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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Der erste Flug
Drogen:Alkohol
Autor:souljacker
Datum:28.02.2017 23:42
Set:Glücklich, gedankenlos, verträumt, jung
Setting:Ein ruhiger See mit Freunden und Klassenkameraden/-innen
Nützlichkeit:8,86 von 10 möglichen   (21 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Damals, als das Leben noch einfach und klar strukturiert war. Damals, als es nur gestern, heute und morgen gab. Damals, als ich mich so fühlte, wie ich mich heute gerne jeden Tag fühlen würde. Ich war jung, frei, unschuldig, offen für alles und zu jeder Zeit extrem neu- und wissbegierig. Mit jedem vergangenen Tag veränderte sich mein Körper und mein Geist. Neue Gedanken kamen und gingen, neue Einstellungen und Werte bildeten sich in rasantem Tempo immer weiter aus. Die Pubertät überrollte mich mit meinen vierzehn Jahren von allen Seiten. Mädchen waren plötzlich mehr, als nur das andere Geschlecht, das Geschlecht mit dem man immer etwas unbeholfen umging, Mädchen, die irgendwie sowieso immer komplett ihr eigenes Ding machten und in deren Leben ich bis dahin nur wenig Einblick hatte. Die hingen mit ihren Freundinnen ab, redeten über Sachen, von denen ich nichts verstand, während ich mit meinen Freunden die tollsten Zeiten meiner Kindheit und Jugend zusammen erlebte. Meine Schüchternheit wurde mir zunehmend ein Dorn im Auge, vor allem, wenn ich sah, wie nach und nach meine Freunde mit weiblichen Wesen zusammenkamen, sich küssten, liebkosten und Zärtlichkeiten austauschten, die ich nur aus Filmen kannte. Oft konnte ich sie dabei beobachten, sie wirkten glücklich und erfüllt und was sie zusammen erlebten schien verdammt aufregend und neu zu sein.

Es sollte noch einige Jahre dauern, bis auch ich in den Genuss dieser intimen Zweisamkeit kommen sollte. So lange, dass ich mir zu diesem Zeitpunkt schon fast sicher war, als einsame Jungfrau zu sterben. Die Jahre vergingen und der soziale Druck nagte an so manchen einsamen Abenden stark an meinem Selbstbewusstsein. Was machte ich nur falsch? Machte ich überhaupt was falsch? Alle sagten ich sei ein super Kerl und ich hatte auch ein paar echt gute Freundinnen gewonnen, für die ich aber immer nur ein sehr guter Freund blieb. Naja. Irgendwann ist es dann passiert, aber das ist eine andere Geschichte. Eine Geschichte voller Freude, Trauer, Glück und dicken Tränen, die sich in regelmäßigen Abständen den Weg über meine Wange bahnten, angezogen von der niemals enden wollenden Schwerkraft nach unten Richtung Boden. Sie ernährten sich von der Vergänglichkeit einer jungen Liebe. Diese Tränen waren echt und rein, sie waren wie ich: Jung, frei und unschuldig.

Es war der Beginn der Sommerferien im Jahre 2004. Unsere Schulklasse plante an einem nahegelegen Weiher eine Abschlussparty. Mädchen und Jungs, wir alle zusammen, die wir uns in die letzten drei Jahre auf dem Gymnasium schon mehr oder weniger gut kennengelernt hatten. Bis auf die klassischen Geburtstagspartys gab es so etwas noch nicht. Es kommt mir heute zumindest so vor, als wäre es die erste Party meines Lebens gewesen. Also ein Zusammentreffen verschiedener Menschen, ein Fest, auf dem das Sein gefeiert wird und der Gedanke an den nächsten Tag nicht mehr wert ist als jeder andere Gedanke: Nichts. Der Sommer war gut und er war warm, doch natürlich konnte er nicht mit dem alle Rekorde der Wetteraufzeichnung brechenden, vor Hitze strotzenden Sommer des Jahres 2003 mithalten. Ich hab diesen Tag jedoch trotzdem als Prototyp eines warmen, schönen Sommertages in Erinnerung. Aufgeregt setzte ich mich in den Bus und macht mich auf den Weg zu dem Treffpunkt am See. Nach einer halben Stunde war ich da und begrüßte die anderen, die bereits eingetroffen waren. Zwei Schulfreunde waren noch mit irgendeinem älteren Bruder unterwegs, sie wollten noch einen Kasten Bier holen. Die Grashalme am Ufer glitzerten durch die Reflexion der Sonne in bunten Farben. Zwischen ihnen konnte ich im flachen Wasser bereits einen Bierkasten sehen, ich weiß nicht, wer den mitgebracht hatte. Friedlich kühlte das verwunschene Getränk vor meinen Augen und wehrte sich somit erfolgreich gegen die Wärme der blendenden Sonnenstrahlen.

