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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:(K)ein ganz normaler Abend - LSD und 3-meo-pce
Drogen:Mischkonsum von LSD, Ketamin und PCP (Reihenfolge vom Autor festgelegt)
Autor:Wesir von Kaschmir
Datum:20.10.2020 00:57
Set:Innerlich zerrissen, aber friedlich. Äußerst nachdenklich.
Setting:Bei mir zu Hause, in meinem Zimmer
Nützlichkeit:8,86 von 10 möglichen   (7 Stimmen abgegeben)

Bericht:

(K)ein ganz normaler Abend

Warnung: Dieser Tripbericht enthält sehr vieles an Meinung zu allen möglichen politischen Themen. Er ist außerdem von einer gewissen Offenheit geprägt, die manchen überfordern mag.

In diesem Tripbericht versuche ich möglichst akkurat zu beschreiben, wie ich einen Abend auf 1cp-LSD und 3-meo-pce empfunden habe. Ich hatte in meinem Leben schon unzählige Trips mit allen möglichen legalen und illegalen Substanzen, deshalb mag der Tripbericht in so fern etwas enttäuschen, dass es keine völlig neuen Erkenntnisse oder noch nie dagewesenen Erlebnisse von meiner Seite gab, die ein völlig neues Licht auf die Realität, wie ich sie erlebe, geworfen hätten. Eher wurde vieles vertieft oder noch einmal von einer anderen Seite beleuchtet. Vor allem schreibe ich diesen Bericht aber auch für mich selbst, um das Ganze richtig zu verarbeiten, denn krass war der Trip auf jeden Fall.

Vielleicht ist dieser Anspruch etwas überzogen, aber es könnte nicht das Schlechteste sein, zu wirklich jedem stärkeren Trip, den man erlebt, einen Bericht zu verfassen, um die entsprechenden Erfahrungen wirklich sinnvoll in die eigene Persönlichkeit zu integrieren. Ja, ich weiß, dass das verdammt viel Arbeit ist. Aber würde es sich nicht lohnen, zu vermeiden, dass sich allzuviel Unbearbeitetes im Unterbewusstsein staut?


Vor der Reise - ein kompliziertes Leben, das ich führe

Der Abend hatte eigentlich recht harmlos begonnen. Ich war seit circa eineinhalb Tagen am Fasten, was ich eigentlich für jeden Trip empfehlen kann. Vielleicht noch mehr vor der Nutzung von Naturdrogen als vor derjenigen chemischer, denn nichts macht einen Pilz-, Holzrosen- oder Kakteentrip so schnell kaputt, wie einen komischen Magen zu haben und ständig rülpsen oder aufs Klo zu müssen. Vor dem Trip ging ich noch ein wenig spazieren, wobei ich ein wenig vom Hunger genervt war. In dem Sinn gab es auf dem Spaziergang keine besonderen Ereignisse, aber Gerüche aus Dönerbuden und Pizzaläden ließen mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Daheim angekommen stellte ich meine Handy in den Flugmodus, maß meinen Blutzucker und nahm mein Insulin. Ich habe vor ungefähr drei oder vier Jahren relativ spontan Typ1-Diabetes bekommen, was ein riesen Thema für mich ist, genauso wie die Ernährung. Ich bin Hartz IV-Empfänger, gebe viel Geld für Alkohol und Drogen aus und glaube, dass ich mich eigentlich viel gesünder ernähren müsste. Die Hälfte eines Gerichts sollte ja Gemüse sein, eine Viertel Kohlenhydrate und ein Viertel Eiweiß. So hab ich das zumindest auf Tiktok gesehen... Naja, bei mir tendiert es leider meist eher Richtung Magen-mit-Kohlenhydraten-füllen oder eigentlich-zu-wenig-essen.
Vielleicht etwas peinlich, das so öffentlich zu machen, aber so kann ich mich daran erinnern, dieses Problem mal ein wenig anzupacken... An "Du bist was Du isst." ist imo jedenfalls schon etwas dran. Nicht dass ich im eigentlichen Sinne schwer depressiv wäre oder sowas, aber 90% des Tages fühle ich mich eigentlich so müde, dass ich nicht wirklich Kraft für meine Aufgaben habe. Generell kann man sagen, dass es wohl einige Probleme gibt, vor denen ich viel zu lange die Augen verschlossen habe!

