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Übersicht:

Titel:Kurzschluss im Gehirn (mit LSD)
Drogen:LSD
Autor:Miscanthus
Datum:07.11.2018 00:14
Set:Entspannt, gut vorbereitet, aufgeräumter Kopf
Setting:Tagsüber zu Hause
Nützlichkeit:8,50 von 10 möglichen   (8 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Kurzschluss im Gehirn


Der folgende Bericht liefert keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse und soll in seinem Aufbau bewusst etwas an die Zerfahrenheit in meinem Kopf anknüpfen und diese anschaulich machen, dazu auch einige Beispiele aus meinen Tripaufzeichnungen.


Seit Monaten spielte ich, 29 Jahre alt, mit dem Gedanken, allein auf LSD in einer etwas höheren Dosis zu trippen. Trips mit bis zu 150 Mikrogramm 1P-LSD hatte ich schon hinter mir, allerdings war da stets jemand anwesend. Da ich mich als psychisch sehr stabil und gefestigt beschreiben würde, hatte ich auch keine Angst, allein zu trippen und wählte als Dosis 200 Mikrogramm, was zwei Pappen meines Vendors entspricht.
Ich habe mich auf den Trip intensiv vorbereitet und lange auf den passenden Zeitpunkt gewartet. Da ich z.Z. freitags frei habe und da also schon entspannen und ausschlafen kann, beschloss ich, an einem Samstag Ende September morgens relativ früh aufzustehen, eine Kleinigkeit zu Frühstücken und dann etwa ein bis zwei Stunden später meine Tickets am Checkinschalter abzugeben. Dazu habe ich mir vorher Playlists angelegt, Schallplatten rausgelegt, viele Mal- und Zeichenutensilien angeschafft und bereitgelegt, Tee gekocht, kleinere Süßigkeitenrationen bereitgestellt und bereits am Tag vorher Pizza gebacken, damit ich dann für die Phase des Abklingenden Trips etwas zu Essen habe. Zudem hatte ich mir eine DVD mit einem Mantra-Konzert von Krishna Das eingelegt (dies wird später noch von besonderer Bedeutung werden). Durch die guten Vorbereitungen wollte ich mir „safe points“ schaffen, an denen ich mich bei Bedarf entlang hangeln kann. Zufällig war ich am besagten Tag auch gar nicht völlig allein, da im Haus eine gute Freundin anwesend war (meine Wohnung ist jedoch separat).

Bereits nach etwa 30 Minuten bemerkte ich erste Effekte und an der Art und Weise, wie der Trip anflog, ahnte ich bereits, dass es ein relativ starker Trip werden dürfte. In den ersten 1 ½ Std. nach Einnahme entspannte ich einfach auf dem Sofa, versuchte zu meditieren, was mir aber nicht gelang, deshalb begann ich zu malen, was jedoch auch nicht gut von der Hand ging. Auf meinen vergangenen Trips habe ich viel und gerne gemalt, was mich sehr erfreute, da ich eigentlich ein sehr verkrampftes und durch den Kunstunterricht der Schule zerrüttetes Verhältnis zum Malen und Zeichnen habe. Das Malen auf LSD erlebte ich darum stets als sehr beglückend und befreiend.

Diesmal kam ich jedoch in keinen richtigen Flow, schon früh merkte ich, dass ich gedanklich eher fahrig werde, auch auf beruhigende Mantramusik hatte ich keine richtige Lust. Aus welchem Grund auch immer beschloss ich daher Psytrance anzumachen, was ich normalerweise extrem selten höre. Die Musik hörte ich dank guter Anlage recht laut und in guter Akustik, sodass die Musik ziemlich schnell ihre Wirkung auf mich entfaltete. Erst genoss ich es, später förderte die Musik aber meine Gedankensprünge und Zerfahrenheit. Die Musik und meine Gedanken passten daher irgendwie überein: Es preschte vorwärts, während ich mich in kleineren Nebengedanken/Nebengeräuschen verlor, um dann mit der nächsten Bassexplosion wieder wie in einer Sternengeburt zu explodieren und alles neu aufzuziehen.
Meine Gedanken begannen sich in Kleinigkeiten zu verlieren, um dann wieder alles in Zweifel zu ziehen. Mehr und mehr verlor alles seinen Sinn. Ich stellte mir die Frage, ob es möglich sei, sich in einem Gedanken bzw. einer ausgedachten Geschichte derart zu verlieren, dass man selbst die Geschichte wird. Die Grenze zwischen Fiktion, Vergangenheit und Wirklichkeit löste sich immer mehr auf. Ende und Anfang hörten auf zu existieren, alles war ein Kreis, auf dem sich nichts linear, sondern in alle Richtungen gleichzeitig bewegt. Kann man sich in einer Erzählung verlieren? Kann man in einer Erzählung eine Person erfinden, in der man sich verliert, zu der man wird? Kann man sich sogar in den Gedanken der fiktiven Person aus der Erzählung verlieren und immer so weiter, sodass man gar nicht mehr aus dem Gedanken raus kommt? Selbst.jpg

Wenn sich alles in etwas anderem verliert, was ist dann der Rahmen von allem? Was ist dann das Jetzt?

