Tripbericht lesen
Übersicht:
| Titel: | ...und danach war alles anders - Der Reichtum einer Erfahrung |
| Drogen: | Ecstasy |
| Autor: | Ilka77 |
| Datum: | 11.04.2008 13:33 |
| Set: | gute Grundstimmung, hohe Erwartungshaltung |
| Setting: | zu Hause mit meinem Freund |
| Nützlichkeit: | 8,58 von 10 möglichen (50 Stimmen abgegeben) |
Bericht:
XTC- meine erste Erfahrung:
Ich weiß nicht mehr genau wann – es scheint schon eine halbe ewigkeit her, jedoch ist diese Erfahrung noch immer dazu in der Lage, sich wie ein Zauber über mein Gemüt zu legen, mich schwelgen und lächeln zu lassen – bei jeder noch so kleinen Erinnerung … für den Bruchteil einer Sekunde kann ich die behutsame, sanfte Weichheit unendlicher Tiefe dieses Abends nocheinmal spüren…
Ich wollte nie – konnte nicht nachvollziehen, warum Menschen, Jugendliche mit ihrem Körper so umgehen, sich mit Substanzen zuschütten ohne zu wissen, was sie anrichten können ….. Heute sehe ich das anders und ich halte es für unheimlich wichtig, diese Dinge nicht aus einer psychischen Verzweiflung heraus zu probieren und vor allen Dingen VORSICHTIG und gut DOSIERT damit umzugehen. Geistige Reife ist sehr wichtig. Allein das Gefühl ist es, was zählt und dieses Gefühl in sich zu behalten, daran zu erinnern, davon zu zehren – hin und wieder ein wenig Erfrischung für dieses Gefühl – gut kompensiert, denn wenn es zur Normalität wird, verliert es seinen Zauber und ich denke, es ist unheimlich schwer, diesen Zauber wieder zu erlangen. Droge ist nicht gleich Droge, das weiß ich jetzt.
Mein Freund hatte uns einige Teile besorgt und meinte, ich solle möglichst erwartungsfrei an diesen Abend heran gehen. Das war einfacher gesagt, als getan, denn nach den vielen Erzählungen meines Freundes und Tripberichten die ich inzwischen gelesen habe, viel es mir schwer, nicht schon nach wenigen Minuten der ersten halben Pille einen leichten Placebo- Effekt herbeizuzaubern … waren die Farben nicht intensiver als sonst ?
Alex versicherte mir, dass ich mich täusche und schlug vor, in die Wanne zu gehen. Ich versuchte mich auf das warme, wohlige Wasser zu konzentrieren und redete mir selbst ein, dass ich auch dieses intensiver empfand, behielt diese Erkenntnis jedoch für mich – immer wieder versuchte ich nicht an dieses kleine Teufelsteil in mir zu denken, mich einfach auf den Augenblick zu konzentrieren. Nach etwa einer halben Stunde stieg Alex aus der Wanne um mir schnell im Real noch eine Flasche Sekt zu besorgen er taumelte ein wenig und meinte: oh oh, so langsam geht’s los – ich blieb noch ein wenig drin, irgendwie enttäuscht…. War das schon alles? Als ich nach weiteren 10 minuten auch die Wanne verließ bemerkte ich einen leichten Schleier vor meinem Auge, als ob sich sanfter Nebel im Raum ausbreitete und diesmal wusste ich, dass ich mich nicht anstrengen musste, um ihn zu sehen, er war einfach da … fasziniert ging ich raus auf den Flur –auch hier war er, ich drehte meinen Kopf in alle Richtungen, kniff die Augen zusammen, rieb sie –doch der Schleier blieb.
In diesem Moment kam Alex mit einer schönen Flasche Sekt zurück und meinte nur: Ich hatte im Real richtig Angst, dass man mir ansieht, dass ich was genommen habe. Sooo schlimm fand ich es nun auch wieder nicht, ausser des Schleiers fühlte ich mich völlig normal und mein Hasi sah eigentlich auch ganz fit aus.
Zurück auf der Couch schoben wir beide noch jeweils eine halbe nach und wieder konnte ich es nicht verhindern, dass sich meine Erwartungen steigerten. Bei Alex dauerte es jetzt etwa noch 10 minuten, wir saßen nebeneinander, als er plötzlich nach hinten sank, seine Augen schlossen sich und er seufzte vor sich hin. Ich fragte ihn, ob alles in Ordnung sei, für mich sah sein Zustand eher so aus, als hätte er Probleme, als sei ihm schlecht oder schwindelig, aber hin und wieder huschte ein Lächeln über sein Gesicht und er sagte: Es ist seeeehr geil. Das konnte ich mir schwer vorstellen, denn bei mir war alles wie immer.
