Tripbericht lesen
Übersicht:
| Titel: | LSD unterschätzt... |
| Drogen: | LSD |
| Autor: | laya |
| Datum: | 12.10.2009 01:50 |
| Set: | nicht besonders vorteilhaft... leicht erkältet & ansonsten nicht 100% glücklich... |
| Setting: | das Zimmer einer Freundin |
| Nützlichkeit: | 7,94 von 10 möglichen (52 Stimmen abgegeben) |
Bericht:
Mein dritter Trip.
Es ist mittlerweile schon fast zwei Jahre her, deshalb fehlen manche Details und die Reihenfolge ist evtl. ein bisschen durcheinander.
Da ich schon 2x LSD konsumiert hatte und die Trips sehr mild (wahrscheinlich viiiel niedriger dosiert) und positiv waren, erwartete ich nichts schlimmes.
Am besagten Tag bekamen wir Zeugnisse und trafen uns danach bei einer Freundin, die ich hier mal F nenne. Ihre Freundin T war auch dabei. Wir machten uns auch direkt einen Cappuccino mit jeweils einem Zuckerwürfel darin.
Die Wirkung setzte relativ schnell ein. Zuerst war alles bunt und witzig, der Vorhang atmete und die typischen Optiken trafen ein... Schon nach kurzer Zeit war ich dermaßen vertrippt, dass mir klar wurde, dass dies erst der Anfang ist und dieser Trip wahrscheinlich alles übertreffen wird was ich jemals erlebt hatte...
Die anderen beiden hatten Mützen auf und ein (elektronisches) Lied hat mich so mitgenommen, dass es mir vorkam, als wären wir Marsmännchen auf einem anderen Planeten, die wie in einem Supermario Spiel fröhlich durch die Farbenwelt hüpfen... Eigentlich waren wir die ganze Zeit am lachen. Plötzlich war F´s Mutter wieder zu Hause und stand aufeinmal im Zimmer. Wir konnten uns absolut nicht zusammenreißen und lachten sie so aus, dass ich mir fast vor lachen in die Hose pissen musste... ^^ Sie wollte das Telefon haben und ich ging davon aus, dass sie bescheid wusste, was mit uns los war und dachte, sie ruft jetzt meinen Vater an; wie ein kleines Mädchen, das beim Spielen Blödsinn gemacht hat und abgeholt werden muss.
Die anderen beiden waren sich ziemlich schnell einig, dass wir am besten raus gehen und da T hunger hatte und unbedingt ein Hähnchen essen wollte, gingen wir in die Innenstadt. Der Gedanke in die Öffentlichkeit zu gehen gefiel mir schon nicht besonders, aber dann auch noch in die Stadt, wo man alle möglichen Leute treffen könnte... O_o Naja, wir haben erstmal ewig gebraucht um uns anzuziehen und sind dann schließlich raus gegangen. Das Körpergefühl beim laufen war total merkwürdig, ich ging automatisch, fast wie ferngesteuert und fühlte mich wie ein Spaziergänger. Wir hörten alle mit einem Ohr mp3player und je näher wir in die Innenstadt kamen, desto überforderter wurde ich. Wir gingen hintereinander an ein paar Leuten vorbei (weil der Fußweg so eng war), wovon einer mir bekannt vorkam. Das erwähnte ich; aber ich habe nicht gecheckt, wie laut ich es gesagt habe und ob er das nun auch gehört hat oder nicht, und vor allem, ob ich es überhaupt gesagt oder nur gedacht habe. Totale Verwirrung.
Mir kam die ganze Zeit mein Vorname durch den Sinn, immer und immer wieder...
Es war schon ziemlich dunkel und am Himmel lief ein Feuerwerk voller Farben...
Zwischendurch habe ich sogar vergessen, dass ich auf LSD war.
("Wer bin ich eigentlich? Und was mache ich hier überhaupt??" ... - "Achja. Wir haben ja Drogen genommen...")
Endlich waren wir dort angekommen, wo die anderen essen wollten, aber dadrin war es auch nicht angenehmer. Es war total hell beleuchtet, man konnte von draußen reingucken und alles sehen; ich kam mir vor wie auf dem Präsentierteller. Jetzt mussten wir nur noch bestellen und uns hinsetzen. Jeder im Raum beobachtet uns, dachte ich. Die Kommunikation mit dem Verkäufer wäre mir nicht möglich gewesen. Ich war froh, als wir am Tisch saßen (obwohl ich mich dort immernoch beobachtet gefühlt habe) und wartete darauf, dass die anderen aufgegessen haben. Ich konnte absolut nicht verstehen, wieso sie das Bedürfnis nach essen hatten und dann auch noch auf ein totes Tier, das war mir einfach nur unbegreiflich. Einen Pommes probierte ich auch, aber das Gefühl im Mund war mir zu komisch. Überhaupt hat das Wort "komisch" an diesem Tag eine ganz neue Bedeutung bekommen. Alles war komisch. Ich war wie ein Außerirdischer... Auf dem Rückweg waren wir noch in einem Laden weil die beiden sich noch Süßigkeiten kaufen wollten. Totale Reizüberflutung - ich hätte mich niemals für eins entscheiden können.
