Tripbericht lesen
Übersicht:
| Titel: | Erster Pilztrip, wunderschöne Erfahrung |
| Drogen: | Psilocybinhaltige Pilze |
| Autor: | Raihiar |
| Datum: | 01.09.2009 17:38 |
| Set: | Entspannt, Ferien standen an, voller Vorfreude |
| Setting: | Marktstraße, mein Zimmer, unser Wohnzimmer |
| Nützlichkeit: | 8,59 von 10 möglichen (39 Stimmen abgegeben) |
Bericht:
Zuerst einmal zu meiner damaligen Vorgeschichte:
Ich war zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt, ca. 3 Monate später stand mein 19. Geburtstag an.
Bis vor etwa einem Jahr setzte sich mein Bekannten- und Freundeskreis fast ausschließlich aus meinem Schulumfeld, also Gymnasiasten der 10. und 11. Klasse, zusammen. Doch als die damalige Freundin meines längsten und besten Freundes (F.) mit ihm zusammen eine kleine Wohnung in meiner Nähe bezog, kam ich immer mehr mit der Punkszene in Berührung, was auch eine nachhaltige Verschiebung meines Freundeskreises zur Folge hatte.
Vor dieser Zeit hatte ich regelmäßig Alkohol und seltener Cannabis konsumiert, was aber eher mit Beschaffungsproblemen als meiner Vorliebe für Alkohol zusammenhing.
Durch die damalige Veränderung meines Umfeldes kam ich dann immer mehr auf den Geschmack der Bewusstseinsveränderung im Gegensatz zur Bewusstseinsbetäubung durch den Alkohol.
In dieser Zeit bin ich dann auch auf das LdT gestoßen, was mir eine neue Welt eröffnete, wenn damals auch nur theoretischer Natur. Ich verschlang TBs, Forenbeiträge, Drogeninfos und dergleichen mit Feuereifer und bereitete mich so geistig auf Erfahrungen vor, die über die übliche THC- und Alkoholwirkung weit hinausgehen.
Zum Triptag:
Ich verbrachte damals den Tag (ein sonniger Donnerstag im Mai / Juni) bei besagtem Freund, als gegen 15:00 eine schicksalsträchtige SMS auf meinem Handy eintrudelte.
Der Inhalt beschränkte sich aufs Nötigste: „Wollt ihr Shrooms kaufen?“
Mein Kumpel war sofort hellauf begeistert, ich dagegen war relativ skeptisch, machte mir Gedanken bezüglich der unvorbereiteten Einnahme und ob ich nicht am nächsten Schultag völlig „verscheppert“ sein würde.
Durch gutes zureden seitens meines Freundes konnte ich dann schließlich doch noch überredet werden, und schon saßen wir auf unseren Fahrrädern und machten uns auf den Weg zum Ursprungsort der SMS.
Nach ca. 20 Minuten Fahrt vom einen Stadtviertel unserer Kleinstadt ins nächste klingelten wir schließlich, wurden eingelassen und bekamen direkt einen kleinen Grastopf vorgesetzt.
Dort redeten wir noch ein wenig über den bevorstehenden Trip, dann kam der Moment der Wahrheit.
Vor mir lagen, sauber getrocknet und abgewogen, 2,2 Gramm Mexikaner, 2 Scheiben Knäckebrot und ein Glas Wasser.
Ich zerrieb die Pilze zu einem feinen Granulat, biss ein Stück Brot ab, versuchte so viel wie möglich des Pilzpulvers auf einmal herunterzubekommen (Ich kann normalerweise keine Pilze essen, da ich mit dem Geschmack einfach nicht zurechtkomme) und musste erstmal würgen.
Nach weiteren 10 Minuten war das „Festmahl“ dann beendet, es wurde noch etwas Konversation betrieben, doch um nicht schon unterwegs draufzukommen entschlossen F. und ich uns, es bald zu packen und zu mir nach Hause zu fahren.
Gesagt, getan – Wieder auf die Drahtesel und ca. 15 Minuten später standen wir vor meiner Haustür.
Mein Haus wurde im Vorfeld zum Ort des Trips erwählt, da ich bis Samstag sturmfrei hatte und wir so ungestört die Effekte genießen konnten.
