Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Mein außergewöhnlichster Pilztrip
Drogen:Psilocybinhaltige Pilze
Autor:skyline
Datum:19.03.2007 18:28
Set:Positiv, voller Vorfreude
Setting:Perfekt - zu Hause, Wohnzimmer, große Sofas, Decken, Musik, Kunstbilder
Nützlichkeit:8,26 von 10 möglichen   (23 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Hallo LdT Community,



in meinem ersten Tripbericht werde ich über einen, für mich ungewöhnlichen, Pilztripp berichten, den ich letzten Freitag (16.03.07) erfahren habe. Ich hatte das ganze schon im Pilzforum niedergeschrieben und wurde darauf hingewiesen das es besser sei einen Tripbericht daraus zu machen, der Bitte komme ich gerne nach.



Kurz ein paar Eckdaten zu mir, um ein besseres Gesamtbild zu vermitteln. Ich bin männlich, 26 Jahre jung, habe zwischen meinem 19-23. Lebensjahr täglich gekifft. Das Kiffen habe ich aufgegeben. Realtiv plötzlich, fast von heute auf morgen, ohne besonders zwingenden Grund. Ich wurde damals in der Firma zum Gruppenleiter befördert und hatte irgendwie keine Lust mehr jeden Abend 30 Geräte zu reißen und bis zum Einschlafen verstrahlt durch die Welt zu rennen - so war zumindest meine Selbstwarnehmung.

Habe über die Jahre auch mit einigen anderen Drogen (E, Speed, Koks) Erfahrungen gemacht, fand sie aber nie so richtig super. Mein erstes Mal Pilze nahm ich vor zwei Jahren, mit 24. Seitdem hatte ich irgendwas um die 9-12 Trips... alle paar Monate mal mit guten Freunden. Teilweise an zwei Wochenenden hintereinander, teilweise mit zwei drei Monaten Pause.



Im Unterschied zu den anderen Drogen, fand ich Pilze von Anfang an sehr interessant. Neben den oft angenehmen, optischen und audiblen Effekten, reizte mich insb. die Art und Weise wie das Psilocin die Informationsübertragung meiner Synapsen anregte und mir so zu den wunderlichsten Gedankenspielen und Weltanschauungen verhalf.

Sicherlich hatte ich auf ein paar wenigen der Trips auch unangenehme Momente. Beispielsweise wenn Leute dabei waren die zum ersten Mal trippten, nach dem Einstieg nicht mehr richtig mit sich und ihrer Umgebung klar kamen und permanent nach der Uhrzeit und der verbleibenden Wirkungsdauer fragen. Man macht sich Sorgen um die Leute, versucht zu helfen, kann aber nicht immer richtig und ist irgendwann selber genervt. Aber wie gesagt, kam nur selten vor und war auch immer nur Phasenweise. Dennoch ist mir wohl bewusst wie sich ein schlechter Trip anfühlt, bzw. eigentlich habe ich auf jedem Trip mal den ein oder anderen kurzen, unangenehmeren, Moment wo ich dann die Musik oder das Licht wechseln muss oder mal aufstehe und mir Kunstbilder ansehe; eben das Setting leicht verändere damit alles wieder ’im Lot’ ist. Ihr wisst sicher wovon ich spreche.



Letzten Freitag habe ich zusammen mit meinem Bruder und einem Kumpel von ihm 1g "Copelandia Cyanescens - Hawaiian" sowie 5g "Psilocybe Cubensis - Mexican" eingeworfen. Jeder die gleiche Menge, also etwa 0.3g Hawaiian und 1.7g Mexican pro Nase. Das ist die Dosis und die Sorten die ich mir im Laufe der Zeit als ’ideal’ ausgesucht habe. Man ist recht ordentlich drauf, aber nicht so sehr das einem alles wie ein Traum vorkommt und man garnicht mehr kommunizieren kann.



Wir haben die Pilze gegen 15.30 auf recht nüchternen Magen eingenommen - seit einem kleinen Frühstück gegen 9 nichts mehr gegessen. Etwa um 16.00 Uhr nahm ich die Wirkung wahr. Um 16.30 lag die Einstiegsphase hinter mir.

Ich hatte die nächsten drei Stunden gute Optics (vergleichsweise wenig leuchtende Farben, dafür viele Fraktalmuster insb. an der Raufasertapete), relativ wenig audible Effekte aber sehr viel ’Sympathie’ für die Musik, nicht sehr viele ’wirre/beflügelte’ Gedanken aber ein durchweg positives Körpergefühl - keinerlei Übelkeit, Unbehagen, Hitze/Kälte/feuchte Hände Effekte oder sonstwas. War alles in allem echt super, das Setting war perfekt. Die anderen waren ähnlich positiv unterwegs.

