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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Take me home DOC
Drogen:2C-B
Autor:betonmischa
Datum:21.09.2018 12:44
Set:Erschöpft von 2 Tagen per Anhalter Fahren und doch euphorisch durch Vorfreude auf das Festival
Setting:Spanien auf dem Land, sengende Hitze und trockene Luft
Nützlichkeit:9,23 von 10 möglichen   (22 Stimmen abgegeben)

Bericht:

5:45 Uhr morgens am Stadtrand von Cacéres, Spanien. Im sachten Licht der Dämmerung krieche ich aus meinem notdürftig errichteten Zelt. Die Weide, die sich von allen Seiten über mir hinabbückt dient als Blickschutz für mein kleines Nachtgelage. Tag 2 bricht an und ich bewege mich samt eingepacktem Zelt wieder Richtung Straße, mit der Hoffnung, dass ich es an diesem zweiten Tag schaffen werde das Festival im Herzen Portugals zu erreichen.
Wer hätte gedacht, dass man per Anhalter für eine Strecke von 360km Tage brauchen kann...
Mit ausgestrecktem Daumen blicke ich dem sich errötenden Himmel entgegen, bereits mit der Vorahnung, dass heute ein sehr heißer Tag werden wird.
Jemand hält, ich springe rein, fahre vielleicht 30km mit - das Ganze im Austausch gegen ein wenig Smalltalk und "muchas graçias". Dieses Szenario wiederholt sich ettliche Male. ich komme zwar langsam, aber konstant voran. Bis ich mich in einer Kleinstadt nahe der portugiesischen Grenze wiederfinde. Nah genug, um in mir die Hoffnung zu erwecken jemanden zu finden, der das gleiche Ziel hat wie ich und mich dort hin mitnimmt.
Meinen Rucksack an der Tankstelle deponiert, laufe ich die Hauptstraße auf und ab, nach allen Richtungen luegend.
Ein Bellen bringt mich dazu abrupt nach links zu sehen und ich erkenne ein Paar in einem Restaurant im freien Sitzend. An ihrer Seite 2 große Hunde. Gebellt hat die weiße Hündin, die Ähnlichkeit hat mit einem deutschen Boxer. Der Schäferhund Mischling hingegen liegt unter dem Tisch, still, jedoch nicht unberührt von der zunehmenden Hitze der Vormittagszeit. Ich betrachte das Paar genauer und erkenne Tattoos, Piercings, gefärbte Haare und selbstgemachte Kleidung. Volltreffer!
Ich beobachte die Szene noch ein wenig bis ich beschließe Kontakt aufzunehmen. Die beiden Spanier nehmen genüsslich den Rest ihres mediterranten Frühstücks zu sich, während wir entspannt miteinander Reden. Durch das langwierige Trampen ist mein Spanisch aufgetaut und wir verstehen uns auf anhieb. Die Frage ob die beiden denn zum Boom Festival fahren, erwidern sie erstmal nur mit einem breiten Grinsen.
"Wir waren vor ein paar Tagen schon so gut wie dort" sagt das Mädel, "doch dann wurden wir weggeschickt, weil wir keine Tickets hatten, nicht mal dort in der Nähe durften wir uns aufhalten." - "Que mal!" erwidere ich mitfühlend. "Jetzt aber wollen wir wieder dort in die Nähe fahren und schauen, ob wir reinkommen - wir suchen nur jemanden mit einem Ticket!" - "Que coincidencia!" rufe ich, denn ich ein Ticket habe ich und 2 Tagen versuche ich nur dieses Festival zu erreichen. Uns wird schnell klar, dass wir einander gefunden haben und mit großer Genugtuung trinke ich das halbe Glas frisch gepressten Orangensaft, das mir das nette Mädel.
