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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Es geht mir wirklich gut!
Drogen:Mischkonsum von LSD und Alkohol (Reihenfolge vom Autor festgelegt)
Autor:Kraeuterhexe
Datum:07.02.2018 22:07
Set:Beziehung beendet, traurig, alleine.
Setting:In meinem Landhaus, an einem milden Vollmond-Sommerabend.
Nützlichkeit:8,80 von 10 möglichen   (20 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Ich hatte gerade meine Beziehung mit einem tollen Typ, nennen wir ihn Jake, geschreddert und fühlte mich unglücklich. Zugleich aber wusste ich, dass mir die Sache zu eng geworden war und ich noch nicht bereit war, mit einem Mann auf Dauer zusammen zu leben. Aus dieser Sicht versuchte ich, meine wiedergewonnene Freiheit auch ein Stück weit zu genießen, was mir jedoch kläglich misslang. Ich zog mich also wieder einmal für ein Wochenende in mein geliebtes Landhaus zurück und machte es mir gemütlich. Es war ein lauer Sommerabend und der Mond würde schon bald in seiner vollen Pracht über dem Waldrand hochtauchen und die ganze Welt hier mit seinem Licht verzaubern. Fast wären es ideale Voraussetzungen für einen Acidtrip gewesen, wenn da nicht diese Sache mit Jake gewesen wäre.


Ich richte mir das Tischchen auf der Terrasse her, etwas Wein, mein Schaukelstuhl, ein paar Früchte, ja, und natürlich ein Stückchen Pappe mit angeblich 180 - 200 Mikrogramm Acid.
Von hier werde ich in ein paar Stunden den prächtigen Mond aufgehen sehen. Ich trippe eher selten alleine, und schon gar nicht, wenn ich nicht so gut drauf bin. Dies hier ist eben mal eine der Ausnahmen von der Regel. Nicht sehr vernünftig. Ich weiß.

Im Viertelstundentakt bekomme ich Textnachrichten von Jake aufs Handy, die ich alle wegdrücke. Na ja, ich hätte ihn ja auch ganz sperren können, aber das erlaubt mein Ego offenbar nicht. Also müssen er und ich jetzt leiden und das übliche Klischee erfüllen.

Das Acid flutet diesmal früher (schon nach etwa 40 Minuten) an, als ich es ansonsten gewohnt bin. Vielleicht, weil die Dosis diesmal auch höher ist, als gewohnt. Vielleicht auch, weil ich heute den ganzen Tag lang nichts gegessen habe. Ich nehme LSD nur alle paar Monate, meine Toleranz ist entsprechend moderat. Auch muss ich heute nicht lachen, als es beginnt. Normalerweise ist Dauergrinsen eine meiner ersten Reaktionen auch Acid. Diesmal breitet sich ein stark sedierendes Gefühl in mir aus, was mich etwas verunsichert. Ist das auch wirklich LSD? Hoffentlich nicht irgend ein anderer Dreck, den ich nicht kenne! Aber keine Panik, ich habe eine sehr zuverlässige Quelle und es gab bisher noch nie Probleme. Warum also sollte es heute anders sein?

Von der Terrasse aus überblicke ich den Obstgarten, der, meistens sich selbst überlassen, wild vor sich hin krautet und mir gerade dadurch große Freude bereitet. Ein warmer, harzig-modriger Geruch hängt in der milden Abendluft. Das Haus ist zwar etwas abgeschieden, trotzdem kann ich auch den Geruch von Grillkohle riechen. Offenbar gibt es hier in der Nähe ein kleines Grillfest. Ich konzentriere mich, kann aber vorerst keine Stimmen hören, die meine Ahnung bestätigen. Aus meinem Handy klingt "Modern Noir Songs" . Aber allmählich wird der Gesang der Heuschrecken lauter als die Musik aus meinem Handy, bis sich ihr polytonaler Akkord breit über die Streuobstwiese gelegt hat und alles Andere gnadenlos übertönt.

Ach ja, natürlich: Das Zirpen bleibt nicht lange ein Zirpen. Immer öfter kommt es mir vor, als hörte ich zwischen den Geräuschen auch eine Art "Wellensalat", etwa so, als suchte man vergeblich mit einem alten Radioapparat einen Sender. Verschiedene Stimmen in allen möglichen Sprachen, Musik, Rauschen, Pfeifen, Knacken, alles sehr subtil, aber doch deutlich genug. Ich sitze breit und regungslos in meinen Schaukelstuhl und komme dabei plötzlich auf die Idee, mittels eines imaginären Drehreglers in der Luft vor mir, den Sender genauer einzustellen. Tatsächlich verändern sich die Geräusche, als ich den Regler "drehe". Aber einen klar definierten Sender bekomme ich trotzdem nicht "herein", soviel ich auch herumdrehe. Ich komme mir jetzt ein bisschen blöd vor, als ich aufhöre, in der Luft herum zu fuchteln.

