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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Mein Trip mit Anna
Drogen:LSD
Autor:Kraeuterhexe
Datum:20.06.2018 14:15
Set:Neugierig, die Schule schwänzend, gemeinsam mit meiner BFF.
Setting:Am frühen Vormittag, in der Wohnung meiner Freundin.
Nützlichkeit:9,10 von 10 möglichen   (21 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Wichtig zu wissen

Der Trip liegt 14 Jahre zurück. Zu dieser Zeit waren meine Trippartnerin Anna und ich 17 und gingen noch zur Schule. Da ich aber damals den Trip durchgehend dokumentierte und ihn erst vor wenigen Wochen zu einem lesbaren Tripbericht umgeschrieben habe, möchte ich euch dieses Erlebnis der jugendlichen Kräuterhexe nicht vorenthalten. Es ist eine von den Reisen, die ich nie vergessen werde.

Anna

Anna ist ein eher unscheinbares Mädchen. Obwohl sie süß ist, mit ihrem knabenhaft kurzem, strohblondem Haar und ihrer hübschen, fragilen Gestalt, nimmt sie unter anderen Menschen normalerweise kaum jemand wahr. Sie ist sehr leise und bedacht, redet wenig, ist vielleicht auch etwas schüchtern, und es hat vieler Anläufe und einiger Überredungsattacken meinerseits bedurft, bis sie sich tatsächlich entschlossen hat, mit mir auf die Reise zu gehen.

(Anm.: Aus der heutigen Sicht würde ich auf keinen Fall irgendjemanden zu einem Acid-Trip überreden!)

Was ich an Anna so mag, ist z.B. ihr süßes Lächeln, wenn sie verlegen ist. Es ist eine sanfte, mädchenhafte Verliebtheit, die ich für sie empfinde, ein ätherischer Schwebezustand. Dass ich in dieses Mädchen irgendwie verliebt bin, empfinde ich als nichts Außergewöhnliches. Es ist nichts Sexuelles zwischen uns, nur eine ganz besondere Sanftheit und Fürsorglichkeit, die uns täglich verbindet und uns nun schon seit einem dreiviertel Jahr zu den besten Freundinnen ever macht.

Die Einnahme

Das ist Annas erster und mein dritter Acid-Trip. Wir nehmen je einen grünen Blotter unbekannter Dosierung mit aufgedrucktem gelbem Peace-Zeichen. Wir tun das in der Wohnung ihrer Mutter. Es ist früher Vormittag und wir schwänzen die Schule. Annas Mutter ist Krankenschwester und kommt erst nach 19 Uhr von der Arbeit. Wir haben also ausreichend Zeit.

Wir sitzen in der Küche. Ein kleiner Raum mit einem Fenster, das den Blick in einen engen Lichthof freigibt. Von unten hört man Kinderstimmchen heraufschallen. Wie immer hier, in dieser Küche, stehen siffige Teller und Tassen umher. Die Abwäsche ist ebenso übervoll mit Geschirr. Es riecht nach altem Essen und Katzenklo. Das Plastiktischtuch am Küchentisch ist klebrig. Ich fühle mich nie wirklich wohl hier.

Aber was soll's. Mit meiner BFF ist es überall zum Aushalten. Eine Tasse Earl Grey wird eingeschenkt und dann runter mit dem giftgrünen Ding!

Anna würgt an dem fingernagelgroßen Stück Löschpapier, als hätte sie einen Hühnerknochen verschluckt. Ich habe das dringende Bedürfnis, ihr meine (in Wahrheit nicht vorhandene) Erfahrenheit mit LSD zu demonstrieren, und so berichte ich ihr von meinen bisherigen zwei Trips, während wir von der Küche in ihr nicht viel größeres Zimmer wechseln und es uns auf dem Bett gemütlich machen. Annas roter Haustigerkater Carlo verfolgt uns auf Schritt und Tritt und schmiegt sein Köpfchen an meine nackten Füße. Seine kecken, sanften Liebesbisse in meine Waden lassen mich kurz aufschrecken. Das kitzelt! Anna muss lachen. Das macht er mit mir immer am Morgen, unter der Bettdecke, sagt sie dann, und zeigt mir die kleinen Kratzer an ihren Waden.

Das Anfluten

Annas Zimmer finde ich übertrieben mädchenhaft für ihr Alter. Einhorn- und Teenie-Popstarposter, pink Bettzeug, rosa Wandfarbe. Sogar der Rahmen des Schminkspiegels ist pink.