Schließlich hole ich meinen Rucksack von der Tankstelle ab und wir gehen zum Auto des Paars. Sie erzählen mir, dass sie, nachdem sie weggeschickt wurde, es sich auf einem Campingplatz in der Nähe gemütlich gemacht haben. Dort müssten wir nur noch ihren Caravan-Anhänger holen und dann kann's losgehen. Euphoriegeladen springen wir in ihren älteren Mercedes SUV. Die Hunde mit dem Mädel auf dem Rücksitz, ich als Beifahrer und der Typ am steuer. Er ist Mechaniker, erfahre ich, und dass er alle Arbeiten an dem Auto und dem Anhänger selbst erledigt. Ist wahrscheinlich auch wichtig bei dem Lifestyle, den die beiden fahren.
Wir erreichen nach etwa 20 Minuten den Campingplatz. Er erstreckt sich um einen mittelgroßen See, der Schimmernd die Mittagssonne reflektiert. Um den See herum erstreckt sich eine Hügelkette, deren Südteil den Campingplatz beherbergt. Die Aussicht ist atemberaubend und ich kann verstehen, warum die beiden sich erstmal hier niedergelassen haben. Der Wohnwagen steht gut befestigt auf einer ebenen Stelle, daneben Apparaturen wie Generator, Kühschrank und kleine Toilette. Das Paar zeigt mir erst ihren Wohnwagen von innen - ein klassischer Hippiewohnwagen wie man sich das so vorstellt. Reichlich platz zum chillen, Mandalas, Holzarbeiten und gute Vibes. Das Mädel und ich nehmen auf einem der Betten Platz während der Typ im hinteren Teil des Wohnwagens am werkeln ist. "Wir rauchen noch schnell 'ne Tüte und dann geht's los mit dem Zusammenpacken - willst du auch eine drehen?" fragt sie mich und hält mir lächelnd ein Stück weiches Hasch und etwas Tabak hin. Ich sehe nichts, was dagegen spricht und fange an zu drehen und weiter mit ihr zu quatschen. "Unser Plan war es eigentlich vor dem Festival auf dem Pre-Campingplatz etwas Hasch zu verkaufen und uns dadurch das Geld für die Tickets zu erarbeiten, doch leider hat alles nicht so hingehauen. Jetzt haben wir 1kg Hasch, aber keinen der es kaufen möchte..." - "Ein Kilogramm" flüstere ich beeindruckt vor mich her und ernte dafür ein bejahendes Nicken.
Ich bin fast fertig mit den Dreharbeiten, als der Typ mich fragt ob ich denn etwas Doc möchte. Meine Augenbrauen gehen instinktiv nach oben. "Doc que es?" frage ich neugierig, um mehr über die Substanz zu erfahren. Die Antwort, dass es sich um ein psychedelisches Amphetamin handelt und, dass es von Shulgin ist, genügt mir und ich willige ein. Schließlich bin ich mental schon auf der Boom und bereit für das Abenteuer.
Nach ein wenig Diskussion über Dosierung und Wirkungsweise kriege ich eine schön geschliffene Glasplatte unter die Nase gehalten mit 2 schmalen weißen Linien darauf. Eine etwa mit der Länge meines Daumennagels und die andere halb so groß. "Ist das nicht etwas viel für ihn?" kommentiert das Mädel im vorbeilaufen, nachdem sie einen flüchtigen Blick auf die Glastafel geworfen hat. Der Typ erwidert mit einem Kopfschütteln, das seinen blonden Irokesen zum schwingen bringt. "Ich nehme die doppelte Dosis" fügt er an und lächelt. Wird schon passen, denke ich und befördere den Doc in Richtung Schleimhäute. Es brennt. Die andere Line verputzt er und stürmt raus um den Caravan abreisefertig zu machen.
Nach wenigen Sekunden verteilt sich das Brennen als leichte Wärme in meinem Kopf sowie Oberkörper und ich verharre gespannt auf der ausgeklappten Couch im Caravan. Das Interieur betrachtend, entdecke ich viele kleine Details, die darauf hindeuten, dass sich die beiden hier wirklich ihr kleines Paradies geschaffen haben. Mir fallen bebrannte Holztafeln ins Auge, mit psychedelischen Mustern oder Portraits von den beiden Weltenbummlern. "Die machen wir selbst! Mit einem Laser" merkt das Mädel an. Verrückt, was man alles machen kann, um über die Runden zu kommen. Ich fühle mich inspiriert. Mein Blick schweift weiter bis er an der offenen Caravantür hängen bleibt. Ich blicke nach draußen und sehe die trockene Landschaft, die Hügel übersäht von Bäumen und der Himmel klar und blau. Und hellblau. Und dunkelblau - fast schon violett. "Es geht schon los..." sage ich erstaunt in die Richtung des Mädels, welches sich daraufhin das Grinsen verkneifen muss.
