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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:MDMA im psychotherapeutischen Setting
Drogen:MDMA
Autor:Yage
Datum:14.04.2018 20:54
Set:moderate Winterdepression
Setting:zu Hause, psychotherapeutisch
Nützlichkeit:7,14 von 10 möglichen   (7 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Mo. 19. März 2018

Erlebnisprotokoll


Substanz: 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin (MDMA)

Darreichungsform: Tablette „Nesspresso Fortissio“

Dosierung: circa. 75-95mg (2 x 1/4 Tablette)

Befindlichkeit: Abklingen einer moderaten Winterdepression, physische und
psychische Abwehrspannung.

Örtlichkeit: zu Beginn Spaziergang in der Natur (Anflutphase), später zu Hause (Plateau- und Ausklingphase)

Begleitung: Lebenspartnerin, Sohn, unsere Katzen, Expartnerin und deren Hund.

Intension:

Psycholytische, psychotherapeutische Sitzung. Durch die entaktogene Wirkung des MDMAs sollte eine mentale Auflockerung,
sowie eine Reduktion abwehrender Gefühle erfolgen.Dadurch wird die Fähigkeit zur Selbstreflexion, sowie die Eigenakzeptanz vorübergehend erhöht.
Dies wiederum ermöglicht eine relativierte Selbst-und Situationsbetrachtung.
Die angst- und stressfreie Auseinandersetzung mit den Depressionsgefühlen soll mir helfen diese konstruktiv zu kanalisieren und sie zu transzendieren.

Einnahmezeit: So. 18. 03. 2018, 10:40 Uhr

Ausklingzeit: So. 18. 03. 2018, 17-18:30 Uhr

Protokoll:

Seit ca. 2,5 Monaten leide ich an einer moderaten Winterdepression. Während der Hälfte dieser Zeit, kam mir immer wieder der Gedanke,
eine Sitzung mit MDMA ab zu halten. Da meine letzte Reise mit dieser Substanz bereits gute 6 Jahre zurückliegt und MDMA stark serotonerg wirkt,
überlegte ich mir eine Applikation lange und gründlich.
Unter keinen Umständen wollte ich meine Serotoninvorräte zusätzlich erschöpfen und damit meine Depression verschlimmern.
Ich konsultierte einige Fachliteratur zu MDMA, sowie dessen psychotherapeutischen Einsatz. Dabei gelangte ich zu dem Schluss,
dass eine moderate und einmalige Dosis (in meinem Fall 80-100mg, die derzeitige Höchstdosis würde bei meinem Gewicht 142,5mg betragen),
sich nicht kontraproduktiv auf meine Gefühlslage auswirken würde und somit nicht grundsätzlich kontraindiziert wäre.
Durch die langjährige Abstinenz, verfügte ich über keine Toleranz und somit reichte diese Dosierung völlig aus.
Da die verwendete Substanz nur in Tablettenform vorlag, machte dies eine Recherche nötig.

Auf den Drogeninformationsseiten https://www.eve-rave.ch, sowie http://drugcheck.raveitsafe.ch/, fand ich dann diverse Testergebnisse der „Nespresso-Pillen“.
Diese schwankten von 154-191mg MDMA pro Tablette. Weil ich ohnehin nicht die Maximaldosis zu mir nehmen wollte, viertelte ich die Tablette.
Eine knappe Stunde vor der Einnahme aß ich zu Morgen. Ich fragte meine Lebenspartnerin und meine Expartnerin, die bei uns zu Besuch war,
ob es für sie stimmig sei, wenn ich mich in ihrem Beisein auf eine Reise begäbe. Sie bejahten dies und erklärten sich für einverstanden.
Danach entschied ich mich definitiv zur Einnahme. Zunächst nahm ich einen 1/4, mit der Absicht in 1,5-2 Stunden einen weiteren 1/4 nach zu legen.
Alsbald machten wir uns auf den Weg, einen ausgedehnten Spaziergang zu unternehmen.

