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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:3. Plateau - Eine Zeitreise in die Vergangenheit
Drogen:DXM
Autor:alyserg
Datum:24.07.2018 12:20
Set:Heiter, ausgelassen, entspannt
Setting:Leer stehendes Haus
Nützlichkeit:8,13 von 10 möglichen   (8 Stimmen abgegeben)

Bericht:

3. Plateau DXM - Eine Zeitreise in die Verhangenheit


Nachdem ich vor einer Weile das erste mal Dxm konsumierte, war meine Neugierde geweckt und ich wollte im Laufe der Ferien, bevor ich wieder zur Berufsschule und mich auf die Ausbildung konzentrieren muss, einen weiteren Versuch starten.

Eines Abends trafen sich mein Freund und ich bei unserem besten Kumpel in der WG. Vorsichtshalber nahm ich meinen Ratiopharm Hustenstiller mit, es könnte sich ja vielleicht spontan etwas ergeben, getreu nach dem Motto, spontan ist am besten. Und so kam es auch - mein Freund, der bereits viel DXM-Erfahrung hat, nahm 30 Kapseln, ich nahm bei einem Gewicht von ca. 50 kg 18 ein. Das war um 23:06. Unser bester Kumpel tripsittete uns.

Da allerdings seine nervige, unfreundliche Mitbewohnerin da war, die auch unter keinen Umständen erfahren sollte, dass wir drei Drogen nehmen, entschlossen wir uns kurzerhand dazu, in das leer stehende Haus zu gehen, in das wir in zwei Wochen umziehen würden. Wir hatten erst vor wenigen Tagen den Mietvertrag unterschrieben und dachten uns, es könnte ganz witzig werden, unser baldiges Zusammenleben in dem Haus so einzuläuten. Hatte also auch symbolische Gründe.

Auf dem Weg dorthin geschah nicht viel und als wir ankamen, setzten wir uns mangels Möbel auf den Boden im Wohnzimmer und quatschen darüber, wie wir es einrichten wollen. Mein bester Freund, nennen wir ihn Y., und ich legen auf und haben davon geredet, dass wir unser Mischpult usw. im Wohnzimmer aufstellen wollen würden. Dann gingen wir durch die restlichen drei Zimmer und besprachen, wer in welches einzieht.


Beim letzten Zimmer angelangt, machten sich erste Effekte bemerkbar.

Man muss dazu sagen, dass eine gespenstische, mystische Stimmung in der Luft lag, da das Häuschen noch keinen Strom hatte und lediglich unsere Handys Licht spendeten. Außerdem war es sehr still und unsere Stimmen hallten. Automatisch redeten wir immer leiser, bis wir nur noch flüsterten. Und darüber hinaus war es schon weit nach Mitternacht, wir kamen uns also ziemlich shady vor, aber diese gespenstische Stimmung verführte einen dazu, in dieser Stimmung zu bleiben und war aufregend.

Ich musste mich auf den Boden setzen. Irgendwann legte ich mich auf den Rücken und konnte nicht mehr weiter laufen. Mein Freund, sagen wir J. zu ihm, legte sich neben mich, Y. saß neben uns.

Und dann fing alles an.

Um folgende Geschehnisse nachvollziehen zu können, muss ich etwas über mich selbst erzählen.
IIn meiner Kindheit/Jugend erfuhr ich viel häusliche Gewalt, psychischer wie auch physischer Art. Mit 15 traute ich mich endlich, von zuhause abzuhauen, mit 16 wurde ich in ein Kinderheim gebracht und seit ich 18 bin, lebe ich das erste mal eigenständig in einer eigenen Wohnung. Ich hatte Therapien, selbstverletzendes Verhalten und Selbstmordversuche hinter mich gebracht. Als ich ins Heim kam, wurde mir PTBS, Depressionen, Dissoziative Zustände, Schlafstörungen, gestörtes Essverhalten, Sozialphobie, Panikattacken... diagnostiziert. Ich war ein ziemlich Wrack damals, aber seit ich aus dem Heim gezogen bin, stehe ich mit beiden Beinen fest im Leben, habe zwar die Uni abgebrochen, aber bin mittlerweile in meiner Erzieherausbildung erfolgreich, habe einen festen Freundeskreis und meinen geliebten Freund.

