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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Acid & DMT - Die perfekte Reise
Drogen:LSD
Autor:Kraeuterhexe
Datum:27.04.2018 22:03
Set:Angenehme Vorfreude, aber auch gehöriger Respekt vor dieser Kombination.
Setting:An einem herrlichen Abend mit drei netten Menschen auf einem Perserteppich.
Nützlichkeit:9,83 von 10 möglichen   (23 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Die Erfahrung liegt erst zwei Wochen zurück. Normalerweise lasse ich mir länger Zeit, einen Trip zu verarbeiten. Diesmal aber konnte ich nicht länger warten.

Der Bericht ist keine Aufforderung zum Nachmachen! Dosierung und Kombination sind außergewöhnlich und können, besonders bei unerfahrenen Psychonauten, schnell zu unvorhersehbaren Komplikationen führen bzw. im schlimmsten Fall eine Psychose auslösen.


Begleiterinnen & Tripsitter:

Ich trippe am liebsten mit Mädels, was ansonsten in keiner Weise gegen die Gesellschaft von Männern spricht. Aber die Schwingungen, die meine Freundinnen in meine LSD-Erfahrungen bringen, sind mir unersetzlich. Deshalb auch diesmal wieder ein Trip mit zwei netten Girls: Sandra und Marla. Es macht Spaß, von Zeit zu Zeit neue Partnerinnen mit ins psychonautische Boot zu nehmen. Das Dumme ist nur, dass die Anzahl an LSD-affinen Freundinnen eher begrenzt ist.

Sandra ist eine etwas exaltierte Maus Anfang dreißig. Ich mag sie wegen ihrer Art, die Dinge auf supertheatralische Weise in den Himmel zu heben, auch wenn es sich um kleinste Kleinigkeiten handelt. Irgendwie hat sie für mich manchmal auch etwas von einem weißen Clown, wenn sie uns dumme Auguste zuweilen auf liebevolle Weise für blöd verkauft und sich dabei bewusst auch selbst sehr gekonnt zum Narren macht. Genauso gut steht ihr aber auch die Rolle der prätentiösen Diva. Für sie ist das Leben Theater und Selbstparodie. Nicht verwunderlich, dass sie professionelle Schauspielerin ist.

Marla dagegen ist ruhig, besonnen, etwas melancholisch. Sie ist in ihrer Freizeit Freeclimberin. Diese Sportart ist übrigens für Psychonauten fast so gut geeignet wie Apnoetauchen oder LSD.

Unser heutiger Sitter ist der hübsche Jonas, der schon einige meiner Trips begleitet hat.


Der Hofmannsche Doppelwopper: 250 µg LSD

Wir nehmen, wie schon gesagt, heute eine Doppelportion LSD (2 Gelatineplättchen), was ungefähr einer Dosis von 250 µg oder einem Viertel Milligramm entspricht. Jede von uns hat heute Herzklopfen, und das aus gutem Grund, schließlich gibt es am Peak der LSD-Erfahrung für Sandra und mich auch noch ein DMT-Erlebnis. Unser Respekt vor diesem Abenteuer ist entsprechend groß. Marla verzichtet auf DMT und nimmt auch nur eine einfache Portion LSD. Sie hat noch wenig Erfahrungen mit LSD und keinerlei Erfahrungen mit DMT.

DMT wird für mich auch aus einem anderen, ganz banalen Grund zur Herausforderung: Ich bin seit einigen Jahren Nichtraucherin und habe keinerlei Ahnung vom DMT-Rauchen. Meine bisherigen Erfahrungen mit DMT beschränken sich auf Erlebnisse mit Ayahuasca. Aber für das Rauchen mit der Glaspfeife haben wir ja Jonas, der auf diesem Gebiet über genügend Erfahrung verfügt.

Unser Abenteuer findet in Sandras Wohnung statt, einer geräumigen altehrwürdigen Etagenwohnung im Zentrum Wiens, mit hohen Zimmern und riesigen Fenstern, die einen wunderschönen Ausblick auf die Dächer Wiens freigeben. Hier können wir sehr ungestört alles ausleben, was auf uns zukommt. Der süße Jonas serviert unsere Trips immer auf einem Tableau, mit Sekt und Orangensaft. Diesmal aber beschränken wir uns auf den Saft und verzichten auf jegliche Substitution von Alkohol, bis das DMT-Intermezzo sicher überstanden ist.

