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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Kontemplation beim Spazieren
Drogen:Cannabis
Autor:Maglev Melanch
Datum:22.12.2018 00:24
Set:leicht angespannt, habe länger nichts mehr konsumiert; irrationale Angst, verrückt zu werden
Setting:grauer, sehr kalter Wintertag, am Fluss
Nützlichkeit:8,75 von 10 möglichen   (12 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Liebe LdTler!

Nach jahrelangem stillen Mitlesen möchte ich nun auch einmal einen Beitrag zu unserer Tripberichtsammlung leisten.
Zu meiner Person: Ich bin 18 Jahre alt und männlich. Ich ziehe es vor, mich hier nicht weiter zu verlieren und euch nicht alle Drogen aufzulisten, die ich schon einmal (mehr oder weniger ausgiebig) konsumiert habe; Ich denke, zu welcher „Fraktion“ ich gehöre, wird zwischen den Zeilen dieses Berichts ohnehin hervorleuchten. Was vielleicht noch erwähnenswert ist: Ich schreibe gern sehr „romanartig“. Um den Vibe eines Rausches annähernd korrekt zu treffen, ist es mMn notwendig, sich nicht nur auf die bloßen Fakten und oberflächlichen Gefühle zu konzentrieren, sondern etwas tiefer zu graben.
Der Himmel war größtenteils von hellgrauen Schleierwolken überzogen – Die Sonne verbarg sich an diesem nasskalten Wintertag, doch das konnte unsere Stimmung nicht trüben. Wir – das sind mein Kollege J. und ich. Am vorangegangenen Tag hatten wir vereinbart, heute gemütlich einen Joint zu verheizen und dieses Vorhaben setzten wir am frühen Nachmittag, nachdem der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien zu Ende gegangen war, in die Tat um. Nachdem die Ware besorgt war, setzten wir uns (schon jetzt etwas steif vor Kälte) auf eine Bank am Fluss, der durch unsere Kleinstadt fließt. „Puff puff pass, wie immer, oder?“ – Nickend bestätigte mein Kollege meine rhetorische Frage. Wir saßen da, rauchten, redeten etwas und genossen die gechillte Stimmung, hörten Musik (DJ Metatron und Hip Hop)… Doch die Kälte kroch uns immer tiefer und tiefer in die Knochen. „Schon ganz schön kalt“, zitterte ich vor mich hin. Gott sei Dank hatte J. die glorreiche Idee, ein kleines Feuerchen anzuzünden. Noch bevor ich eruieren konnte, ob es sich um einen Scherz oder Ernst handelte, war er aufgestanden und hatte sich an einem nahe gelegenen Busch vergriffen. Die Wirkung des Joints schwoll immer mehr an und wie er dort so stand mit seinen gegelten Haaren und Blätter ausrupfte, konnte ich nicht anders, als in Gelächter auszubrechen. Ich ließ mich gerne aufs Abenteuer ein und wir rupften dort und da ein paar trockene Blätter und Halme ab, brachen hier und dort einige Zweiglein entzwei und formten gemeinsam mit ein paar Taschentüchern einen Mini-Scheiterhaufen vor unserer Bank. Voller Begeisterung wurde er entzündet und oh Wunder! – Wie gut es sich doch anfühlte, die Hände über die wärmenden Flammen zu halten. Ganz abgesehen natürlich von der wunderschön warmen und gleichzeitig zerstörerischen Optik, die uns unser kleines Lagerfeuer bot. Wir wiederholten die Prozedur noch ein weiteres Mal, nachdem unser erstes Feuerchen ausgebrannt war. Bis über die Ohren grinsten wir dann am Rückweg in die Innenstadt. Philosophische Deutungen unserer Aktion wurden ausgetauscht. Ich fühlte mich irgendwie sehr archaisch und steinzeitlich, wie ich so am Feuer saß und mich wärmte, während der Fokus für J. eher auf unserer intelligenten Kifferfaulheit lag: Nüchtern wären wir um der Kälte entgegenzuwirken wahrscheinlich aufgrund der herrschenden sozialen Norm 500 Meter weiter ins nächste Lokal gegangen. Diesen Weg ersparte uns unsere Zündelei jedoch für eine gute Zeit. Von herzlichem Gelächter begleitet fanden wir unseren Weg zur lokalen McDonalds-Filiale, wo wir uns eine kleine Stärkung gönnten. Nach dem Essen spielten wir gemeinsam eine Partie Online-Schach gegen einen anonymen Dritten, die wir leider wegen einem Zeitnachteil verloren – Wir waren aber nicht signifikant schlechter im logischen Denken als nüchtern.