Es ist keine 5 Minuten her, dass ich mir das Zeug reingepfiffen habe und ich vernahm schon eine Wirkung, die mich staunen ließ. Zeit nach draußen zu gehen! Ich stolpere aus dem Caravan hinaus in's Freie und finde mich in einer unvergleichbaren Landschaft wieder. Die Sonne steht fast senkrecht am Himmel und trägt ihren Teil zur Intensität des Geschehens bei. Ich blicke um mich herum und merke die Dynamik im Detail meines Blickfeldes. Als würden die kleinstmöglichen Teilchen von innen heraus Vibrieren und mich daran teilhaben lassen. Wenige Minuten auf dem offenen Plateau verstreichen und ich merke, dass mir die Sonne zu viel wird. Außerdem macht sich noch mein Darm bemerkbar, der die letzten Tage auf den Landstraßen Spaniens leider zu kurz kam. Ich beschließe einen kleinen Spaziergang gen Schatten zu unternehmen und dort genüsslich meine Notdurft zu verrichten. Ich sage dem Mädel bescheid und gehe von dannen. Auf meinem Weg den Hügel hinab höre ich die Chica mir hinterherrufen: "Me llamo Soaniaa!"
Ich rufe meinen Namen zurück und muss lachen - wir kannten noch nicht einmal unsere Namen, fühlten uns jedoch schon wie Geschwister. Wie schön!
Ein schattiges Plätzchen unter einem flachen, weitgefächerten Baum scheint mir bestens geeignet zu sein, um meinen Balast loszuwerden. Aus sitzender Perspektive betrachte ich den See der ein paar hundert Höhenmeter tiefer in vollem Azurblau erstrahlt und mir entgegenfunkelt. Ich bemerke wie mein Herzschlag schneller wird - eine gewissen Aufregung macht sich in mir breit. Ich kann den Amphetaminanteil klar herausfühlen -das Zeug pusht mich ordentlich. Nach dem Toilettengang überkommt mich der Tatendrang und ich blicke in alle Richtungen, versuche alles zu sehen was es zu sehen gibt. Bleibe bei der Baumrinde direkt vor meiner Nase kleben und sehe wie sie vor meinen Augen erodiert, aufplatzt, etwas von innen nach außen dringt. "Wow..." flüstere ich leise zu mir selbst und beschließe zurück zum Caravan zu laufen. Ich bewege mich schnell und fast ruckartig durchquere ich die hügelige Szenerie. Meine Gedanken rasen und mir fällt beim Laufen ein, dass ich meine Freundin anrufen könnte, um sie über jüngste Ereignisse in Kenntnis zu setzen. Meine Hand schießt in meine Gürteltasche und zack ist das Handy an meinem Ohr. Ich setze mich nochmal abrupt in den Schatten und höre sogleich die engelsgleiche Stimme meiner Geliebten, welche sich bereits auf dem Festivalgelände befindet.
"Hallooo!" ruft sie mir sanft entgegen und ich realisiere, dass ich an der Reihe bin zu sprechen. "Hey" stottere ich heraus und versuche einen Gesprächsfaden zu finden. Bruchstückhaft stelle ich meiner Maus die Situation dar - einschließlich der Substanz, welche immer stärker zu wirken beginnt. "Woah, die Gorillas laufen um den See!" falle ich ihr in's Wort, welchem ich eh nicht folgen konnte. Die Baumgruppen ringsum den See scheinen zum leben zu erwachen, sich zu mobilisieren und wie kleine muskulöse Gestalten um das Wasser zu marschieren. Ein Gorillastreifzug eben. Spätestens an dieser Stelle merkt meine Freundin am Telefon, dass ich mit der Aussage "...ich bin hier voll am abtrippen!" nicht übertrieben habe. "Komm einfach schnell her, dann kannst du hier entspannen und dich deiner Reise hingeben." Grandiose Idee, hatte ich ja eh vor!