Erst nach etwa weiteren 10 min wurde mir schlecht und schwindelig (innerlich habe ich diesen Moment verflucht, weil ich nicht nachvollziehen konnte, was daran geil sein soll). Ich öffnete die Terasse und versuchte, die Übelkeit wegzuatmen, betete dafür, mich nicht für den Rest dieses Abends so zu fühlen – ich sah zu Alex rüber, der mich besorgt anschaute und immer wieder fragte, ob alles ok ist. FUCK, nichts war ok, mir war speiübel und die Welt drehte sich auf eine sehr unangenehme Art und Weise. Mit jedem Atemzug bröckelte ein Stück meiner Erwartung an diesen Abend von mir ab – ich wollte nur eins: Dass es endlich aufhört. Etwa 10 Minuten später hatte ich es geschafft, die Übelkeit zu überwinden und begab mich wieder zu meinem Schatzi auf die Couch.
Jetzt gings los ... (achtung: wer nicht auf schnulzige Lovestorys steht, der klicke schnell auf den kleinen Pfeil am oberen linken Bildschirmrand - er weist den Ausgang ;o)
Ich lehnte mich zurück schloss die Augen und in diesem Moment wurde mir warm, ein wohliges Gefühl umhüllte mich wie ein Mantel, Gedanken kamen und gingen – unzählig viele und alle wahnsinnig interessant. Jedem einzelnen wollte ich nachgehen, ihn zu Ende denken, was mir aber nicht gelang, da es einfach zu viele waren. Ich versank in meinem eigenen Kopf – es war, als stünde ich mit ausgebreiteten Armen in einem dunklen Raum, um mich herum kreisen leuchtende Worte, die den Beginn eines Gedankenganges darstellen und hin und wieder greife ich danach um es zu studieren und fortzuführen, aber da entdecke ich schon wieder einen anderen Begriff, lasse das eben ergriffene weiterkreisen und schnappe mir das nächste…
Eine Stimme neben mir holte mich aus meiner Gedankenspirale heraus: Na?! Geht’s dir jetzt auch richtig gut ? Du grinst wie ein kleiner Psychophat.
Langsam öffnete ich die Augen und war ersteinmal fasziniert von unserem so freundlich wirkenden Wohnzimmer – das haben wir wirklich schön eingerichtet, bis dahin ist mir gar nicht aufgefallen, wie gemütlich wir es eigentlich haben.
Als ich Alex ansah, war mir, als würde ich ihn das erste Mal sehen, mit dem gleichzeitigen Bewusstsein über unser wahnsinng vertrautes Verhältnis. Er lächelte mich mit einem unglaublichen Lächeln an… so vielsagend, mit einer so tiefen Glückseeligkeit, wie man es nur frei von störenden Gedanken, fernab von Problemen lächeln kann. Noch nie hatte ich jemanden so zärtlich lächeln gesehen. Seine innere Zufriedenheit strahlte eine unsichtbare Wärme aus, die mein Herz mit nicht-in-Worte-zu-fassende Liebe erfüllte. Unsere Hände berührten sich und ich verspürte einen tiefen Drang, ihm zu danken … dafür, dass er da war, mich liebte, für genau solche Momente, für alles … und noch so viel mehr.
In meinem Kopf überschlugen sich die Fomulierungen, wurden sofort wieder verworfen und neu begonnen, da sie nicht das ausdrücken konnten, was ich empfand. Meine Güte, wie nichtssagend war mein Wortschatz – da muss es doch noch irgendwas geben, was auch nur annährend so klingt, wie das, was ich fühlte?! So sehr ich auch kramte und gedanklich formulierte und umformulierte – ich konnte nichts von dem aussprechen, weil ich dachte, es ist nicht mal ein Bruchteil von meinem derzeitigen Liebesrausch-zustand. Ich hätte es schon fast als dreist empfunden, diesem emotional Übervollkommenen Moment mit Sätzen wie: „ich liiiieeebe dich unendlich, du bist mein Leben, das Beste, was mir je passieren konnte“ Ausdruck zu verleihen… Nein, das war es nicht. Es war ein Gefühl, dessen Bedeutung noch nicht in Worte gefasst wurde, womöglich weil es noch nie ein Mensch vor mir empfinden durfte – ich wäre also der Schöpfer eines neuen Wortes – die schwierigkeit lag nun wiederrum darin, zu beschreiben, was dieses neue Wort aussagen möchte. Diese Gedankenkette war mir dann doch zu kompliziert und ich schob sie ersteinmal beiseite.
