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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Reise zur Mutter
Drogen:Ayahuasca
Autor:Kris Kelvin
Datum:17.01.2016 13:23
Set:aufgeregt, nervös, neugierig, angespannt
Setting:gemütlicher Raum, nette Gruppe, meditatives Ambiente
Nützlichkeit:7,86 von 10 möglichen   (14 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Hallo,

dies ist ein Bericht über meine Erfahrung mit Ayahuasca oder "der Mutter", wie sie liebevoll in bestimmten Kreisen genannt wird.
Vor meiner Reise zur Mutter hatte ich bereits die bewusstseinsverändernde, bzw. -erweiternde Wirkung von MDMA und 2C-B kennengelernt. Ich möchte diese Erfahrungen jedoch klar von dem Ayahuasca-Trip abgrenzen, da ich die beiden "synthetischen" Substanzen bei mir zu Hause, unter anderen "inneren" und "äußeren" Bedingungen, eingenommen hatte, weshalb ein Vergleich kaum möglich ist.

Der Aya-Trip, die Reise zur Mutter, fand in einer Gruppe von ca. 15 Personen statt, von denen ich vier, darunter die zwei "Schamaninnen", kannte. Ich hatte ein Jahr zuvor mit dem schamanischen Trommeln begonnen, da ich Bewusstseinserweiterung ohne die Einnahme von "psychedelischen Hilfsmitteln" kennenlernen wollte. Über diese Gruppe kam ich in Kontakt mit den Reisen zur Mutter Ayahuasca.

Im Januar 2014 entschied ich mich spontan, an einer Ayahuasca Zeremonie teilzunehmen.
Nachdem man sich für den Trip angemeldet hatte, sollte man eine Woche lang davor eine strenge Diät einhalten: völlig vegan, wenig Fett, kein Salz, kein Alc, keine Zigaretten (wobei ich generell nicht rauche), keine anderen Substanzen und kein Sex. Ich habe die Diät streng eingehalten, wobei mein Kreislauf mehrere Male etwas in die Knie ging, da ich diese Form der Ernährung überhaupt nicht gewohnt war.

Die Zeremonie fand in einer gemütlichen Altbau-Wohnung unter Anleitung zweier erfahrener "Schamaninnen" statt. Wir lagen alle in Schlafsäcken auf dem Boden, es brannten wenige Kerzen und während des gesamten Trips, der ca. 7 Stunden andauerte, spielte Musik - Meditationsmusik, indianisches, arabisches... aus aller Welt. Die beiden Hauptbestandteile wurden getrennt, im Abstand von ca. 20 min, eingenommen: Ich denke erst der MAO-Hemmer, dann der DMT-haltige Sud. Welche Pflanzen genau verwendet wurden, ist mir unbekannt. Den Geschmack fand ich nicht so schlimm, wobei andere in der Runde arge Probleme hatten, das Zeug runterzubekommen.

Nun folgt der eigentliche Tripbericht, den ich bereits 2014 am nächsten Tag niedergeschrieben hatte, mit leichten Veränderungen/Ergänzungen aus heutiger Sicht:

Es war ein extrem intensives Erlebnis, obwohl es so gar nicht dem entsprach, was man mir vorher erzählt hatte.
Ich hatte mich doch eher an einen Erfahrungsbericht gehalten, den eine Freundin mal im Internet veröffentlicht hatte und daraus tauchten tatsächlich auch einige Elemente vom Beginn der Wirkung bei mir auf. Aus der Anleitung, die mir jemand aus der Runde kurz vorher mit auf den Weg gab, kam überhaupt nichts vor, obwohl doch grade Visionen von Schlangen und anderen Dschungelbewohnern typisch für die Mutter sein sollen.

Mein Erleben war eher von Gefühlen geprägt. Ich bin doch sehr nervös und etwas ängstlich in den Abend gestartet. Die Diät hat mich ganz schön fertig gemacht, ich war zum Ende der Woche echt ungenießbar, schnell reizbar und nervös. War heilfroh, als die Wirkung zu Beginn ziemlich kontrollierbar erschien und die traumhaften Bilder weder erschreckend noch besonders real waren. Als sich die ersten aus der Gruppe ihrem "trusty bucket" (Anm.: Jeder sollte sich einen Eimer zum übergeben mitbringen) widmeten, änderte sich leicht meine Stimmung, ich dachte aber, kotzen ist bei mir nicht drin... Hab dann sogar etwas den Respekt vor der Mutter verloren; während ich am Anfang eine bestimmte Körperposition streng eingehalten hatte und ständig zur Mutter "gesprochen" habe, habe ich dann gemütlich die Beine übereinander geschlagen und malte mir aus, wie ich später von diesem "Spaziergang", wie ich die Reise bis dahin empfand, im Nachhinein erzählen würde. Ich dachte tatsächlich, das wäre alles, zumal mir ein erfahrener Mitreisender vorher sagte, ich solle beim ersten Mal nicht zuviel erwarten.