Bitte, sie ist 17!

Aber was soll's, das ist eben die Wolke, in der sie sich wohlfühlt. Auch hier stehen Teller herum, ihre Wäsche ist im Zimmer verstreut. Man kann sich kaum wo hinsetzen, ohne nicht zuvor einen ihrer Slips oder BHs wegräumen zu müssen.

Wir vertreiben uns die Zeit bis zum Anfluten mit Gitarre spielen. Auf umständliche Weise versuchen wir, die Gitarre zu zweit zu spielen. Anna zupft die Saiten und ich greife am Griffbrett. Wir spielen Scarborough Fair und singen auch noch dazu. Das Resultat klingt natürlich schrecklich. Trotzdem macht es einen riesen Spaß und wir biegen uns vor Lachen. (Hätte es damals YouTube schon gegeben, hätten wir's sicher hochgeladen!)

Ich spüre nach etwa einer knappen Stunde allmählich, wie sich das Acid bei mir meldet. Mein Herz beginnt nun rascher zu schlagen, denn in Wahrheit habe ich nur wenig Erfahrung, und in meinem Kopf schwirren so einige Ängste und Spekulationen darüber, wohin die Reise gehen könnte. Anna ist schweigsamer geworden in den letzten paar Minuten. Ich nehme an, dass sie nun auch schon etwas spürt.

Das Anfluten fühlt sich zum Glück gut an. Ich bin beruhigt. Mein Körper erwärmt sich und mit der Zeit fühle ich mich leicht wie eine Luftfee. Zugleich muss ich feststellen, dass ich mich irgendwie kleiner fühle als sonst. Es ist ein merkwürdiges, aber nicht unangenehmes Gefühl. Nicht etwa, dass alles Andere deshalb größer wäre. Aber trotzdem habe ich das intensive Gefühl, geschrumpft zu sein. Das erinnert mich natürlich sofort an Alice. (Und tatsächlich erfahre ich Jahre später, dass es einen psychiatrischen Terminus namens "Alice-im-Wunderland-Syndrom" gibt, mit solchen oder ähnlichen Symptomen.) Carlo wäre in meiner Fantasie somit der Grinsekater. Und wenn ich genau hinschaue meine ich, ihn auch lächeln zu sehen. Aber haben Katzen nicht immer ein grinsend aussehendes Gesicht? Das ist jedenfalls ziemlich sicher nicht auf das Acid zurückzuführen.

Weggabelung

Annas Gesicht indessen ist sehr ernst. Keine Spur von Freude oder Euphorie. Ist ihr übel geworden? Ihre Gesichtsfarbe ist blassgrau, so als ob ihr der Lebenssaft ausgesaugt wurde. Aber ich glaube doch nicht an Vampirismus!

Alles OK? frage ich.

Anna gibt keine Antwort. Sie schaut mich nur mit ihren großen, dunklen Augen an und schüttelt fast unmerklich den Kopf. Dann wendet sie sich ab und kramt in einer ihrer Ikea-Schachteln, in denen sie ihre Schätze verstaut hat. Bilder von ihrem Vater, der sie und ihre Mutter vor ein paar Jahren verlassen hat. Kleine Souvenirs von einigen Sommerurlauben. Stofftiere, alte Schulhefte, DIY's und anderes Zeug.

Anna - HALLO! Ich winke ihr ein wenig provokant zu und schüttle fast unmerklich den Kopf.

Sie schaut kurz auf. Sonst keine Reaktion. Na gut, vielleicht will sie sich auf ihren Trip konzentrieren und von mir jetzt nicht angequatscht werden. Ich untersuche einstweilen ihre Schminksachen, bemerke amüsiert, wie die kleinen, bunten Farbnäpfchen zu morphen beginnen und experimentiere vor dem Spiegel mit verschiedenen Lidschatten und Rougetönen. Bald sehe ich aus wie ein Clown. Die Muster in meinem Gesicht morphen im Spiegel nun ebenso.

Das ist so geil !