Oftmals fühle ich mich nutzlos. Was für mich an Berufen in Frage käme, wäre wohl Journalist, Schriftsteller, Philosoph oder Meditations-/Entspannungstrainer – es mag komisch klingen, aber wer mich kennt, dürfte bestätigen, dass "normale" Berufe für mich im Grunde undenkbar sind. Die von mir genannten Tätigkeit erfordern aber einiges an Selbstvertrauen und Verantwortung. Nun, ich arbeite daran, aber teilweise bin ich eben immer noch von Selbstzweifeln zerfressen, was wohl nicht zuletzt meine Eltern und einige Freunde sehr schade finden... Es gibt einfach so viel vergeudetes Potential in mir und im Grunde kann ich mein Leben nicht mehr weiter so handhaben, ohne daran zu zerbrechen!

Gleichzeitig habe ich einen schwer kranken Vater und ich spiele mit dem Gedanken, eine Weile zu ihm zu ziehen, so dass wir uns gegenseitig unterstützen können. Das Problem ist unter anderem auch, dass er aufgrund seiner Schmerzen einige Opioide bei sich herumliegen hat, von denen er einige auch nicht mehr braucht. Ich würde ihm also nichts wegnehmen, was er braucht, wenn ich nicht widerstehen kann (und ich kann nicht widerstehen, weil beispielsweise Tramadol oder Tilidin für mich in einem gewissen Sinne tatsächlich fast besser als Sex ist), aber irgendwie wäre es eben doch ein Vertrauensbruch... Das Fentanyl, das er gegen seien Krebsschmerzen nimmt, würde ich zum Beispiel nie anrühren. Aber vielleicht versteht die Leserin ja, dass da ein Thema im Raum steht, das ich eigentlich mit meinem Vater besprechen müsste, das aber unfassbar schwer auf den Tisch zu bringen ist. Ohne dass ich mich jetzt im engeren Sinne als süchtig einstufen würde, habe ich halt schon starke Tendenzen in die Richtung und das Thema sucht ist eben unfassbar peinlich. Vielleicht kennt das ja der eine oder andere...

Ich kann generell auf Opioide verzichten, wenn sie nicht vor meiner Nase liegen, aber wenn ich gelangweilt bin, weil ich ohne Internet bei meinem Vater lebe und ständig sehen muss, wie er leidet und dann steht da so eine Flasche Tramadol oder Tilidin rum, ist die Versuchung einfach riesig, dem Schmerz auszuweichen, selbst wenn ich jeden Tag Meditation und Yoga mache, um mich halbwegs mit meinen Gefühlen und meinem Körper in Einklang zu bringen, was mir noch nie besonders leicht fiel.

Nun, ich werde unter anderem aus solchen Gründen wieder eine Therapie anfangen. Auch ansonsten beschäftige ich mich übrigens viel mit Psychologie und bin z.B. auch in einem entsprechenden Lesekreis, wobei natürlich eine gewisse Spannung zwischen beispielsweise Psychoanalyse und Psychonautik mit Psychedelika besteht. Generell steht mein Leben in einigen Spannungsfeldern zwischen sich im Grunde ausschließenden Ideologien und Denkschulen und manchmal fühle ich mich innerlich kurz vor dem Zerreißen, so wenig passen meine unterschiedlichen Gedanken und Gefühle noch zusammen.

