Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Erfahrung mit Svenja und 250 Mikrogramm Acid
Drogen:Mischkonsum von LSD und Alkohol (Reihenfolge vom Autor festgelegt)
Autor:Acidhexe
Datum:27.02.2023 16:07
Set:Siehe Text
Setting:Siehe Text
Nützlichkeit:9,00 von 10 möglichen   (15 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Ich schildere hier meine persönlichen Erfahrungen. Dies ist keine Aufforderung zum Nachmachen!

Set: Nachdem ich in früherer Zeit bereits eine Menge Acid-Erfahrungen gesammelt hatte, schaltete ich eine Pause von über einem Jahr ein. Dies ist mein zweiter Trip nach dieser Pause. Ich bin etwas aufgeregt, neugierig und fühle mich gut.

Setting: Mit zwei Freundinnen an einem schneereichen Winterabend in einem renovierten alten Bauernhaus.

Meine Freundinnen Svenja, Sandra und ich, Irinja, haben uns am Wochenende auf meiner kleinen Ranch in NÖ zurückgezogen. Ich lebe am Rand eines sehr ausgedehnten Waldgebietes. Das adaptierte, etwas abgeschiedene alte Bauernhaus ist wie geschaffen für Rituale und Acid-Challenges.
Wir nehmen heute 250 Mikrogramm LSD, das ist für zwei so zarte Mädels eine ganz ordentliche Portion. Svenja und ich trippen, Sandra wird auf uns achtgeben und auf LSD verzichten. Für Svenja wird es für längere Zeit der letzte LSD-Trip sein.
Wir haben uns in der warmen Stube eingeigelt, nachdem es draußen schon wieder zu schneien begonnen hat. Svenja und ich nehmen unsere Hostien, die uns Sandra gemeinsam mit einem milden roten Glühwein serviert. Nach etwa vierzig Minuten geht’s bei mir los.
Am angenehmsten kommt es immer, wenn ich, so wie heute, eine milde, aber deutliche Wärme spüre, die mir langsam vom Bauch bis in den Kopf steigt und ich dann plötzlich kichern muss. Ich bin zwar manchmal versucht, das Gekicher zu unterdrücken, weil ich mir dabei etwas doof vorkomme. Aber hey, genau genommen geht es doch bei so einem Trip darum, ganz bei sich selbst zu sein. Oder? Also hau ich alles raus, was mich irgendwie bewegt, egal, wie doof oder pathetisch es auch wirken mag.
Svenja kennt meine Marotten natürlich längst. Sie umschlingt mit ihren Armen von hinten sanft meinen Hals und drückt mir einen ordentlichen Schmatz auf den Hinterkopf. Wieder muss ich kichern. Wir kennen uns schon lange. Anderthalb Jahre lang waren wir ein Paar und wir treffen uns auch nach unserer Trennung immer wieder mal für eine spannende Challenge. Sie ist die mit Abstand hübscheste Frau, die ich bisher kennenlernen durfte. Und sie kennt mich wie kaum eine andere.
Sandras Persönlichkeit hingegen ist ganz anders: Sie ist eine etwas prätentiöse Mittdreißigerin, professionelle Schauspielerin und jederzeit imstande, durch ihr Auftreten den Moment zu etwas Besonderem zu machen. Jedes ihrer Statements ist ein „Bühnenauftritt“. Böse Menschen würden sie vielleicht als Dramaqueen bezeichnen. Als Tripsitterin ist sie jedoch ruhig, diszipliniert und hat viel eigene Erfahrung mit Acid. Wir vertrauen ihr zu hundert Prozent.
Nun also sitzen wir auf dem dicken Perserteppich im Wohnzimmer, in einem Gewusel aus bunten Polstern und Kuscheldecken, hören so verschiedene Musik wie die von Dua Lipa, Miles Davis oder Radiohead und nippen vom Rest unseres einstweilen erkalteten Glühweins.
Meine Kopfhaut beginnt zu jucken. Genau an der Stelle, wo Svenja mich geküsst hat. Es fühlt sich an, wie wenn dieser Kuss auf meinem Kopf liegengeblieben wäre und Gewicht hätte. Vielleicht kommt das Jucken vom Alkohol? Das ist etwas lästig. Ich will es abschütteln. Mit der Zeit aber entwickle ich die Fantasie, dass mir aus der Kopfhaut nach Glühwein duftende Gewürznelken sprießen könnten. Ich streiche zögernd mit den Fingerspitzen über mein Haar. Shit! Da ist doch was! Oder? Ich fasse mir mein Handy, fotografiere meinen Hinterkopf und untersuche akribisch das Display. Da sind doch so kleine braune Punkte. Oder irre ich mich?
„Sveni“, sage ich, „ist da was unter meinem Haar, da, am Hinterkopf?“ Ich ziehe mit den Fingerspitzen meine Haarsträhnen auseinander.