Als wir merken, dass das Gespräch nur noch wenig an Inhalt vermittelt, beschließen wir aufzulegen. Ich finde mich allein und aufgekratzt unter dem Baum wieder und setze meinen Weg fort in Richtung Caravan. Hastige Schritte bringen das trockene Geäst unter meinen Sandalen zum brechen. Ich spüre die Dürre, die an allen Lebewesen zehrt, welche sich abseits des Schattens aufhalten.
Ein aufgeschrecktes Bellen heißt mich auf dem Campingplatz willkommen, gefolgt von einem spanischen Ausruf, um die Hündin ruhig zu stellen. "Sie macht nichts, sie ist sich nur ihres Reviers bewusst und möchte es verteidigen" erläutert Sonia. Und in der Tat spüre ich keine Anzeichen von Gefahr ausgehend von diesem Boxermischling. Über den Campingplatz stapfend, sehe ich wie Sonias Freund Alvaro sich voller Elan unter den altertümlichen Wohnwagen wirft, um etwas darunter festzuschrauben.
Alles flimmert und glitzert, wo ich nur hinsehe. Ohne einen Auftrag stolpere ich umher und lasse mich, von Anspannung gedrungen, unter einem Baum am Abhang zur Seeseite nieder. Ich versuche etwas klar zu kommen, doch merke schnell, dass das nicht mehr in meiner Macht steht. Der Doc scheint die Überhand zu gewinnen und mich durch die Welt zu schieben wie einen Einkaufswagen. Mit meinen Blicken versuche ich um mich zu greifen, doch er ist überall und er lässt nicht locker.
"Alles gut?" höre ich hinter mir fragen. "Ja" antworte ich "dieser Doc ist nur so stark" presse ich anschließend hervor. Interessanter Weise entweicht mir die spanische Sprache noch einfacher als sonst. Alvaro scheint verwundert über meinen Zustand, er hatte ja die doppelte Dosis genommen und stand da wie eine 1. Man muss dazu sagen, dass er das Zeug wohl schon die letzten Tage im Einsatz hatte.
Die Optics nehmen zu, so sehr, dass ich sie schon eher als Haluzinationen bezeichnen würde. Mein Sitzplatz wird merklich ungemütlicher und ich beschließe wiedermal den Ort zu wechseln. Eine gewisse Getriebenheit macht sich in mir breit. Ich handle direkt und unvermittelt. Das Auto scheint fast startklar, also steuere ich darauf zu und räume mir den Beifahrersitz frei von literweise Kram, der darauf verteilt ist. Im Auto sitzend entgleitet mir die Situation völlig. "Was ist hier los?" höre ich mich denken, völlig Orientierungslos und unter Hochspannung.
Eine unbestimmte Anzahl Minuten vergeht und Sonia findet sich auf dem Rücksitz ein, zusammen mit den 2 Hunden. Sie versucht mir mitzuteilen, dass sie meinen Rucksack in den Wohnwagen gelegt haben. Sie muss mich an der Schulter berühren, um mir zu verstehen zu geben, dass sie mit mir redet. Ihr gesicht verschwimmt und die Akustik wird überdeckt vom hastigen Hecheln der beiden, von Hitze erschöpften Hunde. Sie merkt, dass mir das Zeug sehr zusetzt, kann jedoch wenig machen. Das Auto unter mir erbebt und das brummen des Motors durchdringt mein inneres. Es geht los. Was eigentlich geht los? Die Landschaft bewegt sich an uns vorbei, während die Hunde immernoch nicht zur Ruhe kommen wollen. Ihr schnelles Ein- und Ausatmen gibt mir das Gefühl gejagt zu werden. Gejagt von mir selbst, auf der Flucht vor etwas das mir im Nacken sitzt und doch nur in meinem Kopf existiert.