Das kühle Wetter und die körperliche Betätigung, sowie die dichte Pressung der Tablette, verzögerten den Wirkungseintritt.
Nach ca. einer Stunde, spürte ich erste schwache Symptome. Nach 1,5 Stunden nahm ich dann noch den anderen 1/4 zu mir.
Der Spaziergang war beschaulich und nach einer weiteren halben Stunde, fluteten die ersten Wellen heran. Ich teilte meinen Begleitern mit,
dass nun die Wirkung allmählich einsetzte. Wir begaben uns auf den Nachhauseweg und kurz vor unserer Haustür steigerte sich die Wirkung.

Zwecks der erleichterten Erinnerung und des literarischen Stils, wurde der folgende Erlebnisbericht in Präsens verfasst.

…Wir treten zur Tür herein und rufen den Lift. Mir ist warm und meine Sicht ist leicht nebulös. Die anflutende Substanz entfaltet ihre Wirkung
immer zügiger und intensiver und ich spüre meine körperliche Abwehrspannung. Es ist nicht gänzlich unangenehm, aber so richtig wohlig und warm
ums Herz will es mir damit auch nicht werden. Ich sorge mich ein wenig, aber nicht ernsthaft. Ich kenne diesen Moment von früheren MDMA-Reisen.
Es ist jener Moment, in welchem mich die Substanz auffordert, die Kontrolle und Abwehr auf zu geben. Es gibt jetzt kein Zurück mehr. Kein Kneifen.
Ich muss/ darf mich der Substanz und der neurotransmitorischen Wechselwirkung überlassen.

Einmal in der Wohnung überkommt es mich abermals. Es ist warm, aber nicht zu warm. Genau richtig für MDMA. Meine Begleiter verteilen sich auf dem Sofa
und machen es sich gemütlich. Meine Freundin rollt den flauschigen Baby-Teppich aus und platziert unseren kleinen Sohn darauf. Während unserer Wanderung,
hat dieser hauptsächlich geschlafen. Dafür ist er nun hellwach und blickt uns mit großen Augen an- mit beinahe so großen wie meinen.
Ich spiele eine Weile mit ihm und lasse mich voll und ganz auf ihn ein. Das fühlt sich sehr gut an, denn in den letzten Wochen habe ich mich emotional etwas
von ihm zurückgezogen und auch meine Partnerin bekam dies zu spüren.

Nun ist es etwas gelöster, doch noch immer spüre ich Abwehrspannung in mir. Meine Freundin meldet sich und sagt, dass ihre Hände zittern und sie sich nervös fühlt.
Sie ist sehr sensibel und empfänglich für die Gefühlslage anderer Lebewesen. Sie ist gerade in limbischer Resonanz mit mir und meiner Abwehrspannung.
Sie nimmt es hin, erträgt es für mich. Das beschämt mich. Zeigt es mir doch, dass ich für meine Abwehrenden Gefühle noch immer keine Verantwortung übernehme.
Da ist noch nicht ein volles Ja zu der Sache, zu meinem gegenwärtigen Leben und meiner Familie. Ich hadere noch immer und ich will das nicht fühlen, nicht wahrhaben wollen.
Ich unterdrücke das schon eine Weile und ergehe mich stattdessen in oberflächlichem Selbstmitleid und verstärke meine Depression. Nähre sie, halte sie damit am Leben,
leite sie in meinen Körper und produziere psychosomatische Symptome. Dies und weiteres erkenne ich jetzt, spüre es, hervorgehoben und fühlbar gemacht.

