your psychedelic community
   Werbung
kratom.eu






Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Der Frameshift und das Fischauge
Drogen:Mischkonsum von Psilocybinhaltige Pilze, Alkohol, Cannabis und Tabak (Reihenfolge vom Autor festgelegt)
Autor:SpiderJerusalem
Datum:06.01.2017 11:26
Set:Neugierig, in Partystimmung und entspannt
Setting:Großstadtwohnung an Silvester
Nützlichkeit:7,13 von 10 möglichen   (8 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Der Frameshift und das Fischauge

Personen: 2
Alter: 29 (Ich) & 24 (Kumpel)

Mein Konsum
Hollandia & Utopia (Pilztrüffel-Mix): ~12,5g erste Dosis,~12,5g zweite Dosis, ~8g dritte Dosis (ca. 2h Abstände)
Cannabis: ~2 Joints
Alkohol: Rum-Cola (~800mL, 1:2 Mischung), Bier (~4 Flaschen)
Tabak: E-Zigarette, Lucky Strike

Kumpel-Konsum
Hollandia & Utopia (Pilztrüffel-Mix): ~12,5g erste Dosis, den weiteren Abend über 29,5g, in 7-8g Happen kontinuierlich verteilt
Außerdem: Mehrere Lines Speed, 1/2 MDMA, ~3 Joints, Rum-Cola (~800mL, 1:2 Mischung), Bier (~4 Flaschen), Wein (~400mL), E-Zigarette, Lucky Strike

Essen: Eine ganze Tüte M&Ms. Kochen war unmöglich. Auch wenn wir immer wieder gesagt haben: "Wir sollten mal diesen Back-Camembert machen!"

Gesamt-Zeitraum: Etwas mehr als 7h
Ungefähre Zeit bis die Wirkung der Trüffel eintrat: 90Min.






Nachdem ich meine konservativ gut bürgerliche Mitfahrgelegenheit davon überzeugt hatte, dass ich ein genauso korrekter Typ bin wie er, kam ich nach mehrstündiger Fahrt endlich bei meinem Kumpel an. Ich hatte bisher noch keine psychedelischen Erfahrungen sammeln können.
Dieses neuartige Erlebnis war auch ein sehr überzeugendes Argument, weshalb mein Kumpel alle anderen Anwärter auf einen gemeinsamen Silvesterabend ausstechen konnte. Meiner Persönlichkeit nach bin ich sehr schnell von allem gelangweilt, und wenn mir jemand etwas Neues bieten kann, dann nehme ich grundsätzlich dankend an. Die meisten Drogen muss ich mir willentlich "gut machen". Von Gras spüre ich selten mehr als eine geringe Entspannung, ab und zu einen Lachflash. Alkohol wirkt nur bei tranceartigem Tanzrausch oder depressiver Grundstimmung durch Musik von Tom Waits. Kokain war bisher die einzige Droge, bei der ich nicht erst selbst "mühselige Arbeit" für einen guten Rausch leisten musste. Bisher.

Mein Kumpel und ich, wir kennen uns schon ewig. Alte Freunde aus der Ausbildungszeit eben. Ich war schon einmal in der neuen Wohnung meines Kumpels gewesen, und da ich dort schon einmal einen Rausch ausgeschlafen hatte, fühlte ich mich entsprechend auch direkt heimisch. Wir teilten eines der insgesamt drei 25g Trüffelpacks aufeinander auf und begannen sofort zu essen. Uns war beiden klar, dass wir es mit einer verzögerten Wirkung zu tun hatten und immerhin stand Silvester vor der Tür. Als entspannende Einleitung sahen wir uns während des Konsums ein Video von einem Youtuber an, den wir beide kennen und mögen. Die Trüffel schmeckten zunächst erdig und überhaupt nicht schlimm. Ich musste erst am Ende der 12,5g in die Tüte mit den M&Ms greifen, um den bitteren Nachgeschmack loszuwerden. Da ich eher "wissenschaftlich unterwegs" bin, nahm ich auch die Zeit, ab wann ich eine Wirkung spüren würde. Um für den späteren Verlauf des Abends abschätzen zu können, wann es Sinn macht nochmal reinzuhauen.

