Tripbericht lesen
Übersicht:
| Titel: | Das Meisterwerk |
| Drogen: | Psilocybinhaltige Pilze |
| Autor: | Orgi69 |
| Datum: | 22.03.2008 17:00 |
| Set: | stabil, gefasst auf Horror |
| Setting: | Mein Zimmer, Nachts |
| Nützlichkeit: | 7,64 von 10 möglichen (28 Stimmen abgegeben) |
Bericht:
"Um etwas fertig zu bringen, muss man eine Stufe tiefer tauchen, und jedes kleine Detail untersuchen, um am Ende etwas vollkommenes zu erhalten" (Phase 1 - der Wissenschaftler)
"Kann eine Selbstanalyse etwas so tiefes bewirken, und etwas in einem Menschen so zerrüteln, dass man bleibende Schäden davon trägt?" (Phase 2 - der Philosoph)
"Entweder man ist wahnsinnig, man macht sich selbst wahnsinnig, - oder man lässt es einfach" (Phase 3 - der Gott)
23:00: Startschuss
23:30: erste optische Effekte
00:00: der Anfang des Wahnsinns
02:15: optische Effekte verschwinden
04:30: Schlafenszeit
Ich trippte nicht um Farben zu sehen, ich trippte um etwas über mich selbst zu lernen. Meine momentane psychische Verfassung ist stabil, eigentlich kann ich mich nicht beklagen, und doch quälten mich seit geraumer Zeit fragen, auf die ich keine Antwort fand. Ich dachte die Hawaiianer könnten mir mehr oder weniger helfen, ich irrte mich...
23:00
Ich hatte nicht die beste Laune, aber auch ein Horrortrip wäre mir zu dem Scheisspunkt scheissegal gewesen, zumal ich noch nie einen hatte. Eine gute, unbekannte Menge Hawaiianer fanden schließlich den Weg in meinen Magen. Was sollte ich wärend des Trips tun? Ich hatte schlicht keinen Bock die ganze Zeit im Bett zu liegen und irgendwelche Trance Mucke zu hören, wie das letzte Mal. Also öffnete ich am PC den Texteditor, und versuchte meine Impressionen festzuhalten. Es war am Anfang ziemlich unspektakulär, noch bevor der Trip einsetzte, disskutierte ich mit einem ehemaligen Klassenkameraden per ICQ über das Thema Wirtschaft. Wir disskutierten über die Entstehung von Monopolen, und über Produktsubstitution. Ich konnte meinen Klassenkameraden recht schnell für das Thema begeistern. Etwa 20 Minuten später, merkte ich, dass die Reise beginnt, und mir die Disskussion zu viel wird. Ich verabschiedete mich von meinem Kollegen und schaltete ICQ aus. Ich hatte zu dieser Zeit bereits ein paar Notizen im Texteditor gemacht. Mir fiel auf, dass es mit der Zeit immer schwerer und belastender wurde den Bildschirm anzugucken, die kleinen Buchstaben im Texteditor, taten schon förmlich weh in den Augen. Zudem stellte sich eine dreidimensionale Optik ein, und jeder Buchstabe schien auf ner anderen Ebene zu verlaufen.
Original-Notiz: (SEHR WICHTIG es ist sehr schwer den bildschirm anzugcuekn es tut scho nfast weh SEHR KRASS,
mit einem auge gehts ^^)
Wie man sieht kontne ich auch nicht mehr wirklich fehlerfrei tippen. Es wurde mir zuviel, also nahm ich ein Blatt Papier und einen Stift und schrieb meine Gedanken per Hand auf, was mir viel mehr gefiel, da man viel mehr Möglichkeiten hatte. Ich dachte mir jetzt wäre der richtige Zeitpunkt um in die Tiefen meiner Psyche einzutauchen.
