Tripbericht lesen
Übersicht:
| Titel: | Ihr hättet mich gerade schweben sehen sollen. |
| Drogen: | Mischkonsum von Psilocybinhaltige Pilze und Cannabis (Reihenfolge vom Autor festgelegt) |
| Autor: | dreiraum |
| Datum: | 11.12.2013 00:26 |
| Set: | Neugierig, interessiert, aufgeklärt, respektvoll, glücklich |
| Setting: | Große stilvolle Wohnung in Amsterdam |
| Nützlichkeit: | 7,86 von 10 möglichen (21 Stimmen abgegeben) |
Bericht:
Im März 2013 trat ich mit 3 weiteren guten Freunden eine Reise in die wunderschöne, synapsenkitzelnde Hauptstadt der Niederlande an. Da wir alle viel Geld investierten konnten wir uns über eine sehr geräumige, elegant eingeräumte und moderne Wohnung erfreuen, was für den weiteren Verlauf dieses Tripberichtes ausschlaggebend ist da wir uns frei bewegen konnten, eine eigene Küche besaßen, Zugriff auf Musikanlage und WLAN hatten usw. Kurz gesagt: ein wirklich perfektes Setting.
Grundsätzlich sind wir natürlich wegen des grünen Samtes nach Amsterdam gekommen, jedoch waren wir offen für alles was auf uns zukommen würde und ich persönlich sowieso schon seit langem an Drogen generell und vor allem an Psychedelika interessiert. (Nicht im Sinne von Sucht, viel eher im Sinne von Interesse an der eigentlichen Wirkung und der veränderten Wahrnehmung)
Zum Zeitpunkt des Urlaubs war ich 17 Jahre alt, hatte was Gras betrifft schon eine ausgiebige Karriere hinter mir und auch schon diverse Erfahrung mit synthetischen Drogen wie Speed oder MDMA gemacht , ich stand jedoch Halluzinogenen/Psychedelika immer sehr respektvoll gegenüber und habe mich auch vor meinem ersten Trip ausreichend informiert, da ich nicht nur keine unangenehme Reise antreten wollte, sondern auch wusste das ich meinen Trip je nach Set/Setting zwar nicht direkt steuern, aber in eine positive Richtung lenken konnte.
Hier beschreiben werde ich nicht meine Erste, sondern meine Zweite Erfahrung mit psylocibinhaltigen Pilzen (genauer gesagt Trüffeln da Pilze seit einiger Zeit in Holland nicht mehr legal zu erwerben sind. Der Effekt bleibt gleich.), welche sich jedoch nur 2 Tage nach meiner ersten psychedelischen Reise abspielte. Der Grund hierfür ist das es beim ersten Mal zwar definitiv wirkte, wir echt krasse Lachflashs hatten und auch die Farben enorm intensiv wirkten, wirkliche Veränderungen der Umgebung nahmen wir jedoch nicht wahr.
Da ich wie gesagt nicht unvorbereitet war, mich vorher über Risiken etc. informiert hatte, gönnten wir uns vorerst nur Trüffel der leichten Sorte, was zur Folge hatte das wirkliche Optics ausblieben und sich 'lediglich' die oben beschriebene Wirkung zeigte. (enttäuscht waren wir jedoch nicht!) Vorallem an der halluzinogenen Wirkung interessiert marschierten wir also in den nächstbesten, am wenigsten zwielichtig erscheinenden Headshop und entschieden uns für eine Sorte, welche laut Verkäufer vorallem die optische Wahrnehmung verändern sollte.
In der glücklicherweise zentral gelegenen Wohnung angekommen entschieden wir uns davor nicht zu kiffen, damit wir die Wirkung erst einmal unverfälscht wahrnehmen konnten, und uns erst dann dem Mischkonsum hinzugeben.
Wir aßen die Dinger gegen 21:30 Uhr, pro Kopf um die 12 Gramm, was sich als nicht unbedingt angenehm herausstellte. Die Größe sowie die Konsistenz beträgt im ungefähr die von Haselnüssen und der Geschmack ist meiner Meinung nach sehr erdig bzw. holzig. Wie uns vom Verkäufer geraten wurde kauten wir sie intensiv und warteten nun auf das Eintreten der Wirkung. Zum Zeitvertreib hörten wir Musik und spielten ein wenig Guitar Hero auf der XBOX, die wir uns mitgenommen hatten. Zwar waren wir eigentlich alle der Meinung es wäre schöner den Trip draußen zu erleben, jedoch wird mir jeder, der schon einmal um diese Jahreszeit in Amsterdam war, zustimmen das es bei ca. 0 Grad und dem erbarmungslosen Wind in der Nacht draußen unerträglich ist.
