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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Achuma - Schamanismus oder Schizophrenie?
Drogen:Peyote
Autor:Archaic
Datum:20.09.2017 18:00
Set:Sehr bestimmt und erwartungsvoll an die Erfahrung
Setting:In der Wohnung in Stille und Finsternis
Nützlichkeit:8,83 von 10 möglichen   (18 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Entschuldigt die rätselhaften Ausdrucksweisen, mit denen ich hier den Bericht verfasse. Doch ist es unmöglich, der Erfahrung, die ich gemacht habe, mit Worten auch nur zu 1% gerecht zu werden. Diese Reise war womöglich die intensivste, die ich bis jetzt unternommen habe. Für mich vorher unübliche Dinge sind mir widerfahren bzw. habe ich äußerst unerklärliche Dinge ausgeübt, Fertigkeiten, die mir nüchtern nicht ansatzweise gelingen.
Ich habe während eines darauf folgenden Rituals das gleiche versucht, doch zum einen war die Dosis zu niedrig und zum anderen hatte die Erfahrung wieder einen komplett anderen Charakter.
Es sind genau die unerklärlichen Dinge passiert, von denen ich nur ansatzweise Erfahrungen gemacht habe, bzw. von denen ich nur in Berichten las.
Ich habe während dieser Reise Schamanismus live erlebt, nur wo befand sich der Schamane? Ich befand mich alleine in meiner Wohnung, doch schien etwas für einige Stunden Besitz von mir ergriffen zu haben.


Die Pflanze, die ich eingenommen habe, war ein Trichocereus Lageniformis (auch Achuma genannt), annäherungsweise 570g frische Masse, für diejenigen, die einen Referenzpunkt zur Dosierung benötigen.

Es war ein lauer Sommerabend und mir war schon die ganze Woche über bewusst, dass mein Nachbar in der Wohnung neben mir das Wochenende endlich mal nicht hier ist. Das kam mir sehr recht, denn so ersparte ich es mir, von eventuellen Geräuschkulissen abgelenkt zu werden.
Meinen Kollegen wünschte ich noch einen schönen Abend am Telefon und stellte das verdammte Ding aus.
Die Wohnungstür wurde sicherheitshalber abgeschlossen und der Schlüssel an einem Ort versteckt, der komplexere Denkaufgaben zum Finden in Anspruch nimmt, so dass ich nicht auf irgendwelche Ideen kommen könnte. Man weiß ja nie. Zudem wurde jede Lichtquelle abgestellt, um in möglichst großer Finsternis zu reisen.

Die Wohnung aufgeräumt, blitzblank geputzt und frisch geduscht setzte ich mich auf mein Bett im Schneidersitz. Ein Ritual, von dem ich vor jeder Reise Gebrauch mache.
Ich trank schon einmal die erste Ladung, ein purer Kaktussaft, mithilfe der Freeze-Methode extrahiert. Wie zu erwarten, schmeckte der grüne Schleim zum Kotzen. „Jetzt müsste es zwei Stunden dauern, bis eine Wirkung zu erwarten ist“, dachte ich mir. Währenddessen siedeten die übrig gebliebenen Kaktusstückchen auf dem Herd auf niedrigster Stufe.

Die Zeit zog sich, ich war mir sehr unsicher, die Gedanken rasten. "War das wirklich eine gute Idee?"
Um mich abzulenken, stellte ich den Herd ab, filterte den Sud ab und schüttete ihn trinkfertig in einen großen Becher um.
Mit dem Becher ging es zurück ins Schlafzimmer. Alles fing an, merkwürdig zu werden und in meiner Magengegend braute sich ein Sturm zusammen. Ich spürte, wie das Meskalin langsam und schleichend immer mehr Serotonin von meinen Rezeptoren wegdrängelte.

Nervosität, Angst und eine Energie machte sich in meinem Körper breit. Die Energie wurde immer stärker und plötzlich sah ich hinter meinen geschlossenen Augenlidern äußerst freundlich wirkende cartoonartige mesoamerikanisch indigen wirkende Visionen.
Doch das war nicht das, worauf meine Aufmerksamkeit lag. Worauf meine Aufmerksamkeit lag, war das unbeschreibliche Körpergefühl, das mich förmlich dazu zwang, mich in Lust hin- und her zu wälzen.
Von einem Moment auf den anderen verloren die Visionen mit einem Schlag die Farbe, alles wurde finster. Es war der Zeitpunkt, dass ich mich übergeben musste, was ich dann auch im Bad tat.
Danach würgte ich direkt die zweite Ladung herunter und versuchte sie drinzubehalten.