Irgendwie merke ich, dass mir dieses Gefühl, sediert zu sein, allmählich auf die Nerven geht, ebenso wie dieses Grillenradio, das außer einem Haufen Störgeräuschen nicht viel herzugeben scheint. Ich erhebe mich mehr als tollpatschig aus dem wackeligen Schaukelstuhl und schlendere in die Küche, um mir eine Cola zu holen, denn ich spüre schon, dass der Rotwein heute nicht das Richtige für mich ist.

Fast immer ist es die Küche, die als erstes zu morphen beginnt. So auch diesmal. Ja, ja, eh klar: Natürlich tauchen in den Mustern der Küchenmalerei Botschaften von Jake auf. Und auch klar, dass ich sie nicht entziffern kann. Ich befürchte allmählich, dass ich mir den Trip heute besser hätte sparen sollen. Aber gut, was ist, das ist eben. Raus aus der Nummer könnte ich ohnedies nur mehr mit hohem Aufwand, den ich mir gerne ersparen würde. Also ignoriere ich die Botschaften und kehre mit einer Schüssel voller Kartoffelchips und einer Cola wieder zurück zu meinem Platz vor dem Haus.

Die Atmosphäre hat sich jedoch inzwischen vollkommen geändert. Vom Radio ist nichts mehr zu hören, auch die Heuschrecken sind mit ihrem Gesang leiser geworden. Mein Handy summt. Virbrationsalarm. Als ich hin fasse, merke ich jedoch, dass die Vibrationen offenbar von wo anders herkommen. Um sicherzugehen, schalte ich das Mobiltelefon komplett ab. Das Geräusch ist fort. Vielleicht also doch vom Handy?

Schon nach einem halben Glas Cola bilde ich mir ein, nicht mehr so sediert zu sein, was ich als sehr wohltuend empfinde. Was ich vielleicht bei einem Opioid ganz angenehm empfände, stört mich bei Acid doch gewaltig. Ich will im Moment nicht wie ein Zombie vor mich hin nodden, sondern meinen Trip wach und klar erleben können.

Sollte nicht bereits der Mond hochsteigen? Wie spät ist es? Ich schalte mein Handy wieder an: knapp nach 19 Uhr. Na, wo bleibst du, mein Gefährte? Während ich auf das Erscheinen unseres Trabanten warte, knabbere ich unentwegt Kartoffelchips. Tu ich sonst kaum. Aber heute hat es fast schon was Zwangartiges. Dabei fällt mir eine Szene aus King of Queens ein, in der Kevin James als Doug Heffernan rücklings auf der Couch liegt und irgendwelches Potatozeugs in sich rein schaufelt, während am Fernsehbildschirm vor ihm eine dicke Seekuh zu sehen ist, die den Meeresgrund abweidet.

Und da ist es endlich, das Lachen, das mir bisher in diesem Trip so abgegangen ist. Es geht also doch noch. Wie befreiend! Schlagartig habe ich das Gefühl, dass der Trip bisher etwas eher Dumpfes an sich hatte, während jetzt alles etwas klarer und definierter wird.

Sehe ich irgendwann etwa auch wie diese Seekuh aus, wenn ich weiter so viele Chips in mich reinschiebe? Oder wie Kevin James?

Kreisch!

Ich hatte zwar bisher noch nie "Gewichtsprobleme", aber im Moment merke ich, dass sich unter meinem T-Shirt ein Speckröllchen aufbäumt. Nur Einbildung, tröste ich mich. Aber aus irgend einem Grund ziehe ich jetzt ein Sweatshirt über, nicht nur, weil es kühler wird, sondern auch, um etwas zu kaschieren, was per se eigentlich gar nicht da sein sollte. Werde ich einmal dick sein? Ich mag dicke Menschen. Meine Oma war dick und ich liebte sie. Selber aber will ich nicht dick sein. Ist das vielleicht mein heutiges "Thema"?

Essen ist mir schon sehr wichtig. Vielleicht nicht in riesigen Mengen oder so, aber es ist doch viel mehr für mich als nur ein Nahrungsmittel. Werde ich mal Kinder haben? Werde ich dann aufgehen wie ein Hefeteig? Vielleicht sollte ich mir etwas Ordentliches zu essen holen, nicht diesen Dreck hier. Ich leere eine halbe Schüssel Chips in die Streuobstwiese. Den Heuschrecken ist das einerlei. Die zirpen unentwegt weiter. In der Küche finde ich Baguette, Prosciutto, Grana Padano und ein paar lila Kirschtomaten. Damit wanke ich zurück zu meinem Schaukelplatz.