Ich wende mich zu Anna, lächle sie auffordernd an und strecke ihr die Zunge entgegen. Sie versucht zu grinsen, was misslingt. Dann wendet sie sich wieder ab und kramt weiter in ihren Sachen, ohne wirklich etwas zu finden. Was ist nur los mit ihr? Ich wische mir die Farben vom Gesicht und versuche mich jetzt als Gothic-Queen. Dabei bemale ich mit schwarzen und weißen Schminkfarben mein Gesicht einigermaßen kunstvoll. Irgendwie erinnert es jetzt an das Porträt einer von H.R.Gigers biomechanoiden Frauenfiguren, natürlich keineswegs so kunstvoll, aber schon einigermaßen in diese Richtung gehend.

Wieder wende ich mich zu Anna. Sie schaut mich lange völlig regungslos an, dann beginnt sie unvermittelt zu schreien. Ich triumphiere. Sehe ich wirklich so erschreckend aus? Anna mimt jetzt wahrscheinlich Sigourney Weaver, als sie das erste Mal das Ungeheuer im Film "Alien" erblickte.

Peripetie

Aber Anna hört nicht auf zu schreien. Plötzlich schreit sie, ich solle heimgehen. Verschwinde, sagt sie, lass mich allein!

He, was ist los Mäuschen, hab ich dich tatsächlich erschreckt? Schau, ich tu's wieder runter.

So rasch es geht, wische ich mir mit den Abschminktüchern die Farbe aus dem Gesicht.

Verschwinde, schreit Anna. Geh nach Hause! Beeil dich! Sie krümmt sich auf ihrem Bett zusammen und weint.

Nun bin ich total verwirrt. Meint sie das wirklich so, oder will sie es mir nur heimzahlen und mich nun ihrerseits erschrecken? So kenne ich meine Anna nicht. Noch nie habe ich sie so böse Worte sagen hören. Das ist nicht Anna. Das ist auch nicht ihre Stimme. Ihre Stimme klingt jetzt laut und zugleich irgendwie hohl. Normalerweise klingt sie leise, sanft und süß. Ich will mich neben sie aufs Bett setzen und sie umarmen. Wieder beginnt sie zu schreien, so laut und so intensiv, dass ihr Gesicht rot anläuft und ich ihre Adern am Hals sehen kann.

Ich ziehe mich irritiert zurück, spüre nun meinerseits, wie die Angst in mir allmählich hochkriecht. Meine Augen werden nass. Anna, was ist denn nur los mit dir! Ist das wirklich dein Ernst?

Sie nickt. Bitte geh endlich, sagt sie. Bitte!

Aber wieso? Was hab ich falsch gemacht?

Keine Antwort. Anna verbirgt ihr Gesicht in einem der Polster. Ich höre ihre gedämpfte, weinerliche Stimme:

Hau endlich ab!

Alptraum

Ich suche eine Ewigkeit in dieser Unordnung nach dem Stoffbeutel mit meinen Sachen. Meine Tränen tropfen zu Boden. Ich taumle durch die Küche zum kleinen, dunklen Vorraum, wo meine Jacke hängt und meine Sneakers stehen, kleide mich an, öffne die Wohnungstür, trete auf den Hausflur. Eine ungeheure Traurigkeit steigt in mir auf. Von weiter unten kommt jemand die Treppe hoch. Im Stiegenaufgang hallen die Schritte mit befremdlich schroffer Lautheit. Ich husche ängstlich und ohne zu grüßen an dem konsterniert dreinschauenden alten Mann vorbei und hinaus ins Freie, wo mich die überlaute Straße mit ihren Autos und Menschen, ihren Gerüchen und Geräuschen in Besitz nimmt, als wäre ich in das offene Maul einer fremden, feindlichen Welt gestiegen. Was habe ich Anna getan, dass sie mich so unvermittelt verstoßen hat? Warum sagt sie nichts? Ich renne weiter, laufe dabei einer Frau mit Hund in die Arme, die verwundert den Kopf schüttelt. Der Hund fährt mich an, die Leine spannt sich bedrohlich, er kläfft furchtbar laut. Tschuldigung! keuche ich.

Ich bemerke, dass meine einst blütenweiße Jeans an beiden Knien vollgesaut ist mit schwarzer Schminkfarbe und Blut. Ich muss mich irgendwo geschnitten haben und sehe wahrscheinlich furchtbar aus. Der Schnitt, den ich auf meiner ebenfalls von Schminkfarbe geschwärzten Handfläche entdecke, schmerzt kaum. Vielleicht war es Annas Kater Carlo, der mich unbemerkt gekratzt hat. Völlig atemlos bleibe ich in einer ruhigeren Seitengasse stehen und sacke in mich zusammen. Ich kauere vor einem mit Graffitis versprayten Haustor, zittere und weine. Vielleicht tut sich Anna jetzt gerade etwas an, dann habe ich sie auf dem Gewissen, weil ich sie so erschreckt habe. Mein Magen schmerzt, als hätte ich ein Loch im Bauch.

