigen Demut an Substanzen herangehen, die unweigerlich einen tiefen Einschnitt in unser Bewusstsein bedeuten, Spuren hinterlassen werden.
So gilt es zunächst zwei Menschen zu danken, die ich durch das LdT habe kennenlernen dürfen. Den einen begleite ich schon lange, (ich nenne ihn hier mal X.) bevor ich je ein Wort hier schrieb, in dem ich seine Inhalte stets mit Aufmerksamkeit und Interesse verfolge, ihn still bewundere und er für mich ein absolutes Vorbild wurde, ist.
Also, ihn KENNEN trifft es nicht, da ich ihn noch niemals real sah, dennoch fühle ich eine große Verbundenheit zu ihm, so dass er mir kein bisschen FREMD ist und ich mir sogar erlaube, für ihn freundschaftliche und ehrliche Gefühle zu hegen.
Er selbst weiß nichts von meiner ihm entgegengebrachten Sympathie, noch, dass ich ihn persönlich begleite. Im Stillen verfolge ich seine Einträge hier und danke stets dafür, dass auch so ein kleines Menschlein wie ich, seine Inhalte lesen darf.
Hätte ich einen Wunsch frei, so wäre es, nur eine einzige Stunde mit diesem so klugen Mann reden zu dürfen. Eine kleine Stunde, da ich sicher bin, dass ich hernach nur noch wenige Fragen haben würde.
Ohne diesen Mann wäre das LdT ein kleines Häufchen. So jedoch erblüht es durch ungeheure Sachkenntnis, sein stetes Bemühen hilfreich zur Seite zu stehen, Aufklärung zu betreiben, Mut zu machen.
Auch wenn dieser wunderbare Mensch gar nicht weiß, wie sehr ich ihn verehre, was letztlich auch unwichtig bleibt, ist es doch so, dass alles, was er mitzuteilen hat, von mir aufgesogen wird, wie ein kleiner und trockener Schwamm. Seine Einträge machen mir Mut, ich ziehe zuweilen neue Hoffnung und lerne beständig ob seines unglaublichen Wissens.
Der andere junge Mann, ich nenne ihn Y. hat mein Leben so nachhaltig verändert und bereichert, dass ich längst einen festen Platz für ihn in meinem Herzen reservierte. Ich habe das Glück, von eben diesem so empathischen jungen Mann lernen zu dürfen, ein Teil seines Lebens sein zu dürfen, dass es mich immer neu mit tiefer Dankbarkeit erfüllt.
Seine Reife und so ungeheuer hohe Empathie und dies, obgleich er noch so jung ist, machen mich immer wieder neu staunend und längst dürfen wir ein solides Fundament unser eigen nennen, Vertrauen, so dass wir gegenseitig voneinander lernen und unser Miteinander getragen wird durch im Gleichgewicht stehendes Geben und Nehmen.
Er war es, der mir in wirklich großer Not Hilfe zuteil werden ließ, selbstlos und ohne Zögern und dann beschenkte er mich auch noch, so dass ich schlussendlich in den Besitz einer 2C-B- Kapsel kam, die mein Leben tiefgreifend und ich denke für immer, verändert hat. Zum guten Schluss hat er sogar ohne vorherige Verabredung oder Zustimmung als Tripsitter fungiert, wofür ich ihm ewiglich dankbar sein werde.
Aber auch das LdT selbst ist für mich zu einem wertvollen Bestandteil geworden. Ich habe so vieles lernen dürfen und täglich neu begebe ich mich auf Entdeckungsreise und danke allen, deren Inhalte auch ich lesen darf, die mich bereichern, meinen Horizont stetig erweitern und zuweilen, in Phasen tiefer Traurigkeit auffangen und ermutigen, neue Hoffnung zu schöpfen.
Es fasziniert mich, wie viele junge Leute es gibt, die schon so reif und in sich ruhend sind, so dass ich eigentlich jedem hier danken möchte, dass ich an seinen Inhalten teilhaben darf. Dass ich ein Teil von etwas sein darf, was allein so schade wäre, in sich zu wissen und nicht für Dritte bereitzuhalten.
Mein besonderer Dank gilt aber X + Y!
Vor wenigen Wochen ereilte mich eine wahre Hiobsbotschaft und ich brauchte eine ganze Weile die darin enthaltende Botschaft zu begreifen.
Eine kürzlich erhaltene Diagnose,hat die Entscheidung in mir reifen lassen, verschiedene Stoffe zu testen und ein Buch darüber zu schreiben. Das heißt zunächst, dass ich viel lesen und eine Menge Recherche betreiben muss - um dann das Ganze in eine Geschichte oder einen Roman sprachlich einbetten zu können.
Ich will darin weder moralisieren, denn das steht weder mir, noch anderen zu, ich will auch nicht zum Missbrauch ermutigen. Im Gegenteil, ich möchte aufklären und hoffe somit, dass jeder, der bereit ist, bestimmte Drogen zu probieren, dies mit maximalem Respekt vor den Stoffen und einem großen Bewusstsein um die möglichen Gefahren, die sich immer einstellen können, angeht.
Ein disziplinierter und streng kontrollierter Umgang mit Drogen kann eine wahrliche Bereicherung für das eigene Leben zur Folge haben. Eine psychedelische Reise kann das ganze Leben verändern und alles zuvor gelebte und gedachte auf den Kopf stellen. Es kann tiefgreifende, nie mehr löschbare Veränderung in uns bedeuten und somit kann das Verkonsumieren bestimmter Stoffe einen massiven Eingriff für jeden Menschen nach sich ziehen, der hier sich bereit ist, einzulassen.