Ich begleitete J. noch zum Bahnhof, dann war ich erstmal allein. Da ich noch nicht so schnell nach Hause wollte, schlenderte ich trotz der Kälte noch etwas am Fluss entlang und hörte Musik – Techno. Gerade bin ich total in diese Musikrichtung verschossen. Die kalten, mächtigen, aber dennoch unkomplizierten und schwebenden Klänge zogen mich komplett in ihren Bann. Während ich spaziere, denke ich meistens besonders viel über Gott und die Welt nach; übrigens eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ;) So auch diesmal. Der Cannabisrausch intensivierte meine trippigen Gedankengänge noch zusätzlich und bald versuchte ich, Gott durch deduktive logische Schlüsse herzuleiten. Hier startete der intensivste Teil des Mind Trips.
Wir sind Menschen. Per definitionem ist das, aus dem wir kommen, unser Vater/unsere Mutter. Das männliche und das weibliche Prinzip. Schaffende und erhaltende Kraft. Projizieren wir den Eltern-Gedanken eine Ebene höher, aufs Universum. Wir entstammen dem Universum, sind Teil des Universums. Wir sind die Kinder des Kosmos und befinden uns in einer Befreiungsschlacht, in einem Unabhängigkeitstauziehen. Wir streben nach dem Höchsten, eifern unseren Eltern nach, obwohl wir uns von unseren Eltern distanzieren. Das ist normal. Nähern uns immer weiter und immer schneller dem Absoluten an. Was spricht also dagegen, vom Kosmos als von einem Vater zu sprechen?
Natürlich ist es nicht nur der Vater, sondern auch die Mutter, die für unsere Existenz verantwortlich ist, doch der Einfachheit halber werde ich vom Vater bzw. von Gott sprechen. (Obwohl ich mich sonst sehr scheue, dieses Wort in den Mund zu nehmen)
Ob „Vater Kosmos“ eine Person oder ein Ding ist, fragt ihr? Das ist nicht so wichtig, wie es scheint. Haarspalterei, „Kleingläubigkeit“- Ich glaube nun zu wissen, was mit diesem biblischen Begriff gemeint ist. Es geht viel eher um das Prinzip, nach dem das Universum funktioniert. Und das ist in allen Religionen gleichermaßen vertreten. Es ist das Absolute, das reine Sein, Alles und Nichts, die in einem Punkt verschmelzen und damit das Universum zu einer Ewigkeit machen, einer reinen, edlen Ewigkeit, die nicht hinterfragbar ist. „The Eternal Why“. Yin und Yang. Es gibt viele sprachliche Begriffe und sie meinen alle im Kerne dasselbe. Plötzlich ein anderer Gedankenblitz: Das Universum ist eine Knospe. Es reift und entwickelt sich noch, Bewusstsein verbindet sich, wird womöglich zu Kollektivbewusstsein werden, immer wieder einmal schwankend, doch im Großen und Ganzen stetig steigend. Wir sind die neuen Neuronen des Universums und unsere zukünftigen Weltraumexpeditionen sind Impulse fürs Weltenhirn. Vielleicht sind wir noch im Mutterleib. Und am Ende von Raum und Zeit erblicken wir das Licht der Welt – der Draußen-Welt, der Welt eine Ebene über der des uns bekannten Universums. Es scheint für das Sein am logischsten zu sein, sich rekursiv und schalenförmig anzuordnen, wie der goldene Schnitt. Milliarden Universen drängen und teilen sich, formen einen neuen Organismus etc. etc. sine fine. Die Knospen explodieren, werden zu wohlriechenden Blüten, die sich in neuen Knospen wiederfinden, die wiederum zu Blüten werden… Mein inneres Auge rotiert. Ich bin begeistert. In der Theorie habe ich das alles schon gewusst, aber mir wird es gerade noch einmal sehr schön und gut verständlich vor Augen geführt. Die Welt ist perfekt! Om!