Um 22:30 begannen wir uns Gedanken zu machen was los war, da bis jetzt sich immer noch keine Veränderungen eingetreten waren und entschieden uns ganz einfach noch etwas Gras zu holen. Ohne groß zu überlegen schnappte ich mir meine Schuhe und ging die 150 Meter zum nächsten Coffeeshop in dem ich mich mit jeweils einem Gramm AK-47, White Whidow sowie Orange Bud eindeckte.
Gegen 22:45 wieder in der Bude angekommen machten ich und mein Freund J. uns ans bauen und entschieden, da wir zu diesem Zeitpunkt schon überzeugt waren das die Wirkung ausblieb, vermutlich da wir uns zwei Tage davor schon am Trüffelschrank bedient hatten, zwei Blunts von diesem wirklich potentem Gras zu rauchen.
Wir rauchten also zu viert diese zwei schönen Lunten, was uns wieder positiv stimmte und die Enttäuschung bezüglich der Trüffel vergessen ließ.
Vermutlich gegen 23 Uhr erschien mir plötzlich, während ich auf dem Sofa hing und der Musik lauschte, das eigentlich geräumige Zimmer ungewohnt klein. Innerhalb meines Kopfes machte es klick und ich dachte mir lediglich: "Ab geht's."
Wie es zu diesem Zeitpunkt bei meinen Mittrippern stand kann ich leider nicht mehr sagen, vermutlich weil ich zu diesem Zeitpunkt erst einmal überwältigt von der anderen Wahrnehmung war. Zum einen faszinierte es mich, zum anderen war es so ungewohnt das ich mich mit dem Satz: "Boah ich will hier raus." wieder ins Gespräch einklinkte. Meine Mittripper waren von dieser Idee jedoch weniger überzeugt, zu angenehm war die wohlige Wärme innerhalb der Wohnung. Zwar wurde mir meine Bitte verweigert, jedoch wussten meine Kollegen, bei denen die Wirkung anscheinend endlich auch eingesetzt hatte, was zu tun war. Sie redeten mir gut zu und gaben mir die Aufgabe mich darauf einzulassen. Von mir selbst zu dem Zeitpunkt noch gar nicht wahr genommen sprach ich nun wirklich mit meinem inneren Ich wie einer anderen Person, die Ich jedoch dennoch selbst war. Ich sprach als 3. Person zu mir selbst und sagte mir: "Hier alles cool, lehn dich zurück es ist jetzt so wie's ist und genau so ist es gut. Genieß die Reise!"
Wie ich im Nachhinein durch diverse Tripberichte erfahren habe unterschied sich mein Trip mit vielen anderen in der Hinsicht, dass ich wenige sich wirklich bewegende Muster und Farben sah, sondern viel mehr eine allgemeine Veränderung des gesamten Raumes wahrnahm. Der ganze Raum und alles in ihm erschien mir wahnsinnig 3D (Der wirkliche Effekt ist schwer zu beschreiben "3D" also wie in einem 3D-Kino erscheint mir am passendsten), die Möbel und auch meine Kollegen wirkten ungemein plastisch es kam mir vor wie in einer, wie soll ich sagen, animierten Knetwelt. Ich sah mir eine Weiße Lilie an, die als Topfpflanze auf einem der Regale stand und sie wirkte wie ein Spielzeug. Ein Spielzeug aus animierter Knete was mir komischerweise wahnsinnig klein vorkam ich mir aber über die eigentliche Größe bewusst war. Alles was ich sah hatte diese Form von Veränderung durchzogen, völlig egal welche Größe oder Aussehen, selbst ich!
Ich weiss, der Blick in den Spiegel kann auf Halluzinogenen wirklich Verstörend sein, bei uns hing jedoch einer direkt in der Küche und es ging kein Weg vorbei, was aber nicht weiter schlimm war. Ich fand es viel eher belustigend mich selbst mit diesen knetig animierten Konturen zu betrachten. Wer sich das nicht vorstellen kann soll sich dieses Bild von Homer Simpson in einer der Folgen ansehen, so habe ich es oft versucht zu beschreiben. Natürlich waren die Halluzinationen längst nicht in diesem Ausmaß. Ich befand mich immer noch bewusst in der Wohnung, lediglich meine Umgebung nahm ich anders wahr.
Gegen 24:00 Uhr konnte ich mir aus irgendeinem Grund nicht vorstellen, dass die Umgebung draußen ebenfalls so anders wirkte und öffnete ein Fenster. Ich blickte auf die wunderschöne nächtliche Straße in Amsterdam und wie zu erwarten bestand der Effekt weiterhin, die tausenden Fahrräder auf der Straße hätten von Playmobil sein können!