Solange dies wie angedeutet -"in Maßen und höchstmöglicher Disziplin" geschieht, können dergleichen Erfahrungen von unschätzbarem Wert sein. Die resultierende Bewusstseinserweiterung bedeutet aber auch, dass man sensibler, anfälliger und zuweilen auch angreifbarer wird. Wenn das klar ist, dann sind dergleichen Reisen ohne Zweifel wertvoll. Aber nur, wenn dies nie in einer steten Anhebung der Dosis, ganz gleich welcher Substanzgruppe geschieht, kann man positive Erfahrungen machen. Alles was zum Missbrauch mutiert, wird den Menschen schlussendlich auf lange Sicht hin betrachtet, schädigen.
Da ich nicht weiß, was mein Schicksal für mich vorgesehen hat, muss ich nun eben etwas schneller leben als sonst und als dies andere Menschen machen. Ich muss meinen Feind, den Faktor "Zeit" in Schach halten und hoffe, dass mir mein Vorhaben noch gelingen mag.
Ich habe in früheren Jahren viel selbst mit Stoffen experimentiert, dann viele Jahre gar nichts genommen, da anderes wichtig zu leben war. Nun möchte ich gern noch einige wichtige "psychedelische Erfahrungen" machen und diese festhalten, weil ich in mir spüre, dass ich dies den Menschen schuldig bin oder sagen wir so, ich denke, dass meine Inhalte vielleicht einigen Menschen helfen könnten, ihren eigenen Lebensplan zu hinterfragen, wenn nötig sogar Korrektur zu fahren.
Ich wünsche JEDEM, der hier den heiligen Boden der Bewusstseinserweiterung zu betreten sich auf den Weg begibt, dass er dieses Wissen und jede aus dem Erleben heraus geborene Erkenntnisse positiv nutzt, statt sie unter einem "immer Mehr-haben-wollen" wieder opfert.
Viele "Stoffgruppen" bedingen das Öffnen der Seele, das kann das WUNDERBARSTE sein, was man je erfahren durfte, es kann aber auch nagenden und beißenden Schmerz bedeuten.
Wie alles im Leben hat jedes Ding immer zwei Seiten. Liebe ohne Leiden, gibt es so wenig, wie Erkenntnis und Glückseligkeit ohne auch schmerzliche Erfahrungen daraus zu ziehen. Und doch ist der Weg in die tieferen Schichten unseres Bewusstseins stets ein weiter, mutiger und oft nicht leichter. Wichtig ist nur, zu verstehen und erworbenes Wissen sorgsam zu verwalten und in den Alltag hinüberzuretten.
Sucht kommt von Suchen, so denke ich. Also suche ich, aber nicht süchtig.
Die Sehnsucht nach Liebe und Glück, nach Erfüllung und Verstehen - treibt jeden Menschen gleichermaßen, nur gibt es unterschiedliche Wege, dies zu finden.
Mein Motto ist und war seit jeher: "Wer einen weiten Weg vor sich hat, überspringt keine Stufen"
Und so möchte ich versuchen in absoluter Aufrichtigkeit mein Erlebtes in Worte zu fassen mit der Bitte um Nachsicht.
Ich bin, betrachtet man andere Tripberichte, nur ein kleines, sehr unbedeutendes Lichtlein und längst nicht so klug wie oben genannte Menschen, versuche diesen Mangel jedoch mit Ehrlichkeit und einem offenen Blick auf alles - auszugleichen.
Das verspreche ich und danke schon jetzt jedem, der sich die Mühe machen wird, meine kleine Geschichte zu lesen. Danke dafür.
War es bislang mein Bestreben, meinen chronischen Schmerzen zu entkommen oder diese eben halbwegs erträglich zu gestalten, so spürte ich im Laufe der verstreichenden Zeit und des Lesens hier eine wachsende Neugierde auf bestimmte Substanzen. Und da ich in einem Alter bin, wo man nicht einfach mal so ein Abenteuer sucht, denn sorgsam abwägt, habe ich den Trip, der am Sonntag, 21.07. um 21:43 h begann, mit aller nur möglichen Sorgsamkeit vorbereitet.
Das heißt, ich sorgte für ein behagliches Außen, gutes Essen und Trinken und hatte auch 4 x Diazepam á 10 mg geordert, falls es nötig werden würde, den Trip, aus welchem Grunde auch immer, abbrechen zu müssen.
Es war wirklich alles perfekt organisiert und bevor ich dann die Kapsel einnahm, goss ich noch alle Blumen und stellte so viele Lichter auf meiner kleinen, aber so süßen Terrasse auf, wie nur möglich war.
Es hat sicher eine gute halbe Stunde gedauert, bis die ersten „Dinge“ sich für mich veränderten. Aber der Reihe nach, ich versuche das Ganze chronologisch niederzuschreiben.
Bericht:
Tripbeginn: 21:43 h
Es war an jenem Sonntag ein unschlagbarer Sommertag, so dass das Sitzen auf der Terrasse förmlich zum Muss wurde.
Ich hatte mir Erdbeeren zubereitet und sündhaft viel geschlagene Sahne dazu gegönnt, hörte Pink Floyd, dann Vollenweider und erste optische Effekte traten ein. Alles schien einen Strahlenkranz zu umgeben und jede Bewegung, selbst ein ruhendes Bild schwappte in 1000-facher Wiederholung als Zeitlupenaufnahme nach. Blitze, kleine metallfarbene, geometrische Objekte überlagerten andere Lichtquellen. Kerzenschein erstrahlte in so prachtvollem Glanz, dass ich mich wie unter Hypnose stehend diesem Kranz aus blauen und gelben, glühendem Orange und Rot nicht entziehen konnte. Licht, das zu dampfen schien, ein Blau, kalt wie die Arktis und gleichzeitig so intensiv im Zusammenschmelzen der verschiedenen Farbelemente, das sengende Hitze zu verspüren war. Diese beiden an sich widersprüchlichen Komponenten faszinierten mich und forderten meine gesamte Aufmerksamkeit.
