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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Meine Unfähigkeit, das Schöne zu ertragen.
Drogen:Mischkonsum von Alkohol und LSD (Reihenfolge vom Autor festgelegt)
Autor:Kraeuterhexe
Datum:14.04.2017 02:04
Set:Etwas aufgeregt, da mein letzter Trip schon zwei Jahre zurückliegt.
Setting:In einem alten Bauernhaus am Waldrand.
Nützlichkeit:9,06 von 10 möglichen   (31 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Set: Etwas aufgeregt, da mein letzter Trip schon zwei Jahre zurückliegt. Sehr positive, fast euphorische Grundstimmung. Ich freue mich auf den Trip und auf das Wiedersehen mit meiner Freundin "Marlene" (Name geändert). Wir haben beide schon einige "gute" LSD-Trips hinter uns.

Setting: In einem alten Bauernhaus am Waldrand, das ich seit 2 Jahren bewohne. Später Nachmittag. Ich habe das Wohnzimmer mit Kerzen und Seidentüchern festlich ausgeschmückt und mit Räucherhanf beduftet. In der Küche wartet ein tolles Essen für später auf uns.

Marlene und ich kennen uns von der Wiener Uni und lebten auch eine Weile gemeinsam in einer WG. Nach meinem Abschluss hatten wir uns für eine Weile aus den Augen verloren, da ich auf's Land zog (meine beste Entscheidung bisher!). Die seltenen Treffen sind immer irgend einem besonderen "Thema" gewidmet. Drogen sind dabei nicht immer der Schwerpunkt.

Wir haben vor der Einnahme schon mehrere Gläschen Sekt Brut Rosé geschlürft und sind somit bereits bester Laune, als wir beide je zwei Teile mit etwas Damianawein herunterschlucken. Die Tickets hat Marlene in einem Wiener Club aufgetrieben, angeblich 125 Mikrogramm pro Stück, aber so genau weiß man das nie.

Während wir die Teile schlucken, beginnt mein Herz auf einmal zu rasen. Was ist, wenn die Teile doch wesentlich höher dosiert sind als erwartet? Hätte nicht ein Ticket alleine auch gereicht?
Ach was! No risk, no fun - Augen zu und runter damit!

Nun heißt es warten. Um uns die Zeit bis zum Wirkungseintritt zu verkürzen, gehen wir hinters Haus und den steilen Forstweg hinauf zu einer kleinen, etwas abschüssigen Waldlichtung. Es ist Frühlingsbeginn. Zartes Grün streckt seine Spitzen zaghaft dem bereits etwas dämmrigen Licht entgegen. Marlene strahlt mich mit ihren glänzenden dunklen Augen an. Ich überlege einen Moment lang, ob sie vielleicht schon soweit ist. Ich jedenfalls spüre noch gar nichts.

Von hier oben hat man einen tollen Ausblick über die Fichtenwipfel hinweg bis zu meinem Häuschen, das jetzt wie ein kleines Ma-Jongg-Steinchen aussieht. Da es bereits dämmert, beschließen wir, wieder zurückzugehen. Heute ist Vollmond.

Als wir dann mein kleines, sakral nach Räucherhanf duftendes Hexenhaus betreten, liegt eine Art von magischer Festlichkeit in der Luft. Seit der Einnahme sind vielleicht 40 Minuten vergangen. Weder Marlene noch ich haben das Gefühl, dass sich schon etwas "rührt". Sie hat einen Stick mit Psychill mitgebracht, den wir jetzt an die Anlage stecken. Im Alltag höre ich Musik dieser Art praktisch nie, aber zu solchen Gelegenheiten finde ich sie ganz gut. Wir machen es uns auf den Fauteuils in der Wohnstube gemütlich. Ich dimme das Licht und zünde ein paar Kerzen an.

Marlene hat einen ganz eigenen Blick, mit dem sie mich jetzt ansieht. Ihre schönen, großen dunklen Augen wollen mir etwas sagen. Ihre geschlossenen vollen Lippen lächeln sanft. Irgendwie sieht sie mit ihrem kurzen, dunklen Haar aus wie Winona Rider in "Girl, Interrupted": mädchenhaft, rebellisch, intelligent, kokett. Wüsste ich es nicht besser, so hätte ich gesagt, dass sie mich ansieht, als sei sie in mich verliebt. Ich kneife die Augen zusammen, schüttle innerlich den Kopf und sehe sie wieder an. Alles in Ordnung? fragt sie. Und ihr Blick scheint in meinen Kopf einzudringen, um herauszufinden, was ich denke. Ich will weder sie noch mich in Verlegenheit bringen und sage nur: Klar, alles in Ordnung! Doch irgendwie habe ich weiterhin das Gefühl, sie sähe mich anders an als sonst.