Kurze Zeit nachdem ich das Fenster geschlossen hatte fiel mir auf, dass ich trotz des Blicks nach draußen seit geraumer Zeit das Gefühl hatte unsere Wohnung, bzw. der Bereich in dem wir uns aufhielten, sei komplett das einzige was es im Universum gäbe und auch das Haus, in dem sich unsere Wohnung befand, existierte nicht. Dies mag beängstigend klingen, jedoch war es in dem Moment für mich einfach ein Fakt und nichts beängstigendes.
Zu diesem Zeitpunkt waren wir wirklich enorm unterwegs. Wahnsinnig beeindruckend wurde es gegen 1:00 Uhr, als wir gemeinsam einen Blick auf ein großes, in der Küche hängendes, Gemälde warfen. Zu sehen war ein riesiger grüner, bzw. bunter, Urwald mit einem Berg in der Mitte, zu dem ein kleiner Trampelpfad führte. Wir standen davor, beeindruckt von der wahnsinnigen Intensität der Farben und der Schönheit dieser Abbildung standen wir geraume Zeit davor. Nach einigen Sekunden begann das Bild wirklich so wahnsinnig real zu wirken, als könne man hineingehen wie durch ein Fenster in eine andere Welt. Gerade der Berggipfel strömte ein enormes Gefühl von Vollendung aus. Mein Freund G. war so fasziniert davon, dass er sich 8-10 mal von dem Gemälde um einige Meter entfernte, nur um sich daraufhin wieder heranzuschleichen, darüber zu streichen und mit den Worten: "Das ist so 3D!" wieder Abstand zu nehmen. Auch ich konnte mich eine gefühlte halbe Ewigkeit nicht mehr von dem Bild losreißen, mein Zeitgefühl war durch die Trüffel stark beeinflusst. Ich hätte nicht sagen können, ob wir schon 10 Stunden oder gerade erst 20 Minuten unterwegs waren.
Die optischen Veränderungen blieben noch eine Weile und wir begnügten uns damit, uns von der Form einer Cola-Flasche faszinieren zu lassen. Nun begann das Abklingen des Rausches bzw. bin ich mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob der Rausch wirklich abklang oder ich mich begann an diese plastisch animierte Veränderung zu gewöhnen. Es war nun viertel vor 2 und wir beschlossen noch einen zu rauchen, was für mich in diesem Zustand trotzdem immer noch eine nicht ganz einfache Sache war. Stellt ihr euch doch mal vor, ihr müsstet mit solch surreal wirkenden Einzelteilen jetzt was produktives schaffen!
Nach dem Joint (wieder pur) flammte die Wirkung noch einmal kurz auf, wurde jedoch recht schnell wieder eingrenzbar und ließ mit der Zeit ganz nach.
Gegen 3 Uhr dann begaben wir uns langsam ins Bett, etwas kaputt von der Reise, jedoch nicht schlecht gelaunt oder traurig.
Am nächsten morgen wachten wir alle drei ohne irgendwelche Beschwerden oder "Runterkomm-Erscheinungen" auf. Zwar waren wir, wie das eben ist wenn man seinen Kopf auf Reisen schickt, nicht dazu imstande eine Examensarbeit zu schreiben oder ähnliches, waren aber nicht so platt wie nach hohem Konsum von Md oder Teilen. Wir standen gegen 12/13 Uhr auf, Frühstückten ausgiebig und gingen daraufhin in die Stadt, machten also noch etwas halbwegs produktives am Folgetag.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass meine erste psychedelische Erfahrung eine gute war. Die Pforten die sich einem durch diese Art von Drogen geöffnet wird ist sehr faszinierend und interessant, ich bereue es nicht diesen Schritt gewagt zu haben. Mir jedoch hat in gewisser Weise diese Abspaltung vom eigenen Ich gefehlt, (abgesehen von ganz am Anfang) zudem hätte ich mir tiefere Einblicke in meine eigene Psyche gewünscht, die mir in gewisser Weise die Augen öffnen und mich Dinge, die mir zu denken geben, aus einer anderen Perspektive betrachten lassen. Ganz abgesehen davon kam mir der Trip im Nachhinein mit drei Stunden etwas zu kurz vor, eine längere Wirkungsdauer wäre toll gewesen.
Ich bedanke mich für's lesen und hoffe ich konnte euch anderen (eventuellen Neu-) Psychonauten einen treffenden Einblick in die Welt, in die Psylocibin einen schickt, schaffen!