Es wurden immer mehr. Ich glaub es sind tatsächlich fast alle dreißig Schüler und Schülerinnen unserer Klasse an diesem besonderen Ort und zu dieser besonderen Zeit zusammengekommen. Da waren die verschiedensten Cliquen und Menschen, alle waren sie in ihrer Freizeit zusammen an diesem Ort. So etwas gab es noch nie. Und dann war da auch noch dieses Bier. Sowas gab es auch noch nie. Ich hatte das Gefühl, dass es für einen Großteil der Beteiligten der erste Abend war, an dem alkoholische Getränke vorhanden waren und getrunken wurden. Für manche war es auch für lange Zeit der letzte, wie für Martin, den ich nach diesem Abend erst drei Jahre später wieder betrunken erlebte. Ein Schulfreund bot mir ein Bier an. Ich dachte kurz nach und kam zu dem Schluss: Warum nicht. Der Reiz etwas Verbotenes zu tun, das angeblich große Freude bereiten sollte und der durchaus vorhandene unterschwellige Gruppenzwang waren größer als die Zweifel, die mich davon abhalten wollten, zu einem obdachlosen Alkoholiker zu werden.

Losgelöst von allen Sorgen und Zweifeln floss das herbe Getränk Schluck für Schluck meine durstige Kehle hinunter und erwärmte meinen Magen. Es schmeckte ziemlich eklig, aber ich hatte auch nicht erwartet, dass dieser böse Alkohol sich als Gaumenschmauß herausstellen würde. Die anderen schienen es zu genießen, also genoss ich es auch. Ich glaube, ich trank noch einen Becher Wodka-O. Wo kam dieser ganze Alkohol nur her? Meine Schulkameraden mussten wirklich krasse Connections haben. Es wurde viel geredet und viel gelacht, als ich mich zum ersten Mal in meinem Leben echt anders als sonst fühlte.

Ich fing an aus unerklärlichen Gründen zu kichern und mich über Dinge zu freuen, die normalerweise allerhöchstens mäßig witzig wären. Obwohl die Sonne immer schwächer wurde und bereit war, am Horizont des Sees unterzugehen, wurde mir immer wärmer. Als würde der Tag jetzt erst beginnen. Wow. Was passiert nur mit mir? Plötzlich fühlte ich mich völlig frei und euphorisch. Ich kam immer mehr aus mir heraus, als meine Schüchternheit mit jedem Schluck weiter von meiner Persönlichkeit abbröckelte. Ich fühlte mich wie neu geboren. Um mich herum fing langsam an sich alles zu drehen, wie ich es bisher nur aus wilden Karussellfahrten des Jahrmarktes kannte. Es drehte sich, obwohl ich mit beiden Beinen fest auf dem Boden stand. Die Freude, die im empfand, kam mir surreal und traumhaft vor, war ich doch noch eben der Mensch, der ich mein ganzes Leben über war und plötzlich hatte sich alles verändert. Ich fühlte mich nicht mehr wie ich selbst, aber das machte mir keine Angst. Ich hatte das Gefühl, dass mir der Alkohol dabei geholfen hatte, mich zu einem anderen Ich zu entwickeln, eine völlig neue und andere Art meiner Selbst kennenzulernen. Dieses Gefühl war unbeschreiblich. Zu erfahren, dass es da noch andere Wahrnehmungen auf der Welt gibt als die, der ich mich vierzehn Jahre lang hingegeben hatte, löste in mir eine tiefe Sehnsucht nach Leben und unbeschreiblichen Erfahrungen aus.