Und so saßen wir nebeneinander, im Fernsehen lief die Peugeot werbung mit den beiden Marienkäfern und kurze Zeit war ich fasziniert von diesen grellroten Mäntelchen, den die beiden trugen – waren die schon immer so rot ?! Im allgemeinen nahm ich kräftige Farben kräftiger und schwächere Farben schwächer wahr – die Welt war schwarzweiß mit vielen bunten Farbklecksen. Mein Körpergefühl war unglaublich – ich fühlte mich richtig zu Hause in mir selbst, irgendwie leichter, hüllenlos, als fließender Übergang in meine Umgebung, mir war weder kalt noch warm, ich war einfach ein Teil des Augenblicks, hatte das Gefühl genau hier hin zu gehören – ohne mich wäre dieser Augenblick kein Augenblick… Irgendwann begann ich meine Hände zu reiben – es war unbeschreiblich, diese weiche Haut fühlte sich an wie ein samtartiger Stoff, der noch nicht entdeckt wurde, ich konnte nicht genug davon bekommen, knetete jeden Finger einzeln, massierte meine Handinnenflächen und eine wohlige Welle überrollte die nächste in meinem Körper. Alex wollte ich dieses Feeling nicht vorenthalten, griff nach seiner Hand und begann auch diese zu massieren. Seine Haut fühlte sich fast noch besser an und auch hier schien sich die Macht der individuellen Existenz zu verabschieden, ich spürte seine Hand, aber zwischen seiner und meiner gab es keine Grenze mehr, sie flossen ineinander, verwuchsen, sie waren eins – wir waren eins. Währenddessen begann Alex mir unheimlich liebe Dinge zu flüstern, er schien unendlich verliebt, betete mich förmlich an …. Ich schloss die Augen und saugte jedes Wort in mich auf. Immer wieder machte er lange Gedankenpausen, säuselte dann tiefgründige Worte mit einer unglaublich zärtlichen Stimme um dann mit einem tiefen Seufzer zu verkünden, dass er nicht ausdrücken könne, was er gerade empfinde – ich musste schmunzeln und gab ihm einen Kuss auf die Stirn: „Genauso geht’s mir auch“.
Was ich an diesem Abend ein wenig vermisste, war der Bewegungsdrang. Dieses durchaus angenehme Breitsein war nicht das, was ich erwartet habe. Unsere Hintern schienen auf der Couch schon den Boden darunter zu berühren … alles in allem aber sehr angenehm. „Flauschig“ viel mir ein… Flauschig, ein Begriff, den ich vorher (bevor ich mit MDMA in Berührung kam) zwar von einem guten Chatfreund kannte (an der Stelle flauschige Grüsse an Kimi), ihn aber mit nichts so wirklich in Verbindung bringen konnte – das kann man wirklich erst dann, wenn man den zauber der Pille erlebt hat. „Flauschig“ sagte ich laut. Alex schien irgendwie erstaunt und fragte: „wie? Hast du gesagt flauschig?“ Ich sagte: „ja, flauschig, das ist Kimis Lieblingswort – und ichdenke, der kennt sich aus… ich glaube, es gibt wohl kein Wort, was diesen Zustand besser beschreibt“. Alex musste lachen: „stimmt“ sagte er. Ich löste mit diesem Wort ein Gefühl der Erfüllung in mir aus – ein Wort das zum Zustand passte, wie die Faust aufs Auge. „Flauschig …flaaauuuschig….fla-uuu-schig ….schig schig … fllllll……auschig“ immer wieder sagte ich es jedesmal gewann es mehr an Bedeutung und fügte sich mehr und mehr in meinen Zustand ein.“Wahnsinn“ sagte ich mit einem strahlenden Lächeln über die Erkenntnis dieser Bedeutung: „Flischi-flaschi-flauschig“ Alex wandte sich mir ein wenig mehr zu und meinte: Oh nein. – Ich: was oh nein?! „jetzt fängst du an, das Wort auseinander zu nehmen, sowas kann sich stunden hinziehen – ich kenne das… na dann mach mal“
Ich weiß nicht mehr, wie lange das noch ging, aber nach einer Weile hatten wir irgendwie Bock auf „Aktion“. Angesichts unserer auf der Couch angewachsenen Hintern sinnierten wir etwa eine halbe Stunde darüber, was wir unternehmen könnte, ohne das es zu anstrengend wird. Alex kam auf die durchaus actionreiche Idee, doch mal zum Briefkasten zu „wandern“. Gut, das Ziel hatten wir nun klar vor Augen, was aber noch kein Anlass war sofort Taten walten zu lassen. „lass uns das mal nicht überstürzen“ meinte Alex und so bastelten wir uns erstmal eine imaginäre Checkliste, was alles zu beachten sei. „Wir müssen Schuhe und Jacke anziehen und vorher vielleicht nochmal auf Toilette gehen – Fernseher ausmachen und Handy nicht vergessen“. Nachdem alles sorgfältig geplant war rollten wir uns mühsam von der Couch und halfen uns gegenseitig beim Anziehen der Jacken. Wir bewegten uns mit der Geschwindigkeit einer querschnittsgelähmten Schnecke, und jede hektische Bewegung löste ein leichtes Stressgefühl in mir aus. Ich konnte mich schlecht entscheiden, welche Schuhe ich denn auf meiner Reise anziehe und mein Freund hat mich noch sehr professionell beraten, bevor wir dann endlich das Haus verlassen konnten. Der Weg zum Briefkasten (etwa 50m) wurde ein richtiges kleines Abenteuer und zog sich gefühlte 2 Stunden hin. Immer wieder entdeckten wir etwas in der Dunkelheit, was wir dann auch sofort erkunden mussten – einfach alles war interessant und aufregend.
Wieder heimgekehrt verbrachten wir den Rest der nacht auf unserer Couch, säuselten noch ein wenig über dieses faszinierende Gefühl, sahen fern und ließen so langsam die Müdigkeit von uns Besitz ergreifen. Draussen dämmerte es und ich freute mich mehr als jemals zuvor auf mein Bett und darauf, mit dieser neuen Erfahrung einschlafen zu können…