Wir wurden beide immer entspannter, und nach einer halben Stunde setzte bei mir plötzlich ein Lachflash ein, wie ich ihn höchstens von einem meiner ersten Joints kannte. Mein Kumpel zeigte mir einen ziemlich coolen Hip-Hop Track auf Youtube, aber ich konnte einfach nicht aufhören darüber zu lachen, wie ernst und seriös dieses Video auf mich wirkte. Der Flash ging die vollen 3 Minuten des Videos, aber dann beruhigte ich mich auch komplett. Danach passierte, außer der typischen Wirkung von Rum-Cola, erstmal nichts. Nach 90 Minuten jedoch, begann sich alles anzukündigen, was nachher noch viel heftiger werden würde. Das erste was ich bemerkte, war ein Taubheitsgefühl in meiner rechten Hand. Meine Sicht wandelte langsam aber sicher alles im Raum zu einem 3D-Kinoerlebnis um. Es gab noch keine Verzerrungen oder Schliere, aber nichts wirkte so wirklich wie es sein sollte.

Man muss dazu sagen, dass wir beide sehr ausgefallene Musikgeschmäcker besitzen. Er im elektronischen Bereich, ich im extremen Metal/Stonerbereich. Aber wir lieben immer gegenseitig unseren abgespacten Scheiss.
Man muss sich vorstellen, dass dauernd sehr tranceartige Wände aus Schallwellen durch den Raum waberten. Ich machte mir trotzdem so langsam Sorgen, aufgrund des Taubheitsgefühls in meiner rechten Hand und begann dies meinem Kumpel mitzuteilen. Ich wurde ängstlich, stand auf, lief umher und presste meine Hand zur Faust, immer wieder, um nach meinem Tastsinn zu suchen. Mein Kumpel sprach beruhigend auf mich ein, schaltete beruhigende Musik ein und ich kam wieder runter. Ich begann mir ein Mantra gedanklich vorzusprechen, dass es sich dabei einfach um die selbstauflösende Wirkung, von der ich vorher öfters gelesen hatte, handeln musste. Dann ging alles los. Die Hälfte des Raumes bekam schräge Verlängerungen und Verzierungen. Der Raum war von Anfang an zweigeteilt, dadurch dass die Musik, der PC und mein Kumpel in der einen Hälfte waren. Und in der anderen nur ein grünes Licht, ein Bierflaschen-Abstelltisch und ein Bett. Der Bett-Teil stand also schräg. Ich fokussierte mich auf meinen Kumpel, der mir sagte "Woah, das ist alles so irgendwie am pulsieren". Da ich diesen Eindruck nicht hatte, stand alles plötzlich wieder normal da. Worauf ich ihn ärgerlich darauf hinwies, dass er's mir jetzt kaputtgemacht hat.