Also, runter damit!

Wir lachen einander an und freuen uns. Jonas hat ruhige Musik von Nuages aufgelegt. Die Reise kann beginnen! Wir haben es uns auf dem weichen Perserteppich mit ein paar Polstern gemütlich gemacht, nippen an unseren Säften, kramen in Sandras CD-Sammlung, blättern in alten Fotoalben oder surfen ein bisschen auf meinem mitgebrachten Laptop. Später erkunden wir Sandras Kleiderschrank. Jonas zeigt uns, wie gut er mit High Heels schreiten kann. Auf diese Weise vertreiben wir uns die Zeit, bis es nach etwa einer dreiviertel Stunde zu kribbeln beginnt.

Und immer wieder finde ich diesen Moment so aufregend und zugleich auch irgendwie komisch, dass sich wieder mal ein dümmlich-glückliches Lächeln in mein Gesicht eingräbt.
Hey, Sandra, wie sieht's bei dir aus? frage ich.

Sandra erklärt mir in ihrer theatralischen Art, dass "wahre Kunst" etwas mehr Zeit brauche. Auch gut. Währenddessen liegt Marla bereits am Bauch auf dem Perserteppich und starrt wie gebannt auf das Muster, als suche sie dort einen verlorenen Ohrring. Ihr staunendes Gesicht aber sagt mir, dass bei ihr bereits alles am Laufen ist.

Ich spüre, dass die LSD-Dosis offenbar heute absolut passt. Der Tag war bisher ruhig und angenehm. Mit Jonas habe ich im Vorfeld ein wenig mit der Glaspfeife und einer nicht psychoaktiven Kräutermischung geübt. Es ist wichtig, genügend Rauch möglichst ohne zu husten in die Lungen zu bringen. Ich fühle mich jetzt sicherer und bin zuversichtlich, dass der DMT-Trip funktionieren wird.

Eine magische Festlichkeit liegt in der Luft. Sandra steuert die Beleuchtung ihres Wohnzimmers über Alexa und Philips Hue Lampen. Das Zimmer ist von sanftem, im Farbton zwischen Flieder und Indigo wechselndem Licht erfüllt. Das inspiriert mich dazu, ein paar Körnchen mitgebrachten Weihrauch zu verräuchern. Der sakrale Duft ist schon bald überaus heftig und raubt mir fast die Sinne. Es fühlt sich an, als hätte ich einen tiefen Zug von einer Haschischpfeife gemacht. Sandra sitzt im Schneidersitz auf dem wunderschönen Perserteppich, dessen Muster nun auf komplizierte Weise für mich zu morphen beginnen. Die Muster bewegen sich um Sandras sitzende Gestalt herum und sehen aus, als würden sie von unten, durch das Teppichgewebe hindurch, beleuchtet.

Der Trip zieht also an, beschleunigt sein Tempo und kommt allmählich ganz schön in Fahrt. Marla ist etwas übel. Mit unglücklichem Gesicht kommt sie vom Klosett zurück. Sie befürchtet, dass sie erbrechen könnte und mit dem Erbrochenen auch das LSD wieder hochkäme. Doch die Gefahr ist relativ gering. Zwischen der Einnahme und dem Erbrechen sind inzwischen bereits mehr als zweieinhalb Stunden vergangen. Bald schon ist sie wieder im Lot und studiert weiter das Muster des Teppichs.

Überhaupt merke ich, dass dieser Teppich auf uns alle eine merkwürdige Faszination ausübt. Ich spekuliere, dass Sandra den Teppich in einem arabischen Land gekauft und auf abenteuerliche Weise nach Hause gebracht hat. Aber als ich sie frage, gibt sie mir zur Antwort, den habe sie einfach bei Amazon bestellt.

Wie überaus profan!

Doch das tut der weiteren Faszination letzthin trotzdem keinen Abbruch. Die Muster haben Bedeutung, umgeben Sandra wie eine Art magischer Ring. Die Musik webt ihre Töne und Klänge in die Fasern hinein und lädt den Teppich mit magischer Bedeutung auf.