Der ganze Raum oder, was von ihm zu erkennen war, schlug starke Wellen und alles verzog sich in seinen Proportionen komplett. Die körperliche Euphorie, wenn man sie denn als solche bezeichnen kann, ähnelt ein wenig der von MDMA, aber aus vielen Gründen ist sie auch wieder komplett anders, kommt und geht in Wellen und wirkt weniger erzwungen.

(Ab diesen Zeitpunkt ist meine Erinnerung der Erfahrung nur noch fragmentiert, doch einige Details kann ich noch wiedergeben.)

Es sind Stimmen in meinem Kopf, doch sie sind nicht halluziniert, sondern laufen eher wie ein innerer Dialog ab. Es sind Stimmen von Personen, die ich kenne. Sie sind verzerrt und machen Gebrauch von starker Dialektsprache. Sie geben unsinnige Aussagen von sich und klingen verdammt stupide.
Zwischendrin sehe ich immer wieder die obszönsten Szenen, Welten aus Fleisch, Haaren, Zähnen, Schleim und Alien-Genitalien.

Die Visionen werden immer finsterer und widerlicher und mein Magen dreht sich um. Ich bitte Lady Meskal, mich von meinem Leid zu befreien. Ich gehe ins Bad und übergebe mich mit aller Macht.
Danach fühlte ich mich ein gutes Stück befreiter und der Headspace wurde auch leichter. Ich begab mich zurück in mein Bett während sich die Räume immer stärker verzerrten.
Ich schloss meine Augen. Meine Visionen nahmen dreidimensionalen Charakter an. Ich schwebte durch eine Art dunklen Tunnel. Auf der linken unteren Seite meines Blickfelds befand sich eine Entität. Es war eine weibliche Gestalt, die mich zu sich locken wollte. Sie wirkte von Anfang an nicht vertrauenswürdig, aber ich war neugierig und gab nach.
Das Nächste, an das ich mich erinnern kann, ist, wie sie bösartig lachte und ihre wahre Gestalt zeigt. Ich spürte ihre finstere Präsenz und ich war während des Prozesses geistig abwesend, denn im nächsten Moment saugte sie mir eine Art Datenstrom aus dem Brustkorb.
Ich war während dieses Momentes gleichgültig bis ich ihr schadenfrohes Lachen hörte und sie mir sagte, dass ich wohl alles mit mir machen ließe.
Sofort wachte ich auf und wehrte mich gegen ihren Angriff und sie entfernte sich.

Nachdem mein Sichtfeld von ihr wieder komplett frei war, befand ich mich in einem anderen Abschnitt des Raumes.
Die Säulen des Raumes bestanden aus sich ständig bewegenden Schlangen, die vor Energie pulsierten, während auf der Decke geometrische Ströme an leuchtenden Informationen entlang flossen.

Die Wirkung wurde immer noch intensiver, ab irgendeinem Punkt befand ich mich an einem Ort, den ich als Reptilien-Nexus bezeichne.
Ich habe die Intelligenz und die vibrierende Energie dieser Tiere gespürt. Sie strahlten unglaubliche Güte und Weisheit aus. Sie strahlten einen gewaltigen Erfahrungsschatz aus, der sich auf eine lange Zeit vor uns Menschen auf diesem Planeten erstreckt.

In diesem Hyperspace bin ich noch auf andere Entitäten gestoßen. Ich befand mich in diesem Netzwerk an Heuschrecken-artigen Insektoiden. Sie strahlten eine monströse Gleichgültigkeit gekoppelt mit einem nie zu befriedigenden Hunger aus. Aus diesem Grund musste ich an die rücksichtslose Wirtschaft der Menschheit denken. Wie wir unser eigenes Zuhause immer mehr zerstören, um einen unersättlichen Hunger zu stillen.

Zwischenzeitlich habe ich mich in einer Art „Meta-Raum“ befunden, ein Ort, der göttliche Intelligenz ausstrahlte, ein Ort, von dem alle anderen ein Teil zu sein scheinen. Optisch wirkte dieser Raum verdammt ähnlich zu diesem Painting von Alex Grey.


Der Raum war aber wesentlich detaillierter und wieder waren die elektrischen Schlangen zu sehen. Diese hatten übrigens ein Muster auf ihren Körpern, die in der Shipibo-Ethnie in ihren Stoffarbeiten verwendet wird (welche durch Ayahuasca inspiriert sind).