Mittlerweile war mein Tastsinn weg. Er war verschwunden. In meinem Mund, teilweise in meiner linken Körperhälfte, komplett in meiner rechten Körperhälfte. Aber wie hab ich dann grad das Bier genommen und davon getrunken? Das Bier konnte ich schmecken, der Geschmackssinn war in Ordnung. Aber taube Glieder KÖNNEN nicht koordiniert zum Bier greifen. Ich machte die Augen zu. Alles noch da. Nur zeitlich verschoben. In diesem Moment begriff ich: Bei der Wirkung der Trüffel handelte es sich um einen Frameshift der Sinne. Wie bei einem Film, der plötzlich um wenige Frames asynchron wird. Der Tastsinn war allerdings um 48 volle Frames verschoben, die restlichen Sinne alle mehr so 10 Frames voneinander entfernt. Jetzt waren auch meine Hände riesig und der 3D-Kinoeffekt war mehr ein 4D-Kinoeffekt. Ich begann den Frameshift zu genießen, da es irgendwie auch so war als ob man sich selbst in der Egoperspektive in einem Videospiel spielt. So ohne Tastsinn - solange man die Augen auf hat.
Alles lief routiniert. Der Griff zum Bier, das Hinsetzen, das Aufstehen, das Rumlaufen. Aber meine E-Zigarette machte mir Angst. Seit der Frameshift begonnen hatte, mied ich diese unbewusst. Ich war noch nicht lange am dampfen, und die Bewegungen sind nicht in meinen Muskeln gespeichert. Nicht so gut wie normale Zigaretten zu rauchen. Also rauchte ich erst mal die, obwohl ich lieber gedampft hätte. Mit einer irrsinnigen Befriedigung sollte ich später zur E-Zigarette greifen und merken, dass ich die Knöpfe zum Zünden bedienen konnte, ohne mir den Mund zu verbrennen.

Jetzt war ich sicher. Ich begann im Raum umherzulaufen. Langsam und völlig tiefenentspannt drehte sich mein Kumpel zu mir. "Oah, ja, Mann. Ich glaub demnächst hab ich auch echt Bock einfach mal Rumzulaufen. Jetzt noch nicht. Aber bald." Ein Motiv, dass sich durch den Abend ziehen sollte. Eine ziemlich genau 20 minütige Verzögerung zwischen unsren Erfahrungen. Als alles bei mir 4D wurde, dauerte es 20 Minuten, dann sagte er: "Jetzt ist grade wieder eine neue Dimension dazugekommen".
Ich wusste, ich wollte aus diesem Raum raus. Sehen, was die Wohnung noch so zu bieten hatte. Ich öffnete die Tür, ging durch den Flur zur Küche. "Sehr unspektakulär", dachte ich mir, während ich aus irgend einem Grund sehr sehr lange in der Küche stehen blieb und mir die Konturen der Pfannen, die Ecken des Kühlschranks und des Backofens ansah. Es war sehr entspannend in der Küche. Kaum Geräusche, nur diese Pfannen. Wie sie da hingen. Regungslos.
Ich begab mich aufs Klo. Im Spiegel war alles okay. "Cool, ich seh voll gut aus, wenn man bedenkt was da grade fürn Film läuft", dachte ich mir. Hier sollte ich anfangen in meinen Bewegungen zu fließen. Da ich bei offenen Augen nichts tasten konnte, wurde das Ausziehen der Hose, das Pinkeln, das Betätigen der Klospülung für mich zu einem Tanz. Nur mit einem bißchen Schwung konnte ich den Frameshift bekämpfen um richtig in die Kloschüssel zu treffen und sonst auch einfach alles zu treffen. Das Muster des Duschvorhangs kam mir aus den Augenwinkeln entgegen. Einfach ein Haufen bunter vertikaler Streifen. Und alle in einem anderen Abstand zum weißen Hintergrund. Nice. Das Wasser aus der Leitung fiel mir hier noch nicht auf.

