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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Candyflip - GefühlGedanken im Fluss der Momente
Drogen:Mischkonsum von LSD, MDMA, Speed, Cannabis und Lachgas (Reihenfolge vom Autor festgelegt)
Autor:crzgfx
Datum:01.04.2018 19:57
Set:Vorfreudig, leicht angespannt, ausgelassen
Setting:Goa-Party im Club, später in meinem Zimmer
Nützlichkeit:8,67 von 10 möglichen   (9 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Es ist der 30. März und der Wecker steht auf 10:34. Ich stehe auf und befinde mich in einem Zustand zwischen Dösigkeit und Erwartung. Die heutige Nacht wird besonders, denn ich werde mit einer größeren Gruppe an Freunden und Bekannten auf eine Goa-Feier in meinem Lieblingsclub gehen. Es ist die Feier, auf die ich mich seit Dezember freue, vorletzte Nacht habe ich schon von ihr geträumt. Doch ich weiß, dass es nicht allein die Musik und die ungewöhnlich große Gruppe aus Mittänzern sind, die heute den ganzen Tag meinen Appetit mindern und mich subtil anspannen werden. Heute werde ich zum ersten Mal seit November wieder MDMA nehmen, erneut als Candyflip mit 1P-LSD. Während MDMA und 1P-LSD alleine schon genügen, um einen spaßigen Abend zu einem denkwürdigen zu verwandeln, verspricht die Kombination immer ein unvergessliches und lange nachhallendes Erlebnis. Pure psychedelische Kraft gepaart mit purer Liebe und Energie – das ist es, was mir heute die Feier versüßen soll.

Ich verbringe den Tag mit Belanglosigkeiten. Wie immer, wenn ich auf eine psychedelische Erfahrung warte, habe ich keine Lust zu essen und ich verliere schnell das Interesse an allem, womit ich mich zu beschäftigen versuche. Um 17 Uhr werde ich noch einmal kurz müde und lege mich für eine Stunde hin. Ich stehe wieder auf, säubere die Wohnung und beginne, das heutige festliche Abendessen für meine Mitbewohner und mich zu kochen. Um halb 9 kommen die ersten Gäste, die Wohnung füllt sich, Bier-, Wein- und Ginflaschen werden geöffnet. Die Luft ist erfüllt vom Klang der sich überlagernden Stimmen, es wird Musik gehört und gelacht. Das MDMA für die, die heute diese Substanz konsumieren wollen (fast alle), wird abgewogen. Einer meiner besten Freunde wird diese Substanz zum ersten Mal zu sich nehmen, anhand seines Gewichts traue ich ihm 134 mg zu (im Nachhinein viel zu viel für einen Erstkonsum, wenn diese Person vorher nur einmal Amphetamin konsumiert und vielleicht fünf Mal gekifft hat). Ich selbst werde 150 Microgramm 1P-LSD und 132 Milligramm MDMA konsumieren. Der Rausch heute soll stark werden. Um die Zeit bis zur geplanten Einnahme ab 3 Uhr zu überbrücken und in der Zwischenzeit nicht müde zu werden, ziehe ich eine Nase Amphetamin.

Um halb 1 stehen wir in der Schlange. Nach einer halben Stunde sind wir im Club und erforschen erst einmal das Gebiet. Zum ersten Mal seit drei Jahren gibt es wieder Goa im Club. Der Ort ist verändert, so bunt und dekoriert haben wir seine schön abgeranzten und industriellen Hallen noch nie gesehen. Wir rauchen erst und entschließen uns dann, für etwa eine halbe Stunde die zwei Floors (schön treibender und nicht zu poppiger Prog auf dem Einen, Full-On bis Forest auf dem Anderen) auszutesten. Da es noch zu voll ist, gehen wir wieder heraus, reden, gehen bald wieder herein. Unsere zehnköpfige Truppe trennt sich in zwei Lager, wie bei dieser Gruppengröße zu erwarten war. Ich werde ungeduldig. Die Zeit bis zehn nach drei verstreicht etwas zäh, wenigstens ist die Musik auf dem Prog-Floor schön hart und hier auch etwas Platz zum Tanzen. Dann ist es endlich soweit und ich lege mir die Blotter nach ein wenig zu offensichtlichem Kramen im Baggy mitten auf der Tanzfläche unter die Zunge, um keine Zeit zu verlieren.