Sandra, unsere Diva, ist heute für ihre Verhältnisse relativ ruhig und sparsam mit ihren Divascherzen, was mir offen gestanden im Moment ganz recht ist, da ich merke, dass diese Ruhe und die leise dahin rieselnde Musik mein Gehirn zu wunderschönen pittoresken Closed Eyes Visions inspiriert, die ruhig und gemächlich auf mich zuschweben, sich dabei ausbreiten, bis dahinter schon das nächste Bild wartet und so weiter. Es sind Parkanlagen mit prächtigen, bunt blühenden Sträuchern und Bäumen, gekiesten Pfaden und kleinen Brücken, die über Bäche oder Wege führen. Überall stehen Tiere, zum Beispiel rosa changierende Flamingos oder kleine Ziegen und Schafe umher. Wenn eine dieser Landschaften schließlich zerschmilzt, wartet dahinter schon die nächste, mit anderen Grundtönen und etwas veränderter Vegetation. Allesamt sind sie von magischer Schönheit. Es kommt mir vor, als blätterte ich in einem holografischen Reisekatalog. Jede einzelne Seite ist eine Möglichkeit, das Paradies zu betreten. Es gelingt mir jedoch nicht, eine dieser Landschaften vor mir anzuhalten, um mich darin genauer umsehen zu können. Eine Art Automatismus verhindert dies offenbar. Ich kann die Visionen nur beeinflussen, in dem ich meine Augen öffne - dann sind sie nämlich weg. Schließe ich sie wieder, so setzen sich die ruhigen Projektionen im gleichen gemächlichen Tempo wieder fort. Wunderschön!

Es scheint, als habe Marla eine kleine Krise. Sie sitzt bei Jonas, lehnt ihren Kopf mit dem kurzen knallroten Haar an seine Schulter. Sie hat ihre Augen geschlossen und ich kann erkennen, dass ihr Gesicht tränennass ist. Als ich mich nähern will, macht Jonas mit der Hand eine Geste, die mir zeigen will, dass es im Moment eher besser wäre, auf Distanz zu bleiben. Ich mache mir keine Sorgen um die drahtige kleine Marla. Sie ist vielleicht gerade dabei, ein Problem zu verarbeiten oder neue Lebenspfade zu erkunden. Gut für sie.

Ich habe phasenweise das Gefühl, dass Acid heute eher wie ein halluzinogenes Opioid wirkt, denn ich fühle mich in einem Höchstmaß relaxed und es baut sich auch über einen wunderbar langen Zeitraum eine herrliche Euphorie auf, wie ich sie schon ewig nicht mehr empfunden habe. Sind es die wunderschönen CEV's, die mich so glücklich werden lassen oder einfach die Tatsache, dass ich das tun kann und darf, was ich eben tue? Nein, es braucht gar keinen Grund.

Das Verrückte ist, dass der Trip jetzt bereits wahrscheinlich der schönste ist, den ich bisher erfahren durfte.

Und dazu die Musik von Dead Can Dance ...

Wie wird das erst mit DMT?


Das Schmuckkästchen: DMT


Marla lächelt wieder. Gott sei Dank. Und der LSD-Trip nähert sich allmählich dem Peak, so dass es nun an der Zeit ist, sich der bevorstehenden DMT-Erfahrung zu widmen.

Jonas holt die Glaspfeife aus seinem Rucksack, dazu ein Sturmfeuerzeug und ein durchsichtiges Plastikröhrchen mit einer Prise DMT-Kristalle, deren Rauch ich nun inhalieren werde. Jonas empfiehlt mir 35mg. Er hat die Portionen für Sandra und mich bereits zu Hause abgemessen, so dass er jetzt gleich an das Befüllen der Pfeife gehen kann. Ein wenig hatte ich vor dem Trip noch Angst, dass sich Jonas beim Abmessen der Portion geirrt haben könnte. Immerhin sind 35 mg eine sehr kleine Menge, und nicht jede so genannte Feinwaage kann diese Menge auch exakt messen. Doch Jonas verfügt über eine medizinisch-technische Ausbildung und ich nehme an, dass seine Feinwaage diese Menge präzise genug abmessen kann und ich nicht eventuell das Risiko einer zu hohen Dosierung eingehen muss.