Ich kam zurück in den Raum mit meinem Kumpel und sagte zu ihm: "Das ist die Hölle da draußen. Haha, sau geil."
Ich setzte mich auf den Sessel neben ihn und begann alles genau zu mustern. Der optische Effekt war ein Fischauge. Der Fischauge-Effekt ist das, wie Skateboardvideos meistens gefilmt werden. Nur hier gab es manchmal auch ein invertiertes Fischauge. Der Abstelltisch für mein Bier und meine E-Zigarette war ein invertiertes Fischauge, ich musste jedes Mal vom Sessel auf die Knie gehen, um sicher diesen gigantischen Abstand überbrücken zu können, ohne etwas umzuschmeißen. Meine Hände waren ein normales Fischauge, viel zu groß, aber nicht so, dass ich wirklich dachte, sie wären groß.
Mein Kumpel musste jetzt rumlaufen. Ich wollte sofort seine Perspektive des Raumes austesten und setzte mich an den Schreibtisch vor den PC-Monitor. Es war immer noch ein Videospiel, aber ein anderes. Während ich die volle Weite der rechten und der linken Raumseite im Blick hatte, hatte er die ganze Zeit an einem Raumschiff-Terminal gesessen. Und immer wenn man sich umdrehte, war da der dunkle Innenraum des Raumschiffs. Der Monitor war alles. Und die Drogen, die Tastatur, die Maus und die Bierflaschen waren die Bedienung von Allem. Nach kurzer Musikkontrolle merkte ich, dass man total abtauchte in die Realität des Monitors und völlig vergaß, dass der Rest des Raumes existierte. Als mein Kumpel nach ewiger Zeit wieder reinkam und mich darin bestätigte, dass es die Hölle ist da draußen, tauschten wir wieder Plätze.
Da ich nun aber wusste, wie es so ist, in seiner Welt, begann ich den Sessel und mich zu verschieben. Jedes Mal wenn er sich jetzt zu mir drehte, war ich weiter weg im Raum. Er bemerkte, dass es keine optische Illusion war, fand es aber unterhaltsam. Ungefähr so hatte ich mir den Effekt auch selbst gedacht.

Es ging so langsam auf Mitternacht zu. Wir hatten uns jetzt auf mystische Klänge von Ureinwohner-Völkern geeinigt. Wir mussten die zweite Dosis Trüffel essen. Ich suchte mir dazu meinen Energydrink raus, den ich dabei hatte und teilte ihn unter uns auf. Jetzt begann der saure Geschmack der Trüffel. Je mehr ich aß, umso mehr akkumulierte sich ein saurer Geschmack in meinem Mund. In diesem Moment war es klar: Es ist ein Warnzeichen. Ich esse Gift. Wenn der saure Geschmack sich zu sehr anhäuft, muss ich pausieren. Ich aß meine Portion auf, aber verweigerte aufgrund des Geschmacks von der neuen Packung mitzuessen. Mein Kumpel baute einen Wegjoint, den wir dann nicht auf dem Weg rauchten. Wir bestellten ein Taxi für 2Uhr, da wir dachten, dann wollen wir noch in den Club. Mein Kumpel baute den richtigen Wegjoint und ich ging auf die Toilette um meinen Energydrink mit Wasser zu füllen. Als ich das Wasser aus der Leitung die blaue Dose füllen sah, fiel mir auf, wie geil das einfach ist. Wie sich das Wasser aus der Leitung über die Öffnung der Dose bricht und wie sich das Wasser an den Fingern anfühlte. Kurzer Blick in den Spiegel: "Ah, die Realität, alles ist in Ordnung". Zurück im Raum begann ich zur Musik zu tanzen. Mein Kumpel war währenddessen sehr belustigt darüber, wie schwer es einfach war, diesen Joint zu bauen. Ich merkte an, wie sinnlos die rechte Hälfte des Raumes doch war. Mein Kumpel sah das nicht so. Er schläft da. Die Seite ist überhaupt nicht sinnlos. Im Nachhinein stelle ich fest, dass die rechte Seite des Raumes zu meinem Ruheort wurde. Die Musik war dort weiter entfernt, es gab weniger Licht. Und mein Kumpel war nicht dort. Nur ich.

Irgendetwas störte mich plötzlich. Hatte ich mir etwas von dem seltsamen Wasser übergekippt, ohne es zu merken? Es war nichts zu sehen. Ich musste den Spiegel der Realität befragen. Auch dort: Keine Wassertropfen oder Spuren von Wasser. Aber mein ganzer Ärmel war eindeutig nass. Ich ging zurück und begann akribisch an meinem Hemdärmel rumzuzupfen. Ich bemerkte, dass das Hemd einen Luftstrom durchlies, da wo der Hemdärmel zugeknöpft wird. "Ah, ich spüre die Luft als Wasser", dachte ich mir. Mein Kumpel wollte eine Erklärung. Ich konnte es nicht erklären, obwohl ich es in meinem Kopf bereits verstand.