Der Konsum von 34 mal Acid und einigen Malen Pilze hat einen immens großen Teil zu meiner heutigen, selbstbewussten, sicheren Persönlichkeit beigetragen. Mein Freund sagte mir mal, ich sei ein sehr weiser Mensch, der geblickt hat, worum es im Leben geht und Menschen sagen mir oft, ich sei ein ehrlicher guter Mensch mit hohen, moralischen Ansprüchen. Nun ja, ich gebe mein bestes, ein guter Mensch zu sein und habe gelernt, dass man vergeben muss. So habe ich meiner Mutter all die Gewalt, die sie mir angetan hat, vergeben, und fühlte mich, jetzt mit 20 Jahren, noch nie besser als im jetzigen Lebensabschnitt.

Nun zurück zum Trip.
Ich lag also auf dem Boden und fing irgendwann unvermittelt an, von früher zu erzählen. Ich spulte eine zufällige Erinnerung aus der Kindheit und Jugend nach der anderen ab, völlig ohne chronologische Reihenfolge oder einen Sinn. Als ich auf dem 2. Plateau auf DXM trippte, konnte ich noch ganz gut kontrollieren, was ich sagte, doch jetzt auf dem 3. kam alles hemmungslos aus mir rausgesprudelt. Meinen Körper spürte ich schon lange nicht mehr, ich vergaß, was um mich herum war, ich vergaß, in welcher Situation ich mich befand, ich spürte lediglich dieses unbändingende Verlangen danach, mich meinen Mitmenschen mitzuteilen, mich zu öffnen, Ihnen ein Verständnis meiner Selbst zu schenken. Ich spürte, dass es mir sehr gut tat und jetzt im Nachhinein wird mir klar, dass ich das so in der Art schon immer wollte, nur mich bis jetzt noch nicht traute. Zumal das alles Dinge waren, die ich noch nie laut ausgesprochen habe und von denen niemand etwas bis dahin wusste.

Nach einer Weile spürte ich etwas unter meinem Kopf und fragte, was das ist. Y. hatte mir aus Pullis ein Kissen geformt und mich auch mit einem Pulli zugedeckt. Aha, das war es also, dachte ich mir, und erzählte direkt weiter. Ich schien mich nämlich unkontrolliert zu bewegen und fand im übrigen am nächsten Tag auch einige blaue Flecke.

Aber je mehr ich erzählte, desto abgefuckter wurde es. Es folgte eine Phase, an die ich kaum Erinnerung habe und von der mir Y. und J. am nächsten Tag berichteten. rnLaut ihrer Erzählung kamen Erinnerungen der Gewalt hoch. Ich hätte mich der Erinnerung völllg hingegeben und befand mich geistig nicht mehr im Hier und Jetzt. Ich erzählte, wie ich an meinem Hochbett stand und dass meine Mutter ins Zimmer kam. Dann hätte ich mich auf dem Boden zusammen gekrümmt, geweint und geschrieen und hätte mit Beinen und Armen gegen eine imaginäre Person ausgeholt. Als stünde meine Mutter in diesem Augenblick so wie damals über mir. Ich zitterte am ganzen Körper.
Dann lachte ich plötzlich aus vollem Halse.
Dies wiederholte sich einige Male mit mehreren, unterschiedlichen Erinnerungen, von denen ich glaubte, sie irgendwo tief und mir vergraben zu haben und dass sie nie wieder hochkommen. Einige der erneut durchlebten Ereignisse hatte ich sogar schon so sehr verdrängt, dass ich sie erfolgreich vergaß. Mein Unterbewusstsein jedoch anscheinend nicht.

J. und Y. gestanden mir, dass dieses irre Lachen Sekunden nach dem Rumwälzen und Weinen doch sehr verstörend war.

Eine weitere Erinnerung war zum Beispiel der Moment, als ich nach der Geburt meines kleinen Schwesterchens es das erste mal auf dem Arm hatte und mir dachte dieses kleine, niedliche Menschlein werde ich immer beschützen und all den Ärger auf mich ziehen, damit sie die Grausamkeit, die ich erlebte, nie auch durchstehen muss. Mein Freund sagte mir am nächsten Tag, dies sei ein „epischer Gänsehautmoment“ gewesen.

Y. sagte außerdem, das Durchleben der Erinnerungen war so lebhaft, dass er selbst, als einzig nüchterner, sich hineinversetzt gefühlt hat, Bilder vor den Augen hatte und Tränen zurück halten musste.