Und im Augenblick, da offenbar meine Acid-Euphorie ihren Höhepunkt erreicht hat, ist mir das auch sowas von egal!

Ich schnappe mir einen kleinen Polster von der Couch und nehme auf einem Lehnstuhl Platz, der in einer dunkleren Ecke des großen Wohnzimmers steht. Jonas hält die Pfeife vor mein Gesicht. Ich soll warten, bis er mir sagt, wann ich ziehen soll. Das Feuerzeug faucht, die Kristalle beginnen zu schmelzen. Ich glaube, ein feines Knacken zu vernehmen. Ein brutal ekelhafter Geruch wird spürbar.

Jetzt!

Ich ziehe fast unerträglich lang, halte danach den Atem an solange ich kann. Der enorm widerliche Geschmack ist noch schlimmer als befürchtet. Ein zwingender Hustenreiz befördert den Rauch schließlich wieder aus meinen Lungen, aber bereits während der Rauch meine Lungen verlässt spüre ich, wie die gesamte Welt einen ungeheuren Ruck vollzieht. Mit einem Mal ist es, als hätte jemand den Film gewechselt.

Ich befinde mich in einem völlig anderen Universum!

Ich sehe vor mir hängende goldene, sich drehende, feuchte Stalaktiten, die sich an den unteren Enden verflüssigen und deren leuchtend brennende Tropfen nach unten in ein tiefblaues Unendlich fallen. Es öffnet sich eine Art überdimensionaler Schmuckkasten, in dem sich schiere Mengen goldener und blau leuchtender Juwelen in Hals- und Armkettenform befinden, welche sich wie kleine, sich paarende Schlangen ständig umschlingen. Da hinein falle ich. Um mich herum leuchtet und funkelt alles. Es ist eine Art überhöhtes kindliches Weihnachtsgefühl. Tatsächlich kann ich jetzt auch den Geruch von Tannennadeln, Lebkuchen und Weihrauch wahrnehmen. Aus den Juwelen werden leuchtende Glaskugeln. Alles bewegt sich und ist gleichermaßen zutiefst befremdlich und in höchstem Maße vertraut.

Ich selbst habe meinen Körper längst irgendwo zurückgelassen. Was von mir übrig bleibt, ist reiner Geist. Es kommt mir vor, als könnte ich 360° rundum sehen, auch gleichzeitig oben und unten, so als wäre ich ein einziges großes Auge. Es ist schwer, aber auch gar nicht wichtig zu orten, wo genau ich mich in diesem Universum befinde. Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass dies alles in mir ist, dass ich nicht nach außen schaue, sondern nach innen, und dass Tiefe und Weite dieser Welten Bestandteil meiner selbst sind. Im Augenblick des Erlebens wundere ich mich nicht, dass ich auch ohne Körper imstande bin zu sehen. Ich frage mich auch nicht, welchen Bezug diese Erfahrung zu einer möglichen Weiterexistenz nach dem physischen Tod hat. All dies sind Fragen, die ich mir erst später stelle. Jetzt aber existiert nur der Augenblick. Juwelenartige Partikel füllen eine Art Grotte oder Höhle aus, durch die ich mich jetzt schwebend bewege. Auf langen Stelzen stehende Frauengestalten säumen gleich einer Allee von marmornen Standbildern links und rechts meinen Weg durch diese Juwelengrotte. Ihre Gesichter sind von unsagbarer Schönheit.

Küss mich, sagen sie. Küss mich, ertönt es als polytonaler Akkord plötzlich von allen Seiten.

Sie senden mir Kussgranaten, die vor mir zerplatzen und ihre liebevolle Ladung verstreuen.

Nimm es, tönt nun der Gesang der Stelzenfrauen. Nimm es an!

Ich habe plötzlich das unglaublich reale Gefühl, dass ich hier schon seit Tausenden von Jahren verweile, in einer Art Warteschleife, wie ein Computerprogramm, das auf eine Eingabe wartet. Vielleicht bis ich ganz annehmen kann, was mir hier empfohlen wird?

