Tripbericht lesen
Übersicht:
| Titel: | Hard Rain [San Pedro] |
| Drogen: | Peyote |
| Autor: | floyd777 |
| Datum: | 23.04.2008 13:11 |
| Set: | vorbereitet, aber etwas angeschlagen vom Alltag |
| Setting: | daheim, Natur |
| Nützlichkeit: | 7,33 von 10 möglichen (30 Stimmen abgegeben) |
Bericht:
Vorgeschichte
Letzte Woche erfurch ich, dass ich spontan diese Woche zwei Tage für mich alleine habe und natürlich dachte ich sofort daran, wieder mal einen Trip zu starten. Ich hatte die Wahl zischen Pilzen oder SanPedro und beim Gedanken an einen SanPedro-Trip merkte ich, wie sich mein Inneres gegen die erneute Einnahme eines SanPedro sträubte. Der Grund lag wohl darin, dass ich die letzten 2-3 Trips auf SanPedro in der Dosierung etwas übertrieben habe. Die hohe Dosis bescherte zwar einen starken Trip aber eben auch unangenehm starke körperliche Nebenwirkungen bis hin zu starkem Zittern und Fast-Unbeweglichkeit. Andererseits hat mich SanPedro schon in aussergewöhnlich faszinierende Bereiche des Bewustseins befördert. Aber es half nichts, mein Körper signalisierte mir ein "Nein" zu SanPedro und hatte offensichtlich kein Problem Pilzen.
Ein weiterer Zufall ermöglichte es mir am Samstag vor dem geplanten großen Trip eine relativ geringe Menge Pilze zu konsumieren. Damit wollte ich mich auf den kommenden Trip einstimmen um eine entsprechende innere Haltung einzunehmen. Auf diesem Vor-Trip geschah es, dass in mir der deutliche Wunsch nach der Einnahme von SanPedro wach wurde. Allerdings war mir klar, dass ich die Dosierung mäßigen musste, wenn das was werden sollte.
Start
Also bereitete ich einen SanPedro-Trunk aus 450g SanPedro zu. Wieder wie gewohnt auf fast nüchternen Magen eingenommen auf ca 30 min verteilt am Dienstag vormittag. Übelkeit nach der Einnahme stellte kaum bis gar nicht ein und ich verzichtete auch darauf zu warten, bis der Trip seine Wirkung deutlich entfaltete bevor ich mich hinaus begab, sondern schwang mich gleich auf mein Fahrrad und fuhr los auf die Donauinsel. Da es ein normaler Wochentag war, war dort nicht allzuviel los. Die erste und zweite Stunde merkte ich, wie das Meskalin langsam aber sicher kam. Die Landschaft - die blühenden Bäume, die dicken weissen Wolken, das frische Grün - kam optisch sehr gut. Verzerrungen oder Muster gab es keine. Die Umgebung wirkte wie ein schönes Gemälde.
Hard Rain
Die letzten beiden Wochen hörte ich fast ausschließlich ein einziges Album immer wieder: Bob Dylan - Blood On the Tracks. Eine faszinierend schöne Scheibe, an der ich mich einfach nicht satt hören kann. Um mir eine Freude zu machen kaufte ich mir am Abend vor dem Trip ein weiteres Album von Bob Dylan: Hard Rain, ein Live-Album welches einige Songs von ’Blood on the Tracks’ beinhaltet. Ich nahm mir vor, es erst auf Trip erstmalig zu hören. Ich konnte es kaum erwarten mir das Album endlich zu geben und als ich auf der Insel endlich einen schönen ruhigen sonnigen Platz gefunden hatte warf ich meinen Player an und wählte das Album. Es waren zwei Stunden seit der Einnahme vergangen, die Wirkung des SanPedro war deutlich vorhanden, allerdings so, dass man es mir von aussen wahrscheinlich nicht anmerkte. Innerlich war ich aber sehr unruhig, ich spürte wie sich wieder innere Energieflüsse bemerkbar machten. Gleichzeitig merkte ich, dass ich innerlich so überhautp nicht entspannt war. Irgendwie trug ich ziemlich viel Alltagstrott mit mir herum, ich merkte auch, dass mein geistiger Horizont sich in den letzten Wochen ziemlich verengt hatte. Da kam nun Bob Dylans Hard Rain. Ein Live - Album, dass auch nüchtern gehört ziemlich jenseits von Gut und Böse ist. Teilweise falsch und schmutzig gespielt und rhytmisch unberechenbar, irgendwo 1976 vor einer enthusiastischen Menge. Die Musik fetzte und tobte und es gab in dem Moment wohl kaum eine andere Scheibe, die passender gewesen wäre, als diese. Denn genauso war mein Trip. Freiheit, Trotz gegen eingefahrene Verhaltensweisen. Ich betrachtete die Wolken und den Himmel und Minute für Minute fühlte ich mich freier und wohler. Das Meskalin war mit mir, es bereitete mir keine Probleme. Ich war erwacht! Nachdem Hard Rain zu Ende gespielt war musste ich es mir nochmal anhören.