Ich aß bedächtig meine liebevoll zubereiteten Erdbeeren, kleingeschnitten und gezuckert, vermengte die geschlagene Sahne und jeder Bissen schien in meinem Mund zu explodieren. Ein Zusammenfließen aus Geschmack und Geruch, aus der visuellen Wahrnehmung, das kalte Metall des Teelöffels, meine Hand, die ohne Eile Erdbeere für Erdbeere zum Mund führte, mutierte zu einem Gesamtkunstwerk aus Nahrung, Sinnen und dem Begreifen von Materie. Ein orgastisches Feuerwerk. Kauen, bewusst das Nahrungsmaterial mit den Zähnen, der Zunge, dem weichen und so empfindlichen Mundinnenraum zu zerkleinern, das Schmecken, das Fühlen bis zu dem Augenblick des Schluckens versetzte mich in nicht enden wollendes Entzücken.
Ich habe keine Ahnung, wie lange ich an dem eher kleinen zubereiteten Schälchen Erdbeeren aß, nur, dass das Ganze zu einem unglaublichen Erlebnis wurde. Ein Schluck Wein, der Kontrast von eben noch süß zu nunmehr herb-trockenem, flüssigem Lebensmittel ließ mich er schaudern. Sanft glitt der Wein meine Kehle hinunter, zurückblieb ein samtiger Geschmack, ein wenig wie das Pelzkleid einer Hummel.
Meine Augen suchten immer neue Reize und blieben mal hier, mal dort wie vergessene Bilder hängen, bis ich neue Lichtkegel entdeckte und neue Formen und Figuren auszumachen glaubte.
Meine Gedanken waren hingegen geordnet und klar. Ich konnte logisch denken und Inhalten folgen. Zum Beispiel, als ich für nur einen Augenblick in meinem am Nachmittag neu begonnenen Buch, Sofies Welt von Jostein Gaarder las. (Ich liebe dieses Buch, darum habe ich es auch schon 3 x gelesen. Es hat mindestens einen so großen Einfluss auf mich, wie damals, als ich als junges Mädchen erstmals den Kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry gelesen hatte. Unzähliges Male habe ich das kleine Büchlein gelesen, es lieben Menschen, die mir besonders am Herzen lagen und liegen, geschenkt. Und jedes Mal wurde ich ein wenig reifer, weiser, verstand mehr und konnte der Philosophie, der nie enden wollenden Botschaft besser folgen, verstehen, neue Sphären ausmachen.)
Mein Blick suchte in der anbrechenden Abenddämmerung den Himmel ab. Ein Flugzeug zog lautlos seine Bahnen, hinter sich verlor sich ein nebelähnlicher Kondensstreifen, der schier auseinanderzufallen schien. Besorgt schaute ich dem Verlust der Formen zu, wie sich aus eben noch klar am Himmel erkennbarem Weiß, ein faseriges Etwas verlor.
Mir gegenüberliegend machte ich drei sehr hohe Tannen aus, dahinter eine wunderschöne Lerche, eine Trauerweide, eine Rotbuche, Mehrere Kastanienbäume vermischt mir Birken und Ahorn, eine Felsenbirke und anderes Baumwerk erregten meine Aufmerksamkeit.
Die Bäume, das Laubwerk, was geheimnisvoll zu flüstern schien, forderten meine komplette Aufmerksamkeit. Der Himmel zeichnete Fabelwesen und ich versuchte immer neue Bilder zu erfassen, sie zu deuten, sie zu verstehen.
Überhaupt wollte ich endlich alles verstehen, das Leben, die Welt, ihre Menschen, meinen geliebten Katzenfreund, der mir nicht von der Seite wich und jede noch so lästige Berührung, jedes Streicheln geduldig und nachsichtig über sich ergehen ließ. So, als wisse er, dass er auf mich aufpassen müsse.
Mauli, so heißt mein treuer Begleiter, derweil bereits seit 13 Jahren an meiner Seite, lag geschlagene 3 Stunden auf dem alten Biergartentisch zu meinen Händen und verfolgte jede Geste, jedes an ihn gerichtete Wort mit einer so ausgeprägten Aufmerksamkeit, dass ich schier erstaunt war, wie klug und gelassen dieser Kater doch ist. Ab und zu schenkte er mir einen seiner typischen Katzenlaute (ein Maine Coon- Kätzchen spricht wirklich, also es hat eine ganz bestimmte Art, Gurrlaute zu formatieren) – ein zärtliches Händelecken, das macht er oft. Nur jetzt wurde mir die raue Zunge des Katers erstmals in der Gänze bewusst.
Diese kleine Katzenzunge, rosig und rein, hinterließ durch ihre raue Oberflächenstruktur in mir so etwas wie ein unerklärliches Unverständnis. Ich war fassungslos, dass eine so kleine Zunge, süße, fast niedlich wirkend, eine so lieb gemeinte Geste und aufrichtiger Liebesbeweis des Tieres - sich schlussendlich nicht schön anfühlte. Das konnte doch nicht sein.
Dann schämte ich mich, fühlte mich sprichwörtlich ertappt, weil ich der festen Überzeugung war, dass ich meinen treuen Freund beleidigt hätte. Ihn verletzt und gedemütigt hatte. Er schenkte mir eine Liebesbekundung nach der anderen und ich………
Umgehend versuchte ich mich zu entschuldigen, wollte wortreich erklären, dass ich das nicht, so nicht gemeint hätte. Dass ich nur ein falsches Wort versehentlich benutzt hatte. Ich glaube ich redete auf das arme Tier ein, wie auf einen lahmen Gaul. Mit dem Unterschied, dass Mauli sich aufrichtete und direkt vor meinem Gesicht sich positionierte. Seine Augen gerade auf mich gerichtet, so als begutachte er mich, als wolle er mir etwas Wichtiges mitteilen. Wirklich, er saß kerzengerade vor mir und blickte unverwandt in die Augen. Ich streichelte ihn, ließ sein seidiges, weiches, langes Fell durch meine Finger gleiten, liebkoste ihn, überhäufte ihn mit Gesten der Liebe und Zuwendung, bis er sich ganz langsam wieder zusammenrollte, den Blick fortfahrend fest und sicher auf mich gerichtet. Das Erspüren seines Felles faszinierte mich und ich habe lange Zeit seinen kleinen Körper liebkost.