Ich gehe weiter, habe nun furchtbare Angst. Die belebte Straße dehnt sich vor mir aus. Ich glaube, vorhin auf einem der Straßenschilder "Via Dolorosa" gelesen zu haben, aber ich bin mir nicht sicher. Panik keimt auf, dass es möglicherweise ewig dauern wird, bis ich zu Hause bin. Außerdem muss ich damit rechnen, dass mein Vater daheim ist. Und obwohl er eigentlich ein toller Dad ist, kann ich mich wahrscheinlich auf ein sehr unangenehmes Gespräch gefasst machen, wenn er mich in diesem Zustand antrifft.

Erst jetzt wird mir allmählich klar, dass ich in einem Horrortrip gefangen bin. Ich entwickle beim Weitergehen einen sehr lästigen Drehschwindel. Der Verlauf der Straße verdreht sich immer mehr nach links, aber nicht kontinuierlich, sondern ruckartig. Das ist besonders fies. Ich versuche immer wieder instinktiv, mich auf diese Veränderungen mit Sidesteps anzupassen, taumle dadurch jedoch nur noch mehr, so dass ich nun ständig mit Menschen zusammenstoße, die mich zum Teil böse anblaffen oder mir schon von Weitem ausweichen, als sei ich ein Monster, vor dem man sich in acht nehmen muss. Ich muss auch furchtbar aussehen, mit meinen blutverschmierten weißen Jeans und meinem taumelnden Seemannsgang. Wahrscheinlich sind auch meine Haare vollkommen zerzaust. Ich habe furchtbare Angst, dass der Hund von vorhin zwischen den vielen Menschen wieder auftauchen und mich angreifen könnte. Ich weiß schließlich vor lauter Verwirrtheit und Furcht nicht mehr, wie ich meine Beine bewegen soll, um voranzukommen. Ich habe einfach keinen klaren Überblick mehr darüber, was ich tun muss, um mich fortzubewegen. Es ist total verrückt. Ich bin verzweifelt. Was ist plötzlich los? Eine erschreckende Welt voller Irritationen, Angst und Horror ist in mein Bewusstsein eingebrochen und gibt mir die böse Ahnung, dass dies nun vielleicht so bleiben könnte, solange ich lebe. Sofort denke ich darüber nach, ob ich meinem Leben dann ein Ende setzen würde. Ich weine völlig aufgelöst, drücke mich in eine Ecke und meine nun, wahrscheinlich sterben zu müssen. Ich muss an meine Eltern denken, wie traurig ich sie wohl machen würde, wenn ich verrückt würde oder sterben müsste.

Irgendwann dann nimmt mich jemand am Handgelenk und zieht mich hoch. Eigentlich sind es zwei Hände, von zwei verschiedenen Menschen. Offensichtlich Sanitäter, Zivis. Und dann bemerke ich auch schon das schwirrende Blaulicht des Rettungswagens. Ein paar gaffende Gesichter rund um mich starren mich an, als wären sie einem Gemälde von Edvard Munch entsprungen. Die zwei Sanitäter haben mich aufgerichtet und reden jetzt miteinander über mich. Ich verstehe kein Wort davon. Ist das eine Geheimsprache, damit die Patienten nicht mitbekommen, was man mit ihnen vorhat? Ich habe aber auch das Gefühl bzw. die Angst, dass meine Gedanken laut sind. Zumindest fühlt es sich jetzt so an. Einer der beiden jungen Sanitäter schaut mich an und scheint zu lächeln. Hat er mitbekommen, was ich gerade gedacht habe? Verpisst euch, denke ich. Und wirklich dreht sich der Zivi wieder weg und geht zum Wagen. Er holt irgendetwas, während der andere mir Fragen stellt.

Blah, blah, blah?

Was will der eigentlich von mir? Ich habe zu viel getrunken, sage ich dann, in einem Anfall von Geistesgegenwart. Und ich habe meinen Vater verständigt, der mich hier mit dem Auto abholen wird. Ihr könnt also wieder gehen, mir geht es gut. Mir geht es wirklich gut!

