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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Ich bin diese Technoparty
Drogen:Mischkonsum von LSD, MDMA, Cannabis und Lachgas (Reihenfolge vom Autor festgelegt)
Autor:Idwets
Datum:16.08.2018 22:44
Set:alternatives Technofestival mit einer großen Gruppe guter alter und neuer Freunde
Setting:entspannt und voller Vorfreude
Nützlichkeit:8,86 von 10 möglichen   (14 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Bis zu diesem Punkt war es ein weiter weg. Viele psychedelische Erfahrungen, teilweise sehr intensiv und prägend, haben diese langwierige Reise gekreuzt. Und immer wieder waren Sie geprägt von dem gleichen Motiv. Die Erkenntnisse waren immer ähnlich. Und doch habe ich nie verstanden. Erst dieser Trip hat mich mit Gewalt durch die Wolke der Ratlosigkeit katapultiert. Endlich sehe ich klar.

Set & Setting

Es ist Freitag. Seit gestern sind wir auf einem Festival. Die Größe der Veranstaltung ist überschaubar. Alles ist mit viel Liebe und Hingabe geplant, gestaltet und organisiert. Die Acts sind mir zum größten Teil unbekannt. Alles grandiose Voraussetzungen für ein abenteuerreiches Wochenende.

Seit 3 Jahren ist der Candyflip zu einem festen Bestandteil meiner jährlichen Festivalerfahrungen geworden. Seit drei Jahren begehe ich aber immer wieder den Fehler, bereits vor dem Flip eine gehörige Portion MDMA zu konsumieren. Das sollte mir dieses Jahr nicht passieren. Und so bat ich meine Mitreisenden, den Trip auf den Freitag zu legen, um mir die Versuchung zu ersparen. Zudem habe ich eine 6-monatige Konsumpause eingelegt. Alles schien perfekt für die ultimative Erfahrung. Was ich dann erlebt habe, hat alle Erwartungen weit übertroffen.

Durch den Sonnenschein in den Wahnsinn

Es ist 19:00 Uhr und wir lösen unsere Tickets. Tobias und ich, beide mit reichlich LSD-Festival-Erfahrung nehmen je 100ug. Sabine und Frank teilen sich eine Pappe. Sabine war im letzten Jahr unsere Tripsitterin. Ich freue mich riesig darauf, die Erfahrung diesmal mit ihr teilen zu können. Frank habe ich erst gestern kennengelernt. Wir haben noch nicht viel miteinander gesprochen. Aber wir stehen beide total auf abgedrehte Socken und posieren stolz mit unseren besten Exemplaren - gute connection!

Wir setzen uns langsam in Bewegung und marschieren mit einer Gruppe von ca. 10 Leuten in Richtung Festivalgelände. Dort angekommen wandern wir zielgerichtet zum Mainfloor. Langsam setzt die Wirkung des LSD ein. Die Erfahrung nimmt recht schnell an Fahrt auf. Frank signalisiert, er wolle den Floor wechseln. Keiner scheint sich seinem Anliegen anschließen zu wollen und so geistert in der ersten Phase des Trips eine leicht gedrückte Stimmung durch die Gruppe. Als Frank nach einiger Zeit voller Überschwang erkennt, dass die Mucke hier doch ziemlich fett ist, bricht eine erste Welle der Ekstase aus. Wie viel Zeit bisher vergangen ist, kann ich schon nicht mehr sagen. Die gute Laune führt die Gruppe zusammen und alle kramen die zweite Zündstufe aus der Tasche aus. Bei mir gibt es 110mg MDMA Kristalle. Die Vorfreude auf das, was nun kommt, steigert die Laune der Gruppe immer weiter.

