Tripbericht lesen

Übersicht:

Titel:Grausame Nacht
Drogen:Mischkonsum von Ecstasy und Speed (Reihenfolge vom Autor festgelegt)
Autor:PaiZe
Datum:23.08.2004 00:00
Set:
Setting:
Nützlichkeit:6,19 von 10 möglichen   (16 Stimmen abgegeben)

Bericht:

Realitätsflucht



Mein Leben lang habe ich immer und immer wieder versucht, vor der Realität zu flüchten.. Sei es durch ein ständiges Kontra geben… Durch ein Verschließen der Augen.. Oder.. Mein letzter Ausweg.. Durch den Konsum von Drogen. Ich bin stolz sagen zu können, dass ich, kurz bevor es zu spät war, einsehen konnte, dass ich die Drogen nicht mehr im Griff haben.. Dass sie MICH im Griff haben, meine gesamte Gedankenwelt bestimmten… Etwas, wogegen ich mich immer gesträubt hatte, war nun eingetreten… Mein Leben war nicht mehr in meiner Hand. Wurde kontrolliert. Bestimmt. Monate habe ich gebraucht, um das einzusehen, um gerade noch den Dreh zu kriegen. Wie ich es einsehen konnte..? Wie ich es schaffe, jeglichen Gedanken an Drogen, mit einem anderen Gedanken auszulöschen?

Ich hatte sturmfrei… Was also anderes tun, als Drogen nehmen? Ne Freundin, Vivi, hat bei mir gepennt.. Wie jeden Abend saßen wir im Wohnzimmer.. Sie am Telefon, ich auf der Couch.. Voll und ganz damit beschäftigt, irgendwas von den Teilen zu spüren, die ich mir vorher geworfen hatte.. Keinerlei spürbare Wirkung trat auf.. Vielleicht hatte ich am Abend davor schon zu sehr übertrieben. Irgendwann ist Vivi in den Garten gegangen.. Kam aber schon nach ein paar Minuten wieder rein… Am zittern… Panisch… kurz davor, in Tränen auszubrechen.. Nachdem sie die Tür hinter sich zugeschlagen hatte, war sie ein paar Sekunden lang nicht mal dazu in der Lage, irgendwas zu sagen.. Dann… „Da draußen sitzt jemand in den Büschen!“ Kein weiterer Kommentar dazu… Keine Beschreibung… Gar nichts.. Nur dieser eine Satz… Sie hatte nichts gefressen, wovon sollte sie Optiks schieben? Trotzdem bin ich aufgestanden, um nachzusehen… Keinerlei Anzeichen von irgendwem… Aber selbst nachdem ich ihr das gesagt hatte, beharrte sie weiter darauf… Drei Stunden später.. Vivi hatte sich langsam wieder beruhigt… Bin ich in den Garten raus gegangen. Einfach so.. Frische Luft schnappen.. Ich hatte es mir gerade auf einem der Stühle bequem gemacht.. Auf einmal.. Ein Rascheln.. Natürlich direkt in die Richtung geguckt.. Da saß er.. Zwischen den Büschen… Blasses Gesicht… Leichtes Grinsen im Gesicht… Seine gesamte Gestalt vermittelte einem den Eindruck „Du weißt genau, was gleich passiert!“… Hab versucht ruhig zu bleiben… Versucht, mir einzureden, dass es ne Halluzination von den Teilen ist.. Aber.. Von den Teilen hatte ich ja schon 3 Stunden vorher nichts gespürt. Auch jetzt habe ich mich nicht drauf gefühlt.. Trotzdem… Keine Panik… Langsam aufstehen, als wenn nichts wäre.. Gelassen zur Gartentür.. Rein… Langsam die Gartentür zumachen… Dann.. Die volle Panik bricht in mir aus.. Zitternd.. Hysterisch… Vollkommen verängstigt erstmal wieder ab auf die Couch… Versucht, Vivi den Typ zu beschreiben… Obwohl sie ihn mir vorher nicht beschrieben hatte, stimmte das Bild vollkommenst überein… Ca. 2 Stunden lang saßen wir auf dem Sofa.. Haben unsere Panik unterdrückt.. Zwischendurch natürlich immer wieder durch die Fenster nach draußen geguckt… Irgendwann.. Wir hatten gerade wieder einen Blick nach draußen geworfen.. Auf einmal waren wir beide absolut ruhig… Dann.. Ein Blick zu ihr.. „Denkst du das gleiche wie ich?“ – „Der Typ ist im Haus!!“ – „Scheiße!“… In gespielter Ruhe sind wir aufgestanden… Haben alles eingesteckt, was wir mitnehmen wollten.. Musik angelassen… Dann, in gezwungener Gelassenheit das Haus verlassen.. „Erstmal bis zur Hauptstraße, da kann nichts mehr passieren, da ist Licht“ Schweigend die 10 Minuten bis dorthin gelaufen.. Nach 2 Stunden dann endlich wieder zurück… Vivi hat sich sofort schlafen gelegt.. Ich habe vielleicht auch ca. ne Stunde geschlafen.. Höchstens.. 6:20… Wieder aufgewacht.. Dann, von einer Sekunde zur nächsten, auf einmal die Erkenntnis… „Du hast die Drogen nicht im Griff.. Du hattest sie nie im Griff und wirst sie auch niemals im Griff haben“… Auf einmal kam die gesamte Unterdrückte Panik hoch… Gemischt mit den Gefühlen, über dieses endlich erkannte Wissen.. Dazu noch die Tatsache, zwei gute Freunde verloren zu haben, nur, weil ich lieber mit Drogen spielen wollte… Heulkrampf… Endlos… Absolut extrem…