So viel also zu meinem Set. Das Setting ist mein Zimmer gewesen. Draußen war es dunkel, das Zimmer war picobello aufgeräumt (zumindest für meine Verhältnisse) und voll von allen möglichen bunten Kunstwerken und Wandtüchern. Generell würde ich jedem empfehlen, nicht in einer chaotischen Wohnung zu trippen, selbst wenn einem Chaos normalerweise nicht auf die Nerven geht. Mir hat das schon so viele Trips versaut, dass ich an dieser Stelle wirklich betonen möchte, dass es sich lohnt, auf so etwas zu achten. Man will z.B. gar nicht glauben, wie sehr einen Schmutz deprimieren kann!
Außerdem war es mir wichtig, mir selbst zu erlauben, auch nach draußen zu gehen, wenn der Trip zu intensiv wird. Letztlich bin ich dann aber doch froh, dass ich darauf verzichtet habe, denn ich wollte in diesem Zustand nur bedingt meinen Mitmenschen über den Weg laufen, zumindest sofern diese nicht "eingeweiht" waren.

Um viertel nach zehn fing ich an, größere Dosen 3-meo-pce zu konsumieren. Ich habe diese nicht abgewogen, was normalerweise bei hochprozentig reinen Research Chemicals/Designerdrogen/Badesalzen/whatever definitiv zu empfehlen ist. Ich habe den Stoff aber schon zuvor getestet und außerdem eine unglaublich hohe Toleranz, was Dissoziativa betrifft. Ich werde wohl bis zwölf Uhr zwischen 50 und 100mg konsumiert haben, was definitiv keine "normalen" Dosen sind! Im Internet findet man die Aussage, dass über 17mg nasal bereits sehr viel ist und daran würde ich mich als "Anfänger" auch halten. Ich konsumiere seit ich 18 bin alle möglichen legalen und illegalen Dissoziativa und jeder, der hier eine "Empfehlung" reinlesen will, soll wissen, dass ich dafür nicht verantwortlich sein möchte. ;)

Im Laufe des Abends hab ich wohl so ungefähr 200mg genommen und dementsprechend manisch war ich auch teilweise.

Generell sollte man auch wissen, dass Dissoziativa zeitweise so etwas Ähnliches wie Sucht auslösen können; sicher nicht wie Kokain oder Opioide, aber eine Line Speed, einen Joint, ein Glas Bier oder XTC/MDMA würde ich dann doch jederzeit für eine Line Keta liegen lassen. Natürlich auch alles sehr subjektiv... manche finden das psychoseähnliche Profil von Dissoziativa womöglich auch gruslig oder unangenehm und auch bei mir gibt es eine gewisse Ambivalenz, da ich auch immer wieder mit Gefühlen des Kontrollverlustes über meine Psyche oder Weltuntergangsvorstellungen konfrontiert wurde, die dafür sorgen, dass ich nach einer Weile auch stets wieder genug von Dissoziativa hatte.


Weiche Knie

Zwischen zehn und zwölf Uhr habe ich mir dann allerhand Vorträge angehört, vor allem von Alan Watts, dessen religionsphilosophische Überlegungen ich nach wie vor für maßgeblich halte. Eigentlich wäre es dringend an der Zeit, Erfahrungen mit Kampfsport zu sammeln. Alan Watts führt mir immer wieder vor Augen, welchen weiten Weg ich noch vor mir habe, um wirklich in Einklang mit mir selbst zu kommen und im Hier und Jetzt zu leben. Besonders wünsche ich mir mehr Mut, auch wirklich zu meinen Erfahrungen und Gedanken zu stehen und für meine Meinung einzutreten. Dazu soll auch dieser Tripbericht ein kleiner Schritt sein.
Ja, diese Zeilen klingen wahrscheinlich etwas zusammenhangslos für Leute, die nicht mit Alan Watts vertraut sind. Wobei ich mich schon frage, wenn ihr Drogen nehmt und keine Alan Watts-Vorträge hört, was ihr euer ganzes Leben lang bisher gemacht habt. :D Der Typ ist einfach so hammer, dass es wirklich schwer in Worte zu fassen ist.