Es schmerzt, aber ich brauche es nicht zu bedauern, genauso, wie ich auch mich nicht zu bedauern brauche. Ich brauche es nicht mehr vor mir selbst zu verstecken
und ständig darum zu ringen, wer denn gerade der Schuldige ist. Ich bin nun einmal Mensch und somit auch fehlbar. Ich darf mich schuldig fühlen, schuldig sein.
Denn nur so kann ich lernen, mich verbessern. Solange ich meine Fehler und Schuld nicht anerkenne, lerne ich nicht aus ihnen. Dann begehe ich sie nur immer wieder aufs Neue.
Ein Kreislauf des Elends. Es ist ok. Ich anerkenne es. Selbstakzeptanz.

Dann lege ich mich hin, strecke mich auf dem Teppich aus. Es tut wohl. Ich spüre mein Herz aufgehen. Und meine Abwehrspannung macht Platz für die Vernunft der Gefühle.
Erhebt mich in den Zustand gesteigerter emotionaler Intelligenz. Es ist schön zu wissen, sind die anderen gerade hier. Meiner Freundin geht es nun auch wieder besser.
Ihre Hände haben aufgehört zu zittern. Ich räkle mich wie eine verschmuste Katze und beginne meine Extremitäten ganz sanft zu bewegen. Schließlich gehen meine
Bewegungen zu frei interpretierten Yogaübungen über. Dabei fühle ich mich jeweils regelrecht in die Dehnung hinein und ich erkenne, wie sehr ich meinen Körper
strapaziert habe und ihm dabei kaum Eigenliebe und Akzeptanz gegönnt habe. So eine zerbrechliche und zugleich ausdauernde Hülle für meine Seele, dieser Bios doch ist.
Ein Wunder der schöpferischen Natur. Ich möchte mich ihm wieder mehr zuwenden. Ihn wertschätzen.

„Wer Lust hat, kann mir nun Fragen stellen. Gerade jetzt bin ich ein offenes Buch und ehrlichere Antworten bekommt ihr nicht!“

Sage ich und meine es wirklich so.

„Ich habe keine Fragen. Die Antworten würden mich zu sehr schmerzen! Also frage ich am besten gar nicht erst.“

Antwortet meine Freundin und ich weiss sofort worauf sie sich damit bezieht. Es geht um meine Haltung gegenüber der Polyamorie.
Letztere war in den vergangenen Wochen ein intensives Konfliktthema und belastete unsere Beziehung zusätzlich.

„Ich beantworte auch andere Fragen.“

Wir blicken uns an. Sie schmunzelt ein wenig.

„Das Orakel von Delphi.“

Fügt meine Kollegin grinsend hinzu. Ich fühle mich etwas beleidigt und gehe in mich. Ich spüre diesem Beleidigt Sein etwas nach. Es füllt mich nicht gänzlich aus und ich
regressivere auch nicht zurück in die frühe Kindheit, obschon ich klar erkenne, dass jenes Beleidigt Sein dort seinen Ursprung hat.
Das Gefühl vergeht und ich werde wieder eins mit dieser herzbezogenen, akzeptierenden Gegenwart, die so charakteristisch ist für MDMA.
Gleichzeitig verspüre ich Durst und so laufe ich wie auf Watte in die Küche und hol’ uns dreien einen ordentlichen Krug Wasser.
Ich fülle die Gläser mit einer warmen Zärtlichkeit und freue mich darüber bis ganz tief in mich hinein.
Meine taktilen Sinne sind geschärft und vermitteln mir die reinste Wonne.
Schließlich trinke ich genüsslich ein Glas Wasser und gebe mich der körperlichen Wirkung hin. Etwas Musik wäre jetzt toll.

„Stört es jemanden, wenn ich etwas Musik an mache?“ frage ich in die Runde und blicke dabei in entspannte Gesichter. Meiner Kollegin ist der Kontaktrausch
regelrecht ins Gesicht geschrieben. Sie lächelt entspannt und wirkt gelockert.
Via Bluetooth aktiviere ich meine portable Musikanlage und suche mir eine Playlist bei Spotify heraus, die ich für gerade stimmig halte.
Meine Wahl fällt auf den Soundtrack des Films Chocolat.