Da ist er ja, mein bester Freund, mein dicker guter Onkel, groß und fett und rund. Und ohne jedes Essproblem. Es ist immer wieder ein Erlebnis, den Mond über den Wald steigen zu sehen. Das Mare Imbrium ist deutlich zu erkennen. Keine Wolke trübt den dämmrigen Himmel. Ich füttere mich selbst mit Käseflöckchen und Prosciutto.

Plötzlich höre ich eine Stimme. Eigentlich eher ein Kichern. Dann wird es deutlicher: Über den Zaun lugt ein lustiges rundes Mädchengesicht. Sie ist 16 vielleicht, hat strohblondes Haar und einen Haufen Sommersprossen. Yo! ruft die Kleine zu mir herüber. Hey! antworte ich. Dann höre ich auch die Stimmen von ein paar Jungs, die sich ebenfalls vor dem Zaun aufpflanzen. Haben Sie vieleicht eine Grillschüssel, die Sie uns leihen könnten? Wir haben noch ein paar Gäste, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Jetzt wird's knapp, und da dachten wir, wir schauen mal vorbei und fragen...

Das Mädchen dürfte die Sprecherin der kleinen Teenie-Gang sein. Vielleicht ist sie aber auch bloß die Einzige, die der Sprache mächtig ist. Die Jungs jedenfalls blödeln nur ziemlich doof herum, bringen keinen geraden Satz zustande und dürften ziemlich betrunken sein.

Wieso siezt mich die Kleine? frage ich mich. Bin ich wirklich schon so alt? Ich bin jetzt 31 und fühle mich keineswegs alt. Ich bin Irinja, sage ich zu ihr, siez mich nicht! Die Kleine schaut mich etwas verwirrt an: OK! sagt sie dann vorsichtig abwartend. Ich wanke indessen zur Scheune, um die Grillschüssel zu holen.

In der alten Scheune ist es stockdunkel. Ich taste mich durch Spinngewebe und Staub bis zu der Stelle, wo ich den Lichtschalter vermute. Glück gehabt. Ich schalte an. Aber das Licht ist fahl und hilft mir kaum beim Suchen. Hier haben die Bauern früher ihre Pferdekarren eingestellt. An den hölzernen Wänden hängen alte Kummets und anderes Bauernzeug, darunter auch hölzerne Heugabeln, Sensen und ein verrosteter Pflug. Das Heu am Boden dürfte schon etwa hundert Jahre alt sein.

Und es leuchtet!

Vielleicht ist es verpilzt. Manche Pilze lumineszieren ja im Finstern. Aber das hier: Ein bläuliches Schimmern, das eher an ein spezielles Effektlicht erinnert als an biologisches Leuchten. Auch scheint das Heu leise zu knistern. Mäuse? Schon möglich. Knistern und Schimmern stehen aber miteinander in Verbindung. Das heißt: Ohne Schimmern kein Knistern und umgekehrt. Das ist kein normales Schimmern. Ich schalte die Lampe aus. Das Schimmern wird lauter, das Knistern heller oder wie auch immer.

Auf einmal ist alles wie total verzaubert.

Wüsste ich es nicht besser, so hätte ich jetzt gemeint, heute Pilze geschluckt zu haben, aber ich stehe hier mit einem Kopf voller Acid und bade in meinem eigenen Licht, in dieser alten, nach modrigem Heu duftenden Scheune. Und mit einem Mal fühle ich mich grenzenlos alleine, als wäre ich seit Jahren auf einem fremden Planeten verschollen. Ich setze mich in den bläulich leuchtenden Heuhaufen und beobachte, wie ich dabei Myriaden kleiner, blau leuchtender Heupartikelchen hochwirble. Sie schweben nun als feines Aerosol in der Luft. Ich kann sehen, wie ich es einatme und wieder ausatme. Es knistert dabei leise. Immer mehr bekomme ich das Gefühl, im Weltall zu schweben, nur ich und dieser leuchtende blaue Staub, die Ursubstanz meiner zukünftigen Galaxien. Und ich, alleine, spüre mein Herz, wie es mein Blut durch meine Adern pumpt. Ein mechanischer Vorgang. Meine Brüste heben und senken sich, in meinem Hals pulst es, die blauen Partikelchen beginnen, sich zu formieren. Sie bilden mit der Zeit einen Ring, der gegen den Uhrzeigersinn um meinen Kopf kreist. Ich muss an Saturn denken. Symbolisiert der Saturn nicht unter anderem auch Einsamkeit? Ich spüre, wie es mir die Tränen in die Augen treibt.