Nach zwanzig Minuten merke ich die ersten Anzeichen. Eine Art kalte elektrische Wärme flackert in meinem Torso auf und verteilt sich. Die Vorfreude steigt, aber ich bin immer noch ungeduldig. Um halb vier konsumiere ich die Hälfte meines MDMAs in einer Gelatinekapsel. Es dauert nur 15 Minuten und ich muss feststellen, dass die Kombination aus viel Alkohol, 1P-LSD und MDMA meinem Magen nicht gerade guttut, mir wird schlecht. Ich bitte die drei Freunde, mit denen ich auf dem Floor tanze, mich kurz nach draußen zu begleiten. Wir setzen uns auf die Holztribüne, angeleuchtet von bunten Lichtern. Mir geht es nur körperlich nicht optimal und ich weiß, dass die Übelkeit nicht allzu lange anhalten dürfte. Dennoch macht sich eine Freundin, die bereits die zweite Hälfte ihrer MDMA-Dosis genommen hat, aufrichtig Sorgen. Ich sehe das Bedauern auf ihrem Gesicht, das von roten und blauen Lichtern erleuchtet wird. Dass ich ihr Sorgen bereite, tut mir leid, aber das 1P-LSD beginnt schon mit dem MDMA zu harmonieren und ich empfinde in diesem Moment nichts außer Übelkeit, tiefer Sympathie und Begeisterung für die Veränderung meiner optischen Wahrnehmung. Die Farben fließen ineinander über und intensivieren sich. Auf das Gesicht meiner Freundin gesellen sich Farben, die von keiner Glühbirne oder Strahlröhre in die Nacht gesendet werden. Die Übelkeit wächst, ich erbreche etwas Wasser in meinen eigenen Mund und schlucke wieder herunter. Nicht schön, aber ich will nicht inmitten hunderter Menschen im Spotlight auf den Boden erbrechen. Kurz habe ich Angst, dass mich das 1P-LSD zu einem Würgekrampf verleitet, was mir bereits einmal passiert ist. Nach einer halben Minute ebbt meine Übelkeit ab. Es ist zehn vor vier und ich zwinge mich, die zweite Kapsel zu mir zu nehmen, obwohl mein Magen das zu verhindern versucht.

Die Zeit vergeht schnell. Die zweite Kapsel fängt an zu wirken, mir geht es besser. Ich muss leise aufstöhnen, weil mein Körper zugleich wohlig warm, wolkig leicht und elektrifiziert ist. Das 1P-LSD stimuliert meine Gedanken und meine Wahrnehmung, ich fühle mich wie ein Abenteurer, der auf ein unbekanntes Meer hinaussticht. Das MDMA tut sein Übriges, ich verspüre tiefe Zuneigung zu allen meinen Freuden, ich grinse. Wir gehen wieder tanzen. Zeit verliert an Bedeutung, denn Vergangenheit und Zukunft existieren nicht mehr. Ich denke nicht, ich bin der totale Moment, Wahrnehmung und Bewegung im Jetzt, ein Körper inmitten anderer lachender und bunter Körper. Die Musik ist atemberaubend. Es ist genauso, wie ich es erwartet hatte und noch besser. Ich fühle mich leicht und motorisch überpotent, ich habe die absolute Kontrolle über jede Regung meiner Muskeln, ich schwebe und wabere über die Tanzfläche. Immer wieder sende ich ein großes Grinsen zu meinen Freunden, denen der Spaß ebenso in die Gesichter geschrieben steht.

Nach einer Stunde purer Gegenwärtigkeit in den dröhnenden Drops, dem Wabern, Zischen und Fließen psychedelischer Tonkunst werde ich über das Handy nach draußen zitiert. Ich werde gebraucht. Wir stoßen auf die andere Gruppe. Ich sehe unseren Erstkonsumenten. Er bewegt sich langsam, er berührt alle aus der Gruppe, er streicht über seine Arme, der gibt Töne des Wohlbefindes von sich. Dennoch merke ich, dass es zu viel war – so habe ich mich selbst auf 170 Milligramm nicht gefühlt, habe allerdings einen Vorsprung von mittlerweile über hundert Rauscherfahrungen. Eine junge Frau aus unserer Gruppe spricht mich an, auch sie hat MDMA konsumiert. Sie schaut mir tief in die Augen, spricht von ihrer Sympathie zu mir und küsst mich unvermittelt auf den Mund. Ich bin sehr überrascht, denn ich kenne diese Person nicht sehr gut. Ich empfinde Gefühle zu zwei anderen Frauen, wie immer nur heimlich, unglücklich und mutlos, da ich noch immer im Alltag in meinen ewigen Fluch, Selbstzweifel, neurotische Analyse meines Verhaltens und Schüchternheit zurückfalle. Der Kuss ist angenehm, aber ich weiß mit der Situation nicht umzugehen. Ich habe mir meinen ersten Kuss anders vorgestellt, es fühlte sich nicht besonders an, da ich keine Gefühle für diese Person empfinde. Ich bin euphorisch, aber auch verwirrt. Ich möchte heute feiern, ich möchte eigentlich keine weitere Nähe zu dieser Person, auch wenn mir ihre Anwesenheit nicht unangenehm ist. Mir ist bewusst, dass es nur das MDMA ist, das diese Situation erzeugt hat. Es fühlt sich nicht richtig an.
Andere Freunde umarmen mich, wir sind alle total drauf und glücklich. Nächste Runde auf dem Floor. Ich kann nicht an die anderen denken, ich muss tanzen, tanzen.