Eine sanfte, melancholische Klangwelt beginnt sich zu formieren und nimmt in dem Raum Gestalt an. Die Lautstärke ist moderat, aber mein Gehör nimmt diese
instrumentalen Laute gerade wesentlich intensiver wahr.

Nach einer gefühlten, halben Ewigkeit und somit nach drei bis vier Stücken später, äußert meine Partnerin einen Musikwunsch.
Sie fragt mich, ob ich denn nicht etwas Erdigeres, tieferes hätte. Ich greife nach meinem Smartphone und scrolle durch meine Liste. Schließlich gelange ich zu
einer umfangreichen Obertonplaylist, welche ich bis jetzt nie angewählt habe. Auf die Frage hin, ob diese Musik mehr ihren gegenwärtigen Bedürfnissen entspräche,
bejaht meine Partnerin und stillt unseren Sohn.

Die archaischen Mongolen-Gesänge ergreifen mich sofort. Ich lausche ihnen und schließe dabei meine Augen und die Klänge tragen mich fort.
Weit hinaus in die fernen Lande von tundrasischen Steppen und kühlen Wälder. Darüber erstreckt sich ein stahlblauer Himmel an welchem weiße, satte Wolken treiben,
wie die Wildpferde dieser Steppen.
Dieses Bild ist mehr ein Gefühl, als ein Bild. Doch in seiner Intensität so erhaben und schön, dass es mir das Wasser in die Augen treibt.
In meiner Brust fühle ich sanft mein Herz schlagen. Einige tiefe Atemzüge strömen in meine Lungen, weiten sie und füllen meinen gesamten Körper aus.
Steigen empor zu meinem Geist, womit Ruhe und Zufriedenheit einkehren. Keine Spur mehr darin von geschäftigen, unproduktiven Treiben. Stille. Eintracht. Frieden.
Dann ein Gefühl im Magen, wie auf der Achterbahn. Es zieht mich in die Tiefe und ich werde mit der Angst konfrontiert. Der Angst vor mir selbst, genauer gesagt,
vor meiner Energie. Meiner Lebenskraft. Ein altes, mühseliges Thema, dass ich schon einige Male durchgekaut habe und noch immer präsent ist. Jetzt hervorgehoben
und in meinen Fokus gerückt, präsentiert es sich vor mir wie eine unerwünschte Person auf einer Feier.

Also gut. So sei es drum. Denke ich bei mir und schaue es mir an. Fühle hinein und versuche darin zu stehen. Es wahrhaftig in seiner gesamten Tragik und Schwere zu erfassen,
anzunehmen und zu akzeptieren. Das fällt mir schwer. So schwer, dass ich lieber darüber spreche, als damit gänzlich still zu sein.
Und so öffne ich wieder die Augen und blicke E. entgegen, die genau vis à vis von mir auf der Couch sitzt. Unsere Blicke treffen sich und ich beginne darüber zu sprechen.
Sage es ihr, meiner Freundin, meinem Sohn, dem Raum, der Welt, dass ich noch immer Angst vor meiner inneren Kraft habe. Ihr und damit mir, nicht gänzlich vertraue
und deshalb immer wieder hadere mit meinem Leben. Bedeutend weniger zwar als früher, aber eben immer noch genug um unglücklich zu sein.
Da fragt mich E. was denn diese Energie sei? Was ich genau damit meine? Ich beginne zu erzählen und die Worte sprechen sich beinahe selbst. Verfallen in diesen ruhigen Fluss,
der für die Herzenssprache so typisch ist und klingen dabei fast ein wenig wie ein Singsang. Ein wenig so, wie die Strophen eines lange vergessen geglaubten Kinderliedes.