Das Tier schien genau zu wissen was in mir vorging, was mich bewegte und ich fühlte mich noch mehr als sonst eh schon, meinem Wegbegleiter verbunden. Ich war mir sicher, dass er alles, aber auch wirklich alles, jedes Wort verstand und Tatsache ist, dass er mich während des gesamten Zeitfensters, da ich mich auf meiner psychedelischen Reise befand, nicht aus den Augen ließ und stets dicht in meiner unmittelbaren Nähe blieb. Und das kann ich sagen, das macht er normal in dieser Intensität nicht. Zwar kommt er immer wieder mal im Laufe des Tages, auch nachts kurz zu mir, damit ich weiß, alles ist in Ordnung, er ist Freigänger und somit sorge ich mich immer, das heißt in Zahlen, dass er etwa alle zwei Stunden mal eben vorbei schaut, dann aber wieder seiner Wege geht. In dieser Nacht blieb er bis auf einmal Pippi machen gehen bei mir und schien definitiv auf mich aufzupassen.
Während meine Hände den warmen Katzenkörper streichelten sah ich erneut in den Baumbestand, derweil war es dunkel geworden und die Konturen der Bäume, Sträucher und angrenzenden Häuser veränderten sich. Ich machte Figuren, kleine Wesen, huschende kleine Schatten aus und wusste nicht so genau, ob es Anlass zur Sorge gäbe. Irgendwie dachte ich, dass meine Augen mir einen Streich spielten oder war es wirklich so, dass ich auf der anderen Seite im Schein der Straßenlaterne und den vereinzelnd anderen Lichtquellen neues Leben entdeckt hatte? Beinahe regungslos blieb ich in meinem bequemen Korbsessel sitzen, bemüht, mich nicht zu bewegen und lauschte in die Dunkelheit.
Zuweilen schienen die Gesichter, die ich in den gegenüberstehenden Tannen zu sehen glaubte, bedrohlich zu werden, so dass ich beschloss, nein, alles ist gut, mir wird nichts geschehen, alles ist und bleibt freundlich. Ich bin freundlich, also, warum sollte es mir nicht gut gehen. Niemand würde mir etwas zu Leide tun, das sagte ich mir so lange, bis aus den eben noch bedrohlich wirkenden Fratzen der Tannen, kleine freundliche Wesen, Kobolde, Zwerge, Elfen, Feen oder was es sonst noch so an liebenswerten Geistern geben mag, sich zeigten oder versteckten, je nachdem, wie ich den Kopf hielt, also meinen Blickwinkel wechselte.
Die entzündeten Teelichter schienen zu glühen, kleine Sterne, wie man sie bei Wunderkerzen beobachten kann, umkränzten die Flammen. Der Himmel, der sich allmählich verdunkelte zeigte erste Sterne und ich fühlte mich Zuhause. Zuweilen schien es, als würde blauer Quecksilberdampf gleich einem ruhig dahin fließenden Baches die Weiten des Himmels durch säumen.
Meine Haut fühlte sich weich und angenehm warm an. Meine Kopfhaut bekam eine Gänsehaut (ich weiß, das hört sich unsinnig an, aber genau so habe ich es wahrgenommen), so, als habe man mir eben eine feine Kopfmassage gegönnt. Ich fühlte mich irgendwie so leicht, als wiege ich gar nichts. Nichts war schwer, nichts trübte diese Zeit. Ich fühlte mich glücklich, zufrieden. Bedürfnislos. So, wie gerade alles war, war es perfekt. Ein Leben ohne jede Last noch Bürde, ohne Not, ohne Schmerz. Ein Leben voller Einklang und ich mitten in diesem Zustand absoluter Erfüllung, wunschlos glücklich.
Dann geschah etwas sehr, sehr Merkwürdiges, jedoch so unglaublich Schönes, ohne dass ich es bemerkt hatte, war ich umgeben von all den Menschen, die ich je in meinem Leben geliebt hatte und die mich allesamt zu früh verlassen hatten. Der Damm brach und ich vergoss ganze Sturtzbäche voller Tränen. So viele Tränen, die sich so schnell in einem so ungeheuren Tempo sammelten, aus mir herausbrachen, dass ich selbst ob der ungeheuren Mengen an salzig schmeckenden Tränen, überwältigt wurde.
Ich hatte meine Eltern, Mutti und Vati, meinen geliebten Neffen, der mit 30 Jahren im Urlaub am Gardasee verunglückte, meinen Mann, meine Kinder, die ihm gemeinsam in den Tod gefolgt waren, sogar meinen alten und geliebten Ballettmeister, Monsieur André Doutreval, der mich an der Kassler Staatsoper unterrichtet hatte, bei mir.
Sie alle waren da und ich konnte sie sehen, spüren und sogar berühren. (Was ich vergessen hatte, ansonsten hätte ich vielleicht einen anderen Tag gewählt, dass das der Todestag meiner Familie, Mann und der meiner Kinder war). Jedoch, alles war gut, ich hatte ein gutes Gefühl, alles war in Ordnung, friedvoll und ohne jede Trauer.
Über jedem meiner Menschen lag ein gigantisch schimmernder und glänzender Strahlenkranz, so, als habe man ihn aus kleinen Blümchen zu einem Kopfschmuck gebunden. Als Kind habe ich oft Stundenlang irgendwo im hohen Gras gesessen und mit meiner Freundin Blumenkränze aus Gänseblümchen und Butterblumen zu kleinen auf Kinderkopfe passende Kränze gewunden. Dabei sangen oder brabbelten wir unbekümmert alte Volkslieder. Dies erinnerte ich nun, wo meine geliebten Menschen mich umgaben und ein stilles Lächeln besiegelte diesen Augenblick alten Glückes.
