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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Mein eigener Tod
Drogen:LSD
Autor:Adam87
Datum:03.03.2018 14:46
Set:Müde, angespannt
Setting:Eigene Wohnung
Nützlichkeit:9,35 von 10 möglichen   (17 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Es ist jetzt schon eine knappe Woche her seitdem ich meine intensivste und wahrscheinlich letzte psychedelische Erfahrung gemacht habe.
Ich will kurz mein Leben schildern. Es ist Winter, ich habe gerade meinen Bachelorabschluss gemacht, komme aus einem Auslandssemester und bin zurück in meine Heimat gezogen, um hier meinen Master zu beginnen. Derzeit habe ich also frei, da ich zwischen den Studiengängen bin. Meine Freundin hat mich verlassen, da die Belastung durchs Auslandssemester zu viel war.
Das Wochenende begann mit einer Party in einem Club in der nächsten Großstadt, meine Freunde hatten eine Drum and Bass Veranstaltung organisiert mit ungefähr 150 Gästen. Es war ein echt schöner Abend. Wir haben was getrunken, ich habe mir mit einem Freund ein 2CB Teil geteilt, nichts Außergewöhnliches. Ich kam mittags nach Hause in meine Wohnung, welche sich im selben Haus wie die Wohnung meiner Oma und meiner Eltern befindet. Nach einer Stunde Schlaf ging es zur Geburtstagsparty meiner Oma. Ich konnte mich nicht ablenken und musste immer an meine Ex denken.
Da ich einem Freund (Nennen wir ihn Kilian) betrunken zugesichert habe am Abend 3 Zuckerwürfel mit LSD zu nehmen, versuchte ich die Veranstaltung schnell hinter mich zu bringen. Gegen Abend trennte sich die Verwandtschaft und ich ging zurück in meine Wohnung. Circa eine Stunde später kamen Kilian und ein weiterer Freund (Nennen wir ihn David) zu mir in die Wohnung. David wollte eine Freundin einladen, welche ich nicht kannte (Nora), ich zögert, wollte David aber nicht den Abend verderben, also sagte ich zu, dass sie dazu stoßen könnte.
Gut eine Stunde später (wahrscheinlich 21 Uhr) entschieden Kilian und ich uns je 3 Zuckerwürfel LSD zu nehmen. Wir hatten bereits ähnliche Erfahrungen gemacht. Ein Jahr zuvor haben wir zwei bei ihm alleine 3 Blotter genommen und es war eine sehr angenehme Erfahrung. Trotzdem hatte ich ein ungutes Gefühl und habe mich lange dagegen gewehrt die Würfel doch zu nehmen. Ich wollte den Abend nicht verderben und nahm sie trotzdem.
Der Trip startete mit einem extremen Bodyload, ich musste mich oft auf mein Bett legen und hatte das Gefühl in Schlamm zu stecken. Wir versuchten Rocket League zu 4. zu spielen, merkten jedoch schnell, dass Kilian und ich komplett in Gedanken woanders waren und nicht mehr in der Lage waren das Spiel zu verstehen. Ich merkte zunehmend, dass ich von negativen Gedanken geplagt wurde. „Was fange ich mit meinem Leben an?“ „Warum hat sie mich verlassen?“ „Ist mein Konsum noch gesund?“ „Habe ich die Kontrolle verloren?“
Nach dem vergeblichen Versuch Rocket League zu spielen, gingen David und Nora aus meiner Wohnung im 2. Stock nach draußen, um zu rauchen. Kilian und ich fingen an Limbo zu spielen (Es geht in diesem Spiel darum nicht zu sterben, es ist sehr düster gehalten, unten sieht man ein Bild). Dies gab dem Trip die entscheidende Wendung. Ich konnte mich nicht mehr gegen meine Gedanken wehren. Ich bin sowieso depressiv veranlagt, aber es kamen mir zunehmend Gedanken mich ausm Fenster zu stürzen oder mit einem Messer ins Herz zu stechen. Ich erzählte Kilian von meinem negativen Mindset und er riet mir mich zu entspannen. Da ich meine Wohnung jedoch immer mit dem Verlust meiner Freundin assoziiere, fällt es mir allgemein schwer mich zu entspannen und lenke mich stattdessen immer ab.