„Jene Energie, die uns allen innewohnt. Die alle Geschöpfe beseelt und das gesamte Universum durchdringt.
Die Liebe. Gott und Gottes Liebe. Die uns mit allem anderen eint, selbst wenn wir glauben uneins und getrennt zu sein.
Selbst wenn wir alleine sind, sind wir es dennoch nie, denn wir haben das gesamte Universum in unserem Rücken.
Wir sind alle eins. Ob wir leben oder sterben. Tod und Leben markieren jeweils einen Wendepunkt. Werden wir geboren,
so sterben wir zugleich vom Jenseits ins Diesseits. Und wenn wir sterben, werden wir erneut ins Jenseits geboren.“

Während ich, dass alles ausspreche, erfüllt mich eine tiefe mystische Klarheit. Eine Einsicht, die mich demütig und erhaben zugleich stimmt.

„Aber wozu all das? Worin liegt der Sinn des Ganzen? Weshalb all dieses Leid? All dieser Schmerz und all die Hoffnungslosigkeit?“

Fragt mich E. und ich sehe wie ihr die Tränen im Gesicht stehen, um dann schließlich in feinen, silbernen Schlieren über ihre Wangen zu kullern.

„Ich sehe einfach keinen Sinn darin. Nicht mehr. Ich will das alles nicht mehr. Ich möchte am liebsten einfach nur noch sterben!“

Ich bin ergriffen von tiefem Mitgefühl ob ihrem Geständnis. Denn ich weiß, dass es genauso meine Worte sein könnten. Es von nicht allzu langer Zeit noch waren.
Ich fühle ihren Schmerz und damit auch meinen, die beide letzten Endes nur feine Splitter des kollektiven Schmerzes ausmachen.
Von hier aus, könnte ich nun dort hinab tauchen. Ganz darin aufgehen und zugleich untergehen. Wenn ich wollte. Doch ich fühle keinen Anlass dazu. Teils aus Furcht,
Teils aber auch aus aufrichtiger Vernunft.

„So ist das Leben. All das ist nötig, weil es uns, dass Universum, Gott dazu drängt sich selbst und alles zu erfahren.
Wir können es nur hinnehmen und uns damit aussöhnen. Uns bleibt nur die Möglichkeit, die Dinge so zu akzeptieren wie sie sind.
Was nicht heißt untätig zu sein und sich um nichts zu kümmern.
Vielmehr, dass wir die Widrigkeiten in unserem Leben dazu nutzen um an ihnen zu wachsen und zu reifen.
Die Dinge in der Welt verändern sich nicht durch die großen Revolutionen, den ausagierten Trotz, den oder diejenigen die am lautesten schreien.
Es sind vielmehr die kleinen Dinge, die zur Veränderung beitragen. Wir können bei uns selbst beginnen und damit inspirierend für unsere Mitmenschen sein.
Dann allmählich Schritt für Schritt, verändert sich die Welt. Wenn sich jeder von uns darauf besinnt, gelingt es vielleicht.
Wir müssen uns stets immer wieder neu dafür entscheiden. Wir müssen es erfahren, denn dadurch lernen wir, und dass benötigt Zeit.
Viel Zeit. Generationen eben. So war es schon immer.“

E.`s Tränen sind schon kaum mehr zu sehen. Sie nimmt einen beherzten Atemzug und schenkt uns ein Lächeln. Dann gerät sie darüber ins Erzählen, was ihr gut tut in ihrem Leben.
Sie erzählt von all jenen Dingen, die ihr die Kraft geben, durch zu halten und sich an dem Leben zu erfreuen.
Es erfüllt mich Freude sie so optimistisch sprechen zu hören, zu spüren, dass sie es ernst meint damit.
Meine Freundin bestärkt sie zusätzlich darin und blickt mitfühlend in die Runde. Und gerade eben bilden wir ein Dreieck des gegenseitigen Einvernehmens und der Eintracht.
Da steht scheinbar nichts zwischen uns und es gibt nur diesen einen, kostbaren Augenblick, der in dem einen Moment Äonen zu dauern scheint
und in dem nächsten bereits wieder verblasst. Es könnte immer so sein. Überall unter uns Menschen. Es schmerzt mich im Herzen, zu wissen, dass es nicht erhalten bleibt.
Doch ich weiß, dass auch eben das dazu gehört und so versuche ich den Schmerz in mir zu würdigen.