Als diese kranke Phase vorbei war, fühlte es sich wie „Aufwachen“ an. Ich schreckte hoch und dachte mir was ging denn eben grade bitte ab?

Doch der Trip war noch lange nicht vorbei.

Es folgte nun eine Phase, in der ich stetig dachte, dass ich sterbe. Also nicht, dass ich gestorben bin, sondern wirklich aktiv am sterben bin.

Es war, als würde ich langsam der Realität entgleiten. Beziehungsweise, einen Bezug zur wahren Realität hatte ich ja schon lange nicht mehr, es war mehr, als würde ich einer erfundenen Realität entgleiten. Ich sah die leeren, dunklen Zimmer in entstellter Form vor mir und dachte, ok krass, so ist es also, wenn man den Löffel dann endlich abgibt. Die liebsten Menschen, mein bester Kumpel und mein Freund, sind bei mir. Das ist schön. Und dieser Ort, an dem ich mich befinde, ist wahrscheinlich so etwas wie eine Zwischenstation.

Ich hatte erstaunlicherweise nicht ein Fünkchen Angst vor dem Tod. Hatte ich vorher auch nicht, aber jetzt habe ich wirklich keine Angst mehr davor. Ich zweifele nun daran, dass ich vorher keine Angst davor hatte. Aber jetzt weiß ich, wenn es irgendwann soweit ist, kann ich entspannt gehen.

Allerdings wurde diese friedliche Stimmung, die für einen Moment aufkam, unterbrochen von dem Gedanken, dass ich meine Mutter „zu solch einem wichtigen Ereignis“ wie meinen eigenen Tod nicht „eingeladen“ habe und dass sie sicher mit mir schimpfen wird, sobald ich „fertig bin mit Sterben“. Was natürlich ein total absurder Gedankengang ist.

Sehr oft fragte ich J. und Y., ob meine Augen zu oder offen sind, weil es zu diesem Zeitpunkt absolut nicht mehr selbst sagen konnte.

Nach Abklingen des Gefühls, zu sterben, setzte nun, da ich wieder „normal“, also nur noch „drauf“ war und man sich keine Sorgen mehr um mich machen musste, der Trip meines Freunds richtig ein. Er hat sich, wie er es später berichtete, in einen „Stein“ verwandelt. Y. und ich wollten eine rauchen und suchten vergeblich mach dem einzigen Feuer, das wir dabei hatten. J. erzählte uns später, es sei in seiner Hosentasche und er wollte es uns die ganze Zeit geben, jedoch verlor er die Fähigkeit, sich zu bewegen. Wir dachten dagegen als, er sei einfach eingeschlafen, er allerdings sagte, sein Körper fühlte sich „wie eine einzige unbewegliche Zelle an“. Also keine ausserkörperliche Erfahrung oder ähnliches, sondern einfach das Unvermögen, sich zu regen, was er im ersten Moment etwas furcheinflössend empfand, doch schnell lediglich nur noch nervte.

Gegen fünf Uhr morgens meinte unserer nüchterner Tripsitter, dass er schon sehr müde ist und dass wir besser verschwinden sollten, bevor jemand im Nachbarhaus aufwacht und wir irgendwie auffallen sollten. Wir gingen alle nachhause, ich wollte alleine sein. Ich torkelte also mit meiner noch nicht ganz vorhandenen Motorik ca. 5 Kilometer zu meiner Wohnung und ließ meinen Trip im Bett hin und her wälzend ausklingen, während die anderen glücklicherweise Schlaf fanden.

Am Abend trafen wir uns dann erneut, um den Trip zu besprechen.


Was ich daraus gelernt habe? Puuh, einiges. Das aufzuschreiben würde mich noch mehr Zeit kosten, als diesen Bericht festzuhalten.

Was ich aber an euch weiter geben kann - Psychdelika sind Werkzeuge. Ok, das ein oder andere mal Lowdose auf einer Outdoorgoa mit dem richtigen Publikum kann man keinem verübeln. Aber primär haben Psychdelika, richtig angewandt, eine gewaltige Macht über unsere doch so fragile Psyche und das Unterbewusstsein, nie kann man sich sicher sein, was passiert. Setzt sie daher gewissenhaft ein und wertschätzt die Substanz. Ohne LSD und das beschriebene Ereignis.. wer weiß, ob ich jemals mein früheres Leben hätte verarbeiten können.


Und noch etwas - beanspsrucht weniger für euch selbst, seid selbstlos und lernt, zu vergeben.






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