Die optischen Effekte verstärkten sich und ich hatte Formen vor Augen, die so wundervoll waren, sie zu beschreiben ist mir nicht möglich. Lichtspiele und ein gigantisches Flimmern taten sich vor mir auf.
Ich wollte meinen alten Ballettmeister gern fragen, ob er mit meinen Leistungen zufrieden gewesen sei, als er mich mahnte: „Junge Dame, wer Perfektion sucht, hat schon verloren, nur täglich neuer Schweiß und Mühe werden dir den Weg ebnen“.("Jeune fille, qui cherche la perfection a été perdu, seulement neuf sueur et le labeur quotidien vous ouvrir la voie") Und ich wusste, er hatte ja so RECHT!
Ich liebte diesen Mann, der so streng, so unnahbar war, der Maître, umgeben von Mythen und Phantasmen. Und das war wirklich so, am Theater waren mächtig viele Geschichten um diesen Mann im Umlauf, was ihn um ein Weiteres zu einem besonderen Menschen für mich machte.
Man sagte ihm zu große und unnötige Strenge nach. Niemand jedoch hätte es gewagt, einem Wort des Maître auch nur ansatzweise Widerspruch entgegenzusetzen. Nur ich, ich wusste immer, dass dieser Mann ein gütiges Herz hatte, eine große Seele, er war für mich der Inbegriff an Stolz, Klugheit und majestätischer Perfektion.
Mehr als 20 Jahre habe ich an der Kassler Oper tanzen dürfen, erst dann erlernte ich den Beruf der Krankenschwester und noch etwas später absolvierte ich eine Ausbildung zur Hebamme. Aber ganz gleich, was ich je tat, ich tat es ganz, mit Hingabe und Passion. So nahm ich seit vielen Jahren letztmals meine alten, völlig durchtanzten Ballettschuhe von der Wand und lebte noch einmal für eine kleine Weile diese Kunst. Schwanensee, Nussknacker, dann Chopin.
Mein Wohnzimmer wurde zum Tanzsaal und so sehr mich meistens meine Gelenke und besonders mein Rücken mit schlimmen Schmerzen plagen, jetzt, in diesem Augenblick war alles leicht, alles ohne jede Mühe. So, als habe ich nie etwas anderes getan. Ich tanzte in und aus meiner Seele heraus, die sich Öffnete, langsam, ganz langsam, so, als schaue man in einem Film in Zeitlupe, in dem sich eine Blütenknospe öffnet. Blatt für Blatt fiel ich aus mir selbst hinaus und Zeit und Raum verblassten in dem seligen Gefühl der Freiheit. Ja, ich war frei, entlassen aus allem was Last und Anstrengung bedeutet, frei ohne Grenzen.
Ich legte Enrico Caruso auf und es erfasste mich eine so unbarmherzige Euphorie, sie war so unglaublich intensiv, dass ich weinte, weinte, weinte und das Gefühl, dass ich den Ozean, alle Meere zugleich leeren würde, legte tröstend ihre Flügel über mich, schützend, geschützt, beschützt. Das Eindringen der ersten Töne brach mir beinahe das Herz, so schon, so groß war das, was mich trug, aus mir selbst heraus trug.
Die Seele öffnete sich, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte. Mein Herz war ein Feuerball, ich empfand so unendlich viel Liebe für alles, was mich umgab, dass es mir der Worte mangelt, dies hier wiederzugeben. Liebe, Liebe. Liebe……………… Ich glaube, und ich habe schon viel Schönes erleben dürfen, so etwas GROSSES, so etwas Vollkommenes habe ich noch nie zuvor, nicht einmal annähernd erlebt. Es war so schön, dass es Schmerz forderte und ich weinte, weinte, weinte.
Liebe für wirklich alles und eine so unendliche Dankbarkeit nahm von mir Besitz, dass ich selbst einem Strahlenglanz glich. Die Tatsache, dass alle Menschen, die ich je geliebt und leider alle viel zu früh verloren hatte, bei mir waren, verwunderte mich keinen einzigen Augenblick. Es schien das Normalste der Welt zu sein. Und alle waren voller Friede und Güte, sahen so glücklich aus, waren so voller Wärme, dass das Weinen nur Ausdruck dieser tief empfundenen Dankbarkeit war.
Ich habe gedacht, ich hätte schon alle Tränen dieser Erde und diese Lebens geweint, Tränen, die ein Mensch weinen kann, ich wurde belehrt, da ist noch so viel mehr in mir. So viel mehr. Ich kann das nicht in Worte fassen, was in diesen Augenblicken in und mit mir geschah, Nur, dass es mich ganz und gar einhüllte und ich glaube, das war, das muss für einen kleinen Augenblick das Geheimnis Gottes gewesen sein und ich habe hineinblicken dürfen.
Was mir hier zuteil wurde, ich habe es erlebt, ich war in diesem Moment alles und nichts zugleich. Es war großartig und beängstigend SCHÖN zugleich. Ich bin sicher, das war das Göttliche. Ein kleiner, winziger Blick war mir erlaubt und doch war dieser Augenblick zeit- und namenlos. Grandios und nicht mit Worten zu erklären.
Ich spürte das Göttliche und Zeit und Raum verloren jede Gültigkeit. Ich war in einem Zustand unendlicher Demut und Dankbarkeit, dass ich es nicht länger ertragen konnte, mit diesem Gefühl allein zu bleiben. Ich hatte das Gefühl, das es maximal egoistisch wäre dieses so unglaublich schöne Erleben nur für mich zu behalten, ich wollte einen lieben Menschen daran teilhaben lassen. Ich konnte das Schöne allein nicht aushalten, es war so groß, so unglaublich erhaben, es fühlte sich an, als stünde ich im Zentrum einer Kathedrale, als sei ich selbst hier als Echo eben geboren worden.