Scheiße, fühle ich mich traurig und alleine!

Werde ich für den Rest meines Lebens mit diesem Saturnring um meinen Kopf umherlaufen müssen? Meine Tränen sind heiß und dick. Sie verbrennen fast meine Wangen. Was ist nur los mit mir. Ich weiß doch, dass ich nicht alleine bin. Ich habe liebe Eltern, gute Freunde. Ich habe einen schönen Job. Was fehlt mir?

Nein! Ich hasse nichts mehr als billige Klischees!

Natürlich habe ich mit Jake Schluss gemacht. Natürlich macht mich das traurig. Er ist ein toller Typ. Er bumste mich manchmal in den Himmel. Trotzdem: Es gab gute Gründe. Was in mir will mir nicht erlauben, mich von einem Mann zu trennen, wenn ich spüre, dass der gemeinsame Gipfel bereits überschritten ist? Was in mir ist so einfach strukturiert, mir solch simple Botschaften zukommen zu lassen. Mein narzisstisches Ich quält sich durch die nächsten bitteren Minuten, wo ich nur noch heule und heule und heule und mich zugleich schäme und schäme und schäme.

Nein, nicht ich bin die Betroffene. Jake ist es. Er kann es nur hinnehmen, hatte keine Wahl, wurde von mir gnadenlos überstimmt und weggeworfen wie ein alter, ausgelatschter Schuh. Und nein, er ist nicht ausgelatscht. Er hat kein Bisschen Schuld. Ich selbst habe mich ihm gegenüber desensibilisiert. Ich habe das bewusst betrieben. Habe ganz bewusst nach Talenten gesucht, die er nicht haben konnte. Habe ganz bewusst getestet und befunden. Als ginge es darum, ihn irgend eines Vergehens zu entlarven. Eines Vergehens, das er nie begangen hat.

Ich schäme mich!

Aber Schluss damit! Es ist so, wie es ist. Damit müssen wir beide leben.

Ich kenne mich zu gut und weiß, dass solches Gehabe Episoden von Selbstmitleid und Selbstbezichtigungen in mir auslösen. Damit aber bin ich fertig. Was wollte ich hier schnell noch mal? Ach ja, die Grillschüssel für die Kids!

Ich schüttle den Saturnring von meinem Kopf, rapple mich aus dem Heuhaufen und betätige den Lichtschalter. Da vorne sehe ich ihn schon. Eine ganze Weile bin ich damit beschäftigt, das Klappergestell aus einem Haufen Metallgeraffel heraus zu hieven. Das Gestell ist klapprig, die Räder wackeln und quietschen beim Schieben. Einen Moment lang stehe ich dann wieder planlos im Schuppen und denke nach. Ach ja, die Bande dort draußen, die Grillschüssel! Ich setze mich wieder in Bewegung.

Merkwürdig: als ich ins Freie trete, ist es inzwischen dunkel geworden und die Teenies sind verschwunden. Ich höre auch ihre Stimmen nicht mehr. Ich stehe da wie ein riesen Dummkopf, die Grillschüssel vor mir, meine cremeweiße Jeans total voller Heustaub, Rostflecken und Holzkohlendreck. Was ist in der Zwischenzeit geschehen? Filmriss? Na klar, ich hab ja Acid eingeworfen! Trotzdem - das ist wirklich gruselig. Wie lange hab ich mich in diesem Schuppen aufgehalten? Zehn Minuten? Zwei Stunden?

Die Bäume werfen lange Schatten im Mondlicht. Ich fühle mich etwas ausgelaugt und auch ein wenig hungrig. Auf meinem Tischchen entzünde ich ein paar Kerzen. Ich wickle mich in meine Wolldecke und gieße mir ein Glas Rotwein ein. Der Wein hat die sommerliche Temperatur angenommen, aber das ist mir jetzt egal. Es sieht auch aus, als hätte ich Besuch gehabt auf meinem Tischchen. Der Prosciutto ist jedenfalls verschwunden. Und ein paar Stückchen Grana Padano haben sich offenbar auch aufgelöst. Ich tippe mal auf Perla, die Katze des Nachbarn, der ein paar Hundert Meter von hier seinen Hof hat.

Egal, das Baguette, ein paar Stückchen Käse und die lila Kirschtomaten schmecken jetzt, als wär's ein Festmahl. Keine Einsamkeit mehr. Ich kaue das Weißbrot. Wieder rinnen Tränen über meine Wangen.

Ja, ich bin im Moment vielleicht alleine. Aber es geht mir gut.

Es geht mir wirklich gut!






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