(Eine Bemerkung: mir war zu diesem Zeitpunkt sehr kalt, es war keine äußerliche Kälte, vielleicht kennt einer von euch dieses Gefühl auch, es wär eine Kälte von Innen heraus, ich zog mir 2 Pullover drüber und es half nichts, mir war trotzdem sehr kalt.
Außerdem schossen mir sehr viele Gedanken durch den Kopf, ich konnte keinen Satz zu Ende bringen, das Schema sah folgendermaßen aus:
Ich schreibe 2-3 Wörter auf, plötzlich fällt mir ein, "Hol mal dein Handy und film dich beim Trip", ich steh vom Stuhl auf, in dem Moment kommt mir der Gedanke "Mach mal andere Musik an", ich setz mich wieder hin, und denke in dem Moment, "Wieso hast du jetzt nicht das Handy geholt", und steh wieder auf. Teilweise musste ich über meine Trotteligkeit und Unbeholfenheit in dem Moment lachen, weil ich es wirklich nicht steuern konnte, kaum kam ein neuer Gedanke, war ich sofort mit dem beschäftigt, und ließ den alten links liegen.)
Phase 1:
Ich schrieb auf einen Zettel "Selbstanalyse" (aus einem Zeittel wurde im Verlauf des Trips ein halbes Buch, am Ende hatte ich ca. 15 Zettel voll geschrieben, vollgemalt, und verknüpfungen eingefügt)
Ich schrieb zuerst meine "Schwächen" auf und wollte den Trip so vom Negativen ins Postive lenken um am Ende des Trips gestärkt zu sein. Dabei fiel mir auf, dass ich zwar viele Schwächen habe, diese jedoch nur oberflächlich sind, und keine extremen negativen Auswirkungen haben. Aber man muss dazu sagen, dass bei mir sich ein sehr merkwürdiges Gefühl einstellte, so als müsste ich kotzen, allerdings nicht das Gefühl körperlich kotzen zu müssen, es ist eigentlich unbeschreiblich wenn man nicht auf Trip ist, ich wollte einfach meine Seele auskotzen. Ich hatte das Gefühl, dass ich tausend mal mehr Potential habe, als ich immer zeige. Ich hatte das Gefühl, ich leiste in meinem tagtäglichen Leben nur einen Bruchteil dessen, was möglich ist. Ich hasste dieses Gefühl. Ich könnte mich umbringen dafür. Ich hatte auch gleichzeitig ein Gefühl (ebenfalls fast unbeschreiblich), als hätte ich die Lösung all meiner Probleme auf der Hand, es war für mich offensichtlich was zu tun war - ich kam nur nicht drauf. Ich hatte das Gefühl ganz nah am Ziel zu sein, und doch endlos weit weg, so stellte ich fest, dass das Leben aus lauter Paradoxen besteht (während des Trips hatte ich zig weitere Male Gedankengänge, die möglich und unnmöglich zugleich waren, mir schoss während der gesamten Zeit etwa 20 Mal das Wort "Paradoxon" in den Kopf).
Phase 2:
(Eine Original-Notiz)
Es gibt viele Möglichkeiten, viele Alternativen um etwas fertig zu bringen, viele Wege, wie komme ich auf sowas? Was ich damit sagen will das Problem ist... -> "das Problem ist äh..."
Plötzlich musste ich laut lachen, diese Aussage "Das Problem ist äh..." belustigte mich extrem, und ich überlegte mir, was es doch für ein geiler Buchtitel wäre.