Da kamen dann leider auch schon einige schwarze Wolken am Himmel und es wurde kühler. Ich setzte mich auf mein Fahrrad und versuchte mich über die Reichsbrücke in die City zu begeben. Das war prinzipiell eine gute Idee, denn ich hatte Lust Menschen zu sehen. Es war mir dann aber etwas zu anstrengend, denn ich musst auf ziemlich viel aufpassen, was ich mir dann nicht antun wollte, denn mein Bewustsein wollte entspannt in die Meskalinwelt eindringen und nicht auf Ampeln und Baustellen Acht geben müssen. Eine wunderschöne, verlegen auf den Boden blickende Lady begegnete mir auf dem Fahrrad. Ich war hingerissen, von ihrem Wesen. Nichts desto trotz, ich fuhr heim.
Harder Rain
Daheim angekommen merkte ich, dass der Trip weiter an Intesivität gewonnen hatte. Wieder musste ich Hard Rain auflegen. Nach einigen Minuten ging ein super Gewitter los. Zunächst war ich mir nicht sicher, ob das wirklich Blitze am Himmel waren, oder ob das durch den Trip ausgelöste Erscheinungen in meinem Gesichtsfeld waren. Nachdem der Donner losging wusste ich was los war. Ich begab mich auf den Balkon und genoss die Naturgewalt. Es regnete intensiv, kleine Hagelkörner zersprangen am Balkongeländer. Mein Rosenstrauch am Balkon genoss das Wetter offensichtlich. Es war absolut erfrischend, die feuchte Luft einzuatmen. Am liebsten hätte ich mich in den Regen hinausgelegt. Der Regen hatte eine intensive reinigende Kraft - so als würde er die ganze Stadt säubern. Das Gewitter löste Spannungen, die ich auch in mir spürte. Hard Rain. Ich wollte einfach den ganzen Dreck, der an mir klebte loswerden. Die Naturgewalt dieses Gewitters, die musikalischen Gewalt von Bob Dylans Hard Rain und die energetische Gewalt des SanPedro Trips umgaben mich. Mir fehlte noch die Verankerung in mir selbst. In meiner Bauchgegend war da immer noch ein nervöses Gefühl, das mich störte und das mir meinen inneren Frieden nicht gönnen wollte, obwohl ich im laufe des Tages bereits wesentlich ruhiger und offener geworden war.
Masken
Also versuchte es mit etwas, was mir bisher immer geholfen hat. Ich habe eine Sammlung von Aufnahmen indischer Klassischer Musik aus Westindien daheim. Bei den Konzerten war ich teilweise selbst dabei und ich würde diese Musik als "wahrhaft spirituelle Musik" bezeichnen. Man sagt, dass die Ragas teilweise von Shri Shiva persönlich an die Menschen gegeben wurde. Faktum ist, dass diese Musik mehrere tausend Jahre alt ist. Ich wählte ein Konzert aus dem Jahr 1988 und legte mich mit einigen Polstern ins Badezimmer. Badezimmer hilft mir,kann aber nicht erklären warum. Sitarklänge umgaben mich. Teilweise spielte der Artist ohne irgendein Begleitinstrument und die Melodie wurde derart langsam und gefühlvoll gespielt, dass phasenweise nur alle paar Sekunden eine Sitarsaite gezupft wurde. Die Töne waren sehr hoch. Dazwischen waren Pausen - einfach Stille und Nachklingen der Saiten - , die rhytmisch vollkommen Sinn ergaben. Ein Gefühl der Verzückung stellte sich ein. Langsam wurde es auch in der Bauchgegend ruhiger. Ich betrachtete mich im Spiegel. Ja da war tatsächlich etwas Angeschlagenheit und Ernsthaftigkeit im Gesichtsaudruck, die mir nicht gefiel. Wer war ich da? Was war passiert? Die Maske muss weg! Was hindert mich daran authentischer und zufriedener zu sein? Ich erinnerte mich an eine Arbeitskollegin und plötzlich merkte ich, dass sich mein Gesicht aufhellte. Das war schon besser, aber jetzt war da ein Gesicht, dass gerne mit der Arbeitskollegin flirten möchte. Gefiel mir auch nicht so ganz. So geschah es, dass ich Maske für Maske ablegte und immer den Faktor in mir, der mir nicht gefiel, abstreifte. Das konnte ich soweit treiben, dass ich mich letztlich so sah, als würde ich am Totenbett kurz vor dem Sterben liegen. Es ist schon klar: in der Todesstunden ist man wahrscheinlich alt, müde, möglicherweise krank, aber was sagen die Augen in einem solchen Moment? Diese Frage stellte ich mir und so sah ich mich zufrieden und eins mit mir selbst am Totenbett. Ein weiteres Konzert indischer Musik wurde gespielt und das was ich da hörte war sehr weit jenseits dessen, was ich gewohnt war zu hören. Nicht nur dass die Melodien zu den schönsten gehörten, die ich kannte, die Musiker experimentierten mit Hilfe ihrer Insrumente (alte traditionelle indische Saiteninstrumente und Tablas) mit verschiedensten Klängen, die ich so noch nie gehört hatte. Das ganze hatte eine schwer spirituelle Aura und ich nun hatte ich tatsächlich zu mir selbst zurückgefunden. Nach ca 10 Stunden ließ der Trip nach, war aber noch eindeutig vorhanden und erzeugte da und dort nette und schöne optische Effekte. Sozusagen zur Verziehrung der Umgebung. Im Kopf war ich relativ gedankenfrei und so klang der Trip dann auch langsam aus.