Als die ersten Raketen um Mitternacht am Himmel zerbarsten beschlossen wir auszutesten, wie es da draußen so ist. Es war weit und offen und hell. Mein Kumpel hatte den Joint hingekriegt, und bot ihn jedem coolen Menschen an, der halt nicht dämlich wirkte. Unsere erste Begnung war ein, wie ich vermute, Ex-Punk, der mit seiner Zigarette und dem Joint ein "X" formte, um anzudeuten, dass er "Straight Edge" ist, also nichts mehr konsumierte. Er lächelte und er verstand. Ohne ihn, wäre die äußere Welt wahrscheinlich für mich wesentlich weniger ertragbar gewesen. Ich hatte so ein Gefühl, mit einem Kameraden nach einem Krieg über die Ruinen zu laufen. Um uns Soldaten die den Sieg feierten. Ich begann "Mickey Mouse" zu singen, aus der Endszene des Filmes "Full Metal Jacket". Da sah mich schon der erste komisch an. Diese verdammten Langweiler. Wir gingen zu unsrem ersten Ziel, einem lokalen Kiosk an dem eine Nachbarschaftsfeier laufen sollte. Aber irgendwie stand da nur ein grimmiger alter Mann. Mein Kumpel ging in den Laden, um nach Zigaretten zu fragen. Ich weiß nicht wie lange er drin war, aber es war sehr einsam da draußen mit diesem grimmigen Alten. Ich versteckte den Joint. Dann zog ich aus Trotz dran. Dann hoffte ich, wir gehen gleich. Mein Kumpel kam raus. Keine Zigaretten. Wir müssen zum Automaten. Wir reden hier von einem 5 Minuten Weg, aber es waren 5 Minuten eines immer noch entspannten Kriegsgebietes. Am Automaten: Keiner kriegt die Bedienung hin. Mir fiel ein toter Winkel auf, hinter dem Automaten waren Garagen. Ich musste da kurz hingehen, weil da einfach nie jemand hingeht. Andere junge Menschen kamen vorbei. Eine Frau. Frauen sind nett und nichts negatives. Aber da waren auch Männer. Männer sind nervig. Wir holten die Zigaretten und gingen zurück. Im Treppenhaus klauten wir einen Regenschirm von den Nachbarn und verbrachten auch etwas Zeit auf falschen Etagen. Oben angekommen, rauchte ich eine Zigarette vor der Haustür. Da standen überall irgendwie Stühle, wozu sonst standen die da?

Wieder in der Wohnung aß ich nochmal von den Trüffeln. Der saure Geschmack war zu stark, ich musste die Hälfte meiner Portion liegen lassen. Der Rest ist nicht mehr so klar wie bisher. Ich tanzte viel. Mit dem offenen Regenschirm. Aber der Regenschirm war auch ein guter Schutzwall gegen diese verdammte linke Seite des Raumes. Er konnte sie komplett verdecken, wenn ich es wollte, und diese linke Seite einfach gerade zu laut war. Dann setzte ich mich auf den Sessel. Eine ganze Weile hörte ich die Musik und saß einfach nur da und trank Bier. Immer wieder skippten wir durch die unterschiedlichen Tripszenen aus "Fear and Loathing in Las Vegas". Gefühlt haben wir den ganzen Film geguckt. Aber sehr versetzt über den Abend, zeitlich nicht mehr wirklich zuordbar. Ich pausierte meinen Blick auf den Monitor öfters, wenn mir auffiel, dass ich etwas in der Hand hielt. Dann beobachtete ich es intensiv, und wendete mich wieder den Filmszenen zu. Dann tat Johnny Depp im Film dasselbe.
Ich fing an, dem Bier zu mistrauen. Überall waren angefangene Biere. Ich schaute die Flüssigkeitspegel an und versuchte aus ihnen schlau zu werden. Schob die Flasche nach vorne und nach hinten. Und trank nie einen einzigen Schluck aus diesen Bieren, die niemandem gehörten. Das Taxi klingelte irgendwann. Keine Chance. Ignorieren.
Wir testeten ob ich nun auch Standbilder in Youtubevideos mit Farben und Bewegungen füllen konnte - ja, das konnte ich. Und die Musik war endlos. Besonders die Musik von diesem Video mit dem Gehirn. Dem Gehirn des Raumes.