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das nur gedacht oder tatsächlich gesagt habe, deshalb sage ich es noch einmal. Aber die Beiden scheinen nicht darauf zu reagieren, denn jetzt fassen sie unter meine Arme und setzen mich auf einen bereitgestellten Rollstuhl. Danach werde ich in den Krankenwagen gebracht und der Rollstuhl im Wagen fixiert.

Lasst mich doch in Ruhe. Ich warte hier auf meinen Vater!

Während der Wagen losfährt, fragt der andere Zivi mit einem Klemmbrett in der Hand meine persönlichen Daten ab. Ich verweigere die Aussage. Auch gut, sagt er geduldig. Ein hübscher, sportlich aussehender Bursche mit kurzem, punkig gelbgefärbtem Haar und ein paar schönen Tattoos. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte ich sicher mit ihm ein bisschen geflirtet, aber im Moment will ich nur weg.
Wie er mich ansieht. Was der wohl denkt. Vielleicht gefalle ich ihm auch.
Ich überlege, ob ich an einer roten Ampelkreuzung versuchen könnte, aus dem Rettungswagen zu flüchten. Doch schon bei der nächsten Kreuzung scheitert mein Versuch. Ich komme nicht einmal vom Rollstuhl hoch, als wäre ich daran gefesselt, was ich aber nicht bin. Ich bin einfach nur irgendwie total high und breit zugleich.

Nach einer Ewigkeit hält der Wagen schließlich im Hof des Hanusch-Krankenhauses. Ich werde mit dem Rollstuhl in ein Gebäude gefahren und nach einer Weile einer jungen Ärztin vorgeführt. Ich habe es schließlich aufgegeben zu schweigen und die ganze Geschichte erzählt, von der LSD-Einnahme über die seltsame Reaktion meiner Freundin Anna, bis hin zur Gegenwart. Die Ärztin bleibt sichtbar ungerührt, so als höre sie ähnliche Geschichten jeden Tag. Sie gibt mir eine Injektion (wahrscheinlich Diazepam), die mich bald ruhiger macht. Ich werde sehr müde.

Der Tag danach


Ich weiß nicht mehr, wie ich vom Krankenhaus nach Hause gekommen bin. Wahrscheinlich schlafend, ordentlich dicht vom Diazepam und mit der Rettung. Hier fehlen mir Aufzeichnungen darüber.

Am nächsten Tag fehlte Anna in der Schule. Als ich sie anrief, meinte sie, es sei alles OK, sie sei nur noch etwas geschlaucht vom Trip und verkühlt. In den folgenden Tagen und Wochen versuchte ich, von ihr Auskunft über ihr seltsames Verhalten zu bekommen. Ich entschuldigte mich mehrmals wegen meines erschreckend geschminkten Gesichtes und beteuerte, dass ich nicht vorhatte, ihr einen solchen Schrecken einzujagen. Doch Anna meinte nur, das habe sie nicht erschreckt, wich aber ansonsten aus und wollte mit mir nicht weiter darüber reden.

Wir waren danach auch noch Freundinnen. Doch war die Beziehung jetzt eine andere. Niemals mehr stellte sich eine solche Herzlichkeit und Nähe mehr ein, wie sie einst zwischen uns geherrscht hatte. Ein paar Monate lernte sie einen Jungen kennen. Einen hübschen türkischstämmigen Burschen mit Hang zum Machotum. Damit war unsere gemeinsame Zeit beendet.

Resümee

Ich kann nur vermuten, dass Anna die Freundschaft mit mir "zu heiß" geworden war. Solche Erlebnisse mit Frauen hatte ich hernach noch einige. Da ich mir mittlerweile eingestanden habe, dass ich vorwiegend lesbisch veranlagt bin, muss ich logischer Weise auch in diese Richtung denken. Vielleicht hat Anna, sensibilisiert vom LSD, gespürt, was in mir und zwischen uns heranreifte und wollte das nicht. Sie müsste damals aber mehr gespürt haben als ich selbst, da für mein Empfinden unsere Freundschaft vollkommen unschuldig war.

Mir selbst ging es nach dem Trip aber eigentlich viel besser, als ich zuvor befürchtet hatte. Am Tag darauf gab es eine Aussprache mit meinen Eltern. Ich habe sehr verständnisvolle und liebe Eltern. Sie haben nicht versucht, mir das Trippen auszureden, zumal ich auch wusste, dass sie in früheren Zeiten selbst mehr als genug Erfahrung mit Acid gemacht hatten. Aber sie klärten mich auf über die Regeln von Set und Setting und über wesentliche Verhaltensregeln für safer use. Meine Mom tröstete mich und verstand meine Irritationen wegen Annas Verhalten.