Ich bemerkte, dass die anderen auch total froh waren, was meine Freude nur noch mehr steigerte. Die Stimmung schaukelte sich scheinbar ohne Grund immer weiter hoch. Es gab nichts mehr auf der Welt, was meiner Stimmung schaden konnte. Alles war so lustig und so unfassbar schön. Wir waren alle zusammen hier und erlebten diesen magischen Moment gemeinsam. Was kann es schöneres auf der Welt geben? Alles war perfekt und es schien mit jedem vergangenen Augenblick nur noch besser zu werden.

Meine Eltern tranken nie sehr viel. Ich dachte an Filme, in denen ich betrunkene Menschen gesehen hatte und stellte erstaunt fest: Wow, das ist ja wirklich so! Niemals hätte ich damit gerechnet, dass man sich so fühlen kann, wenn man ein bisschen Bier trinkt. Ich breitete meine Arme aus wie ein Vogel und rannte euphorisch im Kreis. Es fühlte sich so an, als würde ich fliegen. Jeden Moment könnte ich abheben, wenn ich nur wollte. Ich wollte nicht, ich wollte meine Freude lieber noch ein bisschen mit meinen Freunden teilen.

Die Zeit verging leider viel zu schnell, die Dunkelheit war bereits über den See geschlichen und ich wusste, ich sollte mich langsam auf den Weg zur Bushaltestelle machen, um noch nach Hause zu kommen. Ich verabschiedete mich von meinen betrunkenen Freunden und machte mich mit erfülltem Herzen auf den Heimweg. Zuhause angekommen öffnete mir meine Mutter die Wohnungstür, ich mit breitem, übertriebenen Grinsen, sie mit verständnisvollen Augen: „Na, hast du wohl was getrunken auf der Party?“

Das war er, der erste Rausch meines Lebens. Im Bett schlief ich direkt ein und erwachte nach einer Nacht voller wilder Träume wieder in meiner alten Haut. Ich war noch ich, nichts hatte sich verändert. Aber ich wusste von dort an, dass es ein weiteres Ich gibt. Das betrunkene Ich. Ich freute mich wie ein kleines Kind auf den Moment, an dem ich es wohl wieder sehen werde. Im nächsten Jahr wurde das weggehen, das Feiern, das Trinken nach und nach zu einem allwöchentlichen Ritual, das unsere Clique mit großer Freude betrieb. Abends, alleine im Bett erinnerte ich mich oft an die Abende, an denen ich Alkohol getrunken hatte, unfassbar viel gelacht hatte und eins war mit meinem neuen, meinem veränderten, meinem berauschten Ich. Erst war es nur ein, dann waren es zwei, drei, vier und schließlich sogar fünf solcher nicht in Worte zu fassenden Erlebnisse.

Die Wochen vergingen, die Jahre zogen an mir vorbei, die Routine schlich sich ein, und ich hörte auf zu zählen. Jetzt habe ich mir an der Tankstelle noch zwei Bier gekauft, um darüber zu schreiben, wie ich zum ersten Mal in meinem Leben Bier getrunken habe. Wie ich das Leben zum ersten Mal über eine komplett neue, veränderte Wahrnehmung betrachtete und wie ich eintauchte in eine neue Welt voller Freude und Glück. Es war eine verdammt schöne Zeit und ich erinnere mich gerne daran, auch wenn ich mich zwölf Jahre später schon manchmal frage, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich dieses Bier am See nicht getrunken hätte. Ich habe das Gefühl, dass dieses Erlebnis durchaus als Wendepunkt in meinem Leben betrachtet werden kann. Es war das Ende meiner Kindheit und der Anfang meiner Jugend. Der Anfang eines neuen Lebens, völlig losgelöst vom familiären Zusammenhalt und der Zeit, die man mit seinen Eltern verbringt. Ich merkte, dass ich älter wurde, begann nach und nach ein eigenes Leben zu führen und meine Mutter ließ mich immer mehr los, sie lies mich ziehen in die große weite Welt, damit ich mein Glück auf eigenen Wegen selber finden konnte. Ich war jung, frei und unschuldig und voller Tatendrang beschritt ich den verwirrenden Weg der Pubertät zum Erwachsenwerden.






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