Svenja lächelt mich breit an und schüttelt den Kopf. „Du bist einfach nur high“, Baby, genauso wie ich.“
Ja, ja, ist schon gut. Natürlich weiß ich, dass mir real keine Gewürznelken aus dem Kopf wachsen können, das wäre lächerlich. Das Acid macht eben seinen Job in meinem Gehirn. Doch irgendwie lässt mich die Sache trotzdem nicht kalt. Ich spüre das, seit Svenja mich an dieser Stelle geküsst hat. Irgendwie verrückt! Um mich davon abzulenken, stehe ich auf und trete vor die Haustür.
Stumm, abwartend und kühl empfängt mich die klare Winternacht. Ich kann meinen Atem fliegen sehen. Wie kleine Gespenster fließt bei jedem Ausatmen die Luft aus meinem Mund. Sind das Teile meiner Seele, die einen Ausflug in die Welt der Erscheinungen machen? Die Gespenster lösen sich gleich wieder auf, werden durchsetzt von diskret aufblitzenden Schneeflocken. Jede einzelne Schneeflocke ist umrandet von einer kleinen, blassbläulich leuchtenden Korona, als säße in ihrem Inneren je ein Körnchen Radium.
Ich fühle mich plötzlich etwas einsam und bin sehr froh, dass nur wenige Schritte von hier zwei Menschen auf mich warten, die ich liebe. Trotzdem steige ich die drei Stufen zur Terrasse hinunter und durchstreife schon bald den zugeschneiten Vorgarten.
Auf den hüfthoch zurechtgestutzten Buchsbäumen liegt eine dicke, im Mondlicht glitzernde Schneedecke. Eine magische Atmosphäre breitet sich hier aus. Das vereinzelte Aufblitzen des Schnees im Mondlicht wirkt auf mich wie ein seltsamer Morsecode. In diesem Aufblitzen schwingen Botschaften an mich, die ich zu entschlüsseln hätte. Doch fehlt mir der Schlüssel dazu.
Ich gehe weiter, durchstreife bereits den Obstgarten. Und mit einem Mal sehe ich rings um mich immer mehr aufleuchtende Schneeflocken. Immer dichter, immer intensiver leuchtend. Und sie wollen mir etwas sagen. Ich muss an „Avatar“ denken, an die „Atokirina“, kleine, in der Luft schwebende, quallenartige Wesenheiten, besonders reine Seelen. Nur dass meine „Atokirina“ eben Schneeflocken sind.
„Du bist am Zug!“
Ein stimmloser Gesang, irgendwie überall in der Luft schwebend. Ich drehe mich rasch um. Dort, hinter mir, etwa 50 Meter entfernt, mein Hexenhaus, mein Heim und Refugium, meine Lebensstätte, voller Licht und Wärme. Hier jedoch die klare Nacht, das kaltweiße Mondlicht, die Radiumschneeflocken und der Gesang:
„Du bist am Zug!“
Es umfängt mich nach und nach ein Gefühl, als sei das Innere meines Kopfes dort draußen, in dieser kalten Winternacht. Das ist schwer erklärbar. Und es ist sehr verwirrend. Mein Inneres ist nach außen gekehrt. Oder ist das, was ich hier sehe und höre, das Innere meines Kopfes, Ausdruck der Emanationen meines Gehirns? Könnte dieses Innere hier draußen nicht erfrieren?
Ich will zurück!
Zwischen dieser Nacht und meinem Haus liegen bloß 50 Meter. Aber ist das auch wirklich wahr? 50 Meter? Ein paar Schritte nur? Es fühlt sich anders an.
„Du bist am Zug!“
Wieder schaue ich zurück. Wo ist mein Haus!? Ach ja, Gott sei dank, da ist es noch immer. Aber habe ich mich nicht schon wieder um einiges weiter von ihm entfernt?
„Du bist am Zug!“
Ich schwebe weiter, versuche jedoch bereits, meine Richtung zu ändern, einen weiten Bogen zu machen und zurückzugehen. Aber gleich wieder vergesse ich mich selbst und wehe wie eine dieser Flocken im Wind hinüber zur Scheune, wo noch immer das Zeug der früheren Bewohner lagert. Ein alter, desolater Traktor, Heugabeln, Mistgabeln, Schaufeln, Schiebetruhen. Die früheren Hausbesitzer waren Bauern. Wahrscheinlich arm. Dann stand das Haus jahrzehntelang leer, bis es der Erbe zum Verkauf anbot.
Was mache ich da?
Wieder suche ich den Blick zu meinem Haus, aber von hier ist nichts mehr davon zu sehen. Es schneit so dicht, dass das blasse Licht der Zimmerfenster offenbar nicht bis hierher vordringt. Oder bin ich jetzt einfach nur vollkommen alleine. Auf einer Welt, wo sonst niemand und nichts existiert, nur ich, ganz alleine. Ich, eine solipsistische Wahnidee. Das macht mir noch mehr Angst. Ich fühle mich innerlich kalt und leer.
