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Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Interstellar und Gras (fast wie DMT!)
Drogen:Cannabis
Autor:Pink Flo
Datum:28.04.2022 16:51
Set:mystisch, episch, fröhlich, gespannt
Setting:bei einem Freund daheim
Nützlichkeit:Mindestanzahl an Bewertungen noch nicht erreicht

Bericht:

Es war im April 2022, als ich mit einem Freund neues Gras da hatte und anfing, es zu rauchen. Die Wirkung war überwältigend und die J’s waren fett und lang. (An dieser Stelle spare ich mir jeglichen humoristischen Vergleich.) Eine gewisse Epik ergriff uns und wir wollten einen epischen Film ansehen. Da ich noch nie zuvor Interstellar angeschaut habe, entschieden wir uns dafür. Ich bitte um Verständnis, dass ich diesen Bericht nicht ohne Spoiler über den Film schreiben kann. Lest ihn auf keinen Fall, wenn ihr den Film nicht kennt! Und schaut ihn an! :D

In 4k und bester Sound-Qualität wurden wir dann in die Welt nach der Klimakatastrophe eingeführt. Auf seinem großen Fernseher und wegen der (zusätzlich durch ein Computerprogramm optimierten) Framerate, fühlte ich mich mehr und mehr hinein und mein Ego verfloss auf eine Weise, wie ich es zuvor nur von Psychedelika kannte. Jedoch nicht in dem Sinne, dass ich nicht mehr wusste, wer ich war. Ich hätte theoretisch jederzeit darüber nachdenken können, doch ich wollte nicht. Ich verlor mich also völlig im Moment und was ich sah, wurde ein Stück weit zu meiner Realität.

Meinen Kumpel bat ich, nachdem er mehrfach kleine Quasi-Spoiler rausgehauen hat, nicht mehr mit mir zu sprechen, solange wir den Film sahen, weil ich die Zone der Ego-Losigkeit nicht verlassen wollte. Das Gedicht des alten Mannes (Geh‘ nicht gelassen in die gute Nacht…), welches im deutschen zwar ungereimt und etwas holperig klingt, catchte mich in diesem Moment absolut. Und der Raketenstart und jede Szene auf dem Raumschiff nahm mich unendlich mit. Ich fühlte mich so, als wäre ich dabei.
Als sie dann auf dem Planeten landeten, klammerte ich mich bei der Fluchtszene, wo sie der gigantischen Welle nur sehr knapp entkamen an der Couch fest und mein Körper verkrampfte sich. Ein Gefühl des Ausgeliefertseins war nun allgegenwärtig. Wir Menschen sind nur am Leben, weil es ein komplettes System auf dem Planeten gibt, welches uns am Leben erhält. Ohne Nahrung, Sicherheit und die Geborgenheit einer Atmosphäre sind wir den Naturgewalten des Weltalls schutzlos ausgeliefert. Noch nie in meinem Leben war mir das so bewusst, wie in diesem Moment.

Auf dem Raumschiff angekommen, sah sich mein (mittlerweile zum Seelenverwandten gewordener) „Freund“ die Video-Botschaften seiner Kinder an und nicht nur er musste weinen. Die Mischung aus Überlebenskampf, Ausgeliefertsein und den „Strafen“, die das Leben bereit hält, für jeden, der es herausfordert, überforderte mich. Lange vor meinen ersten Drogenerfahrungen, mit 12 Jahren, war ich Opfer von Mobbing und Ausgrenzung und deshalb wusste ich, wie sehr das Leben einen auseinandernehmen kann. Ein Gefühl, welches ich lange Zeit nicht mehr gefühlt hatte, stieg wieder in mir auf. Alles fühlte sich so lächerlich an. Mit 12 war dieses Gefühl der Grund gewesen, weshalb ich mich mehrfach fast umgebracht hätte. Doch eins war jetzt anders. Dieses Gefühl vermischte sich mit Liebe, Freundschaft und Freude. Und ich erkannte wieder, nur noch viel deutlicher, was ich damals mit 16 oder 17 erkannt hatte und was meine Einstellung zum Leben änderte: Das Leben ist ein Geschenk. Wir bestimmen, was wir damit machen. Doch jede unserer Entscheidungen kann, ob wir wollen oder nicht, schlimme Konsequenzen haben. Jeder Pfad, den wir beschreiten, kann unser Ende sein. Doch das macht das Leben nicht sinnlos, sondern genau das ist der Sinn. Wir sind Mitschreiber unseres Teils der Geschichte. Wir sind eine winzige Strophe, des gigantischen Lieds. Wir sind nicht wertlos, wir sind unendlich wertvoll, wenn wir nur unsere „Rolle spielen“, wenn wir nur unserer Bestimmung folgen.