Noch immer beschallt uns die Musik und meine Freundin erhebt sich gerade um nach unserem schlafenden Sohn zu schauen.
Ein Gefühl tiefer Dankbarkeit erfüllt mich. Ich blicke zu ihr und sage:

„Ich danke dir dafür, dass du mir eine so liebevolle Freundin und unserem Sohn eine so liebevolle Mutter bist. Danke dafür!
Und ich entschuldige mich für all die Verletzungen, die du durch mich erlitten hast.“

S. lächelt mich an kommt zu mir und küsst mich sanft auf den Mund. Dann wende ich mich E. zu.

„Auch dir E. möchte ich danke sagen, für das gute gegenseitige Einvernehmen und all die Jahre der Freundschaft und Verbundenheit
weit über unsere einstige Partnerschaft hinaus. Ich schätze dich sehr als Menschen.“

Eine kurze Pause und selbst die Musik ist für einen kurzen Augenblick sogar still. Dann:

„Und ich danke auch dir R. für die lange Freundschaft. Und ich hoffe du mögest endlich den Frieden in dir finden, nach dem du dich sehnst!
Und ich wünsche dir, dass du frei werden darfst von deinem destruktiven Trotz. Und mögen dich diese Gedanken und Worte erreichen und behüten,
auch wenn du gerade nicht anwesend bist.“

Vor meinem inneren Auge steigt R.`s Gesicht auf. Ein keckes Lächeln umspielt seinen Mund und ich muss unwillkürlich schmunzeln.
King R. Kommt`s mir in den Sinn.

Dann wird es wieder ruhig im Raum und auch in mir. Und der Stille wird erneut Platz geboten. Alsbald spüre ich das Bedürfnis mich zu entleeren und so suche ich die Toilette auf.
Nach dem Händewaschen stehe ich einige Minuten vor dem Badezimmerspiegel und betrachte mein Gesicht. Es ist etwas blass aber ansonsten fällt mir nichts auf.
Meine Pupillen sind nicht geweitet. Ich schaue mir noch eine Weile in die Augen und da überkommt mich ein Gefühl tiefer Zuversicht ob meiner Lebensprobleme.
Nun steigt ein einziger Satz in meinem Geist empor. Zunächst denke ich ihn nur, dann aber beginne ich ihn leise zu rezitieren. Der da lautet:

„Und es wird Lösungen geben für all meine Probleme!
Und es wird Lösungen geben für all meine Probleme!
Und es wird Lösungen geben für all meine Probleme!
Und es wird Lösungen geben für all meine Probleme!
Und es wird Lösungen geben für all meine Probleme!
Und es wird Lösungen geben für all meine Probleme!
Und es wird Lösungen geben für all meine Probleme!“

Er wird zu einem Mantra, dass sich tief in mein Gehirn gräbt und ich kann die neuronale Umstrukturierung, die damit einhergeht, regelrecht fühlen und hören.
Etwas knackt in meinem Kopf. Ein Laut wie von einem glühenden Holzscheit im Feuer. Zugleich steigen einige Bilder in mir auf. Sie zeigen kurze Szenerien und
Situations-Ausschnitte von früheren konfliktbehafteten Erlebnissen und aktuellen Konflikthemen. Dabei empfinde ich auch die Angst, die mit gewissen Themen
einhergeht und doch spüre ich zeitgleich noch immer dieses immense Urvertrauen. Die beiden Gefühlsebenen überlagern sich jetzt und mir wird davon etwas schwindlig.
Das Licht um mich herum wird etwas intensiver, gleisender, so dass ich mich beinahe abwenden muss. Doch ich bleibe noch einen Moment stehen.
Weiß ganz tief in mir drin, dass dies ein wichtiger Augenblick ist, den ich auszuhalten habe.