Um uns die Zeit des Hochkommens zu verkürzen, spielten wir zusammen im Internet Counterstrike: Source (sollte jedem ein Begriff sein, für alle anderen: ein Taktik-Shooter).
Ungefähr eine Stunde nach der Einnahme fühlte ich die erste Veränderung des Körpergefühls und des Denkmusters: Ich fühlte mich wie ein überladener Akku, jede Faser meiner Körpers war bis zum zerreißen gespannt, mir war vollkommen klar, dass ich im nächsten Moment förmlich explodieren würde.
Außerdem konnte ich die Handlungen des gegnerischen Teams quasi vorhersehen, es war als würde ich eine Sekunde in der Zukunft spielen.
Kurzum, ich spielte wie ein junger Gott. Ich berichtete F. von meinen Gefühlen, er grinste nur und versicherte mir, dass es bald richtig losgehen würde.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf beschlossen wir, noch ein wenig in die Altstadt zu laufen, evtl. ein Eis zu essen und die ganze Sache auf uns zukommen zu lassen. Nach ein Paar Startschwierigkeiten ( „Geldbeutel? Hmmm... Schuhe? Oh! Hausschlüssel? Wird möglicherweise noch gebraucht...“) standen wir dann vor meiner Eingangstür, F. zündete noch eine Zigarette an und wir marschierten los.
Es ist mittlerweile 1:30 her, dass wir die Pilze verschnabuliert hatten, und die Effekte waren bereits im vollen Gange.
In der Gegend um die Marktstraße sind die Straßen und Gehwege nicht geteert sondern aus sehr großen und groben Pflastersteinen, dementsprechend uneben gestaltet sich auch jeder Weg in der Altstadt.
Jetzt aber habe ich das Gefühl, mich auf vollkommen glattem Grund zu bewegen, es sah so aus, als wären die Pflastersteine entweder unter einer Glasscheibe verborgen, oder auf diese Glasscheibe aufgedruckt.
Verwirrt von dieser Veränderung blickte ich auf und fand mich in einer Gasse wieder, wie man sie aus kleinen italienischen Bergdörfern kennt.
Jetzt war jede Orientierung dahin, ich wusste nicht mehr wo ich war (zur Erinnerung: ich bin ca. 1 Minute Fußweg von meinem Haus entfernt).
Gottseidank war F. noch klarer als ich und so folgte ich ihm, bis wir auf unserem Marktplatz standen.
Dort kannte ich mich dann wieder halbwegs aus, und so dauerte es auch nicht lange bis die erste Eisdiele gefunden war.
Wir mischten uns unter die anderen Gäste des Betriebs, warteten bis wir an der Reihe waren, nach unseren Wünschen gefragt wurden und: nichts! („Was will die Frau von mir? Am besten unauffällig wegsehen und schweigen – scheiße! Das hab ich doch bestimmt grad laut gesagt!“)
Ich schaue mich um, und sehe F. schon auf einer Bank am Straßenrand sitzen und Erdbeereis aus einem Becher löffeln.
Etwas verwirrt geselle ich mich zu ihm und betrachte den Schotterboden unter meinen Füßen, der sich mal flatternd wie eine Fahne in schnellem Wind, mal gemächlich wie das Wasser eines großen Flusses unter meinen Schuhen bewegt.
Die Holzbank auf der wir sitzen kommt mir zeitweise vor wie ein Schiff das im Kies unter mir treibt und langsam Fahrt aufnimmt.
Ich kam mir vor wie der Kapitän eines kleinen Bootes, als mir mein erster Maat F. anbot von seinem Eis zu probieren.
„Nichts lieber als das!“ dachte ich mir, voller Vorfreude auf das Geschmackserlebnis das mir bevorstand (Ich hatte schon eine Vorstellung von dem, was mich erwarten sollte – machte doch Cannabis noch das seltsamste Gericht zu einer Explosion im Mund).
Nachdem ich dann einen Löffel der eigenartigen Masse in meinem Mund verschwinden ließ, war ich ein wenig verwirrt. („Das ist ja süß und irgendwie beerig. Schmeckt mir das? Wie schmeckt das im Vergleich zu anderen Sachen?“)
Mittlerweile hatte alles, im besonderen der Himmel, eine sehr beruhigende rot-orange-Färbung angenommen, was uns zu der Annahme verleitete, dass es wohl bald dunkel werden würde.
