Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Ayahuasca Erfahrung
Drogen:Ayahuasca
Autor:sandmann
Datum:11.02.2007 17:38
Set:Wohnung/ später Innenstadt und Uni
Setting:Ich erwartete keinen heftigen Trip und war dem enstprechend entspannt.
Nützlichkeit:7,14 von 10 möglichen   (14 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Ich entschuldige mich im Voraus für die vagen Angaben. Mir fehlt zurzeit eine Wage und Literatur zum nachschlagen.



Gestern 22:15 Uhr : Nachdem dem ich mir sicher war die nächsten Stunden weder von Anrufern noch von meiner Vermieterin belästigt zu werden, entschloss ich mich das Ayahuasca zu mir zu nehmen, dass ich 2 Tage vorher angesetzt hatte. Als MAO-Hemmer nahm ich Steppenrautensamen (ein bisschen weniger als ein Drittel eines Esslöffel), die ich mit einem Mörser ein wenig zerkleinerte und 2 Tage in Wasser einlegte. Als DMT-Quelle nahm ich Mimosa Pulver (einen Esslöffel voll), dass ebenfalls 2 Tage in Wasser eingelegt wurde. Ich wusste zwar nicht mehr ob DMT sich in Wasser lösen lässt, meinte aber mich erinnern zu können, dass Wasser hierfür nur basisch genug sein muss (das Wasser in unserer Umgebung ist sehr kalkhaltig). Den Steppenrautenansatz nahm ich komplett mit Samen ein ( 22:15 Uhr), von dem Mimosaansatz trank ich nur die Flüssigkeit (und zwangsläufig auch ein Teil des Pulvers/ 23:00 Uhr)

Aufgrund der Dosis erwartete ich keinen heftigen Trip, womit ich auch einverstanden war, da ich vorher keine Erfahrung mit der oralen Aufnahme in dieser Kombination gemacht hatte (nur Pilze mit MAO-Hemmern)

Die Samen allein hatten schon eine deutliche Wirkung. Eine halbe Stunde nach der Einnahme machte sich eine leichte Benommenheit und Verwirrung bemerkbar. Außerdem wurde mir auch ein wenig übel. Diese leichte Übelkeit blieb fast den ganzen Trip über, störte aber kaum.