Was-tue-ich.jpg

Und was macht eigentlich das Selbst aus? Hat man ein Selbst, das die Umwelt beeinflusst und konstruiert oder ist das Selbst nur ein Produkt der äußeren Einflüsse? Ich stellte mir vor, dass ich diese Gedanken jemandem erzähle, nur um dann wieder zu dem Schluss zu kommen, dass auch dies vollkommen sinnlos wäre, da es keine neuen Gedanken sind, sondern nur sinnloses Gedankenchaos. Die Anerkennung dieser Tatsache bestätigte mich nur darin, dass alles den Sinn verliert. Ich begann, wirre Gedankengänge aufzuschreiben, wobei ich dies immer wieder unterbrach. Keiner meiner Gedanken schien mir sinnvoll und wichtig, wenn mir doch einer wichtig erschien, begann ich ihn aufzuschreiben, um dann jedoch beim Schreiben festzustellen, dass der Gedanke ebenfalls sinnlos und nicht aufschreibenswert sei und den Satz abzubrechen.

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Dazu gesellte sich der witzige Umstand, dass sich beim Schreiben auch mein Notizblock auflöste, indem die Seiten aus der Bindung rutschten. Ich wanderte währenddessen zwischen Küchentisch und Sofa hin und her, wälzte mich auf dem Sofa, setze mich hin, stand auf, legte mich wieder hin, ging hin und her. Ich war dabei jedoch so klar, zu wissen, dass ich trippe und mich einfach in einer anstrengenden Phase befinde, weshalb ich keine Angst verspürte und es auch nicht als besonders negativ empfand, sondern es einfach als Teil des Trips akzeptierte. Da sich jedoch alles mehr und mehr verlor, versuchte ich Uhrzeiten zu rekonstruieren, wann ich was gedacht und aufgeschrieben hatte, was mich aber noch mehr verwirrte, da das Zeitempfinden völlig weg war und mich dies noch mehr darin bestätigte, dass es sinnlos sei, irgendetwas zu tun. Immerhin begann ich ab dann, Zeiten im Moment des Schreibens zu notieren, um Sicherheit zurückzugewinnen, was mir jedoch nur leidlich gelang. Mehr und mehr kam ich zu dem Schluss, dass ich nachempfinden kann, wie es ist, verrückt zu werden und diesen Tripzustand als Allgemeinzustand zu empfinden. Da jedoch alles immer mehr an Sinn verlor und ich wieder an den Punkt kam, ob man sich nicht in einem Gedanken oder einer Geschichte verlieren könne, erschien es mir als gar nicht abwegig, ja womöglich sogar spannend, einfach beschließen zu können, von nun an seinen Verstand zu verlieren und verrückt zu werden.

Verstand-verlieren.jpg

Das muss etwa 3 ½ bis 4 Stunden nach der Einnahme gewesen sein. Normal dauern Trips bei mir locker 8 Stunden.

Da ich erkannt, dass mich der aktuelle Zustand etwas zu sehr anstrengt, wohl wissend, dass ich ja noch einige Stunden vor mir habe, und ich mir einen positiven Input geben wollte, beschloss ich, mich aufs Sofa zu setzen und das eingangs erwähnte Mantrakonzert anzustellen. Doch da passierte es:

In dem Moment, als ich merkte, kurz vorm Durchdrehen zu sein, weil alles sinnlos erschien, und beschloss, mir Struktur zurückzugeben, stand alles Kopf.
Ich schaltete die DVD an, stellte den Ton von AUX auf DVD, doch aus den Boxen kam kein einziger Ton, während die DVD jedoch lief. Krishna Das bewegte seine Lippen, ohne dass ihnen ein Ton aus meinen Boxen entwich. Während mich nun etwas Panik beschlich, tatsächlich verrückt geworden zu sein, erklärte mir mein Verstand, dass es einfach ein technischer Fehler ist, den ich mir nicht erklären kann. Ich drückte also einen anderen Knopf und plötzlich ertönte statt Gesang Radio-Rauschen. Ich prüfte die Kabeleingänge, stellte jedoch keinen Fehler fest. Hektisch schaltete ich auf CD um, dabei ertönte eine eingelegte CD, jedoch kam weiter das Radiorauschen. Und immer noch kein Krishna Das.