Während dieser innere Monolog ablief, klang der Rausch langsam ab. Ich wählte chilligere Musik und versuchte, meine Gedanken wieder etwas zu sammeln und zu ordnen. Man muss dazusagen: Ich bin normal kein besonderer Fan der Metaphysik. Das bringt mich zu einem weiteren Punkt. Kurz erklärend hinzugefügt: Mein Hirn arbietet intensiv daran, die Welt zu verstehen ;) Meistens läuft das so ab, dass ich verschiedene Theorien vergleiche, sie logisch abwäge, gefühlsmäßig bewerte, und aus dieser Mischkulanz dann meine Schlüsse ziehe, also welcher Theorie ich nun eher angehören würde. Mit dieser Buchhalterphilosophie schlage ich mich leider viel zu oft herum, glücklicherweise habe ich das stete „Bewerten und Ordnen“ durch Meditation etwas abschwächen können. In den letzten Tagen hatte ich gedanklich intensiv Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ und die Heilsbotschaft des Neuen Testaments verglichen. Ich fand da und dort gute Ansätze, pickte sie mir heraus und dachte über sie nach – wahrscheinlich sind es schon einige Wochen, die ich mehr oder weniger regelmäßig damit verbringe, und längst keine paar Tage mehr… Grundsätzlich war ich eher bei Nietzsche zu Hause, doch einige Punkte verstörten mich und stießen mich ab. Das Neue Testament erschien mir einerseits wie eine Propagandaschrift, und andererseits kam ich ganz objektiv mit einigen Aussagen von Jesus nicht zurecht. Ich denke hier vor allem an seine Gedanken zur Ehe oder zum Spruch: „Die Ersten werden die Letzten sein, und die Letzten die Ersten.“
Das klingt jetzt wie eine sehr einfache Lösung des Problems, aber im Cannabisrausch wurde mir plötzlich so einiges klar.
Meine Bewertungsmuster sind menschlich und nur in unglaublich kleinem Rahmen sinnvoll denkbar (ergo in der täglichen Routine). Zoomt man aus der Welt heraus wie aus einem Mandelbrot-Set, wie verblassen sie da plötzlich und wie unbedeutend sind sie doch im großen Zusammenhang! Ich sah die Vorteile beider Ansätze, sowohl Nietzsches, als auch Jesus‘. Und ich erkannte die Gleichheiten: Beide strebten nach Höhe, nach Fülle, nach Ja und nach Ganzheit. Um in Gleichnissen zu sprechen: Der Christ reckt und streckt seinen ganzen Körper nach oben, um mit den Fingerspitzen die Decke zu ertasten, der Nietzscheaner springt wütend auf und ab und würde am liebsten seine dreckigen Fußsohlen und harten Beine wegstrampeln, um höher nach oben zu kommen. Beide aber wollen sie nach oben. Bei diesen Gedanken kam mir Hesses Siddharta in den Sinn und seine Botschaft. Wir müssen für uns selbst unsere Lehre finden. Lehren in Sprache sind immer nur Teilwahrheiten. Ganzheitliche Lehren sind unaussprechbar und nur tief in unserem Herzen zu finden. Om.
Zum Abschluss möchte ich noch ein Gedicht und einen Text rezitieren, die ich sofort niedergeschrieben habe, nachdem ich nach Hause gekommen bin.

Stahlblaue Stille
Ein diamantner Tag
Gießt erneut das Bild der Welt
Zu leeren Höhen hinauf
Um sie zu füllen

Ein Gefühl, das sich lange gut angepasst an seine Umgebung getarnt hat, bricht heraus. Bewusstseinsstaub rieselt, splittert und grollt, wo das Gefühl ermächtigt wird und sich streckt und reckt. Durch die entstandene Vernebelung leuchtet hell: Die Idee. Pulsierend durch das Universum, eine Welle, die alles trägt. Und der Welle Schäume glitzern im Licht, sonnen sich, werden träge, werden durchsichtig. Eine aalglatte Textur, ein dunkles Blau. Ein tiefer Abgrund. Nur zum Überwinden da.

Vielen Dank fürs Lesen!
Euer Maglev






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