Wir fahren durch ein Dorf, es erscheint mir wie auf einem anderen Planeten. Die Menschen gehen ihrem gewohnten Tun nach, viele Blicke richten sich auf unser Fahrzeug mit anhängendem Caravan. Keinen davon kann ich deuten, geschweige denn erwidern. Noch ein Dorf, oder das gleiche Dorf? Wir fahren bergab und bergauf, links und rechts. Alles gleichzeitig und viel zu intensiv als, dass ich irgendetwas davon verinnerlichen könnte. Die spanische Landschaft prasselt auf mich ein, im Takt der hechelnden Hunde.
"Musica..." höre ich mich keuchen. "Si, claro" antwortet Sonia und bittet Alvaro Musik zu spielen. Ich blicke auf den Fahrersitz zu ihm herüber und sehe wie sein Iro zusammen mit seiner sitzenden Statur die Form eines Strudels einnimmt und einen Sog auf mich auswirkt. Schnell wieder nach vorne schauen. Seine Hände fummeln am Autoradio rum, das meiner Wahrnehmung nach mit einem Dutzend Kabeln an ihm, seinem Smartphone und dem Auto verbunden ist. Musik ertönt, erst höre ich nur Höhen, die durch mich durchzischen wie sich öffnende Ventile bis irgendwann der Bass einsetzt. Mein Unterkörper versteift, so als hätte das Wummern ihn fest im Griff. Aus dem Fenster schauend erkenne ich auf einmal eine Ladentheke, die auf der Stelle zu stehen wirkt. Nein wir stehen auf der Stelle. Ich wende meinen Kopf und sehe wie Alvaro sich von draußen in's Auto lehnt und etwas zu mir sagt. Ich höre das Wort "Dinero" heraus. Geld - Tankstelle - Autofahren. Hastig zücke ich meinen Geldbeutel, welcher sich von selbst auffaltet und Scheine entblößt, die ich sogleich rüberreiche. Fern von jeder Einschätzungsgabe entweichen mir auf diese Weise 30€, doch das ist mir in diesem Moment mehr als egal.
Der Motor springt mit einem Rums wieder an und wir rollen los. Ich kralle mich am Sitz fest und spüre wie der Doc mehr und mehr die Überhand gewinnt. Die Straße führt uns durch Täler und über Hügel. Jede kurve die wir nehmen erscheint mir wie die Fahrt entlang einer dreidimensionalen Spirale. Immer repetitiver. Eine helixförmige Achterbahn. Auf der hechelnden Flucht nach einen Ort, der nicht näher zu kommen scheint und dessen Existenz für mich in immer abstrusere Ferne rückt.
Ich bemerke wie Sonia mit mir spricht. Sie fängt an zu erklären, wie meine Reise wohl verlaufen wird. Die Worte hallen im meinem Kopf wieder und erreichen mich wie Morsecodes, welche sich von selbst zu entschlüsseln scheinen. Sie redet von 2 Trip-Peaks, welche es zu überstehen gilt, bei einer starken Dosis von diesem Zeug. Sie hatte mir zuvor von ihrem Erlebnis erzählt, als sie durch eine Fehldosierung die 125-fache Menge von N-BOM erwischt hat. Und dass ihr dabei nur Wasser, ein Eimer und reichlich Platz zum Toben beim Überstehen geholfen haben. Aber sie hat es überstanden und ist daran gewachsen.
"Und danach wirst du einen Tag voll unwirklicher Schönheit haben!" sagt sie zuletzt. Und sie sollte recht behalten. Doch jetzt gerade bin ich derartig im Moment und auf Sendung, dass es mir in keinster Weise möglich ist mir einen Zeitpunkt vorzustellen, der nicht das Jetzt und Hier ist. Dennoch nehme ich ihre Nachricht und Anteilnahme zur Kenntnis und wir setzen unsere Achterbahnfahrt fort. Auf und ab, immer tiefer hinein. Im Klang mystisch industrieller Musik und begleitet von hastigem allesumgebenden Hundeatem. Es saugt mich hinein. Ich werde. Ich bin gezwungen zu werden, doch ich wiedersetzte mich. Ich will nicht loslassen von der Realität, dem Bekannten und Einschätzbaren. Der psychdelische Realismus packt mich und ich werde mir der Seltsamheit, Zwielichtigkeit und Zeitweiligkeit der ganzen Situation bewusst. Werde ich für immer auf dem Weg zur Boom sein? Bin ich mit diesen hardcore Hippies in ihrem Film gefangen?