Gegen zwölf Uhr nahm ich dann 450 Mikrogramm 1cp-LSD, das meines Wissens im Körper zu "normalem LSD" (<- Widerspruch in sich) verstoffwechselt wird. Wie viel LSD 450 Mikrogramm 1cp-LSD entsprechen, weiß ich nicht. Vom Gefühl her würde ich sagen, dass es "relativ viel" war. Im Laufe des Abends hatte ich oft den Eindruck, mehr zu erleben, als ich eigentlich ertragen konnte, wobei es dann immer wieder doch irgendwie ging. Dabei bereitete mir vor allem mein schwieriges Verhältnis zu meinem eigenen Körper wieder einmal Probleme. Alle meine Muskeln fühlten sich sehr weich an und ich hatte gleichzeitig das Bedürfnis, in meinem Bett zu versinken als auch herumzulaufen. Auf der einen Seite fühlte sich mein Körper weich und unfassbar entspannt an, auf der anderen Seite fühlte ich mich innerlich getrieben, so als müsste ich vor irgendetwas weglaufen, wobei ich nicht zu sagen vermochte, vor was.
Vielleicht war es einfach das Gefühl des Zerfließens, das ich verhindern wollte, indem ich meine Muskeln anspannte. Solche seltsamen Bodyload-Erfahrungen kenne ich übrigens vor allem vom Anfang von Trips. Im Laufe der Zeit wird es dann meistens besser. Aus dem gleichen Grund hab ich auch das 3-meo-pce zuerst genommen, so wie man imo auch gut Ketamin nehmen kann, um das Raufkommen von MDMA oder LSD etwas abzumildern. Alles natürlich sehr ambivalent, weil es sich auch gegenseitig verstärken kann... man sollte schon ein bisschen ein Gefühl für die Drogen im einzelnen haben, bevor man das macht.

Dieses "weiche" Gefühle bekomme ich meistens auch beim Kiffen, weshalb ich relativ selten Gras konsumiere. Ich versuchte auch zu masturbieren, weil das oftmals zuvor das Körperfühl in so einer Situation besser gemacht hatte, aber ich war so weit von meinem Körper entfernt, dass die Bewegung nicht prinzipiell angenehmer war als irgendeine x-beliebige andere. Auch mein Penis war kein "besonderer" Teil meines Körpers mehr, stattdessen war mein ganzer Körper gleichermaßen taub und erogene Zone geworden. Wenn ich an andere Menschen oder andere Lebewesen dachte, empfand ich eine Art asexuelles, bedürfnisloses Wohlwollen. Gewissermaßen liebte ich jeden Menschen bedingungslos, allerdings auch um den Preis einer gewissen Gleichgültigkeit. Der Tod erschien mir weder gut noch schlecht, gewissermaßen erschien mir sogar jedes denkbare Ereignis, das mir oder einem anderen Menschen widerfahren konnte, gleichgültig, wobei mir durchaus bewusst war, dass diese komplette Gleichgültigkeit nur eine Seite der Wahrheit ist, deren andere Seite ich vorübergehend nur noch aus der Ferne spürte.


Manege frei!

Als es zu allen möglichen Halluzinationen kam, stand ich auf, um mich vor meinen Laptop zu setzen. In der Mitte meines Sichtfeldes war eine Art Kugel, die mit allerhand bunten und geheimnisvollen, sich bewegenden Hieroglyphen gefüllt war, ähnlich einem Mandala. Falls ihr die Serie Yu-Gi-Oh kennt: Das Mandala, das ich da sah, glich ein wenig dem "Siegel von Orichalcos", nur dass es wesentlich mehr Ringe hatte und in allen möglichen Farben leuchtete. An der Seite meines Sichtfeldes sah ich dagegen die Bahnen des Leipziger Vekehrsbetriebes, die ständig an mir vorbeifuhren. Ich hörte die ganze Zeit ein mechanisches Summen und Brummen, das sich intensivierte und wieder nachließ, ähnlich einem aufheulenden Motor oder dem Schneller- und wieder Langsamerwerden einer Waschmaschine. Wenn ich meine Hand ansah, so hinterließ diese Schlieren, die so intensiv waren, dass sie fast mein gesamtes Sichtfeld verdeckten, wenn ich mich darauf einließ.
Seltsamerweise hielten mich diese Pseudohalluzinationen aber nicht vom Sehen ab. Ich konnte z.B. schon noch so weit meinen Laptop bedienen, wie es nötig war. Wenn ich mich konzentrierte, konnte ich mich für ein paar Minuten von all diesen Visionen lösen, aber es erforderte halt schon eine gewisse Anstrengung.