Die Rückenlehne des Sessels war aus einem weicheren Polster als der Rest des Sessels. Das fiel mir auf und ich vergrub meine Hände darin. Der Frameshift und das Fischauge hatten die volle Kontrolle. Es war der weicheste Stoff der Welt und meine Hände versanken metertief darin. Wo waren die Zigaretten eigentlich? Ich suchte alles für eine gefühlte halbe Stunde ab. Jeden Winkel der Wohnung. 20 Minuten nachdem ich es aufgegeben hatte war mein Kumpel am suchen. Sie waren einfach nicht da. Nirgends. Ab und zu überforderte ich den PC weil ich etwas im Vollbildmodus ansehen wollte, dann stürzte er ab. Einmal oder zweimal? Keine Ahnung. Aber es war irgendwie interessant, wenn er so abstürzte. Für meinen Tripbegleiter war es eine neue Welt der Mikrochips und elektrischen Schaltungen. Er musste den Kasten öffnen und sehr nah an das Innenleben ran, damit der Rechner wieder starten konnte. Eigentlich war der PC ziemlich lange aus, und er ziemlich lange im Gehäuse. Oder nicht? Mein Kumpel probierte das MDMA. 2 Minuten später meint er, er muss es leider auskotzen. Er kommt vom Klo mit der Erkenntnis: "Es ging nicht, mein Körper hat es einfach akzeptiert."
Ich begann mich öfters in einer embryonalen Haltung zwischen den Lehnen des Sessels auf der Rückenlehne zu platzieren. Aber schon den ganzen Abend gab es keine betäubten Momente, wie beim Alkohol. Da kann man egal wie schlafen. Egal wie sitzen. Das war an diesem Abend unmöglich. Immer wenn meine Haltung von Händen oder Körper nicht positiv für mich war, breitete sich ein weit entfernter dumpfer "Schmerzton" an meinem Hinterkopf aus. An diesem stellte ich immer fest: Das geht so nicht auf Dauer.

Mein Kumpel war mittlerweile in den Weiten von Youtube verschwunden. Er klickte sich von einer Empfehlung zur nächsten. Aus seiner Perspektive vollkommen nachvollziehbar. Es war ein Terminal, voller eventueller Wunder, die auf einen warten. Jedes Mal wenn er scrollte, fanden wir den Anfang und das Ende nicht. Dinge schienen sich während des Scrollens zu wiederholen. Haben wir runter oder hochgescrollt? Ich entschied, es war Zeit für den guten Fizheuer Zieheuer. Mein Schlaflied für diesen Abend. Aus. Vorbei.

Villalobos - Fizheuer Zieheuer






Die Perspektive meines Kumpels könnt ihr hier nachlesen: Vom Raumhirn, Regenschirmtiraden und Indianertrommeln - Silvester

Weitere Youtube-Videos des Abends (meine Auswahl):
BART ON THE ROAD
Wolves in the Throne Room - Diadem of 12 Stars
Stoners Delirium Vol. 6 (Das Raumgehirn)
Electric Wizard - Dopethrone
Ancestors - Neptune With Fire
Exuma - Exuma
Native American Round Dance Music
Pogo - Weightless






Impressum   Kontakt   Nutzungsbedingungen