Aber dann begann es erst richtig: Die Musik wechselte - ein gesungenes Lied eines alten Schamanen erklang. Es war ohne Instrument und hatte keinen klaren Takt, das war musikalisch an dem Abend neu und beunruhigte mich. Ich versuchte an "Ketut", den alten balinesischen Wahrsager in "Eat, Pray, Love" (Anm.: für einen Hollywood-Schinken ein wirklich schöner Film ;-)) zu denken um mich positiv zu stimmen, aber der Gesang ging mir in diesem Moment extrem auf die Nerven und mir wurde schlecht. Also hieß es sich aufrichten, Eimer in die Hand und warten bis es losging...dreimal würgen, in den Eimer husten und denken: "Lustig kotzen, Magen leer, Eimer sauber, was will man mehr?" (Anm.: Ich hatte auf Anweisung der Veranstalter den Tag über nichts gegessen) Zurückgelegt, neues Lied hatte angefangen, alles wieder gut! Oder doch nicht? Immer wieder dieses kurze Gefühl, dass mir schlecht wird, worauf mein komischer "Kopfmoderator", der übrigens die ganze Zeit am quasseln war, nur meinte: Was willst du tun, nochmal "lustig kotzen", ist doch überflüssig! Dann erinnere ich mich, dass die Schamanin mit einer Art Zigarette kam, die mich etwas schockte, weil ich dachte, es wäre Gras (Hilfe, Mischkonsum!) (Anm.: Aus heutiger Sicht finde ich meine damaligen Ausführungen zum Teil unreif). Beim Einatmen war ich dann erleichtert, dass es "nur" der heilige Tabak war und ich war gespannt, ob sich dass auf die Mutter auswirkt...

Was dann kam, ist eigentlich fast nicht zu beschreiben. Mir wurde RICHTIG schlecht. Meine Gedanken bekamen etwas psychoides, ich wusste, ich muss kotzen, um mich zu befreien, aber es ging nicht! Habe immer wieder angesetzt, aber ich drehte mich im Kreis. Einen Gedanken angefangen - nicht zu Ende gedacht, weil den Anfang vergessen. Das machte mir Angst! Ich saß da und fing an zu schaukeln wie ein Verrückter und mit dem Kopf zu schütteln. "Kotz endlich!" und "Mutter, warum quälst Du mich so?" , waren die letzten klaren Gedanken in diesem Wahnsinn. Unendliches Leid, das Leid der Menschheit, das Schlechte in mir - ich wollte es auskotzen, aber es wollte nicht raus! Mein Kopf fing an, mit sich selber zu sprechen: Ich dachte bewusst: "Ich leide!" und im selben Moment antwortete die gleiche Stimme unbewusst mit einem teuflischen Lachen und machte sich über sich selbst lustig! Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, dachte ich werde verrückt! Augen auf, zur Schamanin geschaut, aber sie war nicht da..."Ich muss da durch, muss kotzen!" Das ging gefühlte Stunden, kein Gefühl mehr für Zeit, hab gedacht: "Wann haben wir angefangen?...16, 17, 18...Uhr...Zahlen...Bedeutung?". Und auf dem Gipfel dieser Tortur, hab ich dann endlich gekotzt, ein paar Mal, hab mich regelrecht verkrampft dabei. Dann fing das Leiden von vorn an, es gab kein Entkommen und ich wurde immer verrückter! Nach dem zweiten "richtigen" Kotzen, änderte sich plötzlich die Stimmung...