Als wir wieder bei F zu Hause waren bekamen wir noch Besuch von M. Diese Person war auf Koks; es war, als wenn ein fremder Planet in unsere Welt einschlägt. Ich glaube M hat sich auch nicht wohl gefühlt und hat unseren Zustand selbst noch nie erlebt. Wir rauchten ein paar Köpfe weed zusammen und alles wurde noch seltsamer. Ich konnte die Unsicherheit aus M´s Augen ablesen und hatte irgendwie den Eindruck, als könnte ich ihre Psyche "lesen"...
Irgendwann konnte ich den ganzen Gesprächen nicht mehr folgen, ich hab in die Gesichter geguckt und die Worte einfach nicht mehr verstanden. Ich wusste nicht was sie mir mitteilen wollten und wie ich reden und vor allem die Sätze betonen soll. Da waren in wenigen Sekunden aufeinmal so viele Gedankenzweige, die in alle Richtungen gingen... Leider kann ich diese heute nicht mehr wiedergeben...
Als der Besuch sich verabschiedet hatte, meinten F und T, dass die Wirkung bei ihnen schon fast wieder vorbei ist. Das machte mir Angst, denn ich war noch völlig unterwegs... Ich dachte, ich sei hängen geblieben. Es machte mir nicht nur Angst- die Angst packte mich komplett und mir schossen Gedanken durch den Kopf wie z.B.:
"nur weil ich so leichtsinnig war, habe ich mir mein ganzes Leben kaputt gemacht"
"es heißt nicht umsonst Drogen! Jetzt hat es mich getroffen - so schnell kann es gehen, jetzt hab ich es geschafft meinen Kopf endgültig zu zerstören"
"wegen einer so kleinen, unüberlegten Handlung bin ich jetzt kein normaler Mensch mehr", etc...
Ich glaubte mich so zu fühlen, wie die Leute in der Klapse sich fühlen und dachte, ich wäre für den Rest meines Lebens nicht mehr in der Lage mich mit anderen Menschen zu unterhalten und niemals wird mich jemals wieder jemand verstehen. Worte reichen gar nicht aus, um diese Panik zu beschreiben... Keiner konnte mir helfen, es war zu spät...Ich hab mich so hilflos gefühlt... Es war wie ein Film, indem ich die Hauptrolle spielte, nur dass es ein "wahrer" Film war. Ich war darin gefangen und dachte, ich würde da nie mehr rauskommen.
Der Freund von F wollte demnächst vorbei kommen , jedenfalls fühlte ich mich unerwünscht und habe gemerkt, dass alle jetzt wieder in ihren Alltag gehen und dass mein Alltag da nicht reinpasst. Ich hätte noch ein paar Stunden bleiben können, aber ich entschied mich dazu zu gehen, weil ich es komisch fand, noch darauf zu warten bis ihr Freund kommt um dann nach Hause fahren zu können. Für mich ergab das keinen Sinn, also setzte ich mich aufs Fahrrad und fuhr nach Hause. Zum Glück ist mir kein Auto entgegen gekommen, ich bin mir nicht sicher, ob ich richtig reagiert hätte. Als ich angekommen bin, war ich völlig aus der Puste, ich muss wohl ziemlich schnell gefahren sein... Das Treppenhaus kam mir fremd vor. Meine Wohnung kam mir fremd vor. Alles sah total fremd und hässlich aus... Von der Anstrengung (?) musste ich erstmal kotzen. Meine Kotze war schwarz - keine Ahnung ob sie echt schwarz war oder ich mir das nur eingebildet habe...
Dieser Zustand sollte einfach nur noch aufhören, ich wollte wieder nüchtern sein. Habe mich in mein Bett gelegt und versucht zu schlafen. Allerdings war schlafen natürlich unmöglich. Mein Zimmer wollte ich mir aber auch nicht angucken, also machte ich die Augen zu. Es folgten Bilder und Gedankenschleifen, (die ich mittlerweile nicht mehr weiß) solange bis ich einschlief... Es kam mir eher wie ein "Wachschlaf" vor, als wenn mein Geist noch wach ist... Ich dachte die ganze Zeit, ich würde nicht schlafen... Aber als ich aufgewacht bin, habe ich bemerkt, dass ich wohl doch geschlafen haben muss... ^^
Tja... Seitdem habe ich nie wieder LSD oder ähnliches genommen. Habe mehr Respekt vor dieser Droge als jemals zuvor... Und ich habe auch gelernt, wie verdammt wichtig das Set& Setting ist!!!
Ich habe diese Droge komplett unterschätzt.
Das Schwierigste ist es glaub ich, einfach von der gewohnten Realität loszulassen. Ich dachte immer, ich kann das, aber irgendwas in mir hat sich so dermaßen dagegen gewehrt, dass ich mich nicht fallen lassen konnte und einfach nicht richtig mit dem Trip mitgehen konnte; sodass es ab einer bestimmten Stelle nur noch Horror für mich war...
Allerdings würde ich gerne nochmal LSD nehmen, ich denke, ich habe aus meinen Fehlern gelernt und meine Persönlichkeit ist um einiges reifer geworden...