Ein paar Tage lang hatte ich dann noch das Gefühl "zu schweben", nun aber durchaus im positiven Sinn. Eine angenehme körperliche Leichtigkeit begleitete mich die nächsten Tage, die in starkem Kontrast zu meinem horrorartigen Erleben während des Trips stand, und wäre nicht dieser Schatten gewesen, den die Erfahrung mit Anna über all das legte, so hätte ich durchaus sagen können, dass dies - letzthin - ein überaus positiver Acid-Trip war.

Vieles ist damals aus Unerfahrenheit meiner Meinung nach schräg gelaufen. Ich will hier die wichtigsten Punkte kurz aufzählen:

• Schlechtes Setting: In einer gammeligen Bude würde ich persönlich heute keinen Trip mehr machen, auch wenn's die Wohnung meiner besten Freundin wäre. Das ist zwar Geschmackssache, aber für mich ist heute wichtig, dass meine Umgebung sauber und ordentlich ist, und dass an diesem Tag auch alles getan wurde, was wichtig ist und keine Aufgaben offen sind, damit ich mich ganz auf den Trip konzentrieren kann.
• Schlechtes Set: Die Tatsache, dass wir die Schule geschwänzt haben, stellt nicht unbedingt ein optimales Set dar. Im Acidrausch sehen viele Dinge etwas anders aus als im Alltagsbewusstsein. Ein kleines Vergehen, wie die Schule zu schwänzen, kann im Rausch bei entsprechender Veranlagung im schlechteren Fall zu einer schuldhaft paranoiden Fantasie führen.
• Zu jung: Meiner persönlichen Meinung nach wäre es safer gewesen, noch ein, zwei Jahre zu warten, bis unsere Psyche etwas reifer und stabiler geworden ist. Natürlich kann man verschieden darüber denken, freilich entwickeln sich Menschen auch verschieden, und ich muss auch zugeben, dass damals solch ein Argument auf mich höchstwahrscheinlich keinerlei wirksamen Eindruck gemacht hätte. Trotzdem finde ich heute, dass dies der bessere Weg gewesen wäre.
• Niemanden überreden: Ein schwerer Fehler, den ich danach nie wieder gemacht habe. Nur wenn du es wirklich willst und wenn du dich ausreichend über die möglichen Konsequenzen (psychisch, juristisch etc.) informiert hast, solltest du dich für - oder genausogut auch mal gegen einen LSD-Trip entscheiden!
• Fehlender Tripsitter: Freilich kann man auch ohne Sitter trippen, sofern man erfahren genug ist und Set & Setting passen. Aber ich würde unerfahrenen Reisenden dringend ans Herz legen, sich jemanden zu suchen, der schon einige Erfahrung hat und der bereit ist, nüchtern die Session zu überwachen. Wobei ich hier einräumen muss, dass möglicherweise nicht immer und überall so Jemand auftreibbar ist. In diesem Fall ist es doppelt wichtig, sich über alle Aspekte der Drogenwirkung genauestens zu informieren und nur bei optimalem Set und Setting zu trippen.
• Diffuse Drogenquelle. Ich kaufte damals die Blotter in einem Lokal von einem Fremden. Ich hatte auch keine Ahnung, wie diese Trips dosiert waren und konnte auch nur blind darauf vertrauen, dass es sich überhaupt um LSD handelt.
• Fehlendes Feedback bzw. fehlende Integrationsarbeit danach: Die Tatsache, dass Anna kein Wort mehr über die Session reden wollte, hat ein diffuses Gefühl zurückgelassen. Mit ein bisschen Glück hatte ich trotzdem, wie schon erwähnt, danach ein paar "Schwebetage". Für Anna selbst war es sicher nicht der optimalste Prozess. Solche Erfahrungen gehören besprochen, am besten sogar mit einer erfahrenen Person, die hier als eine Art "Supervisor" fungieren könnte. Ich finde, dass angstvolle Trips nicht immer die schlechtesten sein müssen, wenn man danach ein gutes Setting hat.

Es freut mich, wenn du bis hier her durchgehalten hast und hoffe, dass dir der Bericht gefallen hat.
Namaste!






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