So entschlossen wir uns dann, den 5minütigen Heimweg anzutreten, der sich relativ schwierig gestaltete, da man auf Flüssigkeiten bekanntlich nur langsam vorankommt (damals war ich der Meinung, dass die Innenstadt tatsächlich mit 10-15cm Wasser geflutet wurde, was auch das fließen des Bodens erklären würde). Ein weiteres Hindernis war, dass ich alle 30 Sekunden völlig unkontrolliert loslachen musste, was sogar solche Auswüchse annahm, dass mein Gesicht mit Rotz und Spucke verschmiert war, und erstmal gesäubert werden musste.
Zuhause angekommen stand ich vor einem weiteren Problem: „DER Schlüssel soll in DAS Schloss da passen? Vergiss es! Woher kriegen wir jetzt nen Ersatzschlüssel?“ Ohne ein weiteres Wort zu verlieren nahm mir F. den Schlüssel aus der Hand, führte das Monstrum in die Öffnung von Nadelöhrgröße ein, verblüffte mich damit so stark, dass mir die Kinnlade runterfiel, und winkte mich wie ein Butler herein.
Um in mein Zimmer zu gelangen, das ich im Vorfeld in etwa wie ein Matratzenlager eingerichtet hatte, mussten wir 2 Treppen erklimmen, die unter meinen Füßen wie Wackelpudding waberten.
Oben legte ich mich erst mal auf eine der Matratzen und beobachtete mein verändertes Zimmer: Mal war es annähernd würfelförmig, dann atmete es tief ein und streckte sich auf die 4-fache Länge, während die anderen Wände unverändert blieben.
Während ich mich nun so im Zimmer umsah, blieb mein Blick auf dem Gesicht von F. hängen. („Was hast du mit deinem Gesicht gemacht? Warum färbst du dich ständig um? Hör mal auf mit der Scheiße!“)
Doch schon Sekunden später hakte ich die Erscheinung als Normalzustand ab und stopfte meine Hosentaschen mit allerlei Kleinkram voll.
Mittlerweile lief der Fernseher, was das ganze Zimmer in den jeweils dominierenden Farbtons der Mattscheibe tauchte.
Etwas irritiert versuchte ich, dem Programm (Deutschland sucht den Superstar oder Ähnliches), sofern überhaupt von Programm geredet werden kann, zu folgen, war dann aber zu fasziniert davon, dass alle Personen – selbst das Publikum eine Aura hatten.
Diese Aura war bei jeder Person anders, entsprechend der Gesinnung: leuchtendes Weiß bei „guten“, nebliges, waberndes Schwarz bei „bösen“ Menschen. Kurioserweise hatten nur Menschen im Fernsehen diese Aura, im echten Leben fehlte sie.
Seitdem bin ich mir sicher, dass eine solche Aura tatsächlich existiert und eben nur auf Bewusstseinserweiternden Substanzen optisch wahrgenommen werden kann. Bei den meisten neuen Bekanntschaften kann ich seitdem gewissermaßen spüren, um welche Art Mensch es sich handelt.
Dieses „Bauchgefühl“ hat mich bis jetzt nicht enttäuscht, manchmal stellt sich eben selbst die sympathischste Person, bei der ich schon vorher ein ungutes Gefühl hatte, als Idiot heraus.
Jetzt stand erstmal ein ungeplanter Ortswechsel an, denn draußen auf dem Gang klingelte das Telefon („Ich hol mal schnell was zum Trinken, was willst du?" - "Bring mir einfach irgend..." *klinglinglingling* ,,ACH DU HEILIGE SCHEIßE").
Jetzt war erstmal Panik angesagt, doch nach einiger Zeit hatten wir uns auch schon wieder beruhigt und entschieden uns für die "intelligenteste" Möglichkeit, nämlich hingehen. ("Die wissen doch, dass wir zuhause sind, warum sollten die sonst anrufen?")
Aber schon einen Meter nach meiner Zimmertür wartete die nächste Überraschung auf mich: Meine kleine Schwester (14) trat aus ihrem Zimmer, um ebenfalls ans Telefon zu gehen.