Nun begann ich allerhand Hörbücher zu hören. Manchmal habe ich auf Trips sehr große Lust auf Musik, dieser Trip war eher wortlastig. Unter anderem hörte ich von Oscar Wilde "Der glückliche Prinz" und "Der Priester und der Messnerknabe", beides in einer deutschen Übersetzung. Während sich die sozialkritische Bedeutung des "glücklichen Prinzen" für jemanden, der die leipziger Eisenbahnstraße kennt, durchaus von selbst erschließen dürfte, entführte mich der andere Text in ein düsteres Universum, das ich so nur bedingt verstand. Wenn man die Skandale rund um die katholische Kirche bedenkt, was Pädophilie betrifft sowie ihre Einstellung zur Homosexualität und zum Selbstmord, so muss man fast sagen, dass der Text heute noch genauso zu provozieren vermag wie damals.
Danach las ich ein wenig in den Wikipedia-Eintrag zu Oscar Wilde hinein und war überrascht, dass er Sohn eines Arztes war. Ich hatte ihn mir, wahrscheinlich weil er den Dandy so gut dargestellt hat, immer als Adligen vorgestellt. Besonders sein Gesicht auf dem Bild gleich oben auf der Wikipedia-Seite faszinierte mich. Ich sah einen Menschen, der es liebte zu provozieren, der es nicht scheute kontrovors zu sein. Vielleicht ja sogar ein mögliches Vorbild?

Als nächstes wurde mir von Youtube "Der kleine Prinz" vorgeschlagen, ein Buch, das ich schon lange nicht mehr gelesen oder gehört hatte. Mir fielen allerhand Anspielungen auf, die ich früher gar nicht verstanden hatte. Das Hörbuch wurde unter anderem von Christoph Maria Herbst eingelesen und das Bild dieses kahlköpfigen Mannes, seine Komikerlächeln, die kindliche Zeichnung des kleinen Prinzen mit seinem erstaunten Gesicht und die merkwürdige Bildsprache des Buches brachte meine Assoziationswelt irgendwie Richtung Zirkus und Clowns. Ich legte immer mal wieder ein bisschen 3-meo-pce nach, wobei in mir der Wunsch wuchs, ein Clown zu sein, eine rote Nase und zu große Schuhe zu tragen usw.. Zeitweise erschien es mir fast eine Art kosmische Bestimmung zu sein, ein Clown zu werden. Ich sah mich auf viel zu kleinen Fahrrädern durch Reifen Loopings schlagen usw., eine ziemlich bizarre Vorstellung, zumal ich echt nicht der Geschickteste Fahrradfahrer bin!
Was mich faszinierte, war die gruslige Wirkung, die Clowns auf uns ausüben. Sie konfrontieren uns, so scheint es mir, mit verdrängten Anteilen unserer selbst. Ich schreibe unter anderem für einen kleinen Philosophie-Blog, wobei ich mir das Pseudonym "Beppo Pfeiffer" gab. Als nächstes hörte ich einen psychoanalytischen Podcast über die dissoziative Persönlichkeitsstörung und nach und nach ergab sich das Bild einer zweiten Person, die in mir wohnte: Beppo Pfeiffer, der Horrorclown, der immer dann die Kontrolle übernimmt, wenn ich vom Leben überfordert und getriggert werde. Vermutlich hat mich wohl auch "Conky" die Bauchrednerpuppe des Charakters "Bubbels" aus der Serie "Trailer Park Boys" in diese Richtung inspiriert.
Um ehrlich zu sein, weiß ich bis heute (also 3-4 Tage später) nicht so recht, was ich mit diesen Ideen anfangen soll...