Nimm es an!

Aber was soll ich denn annehmen? Ich weiß es nicht sicher, kann es nur ahnen. Das macht mir Angst. Werde ich diesen Ort jemals wieder verlassen können. War meine bisherige Existenz nur ein Traum, eine Illusion? Werde ich „es“, was immer "es" auch sei, je annehmen können?

Doch dann werde ich von den Stelzenfrauen weiter getragen, aus der Juwelengrotte geworfen und mitsamt den Juwelen in ein breites, darunter liegendes Wiesental verstreut, wo ich schlussendlich die Aufgabe einer sich ergießenden Regenwolke übernehme. Es gibt nichts Friedlicheres als ein sanft sprühender Frühlingsregen, der auf eine Wiese fällt. Ich habe das Gefühl, dass ich mich selbst beregne. Der Duft von nassem Heu ist betörend. Immer friedlicher wird meine Reise, und immer mehr spüre ich auch, wie die Matrix der Zeit mich wieder einfängt und auf ihre Spur bringt. Ich kehre sehr rasch nun wieder zurück, bin glücklich und muss weinen.


Rückkehr zu Acid und ein paar schöne Überraschungen

Jonas ist im Bilde: Er weiß, dass mein Schluchzen kein Ausdruck von Leid und Traurigkeit ist, sondern einfach nur das Verarbeiten von Erfahrungen, die mit Worten kaum zu beschreiben sind. Und so kann ich kurz nach dem Erlebnis, das laut Jonas nur ein paar Minuten gedauert hat, bloß am Teppich sitzen und meinen warmen Tee schlürfen, unfähig, meinen Freundinnen mehr zu erzählen als „Wow“, „Unfassbar“, oder ähnliches dummes Gestammel. Erst nach ein paar Minuten und einem Glas Champagner, das ich mir jetzt gönne, nimmt mich Acid wieder ganz zu sich und beschert mir einen unerwarteten Körperflash. Mein Solarplexus erwärmt sich spürbar, und auf einmal spüre ich, wie sich meine Bauchmuskeln öffnen und zerfließen, was ein wunderbar schmelzendes, orgasmusartiges Gefühl auslöst. Mir ist, als hätte ich ein enges Korsett abgelegt, das mich schon ewig belastet und behindert hat. Ich stehe auf, drehe mich im Kreise, beginne zur Musik zu tanzen und fühle mich dabei wie eine schwerelose Ballerina. Sandra lehnt an der Zimmerwand neben einer der Lautsprecherboxen, zupft an ihrem langen, strohblonden Haar herum, das sie jetzt offen trägt, und lächelt mich verklärt an. Sie sieht nun aus wie ein freundlicher Zeichentricklöwe, mit ihrer prächtigen blonden, zerzausten Mähne. Auch sie hat inzwischen ihr DMT-Erlebnis, offenbar erfolgreich, hinter sich gebracht. Jedenfalls macht sie einen zufriedenen Eindruck. Marla hingegen ist ganz mit sich selbst beschäftigt. Sie liegt am Teppich unter einer Wolldecke, die sie möglicher Weise vor dem sanften Zimmerlicht, oder aber auch vor uns schützen soll, damit sie sich ganz auf ihren Prozess konzentrieren kann. Unter der Decke wird sichtbar, welch kleines Häufchen Mensch diese Frau physisch ist. Ich habe den Eindruck, als läge ein Kind darunter. Im Moment finde ich das ungeheuer süß. Eigentlich hätte ich sie jetzt sehr gerne umarmt, aber irgendwie wollen die Kontakte mit Marla heute nicht so recht in Gang kommen.

Ich mache mir etwas später einige Notizen für den Tripbericht und unterstreiche die Bemerkung „Nimm es an“. Dahinter setze ich ein dickes Fragezeichen. Natürlich kann ich mir denken, dass es um meine teilweise gar nicht so latente Bisexualität geht, doch will ich nicht zu rasch urteilen und in den nächsten Tagen noch weiter darüber nachdenken.