Plötzlich packt Tobias eine Packung Lachgas und Luftballons aus. Alle grinsen sich an und springen hektisch auf Tobias zu. Keine zwei Minuten später stehen wir zu dritt mit gefüllten Ballons in der Runde. Nur Sabine hat noch keinen in der Hand. Tobias und mir wird die Warterei zu anstrengend und wir setzen uns an den Rand des Floors, um uns einmal durch den Orbit zu katapultieren. Noch während ich zu hyperventilieren beginne, sehe ich, wie sich auch Sabine einen Ballon befüllt und langsam auf uns zuläuft. Der folgende Flash ist das absolut abgefahrenste, was ich je in meinem Leben erlebt habe. Es zu beschreiben, ist schier unmöglich. Es schien, als würde sich das komplette Universum inkl. mir selbst in alle Einzelteile zerlegen. Als ich die Realität wieder einigermaßen wahrnehmen kann, sitzt Sabine bereits neben mir und atmet in ihren Ballon. Überwältigt von der Erfahrung rede ich wirr auf Sie ein und vergesse völlig, dass Sie ja gerade etwas ähnliches erlebt. Als ich das realisiere, halte ich inne und lasse die noch immer stark verzerrte Optik auf mich einwirken. Ich sehe Sabine bei ihrem Flug zu und habe das Gefühl, ihre Erfahrung mitzuerleben. Als sie wieder zu sich kommt grinsen wir uns beide freudestrahlend an und umarmen uns innig. Was für ein Einstieg.

Ich bin diese Technoparty

Nachdem der Effekt des Lufballon nachgelassen hat, spüre ich die ersten leichten Wellen des MDMA. Die Optics werden langsam weicher und gleichmäßiger. Das Tageslicht weicht immer mehr der zauberhaften Beleuchtung des Floors. Es ist einfach atemberaubend schön. Ich lasse mich immer mehr fallen und verliere zunehmend den Bezug zur Realität.

Plötzlich bricht Hektik in unserer Gruppe aus. Alle schnappen ihre Beutel und Taschen und verschwinden in der tanzenden Masse. Nur Tobias und ich, beide völlig hilflos dem substanzinduzierten Zustand ausgeliefert, bleiben perplex zurück. In mir macht sich leichte Panik breit. "Ist gerade etwas schlimmes passiert?" "Hat sich jemand verletzt?" "Wo sind alle hin?" Endlich kommt jemand zurück und holt uns ab. Wir kämpfen uns durch die tobende Menschenmenge. Ich fühle mich zu diesem Zeitpunkt extrem überfordert und habe keine Ahnung, was hier gerade passiert. Irgendwann macht die Gruppe halt, legt die Taschen ab und wir stehen alle direkt vor dem DJ Pult. Keinen Meter vor uns die massiven Tieftöner der Anlage und um uns die ekstatische Meute. Ich bin total überwältigt. In mir bricht ein riesiges Synapsenfeuerwerk los. So vieles prasselt auf mich ein, zu viel. Es übermannt mich. Ich stehe die ganze Zeit an der Klippe zum Zusammenbruch. Wenn jetzt etwas passiert, bin ich völlig ausgeliefert.

Ich suche am Rand der Gruppe nach etwas mehr Platz. Da läuft mir Yvonne über den Weg. Sie bemerkt meine Nervosität und fragt, ob alles ok sei. Ich sage ihr, dass ich etwas überfordert bin und äußere den Wunsch, die Gruppe wieder an eine etwas offenere Stelle zu verlagern. Doch anstatt meinem Wunsch zu folgen, nimmt sie mich an der Hand und geleitet mich wieder zurück vor das DJ Pult. Sie sieht mich an, lacht mir ins Gesicht und sagt: "Ich lass dich nicht allein!" Dieser Satz verändert alles. Ich fühle mich erlöst. All die Panik fällt von mir ab und ich kann voll in diese wahnsinnig intensive Erfahrung eintauchen.

Alles zerfließt. Alles vibriert. Alles ist eins. Ich sehe, wie die Musik entsteht. Der Bass bringt alles zum Beben. Die Luft zittert. Es ist warm. Es ist bunt. Es ist unbeschreiblich schön. Ich spüre den ganzen Raum. Ist das krass. Ich bin diese Technoparty. Fassungslos bleibe ich still stehen und atme alles ein, was mich umgibt. Direkt vor mir tanzen Yvonne und Sabine. Ich umarme die beiden, bedanke mich für ihren Halt und bitte Sie noch einmal eindrücklich, mich hier nicht alleine zu lassen. Mein Verstand ist ausgeknipst. Es ist pures Erleben. So etwas habe ich noch nie gespürt.