In diesem absurden Gedankenkomplex erscheint mir meine Freundin. Sie ist da draußen, in dieser Welt, zu welcher ich immer mehr den Bezug verliere. Ich hole mein Handy raus, drücke und wische darauf rum und rufe sie an. Wir reden. Was wir reden weiß ich nicht, aber die Stimme wirkt beruhigend auf mich. Tief atmen geht mir durch den Kopf - wahrscheinlich hat sie das gesagt. Ich befinde mich am Ende des Gesprächs, das an mir vorbeigeschwebt ist wie eine bequemierende Wolke.
Das Auto hält abrupt an, Sonia macht das hintere rechte Fenster runter, während die Musik synchron dazu leiser wird. Das Männchen, das ich am Straßenrand geträumt habe zu sehen, fragt:"You going to Boom?!" und Sonia antwortet lautfröhlich mit "Yeah Boom! Let's go!!" Sie fängt sogleich an hinten rumzukramen und ein Hundebellen verpasst mir einen ordentlichen Schock. Die Eindrücke lassen nicht nach. Jemand setzt sich in's Auto, entzieht sich jedoch weiterhin komplett meines Blickfelds. Immernoch unter Hochspannung, sehe ich keine Möglichkeit mich umzudrehen, noch weniger ein fremdes Gesicht in einer schon so fremden Welt zu erblicken und schon gar nicht mit diesem zu interagieren.
X Minuten vergehen und die neue Person im Auto beginnt Laute von sich zu geben. Ich vernehme gebrochenes Englisch mit hebräischem Akzent. Eine mir bekannte Kombination. Er spricht Dinge, die mir geläufig erscheinen, sich jedoch unglaublich weit weg anfühlen. Er redet von Charras; Charras from India. Smoke with Chillum. Parvati Valley best Charras. Kann das sein? Ist es möglich, dass dieser Typ gerade von einem Ort am anderen Ende der Welt berichtet, an dem ich vor weniger als einem Monat jenes besagte Charras im Chillum rauchte? Ich bin verblüfft und mache Anstalten der Anteilnahme. Die Welt um mich herum gerät in Aufruhr und ich spreche. "Yeah, best Charras" quetsche ich unsicher heraus. Meine Hände krümmen sich vor Anspannung, sie aufzumachen erfordert ungeheure Energie. Ich setze meine Cap ab. So wie gerade schon... Oder habe ich sie dazwischen nochmal aufgezogen? Blanke verwirrung macht sich wieder in mir breit und bringt mich zum Schnaufen. Links über meiner Schulter erscheint ein okkerfarben-getontes Chillum mit glühendem Inhalt und aufsteigenden Rauchschwaden. Ich weiche zurück und Alvaro greift zu. Chillumrauchen am Steuer. Was kommt als nächstes? Wir fahren den helixartigen DNA- Strang auf und ab und ich hänge im Beifahrersitz wie ein Schluck wasser in der Kurve. Telefonate mit meiner Freundin passieren, doch höre ich mich nicht mit ihr reden. Ich vergesse am laufenden Band was ich bin und wo, doch es tut weiterhin gut ihre Stimme zu hören. Eine Stimme von außerhalb dieses selbstkreierten Wahnsinns, die zu mir vordringt.