Abermals durchströmt der Leitsatz meinen Geist. Stürzt dahin wie ein Wasserfall und geht über in das weiße Rauschen feuernder Neuronen.
Dann klingt es ab und auch das Schwindelgefühl verebbt. Ich trete vorsichtig auf den Gang hinaus und befühle meine Stirn. Sie fühlt sich warm an und mich beschleicht
einen kurzen Augenblick die Furcht eines hypothermischen Zusammenbruchs. Dann fällt mir allerdings wieder ein, dass ich ja genügend Flüssigkeit zu mir genommen habe,
die Dosis weit unter dem kritischen Maximum liegt und ich mich keiner körperlichen Anstrengung ausgesetzt habe. Meine Reaktion ist daher wohl als eine psychosomatische
zu betrachten, welche im unmittelbaren Zusammenhang mit der emotionalen Auseinandersetzung mit meinen Konfliktängsten steht.

Trotzdem möchte ich es etwas genauer wissen und messe meine Körpertemperatur. Das Fieberthermometer zeigt mir 37,3 Grad Celsius. Leicht erhöhte Temperatur,
kein Grund zur Sorge also. Ich muss ein wenig über mich selbst lachen und gehe zurück ins Wohnzimmer. Dort sitzen noch immer S. und E. beisammen und unterhalten sich.
Ich stoße dazu und setze mich dabei wieder zu Boden. Mir fällt auf, wie sehr ich im Verlauf der ganzen Reise bodenfixiert war und bin.
Es scheint mir fast so, als hätte ich Erdung gebraucht. Wir diskutieren noch eine Weile. Dann meint E., sie würde sich allmählich auf den Heimweg machen.
Wir stehen alle auf und verabschieden und bedanken uns herzlich. Ich begleite E. noch zu ihrem Bus und wünsche ihr alles Gute.

Wieder zurück in der Wohnung sitze ich mit meiner Partnerin zusammen auf dem Sofa. Episoden der verbalen Reflexion und andächtigen Schweigens wechseln sich dabei ab.
Sie fragt mich nach meinem derzeitigen Befinden und ich sage ihr, dass die Wirkung allmählich abnimmt. Ich bin froh darüber, dass sich die Substanz zurückzieht.
Ich möchte von S. wissen, wie sie mich denn von außen betrachtet erlebt habe. Darauf erzählt sie mir ihre Eindrücke. Zu Beginn hätte sie die Abwehrspannung
als unangenehm empfunden und sie sei froh gewesen, als sich diese dann aufzulösen begann. Danach habe sie sich mehrheitlich wohl gefühlt mit mir und E.
Noch einmal bäumt sich die Substanz kurz in mir auf und versetzt mich kurz in einen zitterigen, beengenden Zustand um dann schließlich gänzlich abzuklingen.
Müdigkeit und stille Zufriedenheit begleiten mich ins Bett und ich schlafe einen erholten, tiefen Schlaf.

Die Zeit danach

Seit meiner Reise sind nun beinahe vier Wochen vergangen. Genügend Zeit also um einen Rückblick zu tätigen.
Die ersten Tage nach dem Erlebnis waren relativ entspannt und ich fühlte mich noch eine Weile von der nachhallenden Erfahrung getragen und behütet.
Meine Achtsamkeit im Alltag war erhöht und die Stressresistenz war auch etwas gestiegen. Es kam zu keiner verstärkten, depressiven Phase und auch physisch ging es mir gut.
Meine Schlafstörungen verringerten sich etwas, was bestimmt auch mit der Einnahme eines natürlichen Hopfen/Balderian-Präparates zu tun hatte.
Konfliktthemen innerhalb der Partnerschaft liessen sich freier und konstruktiver bearbeiten. Zudem fühle ich mich mit unserem gemeinsamen Sohn nochmals mehr verbunden verbunden.






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