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Plötzlich klingelte es an der Tür, Kilian und ich waren total ausm Konzept geworfen, da wir vergessen haben, dass David und Nora rauchen wollten. Beim Öffnen der Tür dachte ich meine Eltern würden nach oben kommen, weil irgendwas nicht stimmte. Es waren jedoch nur Nora und David. Sie reichten mir einen Brief, welcher eine Glückwunschkarte von meiner enthielt. Da ich meine Bachelorarbeit mit 1,0 abgeschlossen habe und diese wahrscheinlich veröffentlich wird, wollte meine Oma mir mit dieser Karte gratulieren.
Als mich Nora diesbezüglich fragte, ob ich dafür viel lernen muss, konnte ich die Frage nicht verstehen. Ich konnte mich einfach nicht erinnern, ob ich viel für die Uni tun muss oder ob mir dies einfach zu fliegt. Es gab für mich keine Erinnerungen mehr und ich geriet leicht in Panik. Das passiert mir bei LSD häufiger, dass ich mich nicht erinnern kann oder das Konzept von Sprache nicht richtig verstehe. Also sagte ich auf die Frage, ob ich viel lerne „Beides“. Sie war sichtlich verwirrt, David musste lachen und mir war es peinlich nicht richtig reden zu können.
Bei dem Versuch mich zu beruhigen setzte ich mich in den Schneidersitz und versuchte zu meditieren und mich zu beruhigen. Dies gelang mir jedoch nicht und die negativen Gedanken wurden durch die Panik verstärkt. Ich schloss die Augen und konnte abstrakte Formen wahrnehmen. Ich kannte das von bisherigen Trips nicht, dass man Sachen sieht, die nicht wirklich da sind. Es waren keine Optics, also keine Pseudohalluzinationen. Ich sah einen Steinfußboden vor einer Kirche. Als ich die Augen öffnete konnte ich Regen auf meiner Hose sehen. Bis mir deutlich wurde, dass dies meine Tränen sind. Ich habe jedoch nicht geweint. Ich schloss die Augen und sah schwarze Muster, ähnlich wie Ranken oder Finger aus schwarzem Nebel.
Ich stand auf. Ging durchs Zimmer, wusste aber nicht wohin und setzte mich wieder an den gleichen Platz. Dies wiederholte ich 4-5 mal. Ich schrieb einem Freund Nachrichten
„Notfall.“
„Meine Freundin“
Ich schloss die Augen und saß wieder vor der Kirche, es regnete. Die Nebelgestalten wurden so präsent, dass ich sie fühlen konnte. Ich hatte das Gefühl mich von meinem Körper zu lösen. Ich spürte jedoch Hände auf meinen Schultern. Jeweils eine Person an jeder Schulter. Mein Sichtfeld wurde so schwarz und eingeschränkt, dass ich sie nicht erkennen konnte. Jedoch war ich mir bewusste, dass es meine Eltern waren, die je eine Hand auf meine Schulter gelegt hatten. Ich dachte sie wären gekommen, um mir zu helfen. Ich wusste auch, dass meine Oma über mir stand und auf mich wie ich da saß runterblickte. Sie gaben mir das Gefühl loszulassen, mich von dieser Welt zu verabschieden und mit ihnen ins Jenseits zu gehen. Meine Sicht wurde Rot. Die Ranken bekamen eine dunkelrote Färbung und der Regen wurde zu Blut.
Ich gab mich willentlich auf. Ich wollte so hier sterben. Einen Drogentod meines Ichs. Einfach indem ich aufhöre zu denken, aufhöre zu existieren, indem ich mich einfach dazu entscheide. Ein Schmerz durchfuhr meinen Kopf. Ich reagierte nicht. Es war die Erlösung sich meinen Eltern hinzugeben.
Ich öffnete die Augen und schrieb meinem Kumpel:
„Ja“
„JAAAAAAaaa“
„Ja“
„Mama“
„Papa“
„Ja“
Ich schrieb meiner Ex „Ich liebe dich“. Schloss wieder die Augen und durchlebte die gleiche Szene nochmal. Starb erneut und schrieb wieder meinem Kumpel „Mama“, „Papa“, „Oma“, „Meine Freundin“. Ich bekam Panik, bei geöffneten Augen und überlegte mir, wer mir helfen könnte. Schloss wieder die Augen und durchlebte die Szene. Dies wiederholte sich gut 20 mal, bis ich nicht mehr ich war, sondern zerbrochen. Ein Scherbenhaufen meiner selbst, zerstört durch die bewusste Entscheidung unbedingt sterben zu wollen, wieder und wieder und wieder.
Anscheinend habe ich dabei Selbstgespräche geführt, zumindest hat David mir das etwas später erzählt. Ich stand auf und erkannte in David mich selbst und Nora meine Exfreundin. Das typische Spiel, dass ein Mann um eine Frau wirbt, dass es immer zwei Menschen sind, dass es so schon seit Ewigkeiten in allen Epochen so ging. Ich erkannte meine Exfreundin in Nora und glaubte, dass meine Exfreundin als Nora wieder zu mir zurückgekommen ist, dass sie mir das angetan hat, um mir zu zeigen, wie sehr sie mich liebt, dass sie mich sogar umbringen bzw. meinen eigenen Tod wieder und wieder durchleben lässt, damit ich sehe, wie sehr sie mich liebt.
Ich wechselte die Persönlichkeit mit jedem Wortfetzen, den ich sagte. Ich sprach mit Kinderstimme, dachte ich wäre Zenyatta aus dem Spiel Overwatch, welcher quasi ein erleuchteter Roboter ist (Unten ein Bild) Ich war David, Kilian, meine Exfreundin, ich als Kind, ich als Mann mit Kindern in der Zukunft, mein Vater, mein Opa und am Ende nur noch eine Hülle. Ich war so zerbrochen und gespalten in meiner Persönlichkeit, dass ich nach Hilfe suchte. Ich verließ meine Wohnung und ging zu meiner Oma in die Wohnung. Diese lag im Bett und las. In Wortfetzen konnte ich ihr begreiflich machen, dass es mir schlecht ging und legte mich zu ihr ins Bett. Sie bot an morgen mit mir und meiner Exfreundin zu telefonieren, damit es mir besser geht. Wir sollten uns heute aber auf uns konzentrieren. Als ich sie ansah, sah ich in ihr den Sensenmann, der mich holt. Ich legte mich zu ihr ins Bett und wollte dort schlafen. Sie willigte ein und wir schalteten das Licht aus.