Wir haben zwischendurch ein bisschen gequatscht, uns Bilder von Franz Marc angesehen (ISBN 0856675830, kann ich sehr empfehlen) und gut zur Musik (viel Doors, Beatles, Chemical Brothers, Rolling Stones, etc.) gegroovt. Ich gehe auf diesen großen, angenehmen Teil bewusst nicht näher ein, da er mir und vermutlich auch euch nichts neues verrät. Es war bis dahin ein durchweg positiver Trip, wie man ihn sich jedes Mal wünschen würde.



Ab ca. 19.30 spürten wir das wir langsam wieder runterkamen und die deutliche Wirkung der Pilze abklang. Um etwa. 19.50 lag ich auf dem Rücken in einem Sofasessel, über mir eine Wolldecke, den Blick auf die Zimmerdecke (Raufaser) gerichtet. Dort beobachtete ich noch die letzten fraktalen Muster die mit der Musik tanzten. Es lief gerade das Album The Doors, von... den Doors :-). Die anderen beiden waren zwischenzeitlich auf dem Balkon gewesen um eine Kippe zu rauchen, saßen inzwischen aber wieder auf den anderen beiden Sofas und chillten mit zur Musik.



Während des letzten Liedes des Albums (passender Titel: The End) war ich in Gedanken versunken und blickte immernoch zur Decke. Ich dachte irgendwie über Dinge wie das Leben, unseren Planeten und das Universum, die Zeit, die Existenz, den Verstand und ähnliches nach. Was als nächstes geschah ereignete sich über einen Zeitraum von vielleicht 10-15 Sekunden, die mir jedoch ewig vorkamen und sich schwer in Worte fassen lassen, ich versuche mein Bestes.

Immer noch auf die Fraktalen Muster der Raufasertapete an der Decke starrend hatte ich unbewusst den Eindruck mit meinem Blick und meinen Gedanken einer Spirale zu folgen. Meine Gedanken über Realität und Zeit schienen sich immer weiter von der ’normalen’ Wahrnehmung zu entfernen und das ganze Universum schien mir plötzlich gar unreal. Ich hatte kein Konzept mehr von Dingen wie Leben, Arbeiten, Zeit, der Welt, Freunden, Mitmenschen, etc. Ich hatte ein Gefühl als ob ich binnen 10 Sekunden fünf Rätsel der Menschheit gelöst hätte, doch das Ergebnis machte mir eine unglaubliche Angst. Ich hatte für den Bruchteil einer Sekunde das Gefühl, wenn ich dieser ’Gedanken-Spirale’ weiter folgen würde meinen Verstand zu verlieren, sozusagen eine Sicherung in meinem Gehirn durchbrennen lassen und die Anordnung der Verbindungen meiner Hirnzellen und der Art und Weise der Serotoninübertragung an meinen Synapsen, die mein gewohntes Denken bestimmen, in ein komplettes Chaos stürzen.

Ich schreckte auf, sprang/setzte mich blitzartig aufrecht auf den Sessel. Die anderen beiden sahen mich etwas erschrocken an. Mir wurde unglaublich heiß und ich hatte einen plötzlichen Schweissausbruch. Ich zog mein Sweatshirt aus, schaltete die Musik ab und öffnete die Balkontür um frische Luft zu atmen. Ich sah die anderen beiden an, doch sie kamen mir leicht verfremdet und nicht wirklich real vor. Blitzschnell schossen Gedanken wie "die Welt ist eine Einbildung meines Verstand und die beiden sind nur Teil der Einbildung" durch den Kopf. In gewisser Weise wusste ich das es nicht stimmte, aber ich glaubte nicht daran. Für mich war die Welt zu diesem Zeitpunkt ein Betrug, eine Zeitlinie nicht existent oder nur eine Einbildung. Das Gefühl war überaus unangenehm.

Ich setzte mich zu den beiden und erzählte was eben in mir vorgefallen war. Während ich erzählte schossen mir immer wieder Gedanken durch den Kopf wie "toll jetzt erzähle ich das im Grunde mir selber".

Ich schlug vor nach draußen zu gehen und etwas durch die Gegend zu spazieren um abgelenkt zu sein und auf andere Gedanken zu kommen. Wir gingen die Straße runter und immernoch kam mir die Welt absolut nicht real vor. An einer Kirche machten wir halt. Auf dem Kirchplatz war irgendein Fest im Gange. Viele Leute liefen durch die Gegend. Für mich alles Hirngespinste. Keiner von ihnen kam mir echt vor. Das alles schien wie ein Film zu sein.