Plötzlich regt sich in mir ein natürliches Bedürfnis. Ich muss pinkeln. Mein Kopf rattert: "Alleine zum Klo? Keine Chance! Du brauchst jemanden zum Festhalten." Ich bitte Yvonne mich zu begleiten. Sie nimmt mich an die Hand und führt mich aus der Masse heraus. Es ist als würden wir durch eine große bunte Technowolke wandern. Nur durch den Kontakt unserer schweißnassen Hände winkt mir die Realität aus der Ferne zu. Am Klo angekommen, fragt sie mich, ob ich den Rest alleine schaffe. Ich lache laut und klettere in die Holzkabine. Die Dunkelheit der Kabine wird immer wieder durchbrochen von berstenden Lichteffekten, die eine unfassbar zauberhafte Aura versprühen. Das dumpfe Dröhnen reißt mich in eine tiefe Trance. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich wieder zu mir komme und die Kabine verlassen kann.

Auf dem Weg zurück ist Yvonne wieder ganz nah bei mir. Als wir den bunt erleuchteten Floor erreichen, bleiben wir stehen und genießen die atemberaubende Atmosphäre. Ich spüre, wie sie meine Nähe sucht. Und auch in mir regt sich die Sehnsucht nach dieser Verbindung. Ich bin jedoch noch viel zu überfordert, um ihr mit Zuneigung zu begegnen. In diesem Moment bin ich einfach nur dankbar dafür, dass sie für mich da ist. Alles ist gut so wie es ist. Wir begeben uns langsam zurück zur Gruppe und tanzen weiter ausgelassen in die Nacht.

Fassungslosigkeit vor Mitternacht

Bald spüre ich, wie die Wirkung des MDMA abebbt. Ich denke gar nicht daran, nachzulegen. Stattdessen überkommt mich die Erleichterung darüber, wieder etwas Klarheit spüren zu können. Bald bin ich erschöpft und entschließe mich dazu, den abklingenden Rausch bei einem entspannten Rundgang über das Festivalgelände zu genießen. Mein Kopf ist noch immer völlig leer. Ich irre ziellos umher und staune über all die bunten Lichter und fröhlichen Menschen um mich herum.

Nach einer Weile begebe ich mich zurück zur Gruppe. Auch dort macht sich bei einigen die Erschöpfung breit. Wir setzen uns an einen ruhigen Platz und Yvonne baut einen Joint. Ich sitze völlig apatisch in der Runde. Als sie mich fragt, ob alles ok sei, schafft es nur ein einziger Satz über meine Lippen: "Das war der abgefahrenste Trip meines Lebens!" Sie schaut mich an und erwidert: "Und der ist noch lange nicht vorbei." Verdutzt frage ich nach der Uhrzeit. "Es ist 23:00 Uhr." Mich trifft der Schlag. Seitdem ich die Pappe genommen habe, sind erst vier Stunden vergangen. Ich fühle mich, als hätte ich die ganze Nacht durchgetanzt. Die Apathie wird stärker. Nachdem wir den Joint geraucht haben, wandere ich erneut über das Gelände. Ich brauche etwas Ablenkung. Eine Weile tanze ich auf einem anderen Floor. Die Musik hier ist ruhiger, sehr hypnotisch. Das entspannt meinen entsetzten Geist, der die ganze Zeit nach Antworten sucht. Ich setze meinen Spaziergang fort und spreche Menschen an, die mir den Eindruck vermitteln, ähnlich hilflos zu sein wie ich. Ich frage sie, wie es ihnen geht und erhalte zumindest immer ein Lächeln. Ein beruhigender Gedanke gedeiht: "Du bist nicht allein. Hier ist alles gut." Zufriedenheit kehrt ein.

Ohne mich von der Gruppe zu verabschieden wandere ich zurück zum Zeltplatz. Wie spät es ist, kann ich noch immer nicht sagen. Ich sehne mich nach Ruhe und Schlaf. In meinem Zelt angekommen kann ich endlich reflektieren. Bevor ich einschlafe, fällt mir jedoch nur ein einziges Fazit dieser Reise ein: "Das hast du verdammt nochmal nötig gehabt!"






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