Ich wurde entspannter und merkte, dass die Wirkung der Mutter etwas nachließ. Konnte der Sache noch nicht so recht trauen, legte mich dann aber doch endlich hin. Entspannung folgte und ich fühlte unendliche Liebe für alle Menschen und die Natur. Ich begann meine Ohren zu öffnen (Anm.: Ein Effekt trat ein, bei dem sich das Gehör um ein vielfaches verstärkte) und hörte, dass alle im Raum in Extase waren, was mir etwas unangenehm war, weil es so laut war. Eine Frau hat ständig gekichert, mehrere Männer haben irgendwas gesagt, alle waren in Bewegung und haben laut mit ihren Schlafsäcken geraschelt, was mich etwas störte, obwohl ich alle lieb hatte :-) Die Helferin der Schamanin kam und beräucherte mich, was sehr gut tat und mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte :-)

Jetzt kommt der Hammer: Mein Kopf ging im Einklang der Musik auf eine Erkenntnisreise, die mit dem zentralen Thema der Liebe begann! Ich ging alle Menschen, die ich kenne, systematisch durch und mir wurde bewusst, dass ich sie liebe! Selbst meine "vermeintlichen" Feinde. Die Musik gab dann das Thema Natur vor und in mir eröffneten sich die drei Grundpfeiler unserer Welt: Liebe, Natur, Frieden. Mir wurde klar, dass das, was wir "Gott" nennen eigentlich "nur" die Kraft der Liebe ist. Demnach hat die Liebe unsere Welt und die Natur erschaffen, aus Liebe zum Leben sozusagen. Die Natur wiederum ist Frieden, da in ihr (ohne den Menschen) nichts aus Hass, Habgier oder Neid geschieht, was umgekehrt bedeutet, dass Frieden der natürliche Zustand ist. Der Mensch ist ein von der Liebe (also Gott) gesandtes Wesen, dass das Wunder der Schöpfung betrachten, für gut befinden und bewundern kann. Er trägt in sich einen göttlichen Anteil, die Liebe - seine Seele. Dieser Anteil kehrt in seinem Tod wieder zurück zur Kraft der Schöpfung - der Liebe. Damit war für mich die letzte Erkenntnis: Der Tod bedeutet Rückkehr zur Liebe.

In mir machte sich diese Kraft breit, mit der ich nicht so richtig umzugehen wusste, da sie zu stark war - ich wusste aber, dass sie gut war.

Dann kam die Schamanin, reinigte meine Aura, legte mir ihre Hand auf den Kopf und sagte: "Good job!", worauf ich wieder lächeln musste und sehr, sehr dankbar war. Leider wurden nun alle aktiv, was mich wunderte, da ich meinte, ich wäre noch voll drauf. Jemand fragte mich, was ich erlebt habe und ich habe es ihm in drei Sätzen erzählt, worauf er nichts zu entgegnen hatte. Der Ausklang fand in der Küche statt, alle unterhielten sich über das soeben erlebte, einige rauchten einen Joint - die Zeremonie war beendet.

Hier endet der Bericht von 2014 - ich würde ihn jedoch im Rückblick gerne um etwas ergänzen: Die "Erkenntnisse" die ich in einer Phase des Trips gewann, sind Antworten, die ich persönlich in diesem Moment erhielt. Jeder Mensch wird bei erweitertem Bewusstsein andere Antworten erhalten, die sich zum Teil ähneln, ergänzen oder in eine völlig andere Richtung gehen können. Nach zwei Jahren Verarbeitung habe ich die Antworten für mich akzeptiert, auch wenn es mir im Alltag oft schwer fällt, den Glauben daran nicht zu verlieren. Die Erinnerung an den Trip, der bei mir in keinster Weise visuell war, verblasst langsam - was mir bleibt ist dieses Gefühl, dass ich für geschätzte 30 Minuten alles wusste, d.h. ich konnte mir auf alle Fragen, egal wie philosophisch, selber eine Antwort geben! Mir wurde in dieser Zeit klar, dass wir alles Wissen, alle Weisheit der Welt in uns tragen - wir müssen nur dahin vordringen!

Der Bericht soll nicht zur Einnahme in Deutschland verbotener Substanzen animieren, er soll aufklären und informieren. Solltet ihr trotzdem mit dem Gedanken spielen Ayahuasca auszuprobieren, beachtet bitte dringend, dass Set und Setting stimmen und ihr nicht alleine trippt. Es sollte wenigstens eine erfahrene Person in der Nähe sein, der ihr vertraut und die Euch gut zureden kann, wenn ihr euch überfordert fühlt.

Danke für's lesen an Alle, die es bis hierhin geschafft haben und weiterhin eine gute Reise ins Unbewusste! :-)






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