Ich befand mich im Zentrum des Zentrums, im Kern eines Zentrums, dessen Zentrum und nochmals tiefer gehend in das zentralste, nun noch zu erreichende Zentrum allen Seins.
Nur, wen ruft ein ordentlich erzogener Mensch nachts um 23:30 h noch an? Wer würde verstehen, was ich erlebte? Wen durfte ich jetzt noch behelligen? Wer war es wert, dieses Große miterleben zu dürfen? Alles Fragen, die ich mir bewusst stellte und dann holte ich das Telefon und rief meinen jungen Freund Y. an. Wen sonst hätte ich beschenken können, wenn nicht ihn, diesen außergewöhnlichen jungen Mann?
Er war genau der richtige Mensch. Er hatte es verdient, an meinem Erleben teilzuhaben. Und er hat so wunderbar reagiert, ich danke ihm von Herzen, für alles, was er während der Stunden, da ich redete und redete und redete, für mich tat.
Für seine Ehrlichkeit, für seine Empathie, für seine Zeit, die er mir schenkte, für jedes Wort der Anteilnahme, er ist ein so großartiger junger Mann und ich wünschte, ich könnte ihm nur ein wenig von dem zurückgeben, was er mir gab, selbstlos und ohne zu werten.
Ich erinnere mich, dass ich zu Y. sagte:“ Dass das das Göttliche sein muss, dass ich selbst im Zentrum des Lichts stehe und alles Leid und jede nur denkbare Freude zugleich meine Seele öffnet und für immer beleben wird. Dass ich mich kathedralisch fühle. Das Wort gibt es gar nicht, ich weiß, aber es wollte mir kein anderes Wort einfallen, was meinen Zustand auch nur annähernd hätte beschreiben können.
Das erste, was er fragte oder sagte, war: „Hi Sarah (er muss meine Nummer auf dem Display gesehen haben), geht es Dir gut? (Er wusste, dass ich abends die Kapsel nehmen wollte und er hatte mich vorbildlich vorbereitet und aufgeklärt.)
Er war so bemüht, mich zu verstehen, gut durch mein Erleben zu bringen, dass ich allein wegen dieses Vorgehens erneut zu Tränen gerührt bin, so dankbar, dass er einfach da war!!!!!
Er freute sich für mich, war aufrichtig froh, dass es mir so gut ging, als ich sagte:“ Du, Y., ich glaube, jede Droge kann nur das aus einem Menschen hervorbringen, wie dieser Mensch auch ist. Ich bin ein durchweg positiv denkender Mensch, frei von Neid oder Missgunst, ich kann mich wie ein Kind für andere freuen, also, wie sollte ich auf einen schlechten Trip kommen?
Ich liebe das Leben und ich liebe die Menschen, die Natur, ich bin ein sensibler, empathischer Mensch, darum glaube ich auch, dass ich das hier erleben darf. Und er sagte:“ Ja, Sarah, das denke ich auch, das war alles und doch hatte er damit so viel gesagt. Alles hatte er gesagt.
Ich war so froh, so dankbar, dass ich ihn erreicht hatte, dass ich mit ihm reden konnte, dass er mich zu verstehen schien, wenngleich ich ihn mehrmals fragte, wie ich auf ihn wirke. Betrunken oder eben etwas schräg oder eher doch normal…… ich selbst konnte das ja nicht wirklich objektiv beurteilen. Er meinte, wenn ich das richtig erinnere, dass ich sehr klar rüber käme und absolut nicht daneben wirken würde. Ein kleiner Zweifel regte sich in mir, da ich einen Augenblick lang dachte, dass er mich vielleicht nur schonen will. Ich ließ es jedoch so stehen, wichtig war nur, dass ich mit ihm reden konnte, seine Stimme war wie Balsam auf alte, so auch neue Wunden.
Obwohl ich weinte und weinte, war ich doch so unsagbar glücklich, dass ich ihm sagte:“ Ja, Y., alles ist gut, mir geht es wunderbar und ich muss das mit wem teilen, ich kann das Glück nicht allein leben, ich muss es teilen dürfen. Und dann begann ein langes, langes Telefonat.
Ich ahne, dass ich mehr als 2/3 redete, er den Rest der Zeit, stets bedacht, dass es mir gut geht. Ich erzählte ihm von den Menschen, die alle um mich versammelt waren, von meinen Verlusten, meinem Leben. Nötigte ihm auch meine Musik zu, ich hoffe, er verzeiht mir auch diesen Übergriff. Sagte ihm oder versuchte ihm zu erklären, wie dankbar wir alle sein müssen, wie gut es uns geht. Er darf studieren, hat ein Dach über dem Kopf, muss nicht Hunger leiden, auch ich habe ein schönes Zuhause, wenn auch knappes Geld, so doch so viel, dass ich stets auch noch was abgebe an jene, die gern vergessen werden, die noch viel weniger haben, als ich.
Ich berichtete ihm von meinem Neffen, den ich sehr liebte, zu dem ich die bessere Beziehung hatte, als meine Schwester als Mutter, dafür kommt sie besser mit meiner Tochter aus, als ich selbst.
Ich erzählte von jenem Tag, da ein betrunkener Autofahrer ob seiner Ignoranz meine Familie für immer zerstörte, Mann und zwei Kinder starben, er selbst hatte nur gebrochene Beine und zahlte eine lächerliche Geldstrafe.