Ob das schon die Wirkung der Droge ist?

Ich stehe auf, gehe an ihr vorbei, um das Licht noch weiter zu dimmen, da müssen wir plötzlich beide lachen, als hätten wir einander bei irgendetwas Verbotenem erwischt. Wir kichern eine ganze Weile so, und nun ist mir klar, die Wirkung hat (nach etwa 1,5 Stunden) endlich eingesetzt.

Und mir wird übel. Nicht so, dass es mir den Trip verleidet hätte, aber doch deutlich spürbar, zumindest eine Weile lang. Die Musik hat sich inzwischen verändert. Ich habe nun das Gefühl, dass ich ständig das selbe Musikstück höre. Marlene sagt, das liege am Psychill, diese Musik sei ja nicht gerade sehr abwechslungsreich. Aber mich nervt das nun doch ziemlich.

Ich mache einen stilistischen Schwenk und lege eine von Papas alten Vinyl's von den Beatles auf: "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band." Obwohl es mir damit etwas besser geht, kann ich doch auch hier nicht genau entscheiden, ob ich die aktuelle Nummer nicht bereits zum zweiten oder dritten Mal höre. Seltsam.

"Lucy In The Sky With Diamonds" - zur Zweiten, zur Dritten? Ich kenne den Text schon auswendig!

Picture yourself in a boat on a river,
With tangerine trees and marmalade skies
Somebody calls you, you answer quite slowly,
A girl with kaleidoscope eyes.

Marlene kichert, als ich es ihr erzähle. Zum Glück sieht sie mich dabei nicht mehr mit "verliebten" Augen an. Sie habe gerade einen Glücksflash, sagt sie. Einfach so, ohne Grund. Ich betrachte den feinen, fast unsichtbaren Flaum auf ihrem Gesicht. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich im Wind wogende Weizenfelder. Ich schwebe in die Küche und frage mich dort, was ich hier eigentlich wollte. Ach ja, das Essen! Lammrücken mit Gemüse, und dazu Fladenbrot. Es riecht nach Griechenland: Rosmarin, Salbei, Thymian und Retsina. Aber mir ist eigentlich gar nicht nach Essen, und Marlene hat ebenfalls keinen Hunger. Schade um das Lämmlein, denke ich, und bekomme ein sehr schlechtes Gewissen. Ich lehne mich mit der Hinterseite an die Abwäsche und ruhe etwas atemlos einen Moment lang aus, als hätte ich gerade einen Berg erklommen.

Dann erschrecke ich erst einmal. Da ist doch etwas! Schon die ganze Zeit über. Aber erst jetzt dringt es in mein Bewusstsein. Jedes Mal, wenn ich die Augen beim Blinzeln kurz schließe, schießt ein Bild in meinen Kopf, eine Art Muster. Sobald ich die Lider wieder hochziehe, ist das Muster weg. Ich schließe bewusst die Augen. Da ist es, dieses unglaubliche vieldimensionale Muster. Es ist, ich kann es nicht anders sagen, ERSCHRECKEND SCHÖN ! Nicht auf eine böse Art erschreckend. Es ist, etwas anders ausgedrückt, einfach umwerfend, es durchzuckt mich regelrecht jedes Mal, wenn ich das Muster erblicke. Wie habe ich das davor nur übersehen können! Wieder schließe ich die Augen. Das Muster bewegt sich innerlich auf verschiedenen Ebenen oder Dimensionen, wie eine Art überirdisches Uhrwerk, aber so, dass ich die Bewegungen nicht "sehen" kann, sondern sie "weiß". Das ist seltsam und leider nicht näher zu beschreiben. Die Farben liegen hauptsächlich im blauen und grauen Spektrum, ich wusste aber bisher nicht, dass es so viele unterschiedliche Blautöne gibt. Man sagt, dass manche Vögel Farben sehen könnten, die für uns Menschen unsichtbar seien. Genau so fühle ich mich jetzt. Ich materialisiere im Wohnzimmer. Marlene hat inzwischen ihre MP3-Headphones aufgesetzt, die Augen geschlossen und dürfte auf Wolke 27 schweben. Ich habe aber das Gefühl, dass sie die Augen öffnet und mich beobachtet, sobald ich nicht zu ihr hinschaue. Nicht hinterhältig oder lauernd etwa, eher freundlich, interessiert, beobachtend.