In diesem Moment fühlte sich mein Hirn als, als würde es einen Kurzschluss erleiden. Ich kann es nur so beschreiben, es war ein entsetzliches Gefühl, als würden meine beiden Hirnhälften gegen- und übereinander gezogen. Alles in meinem Kopf stellte sich quer und hämmerte, in der Mitte meines Schädels hatte ich einen äußerst unangenehmen Druck und punktuellen Schmerz (den ich jetzt beim Schreiben darüber wieder leicht wahrnehme). Gleichzeitig hatte ich einen starken Spannungskopfschmerz, der in einer Linie vom linken zum rechten Ohr verlief. Ich sprang auf vor Entsetzen, hüpfte durchs Zimmer, wohl merkend, tatsächlich gerade vollkommen überfordert zu sein. Was war los?! Warum ging meine Anlage nicht richtig? Ich muss verrückt geworden sein. Ich überlegte, die besagte Freundin zu rufen, um mir mit der Anlage zu helfen, dachte aber, dass falls sie es nicht hinkriegt (was nicht unwahrscheinlich war) ich vielleicht vollends das Gefühl haben würde, dass ich einfach tatsächlich leibhaftig verrückt bin.
Doch da fiel es mir ein: Am Abend vorher hatte ein Audiokabel einen Wackelkontakt gehabt, weshalb ich ihn rauszog und durch einen neuen ersetzte. Dabei habe ich ihn jedoch in einen falschen Eingang für Radioaufnahmen gesteckt, sodass ich mehrere Dinge gleichzeitig hören konnte, nicht jedoch den für die DVD, da dies auf einem anderen Kanal lag. Ich steckte die Stecker um und es ging wieder alles. Ich war dennoch fix und fertig, ging aufgeregt und hektisch atmend durchs Zimmer, da es sich in diesem Moment so anfühlte, als sei ich tatsächlich haarscharf am Wahnsinn und Verstandesverlust vorbeigerauscht. Ich fühlte mich auch schlagartig nüchtern, der Trip war in diesem Moment wie weg.
Ich versuchte mich ein bisschen zu beruhigen, trank Tee und aß ein paar Süßigkeiten und beschloss dann, doch hoch zu der Freundin zu gehen, da ich das Bedürfnis verspürte, dieses verrückte Erlebnis verbal zu verarbeiten. Ich empfand die Situation als völlig grotesk: So gut vorbereitet sollte mir gerade das Sicherheit geben, doch durch einen völlig banalen Fehler wäre es beinahe völlig in die Hose gegangen.

Ich unterhielt mich dann etwa zwei Stunden bei Tee mit der Freundin auf der Dachterrasse, wobei ich merkte, wie die Wirkung des Trips langsam zurückkehrte, jedoch bis zum Abend nur noch in Form von Optics und unglaublicher Antriebssteigerung.
So verbrachte ich den Rest des Trips bis zum späten Abend hinein damit, mein Zimmer von Grund auf aufzuräumen und hatte dabei so viel Energie und Freude, wie ich sie beim Aufräumen noch nie erlebte. :D

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Dazu hörte ich LPs von Pink Floyd und anderen Kapellen aus den 70ern und spürte regelmäßig Energie- und Euphorieschübe, die meinen Körper durchschossen.


Als Fazit bleibt für mich festzuhalten, dass trotz guter Vorbereitung Dinge schief gehen können. Für mich persönlich hat sich jedoch aus dieser Stresserfahrung gezeigt, wie stark mein Verstand tatsächlich selbst in Extremsituationen sein kann. Und als solche habe ich das erlebte damals empfunden und empfinde dies noch heute so. Vormals habe ich mich oft geärgert, dass mein Verstand auf Trips immer wieder durchkam und mich genau deshalb dafür entschieden, allein und mit einer höheren Dosis zu trippen. Im Nachhinein hat der Trip mir jedoch gezeigt, wie wertvoll diese Gabe der Fähigkeit zu Rationalität und Struktur sein kann und dass ich diese nicht grundlos entwickelt und teils perfektioniert habe. Ohne mich dabei jetzt als super selbsterfahren und weise überhöhen zu wollen, ist das der Grund, warum ich Neugierigen ganz klar zu einer stabilen Psyche und einer sicheren Umgebung, am besten mit Tripbegleiter rate, bevor man diese Reise antritt.


Vielleicht hat sich ja auch der eine oder andere in diesem Chaos wiedergefunden. ;)

Misc






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