"Manchmal hilft es sich zu übergeben" ertönt in meinen Ohren. Kann sein. Ich nicke und mache Anstalten, demnächst aussteigen zu wollen, woraufhin das Auto in einer sandigen Autobucht bremst. "He feels not good..." höre ich auf dem Rücksitz erklingen. Wir halten und ich steige aus, gefolgt von allen anderen Passagieren. Ich erblicke den Mann, der mir bisher verborgen blieb. Eine schmächtige Gestalt mit zusammengebundenen schwarzgrauen Dreadlocks und einer schwarzen Sportsonnenbrille. "No, he is not good! I can feel." stellt er fest. Und der Unbekannte hat recht. Hoffnungsvolle Gesichter gesellen sich zu ihm und mir fällt ein weswegen ich überhaupt auf den Beinen bin. Ich drehe mich um und laufe in Sinuskurven richtung Böschung. Mit jedem Schritt wird meine Atmung heftiger, bis mein Körper sich auf die Knie begibt und ich bereit bin loszulassen. Es muss raus. Ich stecke mir Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger in den Hals und fange an zu würgen und zu husten. Ich merke wie die Körperfunktion des Würgens und Erbrechens meinen Körper intrinsisch von innen nach außen kehrt. Mir erscheint wieder die allumfassende Helix und für genau einen Moment verschmelze ich mit ihr. Es ist als durchdringt etwas meinen Körper der Längsachse nach. Als wäre ich für diesen einen Moment das Medium gewesen für etwas, das sich nicht in Worte fassen lässt.
Sonia taucht an meiner Seite auf, hilft mir aufzustehen und bietet mir etwas Wasser an. Ich übergieße mich damit und erhasche dabei den einen oder anderen Schluck. Ratlos schaue ich in ihre Richtung und versuche zu verarbeiten was gerade mit mir geschah. "Besser?" erkundigt sie sich und bringt mich damit ein Stück näher zu mir selbst. Geht es mir besser? Wie ging es mir denn vorher? Das "Ja" ertönt aus meinem Inneren und wird mit einem erleichterten Grinsen aufgenommen. Ich fühle eine tiefe Verbundenheit zu Sonia. Wir stehen am Auto und ich versuche mich selbst zu Ordnen. Gedanken schießen mir durch den Kopf, welche immer mal wieder von Erkenntnissen gekrönt werden. Eine ausgeprägte Erkenntnis macht sich in akustischer Form bemerkbar, als würde das beständige Summen in meinem Kopf einen Höhepunkt erreichen, genau synchron mit dem dem revellierenden Gedanken in meinem Kopf.
Wir stehen in der kleinen Runde am Auto, alle scheinen tief zu atmen. Ich wende mich Sonia zu und möchte etwas sagen, doch bevor ich etwas von mir gebe, erkenne ich in ihrem Gesicht ein Grad an Mitgefühl, das alles übersteigt was ich zuvor von einem mir wenig bekannten Menschen erfahren habe. Ich verwerfe das was ich sagen wollte und gebe nur "..du fühlst mich, nicht wahr?!" von mir. Sonia wirft mir ein positives Nicken zurück und ich bin fasziniert. Mir wird Bewusst, dass Worte nur die akustische Manifestation einer Botschaft sein, und auch nur ein gewisses Spektrum von ihr abbilden können. Ebenso sind sie entbehrlich, sofern man es schafft aus seinen Gedanken heraus in den Moment zu gelangen und sich zu öffnen.
Diese 3 Menschen an meiner Seite leben genau das. Den Moment. Zu 100% in der Gegenwart und verbunden mit allem. Wow! Und das Summen in meinem Ohr hellt sich wieder auf und durch diese Klimax erhellt sich sogar meine sichtbare Umgebung. Ein Blick in die mir zugewandten Gesichter verrät mir, dass diese Erkenntnis nicht meine ist, sondern unsere, wenn nicht sogar die der Menschheit. Ideen gehören niemandem und doch allen, die sie zu denken und teilen vermögen. Anspruch auf sie ist nichts anderes als Gier und Angst. Angst die Kontrolle zu verlieren.

Die Situation scheint entschärft und wir setzen unseren Weg fort.
Kaum losgefahren, geht das gleiche Spiel wieder von vorne los. Die Doppelhelix rauf und runter im Hecheltakt. Ich strample mit den Beinen um eine bequemere Position einzunehmen - vergebens. Die Momente verstreichen und Landschaft zieht an uns vorbei. Hin und wieder habe ich mein Handy in der Hand und die Stimme meiner Freundin im Ohr.