Ich merkte auch das die Wirkung der Drogen noch da war, wenn auch nicht optisch. Ich hatte immernoch die typischen Probleme wie bsp. eine längeren Konversation zu folgen ohne mit den Gedanken abzuschweifen. Auch konnte ich logische Zusammenhänge noch nicht richtig erfassen. Das waren aber Effekte die mir von vorhergegangenen Trips bekannt waren und von denen ich wusste das sie nach den 5-7 Stunden wieder vergehen.

Irgendwie hatte keiner so wirklich Lust in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen, da auch die anderen beiden noch nicht wieder richtig gesellschaftsfähig waren; seit dem Begin des Trip waren ja auch erst 4-5 Stunden vergangen. Also machten wir uns wieder auf den Heimweg. Zuhause angekommen saßen wir erst etwas unschlüssig im Wohnzimmer und suchten nach Möglichkeiten mich auf andere Gedanken zu bringen. Fernsehn, Musik, Quatschen, etc.

Ich versuchte mich so gut es ging abzulenken, hatte allerdings Schwierigkeiten mich auf irgendetwas zu konzentrieren, da ich die Gedanken, die ich zu unterdrücken versuchte "was ist wenn doch alles Fake ist, wozu gibt es die Zeit, was wäre wenn ich der Gedankenspirale weiter gefolgt wäre" nicht ausblenden konnte. Alle paar Sekunden schossen sie mir durch den Kopf. Ich stellte mich auf den Balkon und versuchte mit Logik wie "so viele Häuser und Kunstwerke da draußen, das kann garnicht alles in meinem Verstand entstanden sein, das übersteigt ihn" wieder klar zu kommen.



Mir war im Grunde egal ob diese Welt real war oder nicht, ich wollte einfach nur in meinen alten, wie er mir schien beschränkten, Zustand zurück. Nichts davon wissen. Ich dachte mir in meiner verqueren Denke "selbst wenn die Welt und all das nicht Echt ist und die Wahrheit ganz anders aussieht, ich bin nicht bereit dafür, ich will zurück".



Es dauerte noch etwa 2-3 Stunden, bevor ich wieder ein absolut klares Konzept davon hatte was Realität und Zeit ist und wie die Dinge zusammen hängen; und daran auch glaubte. Noch am selben Abend war alles wieder im Lot, dennoch gibt mir die Sache noch immer zu denken.

Ich hatte schon auf früheren Pilztrips ähnliche Gedanken in dieser Richtung gehabt, insb. was das Zeitgefühl angeht - kennt denke ich jeder, jedoch nur sehr kurzfristig und nie in dieser ausgeprägten Form. Auch früher habe ich mir schon Gedanken gemacht wie "hm Wochentage sind doch nur eine Erfindung der Menschen, Sprachen im Grunde auch, alles Ansichtssache, das Universum fühlt sich nach einer großen Einheit an, etc." aber immer mehr auf dem Hoch des Trip und nicht gegen Ende. Ausserdem habe ich nie richtig daran geglaubt bzw. es kam mir nicht so real vor und ich konnte immer wieder relativ schnell zwischen "das ist Wirklichkeit" und "das spinne ich mir zusammen" unterscheiden.



Alles in allem war der Trip dennoch wieder sehr angenehm und interessant, aber in Teilen, bzw. im letzten Teil auch beängstigend. Ich hatte gute vier Stunden Spass und dann binnen ein paar Sekunden die heftigste Erfahrung, die ich je auf Pilzen gemacht habe. Auch diese Ungewissheit, was wäre wenn ich dem Gedankenspiel, bzw. der Gedankenspirale weiter gefolgt wäre und mich darauf eingelassen hätte. Wäre ich verrückt geworden? Hätte ich noch länger daran zu nagen gehabt oder wäre gar nie mehr klar gekommen (unwarscheinlich, aber vermutlich möglich).





Ich habe keine klare Vorstellung davon was ich mit diesem Posting bezwecken will. In erster Linie einfach meine Erfahrung mit euch teilen. Gerne auch darüber diskutieren und erfahren wer von euch ähnliches erlebt hat. Ich denke das hier einige User sind die schon weitaus mehr und intensivere Trips hinter sich haben als ich und mir evtl. sogar sagen können was gekommen wäre wenn ich mich weiter auf mein Gedankenspiel eingelassen hätte.



Ich habe aufgrund des Vorfalls sicher nicht vor den psychoaktiven Drogen den Rücken zu kehren, das auf keinen Fall. Die Neugierde auf das was danach gekommen wäre ist einfach zu groß und ich bin bei weitem noch nicht fertig damit, meinen Verstand zu erkunden. Ich denke ich habe wieder etwas dazu gelernt. Ich weiss nicht ob mir das auf dem nächsten Trip helfen wird, aber es fühlt sich dennoch nach einer Bereicherung an. Eine gewisse Vorsicht und auch Angst bleibt dennoch.