Mit weit aufgerissenen Augen und einem Gesichtsausruck der mit diesem Smiley am besten beschrieben werden kann ( :O ) starrte ich sie einige Sekunden an, um dann die, meiner Meinung nach, einzig richtige Reaktion zu zeigen: Ich lachte hysterisch, lehnte mich "lässig" an die Wand und beobachtete, mit welcher Souveränität sie das Telefonat meisterte, während das Telefon abwechselnd mit ihrer Hand und ihrem Kopf verschmolz.
Als sie den Hörer auflegte, ging sie ohne weitere Umschweife ins Wohnzimmer, um dort ihrerseits eine Castingshow anzusehen. F. und ich hatten das Gefühl, dass noch Klärungsbedarf bestand, weshalb wir ihr nach kurzem Zögern folgten.
F. legte sich auf die Couch, ich nahm in meinem Sitzsack Platz und verfolgte das Gespräch in dessen Verlauf F. meiner Schwester glaubhaft versicherte, dass mit uns alles in Ordnung war, und dass unser seltsames Verhalten durch den Konsum psilocybinhaltiger Pilze zu erklären sei.
Infolge dieser Erklärung fragte mich meine Schwester, seit wann ich denn Pilze esse, worauf ich wahrheitsgemäß antwortete: "Seit es _solche_ Pilze gibt!"
Einige Zeit später begab sich meine Schwerster dann ins Bett, wir blieben noch, um uns ein wenig über dies und das zu unterhalten, gelegentlich einen Blick auf den nach wie vor laufenden Fernseher zu werfen und die langsam abklingenden Effekte zu genießen.
Einzelnen Personen waren Ohren, Nasen und Augen verkehrt herum am Kopf befestigt, jedoch war ich mir nicht sicher, ob die Ohrläppchen normalerweise nach Oben oder Unten zeigen, und so versuchte ich mich durch Nachfragen zu vergewissern ("Welcher von den Zweien da hat die Ohren verkehrt rum dran? - Hm? was willst du von mir? Is doch alles normal!").
Unbewusst ließ ich meine Hände in die Hosentaschen gleiten, und erfühlte einen eigenartigen Gegenstand.
Ich konnte beim besten Willen nicht identifizieren, was ich da zu ertasten versuchte.
Schon hatte ich eine neue, spannende Beschäftigung gefunden.
Ich probierte angestrengt, die verschiedenen vorher eingesteckten Dinge nur durch meinen Tastsinn zu erkennen, was beim anschließenden Ansehen des Studienobjekts oft zu unkontrolliertem Lachen führte. ("Fühlt sich ziemlich kurz an, verjüngt sich zu einem Ende und ist kalt. Könnte ein kurzer Bleistift sein..." *holt Gegenstand hervor* "Soso... ein Steckkopf für den Akkubohrer...")
Nachdem ich die Lust an dieser Beschäftigung verloren hatte, beschloss ich, den Abend zu beenden und ins Bett zu gehen, um morgen ausgeschlafen in die Schule gehen zu können.
Dort angekommen, rollte ich mich in meine Decke ein, löschte das Licht und wünschte F. eine gute Nacht.
Nachdem ich die Augen geschlossen hatte, durchfuhr meinen Körper ein wohliger Schauer, der mir ein kindisches Kichern entlockte.
Angesteckt davon, begann auch F. zu kichern und innerhalb von Sekunden hatten wir uns gegenseitig so angestachelt, dass wir beide Tränen lachten.
So ging es dann noch einige Minuten hin und her, bis ich schlussendlich in Ruhe geriet und die blauen und roten Fontänen beobachtete und sanft einschlief.
Fazit:
Die anfänglichen Bedenken, dass eine so spontane und unvorbereitete Reise möglicherweise zu einer unangenehmen Erfahrung führen könnten waren vollkommen unbegründet, auch die Dosierung war meiner Meinung nach für den ersten Trip optimal.
Der Trip war von Minute 1 bis zum Ende eine unglaubliche Sache, die ich in dieser Intensität und Qualität seitdem leider nicht mehr erleben durfte.
Trotzdem noch die obligatorische Warnung, dass Drogen(miss/ge)brauch gefährliche Auswüchse annehmen kann, die seelische und körperliche Gesundheit gefährden kann, und zu sozialer Ausgrenzung führen kann.
Ich möchte niemanden in seiner freien Entscheidung einschränken, doch es schadet nie zu warnen.
In diesem Sinne - Euer Raihiar :)