Ich lege mich der Länge nach auf die Couch und drehe die Stereoanlage ab. Wie kann Marlene nur Musik über ihre Headphones hören, wenn zugleich im Zimmer noch eine andere Musik spielt! Ich empfinde plötzlich eine ungeheure Liebe zu ihr. Während ich darüber nachsinne, arbeitet der Teppich unter mir seine Muster ab. Das heißt, er scheint diese Muster zu "verbrauchen", in dem Sinn, dass er jedes erdenkliche Muster ein Mal generieren muss, um es dann für alle Zeiten zu verwerfen. Wie wird der Teppich aussehen, wenn er damit fertig ist. Wird er sich auflösen? Solch wirres Zeug durchläuft mein Gehirn. Als wüsste sie es, lacht mich Marlene jetzt mit offenen Augen an und schickt mir ein paar Luftküsse, die ich erwidere. Ist ja auch wirklich urkomisch: Ich scheine hier lesbische Tendenzen in mir zu entdecken, während sich der Teppich unter mir auflöst und einige transparente WhatsApp-Smileys aus meinem Handy entweichen, als wären sie aus einem flüchtigen Gas.

Nein, ich bin nicht lesbisch! schreie ich mich innerlich an. Oder habe ich das jetzt laut gesagt? Ich kann jedenfalls einen entsprechenden Nachhall meiner Stimme in der Stube wahrnehmen. Marlene lacht wieder. Irgendwie will ich nun aber doch das Lämmlein verzehren, damit es nicht ganz umsonst gestorben ist. Ich fliege in die Küche, drehe den Backofen an und stelle die bereits vorgegarten und mit Rosmarinzweiglein belegten Lammrückenteile und das Fladenbrot zum Aufwärmen hinein. Das Gemüse brieselt derweilen in der Pfanne. Ein mediterraner Geruch erfüllt die Küche.

Marlene verweigert den Retsina, den ich zum Essen servieren will. Sie nimmt sich stattdessen ein Glas mit Cola light, was mich innerlich ein wenig ärgerlich stimmt. Trinken Griechen Cola? Na klar, muss ich zugeben. Dabei merke ich nach einiger Zeit des Nachsinnens, dass wir beide noch kaum etwas gegessen haben, obwohl die Mahlzeit schon längst wieder erkaltet ist. Das Essen am Tisch wird zur Skulptur, zum Stillleben, verbindet sich zugleich olfaktorisch mit dem Räucherganja, dem geharzten Wein und dem Geruch eines erlöschenden Kerzendochtes, der zuvor eine ganze Weile das Zimmer in ein nervöses Flackerlicht getaucht hat.

Ich spüre, wie ich immer wieder einnicke. Doch die Augen zu schließen, wird jetzt wirklich unangenehm. Alles in mir ist beweglich. Jeder Gedanke ist ein Zahnrädchen in einem überdimensionalen Uhrwerk, jeder Atemzug eine Windböe, und die Musik spielt immer dasselbe, immer und immer wieder dasselbe.

Aber ich habe die Musik doch vorhin abgeschaltet! Oder?

Wieder spüre ich Übelkeit. Ich muss die Augen offen lassen, denn jetzt wird es wirklich stressig. Die Bewegungen haben Richtungen (Dimensionen) eingenommen, die ich nicht verstehen kann. Hin zu sehen macht mich enorm schwindelig und verwirrt und ängstigt mich, wenngleich nichts da ist, was hässlich oder gruselig wäre. Ganz im Gegenteil, es ist schön, sogar wunderschön, aber zugleich viel ZU schön, als dass ich es irgendwo einordnen könnte.

So geht das nun eine gefühlte Ewigkeit, bis ich die Hand von Marlene auf meiner Stirn fühle. Was ist? frage ich. Das will ich dich fragen, antwortet sie. Geht es dir gut? Ich schüttle zaghaft den Kopf und schäme mich zugleich. Ich will Marlenes Trip nicht stören durch meine Unfähigkeit, das Schöne zu ertragen. Marlene legt meinen Kopf in ihren Schoß und streichelt mein Haar. Komm ein bisschen runter, sagt sie.

Wir gehen vor's Haus. Die Luft ist jetzt schneidend kalt, aber frisch und angenehm und auch ein bisschen ernüchternd. Die Sterne funkeln so klar am Himmel. Glücksgefühle! Über dem Haus hängt der Arm unserer Milchstraße. So unendlich viele Welten dort oben und rundherum!

Als wir wieder das Haus betreten geht es mir besser. Ich habe sogar etwas Appetit und wir essen gemeinsam die kalten Reste des Lammrückens. Ich merke, dass die Wirkung allmählich etwas abflaut. Und beide spüren wir die Müdigkeit. Marlene hatte wenig Optik, dafür sehr schöne Glücksmomente und innere Erkenntnisse. Wir plaudern noch eine Weile darüber, ehe wir, um etwa fünf Uhr früh, endlich schlafen gehen.

Mein Schlaf ist sehr unruhig, aber nicht schlecht. Ich habe das Gefühl, im Minutentakt aufzuwachen und wieder einzuschlafen. Aber es kommen schöne Bilder und Gedanken. Ich sinke in Morpheus' Universum...






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