Seitdem habe ich keine Drogen mehr genommen… Werde hoffentlich nie wieder welche nehmen.. Verfolgungswahn… Starke Paranoia… Sobald ich mich auf eine meiner Panikattacken einlasse… Herzrasen.. Atemnot… Heulkrampf… Ohne Messer neben dem Bett ist an Schlaf nicht zu denken… Selbst wenn Leute um mich rum sind.. Die Panik ist immer vorhanden… Lauter in meinem Unterbewusstsein.. Wartet auf den Moment.. Den Moment, in dem ich zu unvorsichtig, zu müde, zu schwach bin, um sie zu unterdrücken… Schlägt dann in geballter Stärke zu… Wirft mich zu Boden… Vielleicht hört es irgendwann auf… Vielleicht nicht… Wenn nicht, muss ich wohl damit leben… Mit den Konsequenzen, für die ich selbst verantwortlich bin… Ich will niemandem sagen „Hey, nimm keine Drogen“ , weil ich weiß, dass dieser Satz bei mir nicht gewirkt hat.. Nicht mal Ansatzweise… Ich will auch nicht sagen „Hey, ich hab Erfahrungen gemacht, die ihr niemals machen wollt!“… Auch das würde nichts bringen… Ich verurteile niemanden, der Drogen nimmt.. Jeder, der es übertreibt, wird irgendwann mit den Konsequenzen leben müssen… Sei es nun eine Strafe, die er absitzen muss… Körperliche Schwächen, die durch die Drogen entstanden sind… Geistige Schwächen, die durch die Drogen entstanden sind… Es geht mich nichts an.. Ich kann keinem helfen… Niemand kann irgendwem helfen.. Wer nicht will, der nimmt keine Hilfe an… Selbst wenn er sie annimmt… Es wird nichts bringen.. Die Erkenntnis muss aus einem selbst heraus kommen… Nen anderen Ausweg gibt es nicht… Es gibt keinerlei Rechtfertigung für den Drogenkonsum… Keinerlei Begründung, warum irgendwas legalisiert werden sollte.. Drogen sind Drogen.. Wer sie nehmen will, kommt so oder so dran.. Wer sie nicht nehmen will, lässt es so oder so sein… Immerhin… Meine Flucht ist mir gelungen… In der Realität lebe ich nicht mehr.. Kann ich vielleicht nie wieder leben… Ich kann mir nur selbst gratulieren und auf die Schulter klopfen… Nie wieder Realität…