Die Wirkung des Mimosa Pulvers entfaltete sich sehr rasch. Das Zimmer begann sich zu drehen und zu verbiegen. Als ich versuchte zu lesen, gelang dies nur sehr zähflüssig. Die Intensität meiner Wahrnehmung überschritt bald die Grenze des Angenehmen. Ich begann zu frieren und gleichzeitig zu schwitzen. Da ich von der unerwartet heftigen Wirkung ein wenig überrascht wurde, war ich zunächst ratlos, was ich nun mit meinem Rausch anfangen sollte und bekam auch zunehmend mehr Angst (meine letzte Halluzinogen Erfahrung liegt bereits ein Jahr zurück).(Ich vermute das der Grund für die unerwartete Wirkung die Samen waren. Im Buch Ayahuasca-Analoge habe ich gelesen, dass sich das Harmin in den Samen nach einiger Zeit in das wesentlich potentere Harmalin umwandelt (oder war es andersrum?). Meine Samen waren bereit 1,5 Jahre alt, sie hatten also genügend Zeit zu „reifen“). Zunächst versuchte ich das Gemisch wieder loszuwerden, was aber in keinsterweise gelingen wollte. Also entschloss ich mich nach draußen zu gehen (24:00 Uhr). Mit ein wenig Mühe glückte es mir mich anzuziehen, meinen Rucksack mit Wasser und einer Orange zu bestücken und sogar meinen Haustürschlüssel einzupacken. Ich hoffte die Kälte und die orange würden mich ein wenig runterbringen. Die Hoffnung wurde aber enttäuscht. Der Himmel hatte eine endzeitlich rote Färbung angenommen, außerdem schien mir alles sehr unbekannt. Nach ein paar Schritten stellte ich fast beiläufig fest, dass heute wohl jemand in der Nordstadt ein Feuerwerk machte (Krachen und Donnern in der Ferne, außerdem das typische Blitzen und Flackern, das Feuerwerk selber sah ich leider nicht) Nach kurzem überlegen musste ich mir allerdings eingestehen, dass dies Mitte Februar wohl unwahrscheinlich ist. Dieser Gedanke belustige mich, brachte aber auch eine besonders unangenehme Form der Angst mit sich, die mich des öfteren befällt: Die Angst den Bezug zu allem was fest und stetig ist, nun vollends verloren zu haben. Aus früheren Erfahrungen wusste ich, dass nun gerade diese Angst in Kombination mit Halluzinogenen, sehr gefährlich werden kann. Insbesondere wenn es ein starker Rausch ist, sollte man auf keinen Fall dagegen ankämpfen, wenn man nicht gerade das geistige Wohlbefinden auf Dauer schädigen möchte. So einleuchtend mir dieser Gedanke auch schien, umsetzen ließ er sich nur schwer. Auf dem Weg in die Innenstadt war mir die Fähigkeit abhanden gekommen gesprochenes Wort zu verstehen. Lesen konnte ich zwar noch, aber als ich versuchte den Inhalt der Gespräche der vorübergehenden Leute zu verstehen, nahm ich nur Wortfezen und skurrile Laute war ( eine Gruppe von Jungen verzichtete vollständig auf Sprache und grunzte und brummte nur vor sich hin, während eine Gruppe Mädchen überdreht durcheinander gackerte). Als ich versuchte zu pinkeln, fand ich das dafür vorhergesehen Organ erst nicht (was mich nach dem ersten Schrecken belustigte). Mein Anblick muss auch für andere sehr belustigend gewesen sein: Der Unterschied zwischen leise und laut Denken war mir manchmal nicht ganz klar und ich versuchte die Schwankungen des Untergrundes, die hier und da auftraten, mit entsprechenden Bewegungen auszugleichen. Aufgrund der unschönen Geräuschkulisse in der Innenstadt, beschloss ich zu meiner Uni zu laufen (eine Stunde für Hin- und Rückweg, es war mittlerweile 00:30). Diese Aufgabe lies sich nicht ohne weiteres bewältigen. Ich erkannte kaum etwas wieder. Einige der Strassen in die ich blickte, nahmen keine Ende und schienen sich im Unendlichen zu verlieren. Das einzige was mir ein wenig half, war der Umstand, dass ich den Weg bereits auswendig kenne. An den Hinweg kann ich mich nur noch ein wenig erinnern, an den Rückweg so gut wie gar nicht mehr. Die Selektion des Wahrgenommenen schien ausgeschaltet: Ich nahm die vielen (kleinen und großen) Details wahr, die sonst verloren gehen. Was recht interessant und angenehm klingt, ist in Wirklichkeit ziemlich fordernd. Dieses "zu viel" an Wahrnehmung machte eine Orientierung sehr schwer und verändert vertraute dinge so sehr, dass man sie kaum wieder erkennt. Auch mein Kurzzeitgedächtnis hatte seine Arbeit weitestgehend eingestellt.

Etwa 01:30 Uhr kam ich wieder in der Innenstadt an. Der Rausch begann langsam wieder abzuklingen, worüber ich aber sehr froh war und sogar langsam in Euphorie geriet. Diese Euphorie schien mir die Belohnung für eine erfolgreich bewältigte Aufgabe zu sein (vielleicht für die meinen Verstand auch diesmal behalten zu haben) Etwa 02:15 Uhr kam ich wieder zu in meiner Wohnung. Bis 05:00 Uhr war der größte Teil des Rausches abgeklungen. Am nächsten Morgen war ich noch ein wenig matt und hatte leichte Kopfschmerzen. Ein positiver Nebeneffekt: Meine Angst vor Dunkelheit ist bis jetzt verschwunden (ich hoffe dieser Effekt ist von Dauer).



Fazit: So Interessant der Rausch auch klingt, wirklich genießen konnte ich ihn wie so oft erst hinterher.