Interessanter Weise verschafft mir DMT nun ein paar schöne Flashbacks im LSD-Trip. Obwohl das DMT ganz offensichtlich längst metabolisiert und abgebaut wurde glaube ich, dass die Eindrücke auf DMT den weiteren LSD-Trip modifizieren. Punktuell erscheinen mir jetzt die morphenden Muster am Teppich und an den Wänden noch einmal um ein Vielfaches tiefer und farbiger. Die Realität des Gesehenen hat sehr scharfe, gut definierte Konturen. Es fühlt sich „hyperreal“ an. LSD verleitet mich jedoch wieder mehr zum Denken. Auf LSD neige ich zuweilen auch zum Philosophieren, was ich mir normalerweise rasch wieder abstelle, weil es mich manchmal zu konfus zurücklässt. Diesmal jedoch lasse ich mich auf die Beobachtung meiner Gedanken ein und sinniere über deren Ursprung. So habe ich etwa die Vermutung, dass unser Gehirn ständig eine ganze Menge teilweise divergierender Gedankenströme gleichzeitig generiert, die allesamt versuchen, die uns umgebende Wirklichkeit zu dekodieren und in den Gesamtkontext unseres Erlebens einzubauen, Möglichkeiten des Reagierens auszuloten und letztendlich all das zu kommentieren, so dass unser Bewusstsein es als "Gedanken" wahrnimmt. Viele dieser Gedankencluster sind unbrauchbar, andere wiederum mögliche Alternativen. Einer gewinnt schließlich das Rennen, überbrückt das zerebrale Filtersystem, erreicht unser Bewusstsein und spinnt so den inneren Kommentar zur Erkenntnis und Verarbeitung unseres Erlebens weiter. Werden diese inneren Stimmen zu laut oder strömen mehrere gleichzeitig in unser Bewusstsein, so könnte man die daraus entstehende Konfusität des Individuums in unseren Breiten vielleicht „Psychose“ nennen.

Ich sage das jedoch bewusst im Konjunktiv. Immerhin ist das Ganze nicht mehr als eine acidgetränkte These.

Das Dumme an solchen Grübeleien ist, dass sie mich gerne aus dem angenehmen Acid-Feeling rausschmeißen und mich nachdenklich zurücklassen. Aber heute läuft wirklich alles wie am Schnürchen, und nach einer kurzen, anregenden Phase erkenntnisschwangeren Grübelns holt es mich zurück in eine Sphäre von euphorischen Gefühlen und tiefer Liebe zu meinen Freundinnen und Jonas, der wie ein treuer stummer Diener in einer Ecke hockt und das Geschehen überblickt.


Traumhaftes Finale

Ich krabble auf allen Vieren zu Jonas hinüber, umarme ihn und lege meine Wange an die seine. Ich spüre seine harten, kurzen Bartstoppeln scharf auf meiner Gesichtshaut. Ich spüre auch, wie wohl ihm meine Umarmung tut. Sein Duft ist im Moment betörend. Seine Aura umfängt mich wie ein weiches, pastellfarbenes Fluidum. Sein langes dunkles Haar kitzelt an meinen Wimpern.

Der DMT-Turn war unsagbar schön, hauche ich in sein Ohr. Danke für deine Hilfe, Jonas! Ohne dich wäre das bestimmt nicht so gut gelaufen.

Jonas lehnt sich zurück und lächelt mich an, wie ein Cowboy in einem kitschigen Wildwestfilm. Schon gut, sagt er dann, und nippt von seinem Wodka Orange. Nun ist es endlich an der Zeit, dass auch er einen wohlverdienten Joint genießen darf.

Sandra und Marla, die beiden Schönheiten, gesellen sich zu uns. Beide sehen müde und glücklich aus. Wir liegen Seite an Seite nebeneinander auf dem weichen Teppich der grundlosen Liebe, atmen, lächeln, weinen, stillen, gebären, schweben, schlafen, beten, träumen. Alles zerfließt, alles ist Eins. Eine absolut perfekte Harmonie zwischen vier Menschen.

Es gibt keinen Unterschied mehr.

Zu den ruhigen flächigen Klängen von Thom Brennan zerschmelzen wir und lösen uns auf im sanften Licht dieses kleinen Paradieses...






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