Ich versuchte Y. aufzuzeigen, wie friedlich alles ist, wie erhaben und dass ich nun weiß, was göttliche Vorsehung bedeute. Ich konnte verzeihen, selbst dem Menschen, der mir fahrlässig und ohne Not meine Familie genommen hatte. Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass ich in diesem Augenblick meinen Frieden mit allem und jedem schloss. Mit denen, die mir geschadet hatten, die mich verletzt hatten, die mich missbraucht hatten, mit denen, die mich gequält und erniedrigt hatten. Ich fühlte das große Verzeihen in mir. Vergeben, auch mir selbst ob meiner Versäumnisse und Fehler, die ich, derer ich mich im Laufe meines Lebens selbst schuldig gemacht hatte.
Ich weiß gar nicht, wie lange ich tatsächlich mit Y. telefoniert habe, bevor sich sein Handy verabschiedet hatte, was zunächst einer kleinen Katastrophe gleich zu kommen schien. Ich war aufgewühlt, wollte nicht allein sein, hatte doch noch so viel zu sagen, bis ich dachte, okay, genug ist genug, ich kann nun auch allein bleiben.
Gefühlte Zeit, dann würde ich sagen, es müssen mehrere Stunden gewesen sein, in denen dieser unglaubliche junge Mann mich sicher durch mein Erleben begleitete.
Ich dachte dann noch lange an Y. und daran, dass er so ein liebenswerter, wertvoller und durch und durch wunderbarer und guter junger Mensch ist, dem ich von Herzen ein gutes und erfülltes Leben wünsche und wenn ich kann, würde ich ihm so gern etwas zurückgeben. Er hat mir den Weg ins Licht geebnet, hat es geschafft, dass ich ohne Furcht und Angst blieb, mit ihm reiste ich durch neue Galaxien, bestehend aus Fühlen und Denken, Verstehen und Ahnen.
In Ermangelung an Worten, sagte ich das Wort Dankbarkeit und Demut so oft, dass er allein dafür einen Orden verdient hätte, war er es doch, der mein überquellendes Reden ertragen musste.
Ich bin auch im normalen Leben ein sehr positiv besetzter und denkender Mensch, also schaffte ich es, mir einzureden, alles ist gut und ich werde nun noch einen schönen Trip haben, was auch gelang.
Eine gute Zeit sah ich nur in den Himmel, die Nacht war sternenklar und so holte ich das alte Fernglas meines Vatis und suchte den Himmel ab. Strahlenblitze, Kränze, leuchtende kleine Gassen schienen geheimnisvoll am Himmel aufzutauchen. Funken aus glühenden Farbmischungen breiteten sich über das Himmelszelt, so hell. So magisch, fesselnd, intensiv, schimmernd, dass ich nur regungslos in diesen Zauber blickte.
Wow, was für ein Funkeln und Glänzen, welch wahnsinniges Leben fand da statt. Ich sah kleine Menschlein Sterne einander zuzuspielen, jeder Stern schien mein persönlicher Freund zu sein. Über allem lag ein unglaublich farbenreicher Strahlenkranz und mein Herzschlag selbst schien ein Glänzen zu sein. Ich fühlte meine Haut atmen, konnte ihre Oberfläche betrachten, so, als sehe ich durch ein Mikroskop und war fasziniert, dass ich einer Mondlandschaft glich.
Es waren meine Eltern, die aufbrechen wollten und sich bereit machten, zu gehen. Ich wollte das um jeden Preis verhindern, bis der Vati sagte:“ Du hast uns gerufen und wir sind zu dir gekommen, nun sei vernünftig und sieh ein, jede Reise hat einen Anfang, so aber auch ein Ende“. „Habe keine Sorge, wir kommen wieder, sind immer bei dir, lass uns nun aufbrechen, wie haben einen weiten Weg“. Das verstand ich, auch wenn ich bitterlich weinte, bis auch mein Mann, die Kinder, zum Schluss Ilja, mein Neffe, aufstanden, ich fühlte ihre Umarmung so intensiv, dass es mich fror. Ich begann zu zittern, meine Hände flatterten förmlich, ich spürte, etwas Großes sollte mir genommen werden.
Und dann sprach ich Hebräisch, einen jüdischen Vers (ich habe die Sprache nie erlernt, nur durch den Großvater noch etwas in Erinnerung, Wortfetzen, Wortfragmente, maximal, nun konnte ich es mühelos)
Ich sagte:“ Shalom, wir sehen uns am Wasser, oben am Felsen, ich komme bestimmt“!
Verurteile Keinen Menschen und halte kein Ding für unmöglich,
denn es gibt keinen Menschen, der nicht seine Zukunft hätte,
und es gibt kein Ding, das nicht seine Stunde bekäme.
(Talmud)
Dann war ich allein mit dem Katzenmann und für einige wenige Augenblicke so irritiert, das ich suchend durch meine Wohnung schritt. Nein, nicht schritt, ich irrte eher der Verzweiflung nahe, so als könne ich etwas sehr WICHTIGES versteckt oder verloren haben.
Aus dem Traurig sein erwuchs ein kreativer Schub, ich schrieb kleine Gedichte, die ich dann am Folgetag sogar für einigermaßen tauglich hielt.
Mit Lippenstift schrieb ich an meinen Spiegel: „Lieben heißt, niemals um Verzeihung bitten zu müssen“ – und ich lasse es stehen, es ist ein so richtiger, wenn auch banaler Satz, er ist ich, ich bin dieser Satz, ich lebe so!
Ich musste zur Toilette und sah mich selbst im Spiegel und dachte, ja, das bist du, du und deine Haut, Deine Augen, deine Haare und ich hatte für mich selbst ein unglaublich zärtliches Gefühl. Ich war im Reinen mit mir, so fühlte ich mich jedenfalls und das Gefühl konnte ich konservieren, also hinüberretten aus dem Trip.
Danach habe ich noch viele Stunden Musik gehört und getanzt, es war eine Freude, bis ich jäh aus meinen Träumen gerissen wurde.