Irgendwann werden wir weniger, die ersten sind von ihrem Trip gelandet und gehen nach Hause. Eine Freundin, mit der ich nur selten feiere und deren Anwesenheit heute mein Highlight ist, schenkt mir noch ein halbes Teil, oder eher richtiger, überredet mich dazu, meinen Trip zu verlängern. Bald spüre ich wieder Übelkeit, selbes Prozedere wie davor. Wir begeben uns in den Chillout-Raum, ausgelegt mit Perserteppichen und dekoriert mit psychedelischem Wahnsinn. Meine Freundin hat sich heute nach ebenso langer MDMA-Abstinenz wie ich auch für einen Candyflip entschieden. Das MDMA wirkt nicht mehr so stark wie vorhin, aber wir unterhalten uns über eine Stunde. Wir sind ehrlich, tiefsinnig, philosophisch, wir befinden uns in und auf Ekstase und genießen die Kommunikation über unsere persönlichsten Ansichten. Ein anderer Freund stößt zu uns. Wir konsumieren Amphetamin, um gegen den Comedown anzuziehen, was aber nur mir und meiner Freundin zu gelingen scheint. Das Amphetamin unterdrückt das MDMA, die Wärme wird zu konzentrierter kalter Energie. Gleichzeitig zerfasern meine Gedanken, meine Kreativität schwindet. Das 1P-LSD lässt also nach, schade. Um halb zehn gehen meine Freundin, ein weiterer Freund und ich zu mir nach Hause. Vorher durchstöbern wir noch den Rewe. In den Augen des Kassierers lese ich unterdrücktes Unverständnis. Zuhause offenbart sich mir der Grund: Mein Mund ist weiß umrandet (schon wieder habe ich einen Kaugummi bis zur Auflösung gekaut) und meine Augen gleichen eher denen eines Uhus denn denen eines Menschen. Wir vaporisieren Gras und atmen Lachgas. Wir versuchen, tiefsinnige Gespräche über den Rausch, das Leben im Allgemeinen und das Verhalten von Menschen zu führen, was uns teilweise gelingt. Einige Zeit vergessen wir jede zehn Sekunden, worüber wir gerade geredet haben und drehen uns so im Kreis, weil wir unser Gespräch erst rekonstruieren müssen. Meine Freundin spürt das LSD noch sehr, sie macht es sich auf dem Sofa gemütlich und genießt ihre optischen Halluzinationen. So offen und gelöst habe ich sie noch nicht gesehen, ich bin dankbar für ihre Anwesenheit und ihre Freude über die letzten fünfzehn gemeinsam verbrachten Stunden hinweg. Um halb drei geht sie nach Hause. Mein Freund schläft, durch das Gras gesteinigt, ein, ich verbleibe wach und versuche, alle Eindrücke zu verdauen und zu realisieren, was ich heute erlebt habe.

Meine Gedanken kommen auf den Kuss zurück und meine Verwirrung steigt. Ich bin nicht sauer, aber fühle mich ins offene Wasser gestoßen. Ich weiß nicht, wie ich empfinden soll. Letztlich fühle ich mich verängstigt und beschämt. Ich kann dieses Gefühlschaos gerade nicht gebrauchen. Nach meinem letzten MDMA-Trip habe ich eine schlimme depressive Phase durchlebt, in der ich in alte destruktive Muster verfallen bin. Ich möchte nicht wieder in ein Loch fallen. Die heutige Nacht war schön, sie war voll von euphorischen und zutiefst menschlichen Momenten, sie war das pure Leben. MDMA und 1P-LSD haben meine inneren Knoten geöffnet, meine Neuronen umgekehrt, sie auf links gedreht und durchgebürstet. Ich fühle mich anders, wie, als wäre ich über die letzten Stunden ein anderer Mensch geworden. Alles spürt sich offen an. Die Zukunft liegt vor mir, mit all ihren unendlichen Möglichkeiten. Kann ich zu einem vollends glücklichen Menschen werden? Kann ich so offen sein, wie ich es sein möchte, kann ich meine Leidenschaft für die Wissenschaft beruflich leben, kann ich die Chancen ergreifen, mich selbst verwirklichen und endlich einmal Liebe finden? Alles ist unklar. Aber ich habe keine Angst. Ich bin ratlos, ich bin glücklich, ich denke mit Wehmut an den tollen Abend, an die Menschen, die ich mag, ich will die Nähe aus dem Trip festhalten und verinnerlichen. Ich bin ein Mensch voller Träume, Fantasien und unerfüllter Hoffnungen. Mein Leben ist Bewegung, Aufbrechen zu dem, was in der Welt wartet. Ich lebe intensiv, ich mag die Extreme. Ich mag die Neugier, die Transzendenz und Immanenz der Psychedelika. Gestern wurde ich in Schwingung versetzt.

34 Stunden nach meiner Einkehr in meine vier Wände schreibe ich diesen Bericht. Was wird die Zukunft bringen? Niemand kann es erahnen.






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