Politik und unmittelbares Angesprochensein

Dabei war dieser Gedanke eines zweiten Ichs schon die Vereindeutigung eines noch komplexeren Gedankenlabyrinths, denn zwischendurch fühlte ich mich verloren in allen möglichen, meinem Bewusstsein nicht näher zugänglichen Menschen aus aller Welt. Ich war kein weißer, männlicher Typ mehr, der einen bestimmten Namen hatte und in der Eisenbahnstraße wohnte, sondern ein Vertreter der Gattung Mensch und gleichzeitig ein auf mehrere Menschen verstreutes Bewusstsein. Teilweise verspürte ich große Angst, mich nie wieder als zusammenhängende Persönlichkeit wahrnehmen zu können, wobei ich jedoch, sobald ich mit konkreten Aufgaben konfrontiert wurde, erstaunlich normal denken und handeln konnte.
So teilte ich z.B. das Video "Wir fühlen uns in Deutschland nicht mehr beschützt." von Ali Utlu, einem schwulen Ex-Muslim und Aktivisten sowie des Philosophen und Journalisten Gunnar Kaiser mit etlichen Freunden und Verwandten. Ich denke, ich hätte ohne Probleme erklären können, weshalb ich denke, dass Ali Utlu einige wirklich wichtige Punkte aufmacht und kann nur jedem, der diesen Tripbericht liest, empfehlen, sich das Ganze mal reinzuziehen. Leider gibt es auch im Jahr 2020 immer noch viel zu viele Mitmacher und zu wenige Menschen, die mal kritisch reflektieren und mutig ihre Stimme erheben, auch um den Preis, sich vielleicht unbeliebt zu machen.

So schwebte ich also andauernd zwischen einem Zustand beinahe vollständiger Schizophrenie und demjenigen einer Fokussierung komplexer und kontroverser politischer und philosophischer Überlegungen. Auch das "Be Here Now Network", das ich vor allem aufgrund seiner wirklich hervorragenden Ram Dass/Richard Alpert-Vorträge kennengelernt habe, vermochte mich mal wieder zu überzeugen. So sah ich mir einen Livestream zum Thema "Land, Race, Money" mit Konda Mason und Elisabeth Keller an, wobei ich zumindest teilweise das Video auf eine quasi-psychotische Art aufnahm. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass die beiden Frauen mit mir persönlich reden und mir Vorwürfe machen, faul zu sein und zu wenig zu arbeiten. Mitunter bekam ich den Eindruck, dass Konda Mason die neue Herrscherin des Planeten Erde ist und Trump abgesetzt worden war. (Da war bestimmt auch viel Wunschdenken dabei.) Dagegen erschien mir Elisabeth Keller als meine Mutter oder zumindest doch als ein Symbol für meine Mutter.

Eine vielleicht nur bedingt gute Idee war auch, dass ich etliche SMS an meine Mutter verfasste, in denen ich vor allem über meine enormen Selbstzweifel sprach. Ich bin jetzt fast dreißig und sehe mich mehr noch als je zuvor als begeisterten Psychonauten, Anarchisten und Querdenker. Gleichzeitig habe ich oft das Gefühl, dass ich nur um den Preis, meine Familie und ihre Erwartungen andauernd zu enttäuschen, wirklich so sehr ich selbst sein kann, wie ich mir das wünsche. Generell würde ich mir noch mehr wünschen, in einer Welt zu leben, in der die Verschiedenheit und oft genug auch Merkwürdigkeit jedes Menschen von Grund auf akzeptiert wird. Selbst in Kreisen, in denen beispielsweise Queerness akzeptiert oder sogar erwünscht ist, scheint es mir doch oft so zu sein, dass der Mensch eben letztlich ein Herdentier bleibt. Diversität heißt ja zum Beispiel auch, ohne Angst den eigenen Überlegungen folgen zu können, ohne gleich in irgendeine Ecke gestellt zu werden. Naja, ich denke, der Mensch macht da wohl auch beständig Fortschritte.

An jenem Abend, der mittlerweile bereits in den Sonntagmorgen überging, erstellte ich auch wieder ein facebook-Profil und sogar einen Tiktok-Account. Nach einer relativ technikkritischen Phase bin ich jetzt doch wieder sehr froh, im Internet zu leben. Gerade in Zeiten von Corona fühle ich mich manchmal schlicht und einfach einsam und unverstanden. Trotzdem könnte man das Internet bestimmt auch noch viel tiefgehender nutzen, statt sich immer so leicht in Oberflächlichkeiten zu verlieren.
Es gäbe noch so viel zu erzählen... Die Halluzinationen nahmen aber mit der Zeit ab und ich fühlte mich zunehmend normaler. Dennoch war ich noch stundenlange wach, hörte Musik, sah mir Videos an und verfasste den ein oder anderen Blogeintrag.


Fazit und weiterführende Gedanken

Was mir dabei vor allem klar wurde war mein enormer Drang zur Selbstdemontage bzw. dazu, mich regelrecht runter zu machen. Irgendwie ist folgendes für mich auch nach wie vor eine komplizierte Frage: Letztlich sind auch die klügsten und kultiviertesten Menschen noch dressierte Affen, also warum so tun, als ob wir z.B. Heilige wären oder die Wahrheit für uns gepachtet hätten? Gleichzeitig sollte man sich ja schon auch ein bisschen selber ernst nehmen können, wenn man auf dieser Welt etwas ändern will... I don`t know... dieses Problem wird mich wohl noch lange beschäftigen. Eine weitere Erkenntnis, die ich hatte, ist, dass ich mich gewissermaßen als "Rahmensprenger" verorte:

Wenn ich mit Fruity Loops einen Track programmiere oder einen Artikel schreibe, möchte ich mit den Rändern dessen spielen, was noch als Track oder Artikel durchgeht. Das mag arrogant klingen, aber mir ist jetzt definitiv klar geworden, dass es mir nicht reicht, einfach nur Dienst nach Vorschrift zu machen, sondern wenn ich an etwas arbeite, möchte ich auch alles geben. Sicherlich sind das alles auch irgendwie Glückskekssprüche. Vielleicht kann man es auch so reformulieren:
Fans des bedingungslosen Grundeinkommens will ich, ohne ihnen diese Idee, die ich ja selber gut finde, ausreden zu wollen, auch mal nahelegen, das Augenmerk auf die unglaubliche Visionslosigkeit zu richten, eine gewisse autoritäre Konventionalität, die gerade in Deutschland auch vielen Leuten Steine in den Weg legt, die wirklich mal was ausprobieren wollen und tolle Ideen haben.

Oft ergänzen sich dann Hartz IV und Depressionen eben auch ganz gut... Um nochmal irgendwie die Kurve zum Tripbericht zu kriegen: Es ist kein Wunder, dass zum Beispiel für LSD so wenig Platz in dieser Welt ist. Die meisten Leute sind leider immer noch sehr konventionalistisch unterwegs, warten immer erst darauf, dass ihnen andere sagen, was sie denken sollen, haben große Angst vor Risiken oder davor, ausgelacht zu werden. Sie haben große Angst davor, anders zu sein und fragen immer erst, was sie dürfen, statt einfach mal zu machen. Und diese Haltung wird halt leider auch sehr von der Politik gestützt.

Was von meinem Trip letztlich vor allem übrig geblieben ist, ist eine gewisse Zuversicht, dass wir diese Konditionierung gemeinsam weiter aufbrechen können. Denn letztlich gibt es nicht "einfach nur trippen" oder "einfach nur meditieren", sondern jegliche Suche nach dem Ich ist immer auch die Bemühung einer Selbstverortung in der Geschichte und der Gesellschaft.

Liebe und Frieden an alle da draußen! <3






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