Ab irgendeinem Punkt stand ich von meinem Bett auf und erzeugte mit meinem Mund in mir unerklärbar schneller Zungenfertigkeit Pfeifgeräusche ultrahoher Komplexität, die synästhetisch logarithmische Spiralen erzeugten, die fraktale Strukturen in die Welt brachten.
In perfekter Synchronität bewegte ich meinen Körper dazu. Mein Sinn für ein Selbst wurde immer schwächer.
Ich besuchte immer wieder viele finstere Orte meiner eigenen Persönlichkeitsmatrix, welche mich überwältigten.

Aus irgendeinem Wissen heraus, das mir vorher nicht bewusst war, fing ich an zu singen.

So sang ich in perfekt harmonischen Melodien und in mir fremden, nicht verständlichen Silben. Was dieser Gesang bewirkte, war äußerst faszinierend. Ich erschuf mit dem Gesang geometrische Strukturen aus Licht. Unter anderem erzeugte ich den sternenförmigen Tetraeder, auch Merkaba genannt.


Zum anderen erschuf ich auch die Blume des Lebens und andere harmonische Strukturen. Aber was ich noch viel wesentlicher fand, war, dass ich mit dem Gesang etwas in meinem Körper bewirkte. Ich spürte, wie jede einzelne Zelle in mir zu vibrieren begann und meinen Körper durchfuhr eine unglaublich gewaltige Energie, der ich kaum standhalten konnte.
Mein Körper begann mit dem Raum in ein Kontinuum zu verschmelzen.

Als mir die Energie zu viel wurde, hörte ich auf zu singen und befand ich mich in einem anderen Abschnitt des Hyperraums. Die Wände und Säulen in diesem Raum wirkten hochtechnologisch und futuristisch, in gewisser Hinsicht rein maschinenartig.
Dieser Raum war bewohnt und mir sprang der Bewohner direkt in die Mitte meines Sichtfeldes. Ich wusste nicht, was diese Intelligenz von mir wollte und sie schien recht aufgebracht darüber zu sein. Einen Moment darauf verließ sie mich.

Eine weitere Entität in einem anderen Abschnitt erschien mir in optischer Form stereotypisch den kleinen grauen Aliens entsprechend. Diese Intelligenz wirkte sehr dominant und in gewisser Weise sogar aggressiv, mit ihren eigenen, mir unersichtlichen Absichten. Doch aus meinem Gefühl heraus, ahnte ich, dass die Entität nichts Gutes für mich im Sinne hatte und ich erzeugte einen Abstand von ihr.

Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde die Wirkung schwächer und ich befand mich in einer ästhetisch ansprechenden Welt aus geometrischer Architektur. Jedes abstrakte Konzept konnte in diesem Zustand dreidimensional in überwältigend hoher Komplexität visualisiert werden.

Es ist vielleicht früh um vier gewesen und ich war einfach nur noch müde und erschöpft und wollte schlafen, doch die Wirkung wollte einfach noch nicht so ganz nachlassen. Bis ich eingeschlafen bin sah ich noch Ströme aus Informationen durch mein Sein hindurchfließen.

Nun, was kann ich für einen Schluss aus der Erfahrung ziehen? Einige schädliche Verhaltensweisen in zwischenmenschlichen Beziehungen sind mir durchaus klar geworden. Zum Beispiel, dass ich früher viel zu viel mit mir machen lassen habe.
Da das ganze eine zudem sehr körperbetonte Erfahrung war, hab ich angefangen, mich als die hochkomplexe Form, die ich bin, zu sehen.
Dass ich in so vielen düsteren Ecken war, wundert mich ehrlich gesagt nicht, ich habe das regelrecht schon erwartet. Doch gewisse Anteile in meiner Psyche sind mir gefühlsmäßig noch einmal deutlich geworden.

Diese Reise hat an sich hauptsächlich mehr Fragen als Antworten aufgeworfen. Mehr Fragen, als ich zu beantworten weiß. Ich befand mich in einem Zustand, der von Psychiatern als schizophren bezeichnet werden könnte, doch das ist meiner Ansicht nach eine Abwertung.
Die große Frage ist wohl, was die Natur unserer Realität ist und was für Ebenen und Facetten sie aufweist.
Darauf weiß ich keine Antwort und es ist wohl auch ein Ding der Unmöglichkeit, das mit Sicherheit sagen zu können.
Ich kann nur dazu sagen, dass unser Alltagsbewusstsein ein sehr schmaler Grat vom Ganzen ist.
Vielleicht ist es auch besser, sich nicht zwanghaft Gedanken darüber zu machen und einfach das zu genießen, was die Realität zu bieten hat bzw. aus den schmerzhaften Erfahrungen etwas zu lernen und an ihnen zu wachsen.






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