Hier, in dieser Scheune, bin ich schon vor ein paar Jahren mal gestanden, mit dem Kopf voller Acid. Auch damals war es nicht wirklich lustig. Doch diesmal ist hier nur Leere. Der alte Traktor und das ganze Zeug, das hier rumsteht. Sie sind da und auch nicht da. Auf einer gewissen Ebene ist hier im Moment jedenfalls der einsamste Ort im ganzen Universum.
Panik erfasst mich!
Ich suche im Dunkel das Scheunentor. Gott sei Dank, ich kann es finden und verlassen! Ich stolpere und falle in den Schnee, aber das macht nichts, ich spüre es kaum.
Der Schnee indessen singt. Eigentlich singt und atmet fallender Schnee immer, denke ich. Nur hören wir ihm normalerweise nicht zu. Er singt unsere inneren Lieder. Doch wer will die schon hören. Aber jetzt verstecken sich hinter dem Gesang keine Botschaften mehr. Es ist bloß ein pfeifendes Durcheinander, wie das eines verrückt gewordenen Synthesizers. Vielleicht das Schwirren der einzelnen Flocken, die aber jetzt kaum mehr leuchten. Eher wirken sie jetzt wie graue Kieselsteine, die vom Himmel fallen. Zum Glück können sie mich nicht verletzen. Ich weiß ja immer noch, dass ich auf Acid bin. Aber ich fürchte mich trotzdem.
Was mache ich hier bloß? Und warum fühle ich mich so furchtbar alleine?
Der Rückmarsch zum Haus dauert Jahre. Eine entsetzliche Einsamkeit erfüllt meinen Körper. Tränen versperren mir die Sicht. Ich muss mich vorsichtig vorantasten. Es ist ein schmerzendes Einsamkeitsgefühl. Ich spüre diese Einsamkeit als Schmerz in meinen Knien und Ellbogen, sie schmerzen bei jeder noch so kleinen Bewegung, ebenso schmerzen meine Hüften. Jeder Atemzug ist eine Last. Ich habe das Gefühl, einen Konzertflügel an einem Seil hinter mir herzuziehen wie Pierre Batcheff in den surrealen Kurzfilm „Ein andalusischer Hund“.
Aber schließlich packt mich eine Hand am Arm.
„Was ist los mit dir?“, schreit mich Sandra an. „Wir suchen dich schon eine ganze Weile. Du gehst ohne Jacke und in Hausschuhen so lange in den Schnee hinaus! Bist du verrückt?“
„Weiß nicht“, gebe ich weinend zurück und falle Sandra in die Arme.
Nun ist auch Svenja zur Stelle. Sie wickelt mich in ihren Anorak ein, und die beiden begleiten mich zurück zum Haus, wo sie mich vor den Kamin platzieren und ein paar Decken holen. Ich kann meine Finger kaum bewegen vor Kälte, und ich zittere unter den Decken so sehr, dass ich den warmen Tee verschütte.
Die beiden Frauen kuscheln sich an mich. Es ist jetzt sehr still. Niemand stellt mehr Fragen. Niemand wirft mir etwas vor. Wärme dringt langsam in mich ein. Es ist eine Wärme, wie sie nur liebende Menschen ausstrahlen. Diese Liebe durchdringt mich jetzt, schmilzt das Eis in mir, dieses schrecklich kalte Eis, von dem ich nicht wusste, dass es so etwas in mir gibt. Ich weine wieder.
Auch Svenja hat die Augen voller Tränen. Aber das sind keine Tränen der Trauer oder der Angst. Wir spüren eine sehr tiefe Verbundenheit. Es ist nicht mehr so wichtig, dass wir uns vor einiger Zeit getrennt haben. Es war eine schöne Zeit, aber trotzdem kam dann irgendwann das Timeout und schließlich das Ende. Kein totales Ende. Wir sehen uns ja noch immer von Zeit zu Zeit. Aber es hat so wehgetan, diese Gewissheit, dass ein gemeinsamer Weg, ein gemeinsames Leben, trotz dieser vielen schönen Momente miteinander, nicht mehr weiter denkbar war.
Nach einer Weile hat mich die Wärme durchdrungen und ich bin wieder imstande, mich auf den Trip zu konzentrieren, der jetzt angenehm und fließend seinen weiteren Verlauf nimmt.
Wir sitzen am Teppich vor dem Kamin, essen Früchtebrot und trinken milden Glühwein. Dazu sehr ruhige Musik von Steve Hauschildt .
Die Liebe fließt weiter, auch nach der Trennung, das ist es, was ich lernen muss auszuhalten. Ich bin am Zug. Ich muss endgültig loslassen, muss akzeptieren, dass Svenja jetzt mit einem Mann zusammenlebt, muss gutheißen, dass sie heute ihren letzten Trip für längere Zeit konsumiert, weil sie sich von diesem Mann ein Kind wünscht. Svenja wohnt aber noch immer in einer Kammer meines Herzens, ist ein Teil meiner selbst. Ich bin am Zug, sie jetzt freizugeben.
Ja.