(Sorry wenn der TB keine gute Struktur hat und ich zwischen durch Kommentare einbringe, ich arbeite einfach meine Zettel einen nach dem anderen ab, und ich muss sagen diese Zettel sind teilweise Kunstwerke geworden, ich schrieb teilweise ein Wort mit meiner schönster Schrift, das folgende aber extrem Krakelig oder senkrecht, ich schrieb so wie ich es während des trips für nötig hielt. ZB hab ich hier einen Satz in Trichterform geschrieben, d.h. erste zeile 3 Wörter, zweite Zeile 2 Wörter, dritte Zeile senkrecht. Es ist schon krass, wenn ich mir das im nüchternen Zustand angucke)
Die zweite Phase setzte sich daraus zusammen, dass ich über die Notizen der ersten Phase philophierte und neue Notizen und Verknüpfungen dazu anstellte. Ich fragte mich, ob es überhaupt möglich sei, seine gesamte Psyche zu verstehen, und kam zu dem Schluss, dass dem nicht so ist. Ein Mensch der die tiefsten Ecken seiner Psyche kennt, ist ein sogenannter "Psychopath" Mir wurde klar, dass dieser Trip niemals die endgültige Offenbarung ist, die ich mir vor dem Trip mehr oder weniger erhofft hatte, mir wurde klar, dass ich mit diesem Trip nur (Original-Notiz) "an der Oberfläche meines Bewusstseins gekratzt habe", und dass ich noch viel tiefer vordringen könnte, allerdings nicht dieses Mal.
(Ihr merkt vielleicht mir waren die Optiken des Trips scheissegal, obwohl viele vielleicht nur der Optics wegen trippen, so war ich die ganze Zeit "mit meinen Gedanken beschäftigt" Aber ich kann euch trotzdem sagen, dass ich Optics hatte, für die, die es interessiert, ich sah beim jedem Augenaufschlag Fäden von Spinnweben über meinem Kopf schweben. Bei jedem Blick auf meinen PC musste ich lachen, da die Desktopsymbol Samba tanzten. Außerdem hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass der Bildschrim schief steht, wenn ich meinen Kopf leicht nach links neigte, so sah ich den Bildschrim gerade :D)
Ich machte kurz Pause mit dem Schreiben, und besuchte den LdT-Chat, in den ich mich aber nicht wirklich integrieren konnte, da ich viel zu vercheckt war. Ich reflektierte meinen bisherigen Trip und kam auf den Satz: "Entweder man ist wahnsinnig, man macht sich selbst wahnsinnig, - oder man lässt es einfach" und schrieb ihn auch in den Chat. Dieser Satz hat etwas in mir ausgelöst, ich wusste eigentlich die ganze Zeit, dass meine Gedanken bei diesem Trip extrem psychopathisch waren, also dachte ich mir "du lässt es einfach".
Phase 3:
Meine Gedanken wurden immer positiver und meine Laune immer heiterer (ich hatte keinen Horrortrip davor, und auch keinen Bad Trip, der Trip war einfach absolut emotionslos, sowas hatte ich bisher noch nie, ich war einfach der wissenschaftliche Betrachter meines Egos, aber das soltle sich nun ändern)
Mir schossen zahlreiche "schlaue Sätze" in den Kopf, die meine Stimmung ins unermessliche steigerten, "Entweder du bist eine Persönlichkeit, oder du bist ein Niemand", "Ich bin der Fortschritt des rationalen Denkens", "Ich kann auf beiden Seiten gleichzeitig stehen" und ein paar weitere...
ICH lenkte den Trip, ICH bestimme mein Leben, wenn ich will kann ich jederzeit aus einem Horrortrip, einen wunderschönen Trip machen. (Es heisst immer, dass Die Pilze dich lenken, - falsch, ICH war der Herr über den Trip, und ich lenkte die Pilze.)
Ich dachte mir, Leute die einen Horrortrip schieben, sind einfach nur schwach, und sollten keine Pilze nehmen (wie gesagt, es stimmt teilweise, ich hatte ein Paar Mal Ansätze eines schlechten Trips, aber ich habs immer ins Positive gelenkt), und die Meinung vertret ich auch weiterhin.
Ich betrachtete meine Notizen als ein Meisterwerk...
(Original-Notiz)
"Bin ich überheblich? Nein, ich habe innerhalb weniger Stunden, ein Meisterwerk verfasst, an dem andere Leute ihr Leben lang forschen könnten, und es doch nicht verstehen würden."