An einer Kreuzung ist sich Alvaro des Weges nicht ganz sicher und hält erstmal an. "Fragen wir doch" schlägt Sonia vor. "Si, claro!" bejaht Alvaro. "Fragen wir die Polizei" sagt er dazu. Die Polizei!? Ist er wahnsinnig geworden? Ich merke wie mir unwohl wird, meine bayrische Paranoia schlägt voll zu, doch bevor ich einen Mucks machen kann senkt sich das Fenster auf meiner Seite und ein Mann in grüner Uniform und schwarzer Sonnenbrille lehnt sich nah zu mir heran. Alvaro spricht, Sonia hakt nach. Der Polizist lächelt und zeigt mit dem Finger in eine Richtung. "Graçiaaas!" höre ich Sonia singen und das Fenster erhebt sich wieder wie von selbst.
Ich sitze mit offenem Mund da, atemberaubt von der Situation. "Die Polizei in Portugal ist wirklich nett!" sagt Sonia auf mein Gefühl hin. "Sie helfen dir immer weiter, machen so gut wie nie Probleme." Schön, denke ich mir und erhole mich langsam von dem Schock.
Wir fahren weiter, zunehmend bergab und über unebenes Gelände. Es erinnert an Steppe. Nach einigen ungezählten Kurven erscheint etwas riesiges und buntes in meinem Blickfeld. Wie das Tor zu einer anderen Welt erstahlt ein pastellfarbener Regenbogen aus gespannten Planen und kennzeichnet den Eingang. Ich setze einen fragenden Blick auf und drehe meinen Kopf zu Sonia. Sie nickt. "Boom!" höre ich jemanden sagen. Tatsächlich, ich habe es nicht mehr für möglich oder wahrscheinlich gehalten, doch nun waren wir da.
Ein junger Typ tritt an das Auto heran und beginnt mit Sonia zu reden, bezüglich ihres Nichtbesitzes von Tickets. Ich merke, dass die Situation an Spannung zunimmt, jedoch überwiegt die Erleichterung, dass diese Astralfahrt nun ein Ende hat. Meine Freundin ruft mich an und fragt mich wie unser Auto aussieht und auf welcher Seite des Tores ich mich befinde. Sichtlich überfordert mit all diesen Fragen drücke ich Sonia mein iPhone in die Hand und bitte sie mit meiner Freundin zu sprechen. Ich blicke aus dem Fenster und versuche etwas zu erkennen. Eine Lady bewegt sich mit anmutigen Schritten auf das Auto zu, mit einem Klapptelefon am Ohr. Ihr Haar ist blond und zusammengebunden. In ihrem Gesicht funkeln aufgeklebte Diamanten und eine eierschalenfarbene Tunika umspielt ihren Körper. Es ist sie.
Ich öffne die Tür, mache einen Schritt auf den trocken-staubigen Boden und falle in ihre Arme. Das Gefühl, als wäre ich soeben von den Toten zurückgekehrt, durchfährt mich. Ich zittere und atme heftig, gezeichnet von den 2 Tagen per Anhalter Fahren mit einer verschärften letzten Etappe.
Meine Mitfahrer holen meinen Rucksack und ich stelle, immernoch recht verwirrt, meine Freundin vor. Allgemeine Erleichterung macht sich breit. Meine bessere Hälfte tauscht noch Kontaktdaten mit Sonia aus und ich umarme alle noch ein letztes Mal bevor wir von dannen ziehen. Beim Umarmen des zugestiegenen Israeli stutze ich. Ich stutze weil ich eine immens starke Verbindung zu diesem Menschen spüre, wir jedoch kein Wort miteinander gewechselt haben und ich somit nicht wusste auf welcher Sprache ich ihm leb wohl sagen soll. Eine feste Umarmung tut's auch.
Ich betrete mit meiner Liebsten das Festival und überblicke den See an dem es sich erstreckt. Der Doc hat etwas an Stärke abgenommen und nur noch visuell flimmert alles aus sich heraus und kitzelt meine Wirbelsäule entlang.
Ein schrilles Lachen entfährt mir beim unwirklichen Anblick dieses einzigartigen Festivals. Einige Besucher ziehen die Brauen hoch, andere lachen mit. "Ich bin angekommen..." denke ich laut und meine Freundin nimmt meine Hand und führt mich behutsam näher zum lang ersehnten Ziel.






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