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Es vergingen gut 15 min in denen ich allmählich wieder klar wurde. In der Dunkelheit erkannte ich die Optics und wusste wieder, was ich genommen habe. Ich wurde wieder ich und verabschiedete mich von meiner Oma, immerhin waren meine Freunde alleine in meiner Wohnung.
Als ich dort ankam wurde ich verdutzt angeguckt und Kilian fehlte. Anscheinend waren David und Nora rausgegangen, als Kilian auf Toilette war und dieser hatte versucht sie zu finden. Wir gingen zu seinem Haus, um ihn zu suchen. Er war jedoch nicht in seinem Zimmer und nicht telefonisch zu erreichen. Als wir wieder in meiner Wohnung angekommen waren konnten wir ihn doch erreichen.

Er war im Krankenhaus.
Anscheinend hat er sich verlaufen und in seinem Wahn, einen Weg aus seinem Trip zu suchen, randaliert, einen Menschen angegriffen und wurde von der Polizei auf einer Trage fixiert ins Krankenhaus gefahren, da er gemeingefährlich war.

Rückblickend kann ich an vielen Punkten sehen, warum es schief ging. Mein Lebensumstand, die Fremde Person, der wenige Schlaf, unzureichende Vorbereitung, eigentlich gegen meinen Willen diesen Trip zu machen.
Ich werde versuchen einiges aus diesem Trip zu lernen, mein Konsum liegt erstmal auf Eis. Ich habe keinen Kontakt mehr zu meiner Exfreundin und ich denke ich werde nach Spanien gehen, um dort den Jakobsweg zu laufen, bevor mein Studium beginnt. Ich hoffe, dass dies mir die Klarheit gibt und ich mir über ein paar Dinge bewusst werde.
Bitte wenn ihr das lest, geht verantwortungsvoll mit Drogen um. Ich habe jetzt Probleme einzuschlafen, diese Erfahrung verfolgt mich in jedem stillen Moment und ich werde wahrscheinlich in Therapie gehen.






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