Es klingelte an meiner Haustür und ich erschrak, keine Idee, wie spät es wohl war, alles, was ich wusste, dass es bereits wieder Tag wurde. Zuvor hatte ein erboster Nachbar das Fenster mit Krach geöffnet und schrie:“ Hoffentlich ist da unten bald mal Ruhe“. Ich rief zurück, „ich wünsche Ihnen auch ein tolles Sexualleben“. Warum ich das sagte, hm, ehrlich? Keine Ahnung.
Eigentlich bin ich ein vorbildlicher Mieter. Stets rücksichtsvoll und sehe immer zu, dass ich niemandem zur Last falle. In dieser Nacht habe ich die Stille der Nacht und die Lautstärke meiner geliebten Musik offenbar unterschätzt und so bekam ich dann auch bald Besuch von zwei jungen Polizisten, ein junger Mann und eine junge Frau, ich schätze beide auf höchstens Mitte 20 und was macht ein höflicher Mensch? Richtig, er entschuldigt sich und bittet die Herrschaften einzutreten.
Umgehend machte ich die Musik leiser, wobei der junge Mann meinte, so laut sei es eigentlich nicht, er fänd‘ es aber nett, dass ich einsichtig sei.
Die Idee, dass ich eine Droge intus hatte, kam den beiden wohl eher nicht, darum fragten sie etwas scherzhaft, ob ich was getrunken hätte und ich sagte wahrheitsgemäß:“ Ja, in acht Stunden eine Flasche guten Weines, betrunken sei ich aber ganz sicher nicht. Ich denke, das konnte ich auch glaubhaft vermitteln, jedenfalls entschuldigten die beiden sich noch mehrmals für die Umstände und wir unterhielten uns über Gott und die Welt, bis sie über Funk an einen anderen Einsatzort gerufen wurden.
Es waren zwei sehr nette junge Leute, wenngleich ich ansonsten so meine Probleme mit unseren Ordnungshütern habe, die hier mochte ich jedoch und als der Kollege schon an der Haustür war, kam die Polizistin noch einmal zurück, umarmte mich herzlich und sagte:“Danke, dass ich Sie kennenlernen durfte“. Da war ich dann ein wenig überfordert, da ich nicht wusste, was diesen Dank begründete.
Ich nahm es als Geschenk, selbst mit den Ordnungshütern ausgekommen zu sein und begann ganz langsam mich auf den Schlaf vorzubereiten.
Ich hatte noch lange Zeit wundervolle Bilder, sah Formen und die Musik, zum Schluss legte ich Franz Liszt auf, entführte mich noch einmal in fremde Spähern und ließ mich frei jeder Last meine eigene Seele fühlen.
War das erste Mal Gras rauchen schon gigantisch, das hier, ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, war so wundervoll, ein solches Geschenk, dass ich es als meine Pflicht ansehe auch Euch an diesem Erlebten teilhaben zu lasen.
Bei 2C-B ist es ratsam, da es sehr emotional wird, nicht allein zu sein, denn einen Menschen seines Vertrauens zu sich zu bitten. Darum bin ich froh, dass ich, als das Erleben und Empfinden zu groß für mich kleines Menschlein wurde, dass ich meinen jungen Freund habe anrufen können, Ich denke, ohne ihn wäre Vieles ganz anders verlaufen, ich bin ihm so dankbar und seit jener Nacht fühle ich eine unglaublich große Verbundenheit zu ihm.
Ich werde das ganz sicher mal wiederholen, dann aber ein Diktatphon nutzen, um wirklich auch die Worte festhalten zu können, die ich sagte.
Ich bin so reich entlohnt worden, so dass mir am Ende nur bleibt, Euch allen zu danken, vor allem aber X und Y.
Ich habe schon viel erlebt, Gutes und Schlechtes, Schönes und Hässliches, ich weiß was Liebe ist, ich kenne das Gefühl von Glück und Erfüllung.
Ich weiß wie Schmerz und Trauer schmecken, ich kenne viele Farben dieses Lebens und doch, das, was ich an diesem Sonntag erlebte, durchlebte, hat alles bisherige nichtig und klein wirken und werden lassen.
Das, was mir hier in diesen Stunden widerfahren ist, ist mit nichts aus dem uns bekannten Wortschatz zu beschreiben, es war und ist eine Reise in die Unendlichkeit gewesen.
Grenzenloses Sein. Zeit und Raum verloren jede Bedeutung. Die Gesetzte der Physik wurden aufgehoben, nichts hatte mehr Bestand in seiner ursprünglichen Form und Annahme.
Niemals zuvor hat sich derart viel in mir bewegt. Nichts was ich je zuvor erlebt oder gelebt hatte, konnte diese Zeitreise in einen Vergleich bringen - wie eben diese Stunden, in denen ich Stück für Stück zu mir selbst fand
Schließen möchte ich dieses kostbare Kleinod mit einem Gedicht von "Novalis", weil es annähernd beschreibt, wie ich mich auf meiner Reise fühlte und wo ich mich befand!
Wer Schmetterlinge lachen hört
Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken,
der wird im Mondschein
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.
Der wird zur Pflanze, wenn er will,
zum Tier, zum Narr, zum Weisen,
und kann in einer Stunde
durchs ganze Weltall reisen.
Er weiß, dass er nichts weiß,
wie alle andern auch nichts wissen,
nur weiß er was die anderen
und er noch lernen müssen.
Wer in sich fremde Ufer spürt,
und Mut hat sich zu recken,
der wird allmählich ungestört,
von Furcht sich selbst entdecken.
Abwärts zu den Gipfeln
seiner selbst blickt er hinauf,
den Kampf mit seiner Unterwelt,
nimmt er gelassen auf.
Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß wie Wolken schmecken,
der wird im Mondschein,
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.
Der mit sich selbst in Frieden lebt,
der wird genauso sterben,
und ist selbst dann lebendiger,
als alle seine Erben.
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