Schließlich landeten die Abenteurer auf dem Planeten, wo der kranke Psycho (ich habe seinen Namen vergessen) das Schicksal der gesamten Menschheit aufs Spiel setzt, um ein paar weitere Jahre zu überleben. Ich empfand Verständnis und Verachtung zugleich. Verständnis, weil jeder Mensch nun mal ein Tier ist und nicht mehr als das und jeder Mensch den Überlebenstrieb in sich trägt. Doch Verachtung verspürte ich deshalb, weil er es mit einer solchen Selbstverständlichkeit tat. Er war sogar bereit, die anderen zu töten, statt einfach offen zu sein und sich zu entschuldigen. Ich litt mit, als Cooper hustete und mit letzter Kraft um sein nacktes Überleben kämpfte und es fühlte sich an, wie eintausend Orgasmen, als er gerade rechtzeitig gerettet wurde.

Dann kam die Andock-Szene, eine der epischsten Filmszenen überhaupt, gegen die „No, I am your father!“ abstinkt… Ich saß mit weit aufgerissenen Augen dar und fühlte mich dem, was dort passierte, absolut ausgeliefert. Dies war tatsächlich ein Moment, in dem ich mich so sehr in die Charaktere hineinversetzte, dass es „mich“ nicht mehr gab, sondern nur noch das, was dort passierte. Als sie trotz allem doch noch andocken konnten, atmete ich, als wäre ich einen hundert Meter Lauf gelaufen.

Jetzt brauchten wir erstmal eine Rauchpause, auf den Schreck. Und tatsächlich war dies eine sehr gute Idee. Als Cooper dann ins schwarze Loch flog, musste ich wieder weinen, doch die Szene, die dann kam, war so abstrakt, so faszinierend und so unendlich magisch, dass ich mich wie bei einem kleinen DMT-Trip fühlte. Freiheit und Macht, unendliche Freiheit und unendliche Macht spürte ich da. Doch zugleich wurde ich sehr demütig, weil mir bewusst wurde, dass das ja nur Science Fiction ist. Die Schlusszene nahm ich noch sehr magisch auf und ich freute mich sehr, dass es gut ausging.

Doch danach fühlte ich mich winzig und traurig, wegen dem, was wir Menschen unserem Planeten antun, in der stumpfen Hoffnung, dass eine solche (oder eine ähnlich unrealistische) Technologie die Apokalypse abwendet. Ich fühlte mich mehrere Tage danach noch relativ machtlos, bis mir klar wurde: So, wie in diesem Film, muss jeder seine Rolle spielen. Jeder muss seinen eigenen Weg machen und versuchen, damit der großen Sache (dem Überleben der Menschheit und dem Entstehen einer Utopie) zu dienen. Und so, wie die Pariser einst gegen die Autokraten kämpften und zwar bis zum bitteren Ende, auf dem Friedhof, wo sie bis zum letzten Mann alles gaben, um für unsere heutige Demokratie zu kämpfen, so müssen wir für das morgige Überleben kämpfen. Unser Leben ist nur für uns und unsere Freunde wichtig. In zwei Jahrhunderten ist es vermutlich völlig egal, wer wir waren. Doch genau deshalb müssen wir tun, was richtig ist, denn was wir tun ist das Einzige, was auch nach uns noch Bestand hat.


Fazit:
Der Film eignet sich perfekt, zum trippen auf Gras. Für Psychedelika ist er vermutlich zu bedrohlich, kompliziert und dunkel aber auf Gras habe ich damit Zustände erreicht, die mich an gering dosierte Erfahrungen mit Yopo-Samen (DMT und 5-meo-DMT) erinnern. Ich kann ihn trotzdem nicht jedem empfehlen, da ich mir wirklich auch vorstellen kann, dass man davon einen heftigen